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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage *

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und Feiertage. Der Bezugspreis betragt virrtetjcihrlich i ;ircb die Post bezogen 9.25 M (ohne Bestellgelds, oet unseren Zeituygsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in« HauS. (gür untier» langt ziigeiandle Manuskripte übernimmt die Medaktion feine- lei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buckidruckerei I. A. Koch (Jnb.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55

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Marvnrg

Donner siag, 2. Mai

I »>tt i-tiize.genpreis verragr |ur Oie < h.,r....yciie ooer .... . Raum 15 <4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20*, für Reklamen die Zeile 60 <4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieferung ausgeschloffen. Zahlungen im Post- scheckoerkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

17. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Politische Umschau.

* <- Die Stellung des Kaisers zur Duellfrag«.

tckG- Di« jüngste Verfügung des Kaisers darf keineswegs als feine ^Absolute Auffassung von einem Duell angesehen werden, da er 'derartige Entscheidungen auf Grund der ihm vorgelegten Dar­stellung des Falles trifft. Man wird also in der Darstellung die Ursache für die Stellungnahme des Kaisers zu sehen haben, denn dieser ist, wie die Korr. Hup schreibt, nicht einer Vermehrung der Duelle geneigt. Vor einiger Zeit ist darüber auch vom Kaiser ein Bescheid erteilt worden. DasZentralbureau der Internationalen Union zur Bekämpfung des Duells" hatte sich im Juli vorigen Jahres in einem Immediatgesuch an Kaiser Wilhelm mit der Bitte gewandt, der Liga und ihren menschenfreundlichen Zielen das Allerhöchste Interesse zuwenden zu wollen. Das Zentralbureau der Liga befindet sich in Budapest. Auf diese Eingabe hin ging der Liga durch den deutschen Botschafter in Wien im Auftrage des Kaisers eine Antwort zu, in der es heißt:Nachdem diese Eingabe auf Allerhöchsten Befehl dem Herrn Reichskanzler zur Erledigung angewiesen worden ist, bin ich beauftragt und beehre mich, der Union Internationale ganz ergebenst mitzuteilen, daß der mög­lichsten Einschränkung des Zweikampfes an Allerhöchster Stelle unausgesetzt die größte Aufmerksamkeit zuaewendet wird." Schon daraus kann man erkennen, daß der Kaiser stets von dem Ge­danken beseelt ist, die Duelle im Heere möglichst einzuschränken. In ähnlicher Weise sind die meisten Maßnahmen aufrnfoffen, die er in dieser Richtung getroffen hat. In der Erqänzungs- ordcr der Bestimmungen des Ehrenkoderes für Offiziere sind mehr­fach Bestimmungen getroffen, die auf eine Vermeidung von Duellen hinwirken. Besonders ist dem Ehrenrat mehrfach vom Kaiser zur Pflicht gemacht worden, soweit ee die Umstände ge­statten, unter Leitung des Kommandeurs auf einen Ausgleich hin­zuwirken. Es ist sicherlich auch kein Zufall, daß unter der Regie­rung Kaiser Milbelms II. die Duelle beträchtlich abaenommen haben. Im deutschen Heere sind am allerwenigsten Duelle zu ver­zeichnen. Das französische Heer weist die meisten Zweikämpfe auf. In den letzten 20 Jabren ist eine Abnahme der SWtrafunrren wegen Zweikampf in Deutschland um 34 % erfolgt. Wäbrend im Jabre 1890 ungefähr 100 Bestrafungen erfolgten, waren es im Jahre 1910 nur noch 64. Ein Riickaanq der Duelle ist entschieden zu be- obachten, wenn auch nach der Auffassung der deutschen Offiziere, sowie eines großen Teiles des deutschen Volkes das Duell in be­stimmten Füllen die einziae Möglichkeit einer Sühne bleibt.

Die Vorgänge im Abgeordnetenhaus.

In der Post wendet fiifi Frbr. p. Nedlitz rückickauend zu den Vor­gängen im Abgeordnetenhaus. Er konstatiert, daß der ..Vorwärts" die Etröbelfche Beschim.nfung des pro,'buchen Staates unter W-wn bot und daß dasBerk. Tabl" auch in dieler Vnoele-'enbeit als Sekundant der Sozialdemokratie auftritt. Er wendet stch aber auch aeaen di« . Köln. Ztg.". dl« in einem Artikel von allerlei ..finsteren Plänen der Rechten" fabuliert«, und das Gefühl dafür voll>*ändio verloren habe, daß der Sturm der Entrüstung, welch-n jene S*r<Gellcke Beschimpfung hervor­rief. der natürliche und beinahe selbstverständliche Ausdrock vaterlän­discher preußischer Gesinnung ist, und daß dabei Nebenoedanken irgend­welcher Art keinen Platz haben. Nicht dieser Vorfall, sondern der stän­diges di« Geschäfistätiakeii des Abgeordnetenhauses auf äußerste beein­trächtigend« Mißbrauch der Redefreiheit der Sozioldemokraten ist es, der in der konservativen Partei und darüber hinaus d-n Gedanken ae- schäftsordnungsmäßioer Abwebrmittel oe»en diesen Mikck-"i>ck nabe ae- legt hat. DieRbeinilche Wetterfahne" leistete sich in ihrem Art,ko' die Entstellung, als ob man von der Rechten den Liberalen Mangel an monoichischer und nationaler Gesinnung habe-vorwerfen wollen. Mit Recht weist Frhr. v, Zedlitz darauf hin. daß der freikonservotive Slbae- ordnete ausdrücklich den Worten des Abg. Friedberg volle Anerkennuno gezollt habe. Die Ausführunaen des Rheinischen Orogns sind ja sib-r- Haupt nur in seiner eigenarH'i.-n Stellung oeaenüber Links zu verstehen da es offenbar den Zweck verfolgt, die Freisinnigen und ein wenig sogar die Eenoffen zu decken. Frhr. v. Zedlitz weist schlagend nach daß es durchaus berechtigt und nur ein Zeichen po?iti;(ber Klarheit ist wenn man einer Partei, die wie der Freisinn Stickwablbündniffe mit der Genossen schließt, die völlige Sicherheit in nationalen Dingen abspricht. Schließlich führt Frhr. v. Zedlitz aus:Wenn man sich das unoualifi- zterbar« Verhalten der sozialdemokratischen Mitglieder des Abgeord­netenhauses erklären will, so wird man sich der Aeußeruna eines der sozialdemokratischen Führer gegenüber einem anderen Reichstaas­abgeordneten erinnern müssen, daß die Partei ihre widerwärtigsten An­gehörigen in das Äbgeodnetenhaus schicken werde. Die Sozia'demokratie geht offenLar darauf aus, durch ihre Vertreter im Abgeordnetenhause dieses nach Möglichkeit in der öffentlichen Meinunng herabzusetzen." Dagegen müffen Vorkehrungen getroffen werden.

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Italien und die Türkei.

Rom, 30. April. DerAgencia Stefan!" wird aus Peters­burg gemeldet: Die Agence Havas berichtet aus Konstantinopel, In einer an die Pforte gerichteten die Wiedereröffnung der Darda­nellen betreffenden russischen Rote werde gesagt-, daß Italien die Absicht bekundet habe, die Meerenge nicht anzugreisen. Der ita- ssienische Geschäftsträger hat daraufhin den Minister des Aeußern -«fragt, ob diese Behauptung richtig sei. Der Minister dementiert kategorisch die in der Depesche der Agence Havas enthaltene Dar­stellung.

Konstantinopel, 30. April. Bei dem gestrigen Diplo- «atenempfange teilte der Minister des Aeußern Asstm Bei den {Diplomaten mit, der Ministerrat habe bisher keine Entscheidung

| über die Wiedereröffnung der Dardanellen treffen können. Er werde danach trachten, demnächst eine Entscheidung zu fällen.

Rom, 30. April. Zu der Meldung der WienerReuen Fr. Presie", daß der KreuzerFeruccio" und zwei Torpedobootsjäger gedeckt werden muffen und daß ein italienischer Kreuzer, während der Beschießung der Außenforts der Dardanellen gezwungen wor­den ist, sich beschädigt hinter die Eefechtslinie zurückzuziehen, er­klärt dieAgencia Stefans" diese Meldungen sind vollständig falsch. Nicht nur der KreuzerFeruccio", sondern auch alle ande­ren Einheiten, die an der Flottendemonstration teilgenommen haben, sind völlig unbeschädigt und können jederzeit auslausen.

Ein Dampfer auf eine Se«mi«e gestoßen.

Saloniki, 30. April. Der um ter amerikanischer Flagge fahrende Dampfer2 e $ a s (Gesellschaft Kadschidaut), der zahlreiche Passagiere an Bord hat, i st bei der Ausfahrt aus dem Hafen von SmyrnaaufeineSeeminegestoßenundgesunken. Von 15 2 Passagieren wurden 92, von denen eine Anzahl verletzt ist, gerettet. Das Schiff, welches 1888 in RW>-Castle in England gebaut wurde, war ein Stahlschrauben­dampfer von 480 Tonnen. DieTexas" segelte unter der Flagge der Archipelago American StasMäp Company, welche in Smyrna ihren Sitz hat und zumeist die Küstenschiffahrt vom Archipel be­sorgt.

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Die Lime in Moiokko.

Paris, 29. April. Die Untersuchung der Ereigniffe in Fez durch den Gesandten Regnault hat ergeben: 1. Die Meuterei der Truppen haft« ihren Grund in der Unzufriedenheit, die durch die Entscheidung betref­fend den Sold und durch die Befürchtung der Soldaten, daß sie «inen Tornister tragen müffen, hervorgerufen worden ist. 2. Die Unterzeich­nung des Protektorats kann nicht als eine Ursache der Unruhen ange­sehen werden. Ohne Zweifel hat dieses Ereignis in einer fanatischen und unwiffenden Bevölkerungs^chicht eine gewisse Erregung und Feind- seliakeit hervorgerufen, aber dieser Geist hätte keine ernste Gefahr herauf­beschworen, solange die Truppen treu geblieben wären. 3. Auch in den Kritiken, die sich in dem Rahmen einer Erörterung des Mißbrauches der Amtsgewalt des Maghzen bewegten, kann kein Grund oder Vorwand zu einer feindseligen Bewegung gegen uns gefunden weren. Diese Kritiken hatten seit der Ankunft Regnaulis in Fez jede Schärfe verloren. Eben­sowenig ist irgend eine Spur, die auf fremde Machenschaften hindeutete, zu entdecken. 4. Die Ansicht, daß die Juden die Revolte angestiftet hät­ten, entbehrt jeder Begründung. Die Ereigniffe beweisen dies. Die Haltung des Sultans und seiner Veziere ist ebenfalls über jeden Ver­dacht erhaben. 5. Die Erhebung war nicht organisiert- 6. Di« Er­regung unter den Stämmen, die im Falle einer Verschwörung hätte zum . Ausbruch kommen müssen, fiel nicht mit der Meuterei des Militärs zu- Jammen und zeigte sich tatsächlich nicht unter den benachbarten Stämmen.

7. Es bestanden keine Anzeichen, aus denen man die Erregung vorher hätte bemerken können. Regnault und Meinier hatten keine Nach­richten erhalten, die sie in den Stand setzten, die Regierung über die Möglichkeit einer Meuterei aufzuklären.

Paris, 30. April. Aus Oran wird gemeldet: Nach den Mittei­lungen des französischen Kundschafterdienstes in Taurirt haben die Ver­treter der zwischen dem Muluvafluß und Fez ansäffigen Stämme wieder­holt Versammlungen abgehalten, in depen beschlossen worden sei, alle ihre Streitkräfte in der die Straße von Tazza nach Fez beherrschenden Kasbah von Me Sum zu vereinigen, um sich einem Vormarsch der Fran­zosen wiedersetzen zu können.

Paris, 30. April. Nach einer Vlättermeldung aus St. Nazaires sollen die KreuzerEloire" undEonde" sowie 5 Torpedobootszerstörer nach Marokko abgegangen sein.

Paris. 30. Avril. Aus Madrid wird gemeldet: Der Ministerrat beschäftigt« sich mit der von dem französischen Geschäftsträger in Tanger dem dortigen diplomatischen Korps gemachten Mitteilungen, daß die französische Regierung die gesamten Befugnisse nunmehr dem General- residenten übertragen werde und daß die französische Gesandtschaft in Tanger lediglich ein Amt für loka'e Angelegenheiten bilden solle. Die spanische Regierung sei von dieser Mitteilung sehr überrascht gewesen, da dieselbe das Protektorat, zu dem Spanien feine Zustimmung noch nicht erteilt habe, bereits als vollzogene Tatsacke ansehe.

Paris, 30. April, lieber die geplante OrganisierungMarokkos wird offiziös noch gemeldet, dem Generalresidenten werde außer dem mit Derwaltungsanfle'egenheiten betrauten Eciandtfchaftssekretär noch ein Stellvertreter beigegeben werden, welcher während der Abwesenheit mit der Leitung der Generalrefldentschaft betrau* wird. Diese Stellung wird einem Diplomaten übertragen werden. Wie in Tunis wird der Generalresident auch in Marokko das Amt des Musters des Aeußern des Sultans ausüben.

Paris, 30. April. Wie aus Fez vom 29. April gemeldet wird, las die vom Sultan ernannte Delegation, der insbesondere der Gvoß- wesir angehört, den Truppen, die gemeutert hatten, die Prok'amation Muley Hafids vor, worin der Sultan den Aufltand mißbilligt und drin­gend auf die Notwendigkeit der Vereinigung und des Abkommens mit Frankreich hinweist. Der Sultan wurde durch Hochrufe gefeiert. Den treuen Truppen wird die Proklamation morgen verlesen.

Paris. 30. April. Die Agence Havas meldet aus Fez: Die Ver­kündigung des Belagerungszustandes wurde am 25. April abends be- kannt gegeben. Der deutsche, österreichische und spanische Konsul sormu- lierien bezüglich ihnen vertraglich eingeräumten Jurisdiktionsrechte Vorbehalte.

Melilla, 30. April. Eigeboren« Soldaten griffen eine Abtei­lung Spanier an, töteten den Korporal und einen Soldaten. Treu­geb lie bene Eingeborenentruppen verfolgten die Angreifer und ver­wundeten drei.

Paris, 30. April. Aus Madrid wird gemeldet: Die Preffe er­örtert in scharfer Weise die Mitteilung des französischen Geschäftsträgers in Tanger, wonach di« Befugniffe des französischen Gesandten nunmehr dem Eeneralrefidenten übertragen werden. Einzelne Blätter erklären, die beste Antwort darauf wäre eine unverzügliche Besetzung von Arzila und Tetuan. DerJmparcial" will wissen, daß der Minister des I «eußern in dieser Angelegenheit bei allen in Marokko interessierten

Mächten entsprechende Schritte unternehmen werde. Es heißt, daß di« spanisch« Regierung in ihrer Antwort auf diese Mitteilung des fran­zösischen Geschäftsträgers, in welcher sie eineSeltsame Anomalie" er- blickt, wahrscheinlich Vorbehalte machen werd«.

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Deutsches Reich.

Der sächsische Kronprinz beim Kaiser. Achilleion, 30. April. Der Kronprinz von Sachsen ist in Begleitung des Generalmajors Carlewitz in Krofu eingetroffen. Der Prinz war zur heutigen Frühstückstafel nach Achilleion geladen.

Der Kriegsminister zur Duellfrag«. In der Budgetkom- mission des Reichstags erklärte der Kriegsminister: Er habe in der Erregung seiner Erwiderung auf den Angriff des Abg. Erzberger eine ungewollt scharfklingende Faffung gegeben, aber niemals im Sinn gehabt, einen Herrn, der aus reinen und edlen Motiven Duellgegner fei, als weniger würdig anzusehen, und auch den Aus­druck: ,Mßt nicht in die gesellschaftlichen Kreise" nicht gebraucht, wie das unkorrigierte Stenogramm zeige. Die Allerhöchste Order habe keinen neuen Grundsatz aufgestellt, sondern das vertreten, was in der deutschen Armee von jeher geherrscht habe und noch herrsche. Auch er sehe den Zweikampf als ein Uebel an, werde wie bisher mit allen Mitteln pflichtgemäß zu deffen Einschränkung beitragen, seine gewaltsame Beseitigung aber sei nicht möglich. Wegen nichtiger Ursachen finde er in der Armee überhaupt nicht mehr statt. Die Duellfrage schließe die schwersten ethischen Kon­flikte in sich und könne nicht kurzerhand durch den Gesetzgeber gelöst werden.

ReprSsentationskoften des Statthalters. Straßburg i. E., 29. April. Die Erste elsaß-lothringische Kammer hat mit großer Mehrheit eine Resolution beschloffen, in der ausgesprochen wird, es bestehe zurzeit kein Anlaß, eine Kürzung der Repräsentations­kosten des kaiserlichen Statthalters für die Zukunft ins Auge zu fassen.

Kundgebung de« Gesamtvorstandes des Deutschen Flotten» Vereins. Am 28. d. Mts. hielt der Eesamtvorstand des Deutschen Flotten-Vereins in Berlin eine besondere Sitzung ab, in der fol­gendes beschlossen wurde: 1. Die von der Regierung ekngebrachte. Flottenvorlage entspricht nur in geringem Maße den Bedürfnissen der politischen Lage des Reiches. 2. Wenngleich die Schaffung eines dritten aktiven Geschwaders mit Freuden zu begrüßen ist, darf sie doch nicht erkauft werden durch die fast völlige Entwertung der zweiten Kampflinie, wie sie durch eine Herabsetzung der ak­tiven Besatzung von der jetzt gesetzlichen Hälfte auf rund ein Viertel bedingt sein würde. 3. Der vorgeschlagene Bauplan ist unzureichend, seine Wirkung kommt zu spät zur Geltung. 4. Di« Vorlage berücksichtigt überhaupt nicht die seit Jahren bekannte, unbestreitbare Rot an Panzerkreuzern. 5. Darum tritt bet" Deutsche Flotten-Verein dafür ein, daß unbeschadet der übrigen Bestimmungen der Vorlage a) an den bisherigen gesetzlichen Be­stimmungen über die Jndienstbaltunq und Besetzung der Reserve- flotte nicht gerührt, vielmehr deren Ausführung beschleunigt wird, b) schon jetzt zu dem vom Jahre 1918 an gesetzlich gültig werdenden Dreischissstempo Lbergegangen wird und in den Jahren, in wel­chen nur ein Linienschiff gebaut wird, zwei Panzerkreuzer vorge­sehen werden.

Prüfung der Wahl Kaempf«. Die Wahlvrüfunaskommis- sion des Reichstags beschäftigte sich gestern mit der Prüfung der Wahl des Reichstagspräsidenten Kaempf, der in der Stichwahl mit 9 Stimmen Mehrheit über den sozialdemokratischen Geaenkandi- daten gesiegt hat. Der daaeaen eingelegte Protest rügt die viel­fach vorgekommene nachträgliche Eintraauna von Wählern in die Wählerliste und die Unrechtmäßiakeit der llngültigkeitserklärung verschiedener sozialdemokratischer Stimmzettel durch den Wahlvor­stand. 5 Stimmen wurden dem 9[fiae-"-hneten Kaempf bereits ab­gezogen. Die weitere Prüfung am Mittwoch wird ergeben, ob sofortige Ungültigkeit oder weitere Beweiserhebung beschloffen wird.

Streik auf der Hamburger Bnllann-erst. Hamburg, 30. April. Gestern morgen gab der Arbeiterausschuß der Vulkanwerft die Erklärung ab, daß die Arbeiter beschloffen hätten, den 1. Mal zu feiern. Der Arbeitgeberverband von Hamburg-Altona, dem auch die Vulkanwerke angehören, beschloß am 25. April, wie in den früheren Jahren, alle Arbeiter, die am 1. Mai feiern, 10 Tage auszusperren. Die Bekanntmachungen für die Arbeiterschaft sind der Vulkanwerft sowie ollen anderen Firmen von der Geschäfts­stelle des Arbeitgeberverbandes zugegangen. Die Direktion der Vulkanwcrft ließ diese gestern abend anschlagen. Heute morgen legten sämtliche Arbeiter der Vulkanwerft ohne Angabe des Grun­des auf Veranlassung der sozialdemokratisches! Organisation die Arbeit nieder. Auf den Vulkanwerken ruht der ganze Betrieb, während man zuerst annehmen könnte, daß die Niederlegung der Arbeit mit der beabsichtigten Feier des 1. Mai im Zusammenhang stehe, scheint der eigentliche Grund ein anderer zu sein. Die Ein­stellung der Arbeit erfolgte heute früh nachdem einer der Obmän­ner des Arbeiterausschuffes, dem unerlaubte Agitation vorgewor­fen wurde, entlassen war. Ausständig sind sämtliche organisierten Arbeiter, auch die der Hirsch-Dunckerschen und der christlichen Or­ganisation angehörenden. Insgesamt feiern jetzt etwa 8000 Mann.

Ein «euer Spionagefall? Worms, 30. April. Das Ver­schwinden eines Reisenden, der seit längerer Zeit in einem hiesigen Hotel wohnte und seit zwei Tagen nicht mehr gesehen worden ist, wird mit einer Spionageaffäre in Zusammenhang gebracht, bte gestern zur Kenntnis der Behörden gelangt ist. Ein Soldat der 5. Kompagnie des Infanterie-Regiments 118 wurde in dieser An» , gelegenheit bereits verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. -