mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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17. Jahrg.
1912.
Marburg
Dienstag. 30. April
Unb den BeUagenr „Noch Feierabend", „Fürs Haus" und .^andwittschastliche Beilage".
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(frrttes Blatt.
Italien und die Türkei
Rom, 28. April. Gegenüber der von der „Neuen Freien Presse" veröffentlichten Nachricht, baß der Kreuzer „Francesco Ferruccio", nicht „Varese" bei den Dardanellen gesunken sei, erklärt die „Agence Stefani": Die Nachricht ist ebenso unrichtig, wie von dem Untergange des „Varese". „Francesco Ferrurccio", der unter dem Befehl des Kapitäns Casalino steht, befindet sich in ausgezeichneter Verfassung unir ist bei dem Bombardement der Dardanellen ebensowenig von einem Geschah getroffen worden, wie der „Varese" oder die übrigen Schiffe.
Konstantinopel, 28. April. Das Kriegsministerium veröffentlicht ein Telegramm Enver Beys vom 23. April über den Kampf, der in dieser Nacht bei Tobruk stattgefunden hat. Die Italiener hätten etwa 40 Tote gehabt. Ferner seien zwei Maschinengewehre unbrauchbar gemacht und ein Scheinwerfer zerstört worden. Die türkischen und arabischen Truppen hatten zwei Tote und drei Verwundete.
Konstantinopel, 27. April. Dem Kriegsministerium wird aus Tripolis vom 23. ds. Mts. gemeldet: Zwei bei dem Blockhause von Buchamez lagernde italienische Regimenter griffen Tuzla an, muhten aber infolge des Widerstandes der Türken und Araber die Flucht ergreifen. Sie liehen eine Anzahl Tote und Verwundete zurück und wurden bis zur Festungslinie verfolgt. Die türkischen und arabischen Truppen hatten 15 Tote und 120 Verwundete. Nach diesem Kampfe bombardierten die Italiener Sidi- Caid, jedoch ohne Erfolg.
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Zum Unteraana der Titanic.
Washington, 27. April. Der Kapitän des Dampfer» „Mount Temvle", Moore, sagte vor der Senatskommission aus, er glaube, die „Titanic" habe die Position ungenau angegeben. Er bestritt, dah die Passagiere des „Mount Temple" die Notsignale der „Titanic" gesehen hätten. Er verlas eine Fülle drahtloser Meldungen aus der Unglücksnacht, darunter solche des Dampfers „Frankfurt", die besagten, dah die „Frankfurt" zur Hilfeleistung herbeieilte. — Der Oberstewart der „Titanic", Cummingham, sagte aus, die Passagiere seien erst 50 Minuten nach dem Zusammenstoss geweckt worden. Der Direktor der White Star Linie, Franklin, Beitritt, dah die Gesellschaft versucht habe, die „Titanic" am 15. Avril neu zu versichern.
Der Telegraphist der „Frankfurt" gibt jetzt eine genaue Darstellung über seinen telegraphischen Verkehr mit der „Titanic". Es erhellt daraus, dass, wie schon mehrfach berichtet, zu den Vorwürfen, die dem deutschen Damvfer gemacht worden sind, nicht das ^mindeste Recht vorlaq. Der Telegraphist, namens Zippel, berichtet: „Am 14. Avril, abends gegen 10 Uhr, hörte ich. wie der Whitestardampfer „Titanic" Privattelegramme an Cap Race gab. Nachdem die „Titanic" einige fünfzig Telegramme an Cap Race abgesetzt hatte, hörte sie plötzlich damit auf. Jetzt gab ich das Suchzeichen C Q, um Verbindung mit anderen Schiffen aufzunehmen, worauf mir „Titanic" das übliche T R sZeitungstelegramm) mit 'N J L gab, welche ich quittierte und ebenfalls mit N J D beantwortete. Etwa fünfzehn Minuten später sandte mir „Titanic" ihre Position mit folgendem Nachsatz: „Sagen Sie Ihrem Kavitän, dass er uns zu Hilfe kommt. Wir stecken im Eis." Nachdem ich den Erhalt obiger Meldung quittiert batte, gab „Titanic" die Seenotzeichen S O S unb C Q T>. Ich benachrichtigte sofort Herrn Kapitän fSStorf von bet Melbung ber „Titanic", welcher mir balb darauf 8Mebl gab, der „Titanic" mitzuteilen, dass wir ihren Kurs genommen hätten, aber nicht vor 10 Uhr am nächsten Morgen dort
Rachdr. verboten.
Stärker als Du!
Roman von Räte Lubowski.
(Sortierung.)
Bei einem alten Bauern krochen wir unter. Dessen beide Söhne waren grabe über das Meer gegangen. Bald genug erfuhren wir an unfern eigenen Leibe den Grund, um den die Alien Tag für Ian jammerten. Der Vater hielt die Hand auf der Geldtasche--die Mutter
bie ihre auf den Fleischtöpfen. Das hatte die Jungen vertrieben. — — Wir hielten Stand . . Sie waren auch zufrieden mit uns denn wir klagten über nichts unb liessen dem mageren, halbverhungerten Hofhund noch jedesmal genug in der Schüssel, damit er sich sättigen konnte.
Kleidung erhielten wir auch!
So ermangelte uns nichts.--Der ölte Bauer hatte bald genug
heraus, dah etwas mit uns nicht sttmmte. Das nutzte er zu feinen Gunsten aus. Er lieh uns fühlen, daß er uns in der Hand hielt--
hütete sich aber, feine zuweilen ausgestossenen Drohungen wahr zu machen, denn die Arbeitskräfte in jenem Dorf waren knapp und teuer. Was jung und intelligent war, blieb nicht daheim.--Nach vier
Jahren kam der jüngste Sohn das erstemal von drüben herüber. Er brachte den Verkauf des Bauernhofes zu Stande, mietet die Eltern irgendwo ein und nahm uns beide, auf vieles Bitten, mit sich.--—
Von jener Zeit, die nun folgte, ist wirklich nicht viel zu sagen. . . Wir schafften genau so auf seiner einfachen Farm weiter, wie wir das auf dem Hof seines Vaters gewohnt waren."
Der Justizrat tat eine Frage.
„Sie waren damals, als sie von hier schieden, aber doch durchaus nicht der Stärkste, Herr Witt .... Daß Eie das alles so aushielten."
Eine Pause glitt herab! Danach ein Auffahren . . . etwas wie ein tzerrtssenes Lachen:
^Bir mußten doch.---Da galt es nichts, wenn einer zusammen
sein könnten. Obige Melbung gab ich sofort an „Titanic" ab. Ich verhielt mich bann völlig abroaitenb, um bie „Titanic", welche an« bauernb bie Notzeichen aussanbte, nicht zu stören. Nach geraumer Zeit beantwortete bie „Olympic" (soll wohl „Baltic" heißen. Die Red.) die Rufe bet „Titanic" unb sagte: „Wir kommen Euch zu Hilfe". Etwa eine halbe Stunbe nach ber Aussendung bet ersten Notzeichen sagte bie „Titanic": „Wit müssen bie Passagiere in bie Boote lassen". Darauf rief sie noch etwa 20 Minuten lang um Hilfe unb war bann plötzlich ruhig. Ich mußte also annehmen, baß ber Dampfet um diese Zeit sank unb sprach auch bet „Olympic" biese Ansicht aus. Wit erreichten die llnglücksstelle morgens gegen 10 Uhr. Ich bemerke noch, baß alle anberen Darstellungen betreffs meines Verkehrs mit ber „Titanic" völlig aus ber Lust gegriffen sinb, benn nachbem ich ber „Titanic" bie Melbung meines Kapitäns gegeben hatte, haben wir nicht wieber zusammengearbeitet, ba ich ihr alles gesagt hatte, was sie zu wissen brauchte, unb ich selbstverständlich andere Stationen nicht hindern wollte, Verbindung mit der „Titanic" herzustellen. Auch die „Titanic" hat mir nichts anderes gesagt, als oben angeführt."
London, 28. April. Die englische Regierung teilt jetzt die genauen Zahlen über die geretteten und die umgekommenen Passagiere mit. Danach waren 2206 Menschen an Bord der „Titanic", von denen 703 gerettet wurden, also 1503 ertrunken sind. In Prozentsätzen giebt die 32 Prozent Gerettete und zwar 19 Prozent Männer, 17 Prozent Frauen und 49 Prozent Kinder.
London, 28. April. Auf Grund der gestern abend von der Ortsgruppe Liverpool des Verbandes der Matrosen und Heizer getroffenen Entscheidung werden die Matrosen und Heizer aller Schiffe, die von morgen ab von Liverpool auslaufen, darauf bestehen, daß die Rettungsbootsvorrichtungen einer genauen Ptü- fung durch bevollmächtigte Vertreter des Verbandes untersagen und die Löhne für Matrosen auf 4%, für Heizer auf fünf Pfund Sterling monatlich erhöbt werden.
Washington, 28. April. Das Staatsdepartement sprach die Bereitwilligkeit aus, an der internationalen Konferenz zur Herbeiführung einer grösseren Sicberheit des Verkehrs auf dem Ozean teilzunehmen. Der stellvertretende Sekretär des Staas- bepartements, Wilson, erklärte, Deutfchlanb werbe bie Führung bei der Vorbereitung der Konferenz übernehmen.
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Politische Umschau.
Stapeklauf des Linienschiffes „Ersatz Aegir".
Danzig, 28. April. Am Sonnabend erfolgte enf bet Schichau-Werft ber Stapellanf des Linienschiffes „Ersatz Aegir". König Friebrich August von Sachsen hielt bie Taufrebe, in ber et unter anberem ausführte: „In bie achtlinqgebietenbe Reihe bet Linienschiffe „Kaiser", „Kaiserin", „Friebricb ber Große" unb „Prinzregent Luitpold" soll bie^cs stolze Schiff sich einfüoen. Vor uns liegt es, ein Erzeugnis beutfchen Gewerbefleißes, kunstvoll gestaltet nach gewissenhafter Vorbereitung durch unsere Marine- bebörde, gebildet durch bis ins Kleinste treue Arbeit: in feiner Gesamtheit aber ein kraftvolles Ergebnis jener unermüdlichen Fiirlorge für des Reiches Wohl und Wehr, für die wir alle unserem Kaiser danken. . . . Mein ganzes Hous und Land sind gleichzeitig erfüllt mit hoher Freude, unb herzlicher Ztstimmnng im ganzen Reiche wirb es begegnen, bgß nach bem Willen Seiner Majestät bes Kaisers bieses Schift bem Gedächtnis eines Monarchen geweiht sein soll, ber, getragen von ber Liehe feiner Sachsen, von bem Vertrauen aller Deutschen, in ber grossen Zeit ber Gründung bes Reiches unter ben Ersten gestanden bat. Die Freundschaft, die mit drei Kaisern ibn verband und die bes regierenden Raffers Majestät über bas Grab hinaus auf mich, seinen Nachfolger, übertragen hat, finbet darin einen erhebenden Ausdruck für alle Zeiten, bass
brach. Er bekam einen Wisky und wenn er sehr gut angeschrieben war. auch deren zwei----war er noch sehr neu bei ber Arbeit, fiel
nur ein ermunternder Fusstritt für ihn ab."
Der Justizrat zog fröstelnd die Schultern hoch.
„Unb auch Marte zog, unter den nämlichen Umständen mit Ihnen an demselben Strang?"
„Natürlich!--Warum sie denn nicht? Eie war doch die Len
kerin unseres Schicksals . ."
„Hatte sie später viel zu leiden?"
„Erlassen Cie mir feben Bericht darüber.---Als ich zum
zweitenmal Ihren Aufruf in die Hande bekam, stand ich schon allein. — Wissen Sie vielleicht, Herr Justtzrat. wie das tut .. ben ganzen Tag am Seil . . den Feierabend am Hügel ... die Nacht ohne Schlaf . . .! ---Kurz . . es riss mich hinüber nach Deutschland! Alles Wehren half nichts!---Unb da bin ich nun.--Damit ist meine Ge
schichte zu Ende. Sie hat nichts Romanhaftes an sich. Es geschah eigentlich nur die Kleinigkeit in ihr, dass einer der beiden Kameraden den andern verliess.--Mehr weiss ich beim besten Willen nicht zu
berichten. Erzählen Sie es auch Karl August von Gadeck»r, denn niemand soll mich hinfort nach dieser Zeit fragen. Ich will allein mit meinen (Erinnerungen bleiben!"
----— Sie merkten es sehr bald!
Die dunkele Spanne Zeit, in der so viel Unaufgeklärtes lag, hatte aus dem jungen, bartlosen Menschen eine Persönlichkeit geschaffen. Die ließ sich durch niemand beirren. Ruhig und fest tat unter seinen Händen das Uhrwerk der gewohnten Arbeit in Uhlitz seine Schuldigkeit.
Nur ber alte Gadecker konnte immer noch nicht an die Veränderung glauben, die nach den Erzählungen rings umher mit Henri Witt geschehen fein sollte. Er hatte noch niemals erlebt, daß Einer, der sich von Aas genährt, plötzlich sanfte Milch und süße Früchte als Leibspeise erwählt . . Er hielt da» ganze, tugendreiche Gebühren für eine Art
dieses Schiff ben Namen „König Albert" führen soll." Nach bei Rebe vollzog Prinzessin Mathilbe von Sachsen ben Taufakt mij ben Worten: „Auf Befehl Seiner Majestät bes Kaisers taufe ich bich „König Albert"!" Ein von bem König ausgebrachtes Hoch auf ben Kaiser schloß den festlichen Akt, dem auch der Kronpristz unb die Kronprinzessin beiwohnten.
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Deutsches Reich.
— Som Kaiser. Achilleion, 27. April. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge der Chefs des Zivilkabinetts, des Militär» kabinetts und des Marinekabinetts, sowie des Vertreters des Auswärtigen Amts Frhrn. v. Jenisch.
— Die Rückreise de, Kaisers. Korfu, 27. April. Der Kaiser wird am 8. Mai von Korfu seine Rückreise antreten, am 11. in Karlsruhe und am 13. in Straßburg sein. Am 14. findet eine Parade der Garnison statt. Am Nachmittage fährt der Kaiser im Automobil nach Metz. Am 15. findet eine große Truppenübung statt, abends Essen beim Königs-Infanterie-Regiment. Nach dem Essen Abreise von Metz. Am 16. morgens Ankunft in Wiesbaden. (Festspiele.) Am 23. abends Abreise von Wiesbaden. Am 24. vormittags Ankunft in Hamburg. Stapellauf des „Imperator". Am Nachmittag Abreise. Am Abend Ankunft in Wildpark.
— Staatssekretär a. D. Wermuth unb bei Frankfurter Oberbürgermeisterposten. Berlin, 27. April. Wie verlautete sollten mit dem früheren Reichsschatzsekretär Wermuth Verhandlungen wegen Uebernahme bes Frankfurter Oberbürgermeisterpostens stattgefunden haben. Der „Hannoversche Courier" glaubt jetzt Grund zu der Annahme zu haben, daß der frühere Staatssekretär selbst von solchen Verbanblungen nichts wisse.
— Halbamtliche Verwahrung. Berlin, 27. April. Die „N. A. Z." schreibt: „Starke Erregung verursachte bie Auseinanbersetzung des Kriegsministers mit bem Abgeordneten Triberger über die in der Duellaffäre des Oberarztes ber Lanbwehr Sarnbeth ergangene Kabinettsorber. Die Angelegenheit wirb, wie ber Kriegsminister in seiner Erklärung im Reichstag mitteilte, in "ber Kommission ben Eegenstanb weiterer Erörterungen bilben. Wir wollen biesen Erörterungen nicht vorgreifen, müssen aber sckon jetzt Verwahrung gegen bie heftigen, in ber Form unb in bet Sache weit über bas Ziel hinausschiessenden Angriffe auf bie Kabinettsorder und auf die Person bes Kriegsministers einlegen."
— Die Wahl in Barel-Jever. Olbenbutg, 27. April. (Vot- säufiges amtliches Wahlergebnis.) Bei bet gestrigen Reichstags- Ersatzwahl im zweiten olbenbutgischen Wahlkreise Varel-Jever erhielten Dt. Wiemet lFortschr. Vpt.) 10 901, Hug lSoz.) 12 557, Dt. Albrecht sRatlib.) 1898, Frhr. v. Hammerstein lBunb b. Lanb- witte) 998 Stimmen. Zersplittert waren zwei Stimmen.
— Bon Tripolis zurückgekehrt. Breslau, 27. April. Professor Dr. Göbel, ber Leiter bei Tripoliserpebttion bes Roten Kreuzes, ist hierher zutückgekehtl. Die Leitung ber Erpedition übernahm Privatdozent Dt. Otten-Tübingen. Die kranken Mitglieder der Expedition befinden sich alle auf dem Wege der Besserung.
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Ausland.
** Ungebetene Gäste. Paris. 27. April. Aus Bordeaux wird gemeldet: Städtische Steuereinnehmer erschienen gestern abend in bet Cathebrale, um bie Lustbarkeitssteuer einzunehmen unter bem Vorbehalt, baß baselbst ein Wohltätigkeitsfest zu Gunsten bet katholischen Privatschulen ftattfinbe unb daß die Veranstalter des Festes Einrtittskarten verkauft haben. Die Kirchendiener meiner» ten sich jedoch, die Steuereinnehmer ihres Amtes walten zu lassen, worauf diese die Polizei von dem Vorfall benachrichtigten.
•» Frankreich und Spanien. Paris, 27. April. Die in den Abendblättern enthaltene Nachricht, daß in dem heute abgehalte-
Komödienspiel, das sich langsam zu irgend einem sensationellen Schluß vorbereitete.
Auf diesen wartete et ... .
Mit dem Gewehr über der Schulter pirschte er das Klein-Buchenet Jagdrevier ab. streifte stundenlang am Knick umher und spähte nach einem leichten Reiter aus, der den Hengst ebenso meistern sollte, wie zuvor sein Sohn. Es herrichte aber scharfer Frost, der alle ßanbarMt hemmte und kein Reiter liess sich sehen. Drei Wochen wartete er. daß ihm ein Zufall helfen sollte. Von Tag zu Tag festigte sich die Gewißheit, dass es nur eines Winkes--eines vertrauten Zwinkerns bedürfe, um
den Tugendsamen wieder zu sich herüberzureihen.
Die scharfen Augen seines Sohnes fürchtete er nicht mehr so rote zu Anfang. Nachdem Karl August sich überzeugt hatte, daß sie drüben nichts Unrechtes zu erspähen sanden, schien et das Interesse an Henri Witt verloren zu haben.
____Eines Tages beschloß ber alte Gadecker die erste Begegnung herbeizuführen. Er ging mit Gewehr und Rucksack jagdsertig nach Uhlitz hinüber. Ohne zu zögern erstieg er die Rampe und tastete sich den noch unerhellten Korridor dis zu der wohlbekannten Tür hin . . .
Mit einem Ruck riß er sie auf.
Da faß Henri Witt vor dem Schreibtisch des Verstorbenen und rech- nete mit kraulet Stirn lange Zahlenreihen zusammen. Bei dem plötz- licken Geräusch hob er den Kops und blinzelte nach ber beschatteten Schwelle. Nicht sofort erkannte et den, der von dort aus mit einem freundschaftlichen Lächeln beide Hände nach ihm hinstreckte:
„Mir ging es in letzter Zeit nicht gut, Henrichen, das böse Alter macht sich bemerkbar. Damm komme ich erst heute zu dir . . Willkommen mein Junge und den Wunsch aus treuem Herzen, daß alles zwiscken uns beiden werden möge, rote einst . . . Ettt .... Stttt ... ich will gat nichts hören! Du warst eine Zeitlang outside . . . Spare alle» Erzählen bis zu einer vertrauten Stunde auf . . Ich muss*dich erst mal |f recht gründlich betrachten, mein lieber, alter Junge .."
(Fortsetzung folgt)