Tie feste Hand.
Aus den umfangreichen Debatten, die sich im Reichstage wie tm preußischen Abgeordnetenhause an die Beratung des Eisenbahnetats knüpften, ließ sich klar und deutlich erkennen, daß die Sozialdemokratie von unversöhnlichem Haß gegen den Minister der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach erfüllt ist. Diese Stimmung ist leicht begreiflich, denn Herr v. Breitenbach hat als oberster Chef der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft und der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen ein gewaltiges Heer von Beamten und Arbeitern unter sich, das er mit fester Hand vor dem Eindringen der roten Flut zu schützen sucht. Mit enormen Kosten und rastlosem Eifer haben die Genossen seit einer Reihe von Jahren unter unseren Eisenbahnern Fuß zu fassen versucht. Aber auch die raffinierteste und zäheste Propaganda der sozialdemokratischen Agitatoren scheiterte an der konsequenten Festigkeit und klugen Wachsamkeit der Breitenbachschen Beamten- und Arbeiterpolitik. Wenn dieser Minister beispiellose finanzielle Ergebnisse in seinem Reffort erzielt hat, so wird der materielle Erfolg noch übertreffen durch das politische Verdienst, daß im Reiche des Flügelrades oie Bestrebungen der Umsturzpartei vollständig gescheitert sind. Die Reden der Abgeordneten Hirsch, Hoffmann, Fuchs, Ströbel beweisen, mit wie ohnmächtiger Wut die Sozialdemokratie dem zielbewußten Vorgehen des Eisenbahnministers gegenübersteht. Vom Parteivorstande war anscheinend die Parole zu einer allgemeinen Hetze gegen die Eisenbahnverwaltung ausgegeben worden, mit dem Ziele, das System Breitenbach nach Möglichkeit vor der Oesfent- lichkeit zu diskreditieren. Vor allem stellte man die Gehälter und Löhne als durchaus unzulänglich, die Arbeitszeit als viel zu lang, die Behandlung als tyrannisch und unwürdig hin, um Beamte und Arbeiter aufzuwiegeln. Dann wurde gegen den bekannten Ministerialerlaß Sturm gelaufen, der sich gegen die Betätigung sozialdemokratischer Bestrebungen seitens der Eisenbahnarbeiter richtet, und der „Zehngebote-Hoffmann", der aus einer Berliner Eisenbahnerversammlung von dem nach den allgemeinen Anweisungen der Eisenbahndirektion handelnden Vorsitzenden hinauskomplimentiert worden war, leistete sich den lächerlichen Vorwurf, der Minister habe sich dadurch, daß er die Entfernung eines Abgeordneten aus einer Versammlung von Staatsangestellten billigte, eines Verfaffungsbruches schuldig gemacht. Herr v. Breitenbach erwiderte durchaus zutreffend, daß der Hinauswurf nicht dem Abgeordneten, sondern dem sozialdemokratischen Agitator gegolten habe, und bemerkte dem Abg. Fuchs, der auf die Stellungnahme der Zweiten elsaß-lothringischen Kammer gegen den Antisozialistenerlaß der Eisenbahnoerwaltung hingewiesen hatte, klar und entschieden, die Eisenbahn dürfe es als Verkehrsverwaltung, die den öffentlichen und allgemeinen Jntereffen zu dienen habe, nicht darauf ankommen laffen, daß durch den Anschluß ihrer Angestellten an staatsfeindliche Organisationen die Gefahr eines Eeneralausstandes heraufbeschworen werde. Als Chef der Reichseisenbahnverwaltung werde er und dürfe er nie einen anderen Standpunkt einnehmen, sein Erlaß wird also aufrecht erhalten bleiben. Leider haben außer der Zweiten Kammer in Elsaß-Lothringen auch der Staatssekretär Zorn v. Bulach und der llnter- staatssekretär Mandel in den Verhandlungen der Ersten Kammer über das Verhalten der Beamten zur Sozialdemokratie eine Auf- faffung kundgegeben, die mit dem festen Willen zu einer energischen Bekämpfung staatsgefährdender Tendenzen kaum vereinbar erscheint. Reben dem laisser aller macht sich neuerdings auch die Neigung mach einem gemütlichen Ausgleich mit der Sozialdemokratie b««rkbar. Dabei vergißt man, daß die Sozialdemokratie niemals ihr Endziel, den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung, aufgeben wird. Um ihrem Fortschreiten auf dem Wege zu diesem Endziel Einhalt zu tun, bedarf es dringend einer festen Hand, wie sie in der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung die Zügel hält.
Zum Unferaatta der Manie.
Die englische« Verdächtigungsversuche, die bezweckten, das Ansehen der deutschen Seeleute in Mißkredit zu bringen, werden jetzt durch den Kapitän des Dampfers „Frankfurt" gebührend zurückoewiesen. Das Schiff sollte bekanntlich nach Aussage des zweiten Telegraphisten der „Titanic" dem Ersuchen, Hilfe zu bringen, nicht Folge geleistet haben. Daß dieser Vorwurf nicht berechtigt ist, zeigt folgende Meldung:
B r e m e n, 24. April. Kapitän Hattorff vom Norddeutschen Lloyddampfer „Frankfurt", welcher heute vormittag auf der Weser eintraf, berichtet über die Maßnahmen, die er mit Rücksicht auf die Notlage der „Titanic" traf, an die Direktion des Norddeutschen Lloyd wie folgt: Am 14. April, Mitternacht, befanden wir uns 89 Grad 47 Minuten nördlicher Breite, 52 Grad 23 Minuten westlicher Länge. Um 12.10 morgens bat der Dampfe: „Titanic" uns durch drahtlose Telegraphie um Angabe unseres Cchiffsortes, den wir sofort mitteilten. Als Antwort hierauf erhielten wir von der „Titanic" die Mitteilung, daß sie sich 41 Grad 24 Min. nördlicher Breite. 50 Grad 24 Min. westlicher Länge befinde, daß sie tm Eise festsäße und dringend Hilfe nötig habe. Die Entfernung des Dampfers „Frankfurt" bis zur Unfallstelle betrug 140 Seemeilen. Ich teilte der „Titanic" mit, daß die „Frankfurt" erst 11 Uhr vormittags dort fein könne und fuhr nach der Unfallstelle ab. Um 12.15 morgens kam von der „Titanic" das See-Notzeichen 0. Q. D.
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M 97
1912.
Marburg
Freitag, 26. April
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhcnn
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage.
ile , Lutkoenlliv« iteuung" eycyernr ragnch nut tuusnah^«. »xi L-nn. und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlrch durch die Post bezogen 9.25 M (ohne Bestellgeld), oer unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in» Hau». (Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch
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Wrttes Blatt.
(come quick danger). Um 1.5 Uhr vormittags teilte die „Titanic" mit, daß die Passagiere in die Boote gingen, um 1.15 war der Verkehr mit her „Titanic" abgebrochen. Ich nehme an, daß das Schiff dann schon gesunken war. Am 15. April, 10.50 vormittags, erreichte ich die Unfallstelle. Wir sahen 3 große Eisberge, 17 kleine Eisberge und große Eisfelder von 10—30 Seemeilen Ausdehnung. Den größten Eisberg schätzte ich auf 40 Meter Höhe und 300 Meter Länge. Wir kreuzten zwischen den Eisbergen und hielten Ausschau nach Verunglückten. Auf der Unfallstelle waren noch drei andere Dampfer, der russische Dampfer „Birma", sowie die englischen Dampfer „Virginian" und „Carpathia", die ebenfalls die Unfallstelle absuchten. Leider war das Suchen vergeblich. Die „Carpathia" teilte uns mit, daß sie 22 Boote ausgenommen habe, daß nur noch zwei fehlten. Da weiteres Suchen vergeblich war und ich aus dem Labyrinth von Eis herauswollte, setzte ich 12 Uhr mittags die Reise nach Bremen fort.
Man ersieht daraus, daß, wie vorauszusehen war, die Anschuldigungen des Telegraphisten völlig grundlos sind. Es liegen jetzt weitere Berichte der Dampfer vor, die sich nach dem Ort der Katastrophe begeben hatten:
Boston, 24. April. Der Kapitän der „Californien" erklärt, daß sein Dampfer weniger als 20 Meilen von der „Titanic" entfernt gewesen sei, als diese sank. Hätte er von dem Unfall gewußt, so hätten alle Passagiere gerettet werden können. Er stellt in Abrede, daß die „Kalifornien" diejenige gewesen sei, die innerhalb 5 Meilen an der „Titanic" vorübergefahren sei, ohne die Notsignale zu beachten. Um 10.30 Uhr abends gelangte die „Californien" in ein ungeheures Eisfeld. Sie ließ sofort die Maschinen stoppen und fuhr erst bei Tagesanbruch weiter. Da die Apparate für drahtlose Telegraphie nicht in Tätigkeit waren, erfuhr die „Kalifornien" von dem Unfall der „Titanic" erst morgens durch die „Virginian", woraus sie an die Stelle des Unglücks eilte.
Newyork, 24. April. Der Dampfer „Bremen" vom Norddeutschen Lloyd berichtet, er habe am 20. April über 100 Leichen der „Titanic" und ein gekentertes Boot gesichtet. Als der in der Nähe befindliche Dampfer „Mackay Bennett" signalisierte, et sei mit der Sammlung der Leichen beschätigt, habe die „Bremen" die Reise fortgesetzt.
Kopenhagen, 24. April. Anläßlich der Meldung aus Washington, nach welcher der dänische Dampfer „Hellig Olav", der am 17. April in Newyork eintraf, das von dem vierten Steuermann der „Titanic" gesehene Fahrzeug war, das die Notsignale der „Titanic" unbeachtet ließ, wandte sich das Ritzausche Telegraphenbureau an die Reederei dieses Dampfers „Det Forenede Damskibfelkab" und erhielt die Erklärung, daß mit der größten Bestimmtheit nachgewiesen werden kann, daß „Hellig Olav" in dem Augenblick der „Titanic"-Katastrophe mindestens 350 Seemeilen westlich von der Unglücksstätte entfernt gewesen sei.
Der Kaiser und die Katastrophe.
V e r I i n , 24. April. Der Kaiser steht mit den maßgebenden Personen in regem telegraphischem Verkehr über die Katastrophe der „Titanic". Er ordnete an, daß sofort in eingehende Beratungen über verschärfte Sicherheitsmaßregeln für den Passagierverkehr eingetreten werde, um damit die Grundlagen für eine eventuelle internationale Regelung der Materie zu gewinnen. Er wird über das Ergebnis der Beratungen den mündlichen Vortrag des Staatssekretärs des Innern und des Vorsitzenden der Seeberufsgenossenschaft entcgennehmen.
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Southampton, 24. April. Die Heizer bet „Olympic" legten die Arbeit nieder. Sie weigern sich, in See zu gehen, weil sie über die ungenügende Ausrüstung des Dampfers und die zusammenlegbaren Rettungsboote unzufrieden sind.
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Politische Umschau.
Frankreich und deutsche Wehrvorlage.
Wie man in Frankreich die deutschen Webrvorlagen beurteilt, geht aus dem Artikel eines ehemaligen französischen Eeneralstabs- offiziers hervor, den deutsche Blätter aus französischen nachdrucken. Es heißt in dem Artikel:
„Angenehm enttäuscht, wenn ich mich so ausdrücken darf, hat uns der Umstand, daß Deutschland nicht einmal alle seine fef-lcnben Bataillone ersetzt hat, obwohl ihm noch Tausenbe von jungen Leuten gesund und kräftig zur Verfügung stehen. Wären wir in derselben beneidenswerten Lage, so würden wir ganz neue Korps aus der Erde stampfen, und unsere in Wehrfragen so national ae- sinnte Kammer ließe es an der Bewilligung der nötigen Mittel nicht fehlen. Der Eeldpunkt spielt in Deutschland eine viel zu große Rolle, was um so verwunderlicher ist, als es sich doch um ein Land handelt, das sein ganzes Aufblühen und feinen gesamten Wohlstand der Aufrechterhaltung der Wehrmacht verdankt. Wer die Finanzkämpfe der ganzen letzten Jabre in Deutschland verfolgt und das Land nicht nüber kennt, müßte annehmen, das mächtige Reich, dem noch unendliche nicht erschlossene Hilfsquellen zur Verfügung stehen, wäre nahe am Rande des Bankerotts. Dabei weiß man aber in eingeweihten Kreisen des Auslandes — auch in Paris — den soliden Grund und Boden, auf dem Deutschlands Zukunft ruht, sehr richtig einzuschätzen. Deutschlands Schwäche — welches Land hätte keinen verwundbaren Punkt! — beruht nicht in mangelnder Finanzkraft, sondern im engen politischen Hari^nt des Volkes, der sich seit vierzig Jahren zwar wesentlich erweitert hat, aber doch nicht in dem Maße, wie man es eigentlich erwarten durfte. Diese Rückständigkeit, die in schroffem Gegensatz steht zu den Riesenerfolgen auf allen anderen Gebieten, ist bisher bei beste
Bundesgenosse der Gegner Deutschlands gewesen. Bei unsere« leider immer mehr zutage tretenden völkischen Minderheit sehen wir unsere Ueberlegenheit in bet Durchführung einer Organisation unserer Streitkräfte, wie sie Deukschlanb nicht aufweisen kann. Das kostet ungeheure Mittel, aber wir haben sie, unb daß wir sie benutzen, versteht sich von selbst."
Herr Haußmann und StaatssekretSr v. Tirpitz.
Zu bem Fall Haußmann gegen Staatssekretär von Tirpitz stellen bie „Mitteilungen des Deutschen Flottenvereins" fest, daß der Ausgang für Herrn Konrad Haußmann einen vollen Mißerfolg feiner Kampagne bedeutet: Der Reichstagsabgeordnete Konrad Haußmann wiederholt in Nr. 104 bet „Franks. Ztg." zwei Behauptungen, bie ihm von verschiedenen Seiten, sogar von eigenen Parteifreunden als durchaus irrtümlich nachgewiesen wurden, nämlich erstens daß der Flottenverein von Großadmiral von Tirpitz geschoben werde und zweitens, daß et durch Personalunion mit dem Wehrverein verbunden ist. Der Beweis für erstere ist ihm trotz eines Zitats aus der „Notdd. Allg. Ztg." mißlungen. . . Die absolute Unrichtigkeit der zweiten Behauptung geht aus bet Tatsache hervor, baß die Leiter des Flottenvereins und des Wehr- veteins sich persönlich nicht einmal kennen. In seinem in bet Zeitschrift „März" erschienenen überaus heftigen Angriff auf ben Staatssekretär v. Tirpitz. greift bet genannte Abgeordnete ferner auch bie Monatsschrift „Ueberall" mit der Andeutung an, daß bie von großen Schiffbau- und Panzerplattenfirmen ihr zugewiesenen Inserate ihrer Propaganda für eine Flottenverstärkung zuzuschreiben seien. Wir haben keinen Anlaß, die Verteidigung bMet ausgezeichneten Zeitschrift zu übernehmen, bie sich selbst jedenfalls genügend gegen den ihr gemachten Vorwurf zu wehren wissen wird. Aber wir weisen auf die hier zur Anwendung kommende Kampfesweife hin, bei deren Fortsetzung Herr Haußmann sich kaum wundern könnte, wenn ihm eine Abhängigkeit von seinen englischen und französischen Veifallspendem nachgesagt würde.
Elsässisches Ftanzöslingstum und deutsche Staatsverwaltungen.
Am Sonnabend voriger Woche wurde im Abgeordnetenhause von dem konservativen Abaeordneten Sprosser ein eigentümffcher Vorfall zur Sprache gebracht, der der Aufklärung dringend bedarf. Nach einer Mitteilung der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" betätigt sich die in der bei Straßburg gelegenen Gemeind« Illkrch-Erafenstaden befindliche Zweigniederlassung der „Elsässischen Maschinenfabrik Mülhausen i. E." in geradezu auffälliger Weise in deutschfeindlichem Sinne. Trotzdem aber erhält sie jährlich Millionenaufträge der preußischen Eisenbahnverwaltung und der Reichseisenbahnen. Man würde es verstehen, daß die betreffenden Verwaltungen ihre Aufträge obne Rücksicht auf das nationale Verhalten dieser Firma zuwenden würden, wenn sie eben keine andere gleichwertige Lieferantin finden könnte. Das dürste aber im Reiche, wo so viele erstklassig« und leistungsfähige Fabriken dieses Zweiges bestehen, keineswegs der Fall sein. Es ist erfreulich, daß der Unterstaatssekretär Stieger alsbald im Namen des Ministers die Mitteilung machte, daß eine Prüfung bereits in die Wege geleitet sei. und daß nach deren (Et. gebnis sich die fernere Berücksichtigung der Firma richten würde. Di« Staatsverwaltungen find in erster Linie berufen, nationale Grundsatz« zu pflegen; es wäre sehr bedauerlich, wenn die Gelder, die aus deutscher Staatsbetrieben fließen, zur Förderung deutschfeindlicher dienen sollten.
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Deutsches Reich.
— Vom Kaiser. Wien, 24. April. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Athen: Ministerpräsident Venizelos wurde vom König nach Korfu befohlen, um ihn Kaiser Wilhelm vorzustellen.
— Das angebliche Kaisertelegramm an Herrn v. Lindeauist. Seit einigen Tagen streiten sich das „Berl. Tagebl." unb ber „Berk. Lok -Anz." darum, ob der Kaiser am 1. Ostertage an den früheren Staatssekretär v. Lindequist ein Telegramm gerichtet habe. Jetzt greift nun auch das Wolffsche Telegraphenbüro in den Streit ein. Es meldet: Korfu, 24. April. Die Nachricht einiger Berliner Blätter, der Kaiser habe an den früheren Staatssekretär v. Lindequist von Korfu ein Telegramm gerichtet, beruht auf Erfindung. Damit entfallen alle daran geknüpften Presseerörterungen. — Dazu erklärt das „Bert. Tagebl.", daß wahrend der Ostertage in Meran gleichzeitig der Staatssekretär a. D. Lindequist und sein Onkel, der Generaloberst v. Lindequist, geweilt haben. Es habe seine Informationen von Persönlichkeiten erhalten, die in Meran weilten und mit Herrn v. Lindequist direkte Fühlung hatten. Es sei daher anzunehmen, daß eine Verwechselung der beiden Herren v. Lindequist vorliege. — Dieser Streit mit der Namensverwechselung entbehrt nicht des Humors. Er hätte aber von Anfang an schnell beigelegt werden können, wenn die amtlichen Stellen sofort Stellung dazu genommen hätten.
— Die freikonservative Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses brachte zugunsten der Altpensionäre einen Antrag ejn, die Staatsregierung zu ersuchen, aus dem für die Altpensionäre im Etat vorgesehenen Unterstützungsfonds den Altpensionären auf Grund bestimmter Merkmale Beihilfe ohne Antrag zuzuwenden und die festgestellten Merkmale noch in dieser Session des Landtags mizuteilen.
— Manöverunfall in der Marine. Saßnitz, 24. April. Das Torpedoboot „G 113" ist bei einem Durchbruchsmanöver gestern mit dem Panzerkreuzer „Friedrich Karl" zusammengestoßen. Der vordere Teil des Torpedobootes wurde in einer Länge von fünf Metern zusammengerückt unb rechtwinkelig nach Steuerbord umgebogen. Der Mannschaftsraum lief voll Wasser. Personen sind nicht verletzt worden. Das beschädigte Boot wurde von dem Torpedoboot „G 111“ in den Hasen geschleppt.