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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Hau»- und .Landwirtschaftliche Beilage".
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ilt- „LciioeutidK Rettung" e-,eri ^agllch Mil Hueit-it,.*-*- un <. un» und Feiertage. — Der Bezug-^reiS beträgt vierteljährlich tarch die Post bezogen 9.25 <* lohne Bestellgeld), oe, unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Marti 21) 2.00 <M frei ins Haus. (Für unver- langt zugeiandte Manuskripts übernimmt die Redaktion keine'lei Verantwortung). Druck und Verlag bet Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Jnb.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55
Marburg
Donnerstag. 25 April
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47. Jahrg.
1912.
Krttes Blatt.
Die Rede t)C5 Rerckskanzlers, mit der er die Wehrvorlage im Reichstag begründet, hat in der Presse vielfach enttäuscht. Vor allem vermissen manche nationalen Blätter Großzügigkeit, gehobene Stimmung, die reine Sachlichkeit und Ruhe der Ausführungen vom Ministertisch. Bezeichnend ist, wie die Parteien der Linken, die zwischen der Rücksicht auf den fozialdemokratischeiWFreund und der Beachtung der nationalen Gesinnung des deutschen Volkes einen schmalen Mittelpfad gehen müssen, aus der Rede das herausholen, was ihnen am besten paßt. So schreibt das „B. T": „Die Vertreter der großen Parteien auf allen Seiten des Hauses denken gar nicht daran, mit ihren Forderungen noch über die Negierungsvorschläge hinauszugehen. Um so dankenswerter war es, daß Herr v. Bethmann die Alarmschläger mit ihrem „mißverstandenen Patriotismus", der hier und da bedenklich nach Profitsucht riecht, kräftig von den Rockschößen der verbündeten Regierungen abschüttelte." — Auch nett!
. Sachlich wichtiger sind die Kommentare der führenden auswärtigen Blätter:
Wien, 23. April. In Besprechung der gestrigen Rede des Reichskanzlers schreibt das „Fremdenblatt": Der Reichskanzler bewies in treffender Weise in seiner Rede, daß, je stärker die Rüstung, desto geringer die Wahrscheinlichkeit eines Krieges ist. v. Bethmann will nicht harangieren, will nicht überreden, sondern überzeugen, nicht durch Sensationen agitieren, sondern durch reale Tatsachen zu einer realen Beurteilung der Bedürfnisse des Reiches führen. Der Friede ist tatsächlich nicht gefährdet, aber die Möglichkeit einer solchen Gefährdung ist noch nicht aus der Welt geschafft. Die vom Reichskanzler in dieser Hinsicht aufgestellten Gesichtspunkte gelten nicht nur für Deutschland, sondern für alle Staaten. Liest man den ersten Teil der Rede des Reichskanzlers, wo er für die Notwendigkeit einer Ausgestaltung der Wehrmacht eintritt, so muß man fühlen, daß sie auch bei uns vor unseren par- lainentarifchen Vertretungen gehalten werden könnte. Im österreichischen Abgeordnetenhause beginnt die Ausschußberatnng der Wehrreform. Durch einen glücklichen Zufall gibt da die Rede des Reichskanzlers aktuelle Argumente. Man wird sich überzeugen können, daß die Gründe, welche für die Stärkung unserer Wehrmacht so oft ins Treffen geführt wurden, keineswegs einsei:ige Meinungen, sondern allgemein giltige Tatsachen der Wirklichkeit sind. „Wehe dem, besten Rüstung lückenhaft ist!" sollte auch d e Warnung für uns sein, daß wir nicht noch länger unsere Wehrmacht irt Zustande organisatorischer Stagnation verharren lasten.
London, 23. April. Die „Times" schreibt in Besprechung bet gestrigen Reichstagsdebatte: v. Bethmann-Hollweg, der sich in einer schwierigen Lage befindet, spricht in Bezug auf die anderen Lander mit Nüchternheit und Mäßigung, die wir an ihm gewohnt find, und der Kriegsminister und der Staatssekretär der Marine folgen bis zu einem gewissen Grade seinem Beispiel. Der Reichskanzler ist ernstlich bestrebt, im Hause und zugleich im weiteren Publikum und im Auslande die Annahme zu verhindern, als ob die Vorschläge der Regierung auf der Besorgnis vor einer unmittelbaren Bedrohung des Friedens beruhten. Er erklärt ausdrücklich, daß die europäische Lage den verbündeten Regierungen keinen Grund zur Unruhe gebe. Das Blatt fährt fort, der Kanzler gebe zu, daß niemand Deutschland angreifen will und er betont, daß Deutschland niemand anruareifen gedenke. Die „Times" fragt, weshalb man aber Deutschland neue Steuern aufbürde, weshalb man dem Heere zwei neue Armeekorps hinzufüge und die aktive Flotte erheblich stärke, obwohl man wisse, daß diese Verstärkung bestimmt und automatisch entsprechende Verstärkungen der englischen Flotte und jedenfalls auch der Flotten und Heere der anderen Mächte herbeiführen werde. Die „Times" schließt: Deutschland will keinen Krieg, aber es will, so oft es ihm paßt, in der Lage sein, seine Diplomatie durch einen bezeilbnenden Hinweis auf seine wachsende militärische und maritime Macht starken.
Parts, 23. Avril. In einer Grörtenmg b»r geürioen Rede des Reichskanzlers schreibt der „Temps" unter anderem: Durch die neue Wehrvorlage gibt Deutschland seinen Nachbarn kund, dasi es die ihr durch feine Geburtsziffern zur Verfügung siebenden Hilfsanellen bis auf das Aeußerste ausnutzen will. Damit macht Deutschland nur von seinem Recht Gebrauch und erfüllt nur seine Pflicht. Jedes Volk muß angesichts der Weltlage seine Kräfte auf eine mit seiner Bevölkerung und seinem Kredit in Einklang stehenden Höhe bringen, weil, wie der Reichskanzler sagt, die Vorteile der militärischen Kraft nicht nur im Kriege zum Ausdruck kommen, weil das Ansehen der Völker im Frieden nach ihrer Krieostüchtigkeit bemessen wird. Unter dielen Verhältnissen muß jede Regierung den Röstungen ihrer Nachbarn die größte Aufmerksamkeit schenken und momöalich gleichzukommen trachten, ohne sie zu kritisieren. In diesem Sinne sollte die öffentliche Meinung Frankreichs die deutsche Wehrvorlage auffassen und sie kann dies um so leicküer. als die Armee km Leben Frankreichs nunmehr den ihr gebührenden ersten Platz einnimmt. Syie Franzosen hoben im Vorfahre die nationale Wahrheit begriffen, daß die brutale Kraft den einzigen Schutz der idealen Güter bildet. „Journal de Debats" schreibt: Eine fanatische Minderheit gibt es auch in Deutschland und sie hat mit dem Gesnenst der schwarzen französischen Arme« und mit der Behauptung, daß Marokko eine unerschöpfliche Quelle schwarzer Rekruten bilde, fast auf das ganze deutsche Volk einen großen Eindruck gemacht. Jedermann weiß, daß Marokko für Frankreich nut eine Quelle der Schwäche und nicht der Kraft bildet und daß lange Zeit hindurch ein Teil der Truppen des Mutterlandes zurück- gehalten wird. Angesichts der sehr ernsten Schwierigkeiten in Marokko, welche vielleicht die Entsendung von Verstärkungen nötig machen werden, Ist die Behauptung, daß Deutschland infolge des marokkanischen Protektorats zwei neue Armeekorps und drei Geschwader errichten müsse, sehr ßchlecht angebracht.
Italien und die Türkei.
Konstantingpel, 23. April. Das Ministerium des Innern veröffentlicht folgendes Cornrnuniquä über das Bombardement von Alatfats vom 20. April: Um 10 Uhr vormittags fuhr ein italienisches Torpedoboot in den Hafen in der Nähe der Radiotelegraphenstation und rekognoszierte dort. Später erschien ein Kreuzer und warf im Hafen Anker. Beide Schiffe begannen mittags das Bombardement. Sie gaben 91 Kanonenschüsse ab. Dabei wurde das Gebäude der Funkenstation beschädigt. Sonst wurde weder in der Stadt noch in ihrer Umgebung Schaden angerichtet. Die Bevölkerung bewahrte eine ruhige Haltung. Die Regierung teilte den Vertretern der Mächte mit, sie sei entsprechend den Grundsätzen der Internationalen Konferenz von Lissabon genötigt, den in den Häfen ankernden Schiffen die Benutzung der Funkentelegraphie zu untersagen. Auch an den staatlichen Apparaten wurden Störungen verursacht.
Saloniki, 23. April. Sieben italienische Kriegsschiffe kreuzen beständig zwischen Enos und den Inseln Jmbros, Tenedos, Lemnos. Vor Chios liegen sieben Schiffe, wahrscheinlich Instruktionen abwartend. Ein aus neun Schiffen bestehendes italienisches Geschwader liegt vor Mudros und Lemnos, wo zwei Torpedoschiffe mit Kohlen und anderen Vorräten eintrafen. Von den Befestigungen des großen Kaps Karaburun wird gemeldet, daß in der Ferne vier italienische Schiffe gesehen wurden und wieder verschwanden.
Saloniki, 23. April. Die Kabelvetbindung mit Chios, Tenedos, Rhodos und Jmbros ist unterbrochen. Jmbros berichtet jedoch mittels Heliographen, daß zwanzig italienische Kriegsschiffe vor der Insel vorüberfuhten in der Richtung auf die Dardanellen, lieber Hawala trifft die Meldung ein, daß vor Lemnos lebhafter Verkehr italienischer Kriegsschiffe herrscht. Die Landung der Italiener ist aber noch nicht erfolgt.
Paris, 23. April. Nach einer Blättermeldung aus Athen haben die Italiener die Mudros-Bay im Süden der Insel Lemnos besetzt, welche einen ausgezeichneten Ankerplatz und Flottenstütz- punkt bildet.
Nom, 23. April. („Agenzia Stefani.") Eine Flottendivi« ston unter dem Befehl des Admirals Presbitero hat die Insel Astrepalia besetzt und dort eine Basis zur Versorgung der Schiffe errichtet. Die Besetzung dieser Insel, die große, sichere Ankerplätze im Norden und Süden besitzt, wird ein wirksames Vorgehen zur Wegnahme von Kriegskontrebande ermöglichen.
Bremen, 23. April. Wie dem Norddeutschen Lloyd von seiner Agentur in Konstantinopel bestätigt wird, wird mit der Einziehung der Minen begonnen. Die Freigabe der Dardanellen erfolgt voraussichtlich binnen drei Tagen.
Konstantinopel, 23. April. Gegen Mittag überreichte der Unterstaatssekretär des Aeußern den Botschaftern die Antwort der Pforte auf den Vermittlungsvorschlag.
Enver Bey ch.
Kairo, 23. April. Die „Agenzia Stefani" meldet unterm 22. April: Enver Bey, der sich seit einigen Tagen in Mariut befand, wo er wegen Schwierigkeiten, die sich der Fortsetzung der Rückreise entgegenstellten, Halt gemacht hatte, ist heute früh um 4 Uhr gestorben. Sein Tod ist infolge Brandes einer Wunde ein« getreten, die er kürzlich im Kampfe mit den Italienern erhalten hatte. — Türkische Rundschreiben geben dagegen bekannt, daß der Sultan Enver Bey den Titel Pascha verliehen habe und ihn zur Wiederherstellung seiner Gesundheit vom türkischen Kampfplatz in der Cvrcnaika zurückberufe. Enver Bey wird vorläufig bis zum Eintreffen Ejub Sabri Deys, der schon von Konstantinopel nach Saloniki abgereist ist, von wo er sich nach der Cyrenaika begeben wird, um da? Oberkommando zu übernehmen, durch Aziz Dey ver- tteten.
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Deutsches Reich.
— Das angebliche Telegramm des Kaisers <m Herrn v. Linde- quist. Berlin, 23. April. Der „Berl. Lok.-Anz." wiederholt nochmals und mit aller Entschiedenheit die Erklärung, daß die Mitteilungen des „Berliner Tageblattes" über ein angebliches Telegramm des Kaisers an den früheren Staatssekretär des Reichs- kolonialamtes int ganzen und in allen Einzelheiten aus der Luft gegriffen seien.
— Die Wahlprüfungskommission des Reichstags setzte gestern die Prüfung der Wahl des Abg. Bruhn sDeutsche Ref.-P.. Frankfurt 1) fort. Der Referent beantragte, die Wahl als ungiftig zu e-klären; die Kommission beschloß jedoch mit 8 gegen 4 Stimmen, entsprechend einem Anträge des Korreferenten, beim Plenum Gültigkeitserklärung zu beantragen.
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Ausland.
•* Die Unruhe, in Marotta. Paris, 23. April. Aus Tanger wird gemeldet, daß die die scherifischen Mahallen in Arbaua und Suk-el-Orba befehligenden französischen Offiziere, Hauptmann Vary und Leutnant Thierit dringendst und wiederholt die Entsendung von 200 und 300 algerischen Schützen verlangt hatten, um etwaigen Aufstandsgelüsten der scherifischen Soldaten vorzubeugen. Diesem Ersuchen sei jedoch bisher nicht Folge gegeben worden. — Nach einer Meldung aus Arzila vom 22. d. Mts. hat der Dschebala-Stamm die scherifischen Stämme von Arbaua angegriffen. Mehrere Blätter treten nachdrücklich dafür ein, daß weitere Truppen nach Marokko entsandt werden, da die gegenwärtig dort befindlichen Streitkräfte durchaus unzulänglich seien, in dem ungeheuren Gebiet Überall die Aufstände »nttrdrücken und die Ordnung aufrechter
halten zu können. — Nach einer Blättermeldung erhielt der Gouverneur von Französtsch-Westafrika den Befehl, unverzüglich ein Bataillon Eene- galschiitzen und ein Bataillon Fremdenlegionäre nach Marotto zu senden. Ferner heißt es, daß Regnault die Ausstandsbewegung schon vor einiger Zett befürchtete und die Entsendung von Verstärkungen verlangt habe, was jedoch rundweg verweigert worden ist. — Madrid, 23. April. Eine Blättermeldung aus Melilla besagt: Von den spanischen Lagern aus wurde ein Eährung unter den Eingeborenen auf dem linken Ufer des Kertflusses beobachtet. Die Gärung wird auf Aufwiegelungen der Sta* bylen zurückgeführt, die in das Landesinnere kommen. — Der General« kapitän von Melilla meldet, et fürchte, daß die Ereignisse in Fez am Rif Widerhall fänden. Boten melden, daß die Eingeborenen mehrerer Landstriche sich bei Messinaur sammelten, um auf Taza vorzurücken.
Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalarttkel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nut mit bet deutlichen Quellenangabe Jubetreff. Zig." gestattet.)
Marburg, 24. April.
* Universität. Dem Privatdozenten der medizinischen Fakultät, Dr. Esch, Oberarzt bei der Frauenklinik, wurde das Prädikat Professor verliehen. — Am Sonnabend, den 27. April, mittags 12 Uhr, hält im Hörsaal des Pathologischen Instituts Dr. Walther Verblinger feine Antrtttsvorfelung über „Die Hypo:Flen- geschwülste und ihre Beziehungen zum Knochenwachstum und zu den Keimdrüsen".
* Zur Rathauserweiterung. Mit den Arbeiten zur Erweiterung unseres Rathauses dürfte in nächster Zeit begonnen werden. Seitens des Ctadtbauamtes werden jetzt die Abbruchs- und Maurerarbeiten zur Vergebung ausgeschrieben.
♦ Kriegerdenkmal. Der Seifertsche Entwurf, darstellend einen Germanen vor einem adlergekrönten Obelisken, ist von dem seitens des Denkmalsausschusses zu Rate gezogenen Professor Pützer aus Darmstadt als für Marburg ungeeignet bezeichnet worden. Der Sachverständige hat vorgeschlagen, einen 15 Meter hohen Obelisken mit goldener Krönung und einem Echlachtenrelief zu errichten und diesen auf dem freien Platz bei dem Atelier Damm aufzustellen. Die Kriegervereine und der erweiterte Denkmals- ausfchuß haben zu dieser neuen Wendung der Denkmalsfrage noch keine Stellung genommen.
* Jugendpflege. Der Ortsausschuß für Jugendpflege, Abteilung für Leibesübung, gibt bekannt, daß für turnlnstige junge Leute im Alter von 14—20 Jahren jetzt jeden Montag und Donnerstag in der Turnhalle am Barfiißertor unter der Leitung des Malermeisters Fischer unentgeltlich Turnstunden abgebalten werden. Diese finden in der Zeit von &y2—9% Uhr statt.
* Die Freiwillige Feuerwehr hielt gestern abend nach voraufgegangenen Spezialübungen der einzelnen Zöge im Fronhaf seine diesjährige Generalversammlung ab. Im großen und ganzen wurden nur geschäftliche Angelegenheiten erörtert. Den Jahresbericht erstattete Herr Unkel und den Kassenbericht Herr Wein« ttaut. Es ist daraus zu entnehmen, daß die Freiwillige Feuerwehr auch im abgelaufenen Jabre ihren Aufgaben gerecht geworden ist und sich in günstiger Weife weiter entwickelt hat. Unter Verschiedenem wurde angeregt, in den Sommermonaten eine Sonntgasbrandwache einrurichten.
* Kaufmännischer Ber-in. In der gestern abend im Hotel Kaiserhof stattaebabien öffentlichen Versammlung standen 2 Punkte auf der Tagesordnung: 1. 150% Gewerbesteuer, 2. Gründung einer Klein-Handels- Verufsgenossenschaft. D-r Vorsft-ende. der die Versammlung pünktlich eröffnete, gab ein« ausffibrliche Säuberung, auf welche Art und Weife die Gewerbesteuer zur Erhebung gelangt und kam zu dem Resultat, daß den Gewerbetreibenden gegen die einmal fellgesetzte Steuer kein Einspruch mehr zustände. Herr Engel referierte über die Ergebnisse der Ge- werbesteuer in den lebten Jahren und betonte, daß die Gewerbesteuer in diesem 'tafore heraufaesetzt worden wäre, da bas letzte Jabr durch schlechten Geschäftsgang einen Ausfall an der Gewerbesteuer ergeben hätte, der nun erst wieder eingebracht werden müßte. Herr Andreas Schäfer sprach sich entschieden dagegen aus. daß die Gewerbesteuer erhöht und die städtische Einkommenfteuer herabgesetzt würde. Seiner Ansicht nach dürfe man di« Gewerbesteuer, weil sie im vergangenen Jahr den festgesetzten Steuersatz wegen Rückgang der Gelchäfte nicht erreicht hätte, in diesem Jab« nicht noch erhöben. Herr Sattlermstr. Heuser sagt u. a.. daß es wohl setzt zu spät lei sich gegen die Gewerbesteuerordnung zu beschweren; man hätte lieber im Iah« 1907, als dieselbe herausgegeben wurde dagegen Einbruch erbeben sollen. Herr Guter befürchtet von der Errich. hing der Universität in Frankfurt sowieso einen Rückgang der Einkorn- men bet kleineren und mittleren Gewerbetreibenden und damit einen Ausfall in städtischen Steuern. Um diese Stände, die auf das Wohl und Wehe mit der Stadt verbunden sind, nun leistungsfähiger zu erhalten, wäre es wünschenswert, wenn die Gewerbesteuer herabgesetzt würde, ba diese Sonderbesteuerung schon heute von vielen sehr hart empfunden wird. Herr Roth beanh-igt eine Resolution an den Magistrat zu richten, die folgenden Wortlaut hat: „Die im Hotel Kaiserhof am 23. April 1912 zahlreich besuchte öffentliche Versammlung Marburger Gewerbe treiben- der ersucht den Magistrat der Stadt Marburg in anbetracht dessen, daß vonseiten der Stadt Marburg Bestrebungen im Gange sind, Handel und Industrie nach Marburg zu ziehen, von einer Erhöhung der Gewerbesteuer absehen zu wollen, dagegen möge derselbe bestrebt sein, diese Steuer tunlichst zu ermäßigen. Eine hohe Gewerbesteuer muß selbstver- ständlich jeden Zuzug von Handel und Gewerbe und Industrie nach Mar- bürg fernhalten und schädigt auch die in Marburg in Handel und Ge» werbe tätigen Geschäftsunternehmungen auf das Schwerste." Diese Resolution fand einstimmige Annahme. Zu Punkt 2 der Tageordnung gab Herr Haas eine ausführliche Erläuterung zu den Bewegsgründen, die zur Gründung einer Kleinhandels-Berufsgenossenschaft Veranlassung gaben. An Hand von sehr reichhaltigem statistischen Material betonte er, rote sehr viel mehr heute die Detaillisten int Verhältnis zu den großen Unternehmungen aufbringen müssen, und daß die kleineren Geschäftsleute sich zweifellos ganz bedeutend besser stellen würden, wenn sie ihre eigene Berufsgenossenfchaft hätten, da die Unfälle im Detail im Verhältnis $n den großen Lagereibetrieben verschwindend klein seien. Rach einer sehr