Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Nundfchau.
Der Kaiser, dessen Erholungsaufenthalt aus Korfu sich seinem Ende nähert, hat dort in den letzten Tagen eine Begegnung mit dem König der Hellenen gehabt, der von der Königin und mehreren Mitgliedern der königlichen Familie begleitet war. Die griechische Kronprinzessin ist des Kaisers Schwester. Der Besuch, dem jedes politische Moment fernliegt, findet also eine natürliche Begründung in den nahen verwandtschaftlichen Beziehungen beider Herrscherhäuser. Inzwischen ist der Reichskanzler von seinem Korfioter Osterausfluge nach seinem Palais in der Wil- helmstrahe zurllckgekehrt, wo seiner mit dem Beginn der innerpolitischen Hochsaison schwere Aufgaben harren.
Am Montag ist dem Reichstage die Wehr- und Deckungsvorlage zugegangen, deren Inhalt in der Hauptsache bereits bekannt war. Die Verhandlungen in den Fraktionen der bürgerlichen Parteien lassen übersehen, daß die Notwendigkeit einer Verstärkung unserer Wehrmacht zu Wasser und zu Lande allgemein anerkannt wird. Während die rechtsstehenden Parteien in den Wehrvorlagen die Erfüllung der dringendsten Notwendigkeiten erblicken, machen sich bei der fortschrittlichen Volkspartei Bedenken wegen des Umfangs der Anforderungen für neue Stellen geltend. Erhebliche Gegensätze bestehen zwischen und zum Teil auch innerhalb der Parteien über die Deckungsmittel. Die Klärung der ganzen Sachlage wird erst in der Kommission bei der Durcharbeitung der Einzelheiten erfolgen. Wenn gewisie, von besonders lebhaftem Patriotismus erfüllte Kreise unsere neuen NüstUWs- pläne im Hinblick auf Frankreich und England für nicht ausreichend ansehen, so muß die halbamtliche Feststellung, daß alle Forderungen der Armeeverwaltung unverkürzt in der Vorlage enthalten sind, als beachtenswert angesehen werden.
In Bayern hat das Kabinett Hertling im Reichsrat eine Kritik vonseiten des Grafen Törring, eines Schwiegersohnes des verstorbenen Herzogs Karl Theodor in Bayern, über sich ergehen laßen müssen. Der Graf sprach die Befürchtung aus, daß das neue Ministerium nicht die Kraft haben werde, dem Drucke des Zentrums, das hinter ihm stehe, Widerstand zu leisten. Auch den bekannten Iesuitenerlaß sowie das scharfe Vorgehen gegen die Sozialdemokratie tadelte er, und außerdem meinte er, aus der Berufung des jetzigen Ministeriums gehe hervor,, daß man sich in Bayern und im Reiche dem parlamentarischen System nähere. Frhr. v. Hertling bestritt in seiner Erwiderung das alles und behauptete, das Kabinett sei überhaupt kein Parteiministerium. Bei dem Zesuiten- erlaß, den er als eine Erbschaft von seinen Vorgängern vorgefunden, handle sichs um eine Rechts-, um eine Auslegungsfrage, die auf dem ordentlichen Wege zum Austrag kommen werde. Inzwischen haben die Nationalliberalen im Reichstage eine Interpellation über den Erlaß eingebracht. Die Beantwortung durch den Reichskanzler dürfte also über die Iesuitenfrage bald Klarheit bringen.
Eine Katastrophe von furchtbarer Tragik hat das Entsetzen und Mitgefühl der ganzen Kulturwelt geweckt. Bei dem Untergang des englischen Riesendampfers „Titanic", der in voller Fahrt im Atlantic mit einem Eisberg kollidierte, sind an 1600 Personen ums Leben gekommen. Ein Wunderwerk moderner Technik, ein schwimmender Palast mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet, der größte Pasiagierdampfer der Welt, der allen Gefahren trotzen zu können schien, ist an der schwimmenden Eletschermasie zerschellt und von den Meeresfluten verschlungen worden. Alle anderen Gefühle treten in den internationalen Beziehungen zurück vor dem tiefschmerzlichen Eindruck, den die Trauerbotschaft hervorruft. Staatshäupter und Parlamente, darunter der deutsche Kaiser und der deutsche Reichstag, haben ihr aufrichtiges Beileid kundgetan, und überall, wohin der Telegraph die erschütternde Kunde trug, gedenkt man mit tiefem Mitleid der unglücklichen Opfer und ihrer Hinterbliebenen. Ob die Schuldfrage, die von amerikanischer Seite aufgeworfen wird, jemals gelöst wird, erscheint sehr zweifelhaft. Jedenfalls ist aber zu wünschen, daß der Untergang der „Titanic" für die großen Dampfergesellschaften den Anstoß gibt, auf noch besiere Sicherheitsmaßnahmen für ihre Passagierfahrten bedacht zu sein.
Im italienisch-türkischen Kriege haben die Italiener mit ihrer lange angekündigten größeren Aktion endlich Ernst gemacht. Zu Beginn der Woche hatten die Mächte in Konstantinopel ihren Vermittlungsversuch durch die Anfrage nach den Bedingungen, unter denen die Pforte zum Frieden geneigt sei, eingeleitet. Die türkische Regierung ließ sich mit der Antwort Zeit, die Thronrede aber, mit der am Donnerstag das Parlament eröffnet wurde, enthielt die Erklärung, die Türkei wünsche den Frieden, jedoch nur unter absoluter Wahrung ihrer Souveränitätsrechte. Das war im Hinblick auf das italienische Annektionsdekret gleichbedeutend mit einer Ablehnung der Friedensvermittlung. Die Italiener warteten die offizielle Antwort der Türkei auf die Anfrage der Mächte nicht mehr ab und eröffneten am Tage des Wiederzusammentritts des türkischen Parlaments die Beschießung zweier Forts am Eingang der Dardanellen. Der Erfolg war nicht besonders Imponierend und von einer Forzierung der Meerenge kann keine Rede fein. Offenbar beabsichtigt Italien durch diese Operationen, zu denen noch die Besetzung mehrerer Inseln im Archipel kommt,
mit dem Kreisblatt
*
Ä -
iw
। t
für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ,^Landwirtschaftliche Beilage".
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren
JS93
1912
(Eine Demonstration im Schwarzen Meer« hätte wenig oder gar feine Wirkung und eine friedliche Demonstration vor Konstantinopel ist unmöglich, da man den stark befestigten Bosporus durchbrechen und die russische Regierung demgemäß die Feindseligkeiten eröffnen müßte. Ri«, mand glaubt hier daran, daß die russische Regierung di« Absicht habe, bei ihrer Intervention so weit zu gehen.
Paris, 19. April. Alle Blätter geben der Befürchtung Ausdruck, daß der Angriff der italienischen Flotte gegen die Dardanellen ernste politische Folgen haben könne. — Der „Temps" schreibt: Niemand freut sich über di« italienisch-russische Intimität mehr als Frankreich, aber um wirksam zu sein, braucht dies« Intimität nicht bis zu einer „friedlichen Flottendemonstration" Rußlands zu gehen, welche nichts anderes als ein kriegerisches Unternehmen wäre. — „Stelle" sagt: Man kann nicht ost genug wiederholen, daß jede diplomatische oder maritime Offensive, welche Italien und Rußland gemeinsam im Orient ergreifen sollten, nur dazu dient, Oesterreich und Deutschland zu Herren der Situation z« machen: Oesterreich, welches bewiesen hat. daß es Italien Einhalt gebieten kann und Deutschland, welches bewiesen hat. daß es Rußland Einhalt zu gebieten weiß.
Wien, 19. April. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses überreichte der Abgeordnete Pantz eine Interpeation an den Ministerpräsidenten, in der angefragt wird, ob das Auswärtige Amt von der italienischen Operation gegen die Dardanellen vorher Kenntni» hatte, wie sich das auswärtige Amt zu dieser Handlungsweise zu stellen und was es zu tun gedenkt, um die dadurch heraufbeschworenen Eefah ren vom Reiche rechtzeitig und wirksam abzuwehren.
London, 19. April. Parlamentssekretär Acland erklärte im Ur» terhaus« auf ein« Anfrage wegen der Dardanellen: Was wir wißen, tf wenig, bestätigt aber die Zeitungsmeldungen, daß die Dardanellei augenblicklich gesperrt sind und daß die Beschießung türkischer Forts dutts italienische Kriegsschiffe stattgefunden hat. Weitere Nachrichten habe» wir nicht, doch wird der ernsten Bedeutung der Sperrung der Darda netten für den britischen Handel voll Rechnung getragen werden.
eine politische Wirkuilg auf die Entschließungen der Pforte auszuüben. Ob dieser Zweck erreicht wird, erscheint nach der Stimmung der leitenden türkischen Kreise recht zweifelhaft.
Italienische Schiffe vor den Dardanellen.
Die Flottendemonstration b*r Italiener vor den Dardanellen und die Bombardierung einiger Forts hat in Europa begreifliches Aufsehen erregt. Man nimmt nicht an, daß die Italiener tatsächlich die Durchfahrt durch die Meerenge erzwingen wollten, dazu sind die Befestigungen dort denn zu stark und mit den modernsten Errungenschaften der Festungstechnik ausgerüstet, es wird vielmehr geglaubt, daß die Attion lediglich ein politischer Schackizug sei. Durch die Sperrung der Dardanellen werden dem Handel der Mächte außerordentlich empfindliche Verluste beigebracht. Sollen diese vermieden werden, so mußte die Türkei zur Oeff- nung der Dardanellen gezwungen werden, und das eben erhofft Italien. Ja man spricht sogar schon davon, daß dieses Land mit Rußland ein geheimes Abkommen getroffen habe, das bezweckte, eine Pression auf die Türkei auszuüben und dadurch eine schnelle Beendung des Krieges herbeizuführen.
Bei den Berichten, die über die ganze Angelegenheit vorliegen, zeigt sich wiederum die eigenartige Berichterstattung in diesem Kriege. Was die eine Macht meidet, dementiert die andere schleunigst wieder, wozu allerdings zu bemerken ist, daß die Nachrichten, die von türkischer Seite stammen int allgemeinen mehr Vertrauen verdienen, als die von der anderen Seite, deren Telegramme meist mehr als tendenziös gefärbt sind.
Rom, 19. April. (Ägenzia Stefan!.) Aus dem amtlichen Bericht des Kommandanten des italienischen Geschwaders, der bei der Regierung eingetroffen ist, geht hervor, daß das Geschwader die Fahrt durch das Aegäische Meer mit großer Schnelligkeit ausgeführt hat. Die Operationen des Geschwaders hatten nicht den Zweck, die Dardanellen anzugreifen ober zu forcieren ober Truppen auszuschiffen. Denn man hatte für diese Zwecke gar keine Truppen an Bord. Inder Nacht vorn 17. zum 18. wurde das Kabel zwischen Imbres und den Dardanellen und zwei Kabel von Iennes durchschnitten. Ein Teil des Geschwaders erhielt den Befehl, sich vor die Dardanellen zu begeben, da man hoffte, hierdurch die ott>omanifche Flotte zur Ausfahrt und zum Angriff zu veranlassen. Während die italienischen Schiffe vor den Dardanellen kreuzten, erschien ein türkischer Torpedojäger in der Einfahrt, gegen den unsere Flottenabteilung vorging. Zu gleicher Zeit eröffneten zwei Küstenforts aus großer Entfernung das Feuer gegen sie. Dieses zwang unsere Schiffe, das Feuer zu erwidern und etwa zwei Stunden lang wurden die äußeren Festmrgs- werke bombardiert, während der türkische Torpedobootszerstörer schleunigst wieder in der Meerenge verschwand. Auf unserer Seite sind kein« Verluste. Die Flottenabteilung erreichte ihr Ziel und trat di« Rückreise nach Italien an. Der Bericht des Geschwaderkommandanten im südlichen Aegäischen Meer ist noch nicht eingetroffen.
R o m , 19. April. „Messagere" meldet in einer Extraausgabe, daß sich die türkische Flotte der italienischen nicht stellte. Rur ein Torpedobootszerstörer zeigte sich, sei aber schnell in die Flucht getrieben worden. Die türlischen Kanonen wurden von dem sehr wirksamen Feuer der ita- lieniichen Flotte bald zum Schweigen gebracht: ein Fort ist vollständig zerstört.
Rom, 19. April. (Agenzia Stefani.) Die Nachricht, daß bei der Flottenmanifestation im Aegäischen Meer ein italienisches Schiff beschädigt worden fei, wird amtlch auss schärfste dementiert.
L o u d o n, 19. April Das „Reutersche Bureau" meldet aus Perim: Der italienisch« Kreuzer „Puglia" beschoß heute früh das Fort Scheik Said und entfernte sich dann nördlich.
K o n st a n t i n o p e l, 19. April. Nach Meldungen aus türkischer Quelle begannen di« Italiener heute morgen die Beschießung von Aiweli in Kleinasien, Lesbos gegenüber.
Konstantinopel, 19. April. Die Bevölkerung nahm die Nachricht von dem Bombardement gleichmütig auf und hielt musterhaft Ordnung. In Gallipoli und in anderen Küstenstädten rief das Bombardement panikartig« Szenen hervor. Viele Bewohner flüchteten landeinwärts. — Dem Kriegsministerium zugegangene Meldungen berichten, daß ein kleines türkisches Küsten-Kanonenboot während des Bombardements von Samos von der Besatzung versenkt wurde, um es nicht in die Hände der Italiener fallen zu lasten. Mannschaft und Geschütze wurden an Land gebracht. Nach dem Bombardement begab sich die Flotte in den Golf von Teros.
Wien, 19. April. Der Kriegsminister Mahmud Schefket Pascha teilte dem konstantinopeler Korrespondent der „Neuen Freien Preste" mit, wir wünschen nichts sehnlicher als daß di« feindliche Flotte eine Forcierung der Meerenge versuche. Di« klägliche Beschießung des schwa-
Marhurg
Sonntag, 21. April
Zum Untergana der Titanic.
Die „Earpathia" mit den Ueberlebenden der „Titanic" an Bord hat nun Newyork erreicht. Sie legte am Donnerstag abend 71/2 Uhr am Pier an. Eine ungeheure Menschenmenge, teils Angehörige der „Titanic"-Passagiere, erwartete die Landung der Geretteten. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung waren umfassende Absperrungsmaßregeln getroffen worden, und nur die Nächstbeteiligten, sowie die Berichterstatter der Zeitungen hatten Zutritt zu den Landungsbrücken. Bei der Ausschiffung der Schiffbrüchigen spielten sich nach einer Newyorker Meldung am Kai ergreifende Szenen ab. Männer weinten und schluchzten, Frauen brachen ohnmächtig zusammen und Kinder wurden fast durch die Umarmungen der sie Erwartenden erdrückt. Zahlreiche Männer waren der Ohnmacht nahe, Frauen stürzten sich in die Arme der Angehörigen. Die Zahl der Schwerverletzten ist nicht so groß, wie man befürchtet hat, nur vereinzelte wurden in Krankenhäuser überführt,' aber bei allen hat der furchtbare Kampf um das Leben unverkennbare Spuren in den Gesichtszügen hinterlassen. Einige Gelandete konnten kaum sprechen, andere klagten laut ununterbrochen. Den erschütterndsten Anblick boten die Frauen des Zwischendecks: dünnbekleidet und zitternd vor Kälte mit von beständigem Weinen geröteten Augen und mit starrem Ausdruck der Verzweiflung, Unruhe und Furcht auf den Gesichtern. 10 Personen sind vor Erschöpfung an Bord der „Earpathia" gestorben. Nach den letzten Meldungen sollen
705 Personen gerettet
worden sein, nämlich 202 erster, 115 zweiter, 178 dritter Klaff« und 210 Mann der Besatzung. Für die Zwischendeckpaffagier« waren an der Newyorker Fondsbörse 20 000 Dollars gesammelt worden, die durch eine Abordnung an den Anlegeplatz der „Car- pathia" gebracht wurden. Die Eesamtliste der Toten einschließlich der in den Rettungsbooten und auf der „Earpathia" Gestorbenen wird mit 1601 angegeben.
Uebet die Einzelheiten der Katastrophe wird jetzt noch bekannt: Die „Titanic" sank angesichts der Geretteten in den Rettungsbooten. Zweidrittel der Passagiere standen ruhig auf dem Oberdeck und warteten den Untergang ab, darunter
Tie , Cbirbrfitfme Zcnuiig" c.gdkint tag».üj am t.usnat) j« Oc; evnIV und Feiertage. — Ter BezugLpreit betragt viertel i-hrlich vurch Die Post bezogen S.25 <X (ohne Bestellgeld), oet unseren ZeittrngSstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in« Hau«. (Für unver- lanat «ttaefanbte Manuskripte übernimmt die Redaktion {einerlei krantroothmg). Druck und Verlag bet Univ.-Bmbdruckerei I. A. Koch
(Fnd : Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon So___________
Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen in die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt * • ♦ gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
chen Außensorts am Eingang der Dardanellen wird nur von bet Beschießung von Samos übertroffen, wo nur eine türkische Kompagnie stand. Gegen eine Landung aus der Halbinsel Gallipoli sind im Ueberfluß Truppen vorhanden.
Konstantinopel, 19. April. Der Eroßwesir beauftragte gestern Abend den Minister des Innern die in Konstantinopel ansässigen Italiener binnen 48 Stünden auszuweisen.
Konstantinopel, 19. April. Die türkischen Blätter erklären allgemein, das Bombardement der Dardanellen werde die Türkei nicht einschüchtern und an bet Antwort auf ben Schritt bet Mächte nichts ändern. „Ieni Gazetta" sagt: Entweder wird bet Feind aus Tripolis verjagt, ober alle Ottomanen werden dem Beispiel der Kämpfer von Tripolis, bis zum letzten Blutstropfen auszuharren nachahmen. — „Tanin" schreibt: Alle Ottomanen sind entschloffen auch nicht einen Zoll breit von Tripolis abzutreten.
Paris, 19. April. Das „Journal des Debats" veröffentlicht in fetten Lettern folgende aus Wien datierte Meldung: Nach eifrigen Verhandlungen zwischen Rom und Petersburg ist der Abschluß eines italienisch-russischen Abkommens im Zuge, durch welches Italien bet russischen Politik auf dem Balkan, insbesondere bezüglich Mazedonien und Albanien, feine Unterstützung zusichert. Dafür würde ftch Rußland verpflichten, unverzüglich die Souveränität Italiens über Tripolitanien und der Eyrenaika anzuerkennen und diese Anerkennung durch eine Flottendemonstration am Eingang des Bosporus unterstützzen. — Dem „Temps" wird aus Petersburg gemeldet: Der angebliche Plan einer russischen Flottendemonstration in ben türkischen Gewässern wird hier als wenig wahrscheinlich angesehen.
sechs Frauen, welche es vorzogen, mit ihren Männern zu sterben. Die meisten Ueberlebenden sagen aus, daß nur ein leichtes Zitterr des Skiffes bei dem Zusammenstoß wabrnebm^ar aewesen sei. Eine Panik sei nicht ausgebrochen. Viele Frauen weigerten sich zuerst, die „Titanic" zu verlaffen, indem sie annahmen, das Schiff könne nicht sinken; sie wurden gewaltsam in die Boote hineingetrieben. Nach einigen Berichten herrschte unter den Zwischen- deckspaffazieren große Berwirrnno; es sollen < 'i~f-:‘»n vorgekommen sein. Zahlreiche Zwischendeckspaffagiere sprangen mit Rettungsgürteln in das eisige Waffer. Die N-tton^^oote ruderten in die Dunkelheit hinaus und verspürten den Strudel beim Untergang des Schiffes kaum. Kurz vor dem Versinken schoß eine Riesenwelle über die „Titanic" und ritz alles mit sich. 30 Personen erstiegen ein Floß; andere, die halb erstarrt im Waffer lagen, baten flehentlich um Aufnahme auf das Floß, wurden jedoch zurückgestotzen, um das Floß nicht zu gefährden. Viele Personen wurden von den Rettungsbooten aufgegriffen. Der Zeitungskorrespondent Hurd «Härte, er habe durch Nachfragen bei den Ueberlebenden festgestellt, daß die Offiziere der „Titanic" Stunden vorher von der Nähe der Eisberge Kenntnis hatten, daß aber die Geschwindigkeit von 23 Knoten trotzdem nicht vermindert worden sei. Wie weiter gemeldet wird, ist die Rettung der Ueberlebenden dem Umstande zu verdanken, daß der Marconi-Telegraphist an Bord der „Earpathia" am Sonntag abend nicht zur gewöhnlichen Zeit schlafen ging und daher da» erste Signal der „Xitanic* ‘ auffing. • ' . t*