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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftüche Beilage".
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Lie „Cbcrl)t*fift»< Bettung“ ifldjcint ragtich mit kuenatjaie oer -s.^nn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen S.25 <X lohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei ins Haus. (Für unver« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Jnd.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55
Marburg
Dienstag, 16. April
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47. Jahrg.
1912.
Hungersnot in China.
Zu all den Unruhen, welche die diplomatische Umwälzung in Thina mit sich gebracht hat, kommt noch eine schwere Hungersnot. In Schanghai hat sich ein Zentralkomitee zur Unterdrückung der Not gebildet. Dem Bericht dieses Komitees entnehmen wir folgende Schilderung der Zustände:
„Zwei und eine halbe Million Menschen sind in größter Not. Es kommen hauptsächlich drei Landschaften in Betracht, die insgesamt sieben Millionen Einwohner haben: der Distritt um den Hwai-Flutz in beit Provinzen Kiangsu und Ankui, der Wuhu- Distrikt im Pangtse-Tale und der Hankou-Distrikt in Hupeh. Am schlimmsten sieht es in dem erstgenannten Bezirke aus, wo anderthalb Millionen der Unterstützung bedürftig sind. Die Ernte des vergangenen Jahres war sehr schlecht, die Ackei^iere sind aufgezehrt worden, die Geschäfte ruhen. Das Volk ist zu Bettlern oder Räubern geworden. Weiber und Kinder werden verkauft. Mehrere hundert Banditen sind bereits gehenkt und geköpft worden. Man schreibt das Unglück der Loddrigkeit der Mandschu-Regierung zu, die nichts getan hat, um die Flußdämme instand zu halten und Ueberschwemmungen zu verhüten. Früher haben wohlgesinnte Chinesen geholfen, aber sie sind jetzt selbst ruiniert."
Das Komitee zu Schanghai, das die ersten dortigen fremden Firmen umfaßt, hat sich mit wohlhabenden Chinesen in Verbindung gesetzt und auch das amerikanische Rote Kreuz zu Hilfe heran- gezogen. Die Hilfe ist nicht ohne politische und wohl auch nicht ohne geschäftliche Hintergedanken. Es heißt in dem Aufruf wörtlich: „Die Hilfe für die Notleidenden soll zu einer großen internationalen Freundschaftserklärung für das neue China gestaltet werden. Das China von gestern fürchtete und haßte die Fremden, und nicht ohne Grund. Das neue China wird die Freundschaft, die ihm gezeigt wird, vergelten!"
Der Plan des Komitees ist, die Notleidenden zu unterstützen, ohne sie zu .^auperisieren", d. h. man will ihnen Gelegenheit zu bezahlter Arbeit geben, und diese Arbeit soll in Kanal- und Deichbauten bestehen, also der Bevölkerung in Zukunft selbst zrHpte kommen. Es ist berechnet worden, daß 7 Dollars (mexikanFch), also etwa 15 <Al, genügen würden, um eine Familie einen Monat zu erhalten. Man sieht in dieser Summe die ganze Bedürfnis- lostgkeit der Chinesen. Freilich bedingt die große Menge der Notleidenden, 600 000 Familien, daß die ganze Summe, die man nötig hat, auf 10 Millionen Dollars anschwillt. Dann hofft man, daß die erste Ernte, die in diesen Gegenden schon im Mai eintritt, die Leute ihrer schwersten Sorgen entheben wird.
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Politische Umschau.
Eine Duellgeschichte,
die vor zwei Jahren spielte, macht jetzt die Runde durch die Presie. Die „Köln. Volksztg." berichtet darüber: „In Mergentheim wurde der Oberamtswundarzt Dr.. Schümm nicht wieder zum Leiter der freiwilligen Sanitätskolonne gewählt. Er führte das auf Intrigen feines Nachfolgers Dr. Sambeth zurück, dem et in einem Briefe schäm- und ehrloses Benehmen vorwarf. Ein Vermittlungsversuch scheiterte. Dr. Sambeth hatte vor dem Ehrengerichte die Erklärung abgegeben, daß er den Dr. Schümm nicht zum Zweikampf herausgefordert habe, und zwar mit Rücksicht auf die göttlichen Gebote, auf die menschlichen Gesetze, auf die logische Vernunftlehre, auf seine Familie. Da Dr. Schümm nichts zurücknehmen wollte, wurde ihm wegen schwerer Ehrenkränkung eines Kollegen als höchste Strafe, die das Schiedsgericht verhängen konnte, ein Verweis, erteilt. In einer Privatklage wegen Beleidigung wurde Dr. Schümm zu 100 M Geldstrafe verurteilt."
Bun beschäftigte sich das militärische Ehrengericht mit der Angelegenheit und erkannte, daß der Oberarzt der Landwehr I Dr. Sambeth, weil er für eine schwere Beleidigung, die ihm in
Rachdr. verboten.
Stärker als Du?
Roman von Käte Subowski.
(Fortsetzung.)
„Cafj das jetzt," sagte der Uhlitzer Herr kalt. Er hatte endlich die verlorene Beherrschung zurückgefunden . . . „So kommen wir niemals zum Ziel. . . Ihr traft doch noch am Abend de« Reisttages in Berlin ein.“
„Gewiß. In der Stadt Bremen in der Dorotheenstrahe nahm ich Wohnung. Drei Zimmer. Ich dachte, Henri hätte in diesen letzten Rächten unter deutschem Himmel noch allerband mit sich abzumachen . . und ich bin alt und bedarf eines ruhigen Schlafes. Gegen 10 llhr an diesem Abend gingen wir irgendwohin zum Essen."
„Wohin?“
„Gott, ich weiß gar nicht, wie das Ding hieß."
„Du wirst es mir sagen, denn du weißt es sehr wohl.“
„In eins der Restaurants „Unter den Linden". Ich wollte Mart« etwas Hübsches zeigen und dem Jungen eine letzte Freude machen."
„Was geschah dort?"
„Sonderbare Frage. Wir aßen und tränten . . vielleicht ein wenig zu üppig . . aber du hattest doch ausdrücklich gewünscht, daß alles gut und reichlich unterwegs fein sollte."
„Ich will nicht wissen, was Ihr an Fleisch und Wein genösset. Das andere sollst du mir sagen.--Es muß sich dort eiwas gugetragen
haben, was Marte außer sich gebracht hat."
„Ich weiß nur, daß sie plötzlich über schieches *•?. ’.c und
ins Hotel zurückwollte."
„Und du tatest ihr diesen Willen?“
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einem Zwist mit einem Berufsgenossen widerfahren sei, ausreichende und standesgemäße Genugtuung herbeizuführen unterlassen habe, der Verletzung der Standesehre für schuldig zu erachten sei. Der Ehrenrat beantragte demgemäß Entlassung mit schlichtem Abschiede. Der Spruch des Ehrengerichts wurde nunmehr dem Kaiser vorgelegt. Der Kaiser entschied, daß „eine aus religiöser Ueberzeugung entsprungene grundsätzliche Verwerfung des Zweikampfes sich nicht zum Gegenstände ehrengerichtlicher Beurteilung machen läßt, wenn auch ein Sanitätsoffizier, der in dieser Hinsicht zu den Erundanschauungen seiner Standesgenossen in Widerspruch tritt, nicht länger in seiner Dienststellung belassen werden kann. Ich lehne es daher ab, auf den vorliegenden Spruch Entscheidung zu treffen und bestimme, daß die Akten hierüber wegzulegen find. Ich will indes in Rücksicht darauf, daß nach den stattgehabten Ermittelungen der Oberarzt der Landwehr Dr. Sambeth keinen begründeten Anlaß zu der ihm widerfahrenen Beleidigung gegeben hat, hierdurch aus Gnade genehmigen, daß er unverzüglich seine Verabschiedung nachsucht."
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Der Krieg um Tripolis.
Rom, 13. April. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Tripolis: Gestern flogen zwei Lenkballons von Tripolis nach Bucha- mez, von wo sie, nachdem sie über 12 Stunden in der Luft gewesen, zurückkehrten. Die Lenkballons versorgten sich mit Benzin von dem vor Zuara kreuzenden Schiffe. — Aus Derna wird gemeldet: Nach im ßanbesinnein verbreiteten Gerüchten verlegen die regulären türkischen Truppen unb bie Beduinen, die bisher um Tobruk lagerten, wegen Wassermangels ihre Stellung nach Pomba.
Kairo, 13. April. Die erste Heeresabteilung des Scheiks der Senusst ist auf dem Vormarsch nach Benghast begriffen und hat Djarabub erreicht.
Tripolis, 14. April. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Tripoli»: Die Umgebung ist völlig ruhig. Gestern herrschte ein starker Eibliwind, der sich abends zum Sturm verwandelte. Bäume wurden gebrochen, zwei kleine Observatorien nieder- gerissen, zwei Flugzeugschuppen beschädigt und drei Soldaten verletzt. In Ain Zara wurden Funken aus der Soldatenküche vom Winde fortgetragen, sie verursachten im Fort einen unbedeutenden Brand, der unverzüglich gelöscht wurde. Ein Kundschafter berichtet, die Besetzung des Forts Vuchamez veranlaßte ein schnelles Steigen der Lebensmittelpreise im türkischen Lager.
Rom, 14. April. Aus Maeabez wird der „Agenzia Stefani" drahtlos gemeldet, daß dort ein Bataillon Askaris gegen eine Abteilung Araber, die die Arbeiten am Fort Buchamez zu hindern suchten, einen erfolgreichen Vorstoß unternommen hat. Die Araber wurden mit großen Verlusten zurückgeworfen. Sieben Askaris wurden verwundet, einer schwer. Heute wurde weiteres Material ausgeschifft. Die Befestigungsarbeiten in bet Oase schreiten rüstig fort.
Konstantinopel, 14. April. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgende Telegramme: Am 10. April vormittags beschossen neun italienische Kriegsschiffe unb zwei Transportschiffe Zuara. Die Beschießung dauerte bis gegen Abend. Ein Teil der Stadt, die Kaserne und die Moschee wurden zerstört. Verluste an Menschenleben wurden nicht verursacht. Am 11. April wurde die Beschießung wieder ausgenommen. Nachmittags versuchten die Italiener zweimal zu landen, was jedoch an dem Widerstand bet Türken unb Araber scheiterte. Nachdem noch drei italienische Kriegsschiffe eingetroffen waren, ließen die Italiener drei Kriegsschiffe vor Zuata unb dirigierten den Rest bet Flotte nach Seib- Saib, das sie bombardierten, um eine Landung zu versuchen. Die Türken und Araber sandten Verstärkungen dabin. Am nächsten Tage beschossen die Italiener die Umgebung von Seid-Said und landeten in Krua eine Abteilung Soldaten mit Maschinengewehren. Den entsandten türkisch-arabischen Verstärkungen gelang es, die Fortsetzung der Landung zu verbindern und die Vet-
„Mit diesem Augenblick mutz das Schreckliche seinen Anfang genommen haben. Das ist mir klar. — — — Jetzt frage ich dich vor Gott und dem Bild der Toten da . . hast du sie weiter unter deinem Schutz bebalten?"
Die dicken Lippen gitterten.
„Za. . .“
„Du lügst! ? Du hast sie allein in die Nacht hinausgeschickt. Sag« mir jetzt di« volle Wahrheit oder ich werfe dich aus diesem und dem Buchener Haus auf die Straße."
„Ich ließ ein Auto besorgen . . sagte dem Chauffeur genau Bescheid . . nein, ich tat ja noch mehr, ich notierte sogar sein Ziel. Ich dachte doch an nichts Böses. Ich selbst wollte noch ein wenig mit einem alten, zufällig getroffenen Bekannten Erinnerungen aufwärmen.--
Als ich am nächsten Morgen an ihre Tür pochte, keine Antwort erhielt und schließlich mit Gewalt öffnen ließ fand ich ihre Betten unberührt. .....Sie waren gar nicht in das Hotel zurückgekommen. Sie waren fort . . Ich bin zur Polizei gejagt, in allen Lokalen gewesen und habe zwei der tüchtigsten Kriminalbeamten geworben . . nichts! Nur als Erfolg die schreckliche Ahnung, daß ein Unglück geschehen sein muß. Sie haben nichts mit sich genommen. Henris große Koffer lagerten auf dem Lehrter Bahnhof. Billet und Papiere besitze ich.--Ich habe mich
lange gegen den Gedanken gewehrt, ich zittere auch jetzt noch, ihn vor dir auszusprechen--aber er kommt der Wahrheit doch wohl am
nächsten. Sie haben den Abschied von einander nicht ertragen können . . und deshalb einen gemeinsamen Tod vorgezogen."
..........Die Hände des still gewordenen Zuhörers kämpften sich zur Faust. Sein Gesicht wurde fahl. So hatte ihn der andere noch niemals gesehen. Er stolperte in würgender Angst ein paar Schritte nach rückwärts. Kaum, daß er den keuchenden Befehl noch verstand:
„Aus meinen Augen, damit ich mich nicht an dir »ergreife .
btnbung der Flotte mit den gelanbeten Truppen abzuschneiden. Die Türken unb Araber entfanbten von Zuara bebeutenbe Verstärkungen mit Artillerie, um bie Durchführung bes italienische» Planes gegen Seib-Saib zu verhinbern unb bie in Erna gelandet« italienische Abteilung zu vernichten. Neun intalienische Kriegs« unb Transportschiffe befinben sich im Westen von Seid-Said.
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Deutsches Reich.
— Rückkehr bes Reichskanzlers. München, 13. April. Der Reichskanzler ist heute nachmittag 4 Uhr auf dem Haupttrnhuhof eingetroffen. Er würbe vom preußischen Gesanbten empfangen unb begab sich bann zur Gesandtschaft. Hierauf fuhr et beim Ministerpräsidenten v. Hertling vor und gab feine Karte ab. Herr v. Hertling erwiderte diese Aufmerksamkeit. AKrnbs 1104 Uhr reiste der Reichskanzler nach Nauheim ab.
— Die drei in der Wehrvorlage neugefotbetien Abteilungen bet Fliegertruppe werden, wie die „M.-p. SP1 meldet, nach dem Griesheimer Schießplatz bei Darmstadt, nach Straßburg i. E. unb nach Metz gelegt. Zum Führer der einen Abteilung ist Rittmeister v. Hantelmann vom Braunschweigischen Husaren-Negiment Nr. 17 bestimmt, der feit längerer Zeit in Döberitz als Fluglehrer tätig ist.
— Die neuen Heeres- unb Marinevorlagen sind, wie bi< „Kons. Kort." erfährt, nunmehr endgültig vom Bundesräte angenommen und werden am Montag abend den Reichstagsabgeorb- neten als Vorlage zugehen. Auch bezüglich der Deckungsfrage ist im Bundesrate Uebereinftimmung erzielt worden. Es wird als einzige Vorlage in dieser Beziehung dem Reichstage der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Beseitigung bes Branntweinkontingents unterbreitet werben.
— Ein Dementi. Berlin, 13. April. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfahrt, ist die Meldung eines englischen Blattes, daß Aber ein Zusammentreffen des Kaisers mit Pierpon Morgan in Venedig verhandelt werde, erfunden.
— Beleidigungsklage. Breslau, 12. April. Kardinal Kopp hat gegen den Redakteur des sozialdemokratischen Witzblattes „Der wahre Jakob" Strafantrag gestellt, weil dort erzählt wird, bet Kardinal zahle seinen Forstarbeitern nur 80 Psg. Tagelohn.
— Der Lotterievertrag. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt offiziös: Einige Blätter lassen sich aus München melden, die Ablehnung bes preußisch-süddeutftben Lotterievertrags durch den Finanzausschuß der bayrischen Abgeordnetenkammer veranlasse die preußische Regierung, an Bayern mit einer beträchtlichen Erhöhung bet anaebotenen Pauschalrente heranzutreten. Wir sinb in ber Lage mitzuteilen, baß diese Meldung jeglicher Begründung entbehrt.
— Zum bäurischen Iesuitenerlatz. Der Eesamtvorstand des Evangelischen Bundes hat zu Ostern in Eisenach eine Entschließung angenommen, die bie Erwartung ausspricht, daß Bundesrat und Reichstag weder eine Abbröckelung noch die Aufhebung des Jesuitengesetzes zulassen werden.
Ausland.
** China. Peking, 13. April. Unter den Truppen im Norden Chinas mehren sich bie Anzeichen von Unzufriedenbeit mit bet Republik. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß, wenn sich ein Führer fände, der Norden die Monarchie wieder herstellen würde. — Urga, 14. Avril. Der Abfall von China beginnt allgemein. Zahlreiche Stämme verschiedener Teile der Mongolei, darunter auch, wie es beißt, bie Turgusenstämme des Juligebietes, teilten Hutuchta schriftlich mit, daß sie sich ihm anschließen. Wie verlautet, ernannte Juanschikai den bi er angekommenen einflußreichen Mongolenfürsten ber Inneren Mongolei Arachuagan zum Gebilfen des Kriegsministers. — Pettng, 14. April. Ein soeben
Eine Stund« später saß Karl August in dem Uhlitzer Herrenhaus neben dem Zusammengebrochenen und wiederholte rote «ine Melodie, die zuletzt allen heißen Jammer in den Schlaf singt:
„Glaube ibm nicht, Onkel Adalbert — die Marte geht nicht in beit Tod! Sie bleibt auch gut . . sie ringt sich durch und wenn einer den Henri noch retten kann, bann ist sie es!!“
Zwei volle Tage hatte Adalbert von Eadecker gebraucht, um sich über das. was er jetzt zu tun hatte, schlüssig zu werden.--Kein Versuch zur
Auffindung der Derschronndenen wurde unterlassen. Kein Geld gespart. Karl August mußte nach Berlin fahren, um wenigstens die ersten Bemühungen zu überwachen. Täglich trafen zwei Nachrichten von ihm in Uhlitz ein. Sie rissen den Einsamen immer von neuem aus der Verzweiflung empor . . aber irgend ein« Hoffnung brachten sie nicht. Und dennoch strömt« etwas von dem zuversichtlichen Glauben des Jüngeren auf ihn über Er sah den Tod nicht mehr als die einzig richttge Beantwortung aller Fragen an. Er begann zu überlegen, ob wohl ein Mensch wie Marte im Stande fei, den eigenen Unterhalt zu verdienen. Und so oft er verneinen wollte, weil er sie dabei — mit schlaffen Händen einen Tand haltend — vor dem Nähtisch fitzen sah----so oft klang ihm
auch ihr Flehen um Arbeit in den Ohren.----Wer aber so stark»
Liebe zum Schaffen hat, bet empfindet ein Grauen vor dem Resignier« zum Tode.
Und er gestand sich schließlich zu, daß et zwar die Stätte ihrer schlummernden Kräfte nicht verkenne .... daß aber ein Mensch mit dem unbestreitbaren Vorhandensein solcher, mit allen Fasern am Bebe» hängen mußte.
Diese Einsicht bewahrte ihn vor der Verzweiflung. i
(Fortsetzung folgt.!