mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .^Landwirtschaftliche Beilage".
M 86
Tle , Lberheglslye Rettung" «.Hcheml lagtich mir ku»aa<,..... oct « nn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Poft bezogen 9.25 <Ä lohne Bestellgeld), tret unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jt frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth),Markt 21. — Telephon 55
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7 gespalten« Zeile oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 e). Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschloffen. — Zahlungen tat Post- scheckverkehr — ohne Portokosten — unter Rr. 6015 bei Postscheckämter Frankfurt a. M.
Erstes Blatt.
Hintertreppenpolitik.
Sensationen bilden auch für den politischen Staatsbürger heute-gerade wie in anderen Welten einen wesentlichen Teil seiner Unterhaltung. Nur ist es aber nicht immer ganz leicht, derartige Dinge zu erfinden und herauszuholen. In der äußeren Politik besorgen das Geschäft unsere englischen, amerikanischen, franzö- stschen usw. „Freunde", die bald hie bald da Deutschland als den Störenfried der Welt denunzieren. In der inneren Politik hat sich die Gepflogenheit herausgebildet, mit unseren leitenden Staatsmännern umzuspringen, wie mit dummen Jungen, man kann es wirklich nicht anders ausdrücken. Angesehene Blätter haben sich des öfteren über diesen Niedergang der politischen Sitten ausgesprochen, worauf wir schon kürzlich hinwiesen, aber es scheint freilich nicht viel fruchten zu wollen. Wenn die ewige Wiederholung verhetzender Agitation zu langweilig wird, dann beginnt das Spiel mit den höchsten Reichsstellen. Alle sind sie Todeskandidaten, die Minister und die mutmaßlichen Nachfolger, vielmehr die heißesten Favoriten für den Posten, werden nur so aus? dem Aermel geschüttelt. Andern Tags wird freilich festgestellt, daß die betreffenden Minister noch fest „in der Gunst des Kaisers" ständen. Das ganze ist meistens nur die Inszenierung einer Hetze gegen die betreffenden Reichsstellen, und am verwerflichsten ist, daß dabei oft zu den unschönsten Mitteln gegriffen wird. Das tun sogar, von der allgemeinen Zeitströmung ergriffen, Blätter, deren ernsthafte Tendenz sonst niemand bestreitet. Unter der Ueberschrift „Im kühlen Keller sitz' ich hier" weiß die „Rhein.- Westf. Ztg." zu berichten: „Harden schreibt in seiner „Zukunft" von Kidetlens Keller, „wo der Burschen-Cantus steigt und die Lierjungen fliegen". Was Harden hier andeutet, ist das Eeheim- nls Polichinells. In Berliner diplomatischen Kreisen spricht sich schon seit langem rund, daß Kiderlen in seiner Villa einen Kneip- Keller eingerichtet hat, in dem er mit seinen Freunden und Zech- genosien „bis morgens früh um fünfe" den goldenen Saft der Reben schlürft. Ob sich aber der Ausdruck von der „Alkohol-Politik", den Sir Grey im vorigen Sommer auf den deutschen Marokko- Dorstoß anwandte, auf Kiderlen-Wächters Trinkfestigkeit bezog, möchten wir nicht ohne weiteres annehmen; diese Alkohol-Freudigkeit des Staatssekretärs des Aeußern erklärt aber mancherlei Ungereimtheiten, die man von dem Träger eines solch verantwortungsvollen Amtes zu erleben bisher nicht gewohnt war."
Die Blätter machen sich wohl nicht klar, daß gerade derartige, töricht abgeschmackte Angriffe dazu dienen, die Stellung des betreffenden Ministers zu festigen, daß sie aber andererseits auch geeignet sind, unser Ansehen im Auslande zu kompromittieren. Politisch wichtiger ist ein Artikel des bekannten Demokraten Konrad Haußmann, der einen groben Angriff gegen den Staatssekretär v. Tirpitz enthält. Bedeutungsvoller deshalb, weil ein ernsthaftes Blatt, wie die „Tägl. Rundschau" deutlich darauf hinweist, daß diese Angriffe eigentlich nicht von Herrn Haußmann stammen, über den man zur Tagesordnung übergeben könnte, sondern ihren geistigen Urheber in dem Auswärtigen Amte haben. Eine hübsche"Silhouette des Inhalts des Haußmannschen Artikels geben die „L. N. N." mit folgender Ausführung: „Herr v. Tirpitz wird als „der Mittelpunkt eines erpansiven Resiortgeistes und einer finanziellen und internationalen explosiven Politik", als der Organisator des bösen Flottenvereins, als der Urheber des Riesendefizits hingestellt, das zur Reichsfinanzreform führte und nur eine überreife Frucht feiner „Draufgängerpolitik" gewesen sei. Er allein sei der Urheber der zunehmenden internationalen Gereiztheit, der Urheber auch der Pretzhetzereien, die der von ihm ressortierende Flottenverein treibe. Zn einer eigenen Zeitschrift sende er einen Hagel von Eeschosien gegen England, die Mittel aber würden durch die Inserate der Schichau-Werke und der Firma Krupp, der Lieferanten von Riistungsmateriol. aufaebioAt. „Zügellose und skrupellose Umtriebe, tendenziöse Agitation, Desorganisation des öffentlichen Dienstes, ein gefährlicher Staatsmann, ein fehlerhafter Kreislauf ohne Ende und ebne Atemholen, die Verwilderung der amtlichen Solidarität", das sind einige von Ingredienzien, aus denen der süddeutsche Demokrat seinen Gift- trank mischt."
Die tatsächliche Bedeutung der Anwürfe auch nur zu unter- suchen erübrigt sich. Wer die Stellung des Flottenvereins zu Herrn v. Tirpitz kennt, kann nur darüber lachen. Die Grobheit des Angriffes läßt aber auch starke Zweifel daran hegen, ob die „Tägl. Rundschau" mit ihrer Behauptung recht habe. Man kann einfach nicht ausdenken, daß die persönliche oder sachliche Gereiztheit einzelner Stellen unserer Regierung dazu fähig wäre. Es bleibt also übrig, diesen Angriff ganz auf das Konto der demokratischen Agitation zu setzen, die ja längst wieder in ihre internationale Wirkungssphäre zurückgekehrt ist, seit der Block zerfiel. Der Kanzler wird sich für die Freundlichkeit bedanken, mit der Herr Haußmann ihm das Recht reserviert, über die Ausdehnung unserer Flottenrüstung im Gegensatz zu Herrn v. Tirpitz das entscheidende Wort zu sprechen, schon deshalb, weil diese Art Hintertreppenpolitik nur dazu geeignet ist, dem Ausland die Mittel in die Hand zu geben, uns weiter als den bösen Störenfried hinzustellen, der im besten Falle durch Leute wie Herrn von Tirpitz auf eine falsche Bahn gedrängt würde. Schon läßt un» die englische Presse Zeit zur Umkehr und deutet an, daß der Rück- tritt des Herrn v. Tirpitz nunmehr notwendig sei, da er einen -ölen Einfluß auf uns und die internationalen Beziehungen aus«
Marburg
Sonnabend, 18. April
übe. Es ist selbstverständlich, daß die ausländische Presie aus derartigen Vorgängen Kapital schlägt: Eine Kritik an den Reichs- stellen kann aus nationalen oder politischen Gründen nötig werden, nur darf sie nicht alle Berechtigung verlieren und dem Vaterlande nicht schaden. Im Übrigen nimmt jetzt auch der „Flottenverein" zu der Angelegenheit Stellung. Die Mlctei- lungen des Vereins schreiben: „Der Flotten-Verein entstammt, wie Herr Haußmann wohl wisien könnte. Überhaupt nicht der Initiative des Reichsmarineamtes. Wenn Herr Haußmann sagt, der Flotten-Verein sei ein „nur scheinbares selbständiges Instrument des Herrn von Tirpitz", so müßte ihm eigentlich die Oberflächlichkeit dieses Urteils selbst bedenklich erscheinen, er müßte wissen, daß der Deutsche Flotten-Verein oft genug im Gegensatz zu den Plänen und Absichten des Reichsmarineamts gestanden hat. Die Selbständigkeit des Deutschen Flotten-Vereins ist so oft erwiesen worden, daß es sich wirklich nicht mehr lohnt, darauf einzugehen. Beiläufig möchten wir aber Herrn Haußmann daran erinnern, daß es noch nicht lange her ist, als Großadmiral v. Köster dem Präsidium des Flotten-Vereins gerade in der dem Abgeordneten Haußmann nahestehenden Presie in den schärfsten Tönen zum Vorwurfe gemacht wurde, er habe eine unzulässige Kritik am Staatssekretär des Reichsmarineamtes geübt. Beinahe unglaublich ist aber die Unkenntnis des Herrn Haußmann, wenn er sagt: „Um die Rivalität zwischen dem Resiort des Kriegsministers und dem Staatssekretär des Reichsmarineamts zu beschwichtigen, taufte man den Flotten-Verein um und hieß ihn Wehr-Verein und setzte ihm in dem General Keim einen maritim eingearbeiteten Vorstand und als Aufgabe die Propaganda für Rüstung zu Wasier und zu Land". Wir können es ebenso wenig als unsere Aufgabe betrachten, für das Reichsmarineamt zu sprechen wie für den Wehr-Verein und wollen nur feststellen, daß Flotten-Verein und Wehr-Verein in keinerlei Beziehung zueinander stehen, ebenso wenig fteilich eine „Rivalität" jemals bestanden hat. Herr Haußmann steht den tatsächlichen Vorgängen der neuesten Zeit so kenntnislos gegenüber, daß wir ihm schon überlasten müsien, sich bester zu informieren, und zwar in seinem eigenen Interesse, wenn er beabsichtigen sollte, im Reichstage fein Aufsatzthema zur Sprache zu bringen. Dieselbe Jnformationsbe- dürftigkeit zeigt er besonders hinsichtlich der Geschichte der auswärtigen Politik des letzten Jahrzehntes."
-----*-----
Deutsches Reich-
— Die Rückkehr des Reichskanzlers. Korfu, 11. April. Der Reichskanzler verließ heute morgen 8 Uhr an Bord der „Kolberg" Korfu. Er begibt sich über Brindisi nach Deutschland, von wo er noch vor der Rückkehr nach Berlin der Kaiserin in Bad Nauheim seine Aufwartung zu machen gedenkt.
— Die Herzogin Wer« von Württemberg. Stuttgart, 11. April. Im Befinden der Herzogin Wera von Württemberg war gestern eine bedrohliche Wendung eingetreten. Gestern nachmittag setzte ein schwerer urämischer Anfall ein; das Bewußtsein war bis gestern abend nicht zurückgekehrt. Heute morgen um 3 Uhr trat der Tod ein.
— Gerüchte vom Tode des Papstes. London, 11. April. Eine Meldung aus Madrid, die angeblich von der dortigen Nunciatur bestätigt wird, besagt, daß Papst Pius X. gestorben sei. (Notiz des Wolff'fchen Büros: Den Nunciaturen in München, Brüssel und Wien ist von dem angeblichen Tode nichts bekannt.) Auch von Rom aus wird jetzt die Nachricht dementiert.
— Die Bestätigung versagt. Zittau, 11. April. Der Wahl des Bürgermeisters Dr. Roth-Borgstädt, der zugleich fortschrittlicher Landtagsabgeordneter ist, zum Oberbürgermeister der Stadt Zittau wurde von der Kreishauptmannschast Bautzen die Bestätigung versagt. Als Grund wird lediglich die persönliche, nicht aber die politische Stellung angegeben. Die Angelegenheit beschäftigt die beiden städtischen Kollegien in gemeinsamer Sitzung.
— Das neue Kavallerieregiment der Heresvorlage. Ueber bas neue Kavallerieregiment, das in der Heeresvorlage neugefordert wird, sind jetzt die näheren Bestimmungen getroffen worden. Es wird voraussichtlich als Jägerregiment zu Pferde errichtet werden. Es verlautet ferner, daß Trier der Standort werden wird. Mit diesem neuen „Jägerregiment zu Pferde" erfährt diese Organisation einen weiteren Ausbau.
— Die Ostmarkenzulage. Wie die „R. p. C." aus Abgeordnetenkreisen erfährt, sollen nach Beendigung der Osterpause unter den bürgerlichen Parteien des Reichstags Verhandlungen wegen Erhaltung der Ostmarkenzulage für die Reichspostbeamten angebahnt werden. Man hofft, daß sich vielleicht noch eine Möglichkeit finden wird, den Beamten die Zulage zu erhalten.
— Anrechnung der Militärdienstzeit bei ländlichen Arbeite«. Wie mitgeteilt wird, haben mehrere Landwirtschaftskammern sehr bemerkenswerte Maßnahmen zur Einführung gebracht, die bei der Prämiierung ländlicher Arbeiter und Dienstboten zur Anwendung kommen. Es ist nämlich die Neueinrichtung getroffen worden, daß bei der Berechnung der Dienstzeit, für die die Belohnungen verliehen werden, auch die Militärdienstzeit in Anrechnung kam, wenn die betreffenden Arbeiter vor und nach Antritt ihrer Mili- tärdienstzeit bei ein und derselben Herrschaft in Stellung waren. Damit ist der Zusammenhang zwischen landwirtschaftlichen Arbeitern im Heere noch enger geknüpft worden.
— Deutsch« Bodeuverluft«. 100 391 Hektar deutschen Bodens sind, wie die fei Beratung der Ansiedlungspolitik in der Budgetkommission des Landtages vorgelegte amtliche Statistik nachweist, in den Jahren 1896 bis 1910 an das Polentum verloren gegangen, und zwar 42 763 Hektar in Westpreußen und 57 628 Hektar in Posen. Da di« Polen in
47. Jahr-. >
1912. /
den Jahren 1886 bis 1896 etwa 100000 Hektar an Boden verloren hätten, so sei der Besitzstand der Polen gegenwärttg ebenso groß, wie Mt dem Beginn der Tätigkeit der Anfiedlungskommisfion, meint die polnische Presie ironisch. — Di« amtliche Statistik reicht nur bi» 1910. Da in den letzten Jahren jährlich etwa 20 000 Hektar in völkische Hände übergegangen sind, diesem Verluste aber nur gering« deutsch« Erwerbungen gegenllberstehen, so muß, wenn der Uebergang deutschen Bodens in polnische Hände und umgekehrt In demselben Umfang« vor sich gehen wird, wie bisher, mit einem jährlichen Plus von etwa 10—15 000 Hektar polnischerseits zu llngunsten des deutschen Besitzstandes gerechnet werden. Der polnische Besitzstand wird somit schon in sieben Jahren etwa 100 000 Hektar mehr betragen als 1886. Die Aussichten für den deutschen Besitzstand sind also sehr ungünstig. Deshalb muß aufs Neue an all« grundbesitzenden deutschen Kreise die dringende Mahnung gerichtet werden, ihren Grundbesitz nicht an Polen zu veräußern, denn damit begehen sie — was nicht oft genug betont werden kann — einen Verrat an der deutschen Sache in der Ostmark.
— Die Kosten des Schneiderstreiks. Berlin, 11. April. Di« Kosten des beendeten Lohnkampfes der Herrenmaßfchneider dürften sich auf 3% bis 4 Millionen Mark belaufen. ,
— Wer nicht pariert, der fliegt. Berlin, 9. April. ,<Det früher nationalsoziale Schriftsteller Gerhard Hildebrand hatte gegen seinen Ausschluß aus der sozialdemokratischen Partei Berufung beim Parteivorstande eingelegt. Das daraufhin eingesetzte Schiedsgericht hat diese Berufung verworfen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil Hildebrand vor einiger Zeit ausgeführt hat, daß Kolonien für Deutschland eine Notwendigkeit seien.
— Der Eaatenstand im Deutschen Reich. Berlin, 10. April. Der Stand der Herbstsaaten im Deutschen Reiche zu Anfang April ist dem „Reichsanzeiger" zufolge, wenn 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel bedeutet: Winterweizen 2,3, Winterspelz 1,9, Winterroggen 2,2. In den Bemerkungen heißt es: Der Winter war im allgemeinen ziemlich mild und schneearm. Trotzdem während des Winters, besonders in den letzten Wochen, ziemlich überall reichlich Regen gefallen ist, wird doch verschiedentlich berichtet, daß dem durch die vorjährige Dürre tief ausgetrockneten Boden noch nicht genügende Feuchtigkeit wieder zugeführt fei. Auswinterungsschäden dürften in diesem Jahre nur in verhältnismäßig geringem Umfange entstanden fein, ihre ganze Ausdehnung kann erst int Maibericht bekannt gegeben werden. Die vorjährige Mäuseplage scheint behoben zu sein, es wird nur noch vereinzelt darüber geklagt. Auch von sonstigen Schädlingen ist bis jetzt wenig zu bemerken. Die Frühjahrsbestellung konnte dank der günstigen Witterung schon kräftig gefördert werden. — Die Herbstsaaten sind im allgemeinen gut durch den Winter gekommen. In manchen Gegenden litten zwar vom Weizen besonders englische Sorten ziemlich stark durch Fröste; im großen und ganzen ist aber der Stand der Winterfrüchte zur Zeit recht günstig und im Verhältnis zur Jahreszeit weit fortgeschritten. Bon Roggensaaten wird vielfach berichtet, daß sie fast zu Üppig stehen und Lagerung befürchten lasien.
----*----
Ausland.
* * Tripolis. Rom, 11. April. Die Ausschiffung der Truppen, die gestern wichtige Punkte an der libyschen Küste besetzten, war abends 10 Uhr vollendet. Die Ausschiffung des Materials schreitet schnell fort.
* * Die Kretafrage. Konstantinopel, 11. April. Die Pforte lenkte die Aufmerksamkeit der Kretamächte auf die Absicht der griechischen Regierung, den Eintritt der kretischen Deputierten in die griechische Kammer dadurch zu verhindern, daß der griechische Kassationshof die kretischen Wahlen für ungesetzlich « klärte. — Die Pforte erklärt, eine derarttge Einmischung Griechenlands in die kretischen Angelegenheiten könne Schwierigkeiten Hervorrufen. Die Kretamächte sollen geantwortet haben, die Pforte müsie mit der Nichtzulassung der kretischen Deputierten sich zufrieden geben, gleichviel welche Mittel angewendet würden.
* * China. London, 11. April. Die „Times" meldet aus Peking vom 10. April: Das diplomatische Korps Hai gestern über eine Meldung der Konsuln in Schanghai beraten, die das Verhalten des Militärgouverneurs der Ebinesenstadt in Schanghai, Tschentschimei, der kürzlich zum Kabinettsminister ernannt worden ist, zum Gegenstand hatten. Danach hat Tschentschimei wohlhabende Ehinesen aus dem Gebiet der europäischen Niederlasinng gelockt, um sie draußen zu verhaften. In einzelnen Fällen haben derartige Verhaftungen sogar in dem Bereiche der europäischen Niederlasinng stattgefunden. Die Gesandten haben die Konsuln in Schanghai teleoraphsich ermächtigt, geeignete Abwehrmaßreoeln zu ergreifen, und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß Tschin» tschimei der Schutz der europäischen Niederlasiung entzogen werde, wo er aus Furcht vor Verfolgungen durch Chinesen nachts Zuflucht zu suchen pflegt.
* * Die Wiederaufnahme der Arbeit in den englischen Gruben. London, 11. April. Der Aufruf des Exekutivausschusies der Bergarbeiter von Sudwales zur Wiederaufnahme der Arbeit hatte bedeutenden Erfolg. Die Bergarbeiter Mitten in großer Zahl ztt den Gruben zurück. Man erwartet, daß am Montag wieder normale Lage herrscht. Der lokale Eisenbahnverkehr ist wieder ausgenommen.
* ♦ Das französische Flugwesen. Paris, 11. April. Der nett* ernannte Leiter des Militärflugwesens, Oberst Hirschauer, erklärt« einem Berichterstatter, daß alle Militärflugzeuge, die gegenwärtig in ganz Frankreich zerstreut seien, in kurzem in der Ostgegend nicht weit von der Grenze vereinigt werden sollen. Im Flugwesen selbst werde eine vollständige Scheidung der Aeroplane und bei Lenkballons vorgenommen werden, sodaß die Flieger und Lust* | schiffer zwei gänzlich getrennte Dienstzweige bilden würden.