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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen:Nach Feiembend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

M 81

TieOberheßische Rettung" erscheint täglich nut Ausnahme 6er Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Poft bezogen 8.25 «X (ohne Bestellgeld), bet unseren Leitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 JL frei ins HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55

Marburg

Freitag, 5. April

47. Jahrg.

1912.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen di« Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt alS Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvoffchrist und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Post- scheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 6015 deS Postscheckamtes Frankfurt a. M.

Erstes Blatt.

Lloyd George über die deutsche Floltenvorlage..

Am Dienstag sprach der englische Schatzsekretär Lloyd George über die englischen Finanzen. Er schob dabei ohne weiteres Deutschland die Schuld zu an den weiteren Ausgaben, die sich Eng­land für seine Flotte auferlegt. Er sagte u. a.:Niemand beklagt die ungeheuren Ausgaben für die Rüstungen mehr als ich. Sie find eine Bürde für die nationale Tatkraft. Sie beschränken den Staat in seiner Tätigkeit für dringende soziale Bedürfnisse. Ganz bedeutende Werte, die für weit bessere Zwecke frei werden würden, werden diesen durch die epileptischen Anfälle von Mi­litarismus entzogen, die die zivilisierte Welt von Zeit zu Zeit befallen. So lange sie andauern, können wir nicht ruhen. Es hängt soviel von der Sicherung der absoluten Unverletzlichkeit unserer Küsten ab, daß wir, wenn wir irren, nach der Seite unserer Sicherheit hin irren müssen. Solange ich überzeugt bin, datz Churchill nur einen Etat verlangt hat, der, so hoch er sein mag, doch nur dem Minimum entspricht, das für unsere Sicherheit notwendig ist, und solange ich die Ehre habe-, das Amt des Schatzsekretärs zu bekleiden, wird es meine Pflicht sein, alles zu tun, was ich vermag, die nötigen Deckungen zu finden, um jene Zwecke durchzuführen. Als ich den Finanzplan für das Jahr aus­stellte, mußte ich jene sehr ernste Möglichkeit in Rechnung ziehen, auf die Churchill hingewiesen hat. Was sie bedeutet, darüber Ver­mutungen anzustellen, wäre verfrüht. Alles, was wir tun können, Ist, die nötige Reserve zu schaffen. Deshalb schlage ich vor, den gesamten Ueberschuß auf die Stärkung der Staatsbilanz zu ver­wenden. Wenn es sich am Jahresschluß nicht als notwendig Herausstellen sollte, ganz oder teilweise auf diese Reserve zurück­zugreifen, .so wird das Parlament die Lage, wie sie alsdann er­scheinen wird, beurteilen, über diese Reserve verfügen und sie 'eventuell entweder ganz oder teilweise zur Schuldentilgung be­stimmen. Als ich mich mit beit Ausgaben für das Jahr 1912/13 beschäftigte, sagte ich mit Bezug auf den Flottenetat, daß ich eine unbedeutende Ermäßigung für dieses Jahr in Aussicht genommen hätte, und ich gab dieser Hoffnung Ausdruck, als ich das Budget des letzten Jahres einbrachte. Es war nicht bloß der Ausdruck meines persönlichen Wunsches, sondern ich hatte zuvor mit dem Ersten Lord der Admiralität Rücksprache genommen. Dieser halte damals die Hoffnung,' daß sich für dieses Jahr eine bedeutende Er­mäßigung und im nächsten Jahre eine noch bedeutendere würde durchführen kaffen. Aber unglücklicherweise traten Bedingungen ein, über die wir keine Kontrolle hatten, und der Etat für dieses Jahr wurde bedeutend höher, als ich in Aussicht genommen hatte. Ich fürchte, daß die Aussichten, eine Einschränkung der Ausgaben in unserem Flottenetat vorzunehmen, nicht mehr glänzend sind, und wir werden allen Grund zur Freude haben, wenn wir dieses Fahr ohne wesentliche Erhöhung der Ausgaben und im nächsten Fahre ohne eine größere Erhöhung werden auskommen können."

Aus dieser Rede sind zwei Sätze von besonderem Jntereffe. Einmal der, in dem er von epileptischen Anfällen von Militaris­mus spricht, die die zivilisierte Welt von Zeit zu Zeit befallen, und dann der Satz, daß die Regierung bei den Maßnahmen für die Sicherheit des Landes nur nach bet Seite der Sicherheit hin irren könne. Was die epileptischen Anfälle des Militarismus be­trifft, so sind sie jedenfalls bei uns nicht zu beobachten. Die Sorge für Heer und Flotte wird in Deutschland ohne jede pathologischen Erscheinungen und in nüchterner Auffaffung bekanntlich nach einem Jahre hinaus festgelegten Programm wahrgenommen. Ob die Engländer nicht gelegentlich unter gewißen panikartigen Anfällen zu leiden gehabt haben, ist eine andere Frage. Man braucht da nur den Namen des früheren ersten Lords der Adm> ralität McKenna zu nennen, der in einem gewißen Zeitpunkte durch höchst übertriebene Angaben über die deutschen Flotten­bauten im Unterhause zur Erregung des englischen Volkes stark beigetragen hat. Die andere Aeußerung Lloyd Georges, daß die Negierung nur nach der Seite der Sicherheit irren könne, kann man vollständig auch für Deutschland unterstreichen. Es ist dies ein Grundsatz, der für jede Regierung bei der Bemeßung ihrer Verteidigung maßgebend sein muß. Daß Englands, koloßale Rüstungen und die drohende Haltung Englands uns gegenüber, Deutschland erst gezwungen haben, bester für unsere Sicherheit zu sorgen, darüber schweigt natürlich des Schatzkanzlers Höflichheit.

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Deutsches Reich.

Som Kaiser. Achilleion, 3. April. Der KreuzerKolberg" geht heute nach Brindisi zwecks Kohleneinnahme. Am 6. April wird der Kreuzer mit dem Reichskanzler zurück erwartet.

Wahlschwindel. Breslau, 3. April. Der am Stadttheater tätige Opernsänger Beeg wurde wegen Wahlschwindels zu drei Tagen Gefängnis verurteilt, weil er am Tage der Reichstagswahl einen Vertreter zur Abgabe seines Stimmzettels entsandt hatte. Der Vertreter erhielt 3 Wochen Gefängnis.

Straflosigkeit für Steuerhinterziehung. Karlsruhe, 2. «bnl. Durch eine landesherrliche Verordnung wird allgemeine Straflosigkeit für die ungenügende Anmeldung zur Vermögens­oder Einkommensteuer gewährt, aber nur für diejenigen, die frei- rmllig die bisher nicht genügende Einbekennung ihres Vermögens oder Einkommens der zuständigen Behörde anzeigen. Für diese sallt außerdem eine nachträgliche Bezahlung der vorjährigen «teuer fort.

Born Scheckgesetze. Berlin, 8. April. DieD. T. schreibt: In Auseinandersetzungen über die Finanzreform begegnen wir oft der Meinung, als ob die Schecksteuer ein ureigenstes Werk des schwarzblauen Blockes" sei und als ob die Nationalliberalen von Anfang an Gegner dieser Steuer gewesen seien. Wie dieKon­servative Korrespondenz" hervorhebt, ist beide» nicht der Fall. Vielmehr wurde die Schecksteuer von der Regierung vo^gelegt und die Nationalliberalen, ja selbst die Freisinnigen haben in der Kommission zunächst geschloffen dafür gestimmt.

Die Spirituszentrale sandte an die Mitglieder des Ver­wertungsoerbandes deutscher Spiritus-Fabrikanten ein Rund­schreiben, nach dem durch Beschluß des Bundesrats der Durch­schnittsbrand für das laufende Brennjahr von 94 Prozent auf 120 Prozent erhöht wird. Die Zulaffung der Verarbeitung von Mais ohne Schaden für das Kontingent ist bis zum 30. September 1912 verlängert worden.' Die Spiritus-Zentrale betont, es fei von höchster Wichtigkeit, daß eine weitere Anspannung im Verkaufs­preis entbehrlich fei, da sie den Absatz dauernd schädigen würde.

Der Kampf im Schneidergewerbe. Jena, 3. April. Hebet die Verhandlungen des Schiedsgerichts zur Beilegung des Kampfes im Schneidergewerbe wird noch berichtet: Die Unparteiischen unterbreiteten den Parteien einen neuen Einigungsvorschlag, daß die einzelnen örtlichen Vertreter ihre Wünsche vor den Un­parteiischen zur Geltung zu bringen haben, die durch endgiltigen Schiedsspruch entscheiden sollen und daß hierauf die Abstimmung innerhalb der örtlichen Organisationen stattfinden darf. Die Wiederaufnahme der Arbeit -erfolgt spätestens Dienstag nach Ostern. Die Parteien nahmen den neuen Vorschlag an. Hierauf wurde in die Erörterung der Tarifverträge der einzelnen Städte eingetreten. Gestern wurden nur zwei Städte, Bochum und Chem­nitz, durch Schiedsspruch erledigt. Es stehen noch zur Verhandlung die Tarifverträge von 24 Städten, die voraussichtlich die ganze Woche das Schiedsgericht in Anspruch nehmen. Die endgiltige Beilegung des Schneiderstreiks dürfte im Laufe der nächsten Woche erfolgen.

Jrsuitenerlaß bet bayrischen Regierung. Die bayrische Re­gierung hat einen Erlaß veröffentlicht, danach sollen die Jesuiten- pater in allen katholischen Kirchen Bayerns predigen und die Beichte hören dürfen. In einem Teil der Preße wird daran die Behauptung geknüpft, daß diese Bestimungen mit dem Sinn des Reichsgesetzes und den dazu ergangenen Beschlüßen des Bundes­rats im Widerspruch stehen. Ob dies der Fall ist oder nicht, so- schreibt dieNordd. Allg. Ztg.", wird Gegenstand der Prüfung für diejenige Stelle sein müßen, welche verfaffungsmäßig zur lieber« wachung bet Ausführung bet Reichsgesetze berufen ist.

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Ausland.

* * Tripolis. Rom, 3. April. DieAgenzia Stefanl" melbet aus Tobruk vom 2. April: Der Feinb zeigte sich auch heute, um bis Arbeiten am neuen Fort zu stören. Er würbe mit beträcht­lichen Verlusten burch italienische Felbartillerie zerstreut. Die Italiener hatten keine Verluste.

* * Ende de» Streiks. Brüx, 3. April. Die Bergarbeiter- Versammlungen des hiesigen Reviers nahmen die Zugeständniffe der Bergwerksbesttzer an und werden morgen den vollen Betrieb wieder aufnehmen.

Die neuen französischen Dreadnougths. Paris, 3. April. Der höhere Marinetat wird heute unter dem Vorsitz Delcaffös über die auf Grund des soeben vom Parlament angenommenen Flottenprogramms vom folgenden Jahre an zu erbauenden Dreadnoughts beraten. Während die gegenwärtig im Bau befind­lichen Dreadnoughts 23 000 Tonnen groß sind, werden die künf­tigen Dreadnoughts einen Tonnengehalt von 25 000 haben und entweder mit 12 Geschützen von 340 Millimeter ober mit 16 Ge­schützen von 305 Millimeter sowie mit 20 ober mehr Geschützen von 138 Millimeter ausgerüstet sein. Auch eine Aenberung bet Anordnung der Eeschütztürme dürfte ins Auge gefaßt werden, ins­besondere mit Rücksicht auf die in der englischen Flotte gemachten Erfahrungen.

* * Das französische Protektorat in Marokko. Paris, 3. April. DerMatin" veröffentlicht eine Unterredung seines Fezer Be­richterstatters mit Muley Hafid, der u. a. gesagt habe: Gewiß, Frankreich ist mächtig und könnte sein Regime mit Gewalt durch­setzen. Es würde bas marokkanische Volk burch Furcht unb Schrecken beherrschen, ober dieses Vorgehen würde den Franzosen schwere Opfer an Menschen und Geld auferlegen und bei der ersten Gelegenheit würde unter den Marokkanern ein Aufftand aus- brechen. Frankreich wird sich, um ein erfreuliches Ergebnis zu er­zielen, möglichst bet Vermittelung bes Wachsen bebienen müßen. Betreffs der Aufnahme des neuen Regimes durch die Marokkaner sagte Muley Hafid: Man muß einen Unterschied machen zwischen den die Ebene bewohnenden Arabern und den in den Bergen woh­nenden Berberstämmen. Diese werden anfangs die Aktion Frank­reichs ohne entsprechenden Zwang nicht zulaßen und mon wird in einen Kampf mit ihnen eintreten müßen. Deshalb wird die Auf­gabe Frankreichs viel Geduld und Ausdauer erfordern. Derselbe Berichterstatter meldet: T)ie zur Feier des Prot-ktoratsvertroaes geplanten Eefchützsalven^seien unterblieben, well an bemü^n Tage bei Sefru ein heftiger Kampf zwischen den französischen Truppen unb ben aufstänbischen Stämmen stattgefunden und man befürchtet habe, baß durch die Kanonenschüße in der Bevölkerung eine Panik hetvorgetufen werden könnte.

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Otginalatlikel Ist gemäß 8 18 de» Urheberrechts nut mit

* bet deutlichen Quellenangabe »Oberheß. Ztg/ gestattet.) Marburg, 4. April.

Am Karfreitag. Bon der stillen, ernsten Woche nach Palmsonntag hebt sich ein Tag von besonderer Weihe ab, ein Tag mit tiefergreifendem Trauertone unb doch wunderbar erhebender Kraft: Karfteitag! Eine weltgeschichtliche Tragödie hat sich abgespielt. Der Mann von Nazareth, der da hals und linderte, wo immer sein gütige» Wirken begehrt wurde; der Meister in Israel, der in den Menschenseelen las und ihnen die Er­füllung einer höchsten, religiösen Sehnsucht verkündigte, er wird an» Kreuz geschlagen, wird mit dem ausgesucht schimpflichsten Verbrechertode bedacht. Auch andere Große haben für ihre heiligen Lebensiiberzeug- ungen leiden müßen. Aber in diesem Falle liegt die Sache doch noch ganz besonders tragisch. Jesus wollte der Messias sein. Und ein Messias war die große Hoffnung des Volkes. Aber man glaubte nicht, daß der schlichte Welse der eigentlich Erkorene und Berufene sei. Man hatte sich das Auf­treten eines israelitischen Retters und Königs national imposanter, äußerlich erfolgreicher gedacht. Die angesehenen Wächter der jüdischen Frömmigkeit stellten diesen, jene hohe Würdestellung heischenden Volks- genoßen als einen Lästerer und Umstürzler hin. Das große Volk aber ist leicht zur Ungunst zu sttmmen, und so schreit man gegen den Messias: Kreuzige, kreuzige ihn! Roch einmal, furchtbare Tragik und Trauer: und dennoch, der christliche Karfreitagsglaube kann bei dem Düsteren de» Tages nicht stehen bleiben. Er nimmt dieses Golgatha als einen Quell­ort überströmenden Eottessegens. In Demut beugt er sich dem einzig­artigen Ratschluß eines in ewiger Liebe waltenden Gottes und schaut in dem Gekreuzigten den Heiland der Welt, den gottgesandten Erlöset von aller Sündenschuld. Die Menschen haben über den Kreuzestod Jesu viel gesonnen und gestritten. Und immer wieder ist der Offen» barungegedanke aufgeleuchtet, daß der Gekreuzigte als Gottessohn seinen Marterweg ging, und daß er gerade als solcher der Helfer und Heiland für all« Zeiten und Zonen geworden ist. Di« christliche Kirche singt das Lied vom Haupt voll Blut und Wunden, nicht einer gewißen rührenden Stimmung wegen, sondern als ein lebendiges Glaubensbekenntnis, al» eine Dar- und Klarlegung des ttefften Grundes, auf dem die christliche Gemeinde auch heute noch stehen darf. Es kann nicht anders sein, solche kirchliche Karfreitagsfeier löst ernste, schwere Bußgefühle aus.Seele, geh' nach Golgatha, setz' dich unter Jesu Kreuze, und bedenke, was dich da für ein Trieb zur Butze reize!" Aber der Karfreitagsglaube solcher Art trügt in sich Verheißung und Trost, stellt das eigene Kreuz in das Licht jenes Erlösungs- und Versöhnungskreuzes und steht hinter dem Dunkel von Golgatha bereits den hellen Schimmer des Osterlichtes.

* Der Ostetverkehr auf ben Eisenbahnen hat bereits eingesetzt. Gestern früh traf z. B. ein Svnberzug für Militärurlauber aus ber Richtung von Caßel hier ein. Später passierte ein solcher aus bem Elsaß bie hiesige Station. Ebenso find Vorzüge bei allen Schnell- unb einigen Personenzügen zur Bewältigung bes starken Verkehrs eingelegt worben. In ben Straßen ber Stabt bemerkt man schon zahlreiche Vertreter aller Waffengattungen, welche bie Feiertage bei ihren Angehörigen »erbringen wollen.

* Forstliche». Die Oberförsterstellen Frankenau im Regie­rungsbezirk Caßel unb Hatzfelb im Regierungsbezirk Wiesbaben sinb voraussichtlich zum 1. Juli 1912 zu besetzen. Bewerbungen müßen bis zum 20. April eingehen.

* Som Wetter. Wie in ber vorigen, so hatten wir letzte Nacht roieber mehrere Grad Frost zu verzeichnen. Die in manchen Lagen sich schon zelgenbe Baumblüte erleidet dadurch Schaden. Für die Osterfeiertage wird übrigens schönes Wetter prophezeit. Un­freundliche kalte Witterung soll sich erst wieder in der ersten Hälfte des Monats Mai einstellen.

* Die Wetterdienststelle Weilburg schreibt: Im März setzte sich der feuchte und milde Witterungscharakter, der schon während des größten Teils des Februar angehalten hatte, fort Kam dieses Wetter auch den Wiesen und dem im nördlichen Bezirk durch den Frost stellenweise etwas mitgenommenen SBintergetreibe sehr zu statten, fo war die anhaltende Näße doch dem Fortgang der FeÜ>- arbeiten überall sehr hinderlich. Erst als gegen Ende des Monats die Witterung etwas trockener wurde, konnten die Feldarbeiten, vor allem die Aussaat des Sommergetreides, in größerem Um­fange vorgenommen und z. T. auch beendigt werden. Die gesamte Vegetation war außerordentlich früh. Bereits Anfang März be­gannen am Rhein in geschützten Lagen Aprikosen-, Mandel- und Pfirsichbäume zu blühen, ja vereinzelt brachen schon die Reb- knospen aus der Wolle. HeberaK zeigen die Obstbäume reichen Knospenansatz. Von vielen Zugvögeln (Schnepfen, Störchen, Kie­bitzen, Bachstelzen, Rothkehlchen, Heckenbraunellen u. a.) waren schon in den letzten Tagen bes Februar bei ben ständig wehenden südwestlichen Winden die ersten Vorposten eingetroffen.

* Jugendpflege. Seit längerer Zeit sind in Preußen und auch in <*« anderen deutschen Bundesstaaten Besttebungen im Gang«, die daraus zielen, der Jugend nach der Entlaßung aus der Schule weitere ör,'-- liche und geistige Ausbildung zuteil werden zu laßen und sie im vater­ländischen Geiste zu erziehen. Bei der hohen Bedeutung dieser Jugend- pflege für das Volks- und Staatswohl finden die Bestrebungen auch durch den Staat bereitwillig Unterstützung. Zu ihrer wetteren Förde­rung hat die Staatsregierung angeregt, die Fahrpreisermäßiaungen für Schülerfahrten auch auf die Jugendabteilungen aller Vereine auszu- dehnen, die den staatlich geförderten Organisattonen für Jugendpflege oder dem Bund«Jung Deutschland" angehören. Die Königliche Eisen­bahndirektion in Berlin hat den Auftrag erhalten, einen entsprechenden Antrag bei der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen zu stellen, unb vorgeschlagen, daß ihr Antrag äußerst dringlich behandelt wird, damit die Fahrpreisermäßigung noch in diesem Sommer in Kraft gesetzt werden kann.

Marburger Wach- und Schließgesellschaft. Im Monat März wur­den 2337 Türen und Tore laufend zu- und aufgeschloßen: zu ungewöhn­lichen Nachtstunden standen 186 Haustüren, 101 Hintertüren, Laden, Kontore, Lagerräume, Balkonzimmer, Keller, Waschküchen, Werkstätten, Kohlenstätten, Restaurants usw. und 31 Fenster offen und wurden ge­schlossen. In 56 Fällen wurde Licht festgestellt und gelöscht, 34 fta*»