1912.
Marburg
Donnerstag, 28. März
mit dem Krersblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Lie „Lbrrhrssifche Zeitung" erscheint täglich mit Lukaahm« der Lonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen S.25 X (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 X frei in» Hau». (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
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Erstes Blattl
Tie Reise des Kaisers nach dem Süden.
Während die italienische Regierungspreffle der Begegnung »wischen Kaiser Wilhelm und König Viktor Emanuel in politisch korrekten und außerdem sehr freundlich gesinnten Artikeln gedenkt, schlagen die Blätter der Opposition einen recht eigentümlichen Ton an, der ebenso entschieden wie höflich abgelehnt werden mutz, wenn man auch selbstverständlich nicht daran denken wird, gerade den Tag dieser Begegnung zu einer Erneuerung der alten Polemik zu benutzen. So glaubt das Organ des früheren Ministerpräsidenten Eonnin, das „Eiornale d'Jtalia", dem Deutschen Reiche gewisie Bedingungen namhaft machen zu dürfen, von deren Erfüllung die künftigen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien abhängig sein sollen. Die erste dieser Bedingungen sei, datz in Zukunft der Botschafter Frhr. v. Marschall die Türkei nicht mehr zum Widerstande gegen Italien aufreize, die zweite, daß der Feldmarschall Frhr v. d. Goltz keine türkenfreundlichen Zeitungsartikel mehr schreibe, die dritte, datz man dem russischen Vorgehen zur Beilegung des italienisch-türkischen Konflikts in Berlin keine Hindernisse mehr bereite. In einem zweiten Artikel tritt das Blatt allerdings etwas bescheidener auf und verlangt nur, datz das Deutsche Reich Italien hinsichtlich seiner kriegerischen Aktion freie Hand lassen möge, wenn es schon nicht in der Lage sein sollte, die Türkei zum Verzicht auf ihren unnützen Widerstand zu bewegen. Diese erhebliche Abschwächung des Tones läßt erkennen, daß man doch auch auf dieser Seite an die Opportunität eines so kategorischen Auftretens einige Zweifel hegt. Wenn der „Mes- saggero" an einen früheren Ausspruch des Kaisers erinnert, wonach Deutschland, zwischen die befreundete Türkei und das verbündete Italien gestellt, für das letztere sich entscheiden müffle, so wissen wir nicht, ob diese Aenßerung wirklich gefallen ist, oder nicht; aber das wissen wir, datz das Deutsche Reich von Anfang an konsequent bis zum heutigen Tage auch die moralischen Verpflichtungen seines Bündnisvertrages — andere stehen fa nicht kn Frage — loyal und treu erfüllt hat. Auch die Zusammenkunft von Venedig beweist und bekräftigt das vor aller Welt, wenn es überhaupt eines solchen Beweises und einer solchen Bekräftigung bedarf. Die Begegnung hatte gar nicht stattfinden, ja sie hätte gar nicht in Erwägung gezogen werden können, wenn das Deutsche Reich und seine Diplomatie auch nur die leiseste Spur eines schlechten Gewissens Italien gegenüber hätten. Und auch für die Zukunft bietet die bloße Tatsache der Zusammenkunft in dieser Hinsicht die stärksten und einwandfreiesten Garantien. Im übrigen liegt es auf der Hand, datz die Begegnung überhaupt nicht politischen Besprechungen im engeren und eigentlichen Sinne dient. Die Anwesenheit des Botschafters v. Jagow ersetzt in dieser Beziehung die Gegenwart der leitenden Minister nicht, und wenn es schon ganz selbstverständlich ist, datz die verbündeten Monarchen nicht bloß von der venetianischen Frühlingssonne sprachen, so ist es doch ganz ausgeschlossen, datz bei dieser Gelegenheit Abmachungen getroffen wurden, die auf die Beendigung oder Fortsetzung des Krieges einen bestimmenden Einfluß ausüben. Diese Dinge werden sich vielmehr aus der unwiderstehlichen Logik der Tatsachen heraus weiterentwickeln. Um so ungehöriger aber ist es, den bundesfreundlichen Besuch des Kaisers mit einem langen Verzeichnis dringender Wünsche, oder gar unerlätzlicher Bedingungen zu begleiten.
B r i o n i, 26. März. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord und die Begleitschiffe trafen gegen 12 Uhr hier ein. Das österreichische Geschwader feuerte den Statut. Nachdem die „Hohenzollern" an der Boje festgemacht hatte, kam Erzherzog Franz Ferdinand an Bord und ging bald darauf mit dem Kaiser an Land. Das Prinzenpaar August Wilhelm und die Prinzessin Viktoria Luise folgten. Um 1 Uhr sand bei dem Erzherzog Frühstückstafel statt. Nachmittags ist eine Automobilfahrt durch die di« Insel Brioni und eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten vorgesehen. Darauf soll die Weiterfahrt nach Korfu erfolgen. Das Wetter ist schön.
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Zum Zwiespalt in der Nationalliberalen Partei.
Die leitenden Kreise der nationalliberalen Partei sind natürlich nicht besonders freundlich berührt durch die Indiskretionen des „B. T." über die Sitzung des Zentralvorstandes, von der wir gestern berichteten. Die parteioffiziöse „Rat.-Lib. Korr." wendet sich darum in einem langen Artikel gegen die Indiskretionen und die Schlüffe, die man zog. Nach einem eingehenden Tadel der Indiskretionen, die von einem Mitglied des Vorstandes ausgegangen fein müssen, wird es als grundfalsch bezeichnet, „die Abstimmungen und Beschlüsse der gestrigen Sitzung zu einer Niederlage Bassermanns stempeln zu wollen. Diese Behauptung kann nur vom „B. T." und von solchen Leuten aufgestellt werden, die es lieben, den Namen des allseitig verehrten Führers Dafflermann für ihre eigenen Zwecke zu verwerten. Wenn Bafflermann nicht einstimmig gewählt worden ist, so trifft das ebenfalls auf den zweiten Vorsitzenden Dr. Friedberg zu, was in dem Bericht des „B. T." sorgfältig verschwiegen wird. Schon aus diesem Umstand ergibt sich, daß die tendenziöse Behauptung von einer „Niederlage" Bassermanns vollständig aus der Luft gegriffen ist. Datz sich in der Diskussion auch tadelnde Stimmen über das Verhalten der jÄeichstagsfraktion bet der ersten Präsidentenwahl erhoben haben, ßst nach den in voller Oeffentlichkeit darüber gepflogenen Verhandlungen im Lande gewiß nicht zu verwundern. Es wurde aber doch
schließlich anerkannt, datz die Reichstagsfraktion selbst den gemachten Fehler nicht vertuschen will, und daß ihre Haltung bei der neuen Wahl des Präsidiums als durchaus korrekt int Sinne der Parteipolitik betrachtet werden mutz."
• Nach der „Nat.-Lib. Korr." soll der Antrag betr. die Statutenänderung keine Maßregelung der Iungliberalen bedeuten, sondern sich auch gegen die Arbeitervereine und Frauenvereine richten. In der Begründung dieser Behauptung schreibt sie aber: „Eine weitere Auftechterhaltung der bisherigen Organisation würde unzweifelhaft die Gefahr heraufbeschwören, datz, wie wir schon andeuteten, noch andere Organisationen mit bestimmten Tendenzen innerhalb der Partei ein Recht auf Sonderorganisation und Betätigung beanspruchen würden, so datz man mit der vollständigen Desargani- sation der Partei rechnen müßte."
Das scheint uns nicht überzeugend zu sein — für die von der „Nat.-Lib. Korr." behaupteten Einigkeit. Man sollte überhaupt diese Versuche, die der Natur der Sache nach von niemandem ernst genommen werden, unterlassen. Es ist in der Sitzung zu einer scharfen Auseinandersetzung gekommen, bei der der linke Flügel der Partei eine eklatante Niederlage erlitt. Diese Tatsache will und kann niemand wegdisputieren. Im übrigen werden von mehreren Blättern jetzt weitere Einzelheiten bekannt gemacht. So soll der Hauptgegner Bassermanns der frühere Abgeordnete Heinze (Dresden) gewesen sein. Zu den ausgefallenen Vorstandskandt- daten soll auch der bekannte Leipziger Abgeordnete Dr. Junk gehört haben. — Es ist übrigens interessant, daß die mehr links gerichteten Blätter der nationalliberalen Partei sich bemühen, die Gegensätze überhaupt wegzudisputieren. So schreibt die „National- Zeitung", die Personalveränderungen im geschäftsführenden Ausschuß seien nur mit Rücksicht auf die bisherige ungleichmäßige Verteilung der einzelnen Landesdelegierten vorgenommen worden. Und die 30 bis 32 unbeschriebenen Zettel bei der Wahl Bassermanns bewiesen höchstens eine vorübergehende Verstimmung und hätten vielleicht eine stumme Mahnung zum Ausdruck bringen sollen. In verschiedenen Kreisen hält man die Ergebnisse des letzten Sonntags nur für einen Augenblickserfolg des rechten Flüzels, der durch den kommenden Vertretertag wieder rückgängig gemacht werde. Der Vorstand des Reichsverbandes der Nationalliberalen Jugend wird, wie die „Köln. Ztg." hört, am nächsten Sonntag zusammentreten, um zu den Beschlüssen des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei Stellung zu nehmen und die Einberufung eines Dertretertages der Jugend oorzunehmen.
Während die Presse der Rechten den Ausgang der Sitzung als durchaus erfreulich begrüßt, ohne sie irgendwie zu überschätzen, ist die Presse der Freisinnigen einigermaßen überrascht. Man hatte offenbar den systematisch gestärkten linken Flügel für stärker gehalten. Die Unbesonnenen unter ihnen benutzen den Ausgang zu einem Ausfall gegen den Abgeordneten Friedberg. So schreibt das „B. T." von Friedberg: „Und da et sein Leben — naturgemäß — lieb hat, kämpft der sonst phlegmatische Genießer dann auch wie ein Löwe. Für Herrn Friedberg ist es nämlich ein Lebensbedürfnis, von den Reden der Nationalliberalen im preußischen Abgeordnetenhause mindestens 99 Prozent, am liebsten aber alle allein zu halten. Das Reden reden scheint für Herrn Friedbergs leibliches Wohlbefinden unentbehrlich zu sein wie für andere wohlbeleibte Männer die regelmäßige Massagekur im Frühjahr und im Herbst. Da aber die reaktionäre Mehrheit des Abgeordnetenhauses Herrn Friedberg von jeher zu den ihren gezählt hat, so ließ sie ihm das unschuldige Vergnügen. Herr Friedberg erwies sich dafür dankbar, indem er sein Bestes tat, um sowohl Preußen wie die nationalliberale Partei dauernd in jenem Zustande idyllischer Sterilität zu erhalten, die für Ehren-, Meer- und Mummelgreise am zuträglichsten ist" usw.
Was nicht auf das Kommando des Freisinnig hört, ist offenbar vogelfrei!
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Der Beraarbeiterftreik.
Zabrze, 26. März. Der Streik auf der Königin Luise-Grube und der Derginspektion Knurow ist beendet. Die Belegschaften sind heute wieder voll «ingefahren. Hebet 100 Mann wurden, da sie drei Tage der Arbeit fern geblieben sind, wegen Kontraktbruches entlassen.
Beuthen, 26. Marz. Der Streik auf der Eottessegen-Erube und dem Hildebrandschacht ist beigelegt worden. Die Belegschaften des Hildebrand- und des Aschenborn-Schachtes sind wieder angefahren. Als Zugeständnisse wurde den Arbeitern eine 7l4prozentige Regelmäßigkeitsprämie zugebtlligt.
Radzionkau, 26. März. Eine am Montag nachmittag abge- haltene große Bergarbeiterversammlung hat eine Resolution angenommen, in der von sämtlichen Grubenverwaltungen eine Aufbesserung der Schicht- und Häuerlöhne von 15 Prozent gefordert wird. Gleichzeitig wurde mitgeieilt, daß, falls bis zum 27. März nicht eine allgemein befriedigende Antwort an die Gewerkschaften eingehen sollte, die Arbeiter in den Generalstreik eintreten würden.
Prag, 26. März. Die Lage im Kohlenrevier ist folgende: In Kladno und Schlan ist der Betrieb normal. In Aussig wird auf 14 von 15 Schächten, in Falkenau aus 12 von 32 Schächten gestreikt Von 7083 Arbeitern streiken 2300. Auf zwei Schächten wurde der Ausstand bei gelegt. Zn Teplitz wird auf 17 von 25 Schächten, im Brüxer Revier auf 20 von 31, in Dux auf sämtlichen 42 Schächten gestreikt. In Karlsbad sind auf dem Poldischacht 200 Arbeiter ausständig.
London, 26. März. (Unterhaus.) Obwohl di« Verhandlungen im Kohlenstretk fottdauern, kündigte Mac Kenna an. daß di« Regierung entschlossen sei, heute mit der Beratung der Mindestlohnbill fortzufahren. Die Beratung der Bill wurde infolgedessen vor überfülltem Hause wieder ausgenommen.
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Deutsches Reich.
— Die Reife des Kanzlers nach Korf«. Berlin, 26. Mär». Nach einer Meldung der „Franks. Ztg." wird der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg am 1. April die Reife nach Korfu zu« Kaiser antreten. Von anderer Seite wird gemeldet, datz der Kanzler während der Osterfeiertage beim Kaiser weilen werde.
— Die Freikonservative Fraktion. Der Eeschäftsordnungs- ausschuß des Reichstags lehnte heute den vom Seniorenkonvent überwiesenen Antrag der Reichspartei auf Anerkennung als Fraktion ab, indem entgegen der Praxis der letzten 18 Jahre die Zuzählung von Mitgliedern zur Fraktionsbildung als nicht mehr ausreichend angesehen wurde. Die Reichspartei stützte sich bei ihrem Anträge darauf, datz seit 1892 in einer größeren Zahl von Fällen der Seniorenkonvent ausnahmslos an dem Grundsatz festgehalten hat, datz alle Gruppen, welche durch Zuzählung anderer Mitglieder die Zahl 15 erreichen, zu einer Vertretung in den Kommissionen zuzulafflen seien. In der heutigen Verhandlung nun in der Geschäftsordnungskommission erklärte der Abg. Gröber (Ztr.), daß 1887 ausdrücklichst der Beschluß im Seniorenkonvent gefaßt worden sei, nur Gruppen von 15 Mitgliedern als Fraktionen zu behandeln: die anderen Fälle seit 1892 seien Ausnahmefälle gewesen und könnten für die Entscheidung von keiner Bedeutung sein. An der Verhandlung nahm als Vertreter der Reichspartei der Abg. Frhr. v. Camp teil, der im Gegenteil betonte, die Frage dürfe nicht danach entschieden werden, was die Eeschäftsordnungs- kommifflion und der Seniorenkonvent für die Zukunft für zweckmäßig hielten, sondern alleiy nach den Grundsätzen, nach denen in der Vergangenheit solche Fragen behandelt seien. Werde von keiner Partei der Antrag oder auch nur der Wunsch nach einer Aenderung der bisherigen Grundsätze erhoben, so müffle die Ausschließung der Reichspartei als ein großes Unrecht angesehen werden. Darauf stellten die Konservativen den Antrag, wenigstens denjenigen Parteien die Zuzählung anderer Mitglieder als gilttg zu gestatten, welche bereits im letzten Reichstage Fraktionsrechte besessen hätten. Dieser Antrag aber wurde mit allen gegen die konservativen Stimmen abgelehnt, der Antrag Gröber dagegen einstimmig angenommen: als Fraktionen nur solche Gruppen anzuerkennen, die 15 Mitglieder oder Hospitanten hätten. — Von besonderem Interesse war es, daß auch 3 oder 4 Redner der Sozialdemokraten sich durchaus auf diesen Standpunkt stellten, während bekanntlich im preußischen Abgeordnetenhause die Sozialdemokraten sich darüber beschweren, daß sie, die nur 6 Mitglieder zählen, nicht dieselben Rechte hätten, wie die größeren Parteien.
— Reichstags- und Landtagsabgeordneter Albert Träger f. Berlin, 26. März. Geheimer Justizrat Albert Träger, Mitglied des Reichstags und des Abgeordnetenhauses, ist heute nachmittag 2.55 Uhr an Herzschwäche im Sanatorium Grünewald gestorben.
— Aus der Steuerkommission. Berlin, 26. März. Die Steuerkommission des Abgeordnetenhauses nahm mit 14 gegen 12 Stimmen den freikonservativen Antrag an, die Herabsetzung um eine Steuerstufe bei Einkommen unter 1200 JA schon bei einem Kinde oder anderen Familienangehörigen eintreten zu lassen.
— Wittvemmierstützung in Kriegervereine«. Berlin, 26. März. Der die norddeutschen Bundesstaaten und Elsatz-Lothringen umfassende Deutsche Kriegerbund hat am 22. März als dem ®e« burtstage Kaiser Wilhelms L, auf Antrag der Vereinsvorstände 48 300 M. Unterstützungen an hilfsbedürftige Kameradenwttwen gezahlt.
— Reichspost- «nd Telegraphenverwaltung. Berlin, 26. März. Die Einnahmen, der Reichspost- und Telegraphenverwaltung waren im Februar verhältnismäßig sehr günstig. Wenn die Verhältnisse im Monat März ähnlich find, so ist im Etatsjahre 1911 mit einem Ueberschusse von rund 23 Millionen Mark gegenüber dem Etatsvoranschlag zu rechnen.
— MilitäranwSrter «nd Kommunaldienst. Berlin, 26. März. Die Eemeindekommisfion des Abgeordnetenhauses beriet eine Petition des Bundes deutscher Militäranwarter in Berlin um Ausdehnung der Vorschriften über die Anrechnung von Miltiärdienst- zett auf das Besoldungsdienstalter der Militäranwärter auf die Beamten bei den Kommunalbehörden, bei den Verfikberungs- anstalten und Verficherungsämtern für die Invalidenversicherung sowie bei ständischen und solchen Instituten, die ganz oder zum Teil aus Mitteln des Reichs, des Staates oder der Gemeinden unterhalten werden, endlich auf die Beamten der kirchlichen Behörden. Die Eingabe wurde der Staatsregierung zur Berücksichtt- gung überwiesen.
— Keine neuen akademischen Titel. In letzter Zeit find mehrfach Anträge aus Schaffung neuer Titel für akademische Grade gestallt worden. So gehen u. a. die Bestrebungen des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine darauf hinaus, einen akademischen Grad „Diplom-Architett" für die Architekten zu schaffen. Es besteht aber im Kultusministerium keine Neigung für neue Titel, da der Minister die Schaffung neuer akademischer Titel abgelehnt hat.
— Die Antwort der Franzosen. Paris, 26. März. Meldungen Pariser Blätter zufolge beabfichttgt der Kriegsminister Millerand eine umfassende Wehrvorlage als Antwort auf die deutsche in der Kammer einzubringen. Ihre Kosten sollen angeblich sechs« bis achthundert Millionen betragen. Die neuen Rüstungen würden sich namentlich auf eine Vermehrung und Verbesserung der Artillerie und der technischen Truppen und auch der Flieger
»ziehen. — Wo die Fran^'»" Leute herkriegen wollen, bleibt .schleierhaft.