mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
M 69
Die „£birbeffifd?< Bettung" eelcheint tätlich mit LuSnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen S.26 <X lohne Bestellgeld), bet unseren ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei in» HauS. (güt unser« langt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Unio.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 65.
Marburg
Freitag, 22. März
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47« Jahrg.
1912.
Blatt.
Ein lehrreiches Beispiel.
Sehr viel rascher als man noch vor wenigen Tagen geglaubt hatte, ist der große Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet zusammengebrochen, ohne jeden anderen Erfolg al» schwere wirtschaftliche Verluste für die verführten Bergleute, die nun auch noch die Folgen des Kontraktbruchs zu tragen haben werden, und ein großes Maß von Verbitterung, wie es ein derartiger Streit immer hinter- täßt. In der entscheidenden Versammlung am 10. März hatten von 581 Delegierten des sogenannten „Dreibunds" 507 für den Streik und nur 7 dagegen gestimmt! zehn Tage haben genügt, um dieses Verhältnis soweit zu verschieben, daß von 577 Delegierten nur noch 349 für den Streik stimmten, daß also die für die Fortführung erforderliche Dreiviertelmehrheit bei weitem nicht mehr vorhanden war. Dieser Verlauf beweist ganz unwiderleglich den Charatter des Streiks, der in der Tat nichts anderes war als eine sozialdemokratische Machtprobe, für di« sich leider auch die freisinnige und die polnische Llrgavisgtjou hatten einfangen lasten. Erfreulicherweise sind denn auch diesmal, namentlich im preußischen Abgeordnetenhause, die bürgerlichen Parteien in der Beurteilung und Verurteilung des Streiks vollständig einig gewesen, mit einziger Ausnahme der Freisinnigen, die noch lange an ihrer Etichwahlrechnung zu zahlen haben werden. Daß der Streik aussichtslos war, ließ sich übrigens schon aus der maßlos heftigen Tonart der sozialdemokratischen Redner in Reichstag und Landtag entnehmen, die nebenbei einen hübschen Vorgeschmack davon gegeben hat, was wir in den nächsten Jahren noch erleben werden. Tatsächlich war der Mißerfolg des Streiks entschieden von dem Augenblick an, wo es den Führern unmöglich gemacht war, das Heer der Streikenden mit terroristischen Mitteln zusammenzuhalten und zu verstärken.
In dieser Beziehung redet nun vollends der Beschluß der Bochumer Revierkonferenz eine sehr offene und außerordentlich lehrreiche Sprache. Da wird mit Leidenschaft protestiert gegen die Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der streikenden Bergleute durch Vertreibung und Verhaftung von Streikposten, durch das Verbot der Verbreitung aufklärender und beruhigender Zuschriften, durch Bedrohungen und Einschüchterungen der Streikenden,' da wird protestiert gegen die arbeiterfeindliche Preste, die mit Erfolg alles daran gesetzt habe, durch sensationelle Aufbauschung auch der kleinsten Zwischenfälle die öffentliche Meinung gegen die streikenden Bergleute aufzuhetzen, gegen die aus der Luft gegriffenen Nachrichten über die Wiederaufnahme der Arbeit, gegen die systematische Bekanntmachung von ungünstigen Streikziffern, durch welche dann die Menge der Streikenden irregeführt und so auseinandergeristen worden sei, daß es nicht mehr möglich war, den Kampf mit Erfolg weiter zu führen usw. Nur ganz nebenbei wird der Versuch gemacht, den Behörden llngeletzlich- keiten »orzuwerfen wie unbegründete Versammlungsauflösungen oder Bedrohungen und Einschüchterungen von Streikenden, eine sehr angebrachte Vorsicht, weil,für derlei Behauptungen natürlich der gerichtliche Beweis erbracht werden müßte. Im übrigen beweist gerade diese Resolution deutlicher, als irgend eine Streitschrift der Gegner es vermöchte, daß der Streik verloren war. sobald die Bearbeitung, das heißt die Aufhetzung oder Einschüchterung von Arbeitswilligen unmöglich gemackit und für das Bekanntwerden der Wahrheit über die wirkliche Streiklage gesorgt war. Gewiß hat auch das Festbleiben der christlichen und nationalen Bergarbeiter eine sehr wesentliche Rolle gespielt und es verdient sehr bemerkt zu werden, daß diese Organisation vielleicht zum ersten Mal eine große und wertvolle Kraftprobe bestanden hat. Im übrigen jedoch kann nicht der mindeste Zweifel darüber bestehen, daß die Zweckmäßigkeit der behördlichen Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsfreiheit den Streikführern „den Erfolg aus der Hand geschlagen" hat, um ihren eignen Ausdruck zu gebrauchen. Auch der Hinweis auf die Stellungnahme der öffentlichen Meinung ist nicht ohne Intereste. Für deren Haltung war es in Wirklichkeit, abgesehen von dem ausgesprochen sozialistischen Eharakter des Ausstandes, von ausschlaggebender Bedeutung, daß der Streikentschluß unzweifelhaft das Gepräge einer Hilfsaktion für den englischen Bergarbeiterstreik getragen hat Wahrlich, wenn je einer, so hat dieser Streik verdient, daß er so jäb und jämmerlich zusammenbreche, wie er tatsächlich zusammengebrochen ist?
In den übrigen Kohlengebieten gährt es noch immer, doch darf man hoffen, daß auch dort bald wieder Ruhe und Ordnung eintreten werden, nachdem nun die Bergleute des Ruhrgebiets die Arbeit uneder ausgenommen haben. Aus den einzelnen Kohlenzentren liegen jetzt folgende Meldungen vor:
Hannover, 20. März. Die Versammlungen der Bergleute der fiskalischen Gruben in Barsinghausen, die heute nachmittag in Egestorf stattfanden, beschlosten im Ausstand zu verharren. Die Sicherheitsmänner des Arbeiterausschustes sollen morgen versuchen, mit der Werksverwaltung zu unterhandeln.
Bückeburg, 20. März. Die Mehrzahl der Arbeiter des Eemeinfchaftsbergwerks in Obernkirchen befinden sich noch im Streik. An den Häusern der Arbeitswilligen wurden in der Nacht mehrfach Drohungen angeschlagen und sie selbst heute früh beim Schichtwechsel mehrfach von Streikenden belästigt. Ein Rädelsführer wurde von der Gendarmerie festgenommen. Von 957 Bergleuten, die heute früh anfahren sollten, erschienen 298, und von 631 der Nachmittagsschicht erschienen 157 Mann. Zahlreiche Streikende erklärten sich zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit, wenn ihnen genügende Sicherheit gegen Belästigungen geboten wird.
Für morgen hat die Bergbehörde die Einfahrt auf 8 Uhr festgesetzt mit einer Cchichtdauer bis 4 Uhr nachmittags, um Belästigungen während der Dunkelheit zu vermeiden.
Hagen t. W., 20. März. Zm Stadtteile Deister wurde heute Abend zwischen 8 und 9 Uhr ein Schachtmeister von zwei montenegrinischen Arbeitern überfallen. Der Angegriffene schoß in der Notwehr auf beide Arbeiter. Einer von ihnen war sofort tot, während der andere lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht wurde.
Dortmund, 20. März. In der vergangenen Nacht wurde der Vorsitzende des Christlichen Gewerkschafts-Kartells in Lünen von drei Streikenden überfallen, zu Boden geworfen und mit Stöcken mißhandlet. Der Angegriffene rief um Hilfe und gab zwei Schüste ab, worauf die Angreifer entflohen. Einer stürzte, von einem Schuß getroffen, tot nieder. Der Angegriffene wurde nach der polizeilichen Vernehmung freigelasten.
Zabrze, 20. März. Der Ausstand auf der Königin Luisen« grübe hat auf die Westfeld-Grube übergegriffen. Mehr als die Hälfte der Gesamtbelegschaft hat nunmehr die Arbeit niedergelegt. In den unmittelbar benachbarten Schächten der Guido-Grube und im Rheinbaben-Schacht sind heute früh rund 200 Schlepper und Wagenschieber der Arbeit ferngeblieben.
St. Avold, 20. März. Der Streik auf den Gruben der Saar- und Mosel-Bergwerksgesellschaft ist beendet. Heute früh sind sämtliche Arbeiter zur Arbeit erschienen. Die Zugeständniste, die die Verwaltung von Anfang an gemacht hatte, sind von den Arbeitern angenommen worden.
Prag, 20. Marz. Der Streik im Brüxer Kohlenrevier gewann gestern an Ausdehnung: auf weiteren Schächten bestehen partielle Ausstände. Die Gesamtzahl der Streikenden betrug gestern 3302.
Valenciennes, 20. März. Die Zahl der Ausständigen im Kohlenbezirk hat sich um ein Drittel vermehrt. Nur in Dennin hat die Zahl der Arbeitenden zugenommen.
L o n d o n, 20. März. Die Konferenz der über Tag arbeitenden Bergleute von Porkshire und Derbyshire teilte dem Führer der Arbeiterpartei, Macdonald, telegraphisch mit, daß die Konferenz, welche 10 000 Bergleute vertritt, beschlosten habe, den Streik noch nicht zu beenden, wenn ein Minimallohn nicht auch für die über Tag Arbeitenden bewilligt würde.
London, 20. März. Der Bergarbeiterverband unterzog heute früh den Gesetzentwurf betreffend den Mindestlobn der Bergarbeiter einer Prüfung. Es heißt allgemein, daß für die Wiederaufnahme der Arbeit kein unüberwindliches Hindernis mehr besteht, wenn der Entwurf Gesetz wird. Die Deputierten der schottischen Berqwerksbesitzer wurden telegraphisch davon verständigt, daß die Bergleute unter gewisten Bedingungen am Montag wieder einfahren wollen.
L o n d o n , 20. März. Infolge des Kohlenstreiks wurden die Postsendungen für die Vereinigten Staaten und Kanada, welche von Dampfern der Hamburg-Amerikalinie in Southampton übernommen werden sollten, heute mit dem Dampfer „Kaiser Wilhelm der Große" befördert, der auch mit Pastagieren Überfüllt war. — Die Not steigt täglich. In Southampton sind Tausende von Seeleuten beschäftigungslos. Da sich die Hafenarbeiter in Middles- borough weigerten, di« Kohlenladung für die städtischen Gaswerke zu löschen, sind freiwillige Arbeiter zu diesem Zwecke anqestellt worden. Es werden bereits, besonders im südlichen Porkshire, Vorbereitungen getroffen, um die Arbeit am Montag, wenn die Mindestlohn-Bill angenommen ist, wiederaufzunehmen. — Die Bergleute möchten gerne zur Arbeit zurückkehren, da die Not ste drückt: sie wollen aber nicht eher anfangen, als bis die Bill angenommen ist.
Riga, 20. März. Di- Kohlenhändler veröffentlichen eine Erklärung, in der sie die Verantwortung für die Erfüllung der Lieferungsaufträge wegen des Streiks in England ablehnen. Die Kohlenpreise find beträchtlich gestiegen.
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Politische Umschau.
Nachklänge ju Churchill, Flotteneed«.
Die Flottenrede des englischen Ministers Churchill hat in der Preste bis weit in die Reiben der Linken hinein die schärfste Zurückweisung erfahren. Sehr treffend schreibt die ..TcM. schau": „Wir verbitten uns seinen sChurchills) Avvell an das deutsche Volk, seine Belehrung unserer gesetzgebenden darüber, was sie bauen dürfen oder nicht. Er rechnet dabei auf die Flaumacher in Deutschland. Die sollen das Werk vollend-n. die sollen vor dem „unnützen" Wettrüsten zur See warnen und die Rückkehr zur reinen Kontinentolvolitik emvfeblen. Gerade diese Kontinentalpolitik haben die Engländer immer gewünscht urt> sind immer glänzend dabei gefahren, denn ste brauchen auf dem Festlande einen starken Freund, einen Schlagetot und gewaltigen St. Michel, der die anderen bedräut, so daß England derweil drail- ßen emsig alles in seine Scheuern schaffen kann."
Auch die „Leipziger Neuesten Nachrichten" gehen mit der „plumpen englischen Beonkelung", wie sie es nennen, scharf ins Gericht. Als einzige Antwort darauf fordern sie: „Schaffen mir ein drittes attives Geschwader und verstärken wir es um drei Linienschiffe, ohne Verhältniszahlen, ohne Rüstungslogarithmus, ohne Rücksicht auf englische Ministerreden, aber aus der Erwägung heraus, daß nur durch diese dann ausreichende Wehr unsere Küsten und unser Handel gesichert find. Dann kann es uns gleich bleiben, ob man gegen uns einen lleberfall plant, oder solche Pläne von der Ministerbank aus scheinheilig dementiert."
Die „Hamburger Nachrichten" sehen nach den Erklärungen Churchills für Deutschland keine Möglichkeit mehr, sich auf irgend« welche Verhandlungen mit England weiter einzulasten, ohne das eigene Urteil und die ganze Stellung Deutschlands England gegenüber zu kompromittieren. Die Antwort aus die Rede des englischen ' Minister» könne vernünftigerweise nur lauten: „Wir müssen unsere Rüstungen zu Lande wie zur See immer mehr vervollständigen, unsere Bündniste sichern und ergänzen." 1 i
Die „Magdeb. Ztg." wendet sich gegen da» Rechenexempel de» : Lord. Sie schreibt: „Er meint, wie wir glauben, mit gespielter Laienhaftigkeit, daß wenn Schiff gegen Schiff stände und je zwei sich immer gegenseitig niederkämpften, England immer noch einen so großen Rest von Schiffen behalten würde, daß ihm der Sieg zufallen müßte. Was ist das doch für eine stümperhafte Auffassung des Kriegswesens! Wenn man die einander im Kriege gegenüberstehenden Soldaten immer gegenseitig abzählte, so hätt.- ja die Minderheit niemals die geringste Aussicht auf einen Sieg. Dann wäre ein Friedrich der Große niemals zum Ziele gelangt und dann hätte wohl auch mancher Seeheld früherer Zeiten, der seine Schlachten gegen die Ueberzahl durchgekämpft hat, nicht den wohlverdienten Lorbeer errungen."
Zum freistttnis-sorialdemokratischen Stichwahlbündnis.
Die „Süddeutsche Nationalliberal« Korrespondenz" beschäftigt sich in ihrer letzten Ausgabe auch mit dem freisinnig-sozialdemokratischen Stichwahlbündnis und kommt zu dem Ergebnis, daß der Freisinn in 24 Fallen der Sozialdemokratie in der Stichwahl zum Mandat verhalfen hat, wo er selbst in der Hauptwahl ausgefallen war. 24 sozialdemokratische Siege mit fteisinniger Hilfe, und zwar gegen 8 Konservative und Bund der Landwirte, 8 Zentrum mit Elsatz-Lothringen, 5 Reichsparteiler, 1 Antisemit und — zwei Rationalliberal« (!). Die einzelnen Wahlkreise, in denen der Freisinn zur Sozialdemokratie überschwenkte, sind folgende:
1. Potkdam-Osthavelland, 2. Kottbus-Spremberg, 3. Bitterfeld- Delitzsch, 4. Sachsen-Altenburg, 5. Elberfeld-Barmen, 6. Cchweidnitz- Striegau. 7. Erünberg-Freystadt, 8. Jerichow, 9. Kaiserslautern, 10. Ansbach-Schwabach, 11. Heilbronn, 12. Jena-Neustadt, 13. Kalau-Luckau. 14. Homberg-Höchst, 15. Würzburg, 16. Kalmar i. E., 17. Straßburg- Land. 18. Metz, 19. Eschwege-Schmalkalden, 20. Darmstadt, 21. Dessau- Zerbst. Dazu kommen noch die Kreise Köln-Stadt. Düsteldorf und Esten, in denen wie in den unter 6 und 13 genannten der Freisinn im ersten Wahlgang« für den Kandidaten der Nationalliberalen gestimmt hatte, aber dann sein« eigenen Wege nach dem roten Lager hinüberging.
Damit ist aber das fteifinnige Sündenregister noch nicht erschöpft. In einer Reihe von anderen Fällen hat es ebenfalls seine Truppen in die „rote" Cchlachtteihe einschwenken lasten, allerdings ohne den Genosten den Sieg zu sichern. Es find dies wiederum 16 Kreise, in denen der So, zialdemokratie bürgerliche Kandidaten gegenüberstanden. Und zwar waren dies 6 Konservative. 4 Reichsparteiler, 8 Wilde, je 1 Zentrumsmann, Antisemit und — Nationalliberaler, und im einzelenen folgende Kreise:
1. Ruppin-Templin, 2. Königsberg-Neumark, 3. Breslau-Land, 4. Sagan-Sprottau, 5. Hagenow, 6. Eüstrow-Ribnitz, 7. Westprtgnitz, 8. Jüterbogk, 9. Rothenburg-Hoyerswerda, 10. Mansfeld. 11. Jauer- Landesbut, 12. Bielefeld, 13. Worms, 14. Kronach, 15. Eietzen, 16. Friedberg-Büdingen.
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Deutsches Reich.
— Die Reif« bee Kaisers. Die Abreise Kaiser Wilhelms nach dem Süden wird, wie schon kurz gemeldet, am 22. abends, also zu dem programmmäßig vorgesehenen Zeitpunkte, erfolgen. Die Gerüchte, wonach sich dem Antritt der Reise Schwierigkeiten auf dem Gebiete der internationalen Politik entgegengestellt hätten, sind samt und sonders hinfällig. Im Orient dauern zwar die durch den Krieg zwischen Italien und der Türkei entstandenen Jährlich- leiten fort; Anzeichen zu einer weitergehenden Verwicklung find aber bis jetzt nicht hervorgetreten. Insbesondere muß es als unverständlich bezeichnet werden, daß, wie in den letzten Tagen ausgestreut worden ist, die Ottentfrage in das Zeichen eines deutschrussischen Gegensatzes getreten sei oder treten werde. Die deutschenglischen Verhandlungen werden weitergeführt. Die Rede Churchills enthält nichts, was mit der Fortsetzung der Bemühungen um eine Verständigung unvereinbar gewesen wäre. Die Behauptung, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts habe ein Rücktrittsgesuch eingereicht oder habe die Absicht, es zu tun, wird an zuständiger Stelle als Erfindung bezeichnet.
— Die Reichstagsersatzwahl in Münster. Münster, 19. März. Ebenso wie die Fortschrittliche Volkspartei verzichtet auch der Nationalliberale Wahlverein auf die Aufstellung eines Kandidaten für die Reichsiogseriatzwahl am 22. d. M. und empfiehlt feinen Mitgliedern Wablentbaltung.
— Eine Berufung Traubs nach Frankfurt a. M. ist geplant. Es besteht in Frankfurt die Absicht, anstelle des verstorbenen Niar- rers Battenberg Pfarrer Traub für die Peierskirche zu gewinnen und Traub in Bälde daraufhin zu befragen.
— Astestorenprüfung. Berlin, 19 Mörz. Ein im preußischen „Justizministerialblatt" abgedruckter Bericht des Präfident-' M großen Staatsprüfung im Jahre 1911 teilt mit, daß in diesem Jahre insgesamt 1552 Referendare geprüft wurden, von ihnen bestanden 1217, darunter 3 „mit Auszeichnung" und 134 mit „gut“, während 335 (im Vorjahr 1910 nur 280) durchfielen, von ihnen 54 zum zweiten Male. Dies Ergebnis ist das ungünstigste seit 41 Jahren: nicht weniger als 22 Prozent aller Kandidaten fielen durch.
— Die Sammlung des ßuftflo4ten»ereiu«. Bei der Ortsgruppe Mannheim des deutschen Luftflottenvereins find bereit» über 12 000 J*. gezeichnet worden mit der Bestimmung, daß die aus Mannheim eingehenden Gelder der Heeresverwaltung zum