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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kttchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend«,Fürs Haus« und .Landwirtschaftliche Beilage".

Marburg

JK. 68

1912.

TieLberhrssische Zeitung« erscheint täglich mit LuSnahme der Lonu- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 8.25 <* lohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei in» Hau». (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortllng). Druck und Vorlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

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Erttes Blatt.

Churchill.

Herr Churchill, der in Deutschland in jüngster Zett in weiten Kreisen dadurch bekannt geworden ist, daß er während der An­wesenheit des Friedensboten Haldane in Berlin unsere Flotte einen Luxus nannte, also uns die Berechtigung zum Schutze unse­rer Interessen abspricht, hat sich während er im Unterhaus den Flottenetat einbrachte sehr offenherzig mit uns beschäftigt. Nach englischer Methode jetzt wieder einmal zur Abwechslung in Schmeicheltönen. Daß die Schmeicheltöne wiederum ernsten Hinter­grund haben, besten darf man ja versichert sein. Der englische Herr Minister will seine Flottenbaupläne ganz nach uns richten. Wie nett! 16:10 soll das Verhältnis sein, nach dem man bauen will. Gleichzeitig kündigt er aber eine Konzentration der Flotte näher an den Kanal und eine bedeutende Erhöhung de» Mannschafts­bestandes an, wodurch riesige Aufwendungen für die englische Flotte nötig sind. Aber, wenn wir einmal gar nicht bauen, ja dann--!! Es gibt also für Deutschland nichts leichteres die

englischen Dreatnoughts aus der Welt zu schaffen, als wenn es gar keine Schiffe mehr baut. Auch in der englischen Preste wird die Ansicht laut, daß es eine verkehrte Methode ist, die Herr Chur­chill einschlägt, uns einmal vor den Kopf zu stoßen und uns nach­her zu schmeicheln. Für Deutschland gibt es einen Weg gegen die Drohungen und Schmeicheleien englischer Minister gleichgültig zu bleiben, nämlich den, unbekümmert um das Ausland an der eige­nen Rüstung zu arbeiten.

Eine scharfe Abwehr erfährt die Rede Churchills in derKöln. Zag." Das Blatt weist an leitender Stelle mit auffallend« Schärfe die Aeußerungen Churchills über die Vermehrung der deutschen Flotte zurück und erklärt, der englische Minister würde wohl nichts dagegen haben, wen wir das Urteil über die Notwen­digkeit der Verstärkung unserer Marine uns vorbehalten. Wie England seine Jnteresten als maßgebend für seine Handlungen an­sieht, so auch wir die unsrigen. Und von diesem Gesichtspunkte aus wird man in Deutschland erwägen, in welchem Umfange die Flottenvermehrung sich halten muß. Deutschland wird kaum je­mals eine Flotte besitzen, die an Umfang der englischen gleich­kommt. Falls aber unsere Flotte zugrunde ginge, müste dieser Erfolg dem Feinde derartige Opfer kosten, daß England kaum noch die Mittel zur Vertretung seiner großen internationalen Bezieh­ungen haben kann. Sich darüber klar zu werden, ist Angelegen­heit England, ebenso wie wir uns die Entscheidung über unsere Jnteresten vorbehalten. Geschadet hat die offene Sprache des Mi­nisters nicht. Es ist immer bester, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen, als mit schönklingenden Redensarten über die bittere Wahrheit hinwegkommen zu wollen. Wir kennen die englischen An­schauungen und Ansichten jetzt und werden nunmehr zu sehen haben, was unsere Bedürfnisse bei dieser Sachlage für Forderungen an uns stellen. Die Ereigniste des letzten Sommers haben in unserem Volk die Aeberzeugung bestärkt, daß wir den Frieden am besten sichern, wen wir so stark sind, daß ein Krieg gegen Deutschland ein Wagnis auf Leben und Tod für jeden Feind wird.

Die englische Preste ist keineswegs erfreut von den Aus­lastungen Churchills. Sehr richtig meint derStandard": Der Flottenetat selbst könne in Deutschland, wenn auch nicht Begeiste­rung, so doch kein Aergernis Hervorrufen. Aber es war sicher nicht nötig, wieder in eine detaillierte Erörterung der beiderseitigen Flottenstärken einzutreten oder in ausdrücklicher Form so pointierte Erklärungen zu wiederholen, da mancher Deutsche darin beinahe eine Drohung erblicken könnte. Churchill solle sich um seine Schiffe und Mannschaften kümmern und über Deutschland so wenig wie möglich sagen. DieDaily News" schreiben: So bewunderns­wert auch Churchills Ofenheit und so aufrichtig sein Anerbieten war, so bezweifeln wir doch, ob sie das richtige Mittel gegen die beklagenswerte Rivalität ist. Niemals hatte ein Oelzweig ein so furchtbares Aussehen. Angesichts der offenen Erklärung, daß Deutschland der einzige Feind sei, mit dem wir zu rechnen und gegen die wir zu bauen haben, möchten wir fragen, was der Zweck, was das Ergebnis der Haldaneschen Mi ssi on ist. DieMorning Post" sagt: Wir bezweifeln die Weisheit eines solchen Appells, da er auf deutsche Leser einen anderen Eindruck machen könnte, als Churchill beabsichtigt hat. Er könnte als Erklärung aufgefatzt werden, daß Deutschland nicht ln der Lage sei, zu zeigen, daß es dazu imstande sei. Wir hatten daher eine einfache Darlegung unseres Programms ohne Vergleiche vorgezogen, denn die Vergleiche kann jeder daheim und im Aus­lands, wen er an der Sache interessiert ist, selber ziehen.

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Die Verbrüderimasaklion.

Bekanntlich hat der Abgeordnete v. Payer kürzlich im Reichstage den Freisinn als das letzt« Bollwerk gegen die Sozicldemakratie o-rühmt und dadurch ungeheure Heiterkeit, nicht nur im Parlamente, entfesselt. Das war zu einer Zeit, als das Geheimabkommen zwischen Freisinn und Sozialdemokratie, auf das übrigens zur Zeit der Stichwahltage schon die Post" hingewiesen hatte, noch nicht genauer bekannt war. Heute muß Man die Worte Payers als klägliche und bewußte Täuschung des deut­schen Bürgertums austasten.Bollwerk gegen die Sozialdemokratie" hat der Freisinn offenbar dadurch gespielt, daß er ein festes Wahlabkommen trifft, bei dem sich die Feinde, die das Bollwerk doch naturgemäß stürmen mußten, dazu verpflichten, in einzelnen Wahlkreisen den Wahlkampf zu .dämpfen, keine Stimmzettel zu verteilen und anderes mehr. Wahrlich '«in nettes Bollwerk, das Stärke nur dadurch «hält, daß die Feinde ihm

die Stützen leihen. Mit dem Abkommen haben sich nunmehr auch di« beiden Parteivorständ« befaßt, höchst ungern, denn wer die Schweigsam­keit der fortschrittlichen Press«, die doch sonst in polittschen Skandalen den Mund weit aufreißt, verfolgt, weiß, wie unangenehm dieser Blick hinter die Kulissen bet Partei ist. Aber es ging nun einmal nicht anders, Frau Rosa Luxemburg wollt« es so. Zunächst hat sich der sozialdemokra- ttsche Parteivorstand mit dem Abkommen beschäftigt und zwar auf Grund eines Antrages des Verbandes sozialdemokratischer Bereit» Berlins, der über das Abkommen das Bedauern ausgesprochen wissen wollte. In einer Versammlung dieser Vereine sprach der Parteisekretär Braun im Namen des Vorstandes. Die Versammlung verlief ergebnis­los, aber was Herr Braun erzählte, war trotzdem nicht uninteressant. Er führte als Rechtferttgung des Abkommens dieWut bet schwatzblauen Gegner an". Der ärmste tdeiß nicht, wie freudig dies« Demaskierung aus der Rechten gewirtt hat. Die Verhandlungen seien von der Fottschritt- lichen Volkspartei ausgenommen.

Zunächst verlangten sie bi« Zurückziehung unserer Kandidaturen. Wir sagten sofort, baß bavon keine Rede sein könne. Dann kamen st« bamit, wir möchten in biesen Kreisen den Wahlkampf möglichst ab- schwächen, keine konservativen Stimmen heranzuholen suchen und ihnen nach Möglichkeit biefe Kreise sichern. Rosa Luxemburg hat gemeint, bet Parteivorstand hätte auf diese Zumutung die gebührende Antwort er­teilen und di^Kuhhändler die Treppe in beschleunigtem Tempo herunter­werfen sollen. So handelt vielleicht eine unverantwortliche kapriziöse Primadonna, aber nicht die verantwortliche Leitung einer politischen Pattei in einer ernsten Zeit. Solche Redensarten und Phrasen machen stch nach außen sehr gut, entsprechen aber nicht dem Ernst der damaligen Situation. Wir wußten, daß das Verlangen der Fortschrittlichen Volks- Partei eine starke Zumutung an die Disziplin unserer Parteigenossen war. Die ganze Frage wird ja auf dem Chemnitzer Parteitag zur Ver­handlung kommen. Hätten wir das Rezept Rosa Luxemburgs befolgt und Mastenakttonen veranstaltet mit der Forderung der Miliz, man hätte uns Prospekte für eine Kaltwasserheilanstalt geschickt."

Da kann man ja auf Chemnitz gespannt sein. Gegenüber den sozial­demokratischen Behauptungen wurde in einer Versammlung des Zentral- ausschusses der Fottschrittspartei gesagt, das Abkommen sei von den So­zialdemokraten veranlaßt und ebenso hätte diese um Geheimhaltung ge­beten. Es will es also keiner gewesen fein. Der Abg. Fischbeck ver­teidigte das Abkommen als Ausfluß der politischen Haltung der Partei und des Ergebnisse» der Hauptwahl. In einer Resolution wurde mit allen gegen 6 Stimmen dem Parteivorstand das Vertrauen ausgesprochen und dietaktischen Maßnahmen" gebilligt. Ob die Herren wohl glau­ben, daß im Lande auch nur einer an ein takttsches Zusammen­gehen der beiden Parteien denkt, wenn die eine Partei sogar in ziemlich ficheren Kreisen dem Gegner in den Sattel hilft.

Die Sozialdemokraten sind von ihrem Standpuntt, der einzig und allein Machtinsttntten folgt, zweifellos durchaus berechtigt, eines Ab­kommens stch zu rühmen, das dem Anwachsen ihres parlamentarischen Einflusses ausgezeichnet zustatten gekommen ist. Wer die Haltung der Fortschrittlichen Volkspartei im neuen Reichstage und ihrer Preste seit- her beachtet, wird das bestätigen können. Die Ausführungen des Ge­nossen Braun lassen das Verhalten der Fortschrittspartei bei dem ganzen Kuhhandel aber nach blamabler erscheinen, als bisher. Anfangs ver­suchten die Fortschttttler den Parteivorstandmit der nichtssagenden Phrase" abzuspeisen, daß die sozialdemokrattschen Sttchwahlbedirrgungen ohnehin mit dem fortschrittlichen Programm tm Einklang ständen; eine allgemeine Stichwahlparole sei nach ihrem Statut unzulässig. Das Zögern des Freisinns war begreiflich, denn er wollt« sich die konservattve Wahlhilfe in solchen Wahlkreisen, di« nur mit Unterstützung der Kon­servativen für die Fortschritlliche Volkspartei zu gewinnen waren, durch offene Umarmungen mit bett Roten nicht verscherzen. Die Sozi drängten aber zu einer klaren Stellungnahme, ließen stch jedoch gegen die Zu­sicherung voller Gegenleistung bereitfinden, wenn auch ihre eigenen Kan­didaturen nicht zurückziehen, so doch wenigstens durch die berühmte Dämpfung des Mahlkampfes" den fottschrittlichen Mandatsbewerbern in 16 Wahlkreisen den Weg zum Erfolge freizumachen. Diesem Geheim- bündnis hat die Sozialdemokratie, wie in der Versammlung ausgeführt wurde, viel zu verdanken, die Fortschrittler freilich find erst durch den Patt überhaupt lebensfähig geworden. Der Erfolg liege auf bet Hand: ber Reaktionsblock sei zertrümmert worben und bie Gegensätze zwischen bet bürgerlichen Linken und den rechtsstehenden Parteien hätten sich vertieft. Das sttmmt. Es ftagt sich bloß, rote das Volk über diesen Versuch des Freisinns denkt, es unter die Botmäßigkeit der Genossen zu führen.

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Der Bergarbei^erstreik.

Der Bergarbetterstreik im Ruhrkohlenrevier ist tm Sande ver­laufen. Die Führer haben eingesehen, daß die Machtprobe nicht zu ihren Gunsten ausfallen konnte; denn es gelang ihnen nicht, den christlichen Bergarbeiterverband zu sprengen, worauf sie es ab­gesehen hatten. Ernüchternd haben wohl mitgewirkt der feste Wille der Regierung die Arbeitswilligen vor dem Terror der Streikenden zu schützen und die Debatten in den Parlamenten, durch die festgestellt wurde, daß dieser Streik keineswegs aus einer Notlage entsprungen ist. Auch werden die Bergarbeiter von einem Weiterstreiken abgehalten worden sein durch die Erkenntnis, daß diesmal die Sympathien der weitesten Kreise nicht auf ihrer Seite standen. Ein unpopulärer Streik hat eben immer recht wenig Aussicht auf Erfolg, lieber die jetzige Lage gibt folgende Mel­dung Aufschluß:

Bochum, 19. März. Heute morgen 10 Uhr ist die Revier­konferenz der im Streik zusammengehenden drei Verbände zusam­mengetreten um über die Lage zu verhandeln. Die Konferenz faßte nach sechsstündiger Beratung eine Resolution, worin es heißt, daß es nicht mehr möglich sei, den Kampf mit Er­folg weitet zu führen. Die Konferenz beschloß deshalb, den Streik aufzuheben und fordert alle Kameraden auf, dem Beschlüsse zu folgen. Die Konferenz erklärt, daß nur die rigorosen Maßregelungen der staatsbürgerlichen Rechte und die systematische Irreführung und Verhetzung der öffent­lichen Meinung durch die arbeiterfeindliche Presse es vermochten, den Kämpfenden den Erfolg zu nehmen. Zum Schluß fordert die

Konferenz alle Bergarbeiter auf, durch die Stärkung der rnitkämp- senden Organisationen dazu beizutragen, daß sie baldmöglichst wie­der auf dem Kampfplatz« erscheinen könnten. Die Annahme der Resolution erfolgte mit 849 gegen 215 Stimmen, 18 Delegierte hatten sich der Abstimmung enthalten. Da somit keine Dreivtertek majorttät für ein Weiterstreiken zustande gekommen war, ist der Streik aufgehoben. Im Laufe der heutigen Abends wurden über­all Versammlungen abgehalten, die durchaus ruhig verliefen, in Essen, Bochum und anderwärts. In diesen Versammlungen wur­den die in der Resolution niedergelegten Gründe für den Streik­abbruch ausführlich erörtert und beschlossen, morgen wieder anzu« fahren. In der Essener Versammlung wurde besonders betont, daß di« Streikenden stch morgen beim Streikbureau zu melden haben, um dann geschlossen erhobenen Hauptes zu den Zechen zu gehen, wo die Arbeiterausschüsse zu den Betriebsführern geschich werden sollen.

In den anderen in Betracht kommenden Gebieten ist zwar der Streik noch voll tm Gange, jedoch kann man annehmen, daß er bald belgelegt werden wird, sonderlich, da nun im Ruhrrevier ge­ordnete Verhältnisse eintreten.

Hannover, 19. März. Aus Barsinghausen wird gemeldet: Die Streiklage ist gegen gestern unverändert. Aus Hannover tra­fen 20 Schutzleute ein, die auf die verschiedenen in Betracht kom­menden Orte verteilt worden sind.

Bückeburg, 19. März. Bei dem Gemeinschaftswerk Ober­kirchen find heute früh von 940 Arbeitern 459 angefahren. Auf einer Konferenz, die gestern abend zwischen den Vertretern de» Bergamts und den Vertretern der Bergleute stattfand wurde vom 1. April eine Erhöhung des Lohnes um 10 Pfennig pro Schicht zu- gestanden. Heut« nachmittag und heute abend finden in verschie­denen Dörfern des Bergamtes Bergarbeiterversammlungen statt, in denen die Entscheidung Über den weiteren Streik getroffen wer­den soll.

Dortmund, 19. Marz. In Asseln (Landkr. Dortmund) wurden vergangene Nacht an den Wohnungen dreier Arbeits­williger Dynamitpatronen zur Explosion gebracht. Türen und Fenster wurden stark beschädigt, Personen aber nicht verletzt. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. Auf die Ermitte­lung der Täter ist eine Belohnung von 1000 <* ausgesetzt worden.

Aus Böhmen und Frankreich liegen Meldungen vor, die eine schnelle Beilegung des Streiks nicht ohne weiteres annehmen lassen. Besonders bei unseren westlichen Nachbarn scheint er grö­ßere Dimensionen annehmen zu wollen. Es liegen darüber fol­gende Meldungen vor:

P r a g, 19. März. In Brüx find bei der Nachmittagsschichi von 736 Bergleuten 634 nicht angefahren. Zum Schutz der Arbeit», willigen ist Gendarmerie aufgeboten. Auf Teplitzer Gebiet wird der Ausstand für den 31. März angekündigt, falls die Forderungen unbeantwortet bleiben, doch halt ein Teil der Arbeiterschaft diesen Zeitpunkt für zu weit hinausgeschoben mit Rücksicht auf die bet Lösung stch nähernde Streiklage in Deutschland und England. Im Kladneer-Revier beschlossen die Erubenbesttzer eine Lohnerhöhung vom 1. April ab in Aussicht zu stellen.

Valenciennes, 19. März. Die Delegierten der Syndi­katsabteilungen beschlossen den Streik. Man werde versuchen, ihn zu einem Generalstreik zu machen. Die Bergleute des Gebiete» von Abscon stimmten gleichfalls für den Streik, sie fordern den achtstündigen Arbeitstag und nach 25 Jahren Arbeit eine Pension von 2 Francs täglich. Der Bergarbeiterstreik breitet sich über das ganze Revier aus. Von 13 000 Bergleuten streiken 6500.

In England will die Regierung auf dem Wege des Gesetzes der Lohnbewegung der Bergarbeiter ein Ende machen, da die vor ihr eingeleiteten Verhandlungen zwischen Arbeitern und Zechen­besitzern gescheitert sind. Premierminister Asquith brachte in der gestrigen Sitzung des Unterhauses den Gesetzentwurf über bie Minbestlöhne in der Kohlenindustrie ein. Er erklärte, daß er dies« Maßregel nur mit dem größten und aufrichtigsten Widerstreben vorschlüge, aber eine schnelle Annahme des Gesetzentwurfes sei absolut nötig zum Bellen des Landes. Die Regierung habe zu einem Ersetz erst ihre Zuflucht genommen, als jede Hoffnung auf eine Beilegung des Streiks durch Vergleich geschwunden war« Nachdem er sodann die Politik der Regierung hinsichtlich der Ver­handlungen verteidigt hatte, erklärte er die Verordnungen in dem Entwurf, der festsetzt, daß den unter Tage Arbeitenden ein Min­destlohn gezahlt werden soll. Dieser Lohn soll von dem Augen­blick an zahlbar sein, wo die Arbeiter ihre Arbeit wiederaufneh- men und soll durch Bezirksausschüsse festgesetzt werden. Die Be- zirksausschüsse würden auch Bestimmungen auszuarbeiten haben, und die Regelmäßigkeit der Arbeit zu sichern, während der'Ar­beiter berechtigt sein würde, den Arbeitgeber wegen des Mindest­lohnes zu verklagen, soll andererseits der Arbeiter zum Bezug be» Mindestlohnes nicht berechtigt sein, wenn er nicht die Bestimmun­gen erfüllt. Der Entwurf enthält keinerlei Strafbestimmungen. Der Arbeitgeber hat den Arbeitenden unter Tage nicht weniger Lohn zu zahlen, als in dem Entwurf bestimmt werden wird. In­dessen wird der Entwurf den Grubenbesitzer nicht zwingen, sein« Kohlengruben zu öffnen, ebensowenig, wie den Arbeiter dazu, ein« zufahren. Ein Zwang wird also nach keiner Seite ausgeübt roefr den. Auch ist der Entwurf nur eine vorübergehende Maßnahme, die drei Jahre lang in Kraft bleiben wird. Er, Asquith, glaub« -und hoffe, daß der Entwurf Erfolg haben würde, aber das ist alle«, was vom Parlament augenblicklich verlangt werden kann. ®t hoffe, daß man nicht zu anderen abweichenden Maßregeln gezwun­gen fein würde, um die Industrie und das Volk gegen Elend und Not zu schützen. * ,