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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagern „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Marburg
Freitag, 15 Mürz
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47. Jahrg.
1912. !
Erstes Blatt.
Deutschland und England.
Zum eisernen Bestände der englischen Beschwerde Deutschland gegenüber gehört bekanntlich die Behauptung, das Deutsche Reich baue seine Flotte ja nur für den Endzweck eines Angriffes auf Großbritannien, und als Beweis dafür wird heute wie vor zehn Jahren angeführt, die deutschen Schlachtschiffe seien ja mit so wenig Kohlenvorrat ausgerüstet, daß ihre Verwendung außerhalb der Nordsee ausgeschlossen sei. Da es sich um einen immer wiederkehrenden Einwurf handelt, so ist es vielleicht auch bei uns von öffentlichem Interesse, den Punkt kurz zu behandeln. Beginnen wir mit den sogenannten Dreadnoughts. Ihre ersten deutschen Vertreter, die Nassauklaffe, haben ein Deplacement von 18 900 Tonnen, besitzen einen normalen Kohlcnvorrat von 950 Tonnen und einen maximalen von 2700 Tonnen; demgegenüber stehen die „Dreadnought" mit einem Deplacement von 21000 Tonnen und ihre Nachfolger, deren neueste Vertreter bis 27 000 Tonen Wasser verdrängen. Sie alle haben einen normalen Kohlenvorrat von 900 und einen maximalen von 2700 Tonnen Kohlen. Dem gegenüber steht wieder die deutsche Helgolandklasse, die 23 000 Tonnen Deplacement zählt mit 900 Tonnen und 3000 Tonnen, und die neue Kaiserklasse, die viel kleiner ist als die neuesten englischen Dreadnoughts, mit 1000 Tonnen Kohlen normal und 3600 Tonnen maximal. Man sieht daraus, daß wir Deutsche mit äußerlich viel größerem Rechte den Engländern sagen könnten: es sei doch auffallend, daß sie bei durchschnittliche viel größerem Deplacement ihrer Schiffe ihnen nicht nur relativ, sondern auch absolut einen kleineren Kohlenvorrat geben als wie Deutschen unseren Schlachtschiffen. Zn der Vordreadnoughtperiode lagen die Dinge nicht anders und der Schein war nur deshalb ein anderer, weil die deutschen Schiffe damals viel kleiner waren als die gleichalterigen englischen. Trotzdem stellte sich ihr Kohlenvorrat relativ betrachtet durchaus nicht niedriger als der der englischen Schiffe.
Es ist immer von Wert, einmal wieder auf solche Tatsachen hinzuweisen, besonders in einer Zeit, in der aufs neue von den Angriffsgelüsten Deutschlands gefaselt wird, nur um dem Flottenprogramm Anhänger zu werben. In dem neuen Flottenprogramm find als Schiffsneubauten vorgesehen: 4 große Panzerschiffe, 8 leichte gepanzerte Kreuzer, 20 Torpedobootszerstörer und eine Anzahl von Unterseebooten und Hilfsfahrzeugen. Der Mannschaftsbestand wird um 2000 vermehrt werden. In der Erläuterung, die der erste Lord der Admiralität, Churchill, dem Flottenetat beigegeben hat, heißt es, daß die vorhandenen Flottenprogramme der anderen Mächte keine Erweiterung erfahren. Zm Falle solcher Erweiterungen würde es notwendig sein, sowohl für die zu bewilligenden Mittel wie für den Mannschaftsbestand einen Nachtragsetat einzubringen. Für Schiffsneubauten werden 13 973 527 Pfund Sterling gegen 15 063 877 im laufenden Rechnungsjahr, davon 12 067 727 für die Fortsetzung der Arbeiten an den bereits im Bau befindlichen Schiffen und 1 903 800 Pfund Sterling für die Inangriffnahme der Neubauten des neuen Programms bestimmt. Der Prozentsatz der neuen Schiffe des neuen Programms, deren Bau im neuen Rechnungsjahr begonnen werden soll, ist größer als gewöhnlich. Danach wird es nötig fein, den Bau der gesamten Neuen Torpedobootszerstörer auf einmal zu beginnen.
London, 13. März. Die „Westminster Gazette" schreibt: Es ist unvermeidlich, daß diejenigen, die bessere auswärtige Beziehungen erhoffen, mit Besorgnis auf den englischen und den kommenden deutschen Flottenetat blicken. Wie werden sie mit den Zielen der Mission Haldanes übereinstimmen, denen alle ernsten Leute in Deutschland und England Erfolg wünschen? Das Blatt betont, daß das Flottenprogramm beider Mächte wahrscheinlich schon vorher aufgestellt und daß kein unmittelbares augenfälliges Ergebnis in den diesjährigen Etats von dem kurzen Gedankenaustausch der wenigen letzten Wochen zu erwarten war. Wir können uns natürlich nicht verhehlen, heißt es in dem Artikel, daß durch die plötzliche auffällige Vermehrung des deutschen Flottenetats eine ungünstige Atmosphäre geschaffen würde, da sie mit Recht oder Unrecht sowohl hier als auch in Europa als die Antwort der deutschen Regierung auf die Mission Haldanes angesehen würde, eine Antwort, die gegenseitig« Zugeständnisse verhindern und weitere Verstärkungen der Rüstungen bewirken würde. Aber abgesehen von solcher plötzlichen auffälligen Vermehrung werden die Engländer gut tun, die gegenwärtige Lage als die Nachwirkung der früheren Rivalität anzusehen und unverzagt die Bemühungen fortzusetzen, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu ver- bessern.
Der Berflarbei^erstreik.
Noch immer ist die Entwicklung des Streiks in der Kohlen- kndustrie noch nicht abzusehen. 230 000 Bergleute sollen nach dem Berichte der sozialdemokratischen Gewerkschaft bereits streiken. Die Hauptsache ist jetzt, daß, solange der Streik einmal dauert, den Führern die Zügel nicht entgleiten; denn hierin besteht die meiste Gefahr. Schon werden aus verschiedenen Revieren Unruhen, Schießereien und Belästigungen von Arbeitswilligen und Polizei Gemeldet; charakteristisch dabei ist, daß fich auch die Frauen der Streikenden in großer Zahl daran beteiligen, lleber die Lage in kn einzelnen Gebieten liegen folgende Meldungen vor:
Herne, 13. Marz. Wie die Polizei mitteilt, wurden heute mittag wiederum Schutzleute beschossen, die auch di« Schußwaffe
gebrauchten. Ein 20jähriger Bergmann erhielt einen Schuß in den Unterschenkel.
Düsseldorf, 13. März. Auf eine aus Hamborn eingegangene telegraphische Anordnung des Düsseldorfer Regierungspräsidenten Kruse sind vergangene Nacht weitere Schutzmannschaften aus Düsseldorf abgegangen, und zwar sechs berittene und acht Fußbeamte. Heute früh folgten zwei Kommisiare, vier Wachtmeister und 77 Beamte. Außerdem wurden von dem Regierungspräsidenten 36 Gendarmen nach Hamborn neu beordert.
Essen, 13. März. Die Leitung der Eewerkvereine christlicher Bergarbeiter erläßt folgende Erklärung: Es zeigt sich immer deutlicher, daß der behördliche Schutz für die weiterarbeitenden Bergleute nicht genügt. Aus fast allen Bezirken der Ruhrreviere kommen begründete Klagen über Belästigungen. Truppweise kommen die Vertrauensleute der Gewerkvereine zu den Büros und beschweren sich. Es wird besonders betont, daß die Belästigungen recht oft weniger durch streikende Bergleute, als durch fremdes, unbekanntes Gesindel erfolgen. Wir haben uns auf Grund der Klagen unserer Mitglieder schon mehrfach unter Angabe von Tatsachen an die Behörden gewandt, um einen ausreichenden Schutz für die Nichtstreikenden zu erhalten. Die Polizeibehörde hat sich bemüht, an den angegebenen gefährdeten Punkten mehr Sicherheit zu schaffen, mit dem Erfolge, daß die Belästigungen dort ab- und an anderen Stellen zunehmen. Offensichtlich genügt der bis jetzt zur Verfügung stehende Beamtenapparat nicht. Es herrscht stellenweise nicht die Behörde, sondern der Pöbel. Wir sehen uns genötigt, öffentlich festzustellen, daß die Zunahme der Streikenden nicht auf Streiklust, sondern aus Furcht vor Ueber- fällen und Belästigungen zurückzuführen ist. Weiter muffen wir schon jetzt darauf aufmerksam machen, daß die Wut der zum Streik haltenden sozialdemokratischen und polnischen Menge steigt und damit auch die Gefahren für die arbeitenden Bergleute zunehmen. Wenn die Behörden nicht für ausreichenden Schutz sorgen, müssen wir sie für die kommenden ernsten Ereignisse verantwortlich machen.
Saarbrücken, 13. März. In einer gestern stattgehabten Besprechung von Arbeiterausschußmitgliedern mit dem Vorsitzenden der Bergwerksinspektion in Saarbrücken erklärte letzterer u. a. folgendes: Die Löhne haben eine steigende Richtung; sie stehen höher als im Jahre 1908, ihrem bisher höchsten Stand. Die Belegschaft kann sicher darauf rechnen, daß eine weitere Steigerung der Löhne eintritt und die Arbeiter der Saargruben an der besseren Konjunktur teilnehmen werden. Die Schichtlöhne bei den einzelnen Inspektionen sollen genau geprüft und hierbei die Wünsche der Arbeiter soweit wie möglich berücksichtigt werden. Er erkannte an, daß die Saarbergleute voll und ganz ihre Pflicht erfüllen; er sei bestrebt, ihnen gerecht zu werden. Für den 1. nächsten Monats sei die Einführung einer Familienkaffe vorgesehen. In den nächsten Tagen soll hierüber der Arbeiterausschuß gehört werden.
Zwickau, 13. März. Dem Ansuchen der Bergarbeiter, bis zum 12. März über ihre Forderungen bestimmte Erklärungen abzugeben, sind in den Bezirken Zwickau, Lugau und Oelsnitz nur einzelne Erubenverwaltungen nachgekommen. Unter ihnen befindet sich der Morgensternschacht, der sich ablehnend verhält. Man glaubt, daß die übrigen Werke diesem Beispiele folgen werden. In diesem Falle dürften die Bergarbeiter den Streik beschließen. Es kommen etwa 23 000 Bergleute in den beiden Revieren in Frage.
Zwickau, 13. März. Von dem hiesigen Bergarbeiterverband ist das königliche Bergamt Freiberg um Vermittelung zwischen den Arbeitern und den Werken ersucht worden. Das Bergamt sagte diese zu. Die Vermittelungsversuche werden im Laufe der Woche stattfinden. Am Sonntag finden wiederum Bergarbeiterversammlungen statt, die sich mit der neu geschaffenen Lage befassen werden.
London, 13. März. Als Einleitung zu den gemeinschaftlichen Konferenzen hielt der Verband der Bergarbeiter heute eine Sitzung ab und erklärte am Schluffe derselben, daß der Verband einmütig bedauere, daß die Vergwerksbesitzer keine Neigung gezeigt hätten, die von den Arbeitern beanspruchten Lohnsätze zu erwägen Der Verband sei daher nicht in der Lage, die Wiederaufnahme der Arbeit anzuraten, bevor nicht ein Minimallohn für die verschiedenen Kategorien der unter Tag Arbeitenden bewilligt worden sei. Der Verband sei willens, in Verhandlungen mit den Grubenbesitzern der verschiedenen Distrikte einzutreten, um die Beilegung der strittigen Punkte sobald als möglich zu erzielen.
London, 13. März. Amtlich wird festgestellt, daß die Beilegung des Streiks in wenigen Stunden zu erwarten ist, wenn die Verhandlungen zwischen den Bergwerksbesitzern und den Ver- tretein der Arbeiterschaft im gleichen Sinne wie gestern heute weitergefühtt werden.
Sheffield, 13. Marz. Nachdem die Werke außerordentliche Anstrengungen gemacht haben, ihren Betrieb aufrechtzuerhal- ten, schließen jetzt eins nach dem andern. Sie halten es für weniger kostspielig, den Betrieb einzustellen, als weiterhin für die Tonne Kohlen 32% Schilling zu bezahlen.
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Politische Umschau.
Das sreisimiiA-sozialbemokratisch« Stichwahlbüudui».
Wie die „Post" bemertt, wird jetzt sowohl in der demokratischen als auch sozialdemokrattschen Presse das Rundschreiben des soztaldemokra- ttschen Parteivorstandes an die Wahlkreisleitungen über das Stichwahl, abkommen veröffentlicht. Daraus geht hervor, daß die Initiative zu dem Bündnis von der Zentralleitung der Volkspartei ausging. Die Fottschrittler verpflichteten fich in »1 Wahlkreisen, darunter Eschwege-
Schmalkalden, Köln, Elberfeld-Barmen, Düsseldorf und Dießen-Niddch, die Sozialdemokraten zu unterstützen. Dagegen übernahmen es die Genossen in 16 Wahlkreisen, in denen sie mit den Fortschrittlern in Stich- wahl standen, und zu denen die Wahlkreise von Dr. Wiemer und von Müller-Meiningen, bezeichnenderweise nicht aber die von Dr. Mugdan und von Eickhoff gehörten, Gewehr bei Fuß zu stehen.
„Erwägt man, so führt die „Post" aus, daß die Sozialdemokratie ihre durchaus antimonarchische Gesinnung geradezu zur Schau trägt, und bedenkt man,, da» schon zurzeit der Stichwahlen kein Zweifel mehr dar- über herrschen formte, der neugewählte Reichstag werde mit wichtigen Forderungen unserer Wehrkraft zu Wasser und zu Lande befaßt werden, so wird man sich sagen müssen, daß dieses fortschrittliche Stichwahlabkommen mit der Sozialdemokratie bei der Volkspartei wenigstens nicht auf etrw besondere Stärke der monarchischen und nationalen Gesinnung schließen läßt. Man kann es nach diesem Verhalten der Bolkspartei wahrhaftig keinem Mann von monarchischer und nationaler Gesinnung ernstlich verübeln, wenn er danach die Volkspartei für nahezu ebenso staatsgefähv- lich erachtet wie die Sozialdemokratie. Daß die Sozialdemokraten fich zu dem Stichwahlabkommen mit der Volkspartei herabgelassen haben, kann nicht Wunder nehmen. Ihnen hat es ja nur die größten Vorteil« gebracht. Während sie sonst so gut wie keine Erfolge bei den Stichwahlen erzielen konnten, sind ihnen diesmal 39 Mandate in engerer Wahl zugefallen, davon die größere Hälfte durch das Stichwahlabkommen mit der Volkspartei. Weit wichtiger für die Sozialdemokraten aber ist der weitere Erfolg dieses Stichwahlabkommens, daß durch die Kommandierung bürgerlich-liberaler Wähler zur Stimmabgabe für die So- zialdemokraten die festen Schranken niedergerissen find, welche bisher die politische Gefolgschaft der Volksparei von der Sozialdemokratie noch trennte. Mit dieser völligen Preisgabe der einst, namentlich von Eugen Richter, so hochgehaltenen fortschrittlichen Tradition, ist der sozialdemo. kraischen Propaganda in den Kreisen der bürgerlichen Demokratie Tür und Tor geöffnet. Sie wird nicht zögern, diesen Vorteil voll auszunützen, und so neben dem augenblicklichen Wahlerfolge auch noch einen erheblich dauernden Vorteil aus dem Stichwahlabkommen erlangen. Unter diesem Gesichtspunkte wird durch das fortschrittlich-sozialdemokratische Stichwahlabkommen auch wiederum die Richtigkeit jenes Bismarckschen Ausspruches bestätigt, daß die fottschrittliche Partei die vorfrucht der Sozialdemokratie sei."
Da» englische tzeeresbudget.
London, 12. März. Im Verlaufe der Debatte über das Heere»- budget erklärte Amery (Unionist), daß das Land fich bezüglich der Armee genau in derselben Lage befinde, als dies vor Ausbruch des südafrikanischen Krieges der Fall gewesen sei. Parlamentsunterstaatssekretär Seely erwiderte, es fei wörtlich wahr, daß England im Jahre 1899 die kleine Truppenmacht, die notwendig gewesen sei, um Verstärkungen nach Natal zu senden, nicht habe absenden können, ohne Truppen von Indien, Ceylon und anderen östlichen Garnisonen wegzunehmen. Aber es seien seither große Fortschritte gemacht. Ich habe hier, erklärte Seely, ein« Mappe für Amery. Ich will eine ähnliche Mappe an alle Parlamentsmitglieder senden unter der Forderung, daß sie als Geheimnis betrachtet wird, woraus ersehen werden kann, daß, wenn mir morgen Verstärkungen nach Natal senden müssen, wir dies tun können, ohne einen ei» zigen Mann von irgend einer östlichen Garnison zu entnehmen. Wir könnten in wenigen Tagen, wenn die Truppentransportschiffe bereit find, 150 006 Mann vollständig ausgerüstet und mit Waffen, Munition und Vorräten, sowie Verstärkungen für drei Monate) absenden. (Beifall.) Amery griff unsere militärische Bereitschaft sehr scharf an, was, wenn man die Angriffe für berechtigt hielte, eine sehr ernste Rückwirkung aus unsere Stellung in der Welt haben würde. Ich bin hier, um zu wiederholen, daß wir innerhalb weniger Tage nach dem Befehl zur Mobil- machung — die Anzahl Tage ist hier in diesen Dokumenten angegeben — 150 C00 Mann absenden können und das bedeutet einen außerordentlichen Fortschritt in unserer Geschichte. Wenn Amery die Zett des südafrikanischen Krieges mit der gegenwärtigen vergleicht, so heißt das mtt dem Hause Scherz treiben. (Beifall bei den Ministeriellen.) Die Effektivstärke der Armee wurde darauf bewilligt.
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Deutsches Reich.
— Ein Vertrauensvotum für den Berliner Oberbürgermeister Kirschner. Die bürgerlichen Fraktionen des Berliner Stadtparlamentes haben in einer gemeinsamen Kundgebung ihrer Genugtuung Ausdruck gegeben, daß Oberbürgermeister Kirschner fein Rücktrittsgesuch zurückgezogen hat und daß die Leitung des Zweck- verbandes daher vorerst noch in feinen Händen bleibt. Auch die Sozialdemokraten haben ihre Befriedigung über das Berbleiben des Oberbürgermeisters ausgesprochen. Immerhin ist es bemerkenswert, daß alle diese Kundgebungen von Magistrat und Körperschaften die „vorläufige" weitere Amtsführung durch den Oberbürgermeister immer wieder betonen.
— Rach Tripolis berufen. Tübingen, 13. März. Der Privatdozent Dr. Otten, Assistenzarzt an der hiesigen medizinischen Klinik, hat einen Ruf als Direktor der inneren Abteilung der deutschen Hilfsexpedition vom Roten Kreuz nach Tripolis angenommen. Er begibt sich in den nächsten Tagen nach dem Kriegsschauplätze.
— Born Hanfabund. Berlin, 13. März. Der Hansabund teilt mit, daß sein Geschäftsführer, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, fein Amt niederlegt. Als fein Nachfolger wird der Syndikus des Verbandes sächsischer Industrieller, Dr. Stresemann, genannt.
— Der Lohnkampf im deutschen Schneidergewerbe. Nach de» bei dem Hauptvorstand des Arbeitgeberverbandes in Berlin eingelaufenen Nachrichten find bisher 120 Ortsgruppen mit etwa 22 000 Schneidergehilfen ausgesperrt worden. Von der Arbeii- gebervereinigung Berliner Schneidermeister, die fich vom Hauptverband abgezweigt hat, haben bereits 55 Mitglieder die Tarif« der Arbeitnehmer bewilligt. In Leipzig find, wie von Arbeit- geberseite festgestellt worden ist, ca. 450 Gehilfen ausgesperrt war«, den. An einzelnen Orten haben fich die Konfettionsschneider kl Bewegung freiwillig mtt angeschlofsen.