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und den Verlagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und »Landwirtschaftliche Beilage".

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M 81

1912,

Marburg

Mittwoch, 13 März

DieOberheffische Zeitung" erscheint tätlich mit Lurnahu» der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 8.25 X (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 X frei in« Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

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Der Bergarbeiterstreik.

Nun haben wir den Bergarbeiterausstand im vollen Umfange im Ruhrgebiet, und auch in anderen Gegenden kriselt es. Selbst im Auslande, in Rußland, Frankreich, Belgien, Amerika, ja sogar in JapWAWOut der englische Streik seine Wirkungen zu äußern: da» darüber darf man nicht im Zweifel sein, daß auch bet uns der SkrelNrklneswegs bloß aus Lohnforderungen entstanden ist. Die FraMN hätten sich regeln lasten bei der offenkundigen Bereit­willigkeit der Zechen, entgegenzukommen. Man wollte offenbar angesichts der Lage in England auch bet uns demonstrieren, und wie der Christliche Bergarbeiterverband hervorhebt, noch dazu mit ungenügenden Mitteln und zu ungeeigneter Zeit. Bei dem großen Streik 1905 nutzten die englischen Grubenbesitzer rücksichtslos die Lage in der deutschen Kohlenindustrie aus. Jetzt wäre Gelegen­heit gewesen, damals verlorene Gebiete wieder zu erobern. Damit hätte man zugleich auch den Arbeitern genützt, indem man ver­mehrte Absatzgebiete und größere Löhne geschaffen hätte. Doch Alle diese Erwägungen scheinen vor dem Machthunger der Ver­bände, zu verschwinden. Ein Streik aber kann nur mit Erfolg durchgeführt werden, wenn ihm die Sympathie des Publikums gegeben ist. Das ist heute anders als 1905, wo wirklich bedeutende Notstände, die später durch das Abgeordnetenhaus abgestellt wur­den, nach Abhilfe riefen. Auch die christlichen Bergarbeiter haben jetzt noch Wünsche, aber sie wollen nicht zugunsten einer internationalen Solidarität Hunderttausende in die Not und den Schrecken eines Streiks treiben, den sie eine Eewistenlosigkeit ohne gleichen mennen. Welche Ausdehnung der Streik nehmen wird, hängt zugleich davon ab, wieweit der Schutz der Arbeitswilligen gesichert ist. Daß nicht alle sich die Niederlegung der Arbeit auf­zwingen lasten wollen, geht aus den Beschlüsten des christlichen Verbandes hervor. Aber auch die Nichtorganisierten, die im Ruhrgebiet sehr stark sind, werden, wenn ihnen der Terror nicht zusetzt, eher geneigt sein, aus dem Wege der Verhandlung ihre Forderungen durchzusetzen. Mit Recht hat daher die Regierung eingesehen, daß es jetzt ihre erste Pflicht ist, die Arbeitswilligen zu schützen, lleber den Streik selbst liegen jetzt folgende Nach­richten vor:

Esse n , 12. März. Die Lage im Streikrevier wird als ruhig bezeichnet. Bis jetzt liegen keinerlei Meldungen über Ausschrei­tungen vor. Die arbeitenden Bergleute gehen im Gegensatz zu 1905, wo sie truppweise, geschützt von Polizciorganen, ihre Arbeits­stätte aufsuchten, einzeln ungehindert zur Arbeit, was darauf zu­rückzuführen ist, daß aus allen zu den Zechen führenden Straßen Wachtposten aufgestellt sind. Die arbeitenden Bergleute werden von den Streikposten nicht behelligt und von Zurufen verschont. Im ganzen sind für den Bezirk mehrere Tausend Schutzleute und Eendarmeriemannschaften zusammengezogen. Im Gegensatz zu dem westlichen Teile im Rnbrrevier kam es im Dortmunder Revier zu einigen kleinen Zwischenfällen, so auf der ZecheScharnhorst", wo heute früh vier Arbeitswillige von einem Streikenden belästigt wurden, den sie dafür verprügelten. In Unna wurde auf einer Zeche der Berabau-Aktien-Gesellschaft Masten heute früh ein Steiger von mehreren Streikenden angegriffen, doch gelang es ihm, die Angriffe abzuwebren.

Essen, 10. Mäz. Bei dem Christlichen Gewerkverein ünd bis gestern abend 9>4 Uhr über zwei Drittel der abgehaltenen Ver­sammlungen Meldungen einqelaufen. Obwohl eine große Anzahl nur Zahlversammlungen, allo keine öffentlichen waren, wird die Zahl der Besucher auf ungefähr 70 000 geschabt. Von vielen wird berichtet, daß sie bis zu einem Drittel von Anhängern vom Drei­bund besucht gewesen waren, die trotzdem vielfach fast ausnahms­los für die Resolution des Christlichen Gewerkvereins gestimmt hätten, so namentlich in der Dortmunder Gegend und in Arnsberg in Westfalen. Regierungspräsident v. Bake richtet an die Benyl- kerung die Mahnung zur Ruhe. Es werde in dem öffentlichen Erlaß darauf hingewiesen, daß die preußische Verfastnng jedem Staatsbürger die Unverletzlichkeit seiner Person und seines Eigen­tums gewährleistet. Die persönliche Freiheit umsaste auch das Selbstbestimmungsrccht des freien Arbeiters darüber, ob er für seine Familie arbeiten wolle ober nicht. Um dieses verfostungs- mäßige Recht zu sichern, seien die Volizetbebörden angewiesen, mit unbedingter Strenge von vornherein dem Ernst der Loge Rechnung zu tragen und jedem Angriff auf Arbeitswillige und deren Eigen­tum sowie jeder Ausschreitung unnachsicktlich und erforderlichen Falles mit der Waffe entgegenzutreten. Der Erlaß ermabnt ferner die Ausständigen, ihre «wirtschaftlichen Kämpfe innerhalb der ge­setzlichen Grenze zu führen. Das Publikum wird eindringlich er­mahnt, sich von Ansammlungen auf der Straße oder sonstigen Un­ruhen fern zu halten.

Bochum, 10. März. Bis heute abend 9 Ubr lagen bei dem Alten Verband Berichte von 69 Versammlungen der Bergarbeiter, die von 140 000 Personen besucht waren, vor. Es ist demnach mit einem Gesamtbesuch von 150 000 Mann in den 80 abaehaltenen Versammlungen zu rechnen. Die Streikparole wurde allenthalben mit großer Begeisterung aufqenommen. Die Versammlungen waren zum Teil überfüllt, sodaß mehrfach Parallelversammlungen veranstaltet werden mußten. An den meisten Versammlungen nahmen auch christliche Bergarbeiter teil, die sich mehrfach an der Debatte beteiligten. Sie erklärten, daß sie unter keinen Um­ständen Streikbrecher würden. Sie würden geradesogut für einen besteren Lohn mitkämpfen wie alle anderen Kameraden. Die Ver­sammlungen sind überall ruhig verlaufen.

Bochum, 10. März. Der Alte Verband bat ein Flugblatt herausgegeben: Nachdem die Zechenverwaltungen des Ruhr- reviers die selbst von dem Christlichen Gewerkverein als berechtigt l

anerkannten Forderungen der Ruhrbergleute abgelehnt und auch den Ausfchüsten in den letzten Tagen nichts bestimmtes versprochen haben, hat die in Herne stattgefundene Revierkonferenz, die von etwa 609 Delegierten besucht war, beschlosten, in den Streik zu treten. Kameraden! Nie war die Zeit so günstig, etwas zu er­reichen als jetzt. Denn die englische Kohlenzufuhr ist durch den englischen Riesenstreik ganz abgeschnitten. Die Konferenz richtet an alle Ruhrbergleute den dringenden Appell zur Besonnenheit, Ruhe und Disziplin. Gleichzeitig verpflichtet die Konferenz alle Nuhrbergleute zur strengen Meidung des Alkohols. Hoch die Einigkeit und Disziplin der Ruhrbergleute!

Dazu wird weiter gemeldet:

Essen, 10. März. In dem Flugblatt, das vor der Dele­giertenversammlung bereits gedruckt vorlag, wird betont, daß die bekannten Forderungen des Dreibundes von dem Christlichen Bergarbeiterverband als berechtigt anerkannt worden feien. Zu dieser überraschenden Behauptung, die mit der bisherigen Stellung der Führer des Christlichen Eewerkvereins nicht in Einklang ge­bracht werden kann, wird der Christliche Verband selbst noch das Wort nehmen. Was die zweite Behauptung anbelangt, die Zechen­verwaltungen hätten den Ausschüssen in den letzten Tagen nichts Bestimmtes versprochen, so sei demgegenüber darauf hingewiesen, daß nach Zeitungsmeldungen nur zwei Arbeiterausschüste sich an ihre Verwaltungen gewandt haben mit dem Anträge, die For­derungen des Dreibundes zu besprechen. Dagegen hat bereits eine große Anzahl von Zechen aus eigener Initiative, ohne daß ein Antrag der Arbeiterausschüste vorlag, diese für die nächsten Tage zu Sitzungen eingeladen, um die schwebenden Fragen zu besprechen.

Gelsenkirchen, 11. März. Im Gelsenkirchener Revier beträgt der Sollbestand der Belegschaft 10142 Mann. Davon sind angeiahren 7954 Mann, es fehlen 2183 Mann gleich 21,57 Prozent.

Veuthen, 11. März. Im hiesigen Bezirk fanden gestern 40 Bergarbeiterversammlungen statt, in denen dringend vom Streik abgeraten wurde. Der Arbeiterausschuß wurde aufgesor- dert, mit den Erubenverwaltungen erneut zu verhandeln, damit die Lohnerhöhung auf friedlichem Wege durchgesetzt werde.

Brüx, 11. März. 400 Vertrauensmänner der Tschechisch- Nationalen und Tschechisch-Anarchistischen Bergarbeiterorgani­sationen haben ein gemeinsames Vorgehen mit der sozialdemo- kratiscben Organisation hinsichtlich deren Lobnsorderungen sowie die Il-'berreichung eiaener Forderungen beschlosten.

Paris, 11. März. Der für heute festgesetzte 24stündige Streik der französischen Bergleute, welcher die Aufmerksamkeit des Parlamentes auf ihre Forderungen leken soll, verlief bisber ohne Zwischenfall. Vollständiger Streik herrscht in Treta sDeparte- ment Bouches du Rhone), ferner in St. Etienne, Terre-Loire, Crancae und de Cazeville sowie im Schieserbruche von Trelaze, teilweiser Streik in Roche-la-Moliäre, St. Chantant, im Tal des Gera und im Steinbruche von Segre.

. Paris, 11. Marz. Der Ausstand ist vollständig in den Bergwerken von Lena, Lievin, Flines, Montceau-les-Mines und Epinae. teilweise in den Borawerken van Betbune, Norin, Doucky. Anich, Morles, Mais und Commentry. In Bruay fehlte niemand bei der Arbeit, in den Steinbrücken von Mayenne fast niemand.

London, 11. März. Die Bergarbeiterführer und Dele­gierten kommen nachmittags in London an, nm nachts an einer Versammlung des Bergarbeiterverbandes teilzunehmen. Es wird als sicher angesehen, daß die Bergleute einwilligen, sich an der ge­meinsamen Konferenz mit den Grubenbesitzern zu beteiligen. Ob­wohl keine authentische Nachricht zu erhalten war, wird angenom­men, daß diese gleichfalls teilnehmen werden.

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Der Kriea um Divolis.

Die Mächte haben sich endlich zu dem ersten Schritt entschlosten, um zwischen Italien und der Türkei zu intervenieren. Sie haben sich zunächst nach den Friedensbedinqungen Italiens erkundigt. Es dürfte allerdings, wie man hört, noch eine Reihe von Tagen vergehen, bevor die Antwort Italiens einläuft. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Italien seine Ant­wort schriftlich formuliert und damit ein« Grundlage für weitere diplo­matische Bemühungen zur Verfügung stellt.

Die Meldung, daß Smyrna von. italienischen Kriegsschiffen bom­bardiert worden sei, hat sich nickt bestätigt. Aber man hat zugleich er­fahren, worauf dieses Gerücht zurückzuführen ist, nämlich auf die Unter­brechung der telegraphischen Verbindung SmyrnaKonstantinopel. Und gleich,zeitig wird nun bekannt, daß die italienische Zensur von jetzt ab all« Meldungen über die Bewegungen der italienischen Kriegsschiffe unterdrückt. Das weist alles darauf hin, daß «ine neue Aktion bevorsteht, außerdem ist zu beachten, daß der italienische Ministerpräsident Gtolitti sich darüber, wann er die Antwort auf den ersten Schritt der Mächte zur Einleitung von Friedensverhandlungen erteilen wird, die Bestimmung vorbehalten hat. Er scheint also den Erfolg irgendeeines beabsichtigten militärischen Schlages abwarten zu wollen.

Es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß die neue Aktion sich gegen di« Dardanellen richtet. Es versteht sich von selbst, daß man ins­besondere in Marinekreisen unter diesen Umständen den Ereigniffen der nächsten Tag« mit lebhafter Spannung entgegensieht. Die Dardanellen- straße ist bekanntlich an ihrer engsten Stelle nur 750 Meter breit und gerade an dieser Stell« sind die beiden Ufer mit starken modernen Batte­rien bewehrt. Außerdem hat die Türkei noch die beiden Kriegsschiffe zur Verfügung, die sie im vorigen Jahre von Deutschland erworben hat. Die Meerenge ist also mrteid'igungsfähig und wird sicherlich mit großer Energie verteidigt werden. Trotzdem hält man in fachmännischen Krei­sen einen Erfolg der italienischen Flotte nicht für ausgeschloffen, voraus­gesetzt, daß der Vorstoß mit der nötigen Umsicht und Energie unternom­men wird. Aber ohne schwere Verlust« werden die Dardanellen sicherlich nicht zu forcieren fein.

Und dann kommt erst die zweite Frag«, der man erheblich skeptisch gegenübersteht, die Frage nämlich, was mit der Forcierung politisch zu

erreichen sein wird. Eine Landung italienischer Truppen ist offenbar aus- geschloffen. Durch das Bombardement allein werden sich die Türken nicht klein fliegen lassen. Di« ganze Aktion ist also nur als Mittel zu bent Zweck, eine politische Intervention herbeizuführen, erklärlich.

Tripolis, 11. März. (Agenzia Stefani.) Gestern früh 4 Uhr griffen ungefähr 500 Araber mit regulären türkischen Truppen eine Schanze bei Ain Zara in einer sehr ausgedehnten Front an, wobei sie aus 700 Meter herankamen. Von der Schanze blieb das Feuer unerwidert. Um 5 Uhr 30 begann der Feind unter Kampfesgeschrei weiter vorzugehen. Daraufhin wurde auf der Schanze gefeuert, zunächst nur von den beste« Schützen: auch die italienische Artillerie gab einige Schüsse auf 700 Meter auf Gruppen von 200 bis 300 Arabern ab. Der Feind begann mit dem Rückzüge, bei dem er von italienischer Artillerie verfolgt wurde, die aus die deutlicher stchtbaren Gruppen schoß. Um 7 Uhr 30 war dem Rückzug des Feindes allgemein. Die gegnerischen Verluste sind sicher beträchtlich, denn von der Schanze wurde deutlich beobachtet, daß in den feindlichen Reihen der Sanitätsdienst mit Tragbahren in reger Tätigkeit war. Die Italiener hatten keine Verwundete. Nachs um 11 Uhr wurden verdäch­tige Araber, von denen zwei mit Martinigewehren bewaffnet waren, von Ascaris festgenommen, s

Paris, 11. März. Der im türkischen Hauptquartier in Azizie be­findliche Berichterstatter desTemps" meldet: In der Nacht vom 9. März gelang es den Türken, in Ain Zara einzudringen, wo sie zwei Gebäude in Brand steckten. Darauf fand bei Hamet Bey Adim ein lebhaftes Ge­fecht statt, in welchem die Türken vier Tote und neun Verwundete hatten.

Konstantinopel, 11. März. Der Kommandant der Türken von Benghasi telegraphiert: Eine türkisch-arabische Abteilung näherte sich in der Nacht zum 1. März den italienischen Stellungen bei Tobruk und erbeutete einigen Proviant. Am 3. März nachts zerstörte eine Abteilung von 50 Mann eine im Bau befindliche Befestigung. Am 4. März früh entftanb mit den Italienern ei nfünfftündiger Kampf, in den auch di« italienischen Landbatterien und Panzerschiffe eingriffen.

Politische Umschau.

Zur Präsidentenwahl

wird in den einzelnen Parteiblättern noch sehr viel geschrieben. Freisinnige Blatter faseln von einer Mehrheit der Linken, die sich bei der Wahl Kampfs gezeigt habe, erzählen freilich zu gleicher Zeit von 13 Fehlenden, von denen 9 der Rechten angehören. Uns sieht das nicht wie Mehrheit aus, obwohl ein anderes links­liberales Blatt zu berichten weiß, daß nicht 9 Vertreter der Rechten gefehlt hätten, sondern die Rechte den letzten Mann aufgeboten hätte. Das alles sind Mätzchen, und man sollte sich auf der Linken endlich damit abfinden, daß wir klare Mehrheitsverhältniffe nicht haben. Eher könnte man das Präsidium aus den beiden liberalen Parteien als Präsidium der Minderheit bezeichnen, namentlich wenn man in Betracht zieht, daß die Sozialdemokraten nicht darin vertreten sind. Die Konservativen erklären parteioffiziös, daß sie dem Präsidium keine Schwierigkeiten machen wollten, was ihnen, wie die Zahlen beweisen, eine Kleinigkeit wäre trotz der Rechen­künste des ,Berl. Tageblattes". Das scheint auch selbst Herrn Kämpf einzulenckten, von dem berichtet wird, daß er die offizielle Wohnung des Präsidenten nicht zu besiedeln gedenke. Es lohnt ihm nicht: denn außerdem schwebt noch ein peinliches Verfahren aeaen fein Mandat. Die verbündeten Genossen wollen ihm die sieben Ministersiimmenmehrheit streitig macken, und sie sind rabiat genug, nickt einmal aus Achtung vor der neuen Präsidenten­herrlichkeit ihren Protest zuruckzuzieben. Die Gencssen haben sich in ihr Los, im Präsidium nicht beteiligt zu fein, gefunden unter einigen Ausfällen gegen die Nationalliberalen, die sie ausgeschlos­sen haben. Nur die freisinnigen Organe zerdrücken in stiller Wehmut einige Tränen darüber, daß Herr Sckeidemann hat wei­chen Missen und daß dieverbissene Rechte" Herrn Dove gewählt bat. dieselbe Rechte, die man angeblich zerschmettert hat. Trüb sieht es dagegen auf bet rechten Seite des Hauses aus. Roch immer tobt der Kampf zwischen Konservativen und NationalliHe- ralen. Man kann nur wünschen, dost die unfruchtbaren Partei­streitigkeiten endlich verschwinden. Die Nationalliberalen haben aus der Stimmung im Lande nach der ersten Mahl aeseben, daß mit dem Großblockschimmel kein Rennen zu machen ist. Nun ist zu hoffen, daß die Parteien sich reckt bald zu einer nationalen Ar- beitsmebrheit zusammenfinden, wozu die Notwendigkeit und die Möglichkeit gerade bei der neuen Heeres- und Flottenvorlage ge­geben ist.

-------- D-uMes Reich-

Auslandsreise des Kronprinzen von Sachten. Dresden, 11. März. Kronprinz Georg von Sachsen trat heute vormittag seine Auslandsreise nach dem Süden an. Der König sowie die Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses geleiteten ihn nach dem Bahnhof.

Prinzregent Luitpold von Bayer« vollendet am heutigen Diens­tag fein 91. Lebensjahr.

Oberbürgermeister Kirschner. Berlin, 11. März. Heute vormittag begab sich Bürgermeister Reicke in Gemeinschaft mit den ältesten besolde­ten und den ältesten zur Zeit anwesenden Magistrawmiwliedern Ge- heimrat Marggras und dem Syndikus Hirsekorn zum Oberbürgermeister, um ihm den lebhaften Wunsch des Magistratskovegiums vorzutragen, daß er weiter im Amte verbleiben möchte. Im Laufe der Unterhaltung er­klärte der Oberbürgermeister, daß er bereit sei, feine endgiltige Entschlie­ßung bis aus weiteres hinauszuschieben.

Die Wehrvorlage. Berlin, 11. März. Di«Nordd. Allgem. Zig." meldet: Die leitenden Minister der Bundesstaaten treffen am Donners­tag zu einer Besprechung mit dem Reichskanzler über die Wehrvorlage unb ihre finanzielle Deckung in Berlin ein.

-------- Ausland.

** Zur Lage in China. Peking, in. März. Puanfchikai wurde zu» provisorischen Präsidenten in den neuen Waiwupupalast eingesetzt. Ein Manifest begnadigt alle Gefangene außer Mörder und Räuber und erläßt die schon fällig gewesenen, aber noch nicht bezahlten Grundsteuern, (fe