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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .^Landwirtschaftliche Beilage".

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TieCberbtflifd!« Zeitung" erfcheint täglich mit kurnah.n« der Senn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 8.25 <X (ohne Bestellgeld), oer unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei in» Hau». (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine'lei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buck,bruckerei I. A. Koch (Ink.: Dr. C. Hitzerath), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonntag, 10. März

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeil« »der deren Raum.15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen di« Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt alS Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenoorschrist und Beleglieferuug anSgeschloffen. Zahlungen im Post- scheckoerkehr ohne Portokosten unter Nr. 6015 de» Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Wochenrundschau.

Die vergangene Woche gehörte den Frauen. Nach dem be­währten Vorbilde der Männer hatten sich die Frauen in Berlin zu einem Frauenkongreß zusammengefunden, auf dem natürlich viel und lange geredet wurde. Geredet haben ja die Frauen zu allen Zeiten. Wie wäre man auch sonst auf die Mahnung ge­kommen: Taceat mulier in ecclesia! Im Mittelalter war der volkstümliche Prediger Abraham a Santa Clara der glühendste Verächter der Frauen, weil sie in der Kirche zuviel initredM» wollten. Heute aber wird nicht mehr zügellos und in buntem Durcheinander geschwatzt, sondern in einem wirklichen Kongresse behandeln die Frauen nach parlamentarischen Regeln in Rede und Gegenrede die ernsthaftesten Themata, z. B.Die Frau in Haus und Beruf",Die Wirksamkeit der Frau in der Staat und auf dem Lande",Frauenbildung und Frauenftudium" usw. Man wird der Frauenbewegung, sofern sie die von Natur und Gewohn­heit gesteckten Grenzen innehält, die Berechtigung nicht absprechen können; die Frau ist nun einmal durch die soziale und wirtschaft­liche Entwicklung mitten in das öffentliche Leben hineingestellt, auch sie mußhinaus ins feindliche Leben". In welchem Wir­kungskreise sie sich aber auch immer befinde, niemals darf sie ver­gessen, daß sie von Natur aus zur Mutter und zur Pflegerin des vestalifchen Feuers des heimischen Herdes berufen ist. Die eng­lischen Frauenstimmrechtlerinnen haben diese, ihre eigentliche Be­stimmung scheinbar vergeßen; sie führen einen Vernichtungskrieg gegen Fensterscheiben. An dem Gebaren der englischen Suffra- gettes, deren Kampfmittel nicht mehr die spitze Zunge, sondern der in Flanell gewickelte Pflasterstein ist, steht man, wohin die Bewegung führt, sofern Maß und Ziel aus dem Auge gelassen werden.

Eine Frau, brennend vor Kampfbegierde, ist die sozialdemo­kratische Führerin Rosa Luxemburg. Sie hat in der russischen Re­volution auf den Barrikaden von Warschau gekämpft, sie hat schon in Jena dem gesamten Parteivorstand, weil er ihr zu wenig radikal war, den Fehdehandschuh hingeworfen; sie liest dem Vor­stande der sozialdemokratischen Partei auch jetzt wieder die Le­viten, weil er das Stichwahlbündnis mit der Fortschrittspartei eingegangen ist. In diesem Wahlbündnis, das von derLeipziger Volksztg." enthüllt worden ist, hat sich die Fortschrittliche Volks­partei, die ja noch immer auf die Bezeichnung einer bürgerlichen Partei Anspruch macht, zur direkten Wahl des Sozialdemokraten in 31 Wahlkreisen verpflichtet :dafür sollten die Sozialdemokraten ihre Agitation gegen die Freisinnigendämpfen". Der Freisinn hat dieses Bündnis mit dem Umsturz geheim gehalten, einesteils wohl aus Scham, andernteils, um hier und da auch noch die Stim­men der rechtsstehenden Wähler zu ergattern. Jetzt freilich dürfte es aus sein damit.

Endlich hat nun die definitive Präsidentenwahl stattgefun­den. Den genauen Hergang samt den Resultaten finden unsere Leser im Parlamentsberichte verzeichnet. Das Interesse an dem endgültigen Ausgang war ja schon längst im Volke abgeflaut, und die jetzige Zusammensetzung ist nicht geeignet, der ganzen Frage nochmals besonders nahezutreten. Die drei stärksten Fraktionen sind ausgeschaltet und die fünftstärkste entsendet gleich zwei Mann in das Präsidium des deutschen Reichstages. Ausgefchaltet sind diesmal die Genossen, und der Humor der Geschichte liegt darin, daß der Freisinn, dessen völlige Abhängigkeit von den Genossen durch die Indiskretionen der Frau Rosa Luxemburg in derLeipz. Volksztg." vor aller Welt gekennzeichnet ist, sich auch gestern als Helot der Sozialisten gebärdete. Er versuchte, Herrn Scheidemann als Vizepräsidenten zu halten gegen den Nationalliberalen Paasche, der mit den Stimmen der Rechten gewählt wurde. Der Sozialist Scheidemann war dem Fortschritt, der sich nach Herrn von- Payer alsbestes Bollwerk gegen die Sozialdemokratie" fühlt (!!!), lieber als der nationalliberale Blockfreund Paasche. Von besonderer Einigkeit der Linken zeugt das nicht. Den Gipfel der politischen Verworrenheit erreichten aber die Freisinnigen, als ihr Abgeordneter Dove mit den Stimmen der Rechten gegen ihre eigenen Stimmen, die natürlich wieder dem Genossen zufielen, gewählt wurde und Herr Dove annahm. Die Rechte hätte es in der Hand gehabt, als schwarzes oder blaues Feigenblatt, wie Herr Paafche sagt, in dem Präsidium zu figu­rieren. Sie hat es abgelehnt, indem sie an Stelle des zweiten Vizepräsidenten für einen weiteren Freisinnigen sorgte. Von einem Mehrheitspräsidium kann ja sowieso nicht die Rede sein. Es hing an einer Stimme, so wäre Herr Spahn gewählt worden. Sehr richtig sagen dieLeipz. N. N.":Wäre Herr v. Hertling nicht Minister geworden, wäre der Konservative v. Michaelis, der Zentrumsmann Marx nicht krank gewesen, dann wäre der Sieger sieglos geblieben. Und Peter Spahn wäre in Glorie dort oben erschienen!" Nun ist das sogenannte Geschäftspräsidium fertig, woran das erfreulichste ist, daß Herr Scheidemaun ihm nicht mehr angehört. Ein erfreuliches Schauspiel bot der Reichs­tag bei der ganzen Wahlangelegenheit gewiß nicht. Hoffen wir, daß es besser wird.

Die Italiener haben von dem Operettensiege von Beirut noch Picht genug; sie gehen anscheinend mit der Absicht um, ähnliche Veunruhigungsaktionen folgen zu lassen und sich womöglich auf hie Dardanellen zu stürzen. Freilich dürften sie sich das dreimal

überlegen, weil sie dann fast alle Großmächte gegen sich hätten. Jedenfalls aber scheint trotz aller freundschaftlichen Friedens­vermittlungen auf beiden Seiten die Kriegslust eher zu wachsen.

In China scheint es so, als hätten die führenden Männer der Republik die Zügel aus den Händen gleiten lassen. In dem Auf­stande der republikanischen Truppen mußten mehrere Europäer, darunter auch der deutsche Arzt Schreyer, ihr Leben lassen. All­mählich sind aber Sunyatsen und Juanschikai wieder zu Herren der Situation geworden, und es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als in der Republik mit derselben rücksichtslosen Strenge zu riegeren, wie sie unter der Herrschaft der Kaiserdynastie zur traditionellen Gepflogenheit geworden war.

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Deutsches Reich,

Som Kaiser. Bremen, 8. März. Der Kaiser traf in Be­gleitung des Prinzen Heinrich von Preußen mit Gefolge in Auto­mobilen, von Cuxhaven kommend, um 12% Uhr vor dem Verwal- tungsoebäude des Norddeutschen Lloyd ein, wo er von dem präsi­dierenden Bürgermeister Stadtländer und dem Präsidenten des Aufsichtsrats des Norddeutschen Lloyd Konsul Achelis und Direk­tor Heineken empfangen wurde. Nach etwa einstündiger Anwesen­heit im Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd wurde die Fahrt zum Ratskeller fortgesetzt. Vor dem Ratskeller wurden dem Kaiser zahlreiche Blumensträuße überreicht, u. a. von der Frau Konsul (Selbes, mit der sich der Kaiser mehrere Minuten lang unterhielt. Die Straßen, durch die der Kaiser fuhr, waren mit Fahnen reich geschmückt. Das Publikum bereitete dem Kaiser allenthalben lebhafte Ovationen. Im Ratskeller hatte sich ein außerordentlich zahlreiches Publikum eingefunden, das den Kaiser mit Hurrarufen empfing. Der Kaiser wird bis gegen 3 Uhr im Ratskeller verweilen und hier in Gesellschaft des Senats und bet Herren vom Norbbeutschen Lloyd das Frühstück einehmen. Der Kaiser verweilte bis 3 Uhr 10 Min. int Ratskeller. Beim Ver­lassen desselben wurden wiederum herzliche Ovationen dar­gebracht. Im Automobil des Kaisers nahm Bürgermeister Stadt- länder Platz. Auf dem Bahnsteige verabschiedete sich der Kaiser auf das herzlichste von dem Bürgermeister. Die Abfahrt erfolgte 3 Uhr 19 Min. Der Kaiser wird um 9 Uhr 45 Min. auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin eintreffen.

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Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orgtnalarttkel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Ooerhess. Ztg." gestattet.)

Marburg, 9. März.

* Bon bet Marburger Kreisbahn. Dem Etat bei Kreisbahn für das Rechnungsjahr 1. April 1912 bis 31. März 1913 entnehmen wir, daß an Einnahmen folgende Posten vorgesehen sind: Personen- und Gepäckver­kehr 44 300 Güterverkehr 32 315 sonstige kleinere Posten 620 M, 424 M, 70 und 9980 M, zusammen 87 709 ,K. Die Ausgaben sind auf 80 485 Ji berechnet. Mithin Ueberschuß 7224 <«. Nach Abzug aller Unkosten bleiben durch Kreissteuer zu decken 43 172,18 M.

* Zn den Ruhestand versetzt wurde der Pförtner Kühn an der Landesbeilanstalt zu Marburg vom 1. Mai d. I. ab.

* Lohnbewegung der Schneider. In vielen Städten Deutsch­lands sins bekanntlich die Schneidergehilfen in eine Lohnbewe­gung emgetreten. Wie wir erfahren, soll auch hier, da keine Eini­gung zwischen den Gehilfen und Meistern zustande gekommen ist, von nächsten Montag die Arbeit ruhen. Don der Aussperrung sollen etwa 40 Schneidergehilfen betroffen werden.

* Ausstellung eines Preises. In dem Schaufenster der Firma H. B. Schneider, Herrenmodeartikel. Neustadt 16, ist ein silberner Pokal ausgestellt, welchen der deutsche Reichsausschuß für olym­pische Spiele im Jahre 1911/12 dem Deutschen Futzballbunde für die Fußballmeisterschaft des akademischen Sportbundes stiftete. Dieser Pokal wurde von der akademischen Mannschaft des Vereins für Bewegungsspiele Marburg errungen.

* Zur Zigeunerplage. Aus Lützel im Siegerland wird ge­meldet: Seit einiger Zeit treibt sich in hiesiger Gegend ein grö­ßerer Trupp Zigeuner umher. Zuerst lagerte er in der Nähe von Altenteich. Von hier haben die braunen Gesellen sich in den fis­kalischen Wald zwischen Lutze und Hohenroth gewandt und dort ihr Lager aufgeschlagen. DerZ. f. d. D." wird geschrieben: Warum sucht man nicht nach den drei Mördern Ebender in unserer Räbe? Frifchbenutzie Lagerstätten kann man unweit der Kreis­grenzen Biedenkopf-Dillenburg jeden Tag finden! Bevorzugte Plätze sind die Gemarkungen Lixfeld, Hirzenhain, Eiershausen und Nanzenbacher Höhe. Wie man aus hinterlassenen Konserven­büchsen (Große Frankfurter!) sicht, leben die Leute gar nicht schlecht, zumal sicherlich nebenbei so manches Reh und mancher Hase in die Kochtöpfe wandert. Warum geschieht nichts gegen diese Landplage? Die Gendarmen freilich können nicht abends aufs Geratewohl in den Waldungen herumstreifen, wenn man aber für diejenigen, die ein besetztes Zigeunerlager zur Anzeige brächten, 540 aussetzen wollte, würde man der Schmarotzer bald hab­haft werden. Dann aber fort auf ein Schiff, und sämtliche fah­renden Zigeuner nach Reu-Kamerun gebracht?

* Schweinemarkt. Am nächsten Donnerstag findet hier ein Schweinemarkt statt. Bemertt sei, daß nur Schweine aus den seuchenfreien Bezirken des Regierungsbezirks Cassel, also nicht aus den Orten des Regierungsbezirks Wiesbaden und aus dem Darmstädtischen zugefahren werden dürfen.

Bersammlungen, Konzerte, Theater, Bergnügungsnachrichten usw.

* Parolemufik findet bei günstiger Witterung am morgigen Sonntag von 121 Uhr auf dem Wilhekmsplatz statt. Programm:

I 1. Parademarsch, von Möllendorf; 2. Ouvertüre z Op.Zampa", von Herold; 8. Phantasie a. d. Op.Lohengrin", von R. Wagner; 4. Paraphrase über KrömersGrüße an die Heimat", von Rehl; 5. La Barcarolle, Walzer a. .Hoffmanns Erzählungen", voll Offenbach; 6.Alte Kameraden", (Marsch), von C. Teile.

* Der hiesige Schützenverein begeht im Juni d. I. sein Sv- jähriges Bestehen durch ein Volksfest.

* Der Oberhess. Touristen-Verein unternimmt morgen eine Halbtagstour über Lummersbach, Hermershausen, Friebetts« hausen nach hier. Der Abmarsch erfolgt um iy2 Uhr vom Wil- Helmsplatze au«.

t Ockershausen, g. März. Di« Eheleute Fabrikarbeiter Konrad Schrot II. begehen am nächsten Montag silberne Hochzeit.

Ockershausen, 8. März. Bei der hiesigen Gemeinderatswahl wür­ben gewählt: In bet 1. Klasse Ackermann Konrad Echrodt I., Ackermann Rietet Meise! und Kaufmann Peil, in der 2. Klasse Ackermann Ruppert Muth und Ackermann Konrad Herd, in der 8. Klasse Schreiner Justus Keller und Steinhauer Johannes Huth.

+ Wehrda, 9. März. Bei der vorgestrigen Gemeindevertreterwahl wurden gewählt in her 1. Klasse der bisherige Bertreter Landwirt Heinr. Löwer einstimmig, in bet 2. Klasse Gastwirt Earl Greif unb Landwirt unb Schreinermeister Wilhelm Buckler, in bet 8. Klasse Maurer Heinrich Frös.

:!: Wehrda, 8. März. Der hiesige Gesangverein begeht am 9. Juni sein Sommerfest. Das Nähere wirb noch im Inseratenteil bekannt ge­geben.

A Cölbe, 8. März. Gestern würbe hier von einem Auto eine mehr­fach prämiierte Zuchtgan» totgefahren. Der Autoführer kümmert« sich nicht um ben Unfall unb fuhr weiter. Die Automobile fahren überhaupt in bet letzten Zeit so schnell unb so unvorschristämätzig durch unseren Ort, daß Abhülfe dringend wünschenswert erscheint.

V Frankenberg, 8. März. Heute Mittag ertönte der Ruf Feuer. Es brannte in dem Hintergebäude des Kaufmanns Heinze hier, welches auch vollständig niederbrannte. Durch da» schnelle Eingreifen der Feuerwehr wurde eine Ausdehnung des Feuers verhindert. Wahrscheinlich ist das Feuer durch da» Explodieren von Pulver entstanden, bei welchem der Lehrling des p. Heinze so erhebliche Brandwunden davontrug, daß er in die Klinik nach Marburg gebracht werden mußte.

Homberg, 8. März. Beim letzten Gewitter schlug der Blitz in bie Wohnung bes Fruchthänblcrs Griesel, zertrümmerte bas Dach, zündete aber nicht, sodaß der Schaden nur gering ist.

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Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Eschwege, 8. März. In der Nähe unserer Station wurde gestern von einer Anzahl halbwüchsiger Burschen ein Stein­bombardement gegen den O-Zug London-Köln eröffnet, wobei zahlreiche Fenster zertrümmert wurden. Mehrere Reisende wur­den durch Elassplitter verletzt. Die Statsanwaltschaft setzt eine hohe Belohnung auf die Ergreifung der Täter aus.

Kunst und Wissenschaft,

* Zur mitgeteilten Entdeckung des Südpols. Chriftiania, 8. März. Der König, die Regierung und die Geographische Ge­sellschaft haben an Amundsen Glückwunschtelegramme gesandt. Der König hat auf Ersuchen genehmigt, daß sein Name sowie der der Königin bei der kartographischen Aufnahme der neuentdecktcn Gegend benutzt wird. In der Börse wurde unter großer Begeiste­rung ein Hoch auf Amundsen ausgebracht. Die Stadt ist mit Flaggen geschmückt.

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Unpolitische Tagesnachrichten,

Das Urteil ini Prozeß gegen die Nackttänzerin Villauy. München, 7. März. Das Schöffengericht München hat den Direktor des Münchener Lustspielhauses Dr. Robert, die Tänzerin Villany und deren Impresario Rüttgers von der Anklage einer Übertretung bet Gewerbeordnung freigesprochen. Vorausgegan- gen war ein Verfahren wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit, das gegen die drei Angeklagten erhoben, dann aber eingestellt worden war. Der Amtsanwalt hatte gegen alle drei Angeklagten je 200 Geldstrafe beantragt. Die einzige Verurteilung, die bei diesem Prozeß herausgekommen ist, ist die des Druckers der Ein­ladungen, der unterlassen hatte, den Firmenaufdruck beizufügen und der zu 1 M Geldstrafe verurteilt wurde! Zeugen und Sach­verständige waren erste Führer der Münchener KLnstlerfchaft, u. a. die Professoren Fritz August von Kaulbach Exz., Hans von Petersen, Albert Keller, bie alle ben künstlerischen Wert ber Dar­bietungen betonten.

Plünderung. Paris, 8. Marz. In einem Vorort von Me­lilla würbe bie Eärtnerfamilie Eonzaletz von Marokkanern über­fallen, Eanzeltz, seine Frau unb seine 10jährige Tochter getötet, während zwei andere Kinder der Familie verschwunden find. Man nimmt an, daß sie von den Marokkanern verschleppt worden sind. Das Besitztum wurde vollständig ausgeplündert.

Unfall bei einer llebung. Innsbruck, 8. März. Bei einer Feldübung der Innsbrucker Militär- und Telegraphenschule zer­riß heute früh bei dem Versuch, einen Telephondraht und kam mit der Strakstromleitung in Berührung. Durch den elektrischen Schlag wurde der Kaiferjäger Posch sofort getötet, während zwei Soldaten leicht verletzt wurden.

Liebesdrama im Theater. H a I Le a. S., 8. März. Während der gestrigen Vorstellung im Apollotheater schoß im Zuschauer« raum eine Modistin auf ihren Geliebten, einen Referendar, und verletzte ihn am Rücken.

Grubenunglück. Essen a. d. Ruhr, 8. Marz. Auf der Zeche Scharnhorst" wurden beim Zubruchgehen von Bergversatz et» HilfsfteiOer getötet und zwei Bergarbeiter schwer verletzt.