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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den ^Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und Landwirtschaftliche Beilage".

M55

LleLbrrheflische Zeitung- erscheint täglich mit fcufr.ab.nt 6er eunn» unb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 5.25 <M lohne Bestellgeld^, oer unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unver­langt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Nedakticm keins'lei Verantwortung). 5ku<? und Verlag der Univ.-Buckdruckerei I. A. Koch (Jnb.r Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Mittwoch, 6 März

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 r*, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 <*. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschloffen. Zahlungen im Post­scheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

17. Jahrg.

1912.

(Srttpg Nl-itt.

Tie Beraarbeiterbewejumg.

Der englische Kohlenarbeiterstreik nimmt immer größere Dimensionen an. Der Eisenbahnverkehr ist eingeschränkt worden. Eine Station in London selbst und 14 Vorortstationen werden ganz geschloffen werden. In dem Militärlager von Aldershot sind alle Vorkehrungen für den Notfall getroffen. Eisenbahnerkom­pagnien in Longmoore sind bereit, den Betrieb der Strecken zu übernehmen, über die gegebenenfalls die Truppen befördert wer­den müffen. Die Zahl der Arbeiter in anderen Industrien, die schon jetzt infolge des Kohlenarbeiterausstandes beschäftigungslos geworden sind, wird auf mehr als 100 000 angegeben. Man hält eine Beendigung des Ausstandes frühestens vor Ende dieser Woche kaum für möglich.

Auch auf das Wirtschaftsleben der übrigen Länder wirkt der Bergarbeiterstreik ein. So ist z. B. in Nordfrankreich der Kohlen­preis plötzlich von 22% sh auf 32% sh pro Tone gestiegen. Außer­dem dürfte sich die Notwendigkeit ergeben, demnächst den Dampfer­dienst nach Newhaven und Folkestone einzuschränken. In Deutsch­land kann die Nückwirkung des englischen Niesenstreiks noch ernsterer Natur sein. Den Führern scheint übrigens ebenso wie in England die Leitung der Mafien nicht mehr möglich zu sein. Während sie die Arbeiter bisher noch immer zurückhalten konnten und auch vor den letzten Konsequenzen eines Lohnkampfes warnten, drängen die Mafien zu einer Kraftprobe. Es liegen darüber noch folgende Meldungen vor:

Dortmund, 4. März. Während die Frühbelegschaft der ZecheKaiserstuhl" vollzählig einfuhr, streikten bei Beginn der Nachmittagsschicht von 1000 Mann etwa 900. Auf der Zeche Scharnhorst" streikt der größte Teil der Belegschaft. Die Führer werden dort versuchen, die Streikenden zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. ' , , v

Dortmunds. März. Bon der aus 950 Mann bestehenden Frühschicht der dem Eisen- und Stahlwerk Hösch gehörenden Zeche Kaiserstuhl TT" sind nur 222 Mann angefahren. Die ganze Be­legschaft beträgt 3500 Mann. Auf der dem Harpener Bergbau­verein gehörenden ZecheScharnhorst" streikt die Hälfte der Früh- schicht. , ....

Bochum, 4. März. Der Alte Bergarbeiterverband erlaßt thten Aufruf an die Bergleute, in welchem er davor warnt, dem Beispiel der BeleaschaftenScharnhorst" undKaiserstubl" zu fol­gen, da sich diese eines Bruches der Disziplin schuldig gemacht hätten. Die Bergleute sollten ruhig bei der Arbeit bleiben und die Parole ihrer Führer abwarten.

Weiter wird gemeldet:

Dortmund, 4. März. Heute nachmittag fand in Hoberts- turg eine von etwa 3000 Bergleuten der ZechenKaiserstuhl 1, Kaiserstuhl 2" undScharnhorst" besuchte Belegschastsversamm- lung statt, in der über die Frage, ob der begonnene Streik fort­gesetzt werden soll oder nicht, diskutiert wurde. Nach dem Referat des Delegierten des Alten (sozialdemokratischen) Bergarbeiter­verbandes, in dem der Redner dringend die Wiederaufnahme der Arbeit riet, kamen zahlreiche Bergleute der genannten Zechen zu Wort, die fast alle für Fortsetzung des Streiks sprachen. Die Ver­treter der polnischen Berufsvereinigung und der Hirsch-Dunckerschen Vereine erklärten, diesen Streik nicht gutheißen zu können. Die Versammlung hatte häufig einen stürmischen, stellenweise sogar tumultuarischen Charakter, besonders als der Sprecher des Alten Bergarbeiterverbandes erklärte, daß die Organisation diesen Disziplinbruch" der genannten Zechen bedauere und keinerlei Verantwortung dafür übernehmen könne. Ein Beschluß darüber, ob^die Arbeit wiederaufgenommen wird oder nicht, wurde nicht gefaßt, es scheint aber sicher, daß ein großer Teil der Streikenden die Arbeit morgen wieder aufnimmt. Zn der Versammlung wurde noch bekannt gegeben, daß am Dienstag den 5. März die Antwort der Zechenbesttzer erwartet wird.

Zur Lage in China.

Wie berichtet wird, verlief die Nacht zum 3. März und der Sonntag in Peking ruhig. Der Sicherheitsdienst in der Stadt wird jetzt durch die frühere städtische Gendarmerie besorgt, die tn voller Stärke wieder herangezogen worden ist. Gestern nachmittag machten Abteilungen sämtlicher fremden Bewachungstruppen einen gemeinsamen Umzug durch die Stadt, der eine günstige Wir­kung hatte. Wie gemeldet, wurde der Deutsche Schreyer, als er sich zur Rettung der Familie eines deutschen Ingenieurs in das Ehinefenviertel begab, von chinesischen Soldaten durch Schüffe in Kopf und Unterleib getötet. Die Täter wurden ergriffen und sofort erschaffen. Iuanfchtkat sprach sein Bedauern über den Tod Schreyers au». Die deutsche Regierung wird für die Hinter­bliebenen eine hohe Entschädigung fordern. Der deutsche In­genieur Rademacher wurde durch einen Hieb über die Hand leicht verletzt. Das Konsulatskorps in Tientsin hat auf Bitte der chine­sischen Behörden veranlaßt, daß auch in dem Chinesenviertel von Tientsin ein Sicherheitsdienst eingerichtet wird, soweit die Kom­mandanten der fremden Truppen dazu in der Lage sind.

Die Delegierten Nankings ernannten die Deputation, die sich »ach Nanking begibt, um die Ansichten der fremden Mächte be- Eanntzugeben und die Bevölkerung Raulings die Notwendigkeit, Suanfchikai zu unterstützen, klarzumachen, sowie von der Notwen- gkeit eines festen Bündniffes der ständigen Nankinger Regierung Nit der Vekinser Regierung iu überzeugen. Weder die Regierung

noch die Delegierten glauben, daß eine Intervention der Mächte notwendig ist. "

Tientsin, 4. März. Obgleich heute in der ganzen Stadt alles ruhig ist, herrscht doch eine gedrückte Stimmung. Der ganze Handel stockt. Am meisten hatten die Pfandleihen unter Plünderungen zu leiden. Die Spuren der Ausrührer sind in tiKn bedeutenden Verkehrsstrahen wahr­zunehmen. In einigen c trafen liegen halbverbrannte Leichen auf dem Damm. Auch heute wurde wieder eine Reihe von Hinrichtungen voll­zogen. Zwei Kompagnien englischer Infanterie bleiben in Fengtai. die übrigen o-rhrn hiervor zurück. Großes Aussehen rief heute Nachmittag ein telephonische- Bericht des russischen Konsuls hervor, wonach 700 chinesische Soldaten in das Dorf Tatschiku, eine Meile von den Frem- denniederlafiungen entfernt, eingedrungen fein sollen und so gegen die Bestimmung der Abmachung gehandelt haben sollten, die, die Anwesen­heit chinesischer Trupp n innerhalb eines Umkreises von 7 Meilen um die Fremdenniederlaffung verbietet. Die fremden Militärbehörden be- schlofien, gemeinsam vorzugehen, um die Eindringlinge zu entfernen. Britische, deutsche, französische, russische und japanische Truppenabtei- lunqen wurden zu diesem Zwecke aufgeboten. Indessen stellte sich nach einer vorgenommenen Rekognoszierung die Nachricht des russischen Kon­suls als unrichtig heraus, da keine chinesischen Truppen das verbotene Gebiet betreten hatten. Es wurden jedoch Vorsichtsmaßregeln getroffen, um jede derartige Gebietsverlehung fofort zur Kenntnis zu bringen.

Peking, 4. März. In Beantwortung eines Berichts der Nan­kinger Delegierten, die sich jetzt in Peking befinden, erklärte Sunjatfen, er werde nicht länger darauf bestehen, daß Puanschikai Nanking besuche. Er billigte den Entschluß der Delegierten, vier aus ihrer Mitte auszu- wählen, die nach Nanttng zurückkehren sollen. Diese sollen dort die An­schauungen der Mächte darlegen und den Republikanern des Südens auseinandersetzen, wie notwendig es sei, Puanschikai zu unterstützen und wie erwünscht es wäre, wenn die Nankinger Regienlng nach Peking komme, um eine starke Koalition herbeizuführen. Infolgedessen bereiten sich die Deputierten auf die Abreise vor. Nach Gerüchten aus dem In­nern und nach Beobachten von Kruppen von Fremden, die täglich aus den nördlichen Gebirgen unaekahrdet tn der Stadt ankommen, wird überall von Banden von Soldaten geplündert. Peking ist über­raschend ruhig. Die Eesandtschasten sind jetzt der Meinung, daß die Ord­nung jetzt wiederhergestellt ist, wenn die dort weilenden Soldaten nicht auch meutern.

Köln, 4. März. DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: Zum Schutze der in China lebenden Deutschen sind 100 Mann der deutschen Besatzung von Tsingtau nach Peking beordert worden. Man hat sich mit dieser Zahl begnügt, da der deutsche Gesandte sie für den gegen­wärtigen Augenblick als ausreichend erklärte.

Köln, 4. März. DieKöln. Ztg." meldet aus Dortmund: Der in Tientsin ermordete deutsche Arzt Dr. Oskar Schreyer stammt aus Dort­mund. Seine Gattin weilt mit den Kindern in Hamburg.

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Politische Umschau.

Die Mittelmeerreise des Kaiser».

Hebet die Frühjahrsreise des Kaisers nach dem Süden sind ganz zuverlässige Angaben bisher nicht bekannt geworden unb das aus sehr begreiflichen Gründen. Die politische Lage ist immer noch nicht derart, daß sich für diese Reise ein ganz festes Programm fest­legen ließe. Es wäre denkbar, daß politische Ereigniffe noch einen Strich durch die kaiserlichen Reisepläne machen. Von der regel­mäßigen Reise zu der Rekrutenvereidigung in Wilhelmshaven, die der Kaiser am Sonntag antrat und mit der traditionsgemäß ein Besuch in Oldenburg und Bremen und, wenn es die Witte- rungsverhältniffe gestatten, dazwischen auch auf Helgoland ver­bunden zu sein pflegt, gedenkt der Kaiser am 8. März nach Berlin zurückzukehren. Am 23. wird dann voraussichtlich die Mittelmeer­reise angetreten, auf welcher der Kaiser von seiner Tochter, der Prinzessin Viktoria Luise, begleitet sein wird. Die Meldungen österreichischer Blätter, daß der Kaiser schon am 20. März zum Besuch bei seinem greisen Freunde und Verbündeten in Schön­brunn sein werde, klingt nicht glaubhaft. Eine mit großer Treue und Regelmäßigkeit erfüllte Pietätspflicht führt den Kaiser am 22. Marz als am Geburtstag seines unvergeßlichen Großvaters in das Mausoleum zu Charlottenburg. Auch aus diesem Grunde hat also der 23. als Reisetermin viel glaubhaftes. Die Ankunft auf Korfu ist für den 29. März in Aussicht genommen und der Auf­enthalt daselbst soll etwa 18 Tage dauern. Daß der Kaiser zwi­schen dem 23. und dem 29. März nicht nur den Kaiser Franz Josef, sondern auch den König Viktor Emanuel sehen wird, Hai viel Wahrscheinlichkeit. An welchem Tage und in welcher Weise die Zusammenkunft erfolgt, ob der Kaiser von dem österreichischen Kriegshafen Pola aus, wo ihn die .Hohenzollern" erwarten sollte, zu diesem Zwecke nach Venedig fährt, oder ob andere Dispositionen getroffen werden, das steht heute noch nicht fest. Mit der Tatsache der Begegnung dürfte aber zu rechnen sein. Auch das scheint fest­zustehen, daß die Kaiserin ihren hohen Gemahl diesmal nicht be­gleiten, sondern den Frühling in Homburg erwarten wird.

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Deutsches Reich,

Dom Kaiser. Oldenburg, 4. März. Um 8% Ubr vor­mittags lief der Hofzug mit dem Kaiser tn den festlich geschmückten Bahnhof ein. Ter Großherzog und der Erbgroßherzog, beide in Uniform, waren zum Empfang erschienen. Der Kaiser in Ad­miralsuniform begrüßte die Fürstlichkeiten herzlich und fuhr durch das Spalier von Soldaten und Schulkindern, von brausendem Jubel begrüßt, nach dem Elisabeth-Anna-Palais, wo eine Früh- stückstafel stattfand. Das Gefolge speiste im Alten Schlöffe.

Anträge der freikonservativen Partei im Abgeordneten­hause. Die freikonservatioe Fraktion des Abgeordnetenhauses hat folgenden Antrag eingebracht: die Königliche Staatsregterung zu ersuchen, mit Ausnahme der Provinz Posen Erhebungen darüber anzustellen, ob die Vorschriften der Kretsordnungen und der

Provinzialordnungen über das Wahlrecht zu den Kreistagen und den Provinziallandtagen den gegenwärtigen Verhältnifien noch entsprechen, und über das Ergebnis dem Landtage eine Denkschrift vorzulegen. In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat die Partei zur Frage der Altpensionäre folgenden Antrag ge­stellt: Die Kommission wolle beschließen: die Königliche Staats­regierung aufzufordern, ohne Verzug, jedenfalls mit Wirksamkeit vom 1. April 1912 ab, eine entweder durch besonderes Gesetz oder durch einen entsprechenden Vermerk im Statshaushaltsetat ge­regelte Erhöhung der Bezüge der vor dem 1. April 1908 in den Ruhestand versetzten Beamten und Lehrer, sowie der Witwen und Waisen solcher Beamten und Lehrer nach allgemein festzustellen­den Grundsätzen unter Berücksichtigung des Gesamteinkommen», jedoch ohne Antrag und ohne Prüfung der besonderen Bedürftig­keit, herbeizuführen. Hinsichtlich der Lehrer ist dabei die niedrige Anrechnung der Wohnungsentschädigung vorweg zu berücksichtigen.

Der Schneiderstreik. Berlin, 4. März. In der heutigen Streikversammlung der Berliner Schneider teilte der Bevoll­mächtigte des Schneiderverbandes mit, daß der Allgemeine Arbeit- geberverlländ für das Schneidcrgewerbe hierher mitgeteilt habe, es fei die Generalaussperrung in allen an dem Kampfe beteiligten Städten boMofien worden.

Jugendpflege. Im Jahre 1911 haben an den in den 30 Regierungsbezirken Preußens veranstalteten Iuaendpflegekursen 10 260 Lehrer, 1504 Lehrerinnen, 138 Schulaufsichtsbeamte, 182 Geistliche, 214 andere Beamte, 2167 andere Teilnehmer, darunter 400 Damen, im ganzen 14 465 Personen teilgenommen. Die Zahl der Teilnehmer an den von den Königl. Regierungen veranlaßten Turn- und Spielkursen in der Zeit von 1904 bis 1910 beläuft sich auf 47 517. Im ganzen hatten die vorerwähnten Kurse bis Ende des Etatsjahres 1911/12 61972 Teilnehmer. Es ist ein recht er­freuliches Zeichen, daß die von der Königl. Staatsregierung mit lebhaftem Interefie eingeleiteten Bestrebungen zur Förderung un­serer Jugend eine so starke Anteilnahme in weiten Kreisen der Bevölkerung gefunden haben. Der gesunde Zug, der mit dieser machtvollen und bedeutsamen Bewegung unter der Führung der Regierung durch unser Volksleben aeht. wird je länger, je mehr einen sickeren Damm gegen die volksvergiftenden Einflüffe zer­setzender Minierarbeit aufrichten. Es handelt sich bei den hohen Zielen für die körperliche Erziehung unserer Jugend int besten Sinne des Wortes um eine Sammlung der nationalen Kräfte.

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Der Czenttochauer Tensatlonsprozeß.

s. & H. Petrtka«, 4. ®lärj.

3um Schluß der Beweisaufnahme und vor Beginn der Plädoyers in dem Prozeß gegen die Klosterbruder von Czenstochau ereignete sich noch ein sehr auffälliger und charakteristischer Zwischenfall, der hier bas Tages» gefprärfj bildet und zu allerlei Vermutungen und Kombinationen Anlaß gibt. Die chjene spielte sich wie folgt ab: Der Angeklagte Mönch Ole- stnski wurde vom Vorsitzenden Erz. Wolkow zum Rickterttiche gerufen und noch;einmal aufgefordert, seine Wahrnehmungen über Iasna Gora, die er etwa noch nicht erzählt habe, hier mitzuteilen. Gleichzeitig wurde der Hauptangeklagte Damazy Mazoch ebenfalls vor den Richtertifch be- ordett. Olesinski erklärte nun mit großer Bestimmtheit, daß Damazy Mazoch unmöglich soviel Geld aus dem Klosterschatze gestohlen haben könne, wie et selbst angebe, er muffe andere geheime Quellen gehabt haben. Olesinski fragte dann den Angeklagten Damazy Mazoch wörtlich, indem er auf das vor den Richtern stehende Kruzifix hinwies:Sehe mir in die Augen und sage mit vor Gott, wann hast Du soviel Geld stehlen können, wie Du angibst." Mazoch: Um die Mittagszeit. Olesinski: Das war vollständig unmöglich. Die Türen, welche zur Schatzkammer fühtten, waren von innen mit großen Stabeisen verankert, mack konnte also von außen garnicht an die Schätze heran. Mazoch auf das Kruzifix hin­weisend: Ich schwöre bei Gott, daß ich mir bas Geld aus bet Kirchenkaffe holte. Olesinski in großer Erregung und die Faust gegen Mazoch ballend): Du Lügner und Mörder, sage doch hier den Herren Richtern die Wahrheit. Warum hast Du den Waczlaw ermordet. Gestehe es im An­gesichte des Kruzifixes Du hast es getan, weil Waczlaw Dir drohte, et werde Deine schrecklichen und ungeheuren Geheimnisse ans Licht bringen. (Allgemeine große Erregung.) Damazy Mazoch wurde aschfahl und konnte kein Mort hervorbringen. Der Vorsitzende, der dieses Zwiegespräch ruhig hatte geschehen laffen, erklärte nunmehr, daß eine weitere Unter­haltung der Angeklagten nicht angängig sei. In bet Bevölkerung schwit ten allerlei Versionen über den Zwischenfall. Man nimmt an, baß Ole­sinski Recht hat und daß Damazy Mazoch tatsächlich Geheimnlffe hatte, deren Aufdeckung durch Waczlaw er befürchtete, weshalb et ihn ermor­dete. Man schenkt auch der Aussage Glauben, daß die Geldmittel Mazoch» aus anderen Quellen geflossen sind, als er bisher selbst angegeben habe. Bon diesem Standpunkt aus wäre es auch erklärlich, baß Damazy Mazoch den Prior Reimann durch die Drohung gefügig machte, et werde dafür sorgen, daß die Regierung bas Kloster überhaupt schließe und das Kloster- vermögen konfisziere. >

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Ausland.

** Tripoli». Derna, 4. März. (Agenzia Stefans.") Gestern früh wurde ein Bataillon des 35. Infanterieregiments, das die Arbeiten an dem kleinen Fort Lombardia schützen sollte, plötzlich vom Feinde aus dem Hinterhalt angegriffen. Nach dretviertel- stündigem Kampf wurde der Feind von den italienischen Truppen durch mehrfache Bajonettangriffe aus seinen Stellungen vertrie­ben. Gegen 11 Uhr erneuerte der Feind den Angriff, «m die ver­lorenen Positionen zurückzuerobern, und zwar mit bedeutend stär­keren Kräften, die zu einer langen Front auseinandergetriebe« waren, damit sie die von dem italienischen Bataillon eingenom­mene Stellung leichter umgehen konnten. Dieser Umgehung»- versuch wurde durch die beschleunigte Ankunft des anderen Ba­taillons des 28. Regiments, des Bataillon» Alpini aus «dolo, da» durch Teile der Bataillone von Zvrea und Verona verstärk^