mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen- „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und Landwirtschaftliche Beilage".
M 53
1912.
Marburg
Sonntag, 3 März
Sie „Cbirlieüifdjt Scttim«“ ersqctm tagt ich mn »ViiaVJie vcr emn« und Feiertage. — Der Bezugspreis betrat vierteljährlich iurch die Post bezogen S.26 Jl lohne Bestellgeld), oci unseren Zeitungsstellen und der Expedition <Markt 21) 2.00 Jl frei ins Haus. (Für unver- längt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion feine-lei Verantwortung). Druck und Verlag bet Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 65.
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Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Woclienrundschcm.
Einigkeit von der „tief-schwarzblauen Rechten" bis zur hellroten Linken herrschte in diesem vom Parteihatz zerrissenen Reichstage, als es die Beratung einer weiteren Maßregel zur Bekämpfung des Mädchenhandels galt. Das Ausfiihrungsgesetz zum internationalen Abkommen gegen den Mädchenhandel wurde einstimmig angenommen: nur bedauerte Graf Kanitz, daß wichtige Staaten, z. V. Argentinien und Nordamerika, dem Abkommen noch nicht beigetreten sind. Gerade diese Staaten aber find das Dorado der Mädchenhändler. Solange es nicht gelingt, den Kreis zu schließen, wird so manches deutsche Mädchen das Opfer gewiffen- loser Seelenverkäufer werden.
Uefrer die künftigen Aufgaben des Reichstages, namentlich über die Wehrvorlage hat sich ein eifriges Rätselraten entspannen. Wie sollen die neuen Kosten bezahlt werden? Die linksstehenden Parteien behaupten, die Ausdehnung der Erbanfallsteuer auf Kinder und Ehegatten werde von der Regierung zur Deckung der Rüstungen vorgeschlagen werden, wobei bei der Linken wohl auch der sehnliche Wunsch Vater des Gedankens ist. Die Rechte sagt, die Regierung dürfe jetzt, wo Einigkeit nottut, nicht die unrentable und schon einmal abgelehnte Witwen- und Waisensteuer als Zankapfel zwischen die Parteien werfen; der Besitz laste sich bester und ergiebiger durch andere Steuern treffen. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß die Linksparteien die Ausdehnung der Erbschaftssteuer nur zum Zwecke der Agitation fordern. Inzwischen hat der Seniorenkonvent die definitive Präsidentenwahl auf den 8. März festgesetzt. Eine Einigung der Parteien in dieser wichtigen Frage ist zwar noch nicht erfolgt, aber man kann jetzt schon mit Bestimmtheit annehmen, daß sich unter den drei Neugewählten kein „Genosse" befinden wird.
Durch die Beschießung Beiruts ist die Kriegslust der Türken wieder entfacht worden. Der türkische Minister des Aeutzern bat nicht so unrecht, wenn er eine Revolution ankündet, sobald dem türkischen Parlament ein Friedensvertrag mit der Abtretung Tri- politaniens vorgelegt werden sollte. Anderseits beginnen die neutralen Mächte wieder mehr Intereste für die Kriegsvorgänge zu zeigen. Fast alle haben in der Türkei eigene Jnteresten wirtschaftlicher und politischer Natur zu wahren, und sie wachen eifersüchtig, daß diese Interessen- durch ein Ilebergreifen der Kriegsfurie nicht verletzt werden. Von diesem Standpunkt aus sind die von Rußland ausgegangenen und von den anderen Mächten der Entente und der Triple-Alliance unterstützten Versuche zur Anbahnung von Friedensverhandlungen zu beurteilen.
Der von der englischen Regierung und Industrie so sehr gefürchtete Kohlenarbeiterstreik ist nun doch zum Ausbruch gekommen. Fast eine Million Bergleute befinden sich im Ausstande, dazu kommen die unfreiwillig feiernden Industriearbeiter. Der Kampf dreht sich um gesetzlich festzulegende Minimallöhne. Bekanntlich ist das Leben in dem gepriesenen Freiheitslande England sehr teuer. Die Arbeiter fordern nun einen auskömmlichen Mindestlohn, der von Zeit zu Zeit gesetzlich festgelegt werden soll. Die Regierung und die öffentliche Meinung ist in Anschauung der Streikgefahren für einen solchen Mindestlohn, die Industriellen aber, die die Kosten bezahlen sollen, sind zum großen Teil dagegen. Nun ist der offene Kampf da, Aufruhr und Unruhen stehen zu befürchten.
Die chinesische« Staatsmänner machen alle Anstrengungen, ihrer Republik die Anerkennung der Großmächte zu verschaffen. Ob das so schnell gehen wird! Erfreulich ist, daß sich die meisten europäischen Staaten, auch Deutschland, auf eine Aufforderung des amerikanischen Staatssekretärs Knox zu eventuell gemeinsamem Vorgehen gegenüber Ehina in zustimmendem Sinne geäußert haben. So wird es eher möglich fein, datz Europa gegenüber dem chinesischen Riesen seine „heiligsten Güter" wahre.
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Die blamierten MittcleuropSer.
Bereits während der Stichwahlen tauchte die Nachricht auf, daß zwischen Freisinn und Sozialdemokratie ein festes Wahlbündnis geschloffen worden sei. Die Blätter der Linken zogen es freilich vor, diese Tatsache nicht weiter zu erörtern, trotzdem zeigte die Haltung der Parteien deutlich, daß dem so war. Ja, man konnte sogar beobachten, datz freisinnige Blätter, z. B. die „Franks. Ztg.", von den Sozialdemokraten verlangten, daß sie den Wahlkampf gegen die Fortschrittler ganz aufgeben. Alles dies erhält fetzt eine besondere Beleuchtung dadurch, daß von sozialdemokratischer Seite das Stichwahlabkommen zwischen Freisinn und Sozialdemokratie in das hellste Licht gesetzt wird. Da der deutsche „Spießbürger" sich noch immer nicht durch freisinnige Agitatoren von seiner „Rotscheu" hat heilen laffen, so dürfte man vermuten, daß die Veröffentlichung, die bezeichnenderweise von den Sozialdemokraten ausgeht,, dem Fortschritt nicht gerade angenehm ist. Die Veröffentlichung der einzelnen Punkte wird übrigens geschickt von der Sozialdemokratie in eine Polemik verflochten, die die ^radikale Gruppe gegen die Verfechter des Abkommens führt, und »war in der „Leipz. Volksztg." Die Art aber, wie die Vorteile kür die Sozialdemokratie auch hier hervorgehoben werden, zeigt, Paß es mit den Vorwürfen nicht so ernst ist. Die „Leipz. Volks- Leitung" schreibt: „Aus Grund de» AAommens mit unfern Par- 1
teivorstand haben sich die Fortschrittler verpflichtet, uns in 31 genau aufgezählten Wahlkreisen gegen die Reaktion zu unterstützen." Man hätte nun erwarten können, daß die Fortschrittler angesichts der notorischen Unzuverlässigkeit ihrer Wähler, die wie in Gießen z. T. wieder nach rechts abgeschwenkt seien, mindestens eine offizielle Losung für die Sozialdemokratie ausgegeben hätten. Doch sie taten es nicht. Weshalb? fragt das Blatt. „Nun, die Erklärung liegt auf der Hand. Eine offizielle Parole zugunsten der Sozialdemokratie würde die Fortschrittler in den Augen der reaktionären Parteien bloßgestellt haben. Die Fortschrittler wollten eben nicht öffentlich alle Brücken nach rechts abbrechen, ihre Spekulation ging dahin, sich wohl die sozialdemokratische Wahlhilfe schmecken zu laffen, sich aber dadurch die Hilfe der reaktionären Wähler beileibe nicht ganz zu verscherzen. Unser Parteivorstand trug seltsamerweise dieser Spekulation Rechnung und verzichtete auf eine offizielle Parole zugunsten unserer Kandidaten. Letztere sollte lediglich in vertraulichen Zirkularen den Kreisvorständen der Fortschrittspartei mitgeteilt werden, woraus sich ja von selbst ergab, datz die Kreisvorstände meist die empfangene Parole ebenso „vertraulich" weiterbehandeln und im eignen verschwiegenen Busen bewahren würden. Als Aequivalent für die von den Fortschrittlern abgelehnte klipp und klare Parole wurde die Losung erfunden: Es darf die alte blau-schwarze Mehrheit nicht wieder gewählt werden.
In einem neuen Artikel plaudert die „Leipz. Volksztg." aber weiter von den Forderungen der Fortschrittler: „Sie forderten, datz wir ihnen nicht bloß gegen die Reaktion aus der Patsche helfen, sondern datz wir ihnen auch Wahlkreise, in denen wir selbst in Stichwahl mit ihnen standen, freiwillig auslieferten. Dadurch, datz die Fortschrittler keinen Block mit der Reaktion abscbloffen und sich die reaktionäre Wahlhilfe womöglich verscherzten, kamen sie in die Gefahr, von uns in einer Reihe von Kreisen geschlagen zu werden. Und von dieser Gefahr sollten wir sie selbst retten, indem wir freiwillig auf den Kampf verzichteten. Die Abmachung mit uns sollte für die Fortschrittler eine Versicherung gegen die Reaktion und eine Rückversicherung gegen uns selbst zugleich sein! Der Parteivorstand hat tatsächlich die folgende Forderung. den Fortschrittlern zugebilligt: In 16 Wahlkreisen (Oberbarnim, Liegnitz, Schönau-Hirschberg, Apenrade-Flensburg, Lauenburg, Ouerfurt-Merseburg, Hagen, Sud-Dithmarschen, Malchin-Waren, Calw, Balingen, Meiningen, Schaumburg, Lippe-Detmold, Oldenburg, Nordhausen), in denen unsere eigenen Kandidaten in Stichwahl mit Fortschrittlern standen, sollte unsere Partei „den Wahlkampf dämpfen", um den eventuellen Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten zu verhindern und den Kreis dem fortschrittlichen Gegner auszuliefern. Der Vorstand hat sich für unsere Partei verpflichtet, in den genannten 16 Wahlkreisen „bis zur Stichwahl keine Versammlung abzubalten, kein Flugblatt zu verbreiten, keine Stimmzettel den Wählern zuzustellen und am Wahltage selbst keine Schlepperdienste zu verrichten", wogegen es uns „freistand" — die Fortschrittler waren so gnädig, es zu erlauben —, am Wahltage vor den Wahllokalen Stimmzettel zu verbreiten. Letzteres ist uns auch wohl deshalb „freigestellt" worden, weil sonst, bei gänzlichem und unerklärlichem Fehlen sozialdemokratischer Wahlzettel unsere Parteigenoffen einen öffentlichen Skandal gemacht und so die Heimlichkeit der ganzen Abmachung gefährdet hätten."
Der Zweck der Sozialdemokratie war bei diesem ganzen Abkommen der, den Freisinn von dem Block von 1907 völlig abzu- reißen und indirekt die Nationalliberalen mitzuziehen. Er ist denn ja auch erreicht, wie die Verfafferin der Artikel in der „Leipziger Volksztg.", Rosa Luxemburg, auch feststellt. Schon seien Verhandlungen im Gange gewesen. „Da haben wir mit entschloffener Hand, wie es in großen Augenblicken der Geschichte geziemt, die 16 Wahlkreise als Speck hingeworfen, und die fortschrittlichen Ratten kamen alle zu uns gelaufen. Nicht genug! Indem mir die Fortschrittler an uns banden, zogen wir indirekt auch die Nationalliberalen von den Schwarzblauen weg. Herr Bethmann blieb mit seiner Flöte allein und zog betrübt von dannen, wir aber zogen mit unserem heimlichen Stichwahlabkommen in der Tasche in den Kampf."
Wenn nach alledem der Freisinn nicht der Hineingefallene ist, dann gibt es keine Logik mehr. So wenig der Freisinn, so sehr werden die anderen Parteien der Genossin Rosa Luxemburg für die Veröffentlichung dankbar fein. Freisinn und Sozialdemokratie „up ewig ungedeelt!"
Italien und die Türkei,
Paris, 1. März. Der „Petit Parisien" will wissen, datz die fünf Großmächte und zwar die der Tripleentente angehörenden Staaten sowie Deutschland und Oesterreich-Ungarn sich geeinigt hätten, gleichzeitig in Rom und in Konstantinopel zugunsten des Friedens einzutreten. Diese Intervention werde jedoch eine genau umschriebene Tragweite haben. Es handle sich nicht um ein Vermittlungsanerbieten, sondern nur um einen vorberei^tiben Schritt. Die fünf Mächte würden sich darauf beschränken, an die italienische und an die türkische Regierung die Anfrage zu richten, unter welchen Bedingungen sie geneigt seien, über einen Friedens- schlutz zu verhandeln. Man dürfe sich, so meint das Blatt, keinem allzugrotzen Optimismus hingeben, denn in bett letzten Tagen sei der Gegensatz zwischen den Ansprüchen Italiens und der Auffassung der Türkei sehr scharf zutage getreten. Immerhin sei dieser amtliche Schritt, der zum ersten Male seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten versucht werde, geeignet, auf die Kriegsfuhrung einen gewissen Eindruck zu machen. |
Konstantinopel, 1. März. Der „Tanin" erklärt, die Türket werde jede Anregung zu einer Vermittlung zurückweisen. Sie wolle so lange keinen Frieden, als die Italiener in Tripo. litanien verbleiben. — Der „Jeune Iure" schreibt. Das Lufgcbeil von Tripolitanten würde kn der Türkei die ccllge -Zne Revolu« tion, den Bürgerkrieg und die ärgsten Wirren Hervorrufen. Ei wäre die beste und vernünftigste Entscheidung, beibe Teile den Krieg fortführen zu laffen.
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Tie Berparbeiterbewemma in Enolmid.
Der Bergarbeiterstreik in England droht jetzt fr<* der Bemühungen der Regierung, ihn zu verhin>-rn, auf der ganzen Linie auszubrechen. Es liegen darüber folgende Meldung-u not:
London, 1. März. Vie zahlt? ch besuchte Versammlung des Bergarbeiterverbandes beschloß einmütig, die Frage bet individuellen Mindestlohnes d- m Vollziehungsausschutz zu übertragen und ihn zu ermächtigen, die Verba' dlung-n förtzusetzen und wenn nötig, eine Konferenz einzuberufen. - Alle Verhand. hingen zwischen den Bergwerksbesitzern, den Bergarbeitern und der Regierung find für die nächste Woche re t„gt worden. — Ein Beamter des Bergarbeiterverbandes von Südwales erklärt, daß der Streik voraussichtlich gegen Et de '-rt reichsten Woche beendet sein wird und die Verhandlungen <tn für die Bergarkeiter günstiges Resultat haben werden. — Einige Mitglieder des beratenden Ausschuffes der Bergwerksbesitzer versammelten sich hexte früh im Auswärtigen Amt und begaben sich später zu Asquith. — Gegen 30 Dampfer liegen in Glasgow aus Kc-Hlenmavgel fest. — Unter den Geschäftsleuten herrscht Bcstii „unz. Die Geschäftsstockung greift langsam auf Handel und Industrie über. Die Schiffahrt ist sehr ernstlich in Mitleidenschaft g - egen. Selbst die großen Linien geben bekannt, datz in den Verkehrsplänen Stockungen wahrscheinlich sind. Fast alle Eisenbahnen bereiten einen eingeschränkten Dienst vor, doch glaubt man nicht, daß der Personenverkehr mit dem Kontinent betroffen wird.
In der Konferenz der Bergarbeiter am Donnerstag hat der Premierminister Asquith eine bedeutsame Ansprache gehalten. Die englische Presse knüpft daran die besten Hoffnungen für die Beilegung des ganzen Streikes. Asquith führte c-us Streitigkeiten zwischen Kapital und Arbeit würden in der Regel am besten durch direkte Verhandlungen zwischen bett Parteien erledigt. Die Regierung habe sich erst entschlossen, einzugreifen, als die Bemühungen zu keinem Ergebnis führten. Die Koblrnindustrie nehme eine besondere Stellung im industriellen Leben der Nation ein. Die Regierung würde ihre Pflicht nicht erfüllen, wenn sie nicht alle Schritte unternehme, um ein vernünftiges Resultat zustande zu bringen. Es habe sich gezeigt, datz die Fotderun^ eines Lohnminimums für die Bergarbeiter in bet Kohleninb'i^rie gerechtfertigt fei. Mit bet Anerkennung dieses Prinzips fei seht viel gewonnen.
Bochum, 1. März. Der Bergarbeiter-Dreibund, bet ältere Beraarbeiterverband, der Hirsch-Dunckersche Gewerkverein und die Polnische Berufsvereinigung erläßt einen Aufruf an die deutschen Bergarbeiter: Heber 800 000 Bergarbeiter streiken in England. Mit bewunderungswürdiger Einmütigkeit sind sie für » Erringen eines auskömmlichen Minimallobnes in bett Au Zand getreten. Die englischen Bergleute verlangen von den v rgarbel- tern Deutschlands keinen Sympathiestreik. dagegen - varten mit von den Bergleuten Deutschlands, datz sie wenigs- s während bet Dauer des englischen Generalstreiks das Heb" Z-ichtverfahren einstellen.
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Der Czenstochauer Sensatlonsprozeß.
S. & H. Petrikau, 29. Februar.
Zu Beginn der Zeuge"oecnehmung wurde unter allgemeiner Bewegung das Sofa in den 3aai geschafft, das die Leiche beherbergt Hatte. Es folgte die in Rub'and sehr eindrucksvolle und mit großem religiösen Pomp umkleidete Vereidigung der Zeugen. Die Zeugen wurden vorher ihrem Glauben-bekenntnis entsprechend in vier Gruppen eingeteilt. Ein russischer Pepe ermahnte seine Glaubensgenossen, sich bei ihren Aussagen streng an die Wahrheit zu halten, worauf diese das ihnen vorgehaltene Kreuz küßten. — Mit großem Interesse wurden die Auskünfte des österreichischen Polizeikommissars Dr. Jasinski (Krakau) über die Festnahme Mazochs und seine ersten umfassenden Geständnisse entgegen» genommen. Der Zeuge stellt zunächst fest, daß die Verhaftung Mazochs auf telegraphische Requisition der ruMchen Polizei erfolgt sei. Der Zeuge begab sich selbst zum Krakauer Hauptbahnhof und fragt« den aus dem Zuge steigenden Pater, ob er der Mönch Mazoch sei, der auf Iasna Eora einen Mord verübt habe. Mazoch habe erwiedert: Ja, ich habe meinen Bruder ermordet, aber ich will nicht flüchten, sondern mir nur in Krakau bürgerliche Kleidung besorgen, um mich bann selbst der russischen Polizei zu stellen.
S & H. Petrikau, 1. März.
Die weitere Beweisaufnahme im Mazoch-Prozeß gestaltet sich ziemlich gleichförmig, da im Wesentlichen die Ergebnisse der Voruntersuchung vor dem Gericht ausgebreitet werden, die bereits aus den Feststellungen der AnklageschZi her bekannt sind. Es kommt hinzu, daß der Präsident des Gerichts, Exzellenz Wolkow, von vornherein in die Beweisaufnahme ausschließlich auf die zur Anklage stehenden Punkte begrenzt hat und alle die Skandalosa sorgfältig ausscheidet, di« wohl zur Illustration der ganzen Verhältnisse dienen könnten, unter d'nen di« Angeklagten lebten und handelten, die aber für die strafrechtliche Beurteilung der Dinge vollkommen ausscheiden. Nur gelegentlich der Erörterungen über die näheren Beziehungen Mazochs zu seiner Geliebten Helene Mazoch wird man Publikum wie Presse von der Verhandlung ausschliehen. Am Sonnabend Abend wird dann die Beweisaufnahme voraussichtlich geschlossen und bas Urteil nächster Woche gesprochen werden. Es ereignete sich ein sensationeller Zwischenfall: Der Redakteur des „Czenstochauer Coniee", Franz