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dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und bin Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und »Landwirtschaftliche Beilage".

M 51

DieCbttbrffifdie Leitung" epchernt täglich mit tuusn Der nn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 9.25 <* (ohne Bestellgelds, bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jt frei ins Haus. (Für unver­langt zugeiandt« Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 65.

Marburg

Freitag, 1. M-irz

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47. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Wünsche znm Stadthaushalt für 1912.

Man schreibt uns:

III. Spazierwege und Schmuckanlage«.

In diesen Blättern fand vor einiger Zeit ein lebhafter Meinungs­austausch statt über die Erhaltung der Alleen im Innern der Stadt. Die Einen klagten über Schädigung der Gesundheit der Anlieger, die Anderen stellten die Annehmlichkeiten der Alleen für die Gesamtheit über den Schaden der Einzelnen. In einem Eingesandt wurde gar der Stand­punkt vertreten, daß die Alleen ftüher gewesen und di« Anlieger nicht hätten bauen sollen, eine Ansicht, die nicht weit entfernt ist von der Vor­liebe mancher Menschen, Steuern, die sie nicht treffen, für ihre lieben Mitbürger zu erfinden.

Nachdem die Stadtverwaltung leider die Baufluchtlinien in den in Betracht kommenden Straßen nicht weit genug zurückgelegt hat, ist das Verschwinden der Alleen nur noch eine Frage der Zeit. Gntmeber die Stadt entfernt selbst die Bäume oder ein Baum nach dem andern geht in unerklärlicher Weise ein, wie man es schon oft beobachten konnte.

Nachweinen hilft gar nichts, es gilt vorzubauen I Mit der Aus­dehnung des Weichbildes der Stadt muffen auch die Spazierweg« weiter nach außen verlegt werden. Hat die Statdverwaltung hierfür vorge­sorgt? Sind in den Bebauungsplänen große durchgehende Hauptzüg« von breiten Alleen und Straßen bis zu den Wäldern der Umgebung vor­gesehen?

Dem Einsender ist nichts hiervon bekannt geworden. Am Wehrdaer- weg, auf dem Weg« zur Marbach, zum Mannkopf, an der Caffellerstraße, an der Kirchhainerstraße schreitet die Bebauung ohne genügend große Vorgärten und ohne Rücksicht auf Erhaltung von Durchblicken immer weiter vor. Nicht anders ist es im Süden.

Es ist hier nicht der Ort, all« Möglichkeiten der Defferung zu er­örtern, es sollen nur einzeln« Weg« erwähnt werd«».

Die Easielerstrahe ist bis zum Bahnübergang kaum noch zu bessern; es muß von der Haas'schen Fabrik an, in der Afföllerstraß«, dem Lahn­tale «ntlajng und von geeignetem Punkte aus nach Osten ein« breite, an der Lahnseite einseitig bebaute Straße bis zum Bahnübergang angelegt werden. Der Webrdaerweg war ftüher nachmittags einer der beliebtesten schattigen Spazierwege, di« Aussicht auf das Waffer ist auf eine weite Strecke hin verbaut. Die Gemeind« Wehrda hat mit Marburg ein großes Interesse daran, daß dieser Weg ein« beliebte Promenade bleibt; die weiter« Bebauung zwischen Weg und Lahn muß daher durch Vereinbarung zwischen beiden Gemeinden möglichst gemindert werden.

In der Marbach kann der vom Eötzenhain aus kommend«, oberhalb des jetzigen Weges laufend« Weg verbreitert und mit Bäumen be­pflanzt werden.

Im Osten sind die Wege aus Weidenhausen nach Spiegelsluft auszu­bauen. Im Süden muß die Schwanengaffe i« großer Breite bis zum Wald geführt werden, ebenso sind die Wege an der Irrenheilanstalt vorbei und namentlich der Weg am Böschungsrande der Eisenbahn von Weidenhausen nach Bahnhof-Süd als Allee vorzusehen und teilweise schon auszubauen. Es ist, wie schon erwähnt, unmöglich, hier detaillierte Vorschläge zu machen, die Sache ist aber wichtig genug, die Stadtver- ordneten-Versammlung zur Wahl einer Kommission zu veranlaffen, die sich mit der Anlage von Alleen und Spazierwegen zu den Nachbarorten und Wäldern unserer Umgebung befaßt. Was nützen der Stadt die ver­krüppelten Apfelbäume an den Landstraßen, an denen eine Kolonne von Arbeitern alljährlich die Blutläuse vertilgt und welch« minimale Er­träge zur Stadtkaffe liefern. Eine Allee von schönen Laubböumen braucht 25 Jahre, bis sie reichen Schatten spendet. Schon hat die Stadtver­waltung viele Jahre verloren; möge si« nun endlich einen weitschauen- deren Plan entwerfen und ihn auch ausführen. Das Fluchtliniengesetz gibt die Möglichkeit, schon heute das nötige Strahengeländ« ohne große Kosten für die Stadt zu erwerben. *"

Unsere Schmuckanlagen bieten seit einigen Jahren tzsn freundlicheres Bild, obgleich noch manches fehlt, was ohne größeren Geldaufwand zur Verschönerung der Stadt beitragen könnte.

Die Bürgerschaft fteut sich vorerst darüber, daß der Berschönerunas- verein das Gute seit einigen Jahren in der Nähe sucht, er wird gebeten, weiterhin seine Mittel zunächst für das lang vernachlässigte Stadtinnere |u verwenden. Erfolg und Dank werden nicht ausbleiben.

Ein« kurze Abschweifung sei hier gestattet; sie betrifft die Auf­stellung des Denkmals mit dem Löwen. Für das Denkmal sollte der Verschönerungsverein energisch Stellung nehmen. Zu den vielen Vor­schlägen über den Platz für das Denkmal nennt Einsender noch den Platz vor der reformierten Kirche. Auf hohem Sockel stehend, und ins Lohntal schauend, würde der Löwe von unten zu sehen sein und das heute schon einzigarttM wundervolle StfibteMlb am Elektrizitätswerk würde noch gehoben- werden.

Wär« für die Stadt nicht die Möglichkeit vorhanden, den Platz, auf dem di« neue katholische Kirche gebaut werden soll, schon heute mit An­lagen zu versehen?

Der botanische ©arten, der Kirchenplatz, der große Garten vor der Realschule mit Tennisplätzen und schattigen Alleen, verbunden mit dem Uferweg, würde eine sehr hübsche Promenade im Innern der Stadt bilden, welche leicht noch auszudehnen wäre.

Herr Stadtverordneter Major Geßner hat in seinem, in dieser Zei­tung abgedruckten Vortrage in dankenswerter Weise in großen Zügen auf das hingewiesen, was der Stadt tn der Pflege und Anlage der Schmuckplätze not ist. Hoffentlich findet sein Rat im Maaisttat und in der Stadtverordneten-Versammlung den erforderlichen Widerhall.

Es mag nun noch die Frage aufgeworfen werden:Wo bleiben die Oberbürgermeister Schüler-Anlagen und der dazugehörige Park?" Fünf Jahre sind feit der Gründung der Echüler-Ettftung verfloßen und seit der Zeit ist hierfür nichts geschehen, weder im Norden am Krummbogen­weg, noch im Süden zwischen Lahn und Dammweg.

Am Dammweg wird inzwischen der Echühenpfuhlteich zugeschüttet, di« hohen Mietskasernen rücken immer näher an den Damm heran und «erden bald den schönen Blick auf das Schloß verdecken.

Dor mehreren Jahren, al» die hohen Häuser im Biegenviertel ge­baut wurden, hieß ee schon: Marburg verbraucht seine landschaftlichen Reize wie ein Verschwender. Muß, was im Rordviertel verfehlt wurde, fm Süden sich wiederholen?

Italien und die Türkei.

B e n g h a s i, 28. Febr. (Agenzia Stefans.") Gestern früh fand bei Savari außerhalb der italienischen Lerteidigungszons ein Scharmützel zwischen italienischer Reiterei und Beduinen statt. Die Beduinen wurden zurückgeworfen. Auf italienischer Seite wurde nur ein Pferd getötet. Bon den Italienern mit Hilfe von Flugzeugen unter den Beduinen verbreitete Flugblätter veranlaßten lebhafte Erörterungen. Man hat Anzeichen dafür, daß andauernd Beduinen aus dem türkischen Lager desertieren.

Rom, 28. Febr. DieAgenzia Stesani" meldet aus Tri­polis von gestern: Hier find andauernd Flüchtlinge eingetroffen. Heute früh kamen 27 Personen mit Rindern und Hammeln. Zwölf Männer, mit Mausergewehren bewaffnet, Übergaben den italieni­schen Offizieren, Säbel, Waffen und Munition. Rach einer Mel­dung wurde eine andere Gruppe von Familien, die sich mit einer Viehherde auf dem Wege nach Tripolis befanden, am 25. Februar von den Türken angegriffen, die durch ihr Gewehrfeuer zwei Per­sonen töteten und drei verwundeten; außerdem nahmen sie das Vieh mit sich. Die Bewegung unter den Arabern, sich unter den Schutz der Italiener zu stellen, wird zweifellos jetzt infolge der Besetzung des Merghob-HLgels noch stärker werden, denn dieser ge­währt den Arabern zum Meere hin einen breiten, ausgezeichneten Landstreifen, den die Italiener gegen Angriffe der Türken und Araber gesichert haben. Die Araber von Djebel, die seit längerer Zeit schon unter italienischer Flagge Kriegsdienst zu tun wünsch­ten, sandten ihre Familien als Unterpfand der Treue nach Tri­polis. Von diesen Arabern ist eine Truppe von 180 Mann ge­bildet worden, die von fünf eigenen Befehlshabern und fünf Unterbefehlshabern unter der Leitung eines italienischen Leut­nants von den Alpenjägern kommandiert wird.

Paris, 28. Febr. DerTemps" erörtert die Frage der Verhandlungen zwischen der Türkei und Italien und schreibt u. a.: Der Entschluß der französischen Regierung, nur an einer gemein­samen und an beide kriegführenden Mächte gerichteten Interven­tion teilnehmen Fu wollen, ist die einzig kluge und vom französi-, scheu Standpunkt aus richtige Politik. Wenn man sieht, wie eine Macht trotz ihres Bündnifles in diesem Zwist eine vorsichtige Zu­rückhaltung beobachtet und sich vor allen Schritten hütet, welche ihre kostbaren Beziehungen zur Türkei trüben könnten, darf man sich nicht wundern, wenn Frankreich und England dieselbe Zurück­haltung und Rücksicht beobachten. Frankreich muß sich aber als muselmanische Macht noch von besonderen Erwägungen leiten lasten. Die geringste Parteilichkeit gegen das Oberhaupt des Islam würde, selbst wenn sie unbeabsichtigt wäre, die mit so schweren Opfern erkaufte Stellung Frankreichs in Nordafrika arg gefährden. Frankreich ist bereit, in dem Konzert der Mächte un­parteiisch bei beiden Gegnern für Versöhnung und Frieden einzu­treten. Es will nicht weniger, aber auch nicht mehr tun.

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Tie Beraarbeiterbewegung in England

London, 28. Febr. Heute mittag begaben sich die Dele­gierten der Bergleute wiederum nach der Downing Street, um mit dem Premierminister Asuith zu unterhandeln.

London, 28. Febr. Der Verband der Bergarbeiter halt eine Beratung ab über die Vorschläge, welche von der Regierung gestern nachmittag gemacht worden sind. Auch die Arbeitgeber beraten im Auswärtigen Amt.

London, 28. Febr. Die Bergarbeiterkonferenz beschloß einstimmig, die Verhandlungen fortzusetzen. Außerdem wurde eine Resolution angenommen, nach welcher den Arbeitern nach Ablauf der Kündigungsfrist gestattet fein soll, zu arbeiten, soweit dies zur Sicherung eines Bergwerks erforderlich ist.

London, 28. Febr. Roch immer legen viele Bergarbeiter die Arbeit nieder, bevor über den Generalstreik entschieden wor­den ist. Wie es heißt, feiern bereits über 100 000 Mann, darunter 20 000, die heule morgen in Derbshire in den Ausstand getreten find.

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Deutsches Reich»

Die Wahl des Reichstagspräsidiums. Berlin, 28. Febr. Der Seniorenkonvent des Reichstages beschloß, die Wahl des Reichs­tagspräsidiums am Freitag den 8. März stattfinden zu lasten.

Das neue Strafrecht. Berlin, 28. Febr. Wie derReichs­anzeiger" meldet, hat die Strafgesetzkommission nach Abschluß der Beratungen über den allgemeinen Teil des Vorentwurfs die Ee- samtredaktion der bisherigen Beschlüste vorgenommen. Daraus geht hervor, daß die seinerzeit vorbehaltene Beschlußfastung über die Einteilung der strafbaren Handlungen nachgeholt worden ist. Die Einteilung unterscheidet sich infolge der Aufnahme der Haft des geltenden Rechtes als vierter Freiheitsstrafe von der des Vor­entwurfes nicht unerheblich und entspricht im wesentlichen dem geltenden Recht. Jedoch wird dieFestungshaft" durchEin­schließung" ersetzt. Mit Geldstrafe bedrohte Handlungen gelten erst dann als Vergehen, wenn die Strafandrohung 500 <M. über­steigt. Alle mit Geldstrafe bis ju 500 JL oder mit Haft bedrohten Straftaten sollen Uebertretungen sein. Die Höchstdauer der Hast wird von 6 Wochen auf 3 Monate heraufgesetzt. Die Kommission stellte ferner die Bestimmung ein, wonach in Fällen, wo das Gesetz die Wahl zwischen Freiheitsstrafen verschiedener Art läßt, auf Zuchthaus nur erkannt werden darf, wenn die Tat auf ehrloser Gesinnung beruht, daß dagegen aus Einschließung zu erkennen ist, wenn die Tat weder eef ehrloser »och verwerflicher Gesinnung beruht.

Ei« militärifches UniversalgerSt. Ein von dem Major Reu­mann erfundene» Univerfalgerät für Erdarbetten bei militärischen Hebungen wird bei einzelnen Truppenteilen versuchsweise benutzt. 6» handelt sich um ein Gerät, das gleicherweise al» Spitzhacke und al» Schaufel zu benutzen ist. Außerdem bietet das Univerfalgerät durch seinen reichen Inhalt noch andere beträchtlich« Vorteile. Das Hauptstück an dem Gerät ist der Schaft, der «ine Vorrichtung zum Auswechseln der Gebrauchsgegenstände auftoeist. Durch ein Schnappschloß kann an diesem Schaft sowohl di« Spitzhacke wie di« Schaufel leicht befestigt werden. Die Umwandlung dauert nur wenige Sekunden. Außerdem find in dem hchlen Schaft noch mehrere für Arbeiten an Schießgräben usw. notwen­dig« Gerät« eingelaffen, wie ein Metermaß aus Aluminium, ein Lot und eine 40 Zentimeter lange Wafferwage. Durch die Vereinigung der für die Mannschaften notwendigen Geräte wird eine Vereinfachung der Ausrüstung erziell, die bei der großen Anzahl von Ausrüstungsgegen- ftänben, welche der Soldat mit sich führt, von großer Bedeutung ist. Das Univerfalgerät kann auch fehr leicht von der Infanterie mttgeführt wer­den, da es sich bequem unterbringen läßt und ein verhältnismäßig ge­ringes Gewicht, sowie eine geringe Sänge hat. Beim Führen werden die Geräte abmontiert. Ein ähnliches Univerfalgerät ist vor einiger Zeit in Frankreich bei den Truppen versuchsweise eingeführt worden und hat sich auch dort gut bewährt, trotzdem es nicht die Bequemlichkeit in der Handhabung bietet, wie das deutsche.

Zur Frage der drohende« lleberfiillu«g im Oberlehrerberuf, die in der Februarsitzung des Berliner Philologen-Vereins einer ein­gehenden Besprechung unterzogen wurde, wird derPost" folgendes ge­schrieben: Bet der Wahl eines akademischen Berufes darf sich der Abi­turient nicht allein von der vielleicht augenblicklich günstigen Lage des betreffenden Faches bestimmen taffen; er wird auch erwägen müffen, wie die Verhältnisse nach Beendigung seines Studiums und der Vorbe­reitungszeit liegen werden. Bei der Philologie lagen ja die Verhält­nisse jahrelang außerordentlich günstg, und noch jetzt kann man sie nicht als ungünstig bezeichnen. Wer aber jetzt Philologie studieren will, der erwäge neben der Frage nach seiner inneren Neigung zum Oberlehrer- beruf folgendes: In den letzten Jahren ist infolge zeitweiliger günstiger Anstellungsverhältniffe der Zustrom zum Studium der Philologie außer­ordentlich groß gewesen; noch im letzten Sommersemefter haben sich nach amtlicher Feststellung 48 Prozent aller Abiturienten (vergl. Tilmann, Monatsschrift f. h. Schulen, 1911, Novemberhest) der Philologie zuge­wandt. Die Zahl der Philologie Studierenden und der jetzt im Vorbe­reitungsdienst stehenden Kandidaten ist infolgedeffen so groß, daß um 1920 etwa 6000 anstellungsfähge Kandidaten vorhanden sein werde«. Nun können aber an den höheren Schulen innerhalb und außerhalb Preußens jährlich nur etwa 750 preußische Kandidaten eine Anstellung als Oberlehrer finden (vergl.Deutsches Phil.-Blatt", 1912, N. 2); mit­hin würden die Philologen, die 1920 anstellungsfähig werden, also die jetzigen Abiturienten, mit einer durchschnttlichen Wartezeit von acht Jahren zu rechnen haben, ehe sie in eine Oberlehrerstell« einrüden konnten.

Die Maul- und Klauenseuche ist nach Mitteilung des Staats« seftetärs des Innern im Laufe des Winters infolge ihrer Bekämpfung erfreulich zurückgegangen: die Seuche war am 31. Januar 1912 nur noch in rund 2400 Gemeinden, während am 15. November 1911 die Zahl der verseuchten Gemeinden rund 6700 betrug.

Ausland.

** Die Lage auf Kreta. Berlin, 28. Febr. Gegenwärtig findet wegen der auf Kreta herrschenden Gärung zwischen den Schutzmächten ein Eedank^^austausch über die Vermehrung ihrer Marinestreitkräfte in den kretischen Eewäffern statt. Der Matin" will wiffen, die französische Regierung habe bereits be> schloffen, außer demEdgar Quinot" noch zwei weitere Kreuzer der Mittelmeerflotte dorthin zu entsenden, um im Bedarfsfalls die zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze der Musel­manen notwendigen Truppen zu landen. England werde gleich­falls mehrere Schiffe nach Kreta schicken. Ministerpräsident Poin- car6 habe die russische Regierung ersucht, dasselbe zu tun. Italien könne natürlich unter den gegenwärtigen Verhältniffen nicht ein« schreiten. DerMatin" sagt ferner, daß die Gärung auf Kreta die Mächte umsomehr beunruhige, als sie das Vorspiel für ernste Wirren auf dem Balkan bilden könnte. Die gegen die Musel­manen gerichtete Bewegung der Ehristen auf Kreta sowie die un­aufhörlichen Umtriebe der Kreter zugunsten einer Vereinigung mit Griechenland könnte die Türkei zu einem Vorstoß gegen Grie­chenland veranlaffen. Die Türkei werde fich da einen leichten militärischen Erfolg holen, durch das ihr Ansehen erhöht, aber die europäische Lage eine ernste Trübung erfahren würde, denn wenn die Türken in Griechenland einmarschierten, dann wükden tyi Bulgaren wahrscheinlich in Makedonien eindringen und das würde auf dem ganzen Balkan einen Kriegsbrand entfachen. Es sei deshalb nicht überraschend, wenn die gegenwärtige Lage die Großmächte beunruhige. P a r i s, 28. Febr. Offiziös wird be­stätigt, daß die Schutzmächte Kretas mehrere weitere Kriegsschiffe nach Kreta entsenden werden, und zwar werde die französische Re­gierung die KreuzerWaldeck Rousseau" undErnest Renan", die englische Regierung den KreuzerLancaster" sowie demnächst einen weiteren Kreuzer absenden. Auch die russische Regierung werde mehrere Kriegsschiffe dorthiü beordern.

* Da» neue China. London, 27. Febr. DieTimes" meldet au« Peking vom 27. ds.: Die Delegierten aus Nanking trafen heute hier ein und würben mit allen Ehren empfangen. Am Nachmittag begaben fi« fich zu Yuanjchikai und überreichten ihm die Urkunde übet seine Wahl zum provisorischen Präsidenten der chinesischen Republik, wobei sie ih» aufforderten, zur Eidesleistung nach Nanking zu komme«. Yuanschikat nahm das Amt an und verpflichtete sich, zur feierlichen Amtseinführung nach Nanking zu kommen, wenn die Umstände feine Abreise erlaube» würden. Vor seiner Abreise wird Yuanschikai mit Tsai Iunan Pat über die Bildung eine» Koalitionsministerium» verhandeln, da» an» Ministern der zwei jetzt bestehenden Kabinette zusammengesetzt werd«, soll. Die Verhandlungen über eine ausländische Anleihe find »tatet | ausgenommen worden. Die Anleihe soll international frin. Richt