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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .^Landwirtschaftliche Beilage".

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Der Nnzeiaenprei» beträgt für die 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auSmärtigen Anzeigen 20 4, für ReNamen

aiuum iu o), uet umiucqen uno ausnurrngen Anzeigen 20 4, für Utenamen i n CV/ifcw.» di« Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt t ». x>UDIflt äIä aa H M -1- - fn . E -Ai (Y1 V* c vi w * e * IO

1912

Marburg

Sonntag, 25 Februar

TieCbtrbcffifdie Leitung erichetm täglich mit Ausnahme der äcnn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 5.25 'Jt (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei in# Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchbruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

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Erstes Blatt.

Die beutiae Nummer umfaßt 12 Seiten.

Das italienische Parlament nnd die Tripolisfrage.

Nach achtmonatiger Pause hat die italienisch« Regierung die Deputiertenkammer einberufen, damit diese sich darüber ent­scheidet, ob sie das Annexionsdekret der Regierung bezüglich Tri« politaniens bewilligen will. Es kann schon nach dem bis jetzt be­kannten Verlaufe der Debatte keinem Zweifel unterliegen, daß die erdrückende Majorität der Kammer hinter der Regierung stesten wird, und diese hatte, offenbar in der Hoffnung, aus der Beratung des Gegenstandes eine große nationale Demonstration zu machen, die Abgeordneten einzeln auf die Wichtigkeit ihres Erscheinens zu dieser Sitzung aufmerksam gemacht.

Jenes Anncxionsgebiet bildet, politisch wie staatsrechtlich be­trachtet, ein eigentümliches und wohl auch einzig dastehendes Er­eignis. Italien sprach damit die Annexion, also die staatsrecht­liche Angliederung eines großen Landes aus, das anerkanntes Eigentum einer anderen Macht war und ist, auf das Italien irgend einen Rechtsanspruch geltend zu machen gar nicht einmal versuchte und das es schließlich auch nicht einmal durch das Recht der Macht sich vindizieren konnte. Denn nur der schmale Küsten- saum, soweit er unter den italienischen Schiffsgeschützen lag und liegt, befand sich tatsächlich in der Macht Italiens. Seitdem ist zugunsten Italiens keinerlei Umschwung eingetreten, eher haben sich Aenderungen zu seinen Ungunsten vollzogen. Die von tür­kischen Offizieren geführten Arabertruppen haben allem Anschein nach in ihrer Kampflust nicht nachgelassen, haben inzwischen sogar manche Teilerfolge erlangt und aus der Türkei sind durch Aegypten hindurch Masten von Munition, außerdem Artillerie, Automobile und alles mögliche andere an Kriegsbedarf hindurchgebracht wor­den. Gewiß sind bei der unvollkommenen Kenntnis, die man von der psychologischen Eigenart der tripolitanischen Araber besitzt, Ueberraschungen nicht ausgeschloffen; aber allem Anscheine nach gibt die militärische Lage, an sich betrachtet, heute keinerlei Anlaß, eine baldige Beendigung des Krieges anzunehmen.

Italien andererseits hat sich durch feine Annerionserklarung festgelegt, damals offenbar in der Ueberzeugung und auch in der Hoffnung, daß der feste Entschluß, der sich in dem Erlösten dieses Dekrets ausdrückte, der Türke den Mut zum Weiterkämpfen neh­men würde. Das ist nicht geschehen, und so hat Italien sich selbst eine Lage geschaffen, die ihm und unter keinen Umständen jeden­falls der jetzigen Regierung ein Zurück möglich macht. Darin liegt die Schwierigkeit für die Negierung, freilich wohl mehr nach außen hin und im Hinblick auf die Zukunft, als jetzt dem Parlament gegenüber. Die Kammerverhandlungen versprechen auf alle Fälle sehr interessant zu werden, und es wäre sehr wunderbar, wenn sich nicht aus der Kammer heraus eine mehr oder minder leidenschaft­liche Polemik bemerkbar machte gegen die Kritik, die das Ausland an der italienischen Tripolisaktion geübt hat.

Was jetzt an Berichten über die Sitzung vorliegt, zeigt jedenfalls, daß in Italien noch immer die Wogen der Begeisterung hochgehen. Das italienische Volk ist von der Notwendigkeit der Ausdehnung seines kolonialen Besitzes so überzeugt, daß selbst die sozialistischen Abgeordneten es nicht einmal wagen, einen Mißton in die Begeisterung zu bringen. Man möchte das Volk um diesen Zustand beneiden, wenn man sich ausmalt, wie bei gleicher Lage, einmal ganz abgesehen von der Tatsache des ungerechtfertigten An­griffes gegen die Türkei, sich in Deutschland die Dinge gestalten würden. Die Eenosten und die ihnen verwandten Gruppen würden keine Gelegenheit vorübergehen lasten, um Deutschland gegenüber dem Auslande übel zu schmähen. Darüber darf man sich jedenfalls keinem Zweifel hingeben, daß die Stimmung, wie sie jetzt in Ita­lien herrscht, diejenige ist, die einem willensstarken und begeiste­rungsfähigen Volke die Wege ebnet. Die erste Sitzung war des­halb eine denkwürdige, und ihre Bedeutung wird von der ge­samten Preste innerhalb und außerhalb des Lande« anerkannt.

Die Kammetfitzungen.

Rom, 22. Febr. Der Saal und die Tribünen waren über­füllt. Viele Damen waren anwesend. Der Präsident der Kam­mer, Marcora, Eiolitti und die Minister betraten zusammen den "Saal, von andauernden begeisterten Kundgebungen empfangen. Alle Abgeordneten erhoben sich, und Marcora brachte der Armee und der Marine seinen Gruß dar, was mit langanhalten­dem, stürmischen Beifall ausgenommen wurde. Der Doyen der Kammer, Lacava, schloß sich dem im Namen der Kammer an. (Langer, herzlicher Beifall.) Kriegsminister Spingardi erklärte, die Armee schließe sich mit brüderlicher Liebe und berechtigtem Stolz den hohen Ehrungen an, die von so maßgebender Stelle und Mittet so begeisterter Zustimmung ihren Brüdern von den Land­end Seestreitkräften gezollt würden, die so mutig in Libyen für die italienische Tüchtigkeit Zeugnis ablegten, durch ihr Leben die treuen Geschicke des Vaterlandes heiligten und sich opferten, damit da« Vaterland größer, glücklicher und mächtiger werde. Das hohe «nd warmempfundene Lob, da« dem Vorgehen der Armee in Diesem Saale gespendet werde, sei der hocherwünschte Preis für die (edle Pflichterfüllung aller. (Fortgesetzter, begeisterter Beifall. Allgemeine Rufe:Es lebe die Armee!") Marineminister Ca- wllica, begrüßt von dem Rufe:Es lebe die Marine!", dankte im Kamen bet Marine für die Kundgebung. (Sehr lebhafter Bei- ßall.) Der Präsident verlas eine Tagesordnung Lacava, Bettolo I

und Baccelli. durch die dem Heer und der Flotte Eruß und Beifall gespendet wird. Alle Abgeordneten und alle Tribünenbesucher er- hoben sich und äußerten ihre begeisterte Zustimmung. Der Prä- fident erklärte, die Tagesordnung sei durch Zuruf angenommen.

Sodann erhob sich Ministerpräsident Eiolitti, begrüßt von etm langandauernden großartigen Kundgebung, und brachte den Gesetzentwurf ein betr. Gültigkeitserklärung des Dekret«, in dem die volle Souveränität Italiens über Tripolis und die Cyrenaika

Mft""«C,Ävmmet erhob sich von neuem: unendliche, eindrucksvolle Beifallskundgebungen begrüßten das Dekret. Al« b/eonJ®IVne.r Begeisterung getragen war, sich gelegt hatte, beantragte Giolitti, die Kammer möge dem Präsi­denten Vollmacht erteilen, eine Kommission von 21 Mitgliedern öu ernennen, die den Gesetzentwurf prüfen solle. Der Antrag wurde unter Beifall angenommen und die Sitzung unterbrochen, um den Negierungsvertretern die Möglichkeit zu geben, den Be- ginn der Arbeiten im Senat beizuwohnen.

Nach Wiederaufnahme der Sitzung teilte der Präsident mit daß zur Prüfung der EülttgkeitserklSrunq des Annexionsdekrets vom 5. November eine Kommission ernannt sei, der u. a. Baccelli Gmccmrdini, Luzzatti und der Sozialist Enrico Ferri angehören' Der Sitzung wohnten in der Diplomatenloge der deutsche, der österreichisch-ungarische, der spanisch« und der amerikanische'Bot- schäfter bei. In der Pause, die die Sitzung der Deputiertenkammer unterbrach, tagte der Senat. Saal und Tribünen waren überfüllt Der Doyen des Senats Finali begrüßte, während sich all« Senats- Mitglieder erhoben, Heer, Flotte und König (lebhafter, lang- anhaltender Beifall, dreifacher Ruf: Es lebe der König!) und gab der Zustimmung des Senat» zu dem Werke be« König» und der Regierung Ausdruck. (Langanhaltender Beifall.) Der Präsident brachte sodann in lebhaften Worten den Gruß de« Senats an die Kämpfer dar. (Immer wieder sich erneuernde Zustimmung) Die Minister Spingardi und Eattolica dankten im Namen von Heer und Flotte, begrüßt von großartigen Kundgebungen der Begeiste- rung. Ministerpräsident Giolitti erhob sich, um zu sprechen, alle Senatoren standen auf und spendeten ihm herzlichen Beifall. Eio- lrtti dantte dem Senat für die patriotische Kundgebung, die der Regierung neue Kraft schenke, ihr Unternehmen fortzusetzen. (Ein­mütiger, nicht endenwollender Beifall.) Der Ministerpräsident Gioletti führte au«: Finali und Manfredi haben des Heroismus von Heer und Flotte gedacht, gestatten Sie, daß ich des Heroismus des Landes gedenke. (Alle Senatoren haben sich erhoben; stürmi- scher Beifall.) Alle Bevölkerungsschichten uVb sozialen Stände haben sich einmüttg um die Armee und die Marine geschart und freudig ihre Söhne hergegeben, die bereit sind, für das Vaterland zu sterben. (Lebhafter Beifall.) Diese Haltung des Landes ist die größte Stärke, die eine Nation dem Auslande gegenüber zeigen kann, und diese Kraft ist um so mächtiger, als ste sich unter der von der ungeheuren Mehrheit der Italiener anerkannten königlichen Standarte kundgab. (Das Haus hat sich erhoben; wiederholte Rufe: Es lebe der König! Es lebe Italien!) Die Sitzung wurde sodann geschloffen. Gioletti wurde von Senatoren, die ihm Glück wünschten, umringt.

Nom, 23. Febr. (Kammer.) Das Hau» bietet einen glän­zenden Anblick. Der Sitzungssaal ist vollbesetzt. Auf den über­füllten Tribünen bemerkt man zahlreiche namhafte Persönlich­keiten. Sämtliche Minister find anwesend. Ministerpräsident Eiolitti verlas eine Depesche des General Eaneva, in der dieser für die gestrige Kundgebung des Parlaments seinen Dank aus­spricht. (Allgemeiner lebhafter Beifall. Sämtliche Abgeordnete erheben sich von ihren Sitzen.) Der Berichterstatter der Kommis­sion zur Prüfung des Gesetzentwurfes betreffend das Dekret vom 5. November 1911, Martini, verlas den Bericht der Kommission und betonte, es sei überflüssig, die Kammer zur Genehmigung des Dekrets aufzufordern. Die gestrigen einmütigen Beifallsknd- gebungen haben die Meinung der Kammer dargetan. Italien fei zur Besetzung Libyens nicht durch eine persönliche heftige Be­gierde getrieben worden, sondern durch die lang empfundenen Ge­fühle, seine politischen und wirtschaftlichen Jntereffen zu schützen und seine Stellung als Mittelmeermacht zu wahren. Das ita­lienische Volk fuhr der Redner fort wünschte und wollte das einmütig. Das Dekret vom 5. November 1911 war.das Gebot der politischen Raison, des Bewußtseins der schweren Gefahren einer doppelten Herrschaft, sowie des Gefühls, daß dott, wo unsere Fahne flattert, wo die Blüte unserer tapferen Jugend gefallen ist, daß auf dem Boden, der die kühnen Heldentaten unserer Marine gewährt hat, wo wir im Erwachen der schlummernden Kräfte uns selbst wiedergefunden haben, einzig und allein unsere Herrschaft bestehen kann. Genehmigen wir das Dekret vom 5. November, damit die Welt wiffe, daß das, was ein Att der Negierung war, der unwider­rufliche Wille der Nation ist. Wohl erwogene Entschlüffe und mutige Beharrlichkeit geleiten die große Mutter Italien auf ihrem neuen Geschicke. Der Bericht Martinis wurde nach jedem Satz mit allgemeiner Zustimmung begrüßt und schließlich mit be­geisterter Kundgebung angenommen.

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Politische Umschau.

Eine freisinnige Stimme.

Bekanntlich ist dem Freisinn die Att sehr unangenehm, wie Herr Schiffer mit Herrn Bebel sich über di« Verhandlungen für die Prä­sidentenwahl auseinandersetzt«. Man höre, wie sich in diesen Köpfen die Geschichte malt, bei der e» sich im Grunde doch nur um Wahrheit oder Unwahrheit handelt. Di«Königsb. Hartungsche Ztg." schreibt:

Man hätte meinen sollen, die Festellung hätte sich auch auf andere 1 Meise und vor allen Dingen außerhalb bee Reichstage, ermöglichen I

lasten müssen. Dar Hin und Her in der Debatte war in der Tat, wie schon betont, da» denkbar Widerwärttgste. Politisch war die Diskussion nur in einem Punkt: e« zeigte sich, daß schon während der Verhand­lungen im entscheidenden Moment Herr Bastermann Herrn Schiffer hat Platz machen müssen, es zeigte sich ferner und vor allen Dingen, daß die Nationalliberalen unter der neuen Führung de« Herrn Dr. Schiffer de» Eroßblock« deftnittv überdrüssig sind, und daß st« versuchen, ihr bis­herige» wie ihr künftiges Verhalten zu rechtfettigen durch die Berufung auf di« angeblich« (sic!) Treulosigkeit der Sozialdemokratie."

Bon Herrn Scheideman» '

gräbt di«D. Tgsztg." einige interestante Worte aus, di« feine Quali- fikatton für den Vizepräfidentenposten dartun. Herr Scheidemann be­hauptete im Mai 1907 in einer Easteler Versammlung, Herr Kaempf habe sich als Präsident des Reichstageswie ein Polizeidiener benom­men". Heute hindert eine solche Liebenswürdigkeit den fteisinnigen Präsidenten nicht mehr, mit Herrn Echeidemann im Plenum zusammen­zuwirken; äus Feinden find eben gute Freund« geworden. In der Reichstagssitzung vom 5. Dezember 1908 bezeichnete der genannte Ee- noste unsere Polittk in China als eineKette von Lächerlichkeiten"; und noch am 30. März 1911 nannte er unsere China-Expeditton während des Boxeraufftandes einenHunnenzug". Auf dem Jenaer Parteitage 1905 ferner erklärte Herr Echeidemann, ein Entgegenkommen der So­zialdemokratie gegen die bürgerliche Gesellschaft sei nicht möglich, der Klaffenkampf müste unbedingt durchgefochten werden. Was er aber unter dem Klaffenkampfe versteht, bezeugte er dadurch, daß er in der Sitzung des Reichstages vom 20. März 1911 von dentapferen Kämp­fern der russischen Revolution" sprach und im weiteren Verlaufe dieser Sitzung wörtlich erklärte:Wir haben für Frankreich und für die große ftanzöfisch« Revolution die denkbar weitgehendsten Sympathien."

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Deutsches Reich.

Aus bet «udgetkommisfion. Berlin, 23. Febr. Zum Vor­sitzenden der Bubgetkommiffion des Reichstages bestimmte die Zen­trumsfraktion, welche den Posten zu besetzen hat, Spahn. Zum Vorsitzenden der Geschäftsordnungskommission bestimmte die sozial­demokratische Fraktion Haase.

Adelsverleihung. Dem Admiral Schröder, Chef der Marine­station der Ostsee, ist der erbliche Adel verliehen worden.

Eine Reise Dr. Solfs nach Südwestafrika. Berlin, 23. Febr. Die in der Preffe verbreiteten Einzelheiten über das Reisepro­gramm des Staatssekretärs des Reichskolonialamts Dr. Solf nach Südwestafrika find leere Vermutungen. Die Reise war seit Wochen geplant und hat mit irgendwelchen deutsch-englischen Verband lungen nichts zu tun. Sie ist vielmehr darauf zurückzuführen, das der Staatssekretär diese Kolonie nicht kennt und ihre mannigfal­tigen Probleme aus eigener Anschauung kennen zu lernen be­strebt ist.

Die Wirtschaftliche Bereinigung hat in die Budgetkomif- fion ihren Vorsitzenden Abgeordneten F. Behrens entsandt. Später wird bei dem KapitelAuswärtiges Amt" seitens der Wirtschaft- lichen Vereinigung Graf v. Posadowsky, für die Kolonialfrage Lic. Mumm, für den Postetat Dr. Werner, fiit den Marine-Etat Abg. Herzog in die Budgetkommisfion entsandt werden. In der Petitionskommission wird die Wirtschaft!. Vereinigung durch Dr. Burckhardt vertteten sein, zu deffen Vertreter Äbg. Herzog be­stimmt ist. In die Wahlprllfungskommission wird als Mitglied der Wirtschaft!. Vereinigung Abg. Herzog eintreten.

Au« bet Reichspattei. Die in der Preffe verbreitete Nach­richt, baß Herr Abg. Schröder-Elbing Mitglied der Reichspartek geworden ist, ist unrichtig. Da die Reichspartei die vom Seni­orenkonvent verlangte Mindeststärke von 15 Mitgliedern nicht erreicht hat, ist sie von der Teilnahme an Kommisfionssitzungen und am Seniorenkonvent im Reichstage ausgeschloffen.

Ein« neue Partei? Berlin, 23. Febr. DieRordd. Allg. Ztg " gibt einen Aufruf zur Bildung einer großendeutschen vaterländischen Partei" wieder, der von Herrn Georg Ahsbahs in Glückstadt in Holstein unterzeichnet ist. Wir glauben kaum, daß dieses sicher sehr gut gemeinte Unternehmen für unser poli­tisches Leben eine besondere Bedeutung erlangen wird.

Der tote Landtag. Rudolstadt, 23. Febr. Bei der Präsi­dentenwahl im Landtage wurde der sozialdemokratische Abgeord­nete Winter zum Präsidenten, der sozialdemokratische Abgeordnete Hartmann zmn Vizepräsidenten gewählt. Die bürgerlichen Ab­geordneten gaben weiße Zettel ab. Vizepräsident Hartmann legte sodann einen Antrag seiner Pattei vor, worin u. a. Steuer­reformen, die eine Entlastung der niedrigen Einkommen bringen, Trennung von Staat und Kirche, Herabsetzung der Dotation für den Fürsten um 23 000 M und Einführung des Verhältniswahl- snstems für den Landtag und die Gemeinden gefordert wird. Der Staatsminister widersprach der Berechtigung einiger dieser An­träge und behielt sich weiteres vor. Auf Antrag des Staats­ministers wurde befchloffen, entgegen dem bisherigen Brauch ein« Eeneraldiskusston zur Beratung der Regierungsvorlage in den Ausschüssen abzuhalten.

Keine Abtretung bet Walfischbai und Sansibar. London, 23. Febr. In bet heutigen Sitzung bes Unterhauses fragte Gold- ney an, ob bas Auswärtige Amt Kenntnis habe von einem Vers trage ober einem Abkommen, das zwischen Deutschland und Spa- nien seit dem Frühjahr 1911 bestehe und die Jntereffen Portugal» berühre. Grey erwiderte, er habe keinerlei Mitteilung über dies« Angelegenheit erhalten. Darauf stellte der Radikal« King ein« Frage, die sich auf einen angeblich zwischen England und Deutsch­land bestehenden Eeheimvertrag vom Jahre 1898 bezog. Grey er­widerte, King müffe wiffen, daß durch eine Beantwottung solcher Fragen derartigen Eeheimverträgen der geheime Charakter ge* i nommen würde. Eoldney (Unionist) richtete an Sir Eward Grey | die Anfrage, ob das Auswärtige Amt an irgendwelchen Befpre- ,