mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen' „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und Landwirtschaftliche Beilage".
J2 43
Tie „Lbcrdrffischk Zeitung" erscheint täglich mit Lurnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 5.26 * lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 *«Ä frei in- Hau». (Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Mittwoch, 21: Februar
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47. Jahrg.
1912.
GMes Blatt.
Die PräMalkrisis
Ift immer noch latent. Der „Vorwärts" hebt nochmals hervor, »atz entgegen allen anderen Meldungen die sozialdemokratische Fraktion die Uebernahme anderer Verpflichtungen, als solche, die sich aus der Geschäftsordnung ergeben, abgelehnt haben. Eine gleiche Erklärung gab, wie aus dem Reichstagsbericht hervorgeht, der Abgeordnete Bebel. Demnach muffen die Nationalliberalen bei den Verhandlungen Herrn Bebel mißverstanden haben. Es jleibi jedenfalls dabei, daß die Sozialdemokratie nach wie vor ab- lehnt, sich irgend welchen Forderungen zu unterwerfen, die dem monarchischen Gepräge unseres Staats Ausdruck geben, und alle Versuche, ihnen das einzureden, sind vor der Hand gescheitert. Wir zweifeln allerdings nicht, daß die unentwegten Sozialistenfreunde vnd Mauserungstheoretiker weiter hoffen und harren und dem Publikum einreden, Ls. mußte gleichfalls zum Narren werden.
Wie wir bereits gMrn 'Mtteilten, |pt der Kaiser den Empfang des Präsidimns abgelehnt, weil-nur zwei Herren die Audienz erbeten hatten. Der Abgeordnete Scheidemann hatte Im Verfolg der Anschauungen seiner Partei nicht um Audienz nachgesucht. Der Kaiser wollte aber nach altem Brauche das Präsidium, nicht die Präsidenten bei sich sehen, und da das Präsidium nicht vollständig war, hat er es abgelehnt, die Herren zu empfangen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Kaiser, wenn er das Präsidium empfangen hätte, vor der Sozialdemokratie und Ihrer Feindseligkeit gegen die Monarchie einen bedeutenden Schritt zuriickgewichen wäre. Es ist nicht einzusehen, warum In einem monarchischen Staate einer antimonarchischen Partei gegenüber derartige Konzessionen gemacht werden sollen. Der „Berliner Lokal-Anzeiger" hat eine Rundfrage bei verschiedenen Reichstagsabgeordneten über den Gegenstand veranlaßt. - Abg. Graf Pokadowskv setzt dabei auseinander, da die Unvollständigkeit des Präsidiums eine Folge der antimonarchischen Auffaffung der Sozialdemokratie sei, würde der Kaiser durch den Empfang des unvollständigen Präsidiums indirekt eine antimonarchische Kundgebung cntgegengenommen haben. Er meint, es würde sich unter den gegebenen Verhältniffen vielleicht empfohlen haben, daß sich nur der Präsident des Reichstages zum Empfange gemeldet hätte, was. mit dem Wortlaut des § 12 der Geschäftsordnung durchaus im Einklang gestanden haben würde. Sicher wäre dadurch die Form einer antimonarchischen Kundgebung weniger stark zum Ausdruck gekommen, aber in der Sache wäre es freilich dasselbe gewesen. Irgend welche Konsequenzen für das jetzige Aushilfs- präsidium wird die Angelegenheit übrigens nicht haben, wie bereits von freisinniger Seite gemeldet wird.
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Generalversammlnnl! des Bundes her Landwirte.
S. u. H. $e r li n, 19. Februar.
Unter Beteiligung von über 8000 Landwirten aus allen Teilen des Reickies und zahlreicher Reichs- und Londtagsabgeordneten tra* beute Mittag im Sportpalast der Bund der Landwirte zu seiner diesfäbrigen Generalversammlung zusammen. Es waren fast alle bekannteren Bun- desführer erschienen. Zu Beginn der Tagung wurde außer dem Geschäftsbericht eine Resolution vorgelegt, in der gleichmäßiger Schutz jeder nationalen Arbeit, besonders der landwirtschaftlichen Produktion, verlangt und weiterer Ausbau der sozialen und wirtschaftlichen Fürsorge für den Mittelstand und den Beamtenstand, sowie Schutz der christlichen und nationalen Arbeiterschaft gegen sozialdemokratischen Terrorismus gefordert wird. Zur Deckung der stetig steigenden Anforderungen für Heer und Flotte wird Beibehaltung der indirekten Steuern und Ausbau einer besonderen Besteuerung des mobilen Großkapitals gefordert, während man von der Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten nur eine Vermehrung der Zerrissenheit der bürgerlichen Parteien erwartet. — Der Dundesvorsitzeme Dr. Röficke (Gersdorf) hielt, mit lebhaftem Beifall empfangen, eine hochpolitische Degrüßunssansprache. In der er einen Rückblick auf den letzten Reichsragswah^kampf warf. Der Erfolg der Wahl sei jedenfalls der, daß der Liberalismus geschlagen sei und noch über den Sieg der Sozialdemokratie frohlockte. Bezeichnend sei, daß gerade der Liberalismus diese Konstellation herbei- gesührt habe, obgleich bestimmend« Persönlichkeiten des Hansabundes sich rühmen, zur nächsten Umgebung des Kaisers zu gehören. Unentwegt werde der B. d. L. für Kaiser und Reich eintreten, das sei um so nötiger jetzt. Di« Rede schloß mit einem Kaiserhoch — Hierauf sprach der Bundesführer Frhr. v. Wangenheim (Klein-Spiegel) über die Rcichs- tagswahlen: Ein Strom schmutziger Gewäffer aus den Kloaken der Großstadt, mit Haß durchsetzt und nicht reinlicher geworden durch den Zustrom des Goldes, ist über uns dahingebraust. Und was war die Folge! Wir haben allerdings einige Mandate verloren, aber wir werden sie wieder einbringen. (Stürm. Beifall.) Wir unterlagen, weil wir nicht rechtzeitig die Gefahr erkannten, die in einer Ueberschätzung der nationalen Instinkte des Liberalismus lag. Der Redner gab nunmehr eine Uebersicht über die Entstehung und Entwicklung des Bundes, der in Zeiten landwirtschaftlicher Rot entstanden und beim Zolltarif sich zusammengeschweißt habe. Es kam dann die Finanzresorm und mit ihr ein wütender Ansturm der Liberalen gegen die Rechte. Selbst die Naiionalliberalen unter Führung Bassermanns leisteten der Sozialdemokratie Dorspanndienste. (Pfui-Rufe.) Baffermann hat bewiesen, daß er der Totengräber der alten nationalliberalen Partei sein wird. Das Wiedererwachen des Antisemitismus wird hoffentlich nicht dazu führen, daß das Wort Fr. Wilhelms IV. wahr wird: Katholiken und Protestanten schneiden sich die Hälse ab und der Jude macht die Musik dazu. (Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat den Schrei nach einer starken Hand nicht verstanden, wir bitten ihn nur, daß er, wenn wir jetzt an das große Werk der Einigung gehen, uns nicht Knüppel zwischen die Beine wirft. Haben wir es doch erlebt, das aktive und inaktive Staatsminister bei den Wahlen für den Ultraliberalismus und seine Verbündeten ein» getreten sind. (Pfui-Rufe.) Das Ziel unserer Arbeit ist die Erhaltung 6e» christlichen Staate«. Stärkung bet Monarchie und Schutz jeder ehr
lichen Arbeit. (Stürm. Beis.) — Nach Erstattung des Kaffenberichtes durch Kammerherrn v. Blödau (Ehrenberg) ergriff der Direktor des Bundes, Dr. Diederich Hahn, das Wort, der zunächst versicherte, daß der Bund immer kräftig für den Mittelstand eintrete. Sozialdemokratie und mobiles Großkapital zeigten die gleich bleibenden Tendenzen: Die Eozialdemokrtatie strebe nach Organisation der Arbeitermaffen zur Vernichtung der bürgerlichen Gesellschaft, das organisierte Großkapital aber strebe nach der Herrschaft im alten bürgerlichen Staat. Zur Zeit Biilows glaubte das Großkapital, es sei seine Zeit gekommen. Recht- zeiüo orkann'.en wir die Gefahr und als wir nicht mehr an dem Wagen mitzogen, da gründet« das Großkapital den Hansabund und verbündete sich mit der Sozialdemokratie. (Zuruf: Es sind eben di« Juden!) Wir wollen kein« antisemitische Radauversammlung veranstalten. Der Redner verteidigt dann die Haltung der Bundesführung in der Finanzreform und wirst der Regierung vor, daß sie di« Partei, die die Finanzen des Reiches aufgebessert habe, vollständig im Stich ließ. In der Frage der Reichserbschaftsteuer habe die Regierung eine unfichere Haltung eingenommen. Wir wären zufrieden, wenn die Regierung diesmal oben auf dem neutralen Zaune sitzen bliebe. Da von einer Verstärkung von Heer und Flotte Handel, Industrie und Großkapital den ersten greifbaren Vorteil haben, so sei vor allem das mobil« Kapital zur Tragung dieser Lasten heranzuziehen. Wir warnen vor der Wiederauftollung der Frage der Erbschaftssteuer. Unsere Regierung ist in erster Linie schuld, daß 110 Sozialdemokraten in den Reichstag engezogen sind. Wir erwarten von der Negierung, daß sie in Fragen der Wirtschaftspolitik die Parteien nicht gleich wertet, daß st« nicht den Freisinn als gleichwertig mit den Nationalliberalen und Konservativen ansieht. Alles in allem: die letzten Wahlen waren ein Philippi nicht für uns, sondern für unsere Gegner. (Stürm. Beif.) Nach Absingung de» Liedes „Deutschland, Deutschland über alles" betrat v. Oldenburg (Ianuschau)-die Redner- tribün«. Diele von uns sind in dem Wahlkampfe auf der Strecke geblieben, aber der «und der Landwirte steht auch nach dem Wahlkampfe da mit blankem Schild, die Degenspitze gerichtet gegen di« Sozialdemo- krati« und darum gehört uns die Zukunstl Der Liberalismus hat vom Judentum und der Sozialdemostatie gegeffen und daran wird er nach einem alten Sprichwort sterben. Der letzte Wahlkampf war ein Kampf des internationalen Judentums gegen den christlich-monarchischen Staat. Wir haben die Nationalliberalen unterstützt, aber es war eine Dummheit. Wir werden es nur wieder tun, wenn sich die Nationalliberalen andere Führer suchen. Mit dem Freifinn sind wir fertig, er gehört zur Sozialdemokratie, upewigungedeelt. (Lange stürm. Heit.) Die größte Verwirrung im Volk haben die Verbündeten Regierungen angerichtet, die die Eozialdemokraste zu positiver Mitarbeit heranzogen. Heraus mit den Sozialdemokraten aus den Vorzimmern der Geheimräte! Eins steht fest: Aus den lleberschüffen der Reichsfinanzreform in Höh« von etwa 220 Millionen können Heer und Marine ergänzt werden und das Fehlende kann durch eine Reichsvermögenssteuer aufgebracht werden. (Lebh. Beifall.) Unser Schlachtruf heißt: Für Gott, König und Vaterland, für die Nation und unerschütterlich lebt in uns das Bewußtsein: Dennoch fiegst du, Nazarener! (Stürm, langanh. Beifall.) — In der Diskussion zitierte Reichstagsabg. Dr. Oertel, auf feine Wiederwahl zum Reichstag bezugnehmend, ein Scherzwort Liebermann von Sonnenbergs: Ne glücklich, Aujust, macht bet nich! Aber der Bund der Landwirte werden sich nicht an di« Wand drücken lasten. Da» deutsche Volk muß sich wehrhaft halten und es bleibt ein Volk in Waffen, solang« es ein Bauernvolk bleibt. Pflughand und Echwerthand gehören zusammen. Glauben Sie, daß wir im Zukunftsstaate mit solonischer Weisheit behandelt werden! Ich wäre der erste, der beim Scheine brennender Rittergüter am Aste baumeln würde. Das ist keine schöne Aussicht. - Mit einem Hoch auf den Bund schloß der Vorsitzende die Versammlung.
Deutsches Reich.
— Die Wehrvorlagen. Von gut unterrichteter Seite verlautet, daß an den Wehrvorlagen, die dem Reichstag unterbreitet werden sollen, zurzeit noch gearbeitet wird. Es ist nicht zutreffend, daß sie fertiggestellt find und fich bereits im Bundesrat befinde». Wie weiter verlautet, wird die auf die Marine bezügliche Vorlage nur die notwendigsten Forderungen stellen, während sie für das Heer sehr weitgehende sein werden.
— Der Entwurf eines Schuhtruppengesetzes vor dem Reichstag. Berlin, 19. Febr. Der Entwurf eines Schutztruppengesetzes ist dem Reichstage zugegangen. Er bringt u. a. folgende neue Vorschriften: Es ist in Zukunft zulässig, der aktiven Dienstzeit in den Schutztruppen zu genügen sowie Hebungen bei den Schutztruppen abzuleisten. Es wird ein Beurlaubtenstand der Schutztruppe gebildet, zu dem Offiziere und Mannschaften, die in der Schutztruppe gedient haben, und Mannschaften des Veurlaubten- standes, die in den Kolonien ansässig sind, übertreten. Die Organisation der Kontrollbehörden liegt in der Hand des Gouverneurs, die Bewilligung der Reisekosten bet Gestellungen in Kontrollangelegenheiten ist zulässig. Schutztruppenangehörige können in das Heer zurücktreten und sind dabei hinsichtlich des Dienstalters nicht schlechter zu stellen, als wenn sie im Heer oder in der Marine verblieben wären. In das Schutztruppengesetz sind ferner ausgenommen Bestimmungen über den Heiratskonsenz, die Ablehnung von Vormundschaften, den Gewerbebetrieb, das Soldatentestament, die Entrichtung von Staatssteuern und die Annahme von Aemtern.
— Ein Antrag auf Abänderung des Einkommensteuergesetzes ist von den Abgeordneten Karow und Lieneweg mit Unterstützung der konservativen Fraktion im Abgeordnetenhause eingebracht worden, durch die § 8 des Einkommensteuergesetzes dahin abgeändert wird, daß die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer als Werbungskosten in voller Höhe von dem steuerpflichtigen Einkommen in Abzug gebracht werden können.
— Prinz Max von Sachsen Erzbischof von Köln? Köln, 19. Febr. Wie verlautet, wird Prinz Max als Nachfolger des schwer erkrankten Kölner Erzbischofs, Kardinal Fischer, genannt.
— Di« Reichspartei des Reichstages, die bisher nur 14 Mitglieder zählte, hat den an Stelle des Abg. v. Oldenburg tw El
bing gewählten Abgeordneten Schröder in ihre Fraktion ausgenommen, sodaß die Reichspartei über 15 Mitglieder verfügt und int Sinne der Geschäftsordnung des Reichstages nunmehr eine .Fraktion bildet, der eine Vertretung in den Ausfchüffen und im Aeltestenrat zusteht. Bemerkenswert ist diese Tatsache deshalb, weil der Vorsitzende der Fraktion Frhr. v. Eamp bisher Vorsitzender der Budgetkommisfion gewesen ist.
— D«n Großblockschwärmern in» Stammbuch. Rechtsstehende Blätter graben folgenden Vergleich Bismarck» aus: Bor dreißig Jahren, am 29. November 1881, sagt« er im Reichstage: „Er sind immer Leute gewesen, die sich beispielsweise auf einen Potsdamer Zug gesetzt haben, während sie nur bis Kohlhasenbrück wollten. Der Schaffner sagte ihnen: Dort hält der Zug niemals. Doch sie meinen: Der Zug hat bisher dort nie gehalten, er wird aber vielleicht heute halten. So werden sie nicht nach Kohlhasenbrück gelangen, sondern darüber hinaus nach Potsdam. So ist es auch in der Polittk. Der Liberalismus gerät immer weiter al» seine Träger wollen."
— Selbstanschlußapparate für Telephonnebenstellen. Das Reichspostamt hat einen neuen Apparat eingeführt, der den Inhabern von Telephonnebenstellen die Verbindung mit dem Telephonamt ohne Inanspruchnahme der Haupfftelle gestattet. Es handelt sich um das System der Reihenschaltung, mit dem die Reichspostverwaltung schon längere Zeit Versuche angestellt hat. Eine allgemeine Einführung des Apparate» ist vorerst nicht in Aussicht genommen, da man immerhin noch nicht ge« nirgend Erfahrungen gesammelt hat, und da der Apparat teurer ist, al» der gewöhnliche. Die Einrichtung wird deshalb vorläufig nur von Fall zu Fall und auf Antrag des Nebenstelleninhabers angebracht, und zwar ohne Mehrkosten für ihn, falls der Umfang feines Fernsvrechbedarfs groß genug ist.
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Ausland.
* * Tripolis. Konstantinopel, 19. Febr. Laut Nachrichten aus türkischer Quelle soll der Scheik der Snusst von Kufra nach Benghasi aufgebrochen sein. Alle Snussistämme sollen am Krieg« teilnehmen. — London, 19. Febr. Vom 15. Februar wird aus Lehaja an Arabien gemeldet: Die Italiener landeten 500 Mann in Farsan. Vor einigen Tagen sind auch 200 Anhänger Said ' Idriß zu Schiff dorthin abgeganaen.
* * Das neue China. Peking/19. Febr. Ein heute veröffentlichtes Manifest kündigt an, daß China die europäische Zeitrechnung annehmen und 1912 das erste Jahr der Republik sein wird. Juanschikai bereitet die Mitteilung vor, durch die den Mächten seine Wahl zum Präsidenten notifiziert und die Anerkennung der Republik erbeten wird. Es ist unwahrscheinlich, daß die Veröffentlichung noch vor der Ernennung des Kabinetts stattfinden wird. — Charbin, 19. Febr. Revolutionäre, welche von Fuds- jadjan Besitz zu ergreifen versuchten, haben sich als Pseudorepublikaner erwiesen, die unter dem Vorwande der Einführung einer Volksregierung Krongelder an sich reißen wollten. Eine Abteilung chinesischer Truppen umzingelte das Regierungsgebäude in Fudsjadjan zwecks Verhaftung der Rebellen. Letztere weigerten sich, sich zu ergeben und verwundeten zwei Soldaten. Sechs Rebellen wurden getötet, dreißig verhaftet und zum Tode verurteilt.
♦ * Absendung eines amerikanischen Kreuzers nach der Pal- mirainsel. Honolulu, 18. Febr. Der amerikanische Kreuzer „Westvirginia" ist nach einem unbekannten Bestimmungsort in See gegangen. Gerüchtweise verlautet, daß er sich nach der Pal- mirainsel begibt, deren Besitz zwischen Amerika und England streitig sei. — Washington, 18. Febr. Das Staatsdepartement gibt zu, daß es möglich sei, daß ein amerikanisches Kriegsschiff nach der Palmirainsel gehe, um Erhebungen anzustellen.
* * Marokko. Paris, 19. Febr. Nach einer Meldung des „Matin" aus Marakesch setzt der Said Mtugi seine gegen die Franzosen gerichteten llmtriebe immer heftiger fort. Kürzlich habe er den mit den französischen Militärbehörden in Verbindung stehenden Kaid Scheraga Djilat in einen. Hinterhalt locken und erschießen laffen.
" Der Sozialistenlongreß in Lyon. Paris, 19. Febr. In Lyon tagt zur Zeit der internationale Sozialistenkonareß. Im Verlaufe desselben forderte Keir Hardis die Arbeiter aller Länder auf. mit den encilischen Arbeitern gemeinsam in den Streik zu treten. In England werden in einem Monat eine Million Arbeiter in den Ausstand treten. Auch der Deputierte Sembat erklärte in seiner Ansprache, daß die französischen Verglenie im geeigneten Augenblick ihre englischen Kameraden unterstützen würden. Im weiteren Verlauf des Kongresses erklärte der Delegierte Ciotti, er überbringe die Grüße des italienischen Proletariats in dem Augenblick, wo chauvinistische Torheit sich der kapitalistischen Bourgeoisie bemächtigt und sie dazu geführt habe, einen der schlimmsten Piratenzüge ins Werk zu setzen. Die sozialistischen Deputierten würden ihren Protest bei Eröffnung des Parlaments am 22. Februar laut werden laffen. Der Präsident des Kongreffes Sombat sagte bei der Begrüßung Kair Hardis, die Sozialisten werden nicht zulaffen, daß die französisch-englische Entente eine antideutsche Entente werde. Die chauvinistischen Leidenschaften seien erloschen, auch in Frankreich.
“ Der Steward-Prozeß vor dem englischen Unterhaufe. London, 19. Febr. In der heutigen Sitzung des Unterhauses fragte das Mitglied Harald Smith den Staatssekretär des Aeußern, ob er seine Aufmerksamkeit auf die Umstände hingelenkt habe, unter denen ein englischer Staatsbürger kürzlich in Deutschland der Spionage für schuldig befunden wurde und ob er über die dabei in Frage kommenden öffentlichen und privaten Inter- effen eine befriedigende Erklärung abgeben könne. In Vertretung des Ministers des Aeußern Grey bejahte Unterstaatssekretär Acland den ersten Teil der Anfrage, erklärte jedoch keinerlei Mitteilung über die Angelegenheit machen zu können.