1912.
Marburg
Dienstag, 20. Februar
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Erttss Blatt.
Vom Präsidium des Reichstages.
. Hebet die Präsidentenwahl werden jetzt von den besonders beteiligten Parteien weitere Darstellungen gegeben. Der „Vorwärts" erzählt, die Nationalliberalen hätten anfangs Bedenken geäußert, ob ein nur aus der Linken gebildetes Präsidium Bestand habe und nicht bei der ersten Gelegenheit durch einen Schachzug des Zentums zu Fall gebracht werden könne, weshalb sie einen Präsidenten aus ihrer Fraktion nicht in diese Situation bringen möchten. Den sozialdemokratischen Anspruch auf den Posten des ersten Vizepräsidenten hätten sie nach Uebernahme der staatsrechtlichen Verplfichtungen für berechtigt erklärt; ein nationalliberaler Führer habe es für die größte Blamage erklärt, wenn der fchwarz'- blaue Block wieder das Präsidium stellen würde. Schließlich hätten die Vertreter der nationalliberalen Fraktion mitgeteilt, daß diese den Prinzen Carolath als Präsidenten präsentieren werde, daß sich für einen sozialdemokratischen Vizepräsidenten in der Fraktion keine Mehreit ergeben habe, dagegen mit großer Mehrheit be- schloffen worden sei, für einen Sozialdemokraten als zweiten Vizepräsidenten zu stimmen, allerdings ohne die Gewähr, daß er auch von allen gewählt werde. Darauf habe die Sozialdemokratie sich entschlossen, selbständig vorzugehen.
Die „Nationallib. Korresp." stellt fest, daß eine Parole, die Fraktion für Bebel stimmen zu lasten, von keiner Seite ausgegeben worden sei. Die Fraktion habe vielmehr ein Erotzblockpräsidium abgelehnt, wie sie auch von einer Eroßblockpolitik nichts wissen wolle. Damit hat das Organ nun freilich bei dem Freisinn verspielt. Die „Franks. Ztg.", die ja schon seit langem den Anspruch erhebt, den Nationalliberalen zu sagen „was sich ziemt", erklärt darum, damit schädige die „Natlib. Korr." nur das „Vertrauen zu der Fraktion".
Die „Schlesische Volksmacht", ein sozialdemokratisches Blatt, verbreitet die Nachricht, daß die Nattonalliberalen nach der Wahl Spahns zum Präsidenten entgegen ihrem Fraktionsbeschluste den „Genossen" Scheidemann mit der „ausgesprochenen Absicht", gewählt hätten, „Spahn zur Niederlegung zu zwingen und für ihren Prinzen die Bahn frei zu machen." Doch dürfte es sich hier um eine Ente handeln, die zu einem durchsichtigen Zwecke aufflattert.
Aus den Verhandlungen berichtet die „Natlib. Korr." noch, die Sozialdemokratie habe erklärt, im Falle der Behinderung des ersten Präsidenten werde der sozialdemokratische Vizepräsident die persönliche Anzeige der Konstituierung des Reichstages beim Kaiser ausführen und gegebenenfalls im Reichstage auch das Kaiserhoch ausbriWen. — Wir haben es also weit gebracht. Zu dem Thema „Kaiser und Reichstagspräsidium" veröffentlicht übrigens die „Köln. Ztg." folgende Nachricht: „Der Kaiser hat es abgelehnt, das Reichstaaspräsidium zu empfangen. Der Präsident und der zweite Vizepräsident hatten um diesen Empfang nachgeiucht. Der Kaiser hat aber den Empfang dieses unvollständigen Präsidiums abgelehnt. Die Angelegenheit ist als eine persönliche Sache des Kaisers aufzufasten, was schon daraus hervorgeht, daß der Bescheid durch das Oberhofmarschallamt ergangen ist." Das „W. T.- B." gibt zu der Angelegenheit noch folgenden Komentar: „Bisher pflegte das ganze Präsidium des Reichstages, nachdem die Konstituierung desselben schriftlich durch den Präsidenten dem Kaiser gemeldet worden war, eine Audienz beim Kaiser nachzusuchen. Der regelmäßig gewährte Empfang galt dem Präsidium in seiner Gesamtheit, nicht den einzelnen Personen, die ihm anaebörten. Wie wir erfahren, bezog sich diesmal die Anfrage beim Oberhof- marschallamt wegen des Empfanges beim Kaiser nur auf den Präsidenten und den zweiten Vizepräsidenten des Reichstages. Darauf erging die Antwort, daß der Kaiser bestens danken laste, aber verhindert sei, die Herren zu empfangen. Diese Antwort wurde auf Vorschlag des Reichskanzlers gegeben, der dem Kaller nicht empfehlen konnte, einer Abweichung von der gewohnten Regel zu folgen, die et damit gut heißen würde.
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9ht1i Sir (VbirarD $ret) redet.
London, 16 Febr. Staatssekretär Grey hielt heut« in Manchester ein« Rede, in welcher er auf den Besuch des Kriesgministers Haldane in Berlin und auf die Reden des Premierministers Asquith und des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg Bezug nahm. Der Staatssekretär sagte:
Ich hoffe, Sie werden anerkennen, daß di« Sprache, welche der Premierminister hier gebraucht hat, in demselben Tone und Geiste in Berlin erwidert worden ist. Sie werden auch zugeben, daß in beiden Fällen eine wohlüberlegte Zurückhaltung und Wortkargheit zu beobachten war, das heißt, daß die Reden kurz waren. Nun, auch ich muß dieselbe Zurückhaltung beobachten. Aber ich kann auch sagen, daß, wenn eine strikte Zurückhaltung gegenwärtig notwendig ist, diese keinen Mangel an Herzlichkeit in sich schließt. Ich glaube zuversichtlich, daß etwas getan worden ist, was bleibend zum Guten ausschlagen wird, nämlich. daß die Offenheit den Himmel heller und klarer gemacht und den Nebel des Argwohns und Mißtrauens zerstreut hat, der infolge von unbegründeten Gerüchten und Berichten sich erhoben hatte. Wir in England sind ein großes industrielles Volk, das sich einer großen industriellen Entwicklung erfreut und einer noch größeren industriellen Entwicklung entgegengeht. Dasselbe gilt von Deutschland: In beider In- teresten muß Friede herrschen, und ich fürcht« nicht, daß zwischen der öffentlichen Meinung beider Länder eine dauernd« Entfremdung ent- stehen wird, vorausgesetzt, daß die Wahrheit zu ihrem Rechte kommt. - Ich hoffe, der Premierminister hat neulich in seiner Rede im Unter- hause ein für alle Male eine große Unwahrheit erledigt, nämlich die, baß wir im letzten Jahre «inen nichtprovozierten Angriff auf Deutsch- ,land geplant hätten. E- hat niemals bk geringste Begründung für
I einen solchen Verdacht gegeben. Mit einer Armee in solchen Grenzen, wie wir sie halten, ist eine entsprechende Stärke zur See wesentlich für bie Verteidigung dieses Landes, ohne die wir der Gefahr ausgesetzt sein würden, in unserem eigenen Lande niedergeschlagen zu werden, ohne Widerstand leisten zu können. Unser ganzes Voll ist in der Industrie beschäftigt, und hat keine Eroberungsgelüste ober agressive Wünsche, son- dern sein Jntereste ist der Friede. Wenn das von unserer Demokratie gilt, so glaube ich, daß es auch für die großen Volksmasten anderer Nationen zutrifst. Sollten wir nicht unsererseits anerkennen, daß auch ihre Regierung und ihre Volksmasten keinen Streit suchen?
Zum Schluß wies Sir Grey den Zeitungen die Aufgabe zu, die friedlichen Gefühle int Volke zu stärken. Aufgabe einer Haager Kon- feienz könnte sein, eine Verfügung zu erlösten, wonach, sobald zwei Regierungen erklären, daß eine diplomatische Spannung besteht, ein völliger Austausch der Journalisten beider Länder erfolgen soll?
Die Rede Sir Greys findet in England Beistimmung. Der „Manchester Guardian" schreibt: Sir Edwards Greys Rede war besonders bemerkenswert wegen der Wärme in ihren Ausführungen für Deutschland. Seine Reden haben selten zu einer Kundgebung für die englisch-deutsche Freundschaft Anlaß gegeben: gestern war das der Fall. Deshalb daü man der gestrigen Versammlung eine besondere Bedeutung beilegen. Er hat jetzt getan, was er im letzten Herbst Unterlasten hat, und dem deutschen Reichskanzler mit gleicher Herzlichkeit geantwortet. *
London, 17. Febr. In einer Red«, die Kriegsminister Haldane auf der Universität Leeds hielt, äußerte er u. a., er habe Grund, für seine llniversitätserziehung dankbar zu sein, beim als er bei seinem Besuch in Berlin mit Männern von hoher Bildung zusammengetroffen sei, hab« ihn seine Universitätsbildung befähigt, mit diesen Unterhaltungen über bte allerverschiedensten Gegenstände zu führen Sie habe ihm Gelegenheit gegeben, die Dinge durch die deutsch« Brille zu sehen, und sich ein Bild da^on zu machen, wie man di« Dinge dort auffafcL
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PreMmmm zm ^on^errebf.
„Mit der Rede des Kanzlers sind die einzelnen Parteiorgane natürlich nur insoweit einverstanden, als der Kanzler den gegnerischen Parteien Vorhaltungen macht, was er der eignen Partei fegt, findet ihren Tadel. Im allgemeinen wird dem Kanzler aber die Anerkennung nicht versagt, daß er wirkungsvoll und geschickt gesprochen habe. Aus der Linken freilich ist man über die strikte Absage an die Blütenträume des rosaroten Blockes in verfastungsrechtlicher Beziehung sehr entrüstet. Grobklotzig wenden sich „Vorwärts" und das geistesverwand te „B. T." gegen die Schulmeisterei und die „Reichsgouvernante". „Tanten und Gouvernannten find wohl auch ein notwendiges Glied in der Weltordnung. Nur daß sie den Realitäten des Lebens, dem, was da .werden will und sein eingeborenes Recht aufs Dasein geltend macht, — daß sie dem besonders verständnisvoll gegenüberständen, wird man nicht behaupte; können. Zu führenden Rollen sind sie meist nicht die geborenen Naturen. — Ihm wird es genügen, wenn er „der Herrschaft" zu Dank geredet hat. Das mag für den Augenblick gelungen sein. Später könnte sich freilich auch das Gegenteil Herausstellen. Die Linke weiß jedenfalls, was sie von ihm zu erwarten fmt; oct nichts." So schreibt das „B. T."
Und öh:' .:.h der „Vorwärts": „Mitleid konnte er erwecken, wie er aus erloschenen Augen hilfeflehend in den Saal blickte und auf keiner Seite die ersehnte Hilfe fand. Aber um von den Sozialdemokraten ganz zu schweigen, gegen die er mit einer rostigen Plempe aus dem Reichsverbandsarsenal Lufthiebe führte, weckte der größere Teil seiner Rede auch auf der bürgerlichen Linken lebhaften Widerspruch. Denn so stehen die Dinge: wie ein Schwarm Kraniche, der gegen Süden zieht, sind die viereinviertel Millionen sozialdemokratischer Stimmzettel über den '.Häuptern dieser Regie- .rung dahingezogen, ohne eine Spur zu hinterlasten!"
Eine bestere Anerkennung wie das Gebelfer dieser Brüderschaft konnte der Kanzler kaum erwarten. Die „Natlib. Karr." vermißt die stärkere Betonung der Anschauung, daß die Verwirrung im bürgerlichen Lager ibren Greund habe in der Heyde- brandschen Politik und in deiy. konservativ-klerikalen Vabangue- Spiel, das die alten Nationalparteien bis zu einem Grade verhetzte, der nie zuvor erhört war. „Der Gesamteindruck dieser Kanz- lerrede wird durch diese erstaunliche Einseitigkeit nicht gerade günstig beeinflußt; wenn schon eingeräumt werden muß, daß die scharfe unv temperamentvolle Charakterisierung, welche Herr von Beth- mann der Sozialdemokratie und vor allem dem Revisionismus widmete, von allen denjenigen dankbar empfunden werden wird, die gleich uns in der rücksichtslosen Bekämpfung der Revolutions- Partei und zugleich in positiver und nationaler Eemeinarbeit ihre erste und vornehmste Pflicht erblicken." Das ist wenigstens im letzten Punkte nach manchen Vorkommnisten der letzten Zeit eine erfreuliche Klarheit. Sollte man aber glauben, daß die folgenden Satze von einem Blatte derselben Partei herrllhren? Die Nai. Ztg." schreibt nämlich: „Die Erfahrungen, die man in manchem süddeutschen Parlament mit den Sozialdemokraten gemacht hat, widersprechen doch lebhaft dem verstockten Pessimismus, den Herr v. Bethmann-Hollweg den Sozialdemokraten und auch dem Rivisionismus entgegensetzt. Es ist doch nicht angebracht, immer wieder die alten sozialdemokratischen Sünden absichtlich hervorzukehren, um ihre Unbelehrbarkeit darzulegen."
Die parteioffiziöse „Konservative Korrespondenz" schreibt: Von konservativer Seite muß es anerkannt werden, daß der Reichskanzler klar und entschieden das Entgegenkommen der Reichsregierung gegenüber demokratischen Tendenzen ablehnte und die ver- astungsmWgen Rechte der Krone und der Reichsregierung nicht antasten lasten wist. Was die Verteidigung des Verhaltens der iönservativen Partei in bet Erbschaftssteuerfrage seitens bet Reichsregierung anbetrifft, fo ist eine solche von konservativer Seite niemals verlangt worben."
1 Die unabhängige nationale Preste stimmt dem Kanzler zm । Die „Tägl. Rundschau" nennt die Rede ein Programm der Festig« I keit und eigenen Willens. Dagegen kommt bei vielen der Zweifel I -um Ausdruck, ob der Kanzler auch wirklich die Energie habe, dies I sein eignes Programm auch auszuführen. So schreibt die „Rhein.« I Wests. Ztg.": „Niemals hat es aber mehr unserem Volke an bet, I Erfüllung solcher Leitgedanken gefehlt als gerade unterm fünften I Kanzler, der gerade durch solche Rede den tief klaffenden Unterschied zwischen Wollen und Können, zwischen Rede und Tat auft I wies. Wir haben die Hoffnung aufgegeben, von ihm Erfüllung seiner eigensten Verheißungen zu erleben." Und diese Zweifel mögen in der Tat nicht unberechtigt sein.
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Eine Rede des Prinzen Ludwig von Bayern.
Zu dem an anderer Stelle gemeldeten Stapellaufe des Linienschiffs „Ersatz Odin", der in Anwesenheit des Kaisers auf der Germania-Werft in Kiel stattfand, hielt Prinz Ludwig von Bayern folgende Taufrede: „Euere Kaiserliche und Königliche Majestät! Es ist heute das dritte Mal, daß es mir, bet gütigen Einladung Euerer Majestät folgend, vergönnt ist, dem Stapellaufe eines Euerer Majestät Schiffe beizuwohnen. Das erste Mal war es in Stettin beim Stapellaufe des Kreuzers, nunmehrigen Schulschiffe» I Hertha, das zweite Mal in Bremen beim Stapellaufe des Kreuzers München und das dritte Mal ist es hier in dem aus einem selten guten Naturhafen durch die Mühewaltung der Kaiserlichen Marin« in einen erstklassigen umgewandelten Kriegshafen Kiel, beim Stapellaufe eines Linienchsiffes. Was dem heutigen Feste feine besondere Weihe verleiht, ist, daß es Euere Majestät durch Höchst- ihre persönliche Gegenwart verherrlichen und daß Euere Majestät bestimmt haben, daß das Schiff einen Namen führe, der jedem Bayern, ja jedem Deutschen teuer ist: den Namen „Prinz-Regent Luitpold." Euere Majestät erweisen dadurch meinem hohen Vater eine seltene Ehre, mir aber — das darf ich wobl hinzufügen — eine große Freude. Mein hoher Vater gedenkt dieser Stunde mit seinen Segenswünschen für bas Schiff, für die ganze Kaiserlich« Marine und ganz besonders für deren Obersten Kriegsherrn, Euere Majestät. Er nimmt innigsten Anteil an dem Erstarken der Kaiserlichen Marine und dem Aufblühen der deutschen Interesien über See, welche letztere zu schützen und zu fördern auch eine Aufgabe der ersteren ist. Seine Königliche Hoheit der Prinz-Regent von Bayern, der, ungebeugt durch sein hohes Alter, Rückschau halt auf die vier Jahrzehnte des neuen Deutschen Reiches, ist einer bet wenigen unter uns, die in der Reife des Mannesalters den großen Ereignisien nahegestanden, die diesen neuen Abschnitt in der beschichte des deutschen Volkes eingeleitet haben. Sein Herz, das in Wärme für alles schlägt, was die Größe und die Wohlfahrt des Reiches betrifft, ist voll Glauben und Hoffen für des Reiches Zukunft, die das Zusammenwirken der in Treue verbündeten deutschen Fürsten und Staaten verbürgt. Du stolzes Schiff wirst dich, wohin immer von deinem Kaiserlichen Herrn zum Schutze deutscher Ehre und zum Schirme deutscher Interesien befohlen — sei es im Frieden, den uns Gott recht lange erhalten möge, fei es im Kriege, bei wir nicht fürchten — deines hohen Paten, heften Romen du trogst, stets würdig erweisen. Deine Besatzung wird immer eingebaut sein des Wahlspruches des Prinz-Regenten, der auch der des ersten bayerischen Ordens, des Hubertusrodens, ist und den jeder bayerische Soldat als Helmschmuck tragt, des Wahlspruches: In Treue fest!" — Im Anschluß daran taufte Prinzessin Therese von Bayern das Linienschiff auf den Namen „Prinz-Regent Luitpold".
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(H af Aehrenthal f
Wien, 17. Febr. Der Minister des Aeußern Graf von Aehrenthal ist heute Abend 9 Uhr 45 Minuten gestorben. An den Sterbelager waren anwesend die beiden Brüder, mehrere 93er, wandte, ferner die Sekfionschefs des Ministeriums des Aeußern und andere Herren des Ministeriums. Kurz vor seinem Tode roai dem Grafen Aehrenthal vom Kaiser noch der Wunsch erfüllt worden, ibn von seinem Posten zu entheben und mit Rücksicht auf die w »chtigen Aufgaben einen Nachfolger zu ernennen. Au? seinen Vorschlag wurde der Graf Leopold von Berchtold zum Minister des Aeußern ernannt. Der Kaiser richtete an den Grafen ein Handschreiben, in dem er dem Grafen für die geleisteten Dienst« herzlichst dankt und sich mit der non Aehrenthal vertretenen Politik ausdrücklich einverstanden erklärt. Dieses G;«"prftänbnie kommt übrigens außerdem auch in der Ernennung des Grafei Berchtold, der ein Schüler Aehrenthals ist und dessen Politik fort' setzen wird, zum Ausdruck. — Der Zustand des Grafen von Aehrenthal war in den letzten Stunden völlig hoffnungslos und die Katastrophe stündlich zu erwarten. Graf von Aehrenhal hat den Tag bei vollem Bewußtsein verbracht, das nur vorübergehend getrübt war. Am Vormittag wurde der Minister mit den Sterbesakramenten versehen. Im Laufe des Nachmittags nahm der Patient von seiner Familie und den nächsten Anverwandten Abschied, in dem vollen Bewußtsein, daß sein Tod bevorstehe. Der Minister las das Kaiserliche Handschreiben über seine Enthebung vom Amt« selbst und zeigte sich freudig erregt. Die Aerzte hatten seit Vormittag dciF Krankenzimer nicht verlassen.
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Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Kiel. Kiel, 17. Febr. Heute mittag 12 Uhr ist auf der Eermaniawerst in Gegenwart des Kaisers, des Prinzen Ludwig und bet Prinzessin Therese von Bayern bas Linienschiff »Ersatz Odin" glücklich vom Stapel gelaufen. Nach her laufe, bte