mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Jts. 36
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Marburg
Dienstag, 13. Februar
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47. Jahrg.
1912. i
Erstes Blatt.
Die deutjche Flotte und Herr Churchill.
Während der „privat e" Charakter der Reise des englischen Kriegsminister selbst von den Offiziösen preisgegeben wird und eile Welt davon überzeugt ist, daß Herr Haldane wichtige Dinge zum Zwecke der „Verständigung" bespricht, hat einer seiner Kollegen es für gut befunden, eine Rede zu halten, die den ganzen feindlÄhen Hatz gegen das emporstrebende Deutschland zum Ausdruck bringt' den wir bei Behandlung von Flottenfragen von drüben gewöhnt sind. Der Marineminister Churchill ist es; et hat zu der Zeit, als Herx Haldane mit dem Kaiser und dem Kanzler des Deutschen Reiches sich über Verständigungen unterhielt, frank und frei uns seine Meinung gesagt. Er war so freundlich, uns zu sagen: Latzt Euch durch Haldane nicht täuschen! In Glasgow hielt Churchill folgende Rede:
Die britische Flotte ist nicht nur stark, sie ist auch ausgezeichnet vorbereitet, jedem plötzlichen Rufe sofort Folge zu leisten. Wir hoffen, daß die Schaffung des Eeneralstabes der Marine eine Wiederholung der vor kurzem allgemeinen verbreiteten Gerüchte unmöglich machen wird, datz die Flotte nicht kriegsbereit sei. Zwischen der englischen Seemacht und der Seemacht des großen befreundeten Deutschen Reiches besteht indesien der Unterschied, datz für uns die Flotte eine Notwendigkeit ist, während sie von manchen Gesichtspunkten aus fürdieDeutfchenmehreine Art Luxus ist. Die Macht zur See schließt die Existenz Großbritanniens in sich ein. Es ist die britische Flotte, die Britannien die Stellung einer Großmacht verleiht. Deutschland war eine in der ganzen Welt geachtete Großmacht, ehe e» ein einziges Schiff besaß. Diese Tatsachen sollte man sich klar vor Augen halten, da es unzweifelhaft ist, daß in verschiedenen Kreisen Neigung zu der Annahme herrscht, datz für Britannien und Deutschland, was die Sorge für die Flotte betrifft, die gleichen Bedingungen gegeben seien. Diese Annahme ist ganz falsch. Die Regierung ist entschlosien, die Suprematie zur See, die unser Land besitzt, aufrechtzuerhalten. Wir ersehen augenblicklich aus der Presie, datz weitere Flottenverstärkungen bei den Mächten des Kontinents in Aussicht stehen. Das ist eine sehr ernste Sache, da nicht nur die Flotten an Grötze wachsen, sondern alles, was mit der Flotte zusammenhängt, ebenfalls immer höhere Ausgaben erfordert. Es besteht gar kein Zweifel darüber, datz die Nationen Europas sich selbst und einander vorwärts drängen auf einen Weg von beinahe unbegrenzter Ausdehnung und unbegrenzten Kosten. Der Redner wies sodann den Eindruck zurück, der durch die Organe beider großer Parteien hervorgerufen sei, datz Britannien finanziell sich in schwankender und geschwächter Lage befinde, er hoffe, datz die auswärtigen Freunde sich darüber klar seien, datz dies lediglich Gerede gewesen sei. (Heiterkeit.) Was erforderlich sei, sei ein schnelles Bauen nach einem regelmäßigen Plan, aber für ein sensationelles und plötzliches Aöweichen von den bestehenden Methoden sei kein Bedürfnis. Ihr regelmäßiger Ausbau könne am besten auf der Grimdlage von reichlichen jährlichen Bewilligungen durchgeführt werden. Britannien habe 135 000 ausgebildete und langaediente Leute. Dazu komme die Marinereserve, von der in Zukunft mehr Gebrauch gemacht werden solle. Churchill schloß seine Rede mit den Worten: Wir würden die erste Macht sein, die eine Verzögerung oder ein Nachlasien der Rivalitäten zur See willkommen hieße, und wir würden ein solches Nachlasien nicht mit Worten, sondern mit Taten begrüßen. (Beifall.) Falls aber Verstärkungen auf dem Kontinent stattfinden sollten, werden wir keine Schwierigkeiten haben, ihnen zu begegnen. Wenn der Wettstreit zur See schärfer wird, werden wir nicht nur die Zahl der Schiffe vermehren, die wir bauen, sondern auch das Verhältnis ändern, in dem unsere Flotte zu denen anderer großer Seemächte steht, sodaß unsere prozentuale Ueberleg e n - heit größer und nicht kleiner wird mit dem Anwachsen der Spannung und wir sicher sein können, datz andere Seemächte, statt nur durch vermehrte Anstrengungen zu überflügeln, noch weiter hinter uns zurückbieiben."
Die historischen Grundlagen der Behauptungen des Herrn Churchill, datz z. B. Deutschland geachtet gewesen sei, ehe es ein Schiff besaß, find doch äußerst dürftig. Als 1849 mehrere armierte Handelsdampfer vor Helgoland gegen die Dänen erschienen, da erklärten die Engländer, datz sie dieselben, wenn sie noch einmal die schwarz-rot-goldene Flagge zeigten, rote Piratenschiffe behandeln würden. Und wenn wir heute Kolonien haben, so haben, wir sie g e g e n England Schritt für Schritt errungen. In Deutschland wisien wir, daß unsere Flotte das einzige Mittel ist, unserem Handel und unseren Kolonien wenigstens einige Unabhängigkeit von dem englischen Machtwillen zu sichern. Wie dieser sich aber äußert, hat ja jeder zur Genüge im vergangenen heißen Sommer «kennen können; oder ist eine Flotte Luxus, wenn einem nachher und ohne datz ein Widerspruch gewagt würde, von Sir Faber bestätigt wird, datz die englische Flotte bereit war, über uns her- tzufallen. Oder glaubt Herr Churchill, das deutsche Volk hätte ver- tzessen, datz im Jahre 1905 Sir Artur Lee erklären konnte, da» deutsche Volk werde erst aus der Zeitung erfahren, datz seine Flotte vernichtet sei, so schnell werde es gehen. In Deutschland wird Herr Murchill nut bei den Strategen von der Art des „Berliner Lageblattes" und des „BorroSrtr" auf Verständnis stohen mit feinen Ideen von dem „Luxus" der deutschen Flotte. In anderen «kreisen wird man lachen, sich beileibe aber nicht aufregen. Denn «n Grunde können rott Herr« Churchill für feine Offenherzigkeit
nur Dank wisien. Cie setzt die Bemühungen Lord Haldanes erst in .das richtige Licht. Es ist ein eigenartiges Geschick, daß jedesmal, wenn man uns mit Sirenenklängen einzulullen sucht, irgend einer in England die Wahrheit sagt. Man kann nicht annehmen, datz Herrn Haldane die Töne Churchills gerade jetzt sehr angenehm und pasiend geklungen haben; umso genauer werden sie in Deutschland vermerkt werden müsien. Von besonderem Jnteresie ist übrigens die Haltung der englischen Presie zu bet Rede Churchills.
Die „Daily News" greifen die Rede an, die schwer mit der Mission Haldane« in Einklang zu bringen und in einem unglücklichen Augenblick gehalten worden sei. — Der „Daily Graphik" billigt die Rede, sagt aber, es sei nicht im besten Geschmack gewesen, Deutschland künstlich hineinzuziehen, zumal in einem Augenblick, wo von einem anderen britischen Minister über eine Versöhnung mit der deutschen Regierung verhandelt werde. Es sei ferner nicht gut, zu sagen, datz für die Deutschland die Flotte nur ein Luxus sei. Alle Nationen empfinden die Notwendigkeit von Kriegsschiffen, und Deutschland mit seinen Kolonien, einer ersten Handelsflotte und einem gewaltigen Ausfuhrhandel begeht keine Extravanz, wenn es das gleiche tut. — Die „Westminster- Gazette" schreibt: Churchill zeigte wneiger Einsicht als gewöhnlich, als er mit Deutschland über die deutsche Auffasiung von der deutschen Flotte dieskutiette. Unsere Auffasiung von unserer Flotte ist unsere Sache, die deutsche Auffasiung von der deutschen Flotte ist deutsche Sache. Die Annahme der unionistischen Blätter, daß Churchills Rede zeitlich mit Rücksicht aus Haldanes Besuch in Berlin angesetzt worden sei, darf als ganz unbegründet gelten. Falls Haldane wirklich Flottenfragen in Berlin bespricht, wäre es für die anderen Mitglieder der Regierung klüger gewesen, die Frage ruhen zu (offen; aber wir müsien unsere Minister mit ihren Fehlern und Vorzügen nehmen, und wenn Churchill warm wurde, brauchen wir seinen Worten nicht diplomatische Bedeutung zu geben. Haldane kennt die Ansichten der Regierung und versteyt völlig die deutsche Psychologie; was er in Berlin sagt oder tut, wird durchaus praktisch sein. Er wird ganz ehrlich bezeugen können, daß hier keine Iingostimmung gegen Deutschland herrscht, sondern vielmehr der aufrichtige Wunsch, ein Mittelzur Erleichterung bet Lage zu finden, die beide Länder mit wachsender Kostenlast und mit begleitenden Reibungen bedroht.
Man mutz uns doch für entsetzlich dumm halten! Die „Westminster Gazette" ist das englische ministerielle Blatt! —
Mr Men kein Präsidium!
Das eigenartige Ergebnis der ersten Präsidentenwahl hat sich, wie wir bereits am Samstag meldeten, schnell geändert. Der Präsident, Herr Dr. Spahn, hat sein Amt niedergelegt, aus Gründen, die in der Zusammnsetzung des Präsidium liegen. Als die Natio- nallibetalen sich zum größten Teil auf die Seite der Eenosien schlugen und sogar einen Herrn Scheidemann einem gemäßigten Konservativen wie Herrn Dietrich vorzogen, da war es klar, daß die Linke auch im Präsidium möglichst unter sich sein wollte. Kurz und gut, Herr Spahn will nichts mehr damit zu haben. Zunächst wird also Herr Scheidemann die Würde des deutschen Volkes repräsentieren. Was dann allerdings weitet kommt, ist in tiefes Dunkel gehüllt. Ob der nationalliberale Prinz Schönaich-Cato- lath neben Herrn Scheidemann und einem Freisinnigen, da Herr Paasche dann natürlich niederlegen dürste, als Präsident fungieren wird, erscheint zweifelhaft. Die „Nationalztg." meint allerdings, jetzt sei der Weg für die liberale Mehrheit frei. Vesonnene Blatter stellen freilich fest, daß diese Mehrheit keine Mehrheit sei, da sie, selbst wenn sich alle Nationalliberalen dazu zählen wollten, davon abhängt, ob nicht der eine oder andere Abgeordnete den Schnupfen hat. Allmählich scheint übrigens vielen Nattonallibetalen in bet toten Gesellschaft etwas bange zu werben. Die „Köln. Ztg." macht deshalb für die Neuwahl folgenden Vetmittlungsvorfchlag: „Viele Gründe sprechen gegen etjtes Etoßblock-Ptäsidium, weshalb es rat)am erscheint, daß durch einen Vertretet bet Rechten bet Chatäktet des neuen Reichstages gewahrt werbe. Da man nach Rücktritt Spahns bem Zentrum den zweiten Vizepräsidenten nicht anbieten dürfte und die Konservativen jede Gemeinschaft mit einem roten Kollegen ablehnen, so müßte an die Reichspartei die Forderung ergehen, sich als Pattei des Ausgleiches zwischen Rechts und Links zu betrachten und dem neuen Präsidium eine neue versöhnliche Note zu geben."
Aehnlich steht die „Nationalztg." auf dem Etandpuntt, daß die Wahl Spahns ins Präsidium an'sich ein glücklicher Ausfall der Präsidentenwahl gewesen sei, indem es die neue Situation zum Ausdruck brachte. Die neue Situation sieht das Blatt in der Ausschaltung der Konservativen. Wie bescheiden man doch jetzt geworden ist. Dor Jahren hatte man noch den Ehrgeiz, die Eenosien und---das Zentrum auszuschalten. — Der Vorschlag für die
Reichspartei dürfte jedenfalls seinen Zweck nicht erreichen.
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Politische Umschau.
Da» Marokkoabkommen vor de« französischen Senate.
Pari», 10. Febr. Der Senat setzte heute vor überfüllter Tribüne die Beratung bes deutsch-französischen Abkommens fort. Meline sprach sich dahin aus, datz ein gewisse, wirtschaftliches Interesse fflj Frankreich Vorgelegen habe, sich an die durch den Vertrag von 1903 verbesserte Alge- cirasatte zu halten, und krtttfierte die Anwendung des Prinzips der offenen Tür in Marokko.
Ministerpräsident Poincatt ettlärte, et habe al» Mitglied der Regierung die Absicht, die er al» Berichterstatter gehabt habe, beinhalten und fuhr fett: Da» Abkommen ist nicht vollkommen und kann e» auch nicht fein. Aber es ist dttngeich wünschenswett, datz w angenommen wird.
Wenn es abgelehnt würde, würden innere Schwiettgkeiten entstehen, wir würden absehen müsien von dem Protektorat in Afrika und vielleicht die Politik abgeben, die wir seit dem 18. Jahrhundert in Afrika befolgt haben. Die Verttäge von Algeciras und von 1909 haben niemals den Wett für Frankreich gehabt, wie der gegenwärtige. Wir sind Europa gegenüber feierlicher Berpflichtungen eingegangen, und wir müsien sie halten. Wir sind in der Lage, uns mit Erfolg gegen die deutsche Durchdttn« gung und den deutschen Einfluß zu verteidigen. PoincarL bemerkte, datz das Vorkaufsrecht Frankreichs auf Belgisch-Kongo bestehen bleibe und datz dieses Recht im übrigen unabtretbar sei. Deutschland werde Frankreich- politische Aktton fernerhin nicht bekämpfen. Mit Spanien muffe eine Verständigung erzielt werden- Marokko werde niemals dasselbe werden, was Tunis sei. Frankreich fei verpflichtet, die wirtschaftliche Gleichbe- rechttgung des Handels aufrechizuerhalten, es müsie aber auch der Grundsatz der offenen Tür gewahrt werden. Poincari wies ferner darauf hin, daß gegenwärtig 37 000 Mann in Marokko ständen, darunter 10 000 Mann in der Gegend von Udgda. Aber man sei noch nicht imstande, da, Land zum Frieden zu bttngen. Es werde von größter Bedeutung sein, die militärischen Hilfsquellen Marokkos auszunutzen. Diese Organisation umfaste schon 6000 iüchsttige Leute und werde vergrößert werden.
Hieraus ergriff Clemenceau das Wort und erklärte, daß er ebenso wie Poincare einen ehrenvollen und würdigen Frieden wolle. Er tadelte sodann die Deutschland gemachten Zugeständniste und erklärte, daß die Verhandelnden Unrecht daran getan hätten, unter den Kanonen von Agadir die Besprechungen zu führen.
Nach Schluß der Generaldebatte ergriffen noch einzelne Redner da» Wort, um ihr Votum zu begründen, darunter der Senator von Belfort, Berger, welcher ettlärte, er schließe sich in Erinnerung an 1870 und Elsaß- Lothringen der von den lothringischen Deputierten in der Kammer verlesenen Erklärung an und werde sich der Stimme enhalten. Das Abkommen wurde hierauf mit 212 gegen 41 Stimmen angenommen. 38 Senatoren enthielten sich der Stimme, 7 fehlten.
Deutsches Reich.
— Zum Rücktritt Spahns. Berlin, 10. Febr. Der Entschluß Spahns, das Amt als Reichstagspräsident niederzulegen, beruht nicht auf einem Beschluß der Zenttumssraktion. Diese war gerade im Begriff, in etne Besprechung der Frage einzutreten, als ein Abgeordneter erschien und mitteilte, die Beratung sei gegenstandslos, da Spahn sich entschlossen habe, am Montag das Amt niederzulegen. Die Mitteilung wurde mit allgemeinem Beifall aufgenommen. Die Fraktion sprach Spahn ausdrücklich ihr Vettrauen aus.
— Das Ministerium Hertling. München, 11. Febr. Das neue Ministerium setzt sich folgendermaßen zusammen: Frhr. v. Hertling: Präsidium und Aeußeres, Präsident des obersten Landesgerichts v. Thelemaim: Justiz, Reichsrat Frhr. v. Soden: Inneres, Ministerialdirektor v. Knil- ling: Kultus, Staatsrat v. Breuning: Finanzen, Eisenbahndirekttonspräsident v. Seidlein-Nürnberg: Verkehr, Graf Horn: Krieg. — In dem Handschreiben des Prinzregenten an den Ministerpräsidenten v. Hertling wird der Rücktritt des bisherigen Kabinetts genehmigt und die Ernennung der neuen Minister ausgesprochen.
— Bom Grafen Zeppelin. Bremen, 9. Febr. Heute nachmittag sand im Hause „Seefahrt" wie alljährlich im Monat Februar die Schaffer- mahlzeit statt. Unter den auswärtigen Gästen befand sich auch Graf Zep- pelin. Er dankte dem Norddeutschen Lloyd für die Opfer, die dieser bei der Spitzbergen-Expedition gebracht habe, und gab im Auftrage der De- lag bekannt, daß das neueste Luftschiff, das in der nächsten Woche seine Probefahrten beginnen würde, mit Bewilligung des Kaisers den Namen „Viktoria Luise" erhalten werde. Das demnächst folgende Luftschiff solle den Namen „Hansa" führen, und er hoffe, mit der „Hansa", Bremen seinen Besuch abzustatien.
— Der neue Vorfitzeube des verein« deutscher Zeitungsverleger. Berlin, 10. Febr. Der Vorstand des Vereins beutmjir ZkftungSvttleger wählte an Stelle des verstorbenen Dr. Max Jänecke in der heutigen Sitzung einstimmig Dr. Robert Faber von der „Magdeburgischen Zeitung" zum Vorsitzenden des Vereins.
— Reue Pockenerkrankungen in Liegnitz. Breslau, 10. Febr. Wie die „Schlesische Zeitung" aus Liegnitz meldet, sind zwei neue Pockenerkran- hingen vorgekommen. Die Bewohner der Häuser, in denen die Erkrankte» wohnten und ebenso sämtliche Soldaten des Infanterieregiments Nr. 1 sind geimpft worden. Im ganzen sind bisher neun Personen erkrankt.
— Spionageprozeh. Leipzig, 10. Febr. Vor dem vereinigten 2. und 3. Strafsenat des Reichsgerichts begann heute Vormittag die Verhandlung gegen den italienischen Gipsfigurenhändler Egisto Barsanti. Der Angeklagte hatte versucht, einen Soldaten zu veranlassen, ihm eine Armeepistole, einen geheim zu haltenden Gegenstand, zu verkaufen, und war in Sensburg verhaftet worden. Die Oeffentlichkeit ist nicht ausgeschlossen. — Der Angttlagte wurde nur wegen Bestechung, nicht wegen Vergehens gegen das Spionagegesetz verurteilt, und zwar zu zehn Monaten Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft. Die Aussage des Zeugen Musketier Lilienthal wurde für glaubhaft gehalten. Danach bot der Angeklagte Militärpersonen Geschenke an und machte sich dadurch der Bestechung schuldig. Im übrigen konnte es nicht als erwiesen angesehen werden, daß der Angeklagte bewußt geheimzuhaltende Gegenstände verlangt hat.
Ausland.
"Tripoli». Derna, 10. Febr. Gestern früh bewegte sich eine besondere feindliche Truppenabteilung In der Richtung auf ein im Bau befindliches kleines italienisches Fort. Durch die Entfaltung der italienischen Truppen wurde sie gezwungen, sich erfolglos zurückzuziehen. — Tobruk, 10. Febr. Gestern vormittag unternahm der Feind einen schwachen Angriff auf ein italienisches Fort, wurde aber durch italienisches Eewehr- feuet sofort zurück gewiesen. Auf der Flucht wurde der Feind noch von der italienischen Feldartillerie beschossen, die ihm Verluste beibrachte, während auf italienischer Seite kein Verlust zu verzeichnen war. — Äon» stanttnopel, 10. Febr. Wie der Gouverneur von Hodeida meldet, wurden Infolge der italienischen Blockade alle Maßnahmen getroffen, um die Ordnung im Innern aufrechtzuerhalten. Selbst wenn die Italiener Rasel Ketib angreifen wollten ist die Lage der ftanzöstschen Ingenieure in keiner Weise gefährdet. i
— Die Resolution in China. Mulden, 11. Febr. 50 Soldaten unb ein Offizier wurden bei dem Versuch zu fliehen, um zu den Revoluttonä-. «en Überzugehen, festgenommen. Der Generalgouverneur von Tschaorshiu»