mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
und den Beilagen' „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .^Landwirtschaftliche Beilage".
M 31
2ie „Lbkryesiische Zcltuny- er,chcinr lagtlch mit riuenah p.t aer L-nn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 9.26 * lohne Bestellgelds, oci unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei ins Hau«. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine lei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruck,rei I. L. Koch (Jnb.: Dr. ®. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Mittwo f), 7. Februar
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47, Jahrg.
1912.
Erttes Blatt.
EnMch.- Spionage.
Der neueste englische Spion, Herr Steward, ist, wie voraus« zufehen war, verurteilt worden, aber nur zu der mäßigen Strafe von Jahren, und zwar nicht einmal zu Gefängnis, sondern zu Festungshaft. Wir halten das für einigermaßen unverständlich. Die letzten Heiden Jahre haben mit einer geradezu drohenden Deutlichkeit gezeigt, welch' ungeheuren Wert Großbritannien auf die Spionage in Deutschland legt, wie es der britischen Admiralität vor allem darauf ankommt, die wichtigsten Fortschritte unserer neuesten Schiffstypen zu erfahren, ehe sie vom Stapel gelaufen, fa womöglich, ehe sie auf Stapel gelegt worden sind, damit der eng« lische Kriegsschiffbau sich diese Fortschritte zunutze machen kann. Im vorliegenden Falle handelt es sich um einen Mann, der durch seine persönlichen Eigenschaften, seine gesellschaftliche Stellung, seine Vermögenslage und seine Intelligenz als besonders gefährlich betrachtet werden mußte. Wir können in seinem ganzen Verhalten mit dem besten Willen keinen Grund erblicken, weswegen man Herrn Steward nicht mit Gefängnis bestraft hat, mag er zehnmal aus sogenannten uneigennützigen Gründen sein Gewerbe betrieben haben. Der letzteren Erwägung setzen wir entgegen, daß er mit Erfolg auf Bestechung deutscher Staatsangehöriger aus- gegangen ist. Wir können nichts Edles und Anständiges darin erblicken, wenn ein Engländer seine Geldmittel dazu verwendet, Deutsche zu korrumpieren, und zwar zu dem Zwecke, die Landesverteidigung des Deutschen Reiches durch Erkundung ihrer Ge- heimnisie zu schwächen und einen englischen Angriff zu erleichtern. Die Geschichte des Spions Steward hat gerade in unserer Zeit, wo Spionage fast überall getrieben wird, doch einiges Interests.
Es ist erinnerlich, daß der 40jährig« Rechtsanwalt am höchsten englischen Gerichtshof Bertram Stewart, der am 2. August 1911 in Bremen festgenommen wurde, des Vergehens gegen das Spionagegesetz vom 3. Juli 1893 beschuldigt ist. Er steht in dem Verdacht, das Haupt der weitverzweigten englischen Spionageverschwörunq zu sein, die nun schon seit Monaten die Oeffentlichkeit beunruhigt. Er ist kurz nach der Festnahme des englischen Schisfshändlers Schultz, der inzwischen vom Reichsgericht abgeurteilt worden ist, nach Bremen gekommen und hat hier zunächst die Einzelheiten des im Bau befindlichen Dreadnought „Thüringen" und ferner di« Weserforts Brinkammahof, LanaMjen und Bremen auszuspionieren versucht. Weiterhin hat er Borkum, Helgo« land, Wilhelmshaven und Hamburg besucht und in Hamburg sich ange« legentlich um den dort auf der Werft von Blom u. Botz im Bau befind« lichen modernsten Panzerkreuzer „Moltke" gekümmert. Nachdem sich das Netz der Beweise gegen ihn in aller Stille zusammengezogen hatte wurde er zunächst im Bremer Untersuchungsgefängnis interniett und dann nach Leipzig überführt, wo die Hauptverhandlung geaen ihn begann. Zunächst wurde vor der Oeffentlichkeit durch den Dorsitzenden, Eentspräsidenten v. Pelargus, di« Vergangenheit des Angeklagten fest- gestellt, der einer sehr angesehenen und reichen Londoner Familie angehört, Leutnant im Königlichen Yeomanry-Regiment von Kensington und ein Mitglied der Advokatenfamilie Markby, Stewart & Co. ist. Der Angeklagte gab u. a. an, ein Neffe der verstorbenen Lady Kensington zu sein und im Burenkrieg in hervorragender Weis« auf dem Gebiete des Aufklärungsdienstes tätig gewesen zu sein. Doch bestritt er energisch, etwas von Marinedingen und wm Küstenverteidigungswesen zu verstehen. Er hat sehr viele Reisen gemacht und auf diesen Reisen wiederholt auch Deutschland berührt. Er hat sich längere Zeit in Dresden. Leipzig, Berlin und am Rhein ausgehalten und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß er in der kritischen Zett des Vorjahres, als der englische Spionagedienst kein Mittel scheute, sich in den Besitz der wichtigsten Geheimniste des deutschen Küstenbefestigungsdienstes und der beut« scken Marin« zu setzen abermals nach Deutschland tteiben ließ, um festzustellen, was an den Alarmnachrichten über di« Kriegs« Vorbereitungen der deutsche« Flott« Wahre« sei und eventuell diese Vorbereitungen durch sein« Kundschafterdienst ewirkungsloszumachen. Infolge seines typi« scheu Engländertums, das ihm nicht gestattete, di« deutsche Sprache zu gebrauchen oder sich unkenntlich zu machen, ist er denn sehr bald den Behörden in die Hand gefallen, di« damals schon durch die Svionagever- such« des Leutnants Trend) und Brandon sowi« des Schikfsbändler« Schultz und seiner Hintermänner gewarnt worden waren. Nachdem er in der Verhandlung keinen Ausweg mehr sah, war es fein Bestreben, alle Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen und niemand, weder sein« Freunde in England noch feine Helfershelfer in Deutschland zu belasten. Das Benehmen des Angeklagten vor Gericht war wenig sympathisch. Er gab den Richtern unbescheidene, impertinente Antworten und benahm sich so, als ob er eigentlich über die Richter zu Gericht sähe.
Lerr Steward ist, rote die Zeitungen melden, über seine Verurteilung sehr entrüstet gewesen, er hatte also scheinbar darauf gerechnet, freigesprochen zu werden. Nun ist das eine persönliche Auffasiung, und auf die kommt es nicht im geringsten an. Objektiv betrachtet, halten wir das geringe Strafmaß, vor allem aber die Art der Strafverbüßung für sehr bedauerlich und verfehlt. Eine Festungshaft bildet kein Abschreckungsmittel für etwaige Nachfolger des Herrn Steward. Und darauf kommt es doch bei diesen Strafen zu einem sehr beträchtlichen Teile an. Jnterestant ist .nun, daß die englischen Blätter Herrn Steward jetzt als Opfer eines Jutzizmordes hinstellen. So echot es ja jedesmal über den Kanal, wenn einer ihrer JRittei* mit unfern Strafgesetzen In Konflikt kommt. Allerdings ist Herr Steward ein Opfer, aber — bet englischen Jnvasionsfurcht. Und was die Höhe der Strafe an- langt, so muß darauf hingewiesen werden, daß England selbst für Spionage überall die Zuchthausstrafe vorsieht und das von rerbtswegen.
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Der italienische-türkische Krieg.
R o m, 4. Febr. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Tripolis: Nach Berichten von Kundschaftern setzte sich eine Mahalla von einigen hundert Bewaffneten zwischen Eargaresch und Zensur fest, um einem eventuellen Vormarsch der Italiener dorthin entgegenzutreten. — Aus Tobruk wird gemeldet: Gestern führte eine Gruppe von 100 Beduinen verschiedene Angriffe von Osten und Süden gegen die Stellung der Italiener aus. Die Angriffe wurden durch das italienische Gewehr- und Artilleriefeuer, das den Angreifern bedeutende Verluste zufügte, zurückgewiesen. Die Italiener hatten einen Toten.
Konstantinopel, 5. Febr. Die Pforte protestierte bet den Mächten gegen' die Beschießung des nicht befestigten Platzes Djebana durch die Italiener.
Paris, 5. Febr. Die italienische Regierung hat dem Ministerpräsidenten Poncar6 mitgeteilt, daß sie das italienische Blockgeschwader im Raten Meer angewiesen habe, die den Post- dampfern der Meffaglieri-Marittmes erteilten Aufgaben tunlichst zu erleichtern.
P a r i s, 5. Febr. In einer anscheinend offiziösen Zeitungsmeldung wird ausgeführt, daß die Eisenbahn von Hodeida ein türkisches Unternehmen ist, an dem nicht nur französische, sondern auch italienische Kapitalisten beteiligt sind. Uebrigens werde in dem diesbezüglichen vom türkischen Parlament genehmigten Konzessionsvertrag ausdrücklich erklärt, daß die Verluste und Schäden, die an dem Bahnunternehmen durch einen Aufstand oder einen Krieg verursacht würden, der türkischen Regierung zur Last fallen. Die Bahngesellschaft müsse demnach für die etwa durch ein italienisches Bombardement erlittenen Schäden von der türkischen Regierung Ersatz erhalten. Es handle sich also anscheinend nicht um einen französisch-italienischen, sondern um einen italienischtürkischen Zwischenfall. Die Türken könnten die Frage des Bombardements von Hodeida immerhin vor das Haager Schiedsgericht bringen.
Paris, 5. Febr. Auf das Ersuchen de» Justizminister» hat die Kammer die Besprechung einer Interpellation Driant über die Vorfälle in Hodeida bis zur Beendigung der Erörterung über das deutsch-französische Abkommen im Senat verschoben.
Konstantinopel, 4. Febr. Infolge der von der türkischen Presse gebrachten Klagen über schlechte Behandlung der nach Easerta geschafften türkischen Kriegsgefangenen beauftragte die Pforte den türkischen Botschafter in Berlin, sich dafür zu verwenden, daß die Gefangenen nach einem besseren Platze gebracht werden.
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Politische Umschau.
Dao Marokkoabkomme« vor dem sranzöstschen Senat.
Im französischen Senat kam es anläßlich der Debatte über das Marokkoabkommen zu heftigen Szenen. Der Deputierte J«"nouvrier (Nationalist) griff die republikanische Regierung heftig an, sie habe dem Lande völlige Anarchie gebracht. Dann kam er zu sprechen auf geheime Verhandlungen, welche Caillaux durch die Vermittlung verschiedener Finanziers mit dem deutschen Botschafter und Frhrn. von der Lancken geführt habe. Ferner habe Eaillaux mit dem internationalen, aber vor allem deutschen Bankier Baron Eünzberg (Paris) über die deutsch-französischen Verhandlungen eine Unterredung gehabt, in welcher die Grundlagen für eine deutsch-französische Verständigung gelegt werden sollten. Es seien folgende Bedingungen verlangt worden: Frankreichs Beistand für die Bagdadbahn, Zulasiung der Bagdadbahn- Obligationen und der deutschen Rente an die Parise Börse, Abtretung des gesamten französischen Kongo, allgemeines Ueberein- kommen zwischen Frankreich und Deutschland, welches seinen end- gülttgen Verzicht auf eine Abänderung des Frankfurter Vertrages enthalten sollte. (Rufe rechts: „Das verdient eine Versetzung in den Anklagezustandi" und: „Worauf begründen Sie Ihre Behauptungen? Wer hat sie angeboten?" JSnouvrier: „Der damalige Ministerpräsident Eaillaux!" Rufe links: „Wer kann da« beweisen?" J^nouvrier: „Der damalige Minister de Selves hat das entdeckt!" de Seines: „Ich habe die Anerbieten, von denen Sie sprechen, nicht gekannt!") Jönouvrier fortfahrend: Wenn Sie die Wahrheit erfahren und Beweise haben wollen, dan ordnen Sie eine Untersuchung an. Zu diesem Zweck beantrage ich eine Resolution. J^nouvrier erklärte noch, er werde gegen den Vertrag stimmen, welcher kein Werk'."ug des Friedens, sonders des Krieges sei, der ein Stück des nationalen Gebietes ohne Kampf an Deutschland preisgegeben habe, welches den Franzosen schon Ellaß-Lothringen entriß, einen Vertrag, durch welchen Deutschland einen Zugang zu Velgisch-Kongo erhalte, Bel- gisch-Kongo, das zwar nicht gekauft, aber doch genommen werden könne (Protestrufe links). — Der Sitzung wohnte auf der dicht besetzten Tribüne auch der deutsch« Geschäftsträger Frhr. von der Lancken bei.
Der Entwurf eines neue» Gesetze, über die Reich», und Staatsangehörigkeit
ist vom Bundesrat angenommen worden und soll dem Reichstage sofort vorgelegl werden. Durch die neuen Bestimmungen soll der Verlust der Zugehörigkeit zum Reiche erschwert werden. Nur auf eigenen Antrag scheidet der Ausländsdeutsche au» der deutschen Staatsgemeinschaft au». Wo aus irgend welche» zwingenden Gründen di« Ctroeibtmg der ausländische» Staatsangehörigkeit erfolgt, soll trotzdem di« Heimatbehörde das Recht besitzen, die Bet»
^^t)»^)e^ti^ze» t gestatten. Sehr
wichtig sind die neuen Bestimmungen über die Wehrpflicht der Ausländsdeutschen. Zwar sollen sie prinzipiell zur Leistung de» Militärdienstes verpflichtet sein, doch will man die Möglichkeit einer Befreiung von der aktiven Dienstpflicht dort schaffen, wo sonst unverhältnismäßige Nachteile entstehen würden. Gedienten Leuten will man den Zwang zu jährlichen Hebungen erlaßen: Ersatzbehörden sollen im Auslande und in den Schutzgebieten di« Regelung der Militärverhältnisie erleichtern. Auch in anderen Fragen, rote die Zurückstellung oder Ueberweisung zur Ersatzreserv« oder zum Landsturm, der Erwerb der Berechtigung zum einjährig« fteiwilligen Dienste, die Zulasiung zu dem Dienst in den Schutztruppen usw. sollen in Zukunft für die Deutschen im Auslunde bedeutende Erleichterungen eintreten.
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Deutsches Reich.
— Reichstagsabgeordneter Gräfe Mitglied der konservative» Frattion. Der Vertreter des Reichstagswahlkreises Bautzen- Kamenz, Herr Eräfe, der bekanntlich der Reformpartei angehört, hat sich der konservativen Reichstagsfraktion angeschlosien. Di« Fraktion besteht demnach jetzt aus 44 Mitgliedern.
— Demission des bayrische» Ministeriums. München, 8. Febr. Das Eesamtministerium hat heute nachmittag seine Demission ein. gereicht.
— Der Ausfall der bayrischen Landtagswahlen. München, 5. Febr. Bis 1 Uhr nachts war das Gesamtresultat der Wahlen bekannt. E» wurden gewählt: 87 Zentrum, 85 Liberal« und Deutscher Bauernbund, 30 Sozialdemokraten, 4 bayrischer Bauern« bunb und 7 Bund der Landwirte. Da« Zentrum gewinnt? und verliert 13, die Liberalen gewinnen 13 und verlieren 2, die So- zialdemokraten gewinnen 9, der bayrische Bauernbund gewinnt k und verliert 2, der Bund der Landwirte und die Konservativen gewinnen 2 und verlieren 12.
— »iaterübn««. Kiel, 8. Febr. Die Aufklärungsschiffe traten heut« vormittag ihre Winterübungsreise nach der Nord- fot an.
_ Ein «ffiziöse« Beet für den Fürst«» VSlow. In ihrem Wochenrückblick äußert sich bte „Nordd. Mg. Zig." am Sonnabend über die immer noch andauernde Wahlfehd« der Parteipresie und fahrt dann fort: Leider hat man auch den Vorgänger des jetzigen Reichskanzler» mit Be« lchuldigungen nicht verschont. Die „Kreuzzeitung" ist soweit gegangen, dem Fürsten Bülow Irreführung der konservativen Parteiführer vorzu- werfen und von vertraulichen Versprechungen des Fürsten an die Liberalen zu reden, mit denen der Weg zur Schattenmonarchie und zum Re« publikanismu« gepflastert zu sein pflege. So bestimmt diese «ehaup, tungen austreten, so wenig sind sie begründet. Wir bedauern diese An« griffe auf den früheren Reichskanzler um so lebhafter, als er in der Ab. wehr nicht über die Freiheit be« Parteipolitikers verfügt.
— Di« „Norddeutsche Allgemeine Zeitung- schreibt: Die Wahlbetrachtungen in der Parteipresie erschöpften sich in einer Flui der gegenseitigen Vorwürfe noch nicht, doch klingen schon hier und da in die leidenschaftlichen Erörterungen der vergangene» Tage besonnene Stimmen hinein, die an die bevorstehenden ge« meinsamen Aufgaben mahnen. Wenn es sich dabei auch zunächst um die Prüfung des Terrains handelt, so verzeichnen wir doch gern solche Ansätze, die für die Entwicklung der Beziehungen unter den staatserhaltenden Parteien wertvoll werden können. In der praktischen Partlamentsarbeit wird es sich bald Herausstellen müssen, ob der Wille der Parteien stark genug ist, um die Erbitterung der letzten Jahre, die in der Wahlagitation kulminierte, zu Überwinden. An Angriffen auf die Negierung hat es in der Presie auch weiterhin nicht gefehlt. Auch in den Etatsdebatten des Abgeordnetenhauses sind ihr zahlreiche Vorwürfe gemacht worden. Die Verhandlungen im Reichstage werden der Regierung Gelegenheit geben, sich mit ihren Kritikern auseinanderzuietzen. Leider hat man auch den Vorgänger des jetzigen Reichskanzlers mit Beschuldigungen nicht verschont. Die „Kreuzztg." ist soweit gegangen, dem Fürsten Bülow eine Irreführung der konservativen Parteiführer vorzuwerfen und von vertraulichen Versprechungen des Fürsten an den Liberalismus zu reden, mit denen der Weg zur Schattenmonarchie und zum Republikanismus gepflastert zu sein pflege. So bestimmt diese Behauptungen auftreten, io wenig sind sie begründet. Wir bedauern diese Angriffe auf den früheren Reichskanzler umso lebhafter, als er in der Abwehr nicht mehr Über die Freiheit eines Parterpolitikers verfügt.
Ausland.
— Die Revolution in China. Peking, 5. Febr. Das Edikt, da« Tnanschikai beauftragt, di« Republik zu errichten, wird voraussichtlich erst eröffnet werden, wenn die Vordere: unaen möglichst vollständig sind. Augenscheinlich besteht ein enges Einvernehmen zwischen Tuanschikai und den Republikanern, die ihm von neuem di« Präsidentschaft angeboten haben. Die Lebertragung der Gewalt ist der Oeftentlichkeit, aber di« geschickte Att, wie st« ausgeführt wird, läßt 'einen Raum für ernsthaft« Befürchtuna-m. Viel« der kaiserlichen Prinzen verlasien Peking. Die Prinzen Kvng und Sn haben sich nach der Mandschurei begeben, wi« man argwöhnt, um die dortige Stimmung zu ergründen. Der Vizekönig Tschaeershun ist bereit, die Republik anzuerkennen, aber Tschangtfchulin, der Befehlshaber der Truppen in Stärke von 12000 Mann, bleibt unerbittlich. — London, 6. Febr. Di« „Daily Mail" nreldet aus Peking: Die kaiserliche Regierung vereinbart« ein Abkommen über die Aufnohm« einer sechsprozentigen Anleihe von sechs MlRionen Mark mit der deutschen Firma Arnhold. Karberg u. Co., die noch der Bestätigung durch ein Edikt bedarf. Nach diesemAbkommen sicherten sich die österreichischenSkoda- Werke in Pilsen während der ersten fünf Jahr« Aufttäg« für Waffen und Munition in Höh« der Anleihe. Die hiesige Firma Arnhold, Karberg *. Co. bestätigt die Richtigst vorstehender Meldung, fügt aber Hinz», datz sw den Vorschuß in der Hauptsache zur Erleichterung der gegeuwä» <