mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und »Landwirtschaftliche Beilage".
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Ttc „Cbertieffifdie ycituug" epchernl täglich mit «uinaq.ite öer L ,nn- und Feiertag«. — Der Bezugspreis beträft vierteljährlich durch die Post bezogen S.25 * lohne Bestellgelds, oct unseren Zeititngsstellen und b«r Expedition lMarkt 21) 2.00 <X frei in» Hau«. (Für unverlangt zngetandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine lei Berantmortung). Druck tmb Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Jn'ü.: Dr. C. Hitzeroth), Rtarkt 21. — Telephon 58.
Marburg
Sonnabend, 3. Februar
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Mitt.
Tie BcvölkeriittMeimehrung.
Man schreibt uns:
. Die Radikalen haben ihr« Wahlvorträge meist mit dem Hinweis auf die deutsche Bevölkerungsvermehrung begonnen. Die Industrie müsse - dafür sorgen, daß der jährliche Bevölkerungszuwachs von 900 000 Men- t scheu Beschäftigung find?. Aber bevor man aus diesem Bevölkerungs- - zuwachs Schlüsse zieht, wolle man dreierlei bedenken: 1. die Auswanderung ist in Deutschland trotz des Bevölkerungszuwachses ständig zuruck- gegangen und kommt gegenüber der großen Volksvermehrung überhaupt nicht mehr in Betracht. 2. Die deutsche Landwirtschaft hat es fertig gebracht, dir gewaltig anwachsende Bevölkerung Deutschlands fast vollständig mit heimischen Erzeugnissen zu versorgen. 3. Sowohl die meisten . Rekruten als hie größte Geburtenzunahme stellt Ostpreußen, wo am meisten Landwirtschaft getrieben wird. Daraus folgt, daß Deutschland auch den heimischen Markt und die heimische Landwirtschaft schützen und kräftigen muß. Es soll aber daran erinnert werden, daß Ostpreußen durch jährliche Abwanderung mehr v.rliert, als der Geburtenüberschuß beträgt. Das ist ein trauriges Symptom. Das Land ist die Quelle der : stch stets verjüngenden Kraft der Menschen. Reine Stadt- und Industriekultur erstickt. Die Zukunft eines Landes beruht darauf, daß es sich <iuf zwei starke Kräfte stützen kann, Landwirtschaft und Industrie. Die größte Gefahr bildet, wie die Geschichte lehrt, eine einseitige Entwicklung. Gerade das Interesse der Industrie an dem gesunden Bevölkerungszuwachs fordert, daß eine lebenskräftige Landwirtschaft vorhanden fst. Ein Punkt aber' wird zu wenig beachtet bei der Frage der Verwendung des Bevölkerungszuwachses, die Frage der inneren Kolonisation.
Der große Friedrich II. hat uns gezeigt, wie wir überschüssige Bevölkerung zweckmäßig verwenden können — nicht indem wir sie ins Ausland schicken, sondern indem wir Innenkolonisation treiben. Oder-, - Warthe-, Netze-, Dossebruch, neumärkischer Bruch: Was der siebenjährige Krieg Preußen-Deutschland nahm, das gab ihm Friedrich in siebenjähriger Arbeit hier wieder zurück. Und dem ist heute so gut rote nichts, höchstens etwa der Elbebruch gegenüberzusielleu, der Kultur MorrHhaben roir erst angefangen. Viererlei ist hierbei nötig, z. B.: Zuzugi-in die Stadt zu erschweren (Nachweis der SribMenzm.it lel -Ägu forderns-, bei der Kolonisation der Moore nur deutsche M'.'.Jer 'U »erwendenRtnd diesen zugleich das Recht der Ansiedeluno zu geben, bm derartigen innenkolonisatorischen Arbeiten sowohl Strafgefangene als Obdachlose mitzuverwenden. In den B rliner Asylen sollen allnächtlich Tausende von Obdachlosen schlafen. Was macht man schließlich mit Ihnen? Wirft man sie wieder auf die Straße? Wartet man bis sie W Grunde gehen? Es ist nicht immer das schlechteste Blut unter ihnen. Soweit sie Ausländer sind, sollte man sie wieder zurückbefördern, event. auf Unkosten des betreffenden Landes. Soweit sie aber Deutsche sind, gebe man ihnen Gelegenheit, auf dem Lande in fruchtbrinaender iwnen- kolonisatorischer Arbeit tätig zu sein, nicht nur zum eigenen Wohl, sondern zugleich zum Wohl de» ganzen Volkes und Vaterlandes.
DeuMßZ Reich-
— Der deutsche und der öfterreichisch« Thronfolger in der Schweiz. Die Reise de» Kronprinzenpaares in die Schweiz ist in der Hauptsache «uf das Erholunqsbedürfnir der Frau Kronprinzessin zurückruftihren. Bemerkenswert ist, daß auch der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, sich in Begleitung feinet Gemahlin nach St. Moritz begibt und so Gelegenheit haben wird, des öfteren mit dem Kronprinzenpaar- zusammenzutresfen, das in unmittelbarer Räbe, in Celerina. Aufenthalt nehmen wird. — St. Moritz, 1. Febr. Das deutsche Kronprinzenpaar ist heute Nachmittag in (Teterina eingetroffen.
— Sin Besuch des englische« Königspaares in Berlin? Durch Berliner Blätter wird ein Gerücht weitergegeben, nach dem das englische Königspaar nach feiner Rückkehr au» Indien mit dem deutschen Kaiser zusammentreffen wird. Wie die „Voss. Zig." hierzu erfährt, beaibt sich ' das englische Königspaar zunächst nach London, wo ihm aber dann Vorschläge zum Besuch von ausländischen Höfen gemacht werden. Da das Blatt seine Information aus zuverlässiger Quell) bezogen hat. ist anzu-
2? Nachdr. verboten.
Unser Weq oina hinauf.
Roman von tz Lourths-Mahlee.
(Fortsetzung.)
„Jawohl. Georgs Bild ist von der Jury einstimmig angenommen worden. Ich war heute vormittag mit den Herren zusammen und konnte es in Erfahrung bringen. Habe auch sonst ein bisserl gelauscht. Sind so ziemlich alle meiner Meinung, bi» auf ein paar Nörgler. Einig« Fehler lassen sich ja nicht fortreden. Di« Farbe macht Georg halt immer wieder zu schaffen. Aber bi« Zeichnung, — famos, sicher und karakte- ristisch. Und dann dir Augen, die haben es allen angetan. Wie die aber auch gemalt find! Schaun's, Frau Gitta, um Ihnen das zu sagen, bin ich herausgefahren. Heut« abend bin ich leider versagt, kann also dem Georg nit selbst die Kunde bringen. Da habe ich mir halt gedacht, aus Ihrem Munde klingt'» ihm noch schöner."
Gitta hatte ndie Hände fest zusammengepreßt. Sie las ihm die Worte vom Munde. Als er nun schwieg, atmete fie tief auf.
„(Sott sei Dank, — Gott sei Dank! Wenn et nur erst einmal merkt, baß auch andere Menschen etwa» von seinem Talent halten. Dann ist schon viel, sehr viel erreicht."
Hartwig nickte zustimmend. Sie hatten sich beide neben dem Tisch- i chen niedergelassen, auf dem Gittas Arbeit lag.
„Das ist auch meine Ansicht. Sein Selbstbewußtsein ist etwas Mangelhaft, das muß man stärken", sagt« er überzeugt, und dann einen 'Blick auf Gittas Arbeit werfend, fuhr et erstaunt fort:
»Was der Tausend, Frau Gitta, bei Ihne« schaut es ja aus wie auf •htem Redaktionsttsch. Das ist doch ein Maiutskript, das ich hier liegen sch«. Was treiben Sie denn hier?"
Gitta wollte erschrocken die Blätter unter einet Zeitung verbergen. M« hatte in ihrer Freude gor nicht mehr daran gedachr.
»Ach, es ist nichs, — so «eine Notizen", sagt« sie verwirrt.
Gr sah ste scharf prüfend an.
„So? Kleine Notizen? Die scheine« mir aber sehr umfangreich zu
I nehmen, daß in der Tat ein Besuch de» Königs von England in Berlin ! erfolgen wird.
— Ordensverleihung. Berlin, 1. Febr. Dem aus dem Reichs- I dienste ausscheidenden bisherigen Gouverneur von Kamerun Dr. I Gleim wurde der Kronenorden 2. Klasse verliehen.
I —rr-dorff bleibt beim Zentrum. Breslau, 1. Febr. I Graf Oppersdorfs dementiert im „Lissaer Anzeiger" die Zeitungsmeldung, daß er der Polenfraktion nähertreten wolle. Er sagt: Ich war, bin und werde Zentrumsmann bleiben und gehöre auch
I noch heute ganz dem Zentrum.
I — Der Adel im Reichstage. Nach einer Zusammenstellung der I „Köln. Ztg." ist die Zahl der Adligen im neuen deutschen Reichstage erheblich zurückgegangen. Im Jahre 1870 saßen noch 162
I Adlige im Reichstage, 1907 war die Zahl auf 72 und nach den I diesmaligen Wahlen auf 57 zurückgegangen.
— Kein Wahlbetrug in Dresden. Dresden, 1. Febr. Die von I hier auswärtigen Blättern übermittelte Nachricht, der Staatsanwalt habe eine Untersuchung darüber eingeleitet, ob 2000 Wähler in Dresden-Altstadt doppelt gewählt haben, wird dementiert.
— Die Schwetzer Wahlktawalle. Berlin, 1. Febr. Der Schwetzer Landrat. Neichstagsabgeordneter v. Halem, ist nach dem | „B. T." nach Berlin berufen worden, offenbar zur Berichterstattung über die Schwetzer Wahlkrawalle.
— Preßgesetz für die Schutzgebiete. Berlin, 1. Febr. Der Reichskanzler hat soeben eine Berordnung übet die Presse in den Schutzgebieten Afrikas und der Südfee erlassen. Sie führt die I hauptsächlichsten Bestimmungen des Preßgesetzes in den Schutzgebieten ein, mit einigen Aenderungen, die durch die Eigenart der
I Schutzgebiete begründet find.
I — Liebknecht, der Interviewte. Paris, 1. Febr. Die „Huma- I nih5" veröffentlicht ein InterviW mit dem Abgeordneten Karl Liebknecht, der u. a gesagt baben^U» Kraft der sozialistischen
I Partei muß int Hinblick auf Ä^gwHrirftärfer WpAM^Htt^lick I auf Friedenszeiten sein. Wenn der'Rrseg erklärt werden fokkM, so I müssen wir ihn verhindern können, indem tmr uns ihm einfach I widersetzen. Bon den fünf Millionen Bürgern, die die Reserve de» I deutschen Heeres bilden, ist die Hälfte aus unseren Reihen hervor- I gegangen. Die beiden ersten Reserveiabrgänge und die jungen | Leute von 18—20 Jahren gebären der Mehrheit nach zu uns: die I Regierung weiß dies und ist darüber sehr beunruhigt. — Auf Bor- I halt des Zentrumsabgeordneten Herold erklärte Liebknecht am I Donnerstag im preußischen Abgeordnetenhause die Nachricht über I das Interview in der „Humanitö" für unzutreffend und unwahr. I Wie weit diese Entschuldigung gerechtfertial ist, bleibt abzuwarten.
— Der Graf von Turin in Berlin. Der Graf von Turin, der Bettet des Königs von Italien, hat einer Einladung Kaiser Wilhelms entsprochen und sein urlnrünaliches Programm für seinen Aufenthalt in der Reichshavvtstadt verlängert. Der Prinz, der in Berttn überall die htz-- lichste Ausnahme gefunden hat, hat seine Anwesenheit hier dazu benutzt, mit den leitenden Kreisen Deutschlands Fühlung zu nehmen, so daß sein Besuch dam beitragen wird, die guten Beziehungen zwischen den beiden
I Herrscherhäusern und d m beiden verbündeten Ländern aufs neue zu stärken und zu befestigen. Die französische Presse beobachtet diesen Prin-
I zenbesuch daher unverkennbar mit unfreundlichen Augen: die Betonung des guten Verhältnisses der Dreibundmächte ist ihr ersichtlich unangenehm, zumal diese Ding« in eine Zeit fallen, wo die Italiener ihr gutes Recht als krieaführende Macht gegen Frankreich in Anwendung bringen.
— Die Wahskosten. Von radikaler und sozialdemokratischer Seite wird jetzt die Behauptung verbreitet, daß die Konservativen für di« Wahl der Herren v. Hevdebrand und v. Kröcher 150 000 bezw. 125 000 Jl aufgewendet hätten Solche Ausstreuungen verfolgen offensichtlich den Zweck, die Aufmerksamkeit von den sehrbeträchtliche n Geld- Mitteln ab-nlenken, welch« die Gegner der Reichssinanzresorm bei den jünosien Wahlen aufgewendet hab n. Wenigstens entbehrt die einsein. Und außerdem schauten Sie aus, wie ein auf frischer Tat ertappter Sünder."
Er lachte herzlich und gutmütig, als sie noch verlegener wurde, und faßte ihre Hand.
„Aber Frau Gitta, — vor so einem guten alten Freund, wie ich e» bin. geniert man sich dach nicht. Gestehen Sie es nur ein. Sie treiben hier in aller Stille das Unwesen eines Blaustrumpfes?"
Nun mußte Gitta lachen.
„Allo ja, wenn Sie cs durchaus wissen wollen. Das ist noch so eine Art Kinderkrankheit, dieses Unwesen. Ich treibe es schon seit lanaen Jahren. Es kommt so über mich — dann kann ich nicht anders. Und ich muß doch meine Zeit mit etwas ausfüllen: sonst weiß ich ja nicht, wir ich die langen Stunden verbringen soll, wenn Georg nicht zu Hause ist. Da» bißchen Hausarbeit ist so schnell gemacht. Mutter führt doch den Haushalt am liebsten allein. Und Georg leidet nicht, daß ich Handarbeiten mache. So bin ich ganz von selbst diesem alten Fehler verfallen."
„Was tun Sie denn mit diesen Manuskripten, wenn sie fertig sind?" „Ach — die verstecke ich in ein altes Handköfferchen."
Er sah sie lange an. Dann griff er schnell nach den Blättern. Sie wollte ihm wehren.
„Bitte — es ist ja nur für mich bestimmt. Sie werden mich aus» lachen."
Er sah sie ernst an.
„Auslachen? Das glaube ich nicht. Ste sind viel zu klug, als daß Sie etwas schreiben, wofür man Sie auslachen kann. Darf ich mal sehen?"
„Meinetwegen denn. Aber bitte, niemand verraten."
„Auch Georg nicht?"
Sie schüttelte errötend den Kopf.
„Rein, — ich sprach nie mit einem Menschen darüber, auch mit Georg nicht. Ich hab« Angst, et könnte es mir verbieten, aus irgend einem Grunde. Und dann müßte ich e» gegen seinen Willen tun.“
»So stark ist ba»in Ihnen?"
, gang» erwähnte Behauptung jeder tatsächlichen Unterlage. So z. B. | betragen die Kosten der Wahl de» Herrn v. Heyde« brand, wie die „Berl. Pol. Nachrichten" auf Grund zu« verlässiger Angaben mitzuteilen in der 2,age sind, noch nicht bett zehnten Teil der dafür angegebenen Summe von 150000 M.
— Spionage. Essen, 31. Jan. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich heute der Polizeikommissar Emil Reich, geboren in Suhl, Kreis Schleusingen, wegen Spionage zu verantworten. Unter den geladenen Zeugen befand sich auch der vom Reichsgericht zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilte Schiffshändler Schultz. Der Prozeh fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statte. Rach achtstündiger Verhandlung wurde der Angeklagte wegen Vergehen gegen § 49 a bes Strafgesetzbuches zu 1% Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten Untersuchungshaft verurteilt. Gleichzeitig wurde auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren erkannt.
Universitäten überall!
Bekanntlich regen sich jetzt auch die Hamburger Wünsche nach einer llniverfität, denen der preußische Staat im Interesse von Kiel früher und wohl auch noch jetzt einen gewissen Widerstand entgegensetzte, wieder bedeutend. Wie die Frankfurter, so veranstalten jetzt Hamburger Blätter Rundfragen bei berühmten Gelehrten, die natürlich im zustimmenden Sinne ausfallen. Professor Ziegler erwartet einen Zuwachs für das von anderen Universitäten vernachlässigte Gebiet der Pädagogik; der als Eeld- theoretiker bekannte Dr. Bendixen findet, daß gerade Hamburg di« dutfch Kultur am meisten bereichern würde von allen Universitätsstädten. Prof. Lichtwark hält die Universität für unbedingt nötig für bte Erhaltung der Bedeutung des Hamburger Kaufmann- standerß während Prof. Euken-Iena Sondergebiete neuer Universitäten nicht anerkennen will. Man sieht, wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen. Prof. Schmoller glaubt besonders gegen den Borwurf, daß neue Universitäten das „Bildungsproletariat" vermehren würden, Sturm laufen zu müssen. Konkurrenz schade nichts. Er nimmt dabei auch auf die Frankfurter Univer- fitätspikine Bezug, van denen er meint: ,5He Genehmigung der Frankfurter Universität stößt sich bekanntlich an dem zu großen Einfluß, den hochherzige Patrone und Eeldfpender, die aber doch nicht frei von wirtschaftlichen Jnteressenfragen sein können, in der Befetzungsfrage beanspruchen. Wenn amerikanische Universitätsstifter ab und zu verlangt haben, die künftigen Professoren auf den Schutzzoll zu vereidigen, so wollen wir Deutsche doch Derartige» von uns fernhalten."
Dagegen wendet sich nun freilich die „Frankfurter Ztg." bh natürlich den Ausführungen über die Hamburger Universität», pläne im Interesse ihrer eigenen einen besonderen Artikel widmet. Ueberzeugen dürften die Herren freilich niemanden. Was den einen recht ist, ist dem andern billig, und wenn einmal der Anfang gemacht ist, werden in noch mehr Großstädten Universitäte« entstehen, ob zum Wohle unserer studierenden Jugend, sei dahingestellt.
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Koloniales.
Ein verbot der Mischehen aus Samen. Ueber eine sehr erfreuliche und anerkennenswerte Verfügung des neuen Staatssekretärs des Kolonialamts Dr. Solf wird der "Köln. Ztg." aus Berlin folgendermaßen berichtet: Die für Samoa wichtige Mischlingsfrage, die wiederholt zu Angriffen gegen den bisherigen Gouverneur Dr. Solf geführt hat, ist jetzt durch eine Verfügung des Staatssekretärs in einer Weise gelöst worden, aus der hervoraeht, daß es früher nicht an ihm gelegen hat, wenn sie so lange unerledigt blieb. Mischehen sind vielfach zwischen den kleineren
„Ja, — wie ein Zwang ist es manchmal. Dann muß ich es tun." Hartwig hatte den Blick von ihr gelassen Nun wandte er ihn zögernd den Blättern zu. Er las eins nach dem andern, nahm immer wieder ein neues vorn Tiich auf. Sein Gesicht verriet eine staunend« Erregung. Endlich riß er stch gewaltsam los und legte die Blätter zögernd auf den Tisch zurück.
„Kann ich eine Arbeit von Ihnen lesen, die vollendet ist?" fragte er, Hefen Ernst im Ausdruck seiner Augen.
Sie sah unsicher zu ihm hinüber.
„Heucheln Sie doch keinInteresse, lieber Herr Hartwig. Sie oer- verfäunien nur Ihre kostbare Zett damit. Ich bilde mir durchaus nicht ein, etwas anderes als für mich Interessantes geschrieben zu haben. Ich sagte Ihnen doch, ich schriebe es nur für mich."
„So, nur für sich?" sagte er kopfschüttelnd. „Sie müssen eine sehr bescheidene Meinung über Ihre Arbeiten haben. Erstlich, Frau Gitta, di« wenigen Seiten, die ich hier gelesen habe, verraten mir viel, viel mehr, als Sie denken. Aber ein gültiges Urteil kann ich nicht fällen, bevor ich nicht eine geschlossene Arbeit von Ihnen gelesen habe. Bitt«, geben Ste mir ein fertiges Manuskript zum Durchsetzen mit. Ich will Ihnen dann ehrlich mein Urteil darüber sagen "
Eitta sttich sich verlegen das Haar hinter das Ohr.
.Sparen Sie sich doch die Mühe. Ganz offen, — es ist mit ein um behagliches Gefühl, meine ausgezeichneten Gedanken preiszugeben."
Hartwig erhob sich und trat vor sie hin.
Eindringlich und ernst sah er in ihre Augen.
Jgrau Gitta, — möglicherweise birgt Ihr altes Handköfferchen Georgs Befreiung. Wollen Sie es trotzdem verschlossen halten?"
Sie fuhr auf und sah ihn sonderbar an.
„Georgs Befreiung? Wie meinen Sie das?" fragte fie mit verhaltener Stimme.
„Wenn Ihre Manuskripte nun doch einen Wert hätten? Haben Sie nie daran gedacht, daß man sie Ihnen abkaufen könnte, daß sie druckreif sein könnten?"
Sie schüttelt« rote geistesabwesend den Kopf.
(WAsetzung folgt.)