mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Marburg
Freitag, 2 Februar
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(5r?tes Blatt.
Die irouzöfijä-cnnlijche Annöherung.
<. Die Bestrebungen Frankreichs und Englands, sich einander zu nähern und alte Gegensätze nach Möglichkeit aus der Welt zu schaffen, sind nicht so jung, wie man gemeinsam anzunehmen pflegt. Za sie datieren schon aus den achtziger Zähren des vorigen Jahr- hunderts. Damals aber gelang es der Bismarckschen Politik, diese Plane sowie die Absicht einer englisch-französischen-russtschen Annäherung zu verhindern.Die neunziger Jahre brachten danil zunächst die deutsch-englische Annäherung, dann den Gegensatz Englands gegen Rußland und Frankreich im fernen Osten, den afrikanischen Krieg und schließlich die Niederlage Frankreichs von Faschoda. Dieser Tag wurde zum tieferen Anlaß zur Beschleunigung der englisch-französischen Annäherung. Bei Faschoda mußte Frankreich vor aller Welt bekennen, daß seine Seerüstung zum Kampfe gegen England zu schwach war und sich außerdem nicht im Zustande der Kriegsbereitschaft befand. Zunächst gingen die Wogen der nationalen Erbitterung und des Hasses gegen England höher denn je, und auch das Flottengesetz, das im Jahre 1900 zur Annahme gelangte, stand in der Hauptsache im Zeichen der Gegnerschaft -•-'icn Großbritannien, wenn freilich es auch damals schon Stii,gab, die im besonderen auf Deutschland als den Gegner hinwiesen, auf Deutschland, wo iiu gleichen Jahre 1900 das heute noch geltende, wenn schon inzwischen ergänzte Flottengesetz zur Annahme gelangte.
Es kamen also zwei Momente zusammen: die Erkenntnis auf feiten aller leitenden Politiker, daß ein Seekrieg iß; Ugland trotz aller Anstrengungen und einerlei, ob man seinen Schwerpunkt in das Mittelländische Meer oder in den Atlantischen Ozean legte, keine Aussichten auf Erfolg für Frankreich tote; zweitens das Entstehen einer neuen Seemacht im Norden, von der freilich damals nur schwache Anfänge vorhanden waren- Und von der man nirgends rn-Frankreich glaubte, daß sie der französischen Flotte jemals überlegen werden würde.
In England begriff man diese Lage der Dinge bald. Es ist auch kaum zu bezweifeln, daß König Eduard, schon als er den Thron bestieg, bereits entschlossen gewesen ist, die französische Gegnerschaft aus der Welt zu schaffen. Das mag ihm um so leichter geworden sein, als der Fall von Faschoda sich nicht unter feiner Regierung ereignet hatte, und als er deshalb die Annäherung weit '^angenet anbahnen und die Franzosen sie unbefangen anne .,i konnten.
Politische Umschau. .
Roch am (Stabe pflanzt sie die Hoffnung auf.
Unter dieser Spitzmarke schreibt die „Köln. Zeitung": „Trotz ihres Fiaskos und trotz der Fahnenflucht ihres Führers will die Demokratische Bereinigung weiterleben Auf dem am Sonntag in Köln abgehaltenen Parteitag des Demokratischen Verbandes für Westdeutschland, der von annähernd sechzig Vertretern aus allen Teilen Westdeutschlands besucht war, wurde folgende Entschließung angenommen:
Der Westdeutsche Parteitag der Demokratischen Vereinigung erachtet den Fortbestand einer selbständigen demokratischen Organisation für eine politische Notwendigkeit. Er würde es für verfehlt halten, auf Gründ einer vielleicht ganz vorübergehenden politischen Konstellation eine Tätigkeit einzustellen, die schon bisher manche Erfolge in der Richtung der Demokratisierung der Wählerschaft gezeitigt hat und auch für : die Zukunft unentbehrlich erscheint.
In dem Bestände einer Demokratischen Vereinigung auch nach dem glänzenden Mißerfolge vom 12. Januar eine politische Notwendigkeit zu stben, zeugt von einer nicht alltäglichen Verblendung. Günstiger als bei ; > verflossenen Wahlen können die Verhältnisse für eine Partei, die
v bre Stärke in bohrender Kritik sucht, nicht werden, wohl aber ungünstiger. Die Demokratische Vereinigung aber hofft unentwegt u- iter “
Deutsches Reich, -
— Kronprinzenreife. Berlin, 31. Zan. Das Kronprinzen- paar hat heute nachmittag 3!/2 Uhr die Reife nach der Schweiz angetreten. Prinz Adalbert begleitete die Herrschaften zur Bahn.
— Prinz «beibette Besuch in Amerika. Prinz Adalbert, der im nächsten Sommer seine Studien an der Kieler Mattneakademie abschließen wird, soll im Herbst ein Kommando an Bord des Kreuzers „Bremen" auf der ostamerikanischen Station erhalten. Da der Kreuzer mehrmals im Jahre die Häfen der Bereinigten Staaten anläuft, liegt es nahe, daß der Prinz die Gelegenheit benutzt, um auch einige Hauptstädte der Union kennen zu lernen. Und zwar wird der Prinz von Newport New« aus eine Landreise unternehmen. Ueber da» Programm dieser Reise wird berichtet: Prinz Adalbert wird auch dem Präsidenten Taft in Washington einen offiziellen Besuch abstatten. Es ist dann weiter geplant, daß der Pttnz wahrscheinlich von Washington über Bal- ttmore auch Philadelphia, New-Park und die Niagara-Fälle besuch.« wird. Ob der Prinz auch Chicago einen Besuch abstatten wird, hängt von der Zeit ab. Die deutschen Vereine in den Vereinigten Staaten, speziell der Deutsche National-Bund in Amerika tteffen schon jetzt Vorbereitungen zum Empfange der Prinzen. Bezeichnender Weife wollen auch die großen irischen Gesellschaften, die mehr als 2% Millionen Mitglieder in den Vereinigten Staaten haben, dem Prinzen einen herzlichen Empfang bereiten, um durch die deutschfreundliche (Demonstration ihrer Abneigung gegen England Ausdruck zu geben.
— Der Staatsanwalt und die Dresdener Wahl. Dresden, M. Jan. In Dresden ist in der Stichwahl der Sozialist Redakteur Gradnauer gegen den nationalliberalen Landgerichtsdirektor Hetntze gewählt worden. Dazu wird gemeldet: Bet dieser Stich- Vahl fiel es auf, daß die Sozialdemokraten hierbei gegen die
Hauptwahl an 2000 Stimmen mehr aufgebracht haben. Die Zentrumswähler sollten der Parole gemäß in der Stichwahl für den Nationalliberalen eintreten, man nimmt aber an, daß sie dem Sozialdemokraten zugefloffen sind. Aber auch wenn dies der Fall ist, so beweist dieses noch nicht die auffällige Stimmenmehrheit für Gradnauer. Die Staatsanwaltschaft in Dresden hat daher eine Untersuchung darüber angestellt, woher diese Sttmmen gekommen sein können. Diese Untersuchung stützt sich auf die Vermutung, daß versehentlich eine größere Anzahl Arbeiter doppelt in die Listen eingetragen worden find, und zwar einmal an ihrer Arbeitsstätte und einmal an ihrer Wohnstätte. Infolge dieses Irrtums soll eine größere Anzahl Arbeiter doppelt gewählt haben. Die Ermittelungen der Staatsanwaltschaft find aber noch nicht abgeschloffen.
— Der „Reichsanzeiger" meldet: Nachdem die Pest in Durban und Natal festgestellt worden ist, sind die aus den dortigen nach den deutschne Häfen kommenden Schiffe und Insassen bis auf weiteres vor Zulassung in den freien Verkehr ärztlich zu untersuchen.
— Spionageprozefle. Leipzig, 81. Zan. Heute vormittag begann vor dem vereidigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts die Verhandlung gegen den der Spionage beschuldigten englischen Rechtsanwalt Bertram Steward. Im Verlaufe der Verhandlung wurden unter Vermittlung eines Dolmetschers die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten nach längerer Befragung festgestellt. Er ist geboren am 1. Ottober 1872 in London, Rechtsanwalt bei dem höchsten Gerichtshof, hervorragender Sportsmann, Leutnant im West-Kant-Yoeman-Regiment; er hat sich im Burenkriege besonders ausgezeichnet und gab an. kein aktiver Offizier im deutschen Sinne zu sein. Zm Kriegsfälle würde er, wenn sein Regiment nicht daran teilnirnrnt, sich bei einem andern Regiment melden und an dem Feldzug teilnehmen können. Er fuhr fort: Ich hoffe Teilnehmer zu sein im Falle eines Krieges mit diesem angesehenen Lande. Rach Verlesung der Eröfftnrngsbefchlufles, nach dem der Angeklagte des Spionageverdachts nach § 3 des Spionagegesetzes hinreichend verdächtig erscheint, wurde seitens des Reichsanwalts der Ausschluß der Oeffentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlung beantragt. Der Gerichtshof zog sich darauf zur Beratung zurück. Um %12 Uhr wurde verkündet, daß die Oeffentlichkeit auf die Dauer der Verhandlung ausgeschlossen ist. — Wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse wird der vereinigte zweite und dritte Strafsenat des Reichsgerichts am 10. Februar gegen den italienischen Eipsfigurenhändler Egisto Barsanti verhandeln. Die Verteidigung des Angeklagten liegt in den Händen des Rechtsanwalts beim Reichsgericht Dr. Kaiser. Der Angeklagte Barsanti ist am 12. Sept. 1885 in Piegnio geboren, hatte keinen bestimmten Wohnsitz und befindet sich seit einiger Zeit schon in Untersuchungshaft.
— Frauendank an den früheren Abgeordneten Dr. Stress- mann. Wie dem „Hann. Courier" mitgeteilt wird, sollen Frauen im Erzgebirge die Errichtung einer Stiftung zu Ehren des früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Strefemann planen. Zn einem Aufrufe werden Beiträge für eine Ehrengabe erbeten, die Herrn Dr. Stresemann zur freien Verfügung für eine Stiftung in seinem bisherigen Wahlkreise überwiesen werden sollen.
— Verurteilung eine» sozialdemokratischen Redakteurs. Breslau, 30. Jan. Die erste Strafkammer verurteilte den Redakteur der sozialistischen „Volksmacht" Reinhold Darf wegen Beleidigung der Breslauer Polizei, deren Verhalten bei einem Begräbnis eines Sozialisten er ironisch kritisiert hatte, zu drei Monaten Gefängnis. Unter den Zeugen befand sich der bekannte freireligiöse Prediger Tschirn, der zuerst die retigöfe Eidesformel ablehnte, den Eid aber doch leisten mußte.
— Eine sozialdemokratische Resolution. Stuttgart, 30. Zan. Eine Versammlung der Stuttgarter Sozialdemokratie hat mit überwiegender Mehrheit folgende Resolution angenommen: Die Parteigenoffen erwarten, daß die Fraktion ihre Ansprüche, in der Leitung des Parlaments vertreten zu fein, geltend macht, daß sie es aber ablehnt, irgendwelche höfische Verpflichtungen damit zu übernehmen. Ebensowenig darf der Kampf gegen den schwarz- blauen Block zu einer Anlehnung an bürgerliche Parteien führen, bei der die Sozialdemokratie eine Politik des Entgegenkommens an die bestehende Ordnung der Dinge, ein Vertuschen b'r stets wachsenden Klassengegensätze betreiben würde.
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Ausland.
* * Ein schärfet Torpedo beim Manöver Paris, 31" Ian. Unweit des Tculoner Hafens ist der Panzer „Republique" während der Nachtmanöver von scharf geladenen Torpedos getroffen worden, die das Schiff beschädigten.
* # Die französisch-spanischen Verhandlungen. Pari». 31. Jan. Aus Madrid wird gemeldet: Zu den französisch-spanischen Verhandlungen schreibt die „Eorrespondencia Militär": Die Armee und das Volk sind einmütig der Ansicht, daß Spanien weder Jffny noch sonst einen Zollbreit Landes an der atlantischen Küste gegenüber den kanarischen Inseln und noch viel weniger in der nördlichen Zone aufgeben darf. Der einzige Punkt, wo eine Eebietsentledigung an Frankreich möglich wäre, ist das Hinterland. Auch gegen die Vertagung der Verhandlung gewisser Streitpunkte muß man sich aussprechen, da ein Modus vivendi nur schädlich wäre: denn es könnten sich dabei Zwischenfälle ergeben, die die endgültige Lösung ernstlich behindern würden. Eine unerläßliche und dringende Forderung ist es, daß die von den Vertretern Frankreichs angeregten Befehle des Sultans von den spanischen Vertretern erst anerkannt werden müssen, da sonst alle Rechte und alles Eigentum des Wachsen in ftanzöstjche Hände übergehen könnten, «he noch Spanten von seiner |
47. Jahrg.
1912.
Zone Besitz ergriffen hätte. Wir wünschen dringend, so heißt e» zum Schluß, daß die Grenzen der Expansion Frankreichs in Marokko klar und endgültig festgelegt werden, damit Spanien demgemäß sein Besatzungskorps organisieren kann.
— Die italienisch-französischen Zwischenfälle. Marseille, 31. Jan. Die türkischen Reisenden haben die Prüfung als Aerzte, Krankenwärter oder Verwundetenttäger erfolgreich bestanden. Rach dem Ergebnis dieser Prüfung können die Türken in drei Kategorien eingeteilt werden: Drei Aerzte, sieben ober acht Krankenträger, die eine ziemlich sorgfältige Ausbildung genossen haben, und bet Rest Verwundetenttäger. durchweg Leute au» dem Volk. — Paris, 31. Jan. Zwischen der französischen und italienischen Regierung schweben Besprechungen behufs genauer Feststellung derjenigen Punkte der Zwischenfälle von Cagliari, welche dem Haager Schiedsgericht unterbreitet werden sollen.
* * Portugal. Lissabon, 31. Jan. (W. B.) Die von der Regierung getroffenen militärischen Maßnahmen sichern die persönliche Freiheit, die Arbeit und die öffentliche Ordnung. Der Straßenbahnverkehr ist wieder aufgenommen worden und die Blätter erscheinen heute Rach- mittag wieder. Heute sind anläßlich des Jahrestages der Proklamierung der Republik (im Jahre 1891) alle Läden geschlossen. — Auch heute durchziehen Patrouillen die Straßen, die wieder den gewohnten Anblick bieten. Die Zahl der in der Nacht vornehmlich in bet Nähe des Ar- betterfyndiktas vorgenommenen Verhaftungen beträgt tausend. In Coimbra überfielen die Ausständigen eine Fabrik und bewarfen die einschreitenden Polizeibeamten mit Steinen. Es gelang, die Ruhe wieder herzustellen.
* * Bombenattentat. Saloniki, 31. Jan. In Radowista wurde im Haufe des Kaufmanns Selim eine Dynamitbombe entdeckt, die, wie behauptet wird, von Mitgliedern des revolutionären bulgarischen Komitees versteckt wurde. Als die Bombe von Soldaten untersucht wurde, explodierte sie und tötete acht Soldaten und einen Offizier. Acht andere Soldaten wurden verwundet. — In der Filiale der Bank von Saloniki in Monastir explodierten gestern zwei Bomben. Der Treppenteil wurde zerstört, der sonstige Schaden ist unbedeutend.
• * Tripolis. Massana, 31. Jan. Der Torpedobootszerstörer „Ber< fagliere“ ist angekommen und hatte im Schlepptau eine Motorschaluppe, die er, unterstützt von der Barkasse des Kreuzers „Piemonte" in der Nähe von Ginbbana bei Ras Ketih beschlagnahmt hatte. Die Barkasse des Kreuzers „Pismpnte" und des „Bersagliere" waren unter weißer Flagge- auf der Fahrt nach Giubbatm, um die Blockade bekannt zu geben. Nachdem dieser Auftrag ausgeführt war, kehrte sie zum „Bersagliere" zurück: beide zogen die weiße Flagge ein und zeigten nur noch die Nationalflagge. Dann näherte sich die Barkasse von neuem dem Lande und beschlagnahmte die Motorschaluppe, welche die englische Handelsflagge gehißt hatte, aber am Bug und Heck das türkische Wappenschild und den Halbmond mit weißem Stern in rotem Felde zeigte. Auf dem Verdeck befanden sich zwei Gestelle mit Lafettengabeln, die offenbar für kleine Kanonen oder Maschinengewehre bestimmt waren, ferner elektrische Scheinwerfer. Widerstand wurde bei der Ves-blagnahme nicht geleistet. Die aufgebrachte Schaluppe gleicht den Schiffen, die am 2. Oktober vor Hodeida durch italienische Kriegsschiffe zum Sinken gebracht worden find.
* * Die Revolution in China. Peking. 31. Jan. (Reuter.) Da» Auswärtige Ami teilt mit: Die Kaiserin-Witwe unterrichtete das Kabinett davon, daß der Thron sich für den Frieden enscküeden habe und wie» die Minister an, entsprechende Maßnahmen zu treffen.
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Marburg und Umgegenb«
Nachdruck aller Orginalarttkel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nur mH der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg? gestattet.)
Marburg, t ■ ;.
* Lichtmeß. Analog dem Siebenschläfertage (27. Juni) wird dem Lichtmeßtage (2. Febr.) von den Landwirten vieler Orte besondere Bedeutung beigelegt. Schon in den ältesten Ueberliefe- rungen und bereits in jenen, die noch nichts mit dem Aberglauben an den hundertjährigen Kalender zu tun hatten, findet sich die Anschauung vor, daß Sonnenschein am Lichtmeßtage einen bevorstehenden Nachwinter bedeutet. Obwohl die meteorologische Statistik durch ihre Zahlen die Richtberechtigung dieses alten Glaubens nachwies, hielten doch der Landwirt und der kluge Schäfer an der Regel der Vorfahren fest. Eine weitere, zum Teil recht kräftige und drastische Bestätigung findet der Lichtmeß-Metter- glauben in den Worten: „Lichtmessen hell— Schindet bem B'iern dat Fest! Lichtmeffen dunkel — Macht den Buern zum Junker!" Schließlich sagt der Jägersmann: „Wenn zu Lichtmeß die Sonne auf den Altar schein', Der Fuchs wieder aus sechs Wochen ins Loch hinein!" Sämtliche Sprüche, Regeln usw. weisen auf die Wiederkehr eines starken Frostes hin, wenn der 2. Februar ein freundlicher, bester, sonniger Tag gewesen.
* Universität. Für das Fach der romanischen Philologie habilitierte sich in der Göttinger philosophischen Fakultät Dr. phil. Walther Suchier, bisher Privatdozent in Marburg. Dr. Suchier, ein Sohn des Romanisten Geh. Rats Prof. Dr. H. Suchier an der Universität Halle, ist Schüler von Sievers und H. Suchier. 1906 erwirkte er seine Zulassung als Privatdozent in Marburg.
* Steuererhebung. Heute beginnen die Hebetermine der für das letzte Quartal 1911 /12 (1. Januar bis 31. März 1912) fälligen Steuern und Schulgelder usw. Die Stadthauptkaffe ist täglich von 9 bis 12!/o Ubr vormittags geöffnet.
• Ein neuer Eilzug von Cassel nach Berlin und Leipzig ist im neuen Sommerfahrplan in Aussicht genommen. Nach dem bis jetzt vorgesehenen Fahrplan wird er Cassel morgens 6.35 Uhr verlassen und über Nordhausen und Sangerhausen in Halle 19.22 Uhr vormittags eintreffen. In Leipzig ist der Zug 11.08 Uhr vormittags, in Berlin etwa 12.50 Uhr nachmittags. Für uns Marburger wäre dann eine bessere Frühverbindung nach Cassel et» VÜnfcht.
* Zubiläums-Gauturnfest Gießen 1912. Am letzten Sonntag kamen zum zweiten Male die geübteren Turner des Gaue» zusammen und zwar in der Turnhalle des Turnverein«.