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1912.

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Nachdr. verboten.

Gewässern befinde, er energisch ab, da- Schiff durchsuchen zu lassen. Die italienischen Offiziere erzwangen darauf die Untersuchung. Nachdem di, Durchsuchung ergebnislos verlaufen, wurde derTavignano" nach Tri. polis gebracht und dort einer zweiten Untersuchung unterworfen. Auch diese verlief fruchtlos wie die erste. Das Schiff wurde sodann freigelassen

Paris, 28. Jan. Der Ministerpräsident empfing gestern Abend den Deputierten Thierry de» Departements Bouches-du Rhone, der leb- hast gegen das Vorgehen der italienischen Kriegsschiffe den stanzöstschen gegenüber und besonders gegen di« Beschlagnahme des Postdampfer, Tavignano" protestierte. Poincare erklärte, daß er, bis er genauere Einzelheiten über den Zwischenfall des DampfersTavignano" erfahr«, stch vorbehalte, bei der italienischen Regierung Vorstellungen zu erheben Es hat nicht den Anschein, als beabsichtig« Poincare, den letztenTaotg. nano"-Zwischenfall mit d«n beiden anderen zu verquicken, derentwegen das internationale Schiedsgericht in Haag angerufen werden soll.

Paris, 27. Jan. Wie dieAgence Havas" aus Rom von beson­derer Quelle erfährt, ersuchte die französisch« Regierung um Aufklärung über die Beschlagnahme de» stanzöstschen DampfersTavignano" an der Küste von Tripolis.

Rom, 27. Jan. DieAgenzia Stefani" veröffentlicht folgend« Note: Am 25. Januar um 4 Uhr nachmittags traf der Torpedobootszerstörer Fulmine" den stanzöstschen DampferTavignano", der neun Meilen östlich von Zansir nah« der tripolitanischen Grenze angehalten worden war, mit fertig gemachtem Ladebaum, während drei Segelboote südöstlich in der Richtung auf El Biban und andere Segelboote nordöstlich fuhren. Nachdem der Kommandant derFulmine" festgestellt hatte, daß bei Tavignano" stch außerhalb ter territorialen Gewässer befand und da er allgemein hieß, daß derTavignano" auf offener See Konterbande aus- zuschiffen pflege, stieg der Kommandant an Bord des stanzöstschen Damp­fers, wo er das Fehlen der Zollausweise feststellt«. Daher begleitete der Fulmine" den ,tavignano" nach Tripolis, wo er gestern Abend um 9 Uhr eintraf und sogleich einer Untersuchung unterworfen wurde, di« ergab, daß die Ladung aus Mehl, Zucket, Oel, Wein, Konservenfleisch und Letnewand bestand, daß jedoch spezifische Kriegskonterbande nicht vor­handen war. Nach dieser Feststellung wurde derTavignano" sogleich um 11 Uhr abends steigelassen.

Tunis, 27. Jan. (Agence Havas.) Heute fand vor dem italieni­schen Konsulat eine Kundgebung zur Freilassung des PostdampfersTa­vignano" statt. Polizei zerstreute die Menschenansammlung.

In Tunis/sowie in den anderen Hafenstädten an der tunesischen Küste hat die Meldung von der Wegnahme des Tavignano" große Er­regung hervorgerufen. Dort war das Gerücht verbreitet, daß die Boote, die in El Biban die Waren des Postdampfers ausladen wollten, von den italienischen Torpedobooten mit blinden Kanonenschüsten empfangen worden seien Di« Compagni« Mixt«, die Eigentümerin desTavig­nano", erklärt, daß ihres Mistens dieser Dampfer weder Kriegskonter­bande noch Reisende an Bord hatte, die den italienischen Offizieren irgendwie hätten verdächtig vorkommen können. Immerhin sei es mög­lich, daß einzeln« Pastagiere an irgend einen der kleinen Häfen an der tunesischen Küste, zwischen derTavignano" den Postdienst versieht, ans diesen Dampfer sich eingeschifft haben könnten, ohne daß die Direktion der Gesellschaft davon verständigt wurde.

Marburg

Dienstag, 30. Januar

Sfax, 26. Jan. Der deutsche DampferPera" hat die Mitglieder der Expedition des deutschen Roten Kreuzes bei El Biban an der tunesisch-tripolitanischen Grenze glücklich gelandet.

Triest, 27. Jan. Die Eeneraldirektion des Oesterreichischen Lloyd teilt folgendes mit: Der DampferBregenz", der gestern in Suez ein­traf, berichtet, daß am 22. Januar vormittags 15 Meilen nördlich von Perim von dem italienischen KriegsschiffBolturno" angehalten wurde. Ein Pastagier zweiter und 13 Pastagiere dritter Klaste wurden unter dem Verdacht, türkische Soldaten zu sein, ststgenommen und an Bord de» ,,Volturno" gebracht. DieBregenz" dampfte nach zweistündigem Auf­enthalt weiter.

Toulon, 27. Jan. (Agence Havas.) Der DreadnoughtVerg- niaud" hat auf ministerielle Anordnung seinen vollen Munitionsvorrat an Bord genommen und hält sich bereit, in See zu gehen.

Unser Weg oina hinauf.

Roman von H. Eourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Ich brauche deine Vermittlung nicht. Wenn ich meinem Sohne etwas zu sagen habe, werde ich es selbst tun. Ich werde mir selbst ein Kleid kaufen, wenn ich mein Geld bekomme. Georg hat jetzt genug für dich anzuschafstn. Wie närrisch ist er mit dir. Da» ist ein Gehabe und Getue. In Samt und Seide möchte er dich am liebsten sehen."

In Gittas Herzen jubelte es auf bei ihren Worten. Was konnten ihr die Verdrießlichkeiten der alten Frau anhaben, wenn Georg sie ein- hiillte in seine Liebe wie in «inen Zaubermantel.

Stumm nähte sie weiter an ihrem Kleid. Was sollt« sie noch sagen! Die alt« Frau faßte in ihrer Grilligkeit doch alles falsch auf. Man mußt« sie lasten.

Mit Lust und Lieb« schaffte st« an ihrem Werk. Schön mußte das Kleid werden, schön wollt« sie darin aussehen. Er sollt« Freude bei ihrem Anblick empfinden; es mußte seine Schaffenslust wecken. Die Mutter hatte recht; am liebsten hätte er sie in Samt und Seide ge­kleidet und mit köstlichem Geschmeide behängt. Und sie empfand sehr wohl, welche Macht ihr über ihn gegeben war, wenn sie seinen Schön­heitssinn bestiÄiigte. Sie hatte b^onnen, ihre frisch erblühte Jugend­schöne zu pflegen und zu hüten wie ein kostbares Gut. Große Sorgfalt verwandte sie auf ihr Aussehen, um ihn zu erfreuen, zu beglücken. Ein« reizvolle, zart« Koketterie lag in ihrem Wesen. Auf alles begann sie zu achten. Ihr Gang, ihre Gebärden, ihre Züge, alles betrachtete sie gleichsam mit seinen Augen. Sie suchte sich selbst zu veredeln, innerlich «nd äußerlich. Und alles für ihn, den sie liebte mit schrankenloser In­nigkeit. Er hatte sie au» ihrem einsamen, liebeleeren Dasein an sein Herz genommen und ihr einen Himmel geschenkt. Dafür wollte sie ihm dankbar sein. Ihr Dasein hatte nur noch Wert, soweit sie e» ihm weihen durste.

R - - -_ _ _ _

Am nächsten Sonntag begann Georg sein neue» Bild. Da» junge paar zog stch in da» Atelier zurück, während Georgs Mutter mit be-

Mal wiederholt, LauffsDer große König". Rach der Vorstellung hielten die Majestäten im Foyer Cercle

Berlin, 27. Jan. Dicht gedrängte Massen durchzogen den ganzen Abend hindurch die Hauptstraßen der inneren Stadt, um bie glänzende Illumination anläßlich des Geburtstages des Kai­sers zu bewundern. Unter den Linden, vor dem Denkmal Fried­richs des Großen, besten Sockel mit zahlreichen Kränzen geschmückt unb das durch Scheinwerfer wunderbar beleuchtet war, stauten sich Tausende und erwarteten die Anfahrt und Abfahrt de» Kaiser­paares und der Festgäste. Erst gegen 10 Uhr lichteten sich die Reihen. Trotz des stellenweise lebensgefährlichen Gedränges wurde die Ordnung nirgends im geringsten gestört. Das Kaiser­paar empfing bei der Zufahrt nach der Oper begeisterte Ovationen der Bevölkerung.

Ebenso wie in Berlin, ist auch in ganz Deutschland und im Auslande, wo Deutsche wohnen, der Geburtstag des Deutschen Kaisers festlich begangen worden. In den europäischen Haupt­städten versammelten sich Mitglieder der deutschen Kolonien bei den deutschen Boffchaftern bezw. Konsuln, auch in Washington fand zu Ehren des Geburtstages des Kaisers in der deutschen Bot­schaft ein Diner statt, an dem außer den Mitgliedern der Botschaft einige bekanntere Deutsch-Amerikaner teilnahmen. In Tripolis begab sich der Gouverneur von Caneva zum deutschen Konsul und brückte ihm anläßlich des Geburtstages des Deutschen Kaisers seine Glückwünsche aus.

Washington, 27. Jan. Präsident Taft sandte dem deut­schen Kaiser in seinem eigenen Namen und im Namen des Volkes telegraphisch die herzlichsten Glückwünsche, sowie Wünsche für ein Fortbestehen der herzlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. ,«

Zum Geburtstage des Kaisers.

Berlin, 27. Jan. Die Geburtstagsfeier des Kaisers be­gann heute morgen 8 Uhr mit dem großen Mecken, welchem der Kaiser vom Schloßfenster aus beiwohnte, vom Publikum lebhaft begrüßt. Um 9 Uhr begann bei stürmischem, schneeigen Wetter die Anfahrt der Fürstlichkeiten und der Geladenen. Der Kaiser nahm zuerst die Glückwünsche der kaiserlichen Familie, des engeren Hofes und des Hauptquartiers entgegen. Anläßlich seines Geburtstages stiftete der Kaiser das Königlich Preußische Verdienststeuz in Gold mit der königlichen Krone, welches als erster Kriminal­kommissar Toussaint-Berlin erhielt, das Königlich Preußische Ver­dienstkreuz in Silber mit der königlichen Krone, welches als erster Jahn, Kapitän der JachtNordstern", erhielt. Gegen 10 Uhr ver­sammelten sich die Botschafter, der Missionschef, der Hochadel, der Reichskanzler, Bundesrat, die Eeneralfeldmarfchälle, Staats­sekretäre, Minister, Landtagspräsidenten usw. in der Schloßkapelle. In feierlichem Zuge betraten die Majestäten und die fürstlichen Gäste mit großem Vortritt die Kapelle. Der Kaiser trug die Uni­form des 1. Garderegiments, der König von Sachsen Ulanen­uniform. Oberhofprediger Dryander hielt die Festpredigt. Nach abermaligen Gesängen verließ der Hof unter den Klängen des Wilhelmus von Nassauen" die Kapelle und begab sich nach dem Weißen Saal, wo die Defiliercour begann. Der Kaiser und die Kaiserin nahmen vor den Stufen des Thrones Aufstellung. Der Oberstkämmerer und der Oberhofmarschall leiteten die Cour. Hinter dem Einführer des diplomatischen Korps Vizeoberzere­monienmeister Röder schritt der Reichskanzler am Kaiser vorüber, der ihm die Hand schüttelte. Dann folgten Herr v. Kiderlen- Wächter und die Botschafter Oesterreich-Ungarns, Spaniens, Frankreichs, der Türkei, Englands, Amerikas und Japans. Jedem einzelnen Botschafter reichte der Kaiser die Hand und wechselte freundliche Worte mit ihm. Während der Cour empfing der Kaiser auch das vollzählig erschienene Präsidium des Abgeord­netenhauses. Bei den Leibregimentern defilierten der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich. Nach der Cour nahm der Kaiser die Glückwünsche des Staatsministeriums entgegen. Um 12 Uhr be­gab sich der Kaiser im Automobil mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens über dem Paletot nach dem Zeughaus. Der Kron­prinz mit seinen Brüdern war vorher zu Fuß hinübergegangen. Das Wetter hatte sich aufgeklärt; es wehte aber ein scharfer Wind, i Das Publikum begrüßte den Kaiser mit lauten Hurrahrufen. Im Lustgarten war auch eine Kolonne Pfadfinder aufgestellt. Die Parole lautete wie immer:Es lebe Se. Majestät der Kaiser und König!" Der Kaiser nahm militärische Meldungen entgegen. Um 1 Uhr verließ der Kaiser das Zeughaus und kehrte ins Schloß zurück. Die Majestäten speisten dann mit den Prinzen Adalbert, Oskar und Joachim. Die sämtlichen im Schlösse wohnenden Fürst­lichkeiten und Gäste speisten im Pfeilersaal der Königskammer unter dem Vorsitz des Prinzen und der Prinzessin Heinrich. Für I die Gefolge war Marschalltafel im Garde du Corps-Saal. I

Den Abschluß der Hoffestlichkeiten am heutigen Geburtstage I des Kaisers bildete die Galavorstellung im Königl. Opernhause. I Das Haus bot mit der vornehmen Gesellschaft und mit dem Blu- I menschmuck den gewohnten festlichen Anblick. Der Hof nahm in I der großen Loge Platz. Der König von Sachsen fühtte die Kai- | serin, der Kaiser die Königin von Württemberg, der König von I Württemberg die Kronprinzessin von Griechenland. Insgesamt I waren etwa 60 fürstliche Damen und Herren versammelt. Der I Kaiser hatte den roten Ealarock des Garde du Corps angelegt, die I Kaiserin eine weinrote Seidenrobe. Gegeben wurde, zum ersten I

Gutes Schräubchen bann sollst bu gewiß mit mir fahren. Aber jetzt will ich schnell wieder hinunter. Mutter braucht nicht zu wissen, baß ich bich erst gebeten habe. Sei ein bißchen lieb zu ihr, ja?

Ja doch, bu goldenes Herz. Lauf nur zu. In einer halben Stund« bin ich unten."

Schräubchen hielt Wort. Ein« Stunde später gingen bie beiben alten Damen friedlich nebeneinander die Straße entlang.

Al» sie fort waren, huschte Gitta wieder zu Georg in das Atelier. Schnell warf sie bas neue Gewand über und löste sich das Haar.

So, Liebster, nun kannst bu ganz ungestört arbeiten.

Er lächelte.

Wie eifrig bu bist, kleine Frau. Ich glaube, bu bist noch ehrgei. ziger als ich."

Sie nickte.

Für dich, ja. Du sollst zur Höhe empor. / "

Unb wenn meine Kraft nicht dazu ausreicht?"

Du darfst nicht an dir zweifeln."

Wärst bu sehr unglücklich, wenn ich immer der simple Zeichen­knecht bliebe?"

Du bist b u. Für mich wirst bu nie ein anbeter sein, als bu heute bist. Aber für dich, Liebster, für dich wäre es mir schmerzlich. Ich weiß doch, wie e» dich emportreibt, wie sehr dein Herz daran hängt, Großes zu schaffen. Und ich will mit dir emporsteigen, so hoch bu willst. Nie will ich mich mit grauen Alltagssorgen an dich hängen unb dich herabziehen."

Er sah sie liebevoll bewundernd an.

Du bist wahrlich wie geschaffen zur Künstlerfrau, Gitta. Es liegt in deinem ganzen Wesen etwas Ideale», Großzügiges. Wer hätte da» hinter der kleinen, stillen Schulmelstettn gesucht Ich hab« um ein Entlein gefreit und es hat stch zum stolzen Schwan entwickelt.

Mache mich nut nicht noch eitler, al» ich Hnl

Sie nickte.

Ja, weil ich dir gefallen will. Du hast bas in mir geweckt. Ich möchte schön sein an Leib »nd Seele, für dich.

(Fortsetzung folgt.)

mit. dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und ben Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" unb .^Landwirtschaftliche Beilage".

Der Krieg um Tripolis.

I Die französisch-italienischen Zwischenfälle.

I Parts, 26. Jan. Im Verlauf« d«s Ministerrats teilt« Minister- I Präsident Poincare mit, daß der Botschafter Barret« sich mit San Giu- I liano über den Wortlaut der Note betr. denCarthage"- undMamiba"- I Zwischenfall geeinigt haben. Die Note, die in Rom durch bi« italienische I Regierung veröffentlicht wird, wird von der französischen Regierung als I befriedigend betrachtet. Poincare benachrichtigt Bartete davon nach | Schluß des Ministerrates. Die 29 Türken, die sich an Bord betMa- I nouba" befanden und in Cagliari an Land gebracht wurden, werden dem I französischen Konsul dieser Stadt ausgeliefert. Dieser wird sie nach Frank- I reich nach Le Frioul bringen, wo ihre Personalien durch die ftanzösisch« Regierung geprüft werden. Alle grundsätzlichen, rechtlichen Fragen, die durch di« beiden Vorfälle aufgeworfen sind, werden dem Haager Schieds­gericht unterbreitet.

Marseille, 27. Jan. Die Kommission, die die Personalien bet 29 in Cagliari zurückgehaltenen Türken prüfen soll, besteht aus einem Verrietet der Sicherheitsbehörde, einem Offizier unb einem Arzte. Nur biejenigen Türken, beten Eigenschaften als Mitglieder des Roten Halb­mondes genau festgestellt ist, werden sich nach Tunis begeben dürfen.

Cagliari, 28. Jan. Der DampferSaint Augustin" Ist heute ftüh 11 Uhr mit ben 29 türkischen Passagieren betMonouba" nach Le Frioul in See gegangen.

! Paris, 28. Jan. DieAgencee Havas" veröffentlicht fotgenbe Not«: Der französische Ministerpräsident berief den ftanzösischen Ge- schöflSitäoer in Rom, Legrand, nach Paris, um ihn um Auskunft über bie Grunde zu ersuchen, die ihn bewogen haben, zu bet Ausschiffung bet türkischen Passagiere in Cagliari bie Ermächtigung zu erteilen.

Ein neuer Zwischenfall.

Tunis, 28. Jan. (Havas. ) Der DampferTavignano" wurde in den tunesischen Gewässern, eine halbe Stunde von Zazls, angehalten. Der Kommandant lehnte unter der Begründung, daß er sich in tunesischen leibigter Miene herumlief, daß man sie sich selbst überließ. Als di« jungen Leute zum Mittagsessen herüber tarnen, sah Gitta, daß die Mutter verweint« Aug«n hatte. Die alte Frau tat ihr plötzlich furcht­bar leib. Aller Kroll in ihr war verflogen. Ihr weiches Hetz konnte nicht achtlos über fremben Kummer hinwegsehen. Aber bet Mutter war nicht zu helfen; sie zog sich ja selbst von ihnen zurück.

Rach Tisch huschte Gitta zu Fräulein Schraube hinauf. Das alte Fräulein saß allein in ihrem Wohnzimmerchen. Gitta faßte sie um bie Schultern.

Schräubchen, willst du mit einen großen Gefallen tun?

.»Zehn für einen, Kindelchen."

Dann hole nachher meine Schwiegermutter zu einem Spaziergang ab. Siehst du, sie ist so allein, well Georg mich im Atelier braucht. Und da hinein kommt sie nicht. Du kennst ja ihr« Abneigung geg«n "lles, was mit meines Mannes Malerei zusammenhängt. Es tut mit aber so furchtbar leid, daß sie nun so einsam im Wohnzimmer fitzt. Und du, mein lrebes Schräubchen, sangst hier oben auch bloß Grillen."

Rede nicht so viel, Kindelchen, ich komme."

.-Dank dir. Und tue mir die Liebe unb kümmere dich ein bißchen um Mutter. Weißt bu, wir Jungen sind im Grunde so große Egoisten.

Ja doch, ja. Ihr verliebten Leute seid nun mal nicht anders. Das nimmt euch fein Mensch übel.

Mutter doch. Aber weißt bu, wenn sie dir gegenüber zanken sollt«, über Georg ober mich, bann erbose dich nicht gleich. Latz fc reden, bann wird ihr das Hetz leichter."

P". weißt bu, über dich darf sie mit nicht» sagen, da bin ich sterblich. |

Gitta küßte sie lachend auf bie Wange.

Bleib mal ein bißchen unsterblich. Mutter meint es gewiß nicht I schlimm. Sie ist nur böser Laune, weil ich Georg bas Maten nicht I verleide. Und das kann ich noch nicht." I

Behüte Gott, er soll doch mal «in großer Künstlet werden. Da» I erlebe ich noch, Kindchen. Ich habe dich in ben zwölf heiligen Rächten rm Traum in einet prächtigen Equipage fahren sehen; un> ttxw man in ben zwölf Rächten träumt, bas trifft ganz sicher rin.** j

T>eOderheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» unb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch bte Post bezogen 8.25 (ohne Bestellgelds, bei unseren ZeittmgSstellen unb ber Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in» Haus. (Für unvet- langt zugesanbte Manuskripte übernimmt bie Redaktton keinerlei Verantwortung). Druck unb Verlag ber Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Martt 21. Telephon 55.

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