Einzelbild herunterladen
 

«ochum-Gttsenkirchen. (Bisher Soz.) Heckmann (Ratttb.) 78 833,

ftue (Soz.) 64 833. Gewählt Heckmann (Ratlib.)

Dortmund-Hoerde. (Bisher Soz.)

Gewählt Dr. Erdmann (Soz.)

Altena-Iserlohn. (Bisher Fortschr.) Gewählt Spiegel (Soz.)

Lennep-Mettmann. (Bisher Fortschr.) Gewählt Dtttmann (Soz.)

mit unaeiäbr 300 Stimmen Mehrheit gegen Eickhoff (Fortschr.)

Düsseldorf. (Bisher Soz.)

Haberland (Soz.) 42643, Schmitz (Ztr )

42 277. Gewählt Haberland (Soz.)

Essen. (Bisher Ztr.) Giesberts (3t*.) 57835, Gewehr (Eoz.) 52979.

Gewählt Giesberts (Ztr.)

Mühlheim-Duisburg. (Bisher Soz.) Dr. Boettger (Ratlib.) 63 633,

Henasbach (Soz.) 43 893 Gewählt Dr. Boettger (Ratlib.)

Elberfeld-Barmen. (Bish. Rp.)

Linz (Rp ) 33 397, Ebert (Soz.)

36 211. Gewählt Ebert (Soz.)

Moers-R««,. (Bisher Ztr.) Dr. Bell (Ztr.) mit 2000 Stimmen

Mehrheit gewählt.

(In unserem gestrigen Extrablatt war Dr. Böhme als gewährt an­

gegeben. Wie jetzt berichtet wird, hat fich Herr v. Kröcher (Kons.) i«

Salzwedel-Gardelegen halten können.

D. Red.)

Nach Erledigung der gestrigen 33 Stichwahlen stellt fich der

neue Reichstag wie folgt dar:

Gewöh'i

Gkwonnk«:

Verlor?«:

Konservative

43

6

21

Reichspartei

15

6

16

Wirtfch. Vereinigung

10

3

10

Reformpartei

3

Polen

18

2

Zentrum

93

5

15

Welfen

5

5

1

Bayr. Bauernbund

2

2

.

Rattonalliberale

45

18

30

Bauernbund

1

Fortschr. Volkspartei

41

14

21

Sozialdemokraten

110

69

12

Elsässer

5

2

2

Lothringer

2

1

Dänen

1

Wilde

2

2

5

Bayr. Liberale

1

-

Deutsches Reich-

Au« dem Luvdesrat. Berlin, 25. Ian. Der Bundesrat hat der Vorlage betr. die Ausführungsbestimmungen zum Reichs­stempelgesetz vom 15. Sept. 1909, ferner der Vorlage betr. die Ver­einbarung leichterer Vorschriften für den wechselseitigen Verkehr zwischen den Eisenbahnen Deutschlands und Luxemburgs sowie der Vorlage betr. das internationale Abkommen über die Beför­derung von Personen und Reisegepäck zugestimmt.

Aus dem Abgeordnetenhaus«. Berlin, 25. Jan. Der Ent­wurf zur Abänderung der Vorschriften über die Abnahme und Prüfung der Rechnungen, der dem Abgenordnetenhause schon im letzten Jahre vorlag, aber unerledigt blieb, ist dem Abgeordneten­hause erneut zugegangen. Der Entwurf bezweckt eine Verein­fachung des Rechnungswesens in Preußen nach dem Vorbilde des Reiches. Die Oberrechnungskammer fall von minderwichtigen Ge­schäften entlastet werden.

Eia «euer Wahlkreis für Trimborn? Um Trimborn dem Reichstag zu erhalten, sind in rheinischen Zentrumskreisen Be­strebungen im Gange, eines der neuen Reichstagsmitglieder, Astor (Bernkastel) oder Hartrath (Trier), $u veranlassen, zugunsten Trimborns auf ihr Mandat zu verzichten. Tatsache ist, daß Hart­rath bereits vor der Kölner Wahl erklärte, er werde, wenn Trim- dorn unterliege, z» dessen Gunsten verzichten. Fraglich ist ««, ob Trimborn zustimmt. Trimborn gehörte dem Reichstag seit 1896 an und vertrat in dieser Zeit stets den Wahlkreis Köln. y

Ein Wahlproteit für Weimar. Das Wahlkomite« der libe­ralen Parteien des Wahlkreises Weimar-Apolda legte Protest gegen die Wahl des Sozialisten Baudert ein wegen Wahlfchwiydel und Depeschenfälschung durch die Eozialdmeokratie.

Wahlschwindel in «Suche«, »ei de« Reichstagsstich­wahlen in München find, wie gemeldet wird, sechs Fälle von Wahlschwindeleien vorgekommen. Rur in einem Fall« ist es nicht gelungen, einen Mann zu ermitteln, der eine« ihm Unbekannten das Wahlrecht ausgeübt hat. Wahlschwindel «riri> mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. __ ,... . .

----------»----------

Ausland.

* 6tef Aehrenthal. Wie«, 25. Jan. Das Befinden de« Grafen Aehrenthal, der während seinem kurzen Aufenthalt« auf dem Semmering anfangs Januar keine Erholung gefunden hat, ist feit seiner Rückkehr nach Wien wechselnd, aber nicht besser geworden. Graf Aehrenthal ist krank und bedarf auf jeden Fall zur Wiederherstellung seiner Gesundheit der gründlichsten Erholung und Kräftigung. Hierfür erscheint ein länge­rer Aufenthalt im Süden wünschenswert, doch ist noch nicht, darüber be­stimmt, da die Aerzte über di« Wahl eines geeigneten Kurorte, noch nicht schlüssig sind.

Ministettrife in Portugal. Lissabon, 25. Jan. Präsident Arrraga nahm die Demission des Kolonialministers an. Der Justizminister übernahm vorübergehend die Geschäfte des Kolonialministeriums. Der Rücktritt des Kolonialminist«r, ist auf Meinungsverschiedenheiten zu- rückzuführen, die im Ministerrat zwischen dem Kolonialminister und seinen Kollegen wegen gewisser Klauseln des Gesetzentwurfes bezüglich der Verpachtung afrikanischer Eisenbahnen entstanden find.

Zu den italienisch-französisch«« Zwischenfälle«. Rom, 25. Jan. Heute vormittag 11 Uhr fand «ine Unterredung zwischen dem ftanzSst- schen Botschafter Barter« und dem Minister des Aeußern Marquis di San ©iuliono statt.

* Tätlichkeiten in der belgifä«« Sammet. Brüssel, 25. Jan. Leut­nant de Lipine. den der Abgeordnete Vandervelde kürzlich bei der Inter­pellation über die Mißstände im Kongo genannt hatte, drang in di« Kammer ein, um Vandervelde tätlich anzugreifen. Der Deputiert« gab jedoch dem Leutnant, ehe er zuschlagen konnte, einen Faustschlag, worauf de Lepine unter Drohungen die Kammer verlieh.

Tripolis. Tripolis, 25. Jan. Zn der Rächt zum 24. Januar entstand ein kleiner Alarm, weil einig« Räuber eine Familie in der östlichen Oase von Tripolis überfallen und zwei Eingeborene verwundet hatten. Gestern griff eine arabische Kavalleriepatrouill« di« itali«nisch«n Beobachtungsposten vor Eargaresch an, wurde aber sofort zurückgeschla- gen. Die Verteidigungswerke von Gargaresch find vollendet. Meldun­gen aus Homs berichten: Die Türken haben am 22. und 23. Januar ei nige Kanonenschüsse gegen die italienischen. Stellungen abgegeben, die aber keinen Schaden anrichteten. Aus Benghasi wird gemeldet, dah vor­gestern einige Vorpostengefechte stattgefunden haben, bei denen die Be- duinen und Türken geschlagen wurden. Eie hatten 150 Tote und Ver­wundete. Die Italiener erlitten keine Verlust«.

* Annahme des Marokkovertrages. Paris, 25. Jan. Di« Senats­kommission zur Beratung des deutsch-französischen Marokkoabkommens «ahm das Abkommen mit 15 gegen 2 Stimmen bei 4 Stimmenthaltun­gen an. Bei der Abstimmung stimmten gegen das Abkommen Ele- wenceau, Lamarzelle. Der Abstimmung enthielten fich Trouillot, Millffe- Lacroix, Pichon und Las-Cases. Mehrere Kommissionsmitglieder er­klärten, dah sie nur resigniert für das Abkommen gestimmt, ihm im Grund« aber nicht geneigt seien. Dies find: Meline, Earrien, be Cour- «el, Charles Dupuy, d'Aunaq, Ratter und Peytral.

China. Peking, 25. Jan. Rach einem chinefischen Bericht haben 2000 kaiserliche Truppen in Eiangyangfu bei Hankau rebelliert. Die Vorsichtsmaßregeln zur Sicherheit Juanschikais werden weniger streng gehandhabt. Die Aufregung läht nach, da die hartnäckigen, wenn auch gänzlich unbegründeten Gerüchte, dah Japan die Mandfchu» unterstützen »Erde, anfangen, an Glauben zu verlieren.

* Marokko. Paris, 25. Za«. Aus Marakesch wird berichtet, dah der einfluhreiche Kaid Mtuki eine heftig« Agitation gegen das franzö- fifche Protektorat entfalt« und insbesondere den Hauptstamm der Haux aufreize. Mtuki bemühe sich namentlich, den früheren Erohwesier El Glaui, der im vorigen Jahre von Muley Hafid auf Veranlassung der Franzosen abgesetzt wurde, für seine Umtriebe zu gewinnen.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Orginalartikel ist gerne# S 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen QuellenangabeOberhess. Ztg. gestattet.)

Marburg, 26. Januar.

* Kaisers Geburtstag. Auch diesmal wird die Feier des Geburtstages unseres Kaisers hier wieder in der gewohnten Weise von den Schulen, dem Militär und den Vereinen begangen. Der Fackelzug der Jäger marschiert pün lich um 7% Uhr vom Bahn­hof ab und nimmt den üblichen Weg durch die Oberstadt zurück zur Kaserne. Morgen früh findet ein Weckruf der Jäoerkapelle, fpätei Festgottesdienst des Bataillons und um 11 Uhr Parade statt. Für morgen und übermorgen find festliche Veranstaltungen für die einzelnen Kompagnien angeordnet. Für morgen früh find in allen Schulen und Lehranstalten Festakte vorgesehen. In der Aula der höheren Mädchenschule, sowie im Kgl. Gymnasium Phi- lippinum finden heute abend um 6 Uhr für die betreffenden An­stalten schon Vorfeiern mit besonders gewähltem Programm statt. Der Festakt in der Aula der Universität beginnt morgen um 11 Uhr. Das Festmahl in den Stadtsälen nimmt morgen nachmittag präzis 3 Uhr seinen Anfang. Der Festkommers der hiesigen Kriegervereine ist auf nächsten Montag, den 29. d. M., verlegt worden.

* Wahlausgang. Wie am Wahltage und den beiden ersten Stichwahltagen hatten sich auch gestern vor unserm Geschäfts­haus viele Interessierte versammelt, di« die auswärtigen Etich- wahlresultate in Empfang nehmen wollten. Rach und nach liefen dann die Meldungen ein und wurden bei der Verkündigung zum Teil mit großem Halloh aufgenommen, so z. B. als gemeldet wurde, dah Dr. Böhme, unser früherer Abgeordneter, in Salz- wedel-Eardelegen gewählt sei, eine Nachricht, die heute morgen vom Wolff-Büro widerrufen wurde. Herr Dr. Böhme hat es also nicht vermocht, in Salzwedel-Gardelegen seinen konservative« Gegner Herrn o. Kröcher herauszuwerfen. Ein Gedränge ent­stand, als kurz vor 12 Uhr die Extrablätter mit den Gesamtresul­taten des gestrigen Tages verteilt wurden, die trotz der späten Stunde «och eifrig auf der Strahe und in den Lokalen besprochen wurden.

* Verleihung. Wie man uns mitteilt, wurde Herrn Stadt­rat Wilhelm Sauer in Zeitz, einem Marburger, der Rote Adler­orden 4. Klasse verliehen. Herrn Botenmeister Vetter hier wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.

j * verloren« Briefpost. Die ,Fkordd. Allg. Ztg." schreibt: Wie eine seitens des Reichspostamts bei der französischen Postverwal­tung telegraphisch gehaltene Rachftage ergeben hat, ist bei dem Brande des Postgepäckwagens auf dem Bahnhof in Mesnil- Mauger am 17. Januar wahrscheinlich auch ein Briefbeutel der Bahnpost Strahburg-Avricourt (aus Straßburg am 16. Januar, abends 7.26 Uhr) für Newyork bestimmt (über Cherbourg be­stimmt mit einem Dampfer der Amerika-Linie) durch Feuer ver­nichtet worden. Unter den Brandresten find mehrere aus Deutsch­land herrührende Einschreibsendungen vorgefunden worden, die vermutlich dieser Vriefpost entstammen. Rähere Mitteilungen fehlen noch.

Eine Schulde« einziehungsgenoffeuschaft. Die Handwerks­kammer Darmstadt beabsichtigt in ihrem Bezirk die Errichtung einer Einziehungsgenossenschaft. Die Genossenschaft soll die Auf- i ßtiie haben, von säumigen Zahlern Forderungen nach Maßgabe einer aufzustellenden Satzung einzuziehen.

* Noch ei« Mädchen verschwunden. In der Rächt zum 20. ds. Mts. hat fich ein in der Bahnhofstraße bedienstetes 19fähriges Mädche« entfernt und einen Zettel mit dem Inhalt hinterlassen, daß es sich ein Leid antun wolle. Es wird vermutet, daß es den Tod in der Lahn gesucht hat. Das Mädchen wird wie folgt be­schrieben: 1,66 Meter groß, einfach städtisch gekleidet, dunkelblond. Zweckdienliche Mitteilungen find an die Polizei zu richten. Be­merkt sei, daß über den Verbleib des feit dem 15. Dezember ver­schwundenen Mädchens, da» ebenfalls vermutlich seinen Tod in der Lahn gesucht hat, noch nichts bekannt ist.

Für Logiswirte. Ein Schwindler hat in den letzten Tagen in Gießen sein Unwesen getrieben, indem er bei Logiswitten nach­suchte, auf das Zimmer der bei diesen wohnenden Ausländer als Freund derselben gehen zu dürfen. Dieses wurde ihm auch ge­stattet, und nun benutzte er seinen Aufenthalt dazu, Kleidungs­stücke und andere Wertsachen zu entwenden. Es dürfte geboten er­scheinen, einem ftemden Mann niemals den Zutritt zu den Zim­mern der Mieter zu gewähren.

C. Etadttheater. L'Arronges altbewährtes LustspielDottor Clauß" ging gestern abend mit gewohntem Erfolg in Szene. Weder die dicken Handschuhe und die Filzpantoffeln noch die wundervollen Fremdwörter des HerrnOristenzarztes" verfehlten die gewollte humoristische Wirkung, und die rührsameren Szenen drückten manchem Backfisch ein ttänenfeuchtes Schnupstüchlein in die Hand. Die Titelrolle war bei Herrn Bakof in guten Händen, seine Maske war prächttg, Spiel und Ton überzeugend. Auch sein Gegenspieler (Herr Gühne) konnte befriedigen. Mila de la Cha- pelle war eine elegante und spielfichere Baronin, die kaum minder formvollendet aufttat, als ihr blaublntrger Herr Gemahl (Herr Goll), der sich als echter Lustspiellebemann des glücklichen Aus­gangs halber ebenso unerwattet als erwünscht plötzlich auf seinen Charatter besinnt. Frl. de Bruyn lauschte mit reizendster Back­fischhingabe den Liebeserklärungen ihres Herrn Referendar Gerstel (Herr Rappeport), hatte aber schon Abende, an denen st« mehr befriedigte. Herr Rorden stellte einen recht amüsanten Lubowstt dar. Die Lbttgen Mitspieler wie die Regie gaben ihr Bestes, besonders war auch auf die Inszenierung recht großer Wert gelegt worden. Das zahlreiche Publikum applaudierte lebhaft.

Brahms-Abend. Der Brahms-Abend des R«y-Tttos zeichnet« fich durch di« Geschlossenheit seines Programms aus. Die Üblichen historische« Programme stellen an die Auffassungskraft der Hörer und «och mehr cm das Stilgefühl der Ausführenden eminente Anforderung, so daß nur selten eine einheitliche Wirkung erreicht wird. Auch abgesehen von dieser Schwiettgkeit findet man heut« selbst btt bedeutenden Künstlern häufig den Brauch, jedesmit individueller Auffassung" zu spiele«, d. h. so roie es ihrer Spielart und ihrem Temperament liegt, wobtt es dem Zufall überlassen bleibt, ob das, was herauskommt, fich mit den Absichten de» Komponisten deckt. Auch hier hatten wir kürzlich Gelegenheit zu dieser Beobachtung. Dagegen muß man dem Rey-Ttto nachrühmen, daß jeder, dem es darauf ankam, Brahmsfche Musik und nicht eine beliebige Vir­tuosenleistung zu hören, durchaus auf sein« Kosten kam. Das O-rnoll- Ttto op. 101 gehört, nach der Opuszahl zu urtttle«, einet Schaffens­pertode an, der wir einige der schönsten Kammermusikwerke verdanke«. Gleichwohl steht Brahms hier, namentlich im ersten und letzten Satz, nicht ganz auf der Höhe seiner Kunst. Er ringt zwar nach etwa. Großem und Erhabenem, aber das Errttcht« bleibt hinter dem Gewolltem zurück. Wir fühlen, daß er uns etwa, zu sagen, aber es ist ihm nicht gelungen, dieses Etwas zu ttner überzeugenden künstlerischen Darstellung zu brin­gen. Vielleicht hat er nicht mit der begrenzte« Ansdrucksfähigkeit der drei Instrument« gerechnet, vielleicht ist «uh da» Themenmaterial nicht

bedeutend genug. Am gelungensten ist wohl das Scherz». Das Stnbante ist außerordentlich fein, aber in dieser Umgebung etwas kurz und an« spruchslos. Auf das Trio folgten einige sehr schön und geschmackvoll vor­getragene Klavierstücke. Zwei Walzer interessierten besonders, be Brahms hier einmal ganz gegen seine Gewohnheit In Klangschönheit schwelgt. Durch eine Zugabe erwarb fich Frau Rey ben Dank ihrer be­geisterten Hörer. Den Schluß bildete das H-dur-Trio, mit Recht eine, der verbreitetesten und beliebtesten Kammermufikwerte von Brahms, lieber den Wert der beiden Fassungen kann man verschiedener Ansicht sein. In der ursprünglichen findet fich manche Schöne, das man nur ungern entbehrt, doch ist die spätere Bearbeitung, di« wir gestern hörten, sicherlich einheitlicher und geklärter. Gerade das, was wir bei dem E-moll-Trio vermißten, macht die Schönheit des H-dur-Trios aus. Es enthalt ttne Fülle wunderbarer Themen und jedes Instrument kommt fttnem Klangcharakter entsprechend vollauf zur Geltung. Das Trio ist Übrigens eine interessante Widerlegung der verbreiteten Ansicht, daß bet junge Brahms hauptsächlich Fottsetzer und Nachfolger Schumanns sei. Man wird darin feine Spur von Schumannschem Einfluß finden, da­gegen knüpft Brahms offensichtlich an Schubert und an einigen Stellen an den späten Beeethooeu an. Niemand wird in dieser Feststellung einen Vorwurf sehen. Jeder musikalisch Gebildtte weiß, daß ein Streben nach absoluter Originalität eher ei« Fehler al, «ine Tugend ist; und wenn Brahms etwas durch das Medium seiner Persönllchkeit ansieht, so wird er fich niemals untreu werden, mag er fich auch noch so eng an «in Vorbild anlehnen. Schuberts Einfluß zeigt fich besonders in ben beiden ersten Sätzen. Man denke an ben himmlischen Wohllaut des Anfangs­themas und des Mittelsatzes im Scherzo. Das weltbekannte Adagio er­innert an Beethoven. Der letzte Satz ist vielleicht der schwächste. Es hat fich da etwas Mendelssohnsch« RomantU eingeschlichen und das steht Brahms sehr schlecht.

* Beschaffenheit und Anbringung von Ortstafeln. Bei den zustän­digen Ministerien ist von verschiedenen Seiten die mangelhafte Be­schaffenheit sowie die unzweckmäßige Anbringung von Ortstafeln zur Sprach« gebracht worden. Insbesondere wird auf di« schlecht« Lesbar­keit der Ortsnamen toroie darauf hingewiesen, daß die vor Jahren viel­leicht an den Ortseingängen angebrachten Tafeln sich jetzt vielfach in der Mitte der Ortschaften befinden und dadurch ihren Zweck verfehlen. Aus Anlaß dieser Beschwerden haben die Herren Minister des Inner« sowie der öffentlichen Arbeiten di« unterstellten Behörden angewiesen, der Beschaffenheit und Anbringung der Ortstafeln ihre besondere Auf­merksamkeit zuzuwenden.

* Zur Unterscheidung gleichnamiger Beamter soll nach einem soeben veröffentlichten Ministerialerkatz nicht mehr die römischen Zahle« hinter dem Namen benutzt werden. Die betreft senden Beamten sollen vielmehr in Zukunft dusch Hinzufügung der Vornamen kenntlich gemacht werden.

Bersammlunge«, Konzerte, Theater, verg»ügu«g,uachrichte« «sm.

* Der christliche Seeei« junger Männer hier hält am Sonntag Nach, mittag von 4 Uhr an in der Aula der höheren Mädchenschule seins Kaisergeburtstagsfeier ab. Bundessekretär F. Wegener-Cassel wird bU Festansprache halte«.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Hoge«, 25. Jan. Auf dem hiesigen Eüterbahnhof ftchr gestern fttch ' lautSieg. Ztg." rin Güterzug in voller Fahrt auf «ine aus der ent­gegengesetzten Richtung ausfahrend« Gütrrzugmaschine. Dies« wurde an« dem Gl«is geworfen und schwer beschädigt. Auch di« Zugmaschine ent­gleiste mit zwei Achsen. Durch die Wucht de, Anprall« wurde« eine Anzahl Güterwagen stark beschädigt und riet davon vollständig zertrüm­mert, ineinander und übereinander geschob«« sperrte« si« mit de« be­schädigten Maschinen die Durchgaugvgleise, so daß Umleitungen nötig wurden. Das Zugbegleitungspersonal vermocht« sich durch Abspringe« rechtztttig in Sicherheit zu bringen, nur «in Heizer erlitt unerheblich« Verletzungen. Der Materialschaden ist sehr groß. Di« Ausräumung»- arbtttrn wurden sofort i« Angriff genommen. "

. Kunst und Wissenschaft.

Cine Hochflut uon Musikfeste« wird uns der Frühling und der Sommer diese» Jahre» beschere«. In Tübingen finbet ein Bachsest statt. Dortmund bereitet ein schwedische», Schwerin ein französisches Mufikfest vor. Aus Detmold kommt die Ankündigung eines zweitägigen Haydnfeste». Die deutsche Brahmsgesellschast ladet nach Bonn zum Brahmsseft ei«. Der Allgemeine Deutsche Mufikverein ist von mehrere« Städte« zur Abhaltung eines all­jährlichen Mufikfestes eingeladen worden, hat fich aber noch nicht entscheiden können, welche Stadt angenommen werden soll. Wei­mar und Elberfeld find in der engeren Wahl. Das diesjährig« Niederrheinische Mustffest findet zu Pfingsten in Aachen statt.

--------

Unpolitische Tagesnachrichten.

Einbruch. Berlin, 25. Jan. Auf bet Militärbahn Berlin» Jüterbog wurde in der Nähe von Jüterbog ein Einbruch in ttner Bude der Bahnlinie verübt. Untersuchung ist eingeleitet, da, Ergebnis liegt noch nicht vor.

Vermischtes.

Ozoniertes TrinkwaGee. Seitdem man «riß, daß die furchtbare« Cholera-, Typhrw-, Ruhr- und Milzbrand-Epidemien hauptsächlich im verseuchten Trinkwasser ihre Ursache haben, ist man bemüht, dieses zum Genuß durch Mensch und Tier bestimmt« Wasser, das ja namentlich in den Großstädten zum weitaus größten Teil Oberflächenwasser au. Büchen, Flüssen und Seen ist, von den Krankheitserregern, den Bak­terien, zu befreien. Man ist der übereinstimmenden Anschauung, daß in einem Kubikzentimeter Wasser die Anzahl der Krankheitskeime 100 nicht wesentlich übersteigen soll. Auf ein Liter sind dies immerhin noch 100000 Keim«: ein Beweis für di« Widerstandsfähigkeit des gesunden Körpers. Für die Steinigung be, Trinkwassers wurden bisher große Sandfilter angelegt und mit befriedigendem Erfolg benutzt. Da indes die Filter die Krankheitserreger nicht töten, sondern nur mechanisch zu­rückhalten, so fehlt die absolute Sicherheit des Arbeitens, und bei Be­triebsstörungen, abnormem Verbrauch ufw. find solch« Anlagen bann unzuverlässig. Ein Mittel zur Beseitigung dieses Rachteils bot die Elektrochemie, indem sie durch eine Verbindung von Elektrizität mit dem Sauerstoff der Lust das von feinem Entdecker Schönbein so benannte, intenpo riechende Ozon erzeugt«. Ozon wirkt außerordentlich leicht auf ander« Stoff« und vernichtet auch bei genügender Konzentration die im Wasser enthaltenen Krankheitserreger, «s hat langjähriger Arbeit bedurst, ehe es gelang, sowohl das Ozon in genügender Menge zu er- zeugen, als auch mit feiner Hilfe ttne wirkliche Sterilisation des Trink- wassers zu erzielen. Heute aber bestehen bereit, in einer Reihe von in. und ausländische« Städten, so in Wiesbaden, Paderborn, Hermannstadt ufw., größere Ozonwerke, und im neuesten Heft 6 der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden ZeitschriftSiena schildert F. A. Meißner in Wort und Bild das neueste dieser Ozonwerke, das in der von Epidemien nie ganz freien russischen Hauptstadt Petersburg ein­gerichtet worden ist.

Letzte Nachricht-«.

Berlfti, 26. Jan. I« einem Kranfenhaufe in Schöneberg ist gestern der jungenliche Billardspteler Johann Kerkau im Alter von 25 Jahren einem Lungenleiden erlegen.

Köln, 25. Jan. Di«Kölnische Zeitung meldet aus Berlin: lieber den Besuch heg Staatssekretär, von Kiderlen-Wächter beim Kardinal Merry del Val werden noch immer Erzählungen verbreitet, die nicht mit der Wahrheit übereinstimmen. Nachdem Herr von Kiderlen-Wächter ben italienischen Minister de, Aeuhern Marquis bi San Giuliano besucht hatte, lag es nahe, auch beim Staatssekretär des Vatikans nicht vorbei­zugehen. Ein besonderer Anlaß zu einer polttischen Unterredung war nicht vorhanden, «bensa aber auch feiner, einen Höflichkeitsbesuch |T unterlassen. Gänzlich unzutreffend sind bi« Meldungen, denen zusolßt