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Er
Du wirst viel«
brauche ich, |e
Georgs Mutter
wiedergegeben. Nur an den Augen müht« er sich lange umsonst, konnte den Ausdruck derselben nicht festhalten wie er wollte.
„Sieh mich an." bat er, heiser vor Erregung. Unmutig zog er Stirn zusammen und rang in heißem Bemühen. Sie sah es ihm daß er unzufrieden mit sich selbst war.
Da flammten ihre Augen intensiv zu ihm hinüber.
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bis nächsten Sonntag mit dem Kleid fertig sein?" „Ganz bequem; es macht nicht viel Arbeit." „Das ist mir lieb. Dann fangen wir Sonntag an.
Stunden still sitzen müsien. Liebste."
Sie lachte glücklich.
„Ich bin ja bei dir und kann dich dabei ansehen." „Ja, das sollst du. So ansehen, wie vorhin. Das muh ich dich haben."
Zn demselben Moment klopfte es hart an di« Tür. rief, ohne dieselbe zu öffnen:
Dem Kaiser!
Der diesjährige Geburtstag unseres Kaisers fällt in eine ereignisreiche Zeit. In den schwülen Zeiten des vergangenen Herbstes halwn sich die Arigen aller Deutschen oft nach Berlin gewandt Mt der bangen Frage: „Was wird werden — Krieg oder Frieden?" Der Kaiser hat uns den Frieden erhalten, wenn auch manch' einem echten Deutschen der Wunsch nach einer Klärung der Spannung in anderer Weise auf dem Herzen lag. Eins aber wußten sie alle, daß gerade der Kaiser dafür gesorgt hat, daß Heer und Flotte auf einer Höhe stehen, um die uns die Völker beneiden und die sie scheuen — die beste Bürgschaft des Friedens, den wir wünschen. Hinter uns liegen die Reichstagswahlen, liegt der Tag voll erhebender Erinnerungen an Friedrich den Zweiten, den großen Zollern auf Preußens Königsthron, der uns vor 200 Jahren geschenkt worden war. Und beide Ereignisse weisen uns mit besonderer Eindringlichkeit darauf hin, dem Hohenzoller auf dem deutschen Kaiserthron die Treue zu wahren, dessen 53 Eeburtsfest wir heute begehen. Fürwahr, in diesen ernstbewegten Zeiten, in denen wir gegenwärtig stehen, ist es Ehrenpflicht, sich um den Mann zu scharen, dessen Ahne der Alte Fritz, der Preußens Größe schuf, und dessen Großvater Wilhelm I. war, der uns des neuen Deutschen Reiches Macht und Herrlichkeit hinterließ. Wenn je zwei historische Gestalten, so sind sie geeignet, das Preußen- und Deutsche Volk daran zu mahnen, was sie dem stolzen und ehrwürdigen Geschlecht der Zollern danken! Schon dieser Dank müßte sie zu unentwegter Anhänglichkeit verpflichten, die sie dem Erben, rznserm Kaiser, schuldig sind. Aber Wilhelm II. verdient auch, um seiner selbst willen geachtet und geehrt zu werden. Wir sagen dies, frei von jedem Byzantinismus, der mit Recht so abstoßend wirkt. Aber unsere Zeit'verfällt jetzt eher in das andere Extrem, dem Kaiser nicht mehr zu geben, was des Kaiser« ist!
Wohl ist heute noch das monarchische Gefühl im Volke leben- . big, das sieht man am besten daran, wie die Todfeinde der Monarchie sich sogar dazu bequemen, ihm Konzessionen zu machen. Aber die bewußte Untergrabung des monarchischen Gefühls, die unter der Firma der Freiheit und der geistigen Ueberlegenheit über das angeblich Veraltete segelt, macht täglich Fortschritte. Rur wer sich den Blick vor den Tatsachen verschließt, kann das leugnen. Und darum ist es Pflicht aller derer, denen das Aufblicken zum Kaiser des Deutschen Reiches auch ein Bedürfnis des Herzens ist, sich bewußt der Pflege des monarchischen Gedankens zu widmen, der in ■ der Person Wilhelms II. verkörpert ist. Wie schwer ist es schon, einer Persönlichkeit aus unserer nächsten Umgebung gerecht zu werden, deren menschliche Bedingtheit, deren Beziehungen und Notwendigkeiten wir doch klar vor uns sehen. Um wieviel schwerer ist es, einem Manne wie nnserm Kaiser gerecht zu werden, dessen Urteile und Entscheidungen oft unter Umständen gefällt werden, deren Charakter, deren Gebundenheit und innerste Motive wir nicht kennen. Auch der Kaiser hat Anspruch darauf, gerecht beurteilt zu werden. Gewiß, auch Fürsten sind Menschen, dem Irrtum verfallen. Und man kann ihnen nicht wahrhaftigere Treue bezeigen, als aufrecht sie darauf binzuweisen, wenn sie fehlen. Jedoch, es muß mit Ehrfurcht geschehen. Und das schwere Verhängnis unserer Tage ist, daß das Gefühl dafür mehr und
die an,
I mehr schwindet, weil das Verständnis für die grundlegende Bedeu» | tung der Autorität und der freigewollten, achtungsvollen Unter« I ordnung unter sie, immer rascher verloren geht.
Und wenn wir einmal dieselbe Sorgfalt, die darauf verwandt wird, alles herauszu suchen, was dem Urteile übet den Kaiser ungünstig ist, hernehmen, um die Züge in seinem Bilde festzuhalten, die es sympathisch gestalten, wir glauben, sie würden auch manchen Eleichgiltigen gewinnen: Die Achtung vor der geistigen und sittlichen Persönlichkeit unseres Kaisers, die auch Fremde, die ihn kennen, ergreift, sollte auch in seinem Volke lebendig sein. Wie unser Kaiser mit seiner vielseitigen und reich begabten Natur Verständnis allen den Forderungen unserer Zeit entgegenbringt, ist allzu oft ausgeführt. Weiter liegt aber gerade in der aufrichtigen Herzensfrömmigkeit des Kaisers, die niemals dem klaren Blick für die Forderungen der Welt und des Tages hindernd in den Weg zu treten braucht, die sicherste Gewähr, daß er es e r n st nimmt mit seinem Herrscherberuf, weil er damit allein die Achtung vor einer höchsten Autorität über sich bezeugen kann und bezeugt, die uns erkennen läßt, daß et sich verantwortlich fühlt für all sein Tun. So ist es nicht „alte Gewohnheit", sondern Herzensbedütf- , nis jedes ernster Gerichteten, der sich nicht von den Schlagworten und Hetzereien der Tagesströmung betören läßt, dem Kaiser bei seinem Eintritt in das 54. Lebensjahr den Zoll verdienter Achtung und warmer Verehrung zu entrichten und den innigsten Wunsch jedes echten Deutschen sich zu eigen zu machen: Gott segne und schütze den Kaiser!
„Sieh, so muß es sein, — und von ganz zarter, heller Fliederfarbe." Sie seufzte ein wenig.
„Ja, so müßi« er sein. Aber solch ein Kleid besitze ich doch nicht."
Er überlegte.
„Freilich — man müßte es erst anschaffen. Ob es sehr teuer würde?"
Sie blickte aufmerksam auf die Zeichnung herab.
„Anfertigen könnte ich es mir selbst; es ist sehr einfach. Die Hauptsache ist der Stoff. Man muß ihn hier auf der Schulter zusammenfassen und in reichen Falten herabfallen lassen. Hier schlingt man um di« Hüften eine dicke Schnur, die etwas dunkler in der Farbe sein darf. Si« bildet den Gürtel und fällt bis auf den Saum herab. Die Arme müsse» frei bleiben und der Hals auch. Richt wahr, ich habe dich recht verstanden?"
„Ganz genau. Und du meinst, daß du es anfertigen kannst?"
„Gewiß, mit wenig Müh«."
„Ajfo müßten wir den Stoff und die passende Schnur dazu kaufen?"
„Das allerdings. Aber wir finden vielleicht ein billiges Gewebe, das unserem Zweck entspricht. Biel zu halten braucht es ja nicht."
„Schön, also wir kaufen gleich morgen den Stoff. Kannst du dann
ttgsten Fragen, etwa Schutzzoll oder Heexerftagen, so ist diese Mehrheit schon gesprengt. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß wir einen Reichstag mit wechselnden Mehrheiten bekommen haben, mit dem sich die Regierung abzufinden hat. Wie lange, bleibt ihr Geheimnis. Bei unfern zerklüfteten Parteiverhältnissen ist ein Block eben eine Unmöglichkeit. Mit derselben Berechti- , gung, mit der man vom schwarzblauen Block reden konnte, könnte man von einem schwarzroten Block reden, der z. B. die für das - Deutsche Reich doch gewiß wichtige Verfassungsfrage von Elsaß- Lothringen gelöst hat. Das Resultat ist kurz dies: Der mit ungeheuren Kräften geführte Wahlfeldzug hat eine gewaltige Vermehrung der reichsfeindlichen Partei gebracht. Die Kosten tragen nicht etwa allein die Konservativen, sondern in gleicher Weise die liberalen Parteien. Es hat sich gezeigt, daß die konservativen Parteien nicht so einfach aus dem Sattel zu heben sind, als man glaubte. Schwere Verluste waren angesichts der Fehler bei der Reichsfinanzreform vorauszusehen. Sie sind n i ch t den Liberalen zugute gekommen, von denen der Freisinn jedenfalls bedenkliche Verluste erlitten hätte, wenn ihn nicht Überall die Genossen herausgehauen hatten. Das politische Interesse ruht weniger aus dem Resultat dieser Wahl, als auf der Erwartung, wie sich di« Verhältnisse der bürgerlichen Parteien weiter entwickeln, angesichts der Tatsache, daß die Sozialdemokratie mit 110 Mandaten. die stärkste Partei im deutschen Reichstage ist.
Die Stichwahlen.
Züllichau-Erossen. (Bisher Rp.) Gewählt Bruckhofs (Fortschr.) Potsdam-Osthavelland. (Bisher Kons.) Gewählt wurde Lieb knecht (Soz.)
Frankfurt «. O. (Bisher Soz.) Gewählt Dr. Bollert (Natlib.) Ealau-Lucka«. (Bisher Kons.) Gewählt Welz (Soz.) Landsberg-Soldin. (Bisher Kons.) Holtschke (Kons.) gegen Petze!
(Soz.) wiedergewählt.
Guben-Lübben. (Bisher Natlib.) Prinz Schönaich-Carolath (Not.- Ito.) 14224, Kotzke (Soz.) 7823. Gewählt Prinz Schünaich-Earolath.
Sora». (Bisher Natlib.) Gewählt Schumann (Soz.) - —— Marienburg-Elbing. (Bisher Kons.) v. Oldenburg (Konst) 11552 Schröder (Rp.) 13 500. Gewählt Schröder.
Schwetz. (Bisher Pole.) Gewählt v. Halem (Rp ) Krotosthin-Kosmin. (Bisher Pole). Gewählt v. Chlapowski (Pole) Slogan. (Bisher Fortschr.) Gewählt v. Liszt (Fortschr.) Striegau-Schweidnitz. (Bisher Kons.) Gewählt Feldmann (Soz.) Lüben-Bunzlau. (Bisher Fortschr.) Gewählt Doormann (Fortschr.) Srünberg-Freyftadt. (Bisher Kons.) Gewählt Davidsohn (Soz.) Hirschberg-Schöna». (Bisher Fortschr.) Gewählt Dr. Ablaß (Frosch.) Lirgnitz-Soldberg-Hayna». (Bisher Fortschr.) Fischbeck (Fortschr.) wiedergewählt.
Oppeln. (Bisher Pole). Gewählt Brandys (Pole).
Rordhausen-Hohenstei». (Bisher Fortschr.) Gewählt Dr. Toh« (Soz.) gegen Dr. Wiemer.
Rers«burg-Q»erfurt. (Bisher Kons.) Gewählt Koch (Fortschr.) Sangerhausen-Eckartsberga. (Bisher Rp.) Gewählt Wamhoff (Ratlib.) gegen Soz.
Wittenberg-Schweinitz. (Bisher Fortschr.) Dove (Fortschr.) »ie- dergewählt.
Salzwedel-Gardelegen. (Bisher Kons.) Gewählt v. Kröcher (Kons, gegen Dr. Böhme.
Osnabrück. (Bisher Ztr.) Stöve (Natlib.) wurde gegen den Ze» trumskandidaten gewählt.
47. Jahrg. |
1912. •
i Nachdr. verboten.
. Unser Weg oma fiinfliif.
•’ Roman von A. Lourtho-Mahler.
(Fortsetzung.)
Er löste mtt raschen Griffen ihr schöne« Haupt, wi« er oft at. Sie- saß in bequemer, graziöser Haltung auf dem Divan und schmiegte sich anmuttig in die Kissen zurück. Er sah sie voll Entzücken an. Dann sprang er plötzlich auf. Seine Augen weiteten sich, di« Muskeln seines Gesichts strafften die Züge.
„Bleib' so Gitta, rühre dich nicht; so muß ich dich malen. Ich will die Stellung festhalten. Sie ist wundervoll. Diese müde, lässig« Haltung. das muß mir gelingst."
Er zeichnete mit fieberhaftem Fleiß. Wie immer glückte ihm die Zeichnung tadellos. Die beiden Hände, von denen sich eine, den Kopf stützend, halb t« den schweren Haarmassen verlor. waren wie beseelt auf dem Papier. Der durch das anschmiegende Gewebe des Kleides plastisch hervortretende Körper war in weichen und doch karakteristischeren Linien
I versuchte, den Ausdruck von vorhin festzuhalten. Tiefes Rot färbte ihre I Wangen.
I „Run, Eitta?" fragte er erwartungsvoll.
I Sie warf sich an seine Brust und sah zu ihm empor mit zärtlicher I Bewunderung.
I Ja — ja. Das bin ich. Ich wußte nur nicht, daß ich so aussehen kann. Ich mußmi ch sehr verärgert haben in der letzten Zeit."
„Schön bist du geworden, meine Eitta. Wie ein Zauber dünkt es mich, daß du so herrlich erblüht bist. Was das für mich bedeutet, wie mich das begeistert und beseligt! Wie ich dich lieb«, mein Weib. • Ich bin dem Geschick so dankbar, daß es dich in meine Arme führte."
Sie errötete unter seinen Worten und schmiegt« sich zitternd in sein« Arme. Dann sah sie. wieder auf die Zeichnung.
„Wenn du das so malen könntest. Liebster. — Ich meine, es müßte ein gutes Bild werden."
„Ja, ich will es versuchen. Es muß gut «erden. Wenn dies Bild nicht so wird, wie ich es haben will, dann bin ich «in Stümper, dann kann ich das Malen aufgeben."
Sie umfaßte ihn angstvoll.
„Nicht so, Georg; so darfst du nicht reden. Wenn es noch nicht so wird, wie du wünschest, dann versuchst du ein neues Bild. Cs ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Um die Meisterschaft mußt du ringen, unermüdlich, unverzagt. Denke doch, es bleibt so wenig Zeit für dein Studium. Da brauchst du dich nicht zu wundern, daß du langsam vorwärts kommst. Und große Fortschritte hast du gemacht, das sagt dir doch Hartwig auch. Wenn du nur frei wärst- wenn du ein Jahr lang wenigstens ungehindert schaffen und lernen könntest. Daß ich auch so arm sein mußte, daß ich dir diese Freiheit nicht schaffen kann! Mit Geld wären alle Hindernisse zu beseitigen, das weiß ich. Aber auch so kommst du zum Ziel, nur langsamer. Darum habe Geduld; du wirst dennoch einst ein großer Künstler. Ich glaube an dich."
Er sah mit seinen suchenden, tiefliegenden Künstleraugen in ihr erregtes Gesicht.
„Du gibst mir mehr, als Geld und Gut, Gitta. Du begeisterst und entflammst mich zu neuem Schaffen. Nein, so lange du an mich glaubst, will ich nicht verzagen." Er zog sie neben sich auf den Divan. „Ich werde dich so malen,Eitta. Gleich nächste Woche fange ich an. Aber ein anderes Gewand mußt du anlegen. Ein feiner, weicher, anschmiegen- der Stoff muß es sein und ein besonderer Schnitt."
Er zeichnete in flotten Strichen das Kleid auf, wie et «• i» seiner Phantasie gesehen. Sie sah ihm über di« Schulter.
110.
110 Sozialdemokraten, das ist bas Resultat des Wahlfeld- | zuges. Der gestrige dritte Stichwahltag hat es vollendet. Wie man aus den Resultaten sieht, haben die Liberalen noch in ausgedehnterem Maße als an den vorigen Stichwahltagen dafür gesorgt, daß überall an Stelle der Konservativen Sozialdemokraten gesetzt wurden. Wer will es rechtsstehenden Wählern verargen, "wenn sie es vorzogen, im Wahlkampfe ihrerseits eine Partei nicht zu unterstützen, die sich auf Grund eines Eeneralabkommens mit den Zielen der Sozialdemokratie völlig identifizierte? So fiel Herr Wiemer in Nordhausen, so fiel Herr Eickhoff in Lennep- Mettmann. Der Verrat des Freisinns an der Sache des Bürgertums hat seine Früchte getragen. Treffend führte der alte freisinnige Abgeordnete Träger in einer Berliner Versammlung für den Abgeordneten Kämpf gegen den Sozialdemokraten aus: „Wir streiten (gegen die Sozialdemokratie) nicht um die Sache, sondern um die Person und um die Partei." Ist das nicht klar genug? Worauf die Herren der Linken bei dem Wahlkampfe den meisten Wert legten, war, eine Mehrheit der Linken einschließlich der Sozialdemokratie zu schaffen. Die „Franks. Ztg." rechnet 202 Abgeordnete der Linken heraus. Das wäre eine solche Mehrheit. Es darf aber füglich bestritten werden, ob alle Nationalliberale, z. B. der Kandidat des Bundes der Landwirte Strack in Friedberg, sich so einfach im Sinne der „Franks. Ztg." zur Linken rechnen lassen. Außerdem dürfte es verfrüht sein, jetzt ein Urteil über die Mehrheitsverhältnisse abzugeben. Diese gewünschte Mehrheit der Linken ist ja überhaupt nur ein Phantom, das von der liberalen Bresse ständig als Realität behandelt wurde, offen« sichtlich avff Rücksicht auf die Mahl. Nehmen wir einmal die wich-
„Kommt zu Tisch, das Essen ist fertig."
Die alte Frau betrat nie das Atelier. Es war ihr ein Greuel, wenn die jungen Leute stundenlang da drinnen weilten.
Georg und Eitta waren leicht zusammengezuckt. Die harte, rauhe Stimme der Mutter rief sie unsanft in die Wirklichkeit zurück. Run sahen sie sich lächelnd an.
„Komm, Liebste, stecke dein Haar auf. Dann wollen wir friedlich unsere Mahlzeit einnehmen. Der Alltag fordert auch am Sonntag feie Recht.
(Fortsetzung folgt.) -♦— t
„Liebster, nicht verzagen, nicht nachgeben. Es muß gehen," sagte sie leise, ohne sich zu rühren.
Als ob eine magnetische Kraft aus ihren Augen zu ihm herüber- strömte, so wurde plötzlich seine Hand fest und sicher. Jeder Strich saß. Nur noch ein schmaler Schatten unter dem Augenlid, ein schärferes Herausholen der Augenwinkel, ein Vergrößern des Lichtes, welches die goldigen Töne in Gittas Augen wiedergab, — und er atmete tief auf.
Prüfend glitt fein Blick noch einmal zwischen der Zeichnung und feinem geduldigen Modell hin und her. Seine Augen leuchteten auf, feine Brust hob sich wie befreit von schwerem Druck. Dann glitt er neben Eitta nieder und umfaßte sie, fein heißes Gesicht in ihrer Haarflut bergend.
„Hast du es geschafft, Liebster?" fragte fi« mit verhaltener Stimme.
Er zog sie mit sich empor vor das Bildchen. Sie betrachtete es lange mit ernstem, forschendem Blick. Dann trat sie vor den Spiegel, der in •inet Ecke Platz gesunden hatte, und sah aufmerksam in ihr Gesicht. Sie
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Kmdwktschaftliche Beilage«.
Die „Lderliesiische Zeitung" erscheint täglrch mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 8.25 <* lohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 «X frei in» Haus. (Für unverlangt zugefandt« Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Berantwvrtmig). Druck und Brrlag der lluw.-Buchdruckerei I. A. Koch (Jnb.! Dr. Hiheroth), Markt 21. —Telephon 55.
Marburg
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