47. Jahrg.
1912.
Marburg
Freitag, 26 Januar
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Die Feier des 200. Gelnrrlstagcs Friedrichs des Großen.
Zum Gedenktage Friedrichs des Großen hatte die Stadt Potsdam Fahnenschmuck angelegt. Die gestrige Feier begann mit einem Festgottesdienst in der Potsdamer Hof- und Earnisonkirche. Am Altar im Halbkreise standen die Fahnen des 1. Garderegiments und des Bataillons der Eardejäger, ferner die Standarten des Regiments Garde du Corps. In die Kirche rückten die Mann* fchaften des 1. Garderegiments z. F., des Eardejägerbataillons «nd des Regiments Garde du Corps, das reitende Feldjägerkorps, Abordnungen der Hauptkadettenanstalt in Erotz-Lichterfelde und des Kadettenhauses in Potsdam ein. Es versammelten flch die Eeneralfeldmarschälle, die kommandierenden Generäle der preußischen Armeekorps und die Generalität und Admiralität der Standorte Potsdam und Berlin. Auch der Reichskanzler war erschienen. Bald trafen der Kaiser und die Kaiserin ein, ferner die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Heinrich und Friedrich Leopold mit ihren Gemahlinnen, sowie die Prinzen Oskar, Joachim, Friedrich Sigismund, Friedrich Karl, Friedrich Wilhelm und Waldemar, der Erbprinz von Hohenzollern, Prinz Georg von Griechenland, die Kronprinzessin von Griechenland, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und die Prinzessinnen Viktoria Luise und Viktoria Margarete von Preußen.
Den Gottesdienst eröffnete die Hymne: „Hör uns, o Gott!", gesungen von dem Potsdamer Viännergesangverein. Die Liturgie hielt Hofpredigcr Rickter, die Festpredigt der evangelische Feld- probst der Armee Wölfing. Die Feier schloß mit dem Choral: „Nun danket alle Gott". Nach dem Gottesdienst erfolgte die Kranzniederlegung in der Gruft unter der Kanzel der Kirche. An der Gruft legten auch Abordnungen der Vereine ehemaliger Angehöriger der anwesenden Regimenter Kränze nieder. Die genannten Truppenteile traten bald darauf im Lustgarten zu einem offenen Viereck zusammen. Das Wetter hatte sich gebessert, die Sonne brach durch. Die Kaiserin wohnte der nun folgenden Parade mit den Prinzessinnen vom Fenster des Stadtschlosses aus bei. Der Kaiser schritt die Front ab, trat dann in die Mitte des offenen Vierecks und hielt eine Ansprache, die etwa folgendermaßen lautete: „Die erste Pflicht am heutigen Tage für unsere hier versammelten Truppen, die unter den Augen des großen Königs mit ihm gesockten und gesiegt haben, ist die, daß wir ihm hier vor der Garnisonkirche, unter der seine sterblichen Ueberreste ruhen, die militärischen Ehren erweisen: Ohne das Spiel zu rühren? — Achtung? — Präsentiert das Eewebr? — So grüßt die Potsdamer Wachtparade ihren dahingegangenen glorreichen Führer. Ich erwarte von ihr. daß siessich im Ernstfälle geradeso schlagen wird wie damals. — Das Gewehr über?" Hierauf verlieh der Kaiser dem Regiment Garde du Corps in Erinnerung an den heutigen Tag ein Brustschild mit dem Namenszug Friedrichs des Großen, das Sei Paraden und Festlichkeiten zu tragen ist. Es folgte ein Parademarsch in Zügen, beim 1. Earderegiment, wo die kaiserlichen Prinzen eingestellt waren, uack den Klänoen des „Friedrich Rex". Der Kaiser begrüßte noch die Mitglieder der Kriegervereine, überreichte im König!. Schloß den Offizieren der Garde du Coros die neuen Brustschilder, die sogleich angelegt wurden und frühstückte im Regimentshause des 1. Earderegiments mit den Offizieren der beteiligten Truppen.
Am Nachmittag um 4 Uhr fand im Weißen Saale des König!. Schlosses in Berlin eine Festsitzung der König!. Akademie der Wissenschaften statt. Der Kaiser hielt dabei folgende Ansprache: „Mit mir und meinem Hause feiert heute das ganze Vaterland den 24. Januar als einen Tag weihevollster Erinnerung. Einen besonderen Anlaß aber zu dankbarem Gedenken hoben diejenigen Glieder unseres Gemeinwesens, deren Geschickte mit dem Namen des Großen 'Königs unmittelbar verknüpft ist. Hat dock der
20 Nachdr. verboten.
Unser Weq aina Mnanf.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Die alte Dame macht« eine hastig abwehrende Gebärde.
„Sprich mir nicht von Hartwig. Der hat immer einen schlinimen Einfluß auf Georg ausgeübt. Möglich, daß er mehr davon versteht. Um so schlimmer ist es, wenn er Georg den Kopf verdrehen hilft. Warum er ihn immer wieder aufwiegelt, weiß ich nicht. Vielleicht um mich zu ärgern. Ich mache ja keinen Hehl daraus, daß er mir nicht sonderlich angenehm ist."
Gitta schüttelt« den Kopf.
„Du verkennst Hartwig ganz entschieden, Mutter. Er ist ein ehrlicher warmherziger Mensch und Gorgs aufrichtiger Freund. Kleinlichkeiten, arte du st« ihm zutraust, liegen seinem großzügigen Karakter vollständig fern“, erwiderte ste, warm für Hartwig Partei nehmend.
Mißtrauisch und forschend blickte die alte Dam« in Gittas bewegtes Gestcht.
Du wirsst dich sehr zu seiner Verteidigerin auf."
„Gewiß, weil du ihm Unrecht tust und weil er Georg und mir ein tteutt zuverlässiger Freund ist."
,,So, dir auch? — Na, meinetwegen, ich kann es nicht ändern. Aber das muß ich dir jagen, hüte dich, Georg noch weiter in seinen fruchtlosen Idee», zu bestärken. Es nimmt kein gutes Ende, wenn du nicht wenigstens ternfinftig wirst."
„Aber, Mutter, weshalb quälst du dich und uns mit solchen trüben Gedanken? Wenn du nicht an Georgs Talent glaubst, so hindere iyn doch wenigstens nicht, seinem Drang, sich zu betätigen und vorwärts zu streben, Folge zu leisten." I
, »Doch, ich werde immer dagegen teben; es ist meine Pflicht. Und 1
jugendliche König, noch ehe er der Mehrer seines Reiches an kriegerischen Erfolgen geworden ist, k;c Wissenschaft und sich selbst mit dem unvergeßlichen Worte geehrt, daß er die Gewinnung des Deutschen Philosophen, den er zunächst für den Vorsitz in der Akademie in Aussicht genommen hatte, als eine „Conqu^te im Lande der Wahrheit" betrachten wolle. So gilt für die Akademie insbesondere das Zeugnis, das mein in Gott ruhender Herr Großvater in Bezug auf Friedrich den Großen bei festlichem Anlaß abgelengt hat: „Alles, was wir Großes und Gutes in unserem Lande bewundern, ist auf den Fundamenten begründet, die er geleat." Nicht nur der Wiederhersteller und Schutzherr der Akademie, auch der ständige Mitarbeiter ist König Friedrich gewesen. Ich erinnere die Akademie daran, daß in einer ihrer Sitzungen die Abhandlung zur Verlesung gelangt ist, in welcher der erlauchte Verfasser gegen eine materialistisch gericktete Geschichtsbetrachtung der Auffassung Ausdruck gegeben hat, daß Reichtum und materielle Güter ein toter Stoff seien, der erst durch die Intelligenz und die Geschicklichkeit Leben und Bewegung erhalte. Und diese AbEnd- lung birgt zugleich das erkenntnisreiche Wort, daß die Stärke der Staaten auf den großen Männern beruht, welche die Natur ihnen zur reckten Stunde geboren werden läßt. Ein Wort, das wir dankerfüllt heute auf ihn selbst anwenden und das unserer Feier den Grundton gibt. Uns aber ziemt es, des großen Königs Werk ausznbaurn und die Kräfte zu nutzen, die Gottes Weisbeit und unendliche Güte in ihm unferm Preußennolk geschenkt bat." Der Kaiser teilte noch mit, daß er zur Herausgabe der „Politischen Korrespondenz" und der „Denkmäler der preußischen Staatsverwaltung des 18. Jahrhunderts" der Akademie die reicke Sammlung des amtlichen und persönlichen Schriftwechsels zwischen dem Großen Köniae und einem seiner treuesten Diener und Gefährten, dem nachmaligen Generalseldmarsckall von Moellendorff, zur Verfügung stelle. Sodann sei eine Vermehrung ihrer Mitalteder in der philosophisch-bistoriscken Klasse vorgesehen. — Die Kaiserin nahm vor dem feierlichen Einzüge des Kaisers auf der KanoUen- tribüne mit der Prinzessin Viktoria Luise und den übrigen Prinzessinnen Platz. Der Rede des Kaisers folgte die Festrede von Professor Koser.
Rastenburg, 24. Ian. Das Grenadierreaiment König Friedrich der Große sNr. 4) begebt durch Gottesdienst und Parode und eine Reihe festlicker Veranstaltungen für die Offizi-re und Mannschaften die Feier des 200. Geburtstages Friedrichs des Kroßen. Zur Teilnahme an der Feier ist im Auftrage des Kaisers gestern abend Prinz Adalbert von Preußen, der Hg""tmonn h. la Huite des Regiments ist, hier eingetroffen. Bei allen Truvnenteilen der Provinz, die in der Regierungszeit Friedrichs des Großen errichtet worden sind oder unter ibrn gekämvft haben, wird auf die Bedeutung des Taaes durch besondere Regimentsund Bataillansappelle hingewiesen.
— Gesetzesvorlagen und Einberufung des Landtaaes. Dos Abgeordnetenhaus batte die Regierung ersucht, künftig den Landtag ss zeitig zu berufen, daß die größeren Gesetzesvorlagen vor Weihnachten in erU-r Lesung beraten und an Kommissionen verwiesen werden könnten. Die Staatsreaierung hat üch in einer Mitteilung an das Abgeordnetenhaus bereit erklärt, dem Wunsch« des Abgeordnetenhauses nach Möglichkeit 'zu entsprechen. Die Einberufung des Landtages im klerbst wird aber in der Regel nur dann erfolgen, wenn die Tagunaen nicht zu weit ausa«- debnt werden, da nur in diesem Falle den Ressorts und dem Staatsministerium di« nötige Zeit bleiben würde, die frühzeitig bent, Landtage zu unterbreitenden größeren Gesetzesvorlagen sorgfästig varzube- reiten. Soweit angängig, sollen gemäß einem weiteren Mim^ck des Abgeordnetenhauses, größere Gesetzesvorlagen dem Landtage gleich bei seinem Zusammentritt znaeben. Letzteres ist bekanntlich auch schon bei dem ietziaen Zusammentritt des Landtags der Fall gewesen.
ich meine es gut mit ihm. Vor bitteren Enttäuschungen will ich ihn bewahren. Ich kann es nicht ruhig mit ansehen, wie er sich verzettelt." „Ein „Verzetteln" nennst du es, wenn er seinen Idealen nachstrebt? Ach, Mutter, begreifst du nicht, daß es ein Vertiefen ist, eine Veredelung, gleichviel ob es mit oder ohne Erfolg geschieht?"
„Komme mir nur nicht mit den sogenannten Idealen. Das ist ein Schlagwort für haltlose Träumer.Das Leben fordert Taten, keine Träume. Denke an meine Worte. Wenn du Georg zu einem schwachmütigen Träumer machen willst, bann begünstige feine Narretei. Die Folgen auf dein Haupt. Ich habe dich gewarnt."
Gitta preßte die Handflächen zusammen. •
„Du meinst es gewiß gut, Mutter. Aber in diesem Punkte gehen unsere Ansichten auseinander. Ich kann deine Meinung so wenig zu der meinen machen, wie ich dich bestimmen kann, anders zu denken."
„Ja, Gott fei’s geklagt, du dünkst dich viel Häger, als ich es bin. Aber das bißchen Bücherweisheit macht es nicht. Ich kenne das Leben trotzdem besser als du, denn ich bin dreitziq I-.'-re länger auf der Welt. Aber gut, ich sage nichts mehr zu dir über diese Angelegenheit."
Damit ging sie gekränkt und voll Zorn und Groll hinaus.
Gitta sah sinnend vor sich hin. Diese Unterredung hatte ihr sehr deutlich vor Augen gehalten, wie Georg unter der Engherzigkeit seiner Mutter gelitten haben muß e. Heiß wallt« es in ihr auf, als sie an die Schmerzen des geliebten Mannes dachte. Und dann kamen ihr di« Wort« der Mutter wieder ins Gedächtnis, daß ihre Heirat eine Fessel für Georg fei. Zugleich dacht« sie an ein paar Worte, die ihr Hartwig vor einigen Tagen gesagt hatte, als sie von Georgs Kunst sprachen.
„Offen heraus, Frau Gitta, ich war ehrlich erschrocken, als mir der Georg beichtete, daß er heiraten wolle. Ich hätte ihn am liebsten daran gehindert. Aber nun ich Sie kenne, bin ich den Schrecken los. Ich glaube doch, daß Sie ihm die Flügel nicht gebunden haben, — vielleicht das Gegenteil."
So hatte er gesagt. Also auch et hatte Georgs Ehe fit ein Hindernis gehalten.
— Der sozialdemokratische erste Vizepräsident. Einem liberalen Verl. Blatt zufolge ist die Frage, ob die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ein Mitglied in das Präsidium entsenden soll, bereits „grundsätzlich" entschieden. Die Sozialdemokraten werden als stärkste Partei den Posten des ersten Vizepräsidenten beanspruchen und zweifellos auch zugebilligt erhalten. Wie sie sich zur höfischen Repräsentation verhalten, ist ihre eigene Angelegenheit, und aller Wahrscheinlichkeit nach werden ihnen die anderen Parteien vorher keine Bedingungen stellen. Der Abgeordnete Dietz soll für den Vizepräsidentenposten vorgeschlagen werden.
— Seriegen der russischen Konsulate von Rostock und Wismar nach Mannheim. Petersburg, 24. Jan. Im Ministerium des Aeußeren brachte der Ministerrat die Vorlage ein, betreffend die Verlegung der russischen Konsulate von Rostock und von Wismar nach Mannheim, wo die russischen Handelsinteressen bedeutend zugenommen hätten, während die Konsulatstätigkeit in Rostock immer geringfügiger werd«.
— Die Länge der oberirdischen Telegrapheuleitungen beträgt jetzt weit über 2 Millionen Kilometer. Das ergibt in einem Zeitraum von fünf Jahren eine Vermehrung um Über 46 v. H. Diesem beträchtlichen Zuwachs der oberirdischen Leitungsanlagen entspricht der Bedarf an Materialien für Telegraphenneubau- und Unterhaltungszwecke. Es sind zur Erweiterung der Linien und Leitungen, einschließlich der Ortsfernsprechnetze und Umschaltestellen, sowie zur Unterhaltung des gesamten Liniennetzes in den letzten fünf Jahren beschafft worden: 1,6 Millionen Stück hölzerne Stangen. 21 Millionen Stück Porzellandoppel- glocken, 6,2 Millionen Kilo Eisendraht und 45 Millionen Kilo Bronze- und Hartkupferdraht. Der Gesamtwert dieser Materialien und der erforderlich gernefenen Eisenmaterialien (Querträger, Stützen, Schrauben usw.) beziffert sich auf rund 100 Millionen Mark.
— Inbetriebnahme des „Nauruer Eifelturmes". 'Die Arbeiten an dem um 100 Meter erhöhten Nauener Funkenturm sind schon sehr weit fortaeschritten. Die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie ist augenblicklich damit beschäftigt, Versuche über die Reichweiten anzustellen. Die Inbetriebnahme erfolgt Ende Februar.
— Zur Frage der Gefängnisarbeit. Wie die Negierung dem Abgeordnetenhause mitteilt, soll für jede Provinz durch den Oberpräsidenten nach Benehmen mit dem Oberstaatsanwalt ein Beirat berufen werden, der sich aus je einem Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Handelskammer und der Handwerkskammer zufammenfetzt und Vorschläge darüber machen soll, welche Arbeiten, insbesondere Handwerksarbeiten, in den Gefangenanstalten gefertigt werden sollen oder auszu- schließen sind. Die Berufung der Beiräte ist in die Wege geleitet
Ausland.
“ Die Rückkehr des englischen Königspaares. Die Daten für den letzten Teil der Rückreise des Königs von England stehen jetzt fest. Auf der Insel Malta, wo die Ankunft am 24. d. Mts. erfolgt, wird ein dreitägiger Aufenthalt genommen. Die Abreise von hier erfolgt am 1. Februar, die Ankunft in Spithead am 4. Februar: am 5. Februar soll das Königspaar in Portsmouth eintreffen, um von dort sogleich di« Weiterreise nach London anzutreten. Im Hafen von Malta wird die gesamte englische Mittelmeerflotte unter dem Oberbefehl des Admirals Sir Erwarb Pos versammelt sein, ebenso ein Geschwader der sranzösichen Mittelmeerflotte, das von der französischen Regierung zu diesem Zweck« abgeordnet ist und dem von der Kaiserkrönung zurückkehrenden Herrscher den Willkommen der französischen Republik entbieten soll. Auch für den Aufenthalt in Gibraltar sind Flottenparaden in Aussicht genommen. Auf der Reise bis zum Englischen Kanal wird der König von dem zweiten Geschwader der Heimatsflotte eskortiert, lieber die Art des Empfanges in Spithead und Portsmouth sind nähere Bestimmungen noch nicht getroffen. Den letzten Abschluß der Reise bildet ein am 6. Februar in der St. Pouls-Kaihedrale stattfindender Dankgottesdienst, an dem das englische Königspaar teünehmen wird. — Malta, 24. Jan. Das englische Königspaar ist unter dem Jubel der Bevölkerung hier eingetroffen. Das zur Begrüßung anwesende französische Geschwader salutierte.
** Rücktritt Aehrenthals. Wien, 24. Ian. Mit dem baldigen Rücktritt des Grafen Aehrenthal ist, wie eine Nachrichtenstelle aus best- unerrichteter Quelle erfährt, nunmehr bestinrmt zu rechnen. Von den Persönlichkeiten, die für ihn als ÄUchfolger in Betracht kommen, hat
War es doch vielleicht so? Konnte das sein? Konnte sie ihm zm Fessel werden? —
Aber da dachte sie an Georgs glückliches, gehobenes Wesen, an feine Schaffenslust,, an seinen Eifer, sie malen zu dürfen. Ihre Augen leuchteten auf.
„Nein, — keine Fessel, ein Ansporn will ich ihm sein. Mein Glaub« an ihn soll ihn stark machen. Nie will ich ,hn niederdrücken mit kleinlichen Zweifeln. Ach, wenn ich ihm helfen könnte, sein Ziel zu erreichen. Welch ein herrlicher Triumph müßte das sein."
* *
Jeden Sonntag arbeitete Georg in seinem kleinen Atelier. Der bescheidene Raum war ihm lieb und teuer wie ein Heiligtum. Gitta war immer bei ihm. Er skizzierte st« in den verschiedensten Stellungen und führte einige gelungene Skizzen sorgfältiger aus.
Sie ging auf alle seine Gedanken ein und er war so voll und ganz bei der Sache, daß er oft vergaß, darauf zu achten, ob sie auch nicht müde wurde. Merkte er dann endlich, daß sich eine leise Abspannung in ihren Zügen zeigte, dann warf er Stift und Pinsel fort und sp-ang auf. Mit starken Armen hob er st« empor und trug sie auf den Divan.
„Du mußt mir sagen, wenn du müde bist, kleine Frau," sagte er bann zärtlich scheltend.
Sie huschelte sich glücklich in seine Arme und lächelt« zu ihm auf.
„Ich bin gar nicht müde, noch lange kann ich es aushalten."
„Nein, nein, bas wird zur Qual für dich."
Einmal fragte ste ihn:
„Bist du denn zufrieden mit mit, bin ich ein brauchbares Modell?" Da zog et sie fest an sich.
„Du, — meine Muse, mein Weib, — was bist du mit alles, was danke ich dir!"
Sie umfaßte feinen Hals und legte den Kopf an seine Brust.
„Georg, — rote kann ein Menschenherz nut die Fülle des Glücke» erfassen, di« ich empfind«."
■ (Fortsetzung folgt.)