mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen- „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage«.
Marburg
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Frankfirrt a. M.
1912
Tie „Lberbestische >jcituns" erscheint täglich nut «usrirh >-e der « nn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel jährlich l arch die Post bezogen 9.25 Jt lohne Bestellgeld^, oet unseren Zeitnngssteilcn und der Expedition lMarkt 21) 2.00 <X frei ins Haus, (gür unverlangt. zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine-lei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Aib.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
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Die Srichwahlen.
Die Ergebnisse der Stichwahlen am 20. und 22. Januar sind «n biden Tagen nicht unwesentlich verschieden voneinander ausgefallen. Am 20. Januar erlitt der Linksliberalismus unzweifelhaft eine Niederlage, indem sich das überraschende Ergebnis herMMMte._ jjgffi die große Masse der Wähler der von der fort- hk^öWm»*WRspartei ausgegebenen Parole, für die Sozial- delMMk«GA-<8Dutreten, nicht folgte, sondern vielfach den konser- vatiiM Kandidaten den Vorzug gab. Am zweiten Stichwahltage gehorchten die ltnksliberalen Wähler aber der Parole besser, vermutlich, weil die abweichende Haltung inzwischen als „Hochverrat" gekennzeichnet worden war. Und so ergab der zweite Stichwahltag starke Erfolge für die Linke. Die nationalliberale Partei stimmte, soweit sich übersehen läßt, überall gegen die Sozialdemokratie, während sie natürlich der verbündeten Fortschrittspartei entschlossen zur Seite stand. Auch die konservativen Wähler folgten nicht ganz der Parteiparole, in dem Kampfe zwischen Sozialdemo- ftafie und Fortschrittlicher Polkspartei Gewehr bei Fuß zu stehen, sondern traten mehrfach in der Entscheidung für die letztere ein, die durch diese Unterstützung von rechts und links verhältnis- mäßig gut abschloß. Der erste Berliner Wahlkreis wurde von der Fortschrittlichen Volkspartei behauptet, allerdings nur mit einer Majorität von 9 Stimmen. Wir halten die von der Rechten für diesen Wahlkreis ausgegebene Parole, sich der Wahl zu enthalten, für nicht gerechtfertigt. Es kommt schließlich doch auch auf die Persönlichkeit an,»und man kann im Einzelfalle sehr wohl eine Ausnahme von der allgemeinen Taktik machen. Der Präsident des Handelstages Kaempf ist ein vornehmer Mann und ein loyaler Monarchist. Dies war zu berücksichtigen. Daß Herr Kaempf gewählt worden ist, verdankt er unzweifelhaft dem Reichskanzler in Person, der mit den sicherlich 200 Stimmen, die ihm folgten, für Kaempf votierte. Köln ging an die Sozialdemokratie verloren, ein Verlust, der das Zentrum, besonders auch wegen der hervorragenden Persönlichkeit Trimborns besonders schmerzt. Die „Köln. Volksztg " stellt fest, daß hervorragende Mitglieder der Nationalliberalen ihre Gesinnungsgenossen von dem verhängnisvollen Schritt der direkten Unterstützung der Sozialdemokratie abhalten wollten. Fortschrittler und Iungliberale hatten sich diesem Einflüsse aber entzogen und in einzelnen Wahlbezirken geschloffen für den Sozialdemokraten gestimmt. Inzwischen dürste der Ausgang der Kölner Wahl den Erfolg haben, daß Eickhoff in Lennep durch die Stimmen des Zentrums zu Fall gebracht werden soll, wie bereits gemeldet wird. Das Resultat von Bingen-Alzey wird jetzt korrigiert. Rach der „Franks. Ztg." soll zwischen Pfarrer Korell (Fortschr.) und Dr. Becker (Natlib.) mit 12010 Stimmengleichheit herrschen und nicht Pfarrer Korell gewählt sein, wie zuerst gemeldet worden ist. Danach müßte das Los entscheiden. Rach einer Meldung der „Leipz. Reuest. Rachr."-hätte sogar Dr. Becker 2 Stimmen mehr als Pfarrer Korell. Eine intereffante Wahlblüte wird aus Grünberg in Schlesien gemeldet. Dort hat die „Fortschrittl. Volkspartei" beschlossen, für den Sozialdemokraten einzutreten. Die Versammlung, welche diesen Beschluß faßte, wurde, wie das „Erünb. Wochenbl." berichtet, „mit einem begeisterten Kaiserhoch geschloffen, zum Zeichen, dost die Fortschrittler nach wie vor treu zum Herrscherhause stehen wollen und werden". Eine reizende Logik! — Inzwischen werden bereits allerlei Berechnungen über die Mehrheitsverhältnisse angestellt, was einigermaßen schwierig ist. Das Resultat, das wird man heute schon sagen können, ist jedenfalls das, daß Konservative und Liberale geschwächt aus der Wahl hervorgehen und nur, wenn man das Ideal in einer Stärkung der Sozialdemokratie sieht, kann man von einem günstigen Ergebnis reden. Die „Berliner Volksztg." berechnet die Zahlverhältnisse nach dem zweiten Stichwahltage auf
Nachdr. verboten.
Unter Weq oina hinauf.
Roman von $. Eanrths-Rehler.
(Fortsetzung.)
i Tagsüber war Sitte Ml und in sich gekehrt; es blieb ihr sehr viel freie Zett. Ihre Ahwiegermutter schwieg sich ihr gegenüber aus, wenn sie sich nicht gerade in kleinlichen Nörgeleien erging. Die junge Frau tat alles, um in Frieden mit ihr auszukommen, und steckte stillschweigend manche Kränkung ein. Nie beklagte sie sich bei Georg, weil sie wußte, vaß er darunter mehr leiden würde, wie sie selbst, und weil sie ihn nicht in Zwiespalt mit seiner Mutter bringen wollt«. Er glaubte an ein vollständig friedliches Verhältnis zwischen den beiden Frauen.
Da Eitta manche Stund«-des Tages tatenlos hätte verbringen müssen, holte sie eines Tages Papier-, Feder und Tinte herbei und fing wieder an, ihre Gedanken niederzuschreiben. Seit ihrer Verlobung war ihr Wnt Zeit mehr dazu geblieben. Run aber drängte es mächtig in ihr. 6e mußte wieder fabulieren.
Meist saß sie in dem kleinen Salon, den ihr« Schwiegermutter nur selten betrat. Eines Tages aber kam sie so schnell und unerwartet herein, daß sie Eitta beim Schreiben überraschte.
„Was machst du denn da?" fragte sie verdrießlich.
Eitta war verlegen errötet.
„Ach — ich — ich übe nur ein wenig, damit ich nicht ganz und gar vergeffe, was ich gelernt habe."
Frau Feldhammer schüttelte unzufri-ven den Kopf.
„Na weißt du, mit solchem gelehrien Krimskrams brauchst du dich wahrlich nicht mehr zu befaffen. Das hat doch keinen Zweck. Es bringt dich nur auf dumme Gedanken."
Eitta mußte lachen."
„Mutter, wenn ich lerne, kann ich doch nur klüger werden, nicht •Ammer.“
»Aber verdrehter. Ein bißchen überspannt bist du schon ohnedies. |
173 Mandate der Linken gegen 191 Mandate der Rechte«. Von den noch ausstehenden 33 Stichwahlen dürften ungefähr noch 20 der Linken zugute kommen und 13 der Rechten. Dann würde sich das Verhältnis derart stellen, daß die Rechte eine Majorität von 12 Stimmen besäße, ganz abgesehen davon, daß die Rationallibe- ralen in allen großen vaterländischen Fragen mit der Rechten stimmen werden und sich auch in anderen Fragen vielfach zugunsten der Regierung spalten dürften. Die Reichsregierung wird also auch im neuen Reichstage über eine Majorität der Rechten verfügen. Denn was die äußerste Linke an Mandaten gewonnen hat, hat sie eben nicht den rechtsstehenden Parteien allein, sondern mindestens die Hälfte ihren eigenen Bundesbrüdern von der Linken abgenommen. Das Anschwellen der Sozialdemokratie ist außerordentlich bedauerlich. Gesunde Verhältnisse nach dieser Richtung werden wir erst bekommen, wenn es gelingt, alle bürgerlichen Parteien bei den Wahlen gegen jene Vaterlandsfeinde zu vereinigen. Ob das gelingt, ist allerdings sehr stark zweifelhaft angesichts der Haltung, die die radikale bürgerliche Linke einnimmt.
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Pomcare Mer die flmiMsch-ttllNmWcn
- Kwij's'en i ätte.
Herr Poincare, der französische Ministerpräsident, äußerte sich in der Kanzprer über die Beschlagnahme der „Carthage" und der „Manuba". Er führte aus: Obgleich Unterhandlungen eingeleitet find mit dem Ziel, in kürzester Zeit eine Lösung zu finden, habe die Regierung angesichts der Erregung des Parlaments und des Landes geglaubt, die nötigen Aufklärungen nicht mehr hinausschieben zu dürfen. Der Ministerpräsident erinnerte bei Besprechung des Zwischenfalls mit dem Dampfer „Earthage" daran, daß der französische Eeschäflsträger in Rom di« Anordnung erhalten hat, die Aufhebung der Beschlagnahme zu fordern und Vorbehalte zu machen wegen des erlittenen Schadens. Poincare erklärt«, das Flugzeug könne nicht auf dem Transport von einem neutralen Hafen zu einem anderen neutralen Hafen beschlagnahmt werden. Außerdem fei die „Carthage" ein Postdampfer, der nur mit Schonung und mit Schnelligkeit hätte durchsucht werden dürfen. Er sei daher der Ansicht, die italienischen Behörden hätten auf Kosten der Rechte und Intereffen Frankreichs anscheinend einen Irrtum begangen. Es sei unrichtig, daß der frühere Minister des Aeußern de Seines di« italienische Regierung aus ihre Anfrage bezüglich der Flugzeuge ohne Antwort ge- laffen habe. Der Ministerpräsident verlas sodann das Schreiben der türkischen Botschaft betreffend die lleberfahrt der Abordnung vom Roten Kreuz. Die Regierung habe den Eeneralresidenten in Tunis hiervon in Kenntnis gesetzt und ihm lediglich empfohlen, die Identität der Mitglieder der Abordnung sorgfäliigst seststellen zu lassen. Der Ministerpräsident erklärte, er habe nach Rom rind Cagliari telegraphiert, die türkischen Passagiere nicht -auszuliefern. Das nach Calieri adressierte chiffrierte Telegramm fei als unentzifferbar zur Wiederholung zuruck- gekommen. Andererseits gab die italienische Regierung dem französischen. Geschäftsträger in Rom die Versicherung, die Passagiere feien türkische Offiziere und könnten zu Kriegsgefangenen gemacht werden. Der Geschäftsträger habe geglaubt, um ernste Schwierigkeiten zu vermeiden, den französischen Konsul in Cagliari auffordern zu müssen, sich der italienischen Auffassung anzusch icßen. Der Ministerpräsident erklärte, diese Anweisungen seien im Vertrauen auf di« von der italienischen Regierung gegebenen Ausschlüsse erfolgt: aber der Ottomanische Botschafter ha-te daran fest, daß die Reisenden dem Halbmond angehörten. Frankreich hätte sie weder nach dem Völkerrecht noch nach dem Zivilrecht ausliefern sollen. (Beifall.) Nur die Wiederauslieferung der Verhafteten an Frankreich würde diesem die notwendig« Feststellung gestatten. Er habe das volle Vertrauen, daß die italienische Regierung die Notwendigkeit anerkennen werde, den Zwischenfällen eine Lösung zu geben, die der Gerechtigkeit entsprechen und die Wiederholung derartiger Zwischenfälle verhindern werde. Die Regierung des Königreichs habe erklärt, daß sie bereit sei, die durch die Zwischenfälle aufgeworfenen Fragen zu prüfen und versprochen, die italienische Flotte werde bei Ausübung des Auftrags alle Rücksichten beobachten, die einer befreundeten Nation issiMMMBMKgvaaMgtzaMaMinmBMRSMaMaxKsaM«-
Und da bin ich gleich bei dem Thema, das mich zu dir geführt hat. Ich muß einmal ernsthaft mit dir reden."
Eitta packte ihr Schreibzeug zusammen und schob der alten Dame einen Sessel hin.
„Setze dich doch, Mutter."
Als sie beide Platz genommen hatten, seufzte Frau Feldhammer bekümmert auf.
„Höre mich an, Eitta. Ich wollte dir schon immer sagen, daß du keinen guten Einfluß auf Georg ausübst."
Eitta sah erschrocken auf.
„Ich — auf Georg?"
„Ja. — Was ich jahrelang mH aller Macht bekämpft habe, das weckst du wieder in ihm auf. Ich mein« seine törichten Ideen von Malerei und Künstlertum."
Die junge Frau sah ernst in das finstere Gesicht der alten Dame.
„Warum nennst du das töricht« Ideen, Mutter? Warum bekämpsst du sie Jo schonungslos? Georg ist seinem ganzen Denken und Empfinden nach ein Künstler, und er besitzt ein schönes Talent. Es wär« jammerschade, wenn es verkümmern sollte."
„Das ist ja alles Unsinn, was ihr euch da einredet. Und von allem andern abgesehen, — es wäre doch ohnedies nun zu spät."
„Warum?"
Die alte Frau lachte höhnisch auf. , r >'
„Weil er nun verheiratet ist." ;
„Meinst du. das sei ein Hindernis für ihn?"
„Ganz gewiß. Er hat jetzt nur di« eine Pflicht, für unseren Unterhalt zu sorgen. Wir sind, drei Menschen, — und ihr könnt Familie bekommen. Unser Haushalt hat sich durch eure Heirat verdoppelt. Wenn er ledig geblieben wäre, wär« das freilich anders."
Eitta war blaß geworden. Eie empfand den Borwurf in diesen Worten. Sie richtet« sich aber entschlossen auf.
„Trotz allem will ich ihm gewiß kein Hindernis fein. Er wird sich schon durchrinze». Ich glaube fest daran. Tein Talent bricht noch Bahn."
sich schon
gegenüber beobachtet werden müßten. Er sehe in dieser Erklärung bat Unterpfand für eine baldige Lösung. Falls etwa einige strittige Punkte übrig blieben, würden die Konventionen mit Italien von 1903, 1904 und 1909 die freundschaftlich« Regelung jener gestatten. (Beifall.) Die Besprechung über die Zwischenfälle wurde darauf geschlossen.
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: Der Krieg um Tripolis.
Konstantinopel, 23. Jan. Ueber den Kampf bei Gar- garesch am 18. Januar veröffentlicht „Tanin" folgenden Bericht aus authentischer türkischer Quelle: Morgens rückte die feindliche Kolonne, aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie bestehend, von Eargaresch vor, um Zanzur zu besetzen. Das türkische Kommando schob sofort türkische und arabische Streitkräfte vor, die die Italiener bei Gargaresch angriffen. Der Kampf dauerte 3i4 Stunden. Durch die Umgehungsbewegung des linken türkischen Flügels wurden die Italiener gezwungen, zwei ibrer Verteidigungslinien aufzngeben. Am Nachmittag zogen sie sich auf die dritte Linie zurück, um Verstärkungen von Tripolis abzuwarten. Gegen Abend unternahmen Türken und Araber einen weiteren Angriff auf den Feind, der bereits Verstärkungen erhalten hatte. Der Nachtkampf war äußerst blutig. Die Italiener mußten schließlich auch die dritte Linie aufgeben und sich bis in die Oase vor den Stadtmauern von Tripolis zurückziehen. Die Italiener hatten 150 Tote, viele Verwundete und ließen auch Kriegsmaterial im Stich. Die Türken und Araber hatten 18 Tote und einige Verwundete.
Konstantinopel, 23. Jan. Die Pforte protestierte bei den Großmächten gegen'dis Festnahme des Personals des Roten Halbmondes an Bord der „Manuba" und gegen die Beschlagnahme der Gelder des Noten Halbmondes.
Paris, 23. Jan. Die italienische Botschaft erklärt die dem Botschafter Tittoni von einigen Blättern zugeschriebenen Aeuße- rungen für unrichtig, da Italien keinen Grund habe, die Gefangenen freizugeben, zumal da es sich das Recht der Kaperei Vorbehalten habe.
Deutsches Reich-
— Die Gedächtnisfeier für Friedrich den Großen. Berlin, 23. Jan. Die Zweihundertjahrfeier der Geburt Friedrichs des Großen begann heute mittag mit der Eröffnung der Ausstellung in der Akademie der Künste „Friedrich der Große in der Kunst" durch den Kaiser in den Räumen der Akademie. Außer dem Kaiserpaar und den hier und in Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen wohnte der Reichskanzler der Feier bei. Der Kaiser überreichte dem Präsidenten der Akademie Prof. A. Kampf den Kronenorden 2. Klaffe Die Gedächtnisfeier setzte sich abends um 6 Uhr in der Kriegsakademie fort. Der Kaiser erschien in Begleitung des Prinzen Heinrich, außerdem waren sämtliche Prinzen des Königlichen Hauses zugegen. Generalmajor Freiherr von Freytag-Leringhoven hielt den Festvortrag über „König Friedrich als Kriegsherr und Heerführer".
— Prinz Max von Sachfen. Köln, 23. Jan. Die „Kölnische Volksztg." meldet aus Freiburg (Schweiz) vom 22. Januar: Der ordentliche Professor für Liturgie und Kirchenrecht an der hiesigen Universität, Seine Königliche Hoheit Prinz Max von Sachsen, hat einen Ruf als Professor der Liturgie an das Erzbischöfliche Priesterseminar zu Köln erhalten und angenommen. Er wird seine Lehrtätigkeit in Köln mit dem Sommer-Semester 1912 beginnen.
— Der Stichwahltag in Berlin I, Im Zusammenhang mit der gestrigen Stichwahl im ersten Berliner Wahlkreis ging es in der Friedrichstraße und Unter den Linden am Abend noch leb-
„Rede doch nicht so unsinnig, vor allem bestärke ihn Nicht in seinem Wahn. Er soll sich zufrieden geben mit dem, was er erreicht hat: bat mußt du ihm sagen. Du siehst ja, feine Bilder stehen und hängen nutzlos herum. Nicht ein einziges hat er verkauft. Alle find sie wieder zurück- gekommen. Der Kunsthändler versteht mehr davon als du und ich. Ei hat längst herausgefunden, daß die Bilder wertlos sind. Wenn du deine» Mann lieb hast, fo bring« ihn zur Bernunft: verstehst es ja fo schön, ihn zu beeinflussen. Nun tue es zu feinem Besten. Du begehst ein Unrecht, wenn du ihn in feinem törichten Wahn bestärkst."
Eitta blickt« mit leuchtenden Augen vor sich hin.
„Rein, Mutter, — ein Unrecht ist das nicht, das empfind« ich. E» macht ihn glücklich, daß ich an ihn glaub«: und deshalb kann es kein Unrecht fein, wenn ich ihm das zeige." <
Di« alte Dam« zog die Stirn zusammen.
„Du glaubst ja im Ernste ebenfowenig an sein Talent, als ich. Du willst ihm nur nach dem Munde reden, um dich ihm angenehm zu machen. Und das ist ein großes Unrecht."
„Es wäre ein Unrecht, wenn es fo wäre, wie du sagst. Aber du irrst dich. Ich glaub« fest und unerschütterlich an Georgs Talent. Da — sieh dir doch nur das Kinderköpfchen an, das kleine Mädel vom Pförtner. Schaut es nicht wie leebndig aus dem Rahmen aus uns herab?"
„Der Kunsthändler hat auch dies Bild als unbrauchbar zurückge- fchickt", rief die alte Frau, zornigen Triumph in der Stimm«.
Eitta schüttelte den Kopf.
„Das ist mir kein Gegenbeweis Mag der Kunsthändler zehnmal sagen, es ist nicht zu gebrauchen: möglich, daß es für seine Kundschaft nicht zu brauchen ist oder daß es noch kleine technische Mängel hat. Da» gibt ja auch Hartwig zu, der gleich mir dieses Kinderköpfchen, trotz der Fehler, wunderschön findet. Auch er hat mir bestätigt, daß Georg ohne Zweifel ein hervorragendes Talent besitzt und nur noch fleißig lernen muß, um technische Schwierigkeiten zu beseitigen. Und ihm, der «in berufener Kunstkritiker ist, wirst du dock das Berstöndnis dafür nicht abspreche«."
(Fortsetzung folgt.)