mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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M 18
1912.
Heimnisse in drei Fällen zu 4 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehr
verlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. 3 Monate Unter- infolge stärkerer Wirtschaftsentwicklung von 122 auf 207. die der
Marburg
Dienstag, 23. Januar
suchungshaft wurden angerechnet. Der Angeklagte hatte sich längere Zeit in Kiel aufgehalten und versucht, eine Zeichnung de» Forts Friedrichsort der rrussischen und später auch der englische« und der französischen Regierung zu übermitteln.
— Der Prozeh Schapiro. Mainz, 20. Jan. Das Reichsgericht hat der Revision des Chefredakteurs Hirsch vom „Mainzer Neuste« Anzeig er" gegen das Urteil in der Beleidigungsklage des Beigeordneten Berndt und des PolizeiaMtenten Schapiro, in welcher Hirsch z« 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, stattgegeben, das Urteil aufgehoben und die Sache zur weiteren Verbandiung an die Strafkammer in Darmstadt verwiesen.
Marseille, XL Jan. Der Kommandant der „Manuba" meldet telegraphisch, dah er nur auf die Anweisung des französischen Botschafter, in Rom, di« ihm durch den Konsul in Cagliari übermittelt wurde, ein. gewilligt habe, die türkischen Passagier« auszuliefern, und zwar «nur nach Androhung der Konfiskation de«Schiffe». Die „Agenccia Havas" bemerkt, dah die Mitteilung bee Kommandanten der „Manuba, sich in striktem Widerspruch zu den Instruktionen befind«, welche dem französischen Vize« konsul durch das Ministerium des Aeuhern gegeben worden seien.
Part«, 21. Jan. Die Presse erörtert die Auslieferung der türkt» schen Reisenden in sehr erregter Weise. — Der „Mattn" schreibt: Diese« Vorkommnis bildet für uns ein« unerträgliche Demütigung. Wir haben Männer, welche sich tm Schatten der französischen Flagge in Sicherheit glaubten, ihren Feinden ausgellefert. Tine unsichtbare Hand bringt all« unsere Rotten in Verwirrung. Welch ein Glück wäre es für di« Gegner Frankreichs, wenn fie in drei Tagen die Anstrengungen zu nicht« machen Knuten, welche Italien und Frankreich seit zehn Jahren unternommen haben, um sich einander zu näheren und im Mittelmeer zu einer Verständigung zu gelangen.
Rom, 19. Jan. Die „Agenzia Stefani" veröffentlicht über den Zwischenfall der „Tarthage" folgende Rot«: Gestern abend fand in der Consulta eine herzliche Unterredung zwischen dem Minister de« A«uhern, San Giuliano und dem französischen Geschäftsträger, Legrand statt, der erklärte, dah der Flieger Luwal der französischen Regierung gegenüber die förmliche Verpflichtung übernommen habe, weder rnat-seiner Person noch mit seinem Flugzeug in die Dienste eines der kriegführenden Teile zu treten, und dah die fianzöstsche Regierung über die peinliche Erfüllung dieser ihr gegenüber eingegangenen Verpflichtung wachen werde, um so die italienische Regierung in dieser Hnsicht vollkommen sicher zu stellen. Infolge deser. Erflärung erteilte die italienische Regierung telegraphisch die Weisung, die „Tarthage" mit ihrer Ladung unverzüglich freizugeben.
Koloniales.
Poft und Telegraphie i« den Schutzgebiete«.
Die Entwicklung des Post- und Telegravhenverkehrs in unseren Schutzgebieten hat in den Jahren 1905 bis 1911 eine gewaltige Förderung erfahren. So stieg die Zahl der Verkehrsanstalten
Ausland.
* * König Peter als englischer Gast. Belgrad, 20. Jan. „Po- . litika" erfährt aus angeblich gut informierten Kreisen: Di« Unterhandlungen zwischen der serbischen und englischen Regierung über den Besuch des Königs von Serbien in Landon Anfang März find erfolgreich abgeschlosien worden.
* * Sie Wirren in China. Tschifu, 20. Jan. Vier Dampfer trafen mit revolutionären Truppenabteilungen und Geschützen ein. Die Hälfte der Truppen wurde hier gelandet. Der Bestimmungsort der anderen ist unbekannt. Patrouillen von den chinesischen Kreuzern durchziehen die Straßen. — Muchden, 20. Jan. Da die Bestätigung des Gerüchtes eingetroffen ist, daß unter General Langtienwei eine 4000 Mann starke Expedition an die Küste der Mandschurei abgesandt ist, erhielt der Eeneralgouver- neur von Mulden den Befehl, die Truppenzahl, soweit irgend möglich, zu erhöhen, Chunchusen heranzuziehen und die Bewachung der Küsten der Manschurei besonders zu verstärken. — Peking, 20. Jan. Den ganzen Tag über herrschte gewaltige Aufregung sowohl unter den Ausländern als auch unter den Chinesen, da man einen Aufruhr der Mandschus befürchtet, wofür indes keine Wahrscheinlichkeit besteht. — Nach einer chinesischen Nachricht trat der frühere Regent Prinz Tsching dafür ein, datz der Hof zwar ab- dantt, aber in Peking bleibt, und datz Juanschilai eine provisorische Regierung in Nordchina errichten soll, bis der Natlonal- konvent eine Entscheidung gefällt hat. — Zizikar, 21. Jan. Die russische Eisenbahn hat sich mit der Begründung, daß sie sich in den Kampf zwischen Mongolen und Chinesen nicht einmischcn könne, die Beförderung chinesischer Truppen nach Zhailar abgelehnt. Die Truppen, ein Bataillon Infanterie, eine Schwadron Kavallerie und eine Batterie haben deshalb den schwierigen Marsch über das Chinaan-Gebiet anqetreten.
* * Die spanisch-französischen Verhandlungen. Madrid, 20. Jan. Canalejas erklärte, der französische Botschafter Eeoffray sei auf Grund der von Paris eingetroffenen Instruktionen nach der französischen Hauptstadt abgereist, um den Abschluß der französisch- spanischen Verhandlungen zu fördern. Geoffray werde alsbald ngch Madrid zurstckkehren. — Paris, 20. Jan. Zu den französischspanischen Marokko-Verhandlungen wird ausüMadrid berichtet: In der gestrigen Unterredung des französischen Botschafters mit dem Minister des Aeuhern, welcher der englische Botschafter zum ersten Mal ferngeblieben war, wurde keinerlei Einigung betreffs irgend einer wesentlichen Frage erzielt. Die beiden Diplomaten verständigten sich nur über die dem Haager Schiedsgericht zu unterbreitenden Konfliktspunkte, sowie über die Stellungen an der Küste, welche Spanien nicht befestigen soll. In dcr Angelegenheit der marokkanischen Schuld weigerte sich Spanien, irgend ein Zugeständnis zu machen. Es wird alle Bürgschaften gewähren: Dreimonatliche Vorausbezahlung des Kuponbeirages der Anleihen von 1904 und 1910, Eoldzahluna und Verbürgung des Anteiles an den Zolleinnahmen in den Häfen seiner Zone. Aber es beansprucht nach wie vor vollständige Aktionsfreiheit in seiner Zone. Um etwaige Besorgnisse zu zerstreuen, wird Spanien sich verpflichten, keiner fremden Macht auch nur einen Punkt seiner Zone abzutreten.
— v. Kiderlen in Rom. Rom, 20. Jan. Staatssekretär von Krder- len-Wächter begab sich heute mittag in die Konsukta, um den Minister bes Aeuhern Marquis di San Giuliana zu besuchen. Gr verweilte ungefähr eine Stunde bei ihm. Um VA Uhr nachmittags fand in der deutschen Botsckmft ein Frühstück statt. Später begab sich San Giuliano wiederum zur deutschen Botschaft, um den Besuch des Staatssekretärs zu erwidern, gel-rn Abend besuchte Herr v. Kiderlen Donna Laura Minghetti. — Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter wurde heute abend nach 7 Uhr von dem König empfangen, der ihm das Erohkreuz des Mauritius- Lazarus-Ordens verlieh. Um 8 Uhr fand Hoftafel statt. Zur Linken der Köngin sahen Staatssekretär von Kiderlen-Wächter und der Minister des Aeuhern Marquis Ban di« Giuliano, zur Rechten der Herzog von Aosta, Ministerpräsident Giolitti und Legationsrat Hindenburg. Zur Rechten vom König hatten Platz genomme.i Comtesie Euicciardini, der deutsche Botschafter von Jagow und General Brusatt, zur Linken Prinzessin Paterno und der bayerische Gesandte Freiherr von und zu Taneen-Natsamhauscn. — Einige Zeitungen erklären bei der Besprechung des Besuches Herrn von Kiderlen-Wächters, es ,ei nicht richtig, dah es sich bei dem Besuch um di« Erneuerung des Dreibundes handle. Dafür fei der Zeitpunkt noch nicht gekommen. — Rom, 21. Jan. Staatssekretär v Kiderlen-Wächter besuchte heute Nachmittag 3 Uhr die Königin Witwe in der Villa Margherita, wo er «ine halb« Stund« verblieb.
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und Landwirtschaftliche Beilage"
Tie „Cbtrbefiifdfe Zettunz" »schämt täglich mit Ausnahme ver^crur- und Feiertage. — Der Bezug »preis betragt merteliahrlich durch di- Post bezogen S.25 * lohne Bestellgeld), bet unseren ZeitungSsteslen und der Expedition (Markt 21) 2.00 X frei in. Hau». (Für unver- langt zugesandte Manuskripte Übernimmt die Redaktton kernerte, Verantwortung). Druck und Verlag bet Umv.-Buchdrucketel I. A. Koch (J'nb.: Dr. Hitzeroch), Markt 21. — Telephon 55.____________
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Deutsches Reich-
— Da« Krönnngs- und Ordensfest. Berlin, 21. Jan. Die Feier des Krönungs- urnd Ordensfestes im königlichen Schlöffe wurde in gewohnter Weife begangen. Nach feierlichem Gottesdienst in der Schloßkapelle fand Tafel statt, an der außer den Mitgliedern des kaiserlichen Hauses Prinz Georg von Griechenland, der Erbprinz von Hohenzovern, das diplomatische Korps, die Minister und Staatssekretäre, etwa tausend Herren und Damen der Gesellschaft und früher dekorierte Personen, mehrere Inhaber des Allgemeinen Ehrenzeichens und der Rettungsmedaille teilnahmen. Nach der Tafel hielten der Kaiser und die Kaiserin Cercle, wobei der Kaiser viele der Anwesenden durch Ansprachen auszeichnete.
— Die Kaiserreise nach der Schweiz. Der für die Tage vom 3.—5. September geplante Besuch des Kaisers in der Schweiz beschäftigt lebhaft die öffentliche Meinung in Frankreich, und man ist dort bestrebt, den Eindruck zu erwecken, als ob dieser Besuch den Schweizern aufgedrängt werde und daher recht unbequem, um nicht zu sagen, unangenehm sei. Der leitende Gedanke dabei ist zweifellos der, daß durch den Kaiserbesuch die Visite, die Präsident Falli^res im vorigen Jahre in der Schweiz abstattete, verdunkelt worden und in den Hintergrund treten könnte. Demgegenüber ist festzustellen, datz die Reise des Kaisers auf spezielle Einladung des schweizerischen Bundesrats erfolgt und einem ganz besonderen und langgehegten Wunsche der mit Deutschland durch so viele Verbindungen verknüpften Schweiz entspricht. — Die „Franks. Zig." hatte sich darüber aufgehalten, datz es den Schweizern wenig angenehm sein würde, wenn unser Kaiser als „Inspizient" bei den Schweizer Manöver erscheinen werde. Dagegen wenden sich die Schweizer Blätter, die den Kaiser als East willkommen heißen.
— Der Kronprinz als Oberst. Nach Berliner Meldungen soll der Kronprinz zu Kaisers Geburtstag zum Oberst befördert werden. Das Majorspatent des Kronprinzen datiert vom 18. Sept. 1907. Den Rang eines Oberstleutnants wird der Kronprinz nach preußischer Tradition nicht einnehmen.
— Die neuen Einkommensteuersätze für physische Personen werden nach der neuen Steuernovelle folgende Gestaltung erhalten: Es werden erhoben an^Staatseinkommensteuer vom 1. Avril 1913 ab bei einem Einkommen von 900—1050 J( — 6 -K, 1050—1200 c« = 9 -st. 1200—1350 -st = 12 -st, 1350—1500 «st = 16 -st, 1500—1650 -st 22 -st, 1650—1800 -st = 27 -st, 1 §00—2100 -st = 32 -st, 2100—2400 .st 38 -st, 2400—2700 -st - - 46 -st, 2700 bis 3000 -st = 55 -st, 3000—3300 = -st = 66 -st. 3300—3600 -st = 76 -st, 3600—3900 -st = 88 -st, 3900—4200 -st = 100 -st, 4200 bis 4500 -st = 112 -st, 4500—5000 -st = 128 -st, 5000—5500 -st 144 -st, 5500—6000 -st = 160 -st, 6000—6500 = 176 -st, 6500 bis 7000 -st = 192 -st, 7000—7500 -st = 208 -st, 7500—8000 -st = 224 -st, 8000—8500 -st = 240 -st, 8500—9000 -st = 260 -st, 9000—9500 -st = 280 -st, 9500—10000 -st = 300 -st. Die Skala steigt bis zu einem Einkommen bis 20 000 -st, um je 5000 -st Mehreinkommen um 20 -st für je 500 -st. Sie erreicht bei 20 000 -st den Satz von 700 -st. Von 20 000 -st steigt der Satz um 3,7 bis etwa 30 000 --st, dann um 4 Prozent bis 36 000 -st. Bei einem Einkommen von über 185 000 -st beträgt der Satz 5 Prozent.
— Die Königlich Preußischen Eisenbahndirektionen find ermächtigt worden, alle Güter frachtfrei zu befördern, die auf dem italienisch-türkischen Kriegsschauplätze zum Besten der Verwundeten und Kranken der beiden kriegführenden Nationen verwendet werden sollen und entweder an das Zentraldepot der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz in Neubabelsberg gerichtet oder von diesem zur Beförderung nach dem Kriegsschauplatz aufgegeben werden. Dieselbe Ermächtigung haben auch die übrigen deutschen Eisenbahnverwaltungen erhalten.
— Spionage. Leipzig, 20. Jan. Das Reichsgericht verurteilte den Kaufmann Holst wegen versuchten Verrats militärischer Ge-
GrRes Blatt.______
Die Stichwahlen.
Berlin, .21. Jan. Bis nachts 1 Uhr lagen vor alle 78 Sttch- wahlresultate. Gewählt sind 9 Konservative, 6 Reichspartei, 2 deutsche Reformpartei, 4 wirtsch. Vgg., 20 Nationalliberale, 17 Fortschrittliche Volkspartei, 7 Zentrum, 8 Sozialdemokraten, 2 Welfen, 1 Bauernbund, 2 Wilde. — Die Konservativen gewinnen 3 und verlieren 5, die Reichspartei gewinnt 1 und verliert 1, die Wirtschaftliche Vereinigung gewinnt 1 und verliert 2, die Natio- ualliberalen gewinnen 10 und verlieren 6, die Fortschrittliche Volkspartei gewinnt 8 und verliert 1, da» Zentrum gewinnt 2 und verliert 5, die Sozialdemokraten gewinnen 8 und verlieren 5, die Welfen gewinnen 2, der Bauernbund gewinnt 1.
, Das Resultat stellt sich bis jetzt affo auf Konservative 36, Reichspartei 11, Wirtsch. Vgg. 6, Zentrum 88, Polen i», National- liberale 24, Bund der Landwirte 1, Sozialdemokraten 74, Elsässer L, Els. Zentrum 1, Lothringer 1, Däne 1, Bauernbund 2, Wilde 3, Fortschrittler 17, Reformpartei 2, Vayr. Bauernbund —, Welfen 2. An interessanten Stichwahlen ist zu verzeichnen, datz Baffermann in Saarbrücken gewählt ist. Ebenso Graf Posadowsky in Bielefeld. Der Präsident des Bauernbundes de Wente ist unterlegen. Labiau-Wehlau ist von den Konservativen zurückerobert, Konstanz vom Zentrum. In der Stadt Leipzig Hal der Nattonalliberale Dr. Junck gesiegt, dagegen ist Dresden an die Sozialdemokraten gefallen. Die Stichwahlparolen sind keineswegs überall befolgt. So haben viele Zentrumswähler in Karlsruhe dem Fortschrittler Haas ihre Stimme gegeben und dadurch den Kreis den Sozialdemokraten abgenommen. Auch diejenigen, die im ersten Wahlgang für den Fortschrittler gestimmt haben, haben nicht überall die Parteiparole für die Sozialdemokraten befolgt.
Die Zahl der festen Parteistlitzen ist eben geringer als man annimmt und Wahlschlachten werden durch ste nicht entschieden. So ist Bautzen, Augsburg. Usedom. Koburg, Meiningen nicht an die Sozialdemokratie gefallen, wie man nach den Parteiparolen hätte erwarten sollen.
Alle diese Resultate zeigen, datz die Parteiwut, die von den Parteiführern kultiviert wird und vielleicht vom Parteistandpunkt aus auch kultiviert werden muß, di« Wähler nicht überall für sich hat, die Wählerschaft erhält sich eben ihr selbständiges Urteil. Immerhin ist der Kampf der bürgerlichen Parteien untereinander j. T. mit einer so maßlosen Heftigkeit geführt worden, daß da, wo es st<h um wenige Stimmen handelt, die Aussicht, daß der bürger- ffche Kandidat dem sozialdemokratischen in der Stichwahl unterliegt, sehr groß ist. Es genügt eben, datz eine Reihe Verärgerter ihrem Aerger folgen und gar nicht, ober gar den Genossen wählen. Der Fortschrittlichen Volkspartei wird man den Vorwurf machen muffen, daß sie die bürgerlichen Jntereffen zugunsten der Sozialdemokratie schwer geschädigt und die Verwirrung in die Reihen der bürgerlichen Parteien getragen hat. Es bedeutet ein Maß von Selbstüberwindung, das man kaum verlangen kann, wenn konservative Kreise durch eine Partei in der Sttchwahl gegen die Sozialdemokratie unterstützen sollen, die sich so vollständig mit ihr gleichstellt. Wenn daher die rechtsstehenden Parteien hie und da erklären, datz sie die so eng verbündeten Parteien ihre häuslichen Kämpfe allein ausfechten laffen wollen, so ist das vom parteipoliilsiben Standpunkt aus verständlich, und dennoch mutz daran festgehalten werden, datz die Entscheidung von Fall zu Fall zu treffen ist mit Rücksicht auf die Zuverlässigkeit der linksstehenden Kandidaten. Die Wähler aber haben wie gesagt ihr eigenes Urteil.
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Der Krtea nm Tripolis.
B « nghasi, 20. Jan. (Agenzia Sefani.) In der Nacht vom 17. zum 18. Januar machten 400 Türken und Araber «inen heftigen Angriff auf ein Blockbaus, das unter dem Kommando eines Leutnants von 18 Mann des 68. Infanterieregiments bewacht wurde. Die klein« Besatzung leistet«, unterstützt von den benachbarten Schanzen, tapferen Widerstand und trieb den Feind zurück, der 29 Tote und zwei Schwerverletzte auf dem Platz« ließ und viele andere mit sich nahm. Die Scheinwerfer aus dem Schanzgraben Nr. 3 erlaubten bi« Mitwirkung der Artillerie aus der Schanze Nr 2 und der Maschinengewehre aus der Schanze Nr. 1. Am Morgen des 18. Januar zeigte sich eine Kolonne von 600 Mann dem Abschnitt H der italienischen Verschanzungen gegenüber, zog sich aber nach den ersten Schüffen von der italienischen Seite zurück. Die Entfernung des Feindes ließ einen Gegenangriff, auf den die italienischen Truppen vorbereitet waren, nicht zu. Der Kreuzer „Eiruria" wirtte mit den Landtruppen zusammen, um bewaffnete Gruppen zu zerstreuen, die sich in einiger Entfernung hielten, und bombardierte Coeffia. Auf Seiten der Italiener wurden sechs Lei chtverwundete gezählt.
Tripolis, 21. Jan. (Agenzia Stefani.) Die Oase Eargaresch wurde gestern endgültig von den Italienern besetzt.
S f a x, 21. Jan. (Agence Harms.) Der russische Dampfer „Odessa" ist mit falschen Deklarationen und 350 Tonnen Munition, die er an der ttipolitanischen Küste nicht hatte landen können, im hiesigen Hafen eingetroffen. Er wurde mit der ganzen Ladung beschlagnahmt, und zwei Torpedoboote werden ihn heute nach Biserta bringen, wo er di« Muni- tton deponieren soll. Der Kapitän wurde zur Zahlung der Kosten ver- urteilt.
Paris, 20 Jan. Rach einer Zeitungsmeldung aus Rom haben die italienischen Behörden an Bord des inzwischen fteigegebenen Dampfers „Manuba" eine für die Türken bestimmte Summe von 250 000 Frcs. beschlagnahmt. Man glaubt nicht, daß die Angelegenheit der .Manuba" zu diplomatischen Reklamationen Anlaß bietet, da di« türkischen Offiziere, die flch an Bord des Schiffe« befanden, nicht da« Recht hatten, grup- Mnweis« zu reisen.