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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

M 16

DieLberheffische Zeitung" eqdjeint täglich mit Ausnahme ixr Vorm­und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch, die Post bezogen 8.25 * (ohne Bestellgelds, oet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 «X frei in» Hau». (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt bte Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der llniv.-Bnchdruckerei I. «. Koch (3n6.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonnabend, 20. Januar

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47. Jahrg.

1912.

Die Stichwahlen.

Reichlich spät hat sich die Regierung entschlossen, ihre Stimme tm Wahlkampfe zu Gehör zu bringen, nachdem der glänzende Opti­mismus in der Hauptwahl Schiffbruch gelitten, bisher ohne prak- ttfche Erfolge bei der Partei der äußersten Linien, die kundtat, daß ihr an einer Stärkung der Genossen mehr liege, als an der E emeinsamkeit der bürgerlichen Interessen. Die partei­politische Verbohrtheit vollendet hier freiwillig den Sieg der Sozialdemokratie. Man steht, wie bescheiden der Fortschritt bei uns schon geworden ist; er ist schon zufrieden, wenn mög­lichst viel Sozialdemokraten in den Reichstag ziehen; denn darüber darf er stch doch keinem Zweifel hingeben, daß die Konservativen entschlossen sind, einen solchen Freisinn, der von den grundlegenden Anschauungen Eugen Richters abgewichen ist, in Kreisen, wo er mit der Sozialdemokratie im Kampfe steht, nicht zu unterstützen. Die Spekulation auf die Dummheit konservativer Wähler dürfte diesmal zunichte werden; denn Dummheit wäre es von den Kon­servativen, wollten B^einet Partei in den Sattel helfen, die in bet Förderung der Sozialdemokratie ihre erste Aufgabe erblickt. Die Gemeinschaft der bürgerlichen Jntereffen ist vom Fortschritt zer- riffen. Dies Resultat zeigt die jetzige Stichwahltaktik klar. Man darf den Folgen mit allergrößtem Interesse entgegensehen, mutz aber seststellen, datz sie sich nicht erschöpfen mit diesen Wahlen. Die Stunde ist ernst; denn was es bedeutet, wenn wir einen Reichstag erhalten, in dem die Sozialdemokratie den Ausschlag gibt, beson­ders im Hinblick auf unsere auswärtige Lage, darüber kann man sich vor allem aus dem Jubel englischer und französischer Blätter über den Sieg im ersten Wahlgange berejts informieren. Ueber die Resultate des Wahlkampfes hinweg sollen wir an das Vater­land denken. Erfreulicherweise geschieht das bei den rechtsstehen­den Parteien einschlietzlich der Rationalliberalen. Es muh über­haupt betont werden, datz eine gesunde vaterländische Politik nicht unter parteipolitischem Gesichtspunkte gesehen das aller- grötzte Intereffe daran hat, datz eine solche Partei ohne grohe Ver­luste in den Reichstag wieder einzieht. Das Geschrei unserer Radi­kalen, datz gerade eine gesunde Mittelpolitik der gröhte Hemm­schuh für eine wirklich freiheitliche Entwicklung sei, ist ein Unsinn. Es wäre ein Unglück für unser Vaterland, würden wir nur rechts und links starke Parteien haben, und wenn der Stichwahltag jetzt näher rückt, so muffen wir gerade wünschen, nachdem der Freisinn sich selbst aus der Reihe der bürgerlichen Parteien ausgeschaltet hat, eingedenk des Bismarckschen Wortes, datz er eine Vorfrucht der Sozialdemokratie fei. datz neben den Parteien der Rechten, der national und wirtschaftlich zuverlässige Liberalismus genügend stark wieder im Reichstage vertreten fein wird.

Ein offiziöser Aufruf.

DieRordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den folgenden Aufruf, der ibr vonhochgeschätzter Seite" zugegangen ist:

Die Bemühungen, die bürgerlichen Parteien zur Abwehr der So­zialdemokratie zu vereinigen, sind gescheitert. Die Hoffnung, datz der Ernst der Zeit, durch die Deutschland geht, die vom Wahlkampf erhitzten Köpfe überall zu ruhiger Ueberlegung bringen würde, hat sich nicht er­füllt. Die fortschrittliche Volkspartei gibt heute die Parole aus: Keine Stimme für ein Mitglied des Zentrum» oder der Reichspartei. Während bte nationalliberal« Partei ihren Landesorganfationen Stichwahlabkom­men vorbehält, wahrend Konservative u. Zentrum nur da Stimmenthal­tung empfehlen, wo sin Sonderabkommen unter einzelnen Wahlkreisen nicht zu erreichen ist, wird hier ausdrücklich ein Verbot erlassen, die nichtliberalen. bürgerlichen Parteien im Kampfe gegen die Sozial­demokratie zu unterstützen. Als Ziel wird aufgesteckt: Zertrümmerung bes schwarz-blauen Blocks um jeden Preis. Die Zertrümmerung zu er­zielen, mag vom Standpunkt des entschiedenen Liberalismus aus be- . recht igt fein, aber doch nur dann, wenn nach Erreichung des Zieles die -Möglichkeit gegeben ist. wirklich liberale Politik mit praktischen Ergeb­nissen zu treiben. Kann man an diese Möglichkeit glauben, wenn im Reiche der Grotzblock etabliert wird? Darauf geht die fortschrittlich« Parot» im Endergebnis hinaus Der Großblock in feiner Zusammen- setzunz. bei-cher die Sozialdemokratie so stark ist wie die beiden liberalen Parteien zusammen, unter Führung der Sozialdemokratie und in Ab­hängigkeit vo« ihr liberal« Forderungen zu betreiben, das ist ein Unter­nehmen, bei bem für den Liberalismus schließlich nicht mehr abfaklen w-rd als fär bte Krähe, die mit dem Fuchs zusammen zur Jagd auszieht. Was haben die alten Führer der fortschrittlichen Parteien zu solcher Verbindung gesagt und wie steht sie im Einklang mit dem Wahlaufruf für den fortschrittlichen Führer, Herrn Kämpf, in dem die Sozialdemo­kratie als Todfeind des heutigen Staates bezeichnet und ihr vorgeworfen wird, daß sie di« Grundsätze der bürgerlichen Freiheit durch Bedruckung und Terrorisierung Andersdenkender verletze. Aus diesem Wahlaufruf spricht gesunde Vernunft. Noch vermögen wir die Hoffnung nicht auf­zugeben, daß gesunde Vernunft auch tm Lande stärker fein wird, als blindwütiger Parteihaß. und datz der pflichtbewußte Wähler sich nicht fragen wird: Svenl schade ich am meisten durch mein« Stimme?, sondern: Wie diene ich am besten meinem Vaterland-? Die Zukunft wird uns mit besonderem Nachdruck diefe Frage stellen. Wer nicht entschlossen ist, vor ibr alle kleinlichen Eigeninteresfen zurücktreten zu lassen, dem wird auf die Dauer das deutsch« Volk nicht eine maßgebende Stimme in seiner Vertretung lassen. Das deutsche Volk braucht vor allem für seine starken Arme und klugen Köpfe Freiheit zu nutzbringender Arbeit. Darum wird «s sich nicht wehrlos machen gegen seine wirtschaftlichen und politischen Gegner. Die Politik der Sozialdemokratie aber führt zur Wehrlosigket ittb zur Unfreiheit."

Berkan, 18. Jan. Wre nunmehr feststeht, finden von 190 erforderlichen Stichwahlen 77 am Samstag den 20. Januar, 80 em Montag den 22. Januar und 34 am Donnerstag den 25. Ja- «MOt statt.

Der Zentralvorstand der deutsch-konservativen Partei ist in New letzten lege« enter Mitwirkung der Regierung bemüht ge­

wesen, unter den bürgerlichen Parteien eine Verständigung über gemeinsames Handeln bei den bevorstehenden Stichwahlen gegen­über der Sozialdemokratie auf allgemeiner und breiter Grundlage zustande zu bringen. Leider ist dieses Vorhaben trotz des gewal­tigen Ernstes der gegenwärtigen Lage an dem mangelnden Ent­gegenkommen der Fortschrittspartei gescheitert. Wir muffen daher unsere Wahlkreisvorsitzenden und alle Parteifreunde im Lande auffordern, in der Stichwahl dort, wo nicht Sonderabkom­men zwischen einzelnen Kreisen auf ausreichender gesicherter Grundlage vollwertiger Gegenleistung zustande kommen sollten, gegenüber den liberalen Kandidaten, die stch nicht ausdrücklich zum Eintreten gegen jede Schwächung der verfaffungs- mäßigen Rechte der K a i s e r g e w a l t, für völlige Sicherstellung eines ausreichenden Zollschutzes für Landwirtschaft und In­dustrie und für die Sicherung der bürgerlichen Gesell­schaft und des Einzelnen gegen den Terrorismus der Sozial­demokratie verpflichten, Stimmenthaltung zu empfehlen und auszuüben.

Die Fortschrittliche Volkspartei gibt die Parole aus, datz keine Stimme einer Partei der Rechten zufällt, das heitzt auf deutsch: sie unterstützt überall die Sozialdemokratie.

DerVorwärts" veröffentlicht eine Aufforderung, zunächst für den Fortschrittler im Stichwahlkampf zu stimmen. Keine Stimme einem Rechtsstehenden.

Zwischen den Parteileitungen der Deutschen Reichspartei und der Nationalliberalen Partei wurden Vereinbarungen getroffen, datz sich beide Parteien in den nachstehenden Wahlkreisen gegen­seitige Stichwahlhilfe leisten: in der Provinz Sachsen in Mans­feld, Bitterfeld, Sangerhausen, Neuhaldensleben, Halberstadt und Torgau: tn der Provinz Brandenburg in Spremberg, Jüterbog- Zauch-Belzig, Potsdam-Osthavelland, Westpriegnitz. Die von dem geschäftssührenden Ausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei aus­gegebene Wahlparole hat die Leitung der Reichspartei veranlatzt, ihre Parteigenossen zu ersuchen, keinen in der engeren Wahl stehenden Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei zu unter­stützen.

«in Appell.

Berlin, 18. Ian. DieRordd. Allg. Ztg." schreibt zu den Stichwahlen: Wir haben im bisherigen Verlauf des Wahl­kampfes immer von neuem auf die praktischen Aufgaben hin- gewiesen, die der neue Reichstag zu erledigen haben wird, auf die besonnene Fortführung der Sozialpolitik, auf den Schutz der natio­nalen Arbeit, vor allem auf die Stärkung unserer Wehr zu Wasser und zu Lande. Wir haben dabei hervorgehoben, datz die Sozial­demokratie zur Grundlage ihrer Sozialpolitik den Klaflenkampf macht, der den Frieden im Lande vernichtet, datz sie unsere Wirt­schaftspolitik, die unsere nationale Arbeit hochgehoben hat, mit allen Mitteln bekämpft, datz sie in ihrer antinationalen Gesinnung bisher nach stets alle Mittel versagt hat, welche die äußere Macht­stellung des Reiches gewährleisten. Wir haben an das Gewisse« aller Mähler appelliert, Front zu machen gegen eine Partei, welche sich selbst als den Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft, als den grimmigen siMner der Monarchie bezeichnet. Trotz der Erfolge, die die Sozialdemokratie bei den Hauptwahlen erzielt hat, blieb es möglich, sie durch ein Zusammengehen der bürgerlichen Par­teien bei den Stichwahlen in Schranken zu hakten. Die partei- taktischen Erwägungen, die eine Einigung der bürgerlichen Par­teien scheitern ließen,, und die parteitaktischen Folgerungen, die daraus gezogen worden sind, ändern nichts an den Aufgaben, die dem neuen Reichstage obliegen werden, deren Lösung das deutsche Volk trotz aller Parteiverhetzung und Parteiverbitterung von fernen Vertretern verlangen wird, und an deren Lösung mitzu- orbeiten die Sozialdemokratie unfähig ist. Deshalb bleibt der Kampf gegen die Sozialdemokratie die Pflicht aller Wähler, welche in ernster Stunde um die Zukunft der Nation besorgt sind.

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Politische Umschau.

Berliner Tageblatt" und Demokratische Bereinigung.

Die Demokratische Vereinigung, dieses Parteigrüppchen, dem bekanntlich auch Herr v. Eerlach angehört, hatte im Wahlkreis * Berlin I dem fortschrittlichen Kandidaten Herrn Kämpf in Herr« Gädke einen eigenen Kandidaten gegenübergestellt. Sie wurde dabei aufs kräftigste unterstützt von derBerliner Tageblatt", das seinen Liebling, Herrn Gädke (früher Oberst und Regiments­kommandeur im xten Artillerieregiment!") dem Fortschrittler de» Kreis abgenommen hätte. Leider bekam der Demokrat aber sage und schreibe nur 1390 Stimmen, die Herrn Kämpf abgingen. Dies scheint bei dem Blatte doch einige Bedenken an die Lebensfähigkeit derDemokr. Vereinigung" erweckt zu haben. Es schreibt:

Wir dürfen erwarten, daß nun auch die Anhänger der Demokrati­schen Vereinigung, nachdem sie das Vergebliche ihrer Bemühungen, den Kreis zu erobern, erkannt haben, stch nicht länger alsVorfrucht" der Sozialdemokratie erweisen, sondern entschlossen sich auf die Seite des liberalen Kandidaten stellen und ihn mit heraushauen helfen werden. Nur so können fie den Fehler wieder gutmachen, den sie mit ihrer Son­derkandidatur begangen haben. Sie haben dazu um so mehr Ursache, als ihre Eigenbrödelei auch noch den alten liberalen Sitz Dessau gekostet hat, da er dort dem fortschrittlichen Kandidaten Prof. Preuß nicht gelungen ist, in die Stich­wahl zu kommen." Dar ist eine politische Bankerotterklärung, wie sie schlimmer und peinlicher nicht gedacht werden kann."

Den Fehler wieder gut zu machen scheint Herr Euvke nicht willens zu sein, denn wie bekannt, führt er sein kleines Häuflein Anhänger dem Sozialdemokraten zu, wodurch dieser ganz sicher de« Wahlkreis erringt.

Ausland.

Die Beschlagnahme derCarthage". Paris, 18. Ian. In einer anscheinend offiziösen Darstellung über die Beschlagnahme derCarthage" wird erklärt, daß sich das Vorgehen der Italiener nunmehr als durchaus ungerechtfertigt erweise. 1. seien in der von der italienischen Regierung am 6. Oktober 1911 aufgestellten Liste der als Kriegskontrebande anzusehenden Gegenstände Aero­plane nicht angeführt, 2. widerstreite das Vorgehen dem Artikel 124 der Londoner Konvention und 3. sei dieCarthage" ein Post­schiff, dessen Briefsäcke nach der Haager Konvention unverletzlich seien. Rach einer Mitteilung der Compagnie Transatlantique verlangte der an Bord derCarthage" entsandte italienische Offi­zier von dem Kapitän des Postdampfers, daß er den Aeroplan an Ort und Stelle vernichte. Der Kapitän verweigerte dies, worauf er in Cagliara anlaufen und den Aeroplan landen mußte. Damit begnügte stch der italienische Offizier nicht, sondern forderte, daß ihm die nach Tripolis bestimmte Post ausgeliefert werde. Infolge der Weigerung des Kapitäns wurde dieCarthage" mit Beschlag Belegt. PoncarS erteilte, wie er im Ministerrat mitteilte dem französischen Botschafter in Rom die Weisung, mit Berufung auf die Rechtslage und den Wortlaut der Verträge die Freilassung des PostdampfersCarthage" unter Wahrung etwaiger Ansprüche der Beteiligten zu fordern.

"Tripolis. Derna, 18. Jan. ("Agenzia Stefans.,,) Gestern, ey2 Uhr früh, wurden Mannschaften abgeteilt zum Schutze der Arbeitssoldaten, die die neuerdings unterbrochene Wasserleitung wieder Herstellen sollten. Auch eine Kompagnie Alpenjäger von Solunzo, die bis dahin an der Herstellung einer neuen Schanze östlich vom Dernafluffe beschäftigt war, sollte an dem Deckungs­dienst teilnehmen. Der Einzug des Bataillons, das die Vorhut bildete, wurde von dem Gewehrfeuer des Feindes empfangen, den es nachts trotz der Sche» iwerfer und Wachhunde gelungen war, drs Gelände unbemerkt zu durchkriechen und sich hinter der von den Italienern errichteten letzten Mauer zu verbergen. Der Feind, der die ganze Höhe rechts bis zu einem kleinen türkischen Fort be­seht hielt, wurde zurückgeschlagen und von sehr lebhaftem Feuer verfolgt, was ihm beträchtliche Verluste beibrachte. Eine andere Kolonne des Feindes, die stch unten am Dernaflutz zeigte, wurde durch das Feuer zweier Gebirgsabteilungen und einer Batterie zurückgeworfen. , .. A _

* Die Wirren in China. Kjachta (Transbaikalien), 18. Ian. Auf die Aufforderung der Mongolen verließ der oberste chinesische Beamte in Aljaffutai freiwillig seinen Posten. Die chinesische Gar­nison lieferte die Waffen aus. Die ihres Amtes enthobenen chinesischen Beamten fanden vorläufig Zuflucht bei chinesischen Handelsfirmen. Die Abreise in die Heimat jetzt im Winter ist in­folge des Mangels an Transportmitteln sehr erschwert.

Marokko. Paris, 18. Jan. Rach Blättermeldungen aus Elksar ist zwischen den französischen und spanischen Behörden ein neuer Zwist ausgebrochen, weil Eingeborene, die sich als spanische Schutzbefohlene ausgaben, stch weigerten, ein dem Maghsen ge­höriges Grundstück zu räumen, welches der franzostiche Haupt­mann Vary für seine Mahalla in Anspruch nehmen wollte.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Orgtnalartikel ist gemäß 8 1» des Urheberrechts nur mit bet deutlichen QuellenangabeOverhess. Ztg. gestattet.)

Marburg, 19. Januar.

* Zwei Leichenbegängnisse. Gestern nachmittag um 3 Uhr wurden mit allen akademischen Ehren die sterblichen Reste des Geh. Justizrats Prof. Dr. iur. Westerkamp zur letzten Ruhe gebracht. Außer den Angehörigen nahmen die Chargierten sämtlicher stu­dentischen Korporationen mit Fahnen, der gesamte akademische Lehrkörper. Vertreter des Fortbildungsvereins und sonstige Leid­tragende an der Trauerfeier teil. Prof. D. Rade widmet« dem Verblichenen einen Nachruf, während Prof. Dr. And«! namens der iuriMcken Fakultät, Prof. Dr. Heymann namens des Rattonat- ltberaken Vereins und ein Vertreter der Universität G,eßen Kränze niederlegten. - Kurz darauf wurde der 'm besten Mannes­alter verstorbene Hotelbesitzer Freidhof dem Schoß der Erde über, geben. Die große Beteiligung am Leichenbegängnis legte Zeugnis davon ab, daß der Verblichene wegen seiner angenehmen Cha­raktereigenschaften sich großer Beliebtheit und allgemeiner Achtung etftUStube«tWr Gottesdienst. Der nächste Studenten-Gottesdienst findet am Sonntag den 21 d. M- um 11 Uhr tm Auditorium 11 bet Universität statt. Herr Prof. Rade wird übet das Thema:Der Wille ^r ÄmeLtt" lprL". 3utritt haben nut Angehörige bet Uni- ""^Glatteis. Heute morgen konnte man eigentümliche ® licher Fortbewegung erblicken. Es schien, als ob jeder Passant «m- naftijche Hebungen Vorsichten wolle. Der eine schien psotziich Knacks zu bekommen und machte eine Vierteldrehung nach rechis. um einem andern, der hinter ihm blitzschnell nach lmks f^wenfte mU^lnet Rückansicht eine höfliche Verbeugung zu machen. Hier tnpi^U« ttn Fraulein in zierlichen Puppenschritten über die Straße, da wurde einem Passanten plötzlich der Boden zwischen den Seinen wett unbboü ^ß schon einer, dessen schwarzer Filz nicht weit ^von eine Polka aus dem Pflaster tanzte! Aber Scherz beiseite! Das Begehen unserer Be g straßen wat geradezu lebensgefährlich! Wobt dem, der mb ein pa unfreiwilligen Niederlassungen gnädig davon kam. Am s-hUinmst« waren diejenigen dran, die ihr $ewf früh auf die Straße führte An alle Hausbesitzer, besonders aber auch an die Stadtverwaltung, sei bte Mahnung gerichtet, bei Glatteis so rasch wie möglich die Eangbahn mit

I Sand in dessen Ermangelung mit Asche zu bestreuen.