Deutsches Reich-
— Die kronprinzliche Familie bei dem Kammerherrn von Oldea- Hurg-Jauschau. Berlin, 14. Ian. Wie verlautet, wird im Frühjahr der Kronprinz und die Kronprinzessin einig« Tage bei dem Kammerherrn von Oldenburg-Ianuschau zu Gaste weilen. Auch die drei ältesten Söhn« des Kronprinzen-Paares werden an dem Besuch teilnehmen. Es ist dies der erste Besuch, den die kronprinzliche Familie einem Mitglied des Adels von Westpreußen abstattet.
— Ein Telegramm des Reichskanzlers. Berlin, 15. Jan. Nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses aus dem Wahlkreise Anklam-Memmin richtete der Reichskanzler an den Präsidenten des früheren Reichstages Grafen v. Schwerin-Löwitz folgendes Telegramm: Hocherfreut über Ihren Sieg spreche ich Eurer Exzellenz meine herzlichen Glückwünsche aus. Ich erblicke in Ihrer Wiederwahl ein gutes Omen für die Zukunft. Mögen nun bei den Stichwahlen die bürgerlichen Parteien zur Besinnung kommen.
— Die „Slorbb. Allg. Ztg.- und bi« Stichwahlen. Berlin, 15. Jan. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu den Stichwahlen: Der „Vorwärts" veröffentlicht eine ganze Spalte von Glückwünschen der internationalen Sozialdemokratie. Sie hofft, daß die Sozialdemokraten ihren Sieg bei den Stichwahlen noch vervollständigen. Der Sieg des Sozialismus in Deutschland sei auch ein Sieg der internationalen Sozialdemokratie. Diese Glückwünsche zeigen mit aller Deutlichkeit die Kluft zwischen den nationalen Parteien und den Sozialisten. Der deutsche Reichstag ist die Vertretung des deutschen Volkes; die Sozialdemokratie aber macht ihn zum Tummelplatz ihrer internationalen Jntereffen. Welcher bürgerliche Wähler will ihr dabei behilflich sein?
— Der Zuwachs der sozialdemokratischrn Stimmen beträgt nach einer Zusammenstellung sozialdemokratischer Blätter rund eine Million (von 3% Millionen auf 414 Millionen).
— Die Wahl im Königreich Sachsen. Dresden, 13. Ian. Die Fortschrittliche Volkspartei halt für die Stichwahlen an dem Wahlabkommen mit den Nationalliberalen fest, unterstützt also in Dresden-Altstadt Heinze, in Leipzig-Stadt Innck, in Borna Ritzichk«. Im Wahlkreise Löbau, der von vornherein nicht in das Wahlabkommen einbezogen war, unterstützt der Fortschritt voraussichtlich nicht den Nationalliberalen Wehrmann, sondern den Sozialdemokraten Krätzig. Der Fortschritt wird bei allen Stichwahlen gegen die Konservativen stimmen, also in Freiberg gegen Wagner, in Oschatz-Grimma gegen Giese, in Bautzen gegen Gräfe.
— Gesetzentwurf über Haftpflicht der Eisenbahn. Wie mitgeteilt wird, sind vor kurzem die Antworten der Bundesstaaten, denen der Vorcntwurf zu einer reichsgesetzlichen Regelung der Haftpflicht der Eisenbahn zur Aeuherung ihrer Ansichten zugestellt worden war, bei der Reichsregierung eingelaufen, sodaß mit der Aufstellung des endgültigen Entwurfs, der voraussichtlich eine umfaßende Regelung der Haftpflicht für alle Personen- und Sachschäden bringen wird, begonnen werden konnte. Augenblicklich befindet sich die Angelegenheit zur Bearbeitung im Reichsjustizamt. Ob dem neugewählten Reichstag eine Vorlage über die Haftpflicht schon bei der ersten Sitzungsperiode zuaehen kann, ist nach dem augenblicklichen Stande der Dinge noch nicht zu bestimmen. *
— Gründung einer „Deutschen Landwirtschaftlichen Lehranstalt" in Rustland. Wie verlautet, ist von der „Kurländischen Oekonomischen Gesellschaft" der Beschluß gefaßt worden, in Mitau eine „Deutsche Landwirtschaftliche Lehranstalt" zu begründen, da sich in.den letzten Jahren ein erheblicher Mangel an deutschen landirnrtstbaftlichen Beamten für die deutschen ' mgrundbefitzer RußlÄnds herausgestellt hat. Es ist aber auch fernerhin mit dieser Gründung die Absicht verbunden, das Element, das wegen Mangels an geeigneten Lehranstalten ■ dem landwirtschaftlichen Beamtenstande fehlt, wieder l: iehen. Aus diesem
Grunde werden in die neue Landwirtschaj-sü: ule nach den Bestimmungen des Statuts nur Schüler deutscher Nationalität ausgenommen. Fernerhin besagt das Statut, daß die Unterrichtssprache deutsch sein muß. Da die Bestätigung der Anstalt bereits vor einiger Zeit erfolgt ist. so soll der Unterricht bereits in kurzer Zeit beginnen. Als Eröffnungstermin ist der 23. ds. Mts. in Aussicht genommen worden. Die Gründung dieser deutschen landwirtschaftlichen Lehranstalt bedeutet eine Stärkung des Deutschtums in Kurland.
Ausland.
Die Revolution in China. Hankau, 14. Jan. Die Revolutionäre rücken von Wutschang gegen Siaokan vor. Die kaiserliche Basis befindet sich an der Linie von Peking nach Hankau, etwa 40 Meilen nördlich von Hankau. Die Rebellen, angeblich 25 000 Mann stark, hoffen dort die Kaiserlichen anzugreifen, wenn nicht Wutingfang sofort einen Gegenbefehl erteilt. Drei Divi- stonen Kaiserliche, welche letzte Woche Siaokan verließen, stießen am Donnerstag bei Mientschin auf die Schensirebellen und schlugen sie. — Peking, 15. Jan. Die Frage der Abdankung des Kaisers wurde gewißen fremden Regierungen vorgelegt. Puan- schikal wünscht ein ansehnliche fremde Anleihe und glaubt dies zu erreichen, wenn sie mit der Abdankung zusammenfällt. Die Gesandtschaften glauben indesien nicht, daß eine Anleihe unmittelbar zustande kommen werde und in diesem Falle wird Puanschikai sich wahrfcheinlich zugleich mtt dem Thron zurückziehen, — Nach einer Meldung «»» Schanghai sollen 11 Transportschiffe unter Reglet-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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.'ie . £u«rbeffif*e Zeitung" «r,che»«t täglich mit du»nah »re Set an« unb Feiertage. — Der Bezugspreis betrögt vierteljährlich durch die Post bezogen 9.25 <X lohne Bestellgeld!, yet unseren ZeitungSstellev unb der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei ins Haus. (Für unver- langi zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine'lei Berantwortung). Bruck und Verlag der Untv.-Buchdruckerel I. A. Koch (Inb.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marvnrg
Mittwoch, 17. Januar
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile ober deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 <*, für Reklamen die Zeile 60 rf. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt alS Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Berbindlichkeit für Platz-, Datenoorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postt scheckverkehr — ohne Portokosten — unter Rr. 5015 des Postscheckamtes
■*'** * *' Frankfurt a. M.
17. Jahrg.
1912.
Erstes BlatU
tung von 6 Kreuzern nach Tschifu gehen. Die Revolutionäre bereiten den Marsch nach Peking in vier Routen vor. — Charbin, 15. Jan. Die an der transsibirischen Bahn gelegene Stadt Chailar wurde von bewaffneten Mongolen besetzt. Die chinesische Garnison und die chinesischen Behörden sind in die russische Ansiedlung geflüchtet. Die Mongolen setzten nette Behörden ein und erklärten die Unabhängigkeit.
“ Aus bet Senatskommission für bas beutsch-französtsche Abkommen. Paris, 15. Jan. Die Senatskommission für das deutschfranzösische Abkommen wählte heute für Bourgeois und Poincatä zum Versitzenden Ribot und zum Berichterstatter Pierre Baudin. Die Kommission hörte hierauf den Ministerpräsidenten PoincarS und den Minister für die Kolonien Lebrun. — In der heutigen Sitzung der Senatskommission gab der Ministerpräsident einen Ueberblick über die von ihm geprüften Fragen und legte dar, in welcher Weise die Kommission raschestens zu einer Lösung gelangen könnte. Poincarä drückte ferner die Ansicht aus, daß man Unrecht getan habe, die in der Angelegenheit des Kongo-Kame- run-Konsortiums und bezüglich der Kongo Kamerun-Bahn mit Deutschland angeknüvften Verhandlungen abzubrechen.
** Canalejas bleibt. Madrid, 15. Jan. Eanalejas bildete das Kabinett mit den bisherigen Mitgliedern.
** Türkei. Konstantinopel, 15 .Jan. In Kreisen der oppo- sttionellen Presse herrscht Beunruhigung, da man befürchtet, daß die Negierung nach Auflösung der Kammer gegen die Presse streng voraehen und den Belagerungszustand rücksichtslos anwenden werde. Einige oppositionelle Blätter sollen ihr Erscheinen ein- stellen. Gerüchten zufolge werden einige Journalisten ins Ausland flüchten.
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Marburg und Umqeaend-
lNachdruck aller Orginalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Ooerbess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 16. Januar.
Die gestrige Stadtverordnetensitzung befaßte sich u. a. auch mit den hiesigen Theaterverhältnissen. Dabei kam auch der schlechte Besuch, unter dem das Stadttheater zu leiden hat, zur Sprache. Herr Oberbürgermeister Trofe glaubte die Schuld dafür der Marburger Pressekritik zuschreiben zu müssen, die den Vorstellungen und insonderheit auch den Bemühungen der Direktion zu wenig Wohlwollen entgegenbrächte. Gegen einen derartigen Vorwurf müssen wir entschieden Verwahrung einlegen. Wir begnügen uns für heute mit diesem Hinweise und behalten uns vor, noch näher darauf einzugehen.
* Das amtliche Wahlergebnis. Heute mittag um 12 Uhr fand im Fürstenhaus hier die amtliche Feststellung des Wahlergebnisses der letzten Reichstagswahl für den hiesigen Wahlkreis statt. Cs hatten sich hierzu außer dem Wahlkommissar, Herrn Landrat von Loewenstein zu Loewenstein. Vertreter der Wablvorstände aus allen drei Kreisen eingefunden. Wie aus den Mitteilungen des Herrn Landrats hervorging, haben sich Beanstandungen außer kleinen Formfehlern, die nicht in Betracht kommen, nicht ergeben. Abgegeben wurden insgesami io 9Rn Stimmzettel, davon mußten 35 für ungültig erklärt werden, sodaß 19 245 gültige Stimmzettel verblieben Es entfielen auf Prof. Bredt 3543, auf Dr. Böckel 2686. auf Schneidermeister Rupp 5776, auf Herrn v. Gerlach 6140 und auf Gewerkschaftssekretär Diehl 1100 Stimmen. Da die absolute Majorität von 9623 Stimmen nicht erreicht wurde, findet engere Wahl zwischen Rupp und v. Gerlach statt.
* Universität. Wie wir hören, hat der Direktor des zoologischen Instituts, Herr Prof. Korsckelt. einen Ruf an die Universität Freiburg erhalten. Es wäre zu wünschen, wenn der hervorragende Gelehrte, der seit 20 Jahren an unserer Universität wirkt, dieser erhalten bliebe.
* Unsere Universität im Kultusetat. Berlin, 15. Jan. Für die Marburger Universität steht der Kultusetat für den Neubau der pykchiatrischen Aufnahmestation der Poliklinik einschließlich der Außenanlagen und der Inneneinrichtung die erste Rate von 50 000 M. für baulich" Aendernngen und Verbesserungen in der Medizinischen Klinik die erste Rate non 100 000 M vor. Für den Neubau des physikalischen Instituts beträgt die erste Rate 200 000 dl unter Verwendung der durch das Ertraordinarium vom Jahre 1905 zum Umbau desselben Institutes bereitqest"llten 102 500 -ll.
* Zur Frankfurter Universitätsfrage. Wie Frankfurter Blätter melden, hat das Kultusministerium die Errichtung einer Universität in Frankfurt auf der voro<tzchlooenen Basis abaelehnt.
• Geschäfts-Jubiläum. Der Firma Wilh. Holzhauer, die. rote wir gestern berichteten, heute auf ein ISüjähr. Bestehen zurückblickt, wurden heute zahlreiche Ehrungen zu Teil. Seitens der hiestgeit Universität wurde ihr mit Genehmigung des Kultusministeriums der Titel Uni- verfitäts-Instrumentensabrik verlieben. Bon der Gesellschaft für Chi- rurgiemechanik, der Handelskammer (u Cassel, dem hiesigen Kaufmännischen Verein, sowie einer Anzahl hiesiger Vereine wurden dem Inhaber der Firma. Herrn Jakob Holzbauer, künstterisch ausgeführte Diplome und Glückwünsche zugestellt, während der Liederverein sein Mitglied durch ein Ständchen ehrte.
• Das neue Adreßbuch für 1912 ist, nachdem es den Abonnenten zugestellt wurde, jetzt auch int Buchhandel erschienen. Die übliche Zusammenstellung des Buches ist durch einige Neuerungen und Neueinfügungen verbessert worden. Bemerkt sei, daß das Einwohnerverzeichnis rund 600 Aendernngen aufweist.
* lieber das Komische sprach Montag abend Herr Professor Dr. Wechßler im Fortbildungsverein. Er berührte damit ein Gebiet, dem viele bislang wohl kaum eine eingehendere Beachtung geschenkt hatten. Daß man aber auch hier höchst reizvolle Studien nmchen taut, bewiesen seine interessanten unb lehrreichen Aus
führungen. Er schloß sich nicht der alten Auffassungsweise an, die sich bemüht, das Komische an sich zu fassen als eine feste Eigenschaft am Gegenstand. Vielmehr nahm et als Ausgangspunkt den Men» schen, der durch geistige Tätigkeit ein Komisches erst entdeckt. So bliebe es sich nicht gleich, sondern sei wandelbar nach Zeit, Ort, Volksart, Bildung, kurz nach der jeweiligen Weltanschauung desjenigen, der etwas Komisches findet. Zweierlei sei ferner bei diesem Problem zu scheiden: erstens ein Verlachen und zweitens ein Belachen. Ein Verlachen liege da vor, wo irgend ein verborgener Unwert, Minderwert, ein Minus entdeckt werde. Bei dem Auffinden dieses Negativen sei aber immer das Positive, d. h. der Weltmaßstab, den der Betrachter anlegt, das Wichtigste. Er sei bedingt durch jenen Glauben an mehr oder minder hohe Lebenswerte, auf denen sich die Weltanschauung gründet. Aus ihr folgt dann im letzten Grunde auch das Verlachen. Beim Belachen dagegen handele es sich um einen jäh entdeckten Verstoß gegen das gewohnte Weltbild, gegen unsere Anschauungen und Erfahrungen von Weltordnung und Weltlauf: von Einheit, Identität, ursächlichem Zusammenhang und anderem. Als etwas Unerwartetes, Verblüffendes belachen wir dies, das durch scheinbare Fügung des Schicksals von außen gekommen ist. Doch auch beim Belachen sei wie beim Verlachen das Entdecken, Durchschauen und Verstehen des Komischen als künstlerische Tätigkeit des menschlichen Geistes die große Hauptsache. Bei solch einer Leistung bewahre sich dann unser Geist seine Freiheit, bleibe rein von persönlichem Ueber- legenheitsgefühl, von Schadenfreude, von Tadelsucht und anderem, was den ästhetischen Genuß beeinträchtigen könne. Das sei der Hauptwert und die Bedeutung des Komischen im „geistigen Haushalte der Menschheit". So wirke das Lachen befreiend gegenüber dem Druck des Alltaglebens, das oft so gebieterisch den Anspruch erhebt, ernst genommen zu werden. Im Lachen erheben wir uns für einen Augenblick Über die Prosa des Lebens mit seinen Mühen und Sorgen, triumphieren über den Aerger und tragen hernach die Last des Lebens umso leichter. Der sebr eindrucksvolle Vortrag brachte zu der Theorie treffende Belege, die den großen Vorzug hatten, aus dem Leben herausgegriffen zu fein. E. Bg.
* Der 2. Bolksunterhaltungsabend, welcher am letzten Sonntag im großen Saale des Turnergartens abgehalten wurde, war, wie man uns schreibt, wie immer gut besucht. Er stand im Zeichen Friedrichs des Großen, zu dessen Gedächtnisfeier man sich überall rüstet. Herr F. Engel hatte es übernommen, ein Bild feines Lebens und seiner Bedeutung zu zeichnen, und entledigte sich dieser Aufgabe mit verständnisvoller Hingabe und Erfolg. Ebenso starken Beifall ernteten die 6 kleineren heiteren Beiträge deutscher Dichter und Schriftsteller zur Eharakteristik des großen Königs, welche Herr Otto nach einer Ballade von Julius Wolff mit kräf- tigern Baß in den Saal schmetterte. Das für Klarinette und Klavier bearbeitete Quintett von Mozart wurde von den Herren Windel und Engelhardt in nahezu vollkommener Weise wieder- gegeben: ebenso ernteten Herr Rath und Fräulein Matta Schmidt mit ihren Vorträgen für Cello und Klavierbegleitung reichen Beifall: besonders gut gefiel auch der charaktervolle Vortrag der .X-Dur-Polonaise von Chopin durch die zuletzt genannte Dame. Fräulein Eusta Aßmann steuerte mit ebenso kräftigem, wie wohlklingendem Organ vier kleine Lieder bei, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen, so daß sie sich zu einer Zugabe entschließen mußte. Nun folgte noch etwas derbere Kost in der beim Dorf« barbier spielenden Pantomime, die Herr. Otto mit Hilfe mehrerer kunstverständiger Freunde in kaum zu übertreffender Drastik vorführte. — Der nächste Volksunterhaltungsabend, welcher Zitherkonzert, Liedervorträge und eine dramatische Aufführung bringen wird, ist auf den 25. Februar festgesetzt.
* Sonaten-Abend: Carl Flesch, Artur Schnabel. Das gestrige Konzert, das der künstlerischen Qualität seiner Veranstalter entsprechend einen stärkeren Besuch verdient hätte, war ausschließlich der Sonate gewidmet. Das Programm gab, wenn auch nicht der Reihenfolge nach, ein Bild der historischen Entwicklung dieser Kunstgattung von Mozart bis zu den Neueren, ohne allerdings Brahms dabei zu Worte kommen zu lassen. In äußerst dankenswerter Weise^vermittelte uns der Abend die Bekanntschaft der .X-Dur-Sonate C. Franks, dis, von sprühendem Temperament erfüllt. durch ihre eigenartige, moderne Melodik und Harmonik sehr interessierte. Der schweren Ausgabe, dem verschiedenen Charakter der drei Merke — Mozarts B-Dur-Sonate, Beethovens Kreuzersonate und C. Franks .X-Dur-Sonate — gerecht zu werden, entledigten sich beide Künstler so, wie man es ihrer Bedeutung nach erwartet hatte. Der warme und edle Ton des Herrn Flesch, vereinigt mit dem männlichen und dock zarten Spiel des Herrn Schnabel, gaben dem Zuhörer ein plastisches, eindrucksvolles Bild jeder Sonate. _ ,
* Der Mannergesangverein „Liederkranz hielt am Sonntag in den Stadtsälen sein diesjähriges Winterkonzert ab, das überaus zahlreich besucht war und mit dem, um es vorwegzune^men, der Verein alle Ebre einlegte. Das Programm, das einige unserer schönsten Volkslieder enthielt, war sehr sorgfältig ausgewählt und zeichnete sich besonders durch seine Reichhaltigkeit aus. Die Vorträge zeigten, daß bet Verein über ein vorzügliches Material verfügt, das sich gleichmäßig aus die verschiedenen Stimmengattungen verteilt, so daß ein geschlossener, voller Chorgesang ermöglicht wird. Gleich bei Beginn des Konzerts fiel es angenehm auf, mit welcher Gefügigkeit die Sänger der Führung ihres Dirigenten folgten, sodaß sich beim Einsetzen sowohl, als auch bei den Hebet« gangen eine Sicherheit und Exaktheit zeigte, die kaum übertroffen werden könnte. Jedenfalls zeugten die Vorträge von guter, Inten* styer Arbeit und großer Sorgfalt in der Einstudierung, um die sich