mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
JVs. 10
J'.e ,.Cbrrtirü;fd*t Rettung- erichcint täglich mit Aufnahme der «<nn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen S.25 * lohne Bestellgelds, bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei in« Hau«. (Für unverlangt zugekandte Manuskript? übernimmt die Redaktion keine'kei Bcrantwortnng). Druck und Verlag der Ilniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inb. : Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnabend, 13. Januar
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47. Jahrg. ‘ 1912.
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3ui* Millistettrifis in Fraukrcick.
Paris, 11. Jan. In dem Schreiben, in dem Caillaux dem Präsidenten den Rücktritt mitteilt, wird festgestellt, daß zwischen der republikanischen Majorität und der Regierung in keinem Punkte aine Unstimmigkeit entstanden ist. Das vom Kabinett vollendete Werk, das durch die Zustimmung der Kammer besonders gekennzeichnet sei, und das sich gegenwärtig vor dem Senate befinde, fei vom gesamten Ministerrat ausgearbeitet. Jeder Artikel des Abkommens, ja, jede Zeile, sei in aller Offenheit in zahlreichen Sitzungen des Kabinetts, die Caillaux besonders im September und Oktober noch vervielfacht habe, geprüft worden. Keinem derjenigen, die mit dem Absender zusammen diesen Hrief unterzeichnet hätten, sei es vorgekommen, als ob unter den Mitgliedern des Kabinetts auch nur der Anschein eines Zwiespaltes bestehe. Alle Beschlüsie seien einstimmig gefaßt worden. Wenn auch der Chef der Regierung die diplomatische Aktion mit allen Mitteln unterstützen muhte, so sei doch auch über den kleinsten Punkt nie ohne Zustimmung des Ministerrats entschieden worden. Da sei in dem Augenblick, wo sich weder im Kabinett noch im Ministerrat Beschwerden erhoben hätten, ein Mitglied der Regierung, dem die Umstände eine besonders wichtige Rolle zugewiesen hätten, zurückgetreten. Caillaux schlieht, es sei ihm nicht vergönnt gewesen, in der kurzen Frist, die nach der Sachlage einzuhalten war, das Kabinett z. vervollständigen, in dem er gerade in diesem Augenblick, eins der Portefeuilles, von dem die nationale Verteidigung abhänge, nicht unbesetzt lasten wollte. Unter diesen Umständen halte er es für seine Pflicht, auszuscheiden.
Paris, 11. Jan. Caillaux erhielt heute ein von allen Ministern und Unterstaatssekretären, ausgenommen de Selves, unterzeichnetes Schreiben, in dem es heiht: „Besonders im Laufe der letzten Monate, während denen wir Ihre edlen Besorgniste miterlebten, zogen Sie uns in aller vertrauensvoller Solidarität zu schwierigen Beratungen hinzu und täglich haben wir sie mit Ihnen verfolgt in völliger llebereinstimmung der Ansichten: die Aktion der auswärtigen Politik, für die Sie unsere ständige Teilnahme in Anspruch genommen, hat in jeder unserer Zusammenkünfte die vorbehaltlose Billigung aller Mitglieder der Regierung gefunden. Wir.legen Gewicht darauf, festzustellen, dah wir das Bewuhtsein haben, dem Frieden, der Welt und der Würde und Gröhe Frankreichs gedient zu haben."
Paris, 11. Jan. Die Presse stellteinmütig fest, dah noch selten eine Ministerkrise unter so peinlichen und ernsten Verhält- nisten eingetreten sei. Der „Radical" sagt schlimme Handlungsweise de Selves führte unter den spött- Blicken des Auslandes zu einer Krise. Bielleicht wird jetzt mancher Senator Ee- wistensbiste darüber empfinden, dah er noch vor der Erledigung des deutsch-französischen Abkommens, das Ministerium gestürzt und im Lande hierdurch Besorgnis vor einer unbekannten Zukunft hervorgerufen hat. — Die gemähtgten republikanischen und nationalistischen Zeitungen geben ihre Befriedigung über den Rücktritt des Kabinetts unverblümt Ausdruck. Die „Republik Francaise" schreibt: Caillaux hat von allen verlosten wider Willen auf die Macht verzichten müsten. Das einzige Ergebnis seines Versuches die Krise aufzuhalten, war nur, dah sein Zusammenbruch um so kläglicher und endgültiger war.
London, 11. Jan. Die Blätter besvrechen den Sturz des französischen Kabinetts zum Teil mit Rückblicken auf die Marokko-
Nachdr. verboten.
Unser Weci öinn hinauf.
Roman von $. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Er freut« sich, dah sie sich zufrieden zu geben schien und setzte sich wieder zu ihr. Run zog das Freuen wieder in seine Brust. Mit strahlenden Augen erzählte er von Gitta. Wie lieb und fröhlich sie sein konnte, und wie hübsch sie heute ausgesehen hatte.
„Und wie sie sich freut, wieder «ine Mutter zu bekommen. Du hättest nur hören solle«, wie lieb sie von dir sprach. Ach weiß gewiß, du wirst sie lieb haben mästen, ob du willst oder nicht", sagte er zum Schluß.
Sie hörte Ihm still zu und sah zuweilen in sein verklärtes Gesicht. In ihrem Herzen regte sich bittere, brennend« Eifersucht auf dar fremde Mädchen, das nun den ersten Platz im Hause ihres Sohnes einnehmen würde Nie hatte sie durch äußere Zärtlichkeit ihrem Sohn verraten, wie lieb sie ihn hatte. Weichliche Sentimentalitäten waren ihr verhaßt. Deshalb war ihre Liebe nicht weniger groß, wenn sie auch das Denken und Empfinden ihres Sohnes nicht verstand. Bisher war sie sicher gewesen, den ersten Platz in seinem Herzen einzunehmen. Nun wurde sie verdrängt, beiseite geschoben. Aber sie konnte nichts dagegen tun, das sah sie ein. So groß auch im gewisten Sinne ihr Einfluß aus Georg war, hier war die Grenze, das hörte sie aus seinem Ton« heraus. Und sie war zu klug, ihren Einfluß zu überschätzen. Fügt« sie sich nicht, so mußte sie das Feld räumen. Jetzt, wo ein gewißer Wohlstand hier einzog, würde sie dann möglicherweise mit ihrer schmalen Pension abziehen müßen. Der künftigen Schwiegertochter wäre das sicher sehr erwünscht, trotz ihrer schönen Wort«. Die waren feil wie Brombeeren. Aber wenn sie darauf gerechnet hatte, war ihr Exempel falsch: sie blieb und behielt die Zügel in ihrepn Händen.
Wie gut hätte sie es jetzt haben können, wenn Georg nicht diese Dummheit gemacht häte. Eine Dummheit war und blieb die Verlobung in ihren Augen. Und daß sie dieselbe gut heißen und dulden mußt«, das erbitterte sie unsagbar gegPi Gitta Staringer. In ihrem Herzen würde >e dieselbe als Braut ihres Sohnes nicht willkommen heißen, das nxu «ewig.
Georg ahnte nicht, wie sehr di« Mutter sich in ihr« Verbitterung hineinredet«. Er war zufrieden mit dem, was er erreicht hatte, und sagt« ihr besonders liebevoll gut« Nacht.
krise. „Daily Chronicle" schreibt: Obwohl die neuen Enthüllungen die Entsendung des „Panther" nach Agadir nicht rechtfertigen, zeigen sie, daß Deutschland Grund zur Entrüstung hatte. — ,Aaily Telegraph" sagt: Die Jnteresten Englands sind mit den Marokkoverhandlungen des Sommers so eng verknüpft, daß die öffentliche Meinung ihre Ueberraschung über das neue Licht nicht verhehlen kann, das auf die Folge der Ereigniste fällt, die zur Entsendung des
„Panther" nach Agadir geführt haben. Die Enthüllungen Jules Roches zeigen, daß die Aktion der deutschen Regierung kein plötzlicher unerklärlicher Blitz aus heiterem Himmel war, für den ihn England gehalten hat, sondern eine zornige Mahnung an Frankreich, und daß anderseitige Kompensationen klar angedeutet wurden. Englands treues Festhalten an der Entente ist einwandsfret bewiesen, aber jetzt ist es klar, daß die Krisis des Sommers tatsächlich durch ein finanzielles, nicht durch ein politisches Arrangement hervorgerufen worden ist, an dem England nicht interessiert ist.
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Der enqlif+e Außenhandel.
Die „Berl. pol. Nachr." schreiben: Der englische Außenhandel im Jahre 1911 hat nicht ein so günstiges Gesamtergebnis gebracht, wie es nach der vorangegangenen Entwicklung erwartet werden durst«. Es ist das die Folge der Gestaltung des Außenhandels im Monat Dezember. In der Einfuhr hat der Monat Dezember, der sonst besonders große Um- satzziffern zu bringen pflegt, den Monatsdurchschnitt der ersten 11 Monate nur um ca. 8 Millionen Pfund, in der Ausfuhr den Monatsdurchschnitt sogar nur um eine halb« Million Pfund übertroffen. Bei dem Vergleich mit dem Dezember des Jahres 1910 ist zu berücksichtigen, daß dieser Monat zwei Arbeitstage mehr zählte als der Dezember 1911. Immerhin müßen di« starken Ausfälle in der Außenhandelsbewegung bemerkenswert erscheinen. Die Dezembereinfuhr ist bei einem Gesamtwert von 65 Millionen Pfund um 4.1 Millionen Pfund hinter der Einfuhr im Dezember 1910 zurückgeblieben: die Warenausfuhr liegt um den verhältnismäßig geringen Betrag von 1,1 Millionen Pfund (bei einem Gesamtwert« von 38,6 Millionen) älter der Ausfuhr int Dezember 1010. Für den Außenhandel stellt sich somit das Gesamtergebnis in der Einfuhr auf 680,6 Millionen Pfund, in der Ausfuhr auf 454.3 Millionen Pfund. Di« Einfuhr ist um 2,3 Millionen Pfund, die Ausfuhr um 23.9 Millionen Pfund höher als im Jahre 1910. Die verhältnismäßig starke Zunahme der Ausfuhr ist in der Hauptfach« durch einen Mehrexport an Baumwollwaren im Werte von 14.2 Millionen Pfund veranlaßt: ein Fingerzeig, wie schwer das englische Wirtschaftsleben geschädigt werden würde, wenn der drohende Ausstand in der englischen Baumwollindustrie Wirklichkeit werden sollte. Gegenüber diesem Mehrabsatz an Baumwollwaren treten alle übrigen Erzeuaniße weit zurück: mit einem größeren Mehrbeträge kann nur noch di« Maschinenindustrie aufwarten. Der gesamte englische'Außenhandel hat demnach, von der Wiederausfuhr kolonialer und fremder Waren abgesehen, einen Umsatz von rund 1135 Millionen Pfund erreicht: er ist damit hinter der auf Grund der Ergebniße in den Monaten Januar bis November aufgemachten Schätzung nicht unerheblich zurückgeblieben, und wenn auch gegenüber dem Jahre 1910 die Warenbewegung um den Wertbetrag von rund 26 Millionen zugenommen Mt. so ist doch das Gesamtergebnis weit weniger günstig als im Kalenderjahre 1910, in dem die Steigerung des Warenumsatzes in Einfuhr und Ausfuhr gegenüber dem Jahre 1909 annähernd 90 Millionen Pfund betragen hatte
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D-uMes Reick-
— Die angebliche Reis« des Kaiserpaares nach England. Die Ankündigungen über eine Reise des deutschen Kaiserpaares nach England werden jetzt vom Londoner „Globe" wieder aufgenom-
„Eitta, Gitta! Kindelchen, so wache doch auf, schläfft ja wie «in Murmeltier", rief Fräulein Schraube am anderen Morgen. Sie stand vor Gittas Bett und rüttelte sie an den Schultern.
Das junge Mädchen fuhr schlaftrunken empor, blinzelte mit den Augen und sah dann verwundert in Fräulein Schraubes Gesicht.
„Ist schon Zeit zur Schule?" fragt« st« hastig.
Das alte Fräulein lacht«.
,,H«ut' ist doch Sonntag, du Schäfchen. Nun aber schnell aus den Federn: in zwei Stunden kommt dein Verlobter."
Gitta fuhr mit einem Ruck in di« Höhe und war mit einem Mal« ganz wach.
„Mein Verlobter! Herrgott, — Schräubchen — beinahe hätte ich das für einen Traum gehalten. Aber nun weiß ich alles wieder. Heut' ist Sonntag und gestern abend — ach. Schräubchen, so ein wunderseliger Abend. Daß ich so fest geschlafen hab«."
„Das kommt von der Anspannung, Kindelchen. Nun schnell. Ich mach« inzwischen das Frühstück fertig . Fräulein Stegemann und Frau-' lein Winzer find schon spazieren gegangen. Die Sonne scheint beute so schön. Sie wollten dich durchaus mitnehmen und klopften an deine Tür. Aber du schliesst wie eine Ratz. Und mitgegangen wärst du doch nicht."
Gitta schüttelte übermütig den Kopf.
„Nein, heute habe ich besseres zu tun. Ach, Schräubchen, — ich muß nur schnell mit dem Kops in di« Waschschüssel, damit ich auch merke, daß es wirklich kein Traum ist."
Nun brachte Fräulein Schraube fast verlegen ein Paketchen in Seidenpapier zum Vorschein.
„Da, Kindelchen: ein paar Blumen hab' ich dir mitgebracht, zwei schön« rote Rosen. Mehr konnte ich nicht bringen: sie sind sündhaft teuer jetzt Aber Rosen muß man einer Braut auf den Weg streuen, wenn sie glücklich fein soll."
Gitta nahm bewegt die Blumen und zog Fräulein Schraub« mit ihren runden weißen Armen schnell zu sich herab, st« herzlich küssend.
„Liebe, Gute, ich dank' dir so sehr, so lieb ist das von dir."
„Ist ja gut, Kindelchen. Ich freue mich doch so, daß du glücklich bist. Bist mir doch ans Herz gewachsen, als wärst du meine Tochter. Nun gehe ich aber wirklich, sonst wirst du nicht mehr fertig."
Und eilig lief sie hinaus.
Gitta erhob sich schnell und kleidet« sich an.
Mit besonderer Sorgfalt ordnete sie ihr schönes Haar und zog ihr bestes Kleid an. Ganz feierlich und heilig war ihr zu Mut«. Und da-
| men. Wie die „Neue politische Correspondenz" schreibt, ist kein Anlaß, sich mit diesen Gerüchten näher zu beschäftigen, da zwischen den in Betracht kommenden deutschen und englischen Stellen über einen Besuch des Kaiserpaares in England nichts vereinbart worden ist."
— Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich bereit erklärt, falls das Plenum sich schon am 15. Januar vertagen will, an diesem Tage eine zweite Plenarsitzung abzuhalten.
— Die Zukunft des Gouverneurs Dr. Eleim. Wie der „Inf." mitgeteilt wird, ist über die Zukunft des Gouverneurs Dr. Gleim bisher noch keine Entscheidung getroffen worden. Bekanntlich ist Gouverneur Dr. Eleim wegen seiner Erkrankung mehrfach gezwungen gewesen, schon während der Reise nach Deutschland Erholungsurlaube anzutreten. Dr. Eleim ist pekuniär völlig unabhängig. Die Möglichkeit ist daher nicht von der Hand zu weisen, daß er mit Rücksicht auf seinen Eesundheitsznstand vielleicht nicht wieder in die Tropen zurückkehren wird. Mit der Kongoangelegenheit, mit der er jüngst in Zusammenhang gebracht wurde, würde dieser Rücktritt aber nicht das geringste zu tun haben.
— Explosion auf einer Barkasse. Kiel, 11. Jan. Auf einer Motorbarkasse des Panzerkreuzers „Moltke" explodierte im Hafen ein Luftdrucktank. Das Fahrzeug sank sofort. Die Besatzung wurde gerettet. Bei dem Unfall wurde ein Maschinistenmaat schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.
— Von der Staatslotterie. Berlin, ll.Jan. Die „Rordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die Finanzverwaltung entschloß sich zahl reichen aus den Kreisen der Lotterieeinnehmer an sie herangetretenen Wünschen entsprechend, von der im Sommer 1912 abzufpie- lendcn 227. Lotterie an auf das sogenannte Mitspiel der Frcilcst für die Staatskasse dauernd zu verzichten. Der Entschluß dürste der Finanzverwaltung nicht ganz leicht geworden sein, denn es wird damit dauernd auf eine sichere Einnahme von rund einer halben Million M aus dem Betriebe der Staatslotterie verzichtet, um welchen Betrag sich die Chancen der Spieler gleichzeitig dauernd verbessern.
'Ausland-
** Das englische Königspaar in Bombay. Bombay, 11. Jan. Der König und die Königin sind gestern mittag hier eingetroffen. Von der Bevölkerung jubelnd begrüßt, begaben sie sich zur Heimfahrt an Bord der „Medina", die am nachmittag die Anker lichtete.
** Die spanisch-französischen Verhandlungen. Paris, 11. Jan. Ueber die französisch-spanischen Verhandlungen wird aus Madrid gemeldet: Die Antwort, welche der Minister des Aeußern Priele dem französischen Botschafter Goffray in der Frage der Verwaltung der spanischen Zone erteilen wird, scheint endgültiger Natur zu sein. Während Frankreich das Recht beansprucht, durch den als Vertreter der Gläubiger der marokkanischen Schuld bestellten französischen Beamten die Zolleinkünfte und scherifischen Einnahmen zu kontrollieren, will Spanien in seiner Zone die marokkanischen Lasten für seine eigene Rechnung übernehmen und die marokkanische Schuld garantieren in derselben Form wie die äußere spanische Schuld.
** Tripolis. Rom, 11. Jan. In Tripolis, Ain-Zara, Tad- jura und Homs herrscht vollständige Ruhe. Zur Aufklärung ausgesandte Flugzeuge, Kavallerie und Kundfckafternachr'-hten be- zwischen kam ein« übermütige Stimmung in ihr Herz. Se lachte in sich hinein, so töricht alücklich und froh.
Als sie ihre Toilette beendet hatte, räumte sie schnell ihr Zimmer- chen auf. Dann ging sie hinüber, um ihr Frühstück zu nehmen. Fräulein Schraube leistete ihr dabei Gesellschaft. Sie zupfte und putzte an Gitta herum, wie eine eitle Mutter. Unbedingt wollt« sie Gitta eine von ihren toten Schleifen aufreden. Dies« hatte es nicht leicht, sich dagegen zu wehren.
„Kindelchen, sei doch gescheit. Siehst so farblos aus in dem dunklen Kleid. Die Schleife wird dich auftnuntern. Daß du auch immer so dunkle Kleidet trägst."
Gitta lachte.
„Vielleicht werd« ich jetzt leichtsinnig und laufe mit ein weißes Kleid, Schräubchen Wenn ich reich wäre, würde ich nur weiße Kleider tragen. Weil ich arm bin, ziehe ich dies schöne Dunkelblau vor. Das mag ich gern. Und wenn ich nachher deine beiden schönen Rosen ansteck«, dann sollst du mal sehen, wie festlich ich ausseh«"
„Ich würde dir so gern eine von meinen Schleifen schenken, Kindelchen."" Gitta lachte und streichelt« ihre Wange. Sie sagte aber nicht, wie greulich sie die roten Schleifen fand, ohne di« Julia Schraub« nicht zu existieren vermochte.
„Ich werde mich hüten und dir deine schönen Schleifen fortnehmen: weiß ich doch, daß dein Herz daran hängt. Und sieh mal an, die Farbe würde nicht zu meinen Rosen passen."
Sie befestigte die Rosen im Gürtel und stellt« sich vor das alt« Fräulein hin.
„Nun sieh mich an, — bin ich nicht schön genug?"
Fräulein Schraube sah sie wehmütig lächelnd an.
„Reizend stehst du aus, Kindelchen. Der Herr Feldhammer kann lachen." •
Gitta seufzt« ein wenig.
„Du meinst, weil ich eine so glänzend« Partie bin?! Ach, Schräubchen, jetzt wünsche ich wirklich, ich wäre recht reich."
„Dummes Zeug. Wer dich zur Frau bekommt, hat ohnedies da» groß« Los gezogen."
„Seine Mutter wird das nicht jo auffassen. Mütter wollen immer reiche Frauen für ihre Söhne. Ich hab« doch ein wenig Sina?! vor ihr." (8ort|ei- !gt.)