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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Tie „Lbkrhetzische Leitung" er,chcmt täglich mit Hui""b..n< Ser L nn» und Feiertage. — Der Bezugspreis betrögt vierteljährlich lurch die Post bezogen S.25 Jt lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition <Markt 21) 2.00 <X frei inS HauS. (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. H. Koch (Inh.:
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Marburg
Donnerstag, 11. Januar
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17. Jahrg.
1912.
Mttes Blatt.
Ein ZlÄfcheii'nll in der franz. Senaiskommifsion.
Der bekannte Mitarbeiter des „Echo de Paris", Herr Marcell Hutin, berichtet die Aufsehen erregende Tatsache, daß es in dem Ministerrat zu einem bedeutsamen Zwischenfalle g e - kommen sei. Der Minister des Aeutzeren de Selves legte im Ministerrat eine genaue Ausarbeitung über die Verhandlungen mit Deutschland vor. Auf Antrag des Kriegsministers q, der im Mai noch im Kolonialamte war, sprach sich jedoch der Ministerrat gegen den Willen de Seines dahin aus, daß eine kurze Mitteilung genüge. War dies schon an sich peinlich, so wurde die Situation noch verschärft, als bekannt wurde, datz Herr Fondere, der französische Konzessionär im Kongo, von französischer Seite mit dem Reichstagsabgeordneten Seniler von deutscher Seite inoffizielle Verhandlungen, denen zwei oder drei französische Minister beiwohnten und von denen der Botschafter Jules Cambon keine Kenntnis hatte, gepflogen habe. Nach dem geplanten Vertrage sollte von dem Kongo nach Kamerun eine Eisenbahn gebaut werden. A m 2 4. M a i soll der Vertrag bei nahe zum Abschluß gekommen sein.
Herr Hutin fügte seinem Berichte noch hinzu, daß für die Dienstagssitzung der Senationskommission lebhafte Zwischenfälle zu erwarten seien. Diese Prophezeiung ist denn auch eingetroffen. In der Kommissionssitzung am 9. Jan. gab nämlich Ministerpräsident Caillaux eine Darstellung der Verhandlungen betreffend die marokkanischen Bahnen und die gleichzeitig mit denselben geführten Verhandlungen betreffend das Projekt der Kongo-Kamerun- Bahn. Er erklärte, daß er, da diese Frage nun einmal aufgeworfen sei, sein Ehrenwort gebe, daß e r niemals Verhandlungen außerhalb des Ministeriums des Äußern und ohne Wissen des Botschafters Jules Eambon geführt habe. Elemente au richtete hierauf an de Selves die Frage, ob Cambon über alle Besprechungen und Unterhandlungen zwischen Berlin und Paris a u f dem Laufenden gewesen sei, und fragte insbesondere, ob der Minister de Selves in diesem Punkte die Erklärungen des Ministerpräsidenten bestätigen könne. deSelveszögertemitderAntwort, worauf der Kommt ssionspräsident Bourgeois die Frage wiederholte, de Selves erklärte schließlich stockend: Ich kannnichtantworten, denn mit obliegt eine doppelte Pflicht: die Achtung vorderWahrheitunddasJnteresseFrankreichs. Nack) einer anderen Darstellung soll de Selves hinzugefügt haben: und das Interesse der ministeriellen Solidarität. Clmenceau entgegnete hierauf: Ihre Antwort mag vielleicht von den Mitgliedern der Kommission als korrekt angesehen werden mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes, und das bin ich; denn Sie sind vor kurzem zu mir gekommen und haben mir das Gegenteil gesagt. — Die Sitzung wurde hierauf unter großer Erregung unterbrochen. Caillaux selbst verließ den Saal und hatte mit Clemenceau in den Wandelgängen eine sehr lebhafte Unterredung. Sodann fand ein kurzes Gespräch zwischen Caillaux und de Selves statt, und alsbald gab de Selves feine Demission. Die Meldung rief außerordentliches Aufsehen hervor. Gleich darauf verbreitete sich auch das Gerücht, daß Cruppi feine Entlassung geben wolle, doch ist dieses Gerücht bisher unbestätigt. Die Stellung Caillaux scheint eine überaus schwierige geworden zu sein.
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Ein großer Scklaa?
Die „Hess. Landesztg." erzählt ihren Lesern von einem großen Schlag, den die Konservativen für den letzten Tag vorhaben und zwar will sie von einem uns nahestehenden Herrn erfahren haben, daß ein Flugblatt gegen Herrn v. Eerlach vorbereitet werde. Soviel wir unterrichtet sind, legt die konservative Partei mehr Gewicht auf die Ueberzeugung ihrer Wähler, als auf sensationelle Reklame im letzten Augenblick, wie sie reinen Agitatoren eigen ist, die erfahrungsgemäß die Ueberzeugungskraft des Publikums äußerst gering einschätzen. Man befürchtet eine Ausschlachtung der „Welt am Montag", oder eine» Berichtes der „Leipziger Bolksztg." Da» find also »ffenbar die wunden Stellen. Das Bewußtsein davon zwingt die Herren sie vorher zu verraten, damit ihre Anhänger nicht verblüfft werden, wenn so etwas kommt. Nur Ruhe! Wir wissen bi» jetzt noch von gar nichts. Wir wollen aber doch darauf Hinweisen, daß Herr v. Gerlach 1903 einen „großen Schlag" leistete, durch das bekannte Heinesche Telegramm, wonach die Sozialdemokraten entgegen ihrem hiesigen Beschluß, für Herrn v. Gerlach an die Wahlurne geführt wurden. Die Angelegenheit ist ja noch bekannt, ebenso wie der Versuch bei der letzten Wahl trotz der anderslautenden Parole die Zentrumsstimmen für Herrn von Gerlach einzufangen. Große Schläge! Nicht wahr? Bereitet man wieder einen vor?
Eine Richtigstellung müssen wir aber noch hier anschließen. W» scheint al» ab die Herren versuchen wollen, im Trüben zu fischen und zwar mit dem „Elnhäuser Wahlschwindel". Nachdem während des ganzen vorigen Wahlkampfes vergeblich versucht war, Herrn v. Gerlach zu einer klaren Stellungnahme in einer eventuellen Stichwahl zwischen Dr. Böhme und dem Sozialdemokraten zu |»ingen, ging der „Oberhess. Ztg." in den letzten Tagen ein Wahlbericht über eine Eerlachversammlung in Elnhausen zu, nach dem er auf eine Anfrage sich dahin ausgesprochen haben sollte, daß in der Stichwahl der Sozialdemokrat zu unterstützen sei. Die Richtigkeit Sarde der ,F)berheff. Ztg." ww den angesehensten Persönlichkeiten
der Umgegend mit Namensunterschrift bestätigt. Die „Oberhess. Ztg." hatte als Zeitung also gar keine Veranlassung, diese Meldung, etwa um Herrn v. Gerlach zu schonen, zu unterdrücken. Anders Herr v. Eerlach. Er fiel mit einem Artikel „Der Oberhesse am Sckmndpfahl" über uns her; natürlich war das ganze nach seiner Auffassung gelogen usw. usw. Damals scheute sich Herr von Gerlach offenbar noch, seine Stellung so nahe bei der Sozialdemokratie zu wählen. Aus seiner Entrüstung sollte nach normalem Verständnis jedermann schließen, daß er, Herr v. Eerlach, eine solche Wahlparole überhaupt nicht ausgeben könne. Sonst hatte der ganze Aufwand doch gar keinen Sinn. Wenn es sich um weiter nichts handelte, als zu behaupten, Herr v. Eerlach habe die Aeuße- rung nicht getan, so war das doch einfacher zu machen. Man vergleiche die jetzige Stellungnahme der Partei des Herrn v. Eerlach zur Sozialdemokratie sogar gegen einen linksstehenden Freisinnigen, und man wird sich selbst sein Urteil bilden, was es mit dem sogenannten „Einhäuser Wahlschwindel" auf sich hat. und wo, wenn einmal von „Schwindel" geredet werden soll, der „Schwindel" steckt.
Politische Umschau.
Der Kronprinz als Freund Englands.
Nachdem Lord Lonsdale vor einigen Tagen den erfolglosen Versuch gemacht hat, dem erstaunten Publikum das Märchen von der treuen Englandsliebe des Kaisers aufzubinden, nimmt man jetzt in England den Kronprinzen zum Gegenstand einer Preßaktion, deren Zweck und Ziel nur zu sehr auf der Hand liegt. Der wegen seiner Deutschfeindlichkeit bekannte „Standard" behauptet, von maßgebender Stelle zu der Erklärung ermächtigt zu sein, daß der deutsche Kronprinz sehr erstaunt war, als er aus den anderen Zeitungen erfuhr, daß fein Benehmen während der Reichstagsdebatten vom 10. Dezember als eine englandfeindliche Kundgebung aufgefaßt worden sei. Seine Mißfallskund- gebungen an jenem Tage seien vielmehr hauptsächlich gegen gewisse Einzelheiten der auswärtigen Politik, dl« er verurteilte, gerichtet gewesen Der Kronprinz verwahre sich dagegen, als ein Feind Englands gekennzeichnet zu werden, da er in Wirklichkeit ein Freund Englands sei. Diesmal aber kommt der „Standard" mit seinen Schwindeleien nicht weiter, sondern muß sich eine deutliche Abfuhr gefallen lassen. Denn wie von zuständiger Stelle erklärt wird, gab der Kronprinz weder dem Berliner „Standard"-Korre?pondenten eine Erklärung, noch ermächtigte er ihn zur Abgabe von im „Standard" mitgeteilten angeblichen Äußerungen. Bor einiger Zeit, wandte sich allerdings eine englische Zeitung an den Kronprinzen mit der Bitte, eine Äußerung über seine Stellung betreffend die Beziehungen zu England zu geben. Dieser Zeitung wurde daraufhin mitgeteilt, der Kronprinz fühle sich nicht befugt, offiziell seiner Meinung über seine Stellung zu England Ausdruck zu geben. Irgendwelche Äeußerungen, die den „Standard" zu seiner Nachricht ermächtigen würden, ober veranlassen könnten, sind keineswegs gefallen.
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Reich-
-- Di« preußischen Steuerpläne. Berlin, 9. Ian. Wie eine Korrespondenz wissen will, ist eine schärfere Heranziehung der Einkommen über 8500 M durch die kommende Eteuernovelle geplant; und zwar soll, was schon früher berichtet wurde, der höchste Prozentsatz der Einkommensteuer von 4 auf 5 heraufgesetzt werden. Die GemeindesteueZuschläge sollen dann auch für diese Steuererhöhung gelten dürfen.
— Die preußischen Landwirtschaftskammern werden in nächster Zeit eine Erweiterung ihres Wirkungskreises erfahren. Nachdem der preußische Landwirtschaftsminister die Errichtung von Eartenbaukammern für die gesonderte Vertretung der Interessen der Eärtnereibetriebe abgelehnt, deren Einbeziehung in die Landwirschaftskammer aber empfohlen hat, werden, wie die „Neue politische Correspondenz" mitteilt, demnächst die in den Provinzialverbänden organisierten Handelsgärkner und Gartenbau-Vereine ihren Anschluß an di« Landwirtschaftskammern nehmen. Verschiedene Landwirtschaftskammern haben sich bereit erklärt, für die Fragen der Gärtnerei und des Gartenbaues besondere Abteilungen oder Ausschüsse einzurichten
— Aufbebuno einer Bestimmung für di« Feuerbestattung. Berlin 9. Ian. Die wissenschaftliche Deputation für das Medinzinalwesen hat auf Ersuchen des Ministers des Innern die Frage erörtert, ob ein erheblich praktisches Bedürfnis zur Feststellung der Virginität bei einer Leichenschau zwecks Feuerbestattung vorlegt Die Frage ist nach eingehender Erwägung aller dafür und dagegen sprechenden Momente von der Deputation verneint worden. Unter diesen Umständen hat der Minister die fragliche Bestimmung aufgehoben.
— Beamte und Sozialdemokratie. Berlin, 9. Jan. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: In konservativen Blättern ist darüber Klage geführt worden, daß die Staatsregierung kein deutliches Wort der Abwehr gegen ^>ie Versuche gefunden hat, die Beamten zur Abgabe sozialdemokratischer Stimmzettel zu verleiten. Hierbei wird übersehen, daß die Staatsregierung im Landtage und bei sonstigen Gelegenheiten der Auffassung, daß jede mittelbare wie unmittelbare Begünstigung der Sojialdemokratie durch den Beamten mit seinen Pflichten und dem von ihm geleisteten Treueid unvereinbar sei, so oft und mit solcher Entschiedenheit Ausdruck gegeben hat, das- irgendwelche Zweifel hierüber in Beamtenkreisen völlig ausgeschlossen sind. Die Beamten selbst nehmen mit aller Entschiedenheit gegen eine solche verwerfliche Zumutung Stellung. Die Prelle der Beamtenvereine legte gegen die Versuche, die Beamten über die Bedeutung des Diensteides hinwegzutäuschen, Verwahrung ein. Noch in den letzten Tagen ist von führenden Persönlichkeiten der Beamtenvereine ein Ausruf erlassen worden, der mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit darauf hinweist, was Ehre und Gewissen von den deutschen Beamten bei den Reichstcwswah- len fordern.
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Ausland.
* * Persien. Teheran, 9. Jan. Einer der vier Perser, die in die neue Kommission des Finanzamts berufen waren, ist zurückgetreten. Ein Dekret des Regenten bestimmt, daß von heute ab alle Ordres und Dokumente die Unterschrift des Belgiers Hornard aufweisen müssen
* • Teilung Persien». Immer mehr gewinnt es den Anschein, daß Persien endgültig unter Rußland und England ausgeteilt werden soll. Der Regent Rasr el Muk soll noch der repräsentative Vertreter Persiens bleiben. Im Übrigen soll das Land in zwei große Verwaltungsbezirke, Nordpersien und Südpersien, eingeteilt werden. Der Norden wird unter russischen Einfluß stehen und erhält als Obergouverneur den Sepehdar mit dem Sitz in Täbris. Den Süden dagegen wird England beherrschen; inoffizieller Gouverneur wird der Bachtiare Serdar Assad in Teheran.
* * Die Wirren in China. London, 9 Jan. „Daily Telegraph" meldet aus Peking vom 7. d. M.: Während die bewaffnete Neutralität zwischen den Kaiserlichen und den Republikanern anhält, sind Anzeichen vorhanden, daß die Republikaner eifrig für den Feldzug im Frühjahr rüsten. Republikanische Agenten sind in Japan eingetroffen, um Dort Magazingewehr« zu kaufen. — Ferner meldet der „Daily Telegraph" aus Schanghai: Wutingsang telegraphierte an Puanschikai, daß alle telegraphischen Verhandlungen aufhören müllen. ■ Die remibftkanischen Führer hätten beschlossen, unter völliger Ignorierung der Pekinger Regierung den Nationalkonvent nach Schanghai zu berufen.
* * Tripolis. Rom, 9. Jan. Die „Tribuna" schreibt offiziös, daß die vorzeitige Ruhe auf dem Kriegsschauplätze nicht dahin mißdeutet werden dürfe, daß Italien tatenlos den Frieden abwart«. Italiens öffentliche Meinung wünsche keineswegs den Frieden. Die italienischen Truppen seien zur Zeit beschäftigt, ihre Stellungen zu befestigen und auszubauen, sowie die neu eingetroffene schwere und schnell feuernde Artillerie zu plazieren. Binnen wenigen Tagen werde dies vollbracht sein, und alsdann werde die italienische Aktion entschiedener als zuvor wieder beginnen.
* * Der neue französische Kammerpräsident. Paris, 9. Ian. Brisson wurde mit 257 von 309 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten der Kammer wiedergewählt.
Mardrrrg und Umgeaend-
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 28 des Urheberrechts tu. mit deutlicher Quellenangabe „Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 10. Januar.
• Fortbildnngsverein. „Die Volksaufstände in Hessen in den Jahre« 1806—1809" betitelt« sich der erste diesjährige Vortrag im Fortbildung«- verein. Der Referent, Herr Oberst v. Geyso, führte darin folgendes aus: Di« großen staatlichen Umwälzungen des Jahres 1806, bi« Errichtung des Rheinbundes und des Königreichs Westfalen, als Vasallenstaaten Napoleons, vollzogen sich unter verhältnismäßig geringer Erregung des deutschen Volkes. Nur in Hetzen, besonders in Eschwege. Schmalkalden, Marburg und Ziegenhain, kam es im Dezember 1806 zu recht erheblichen Aufständen bet entlassenen Soldaten und der ihnen nahestehenden bäuerlichen Bevölkerung. Ihre Bedeutung bestand darin, daß sie der erste aus der Seele eines Volkes hervorbrechende Widerstand waren, der gegen Napoleon gewagt wurde: sie führten den Deutschen zuerst das Mittel vor Augen, das allein im Stande war, das Joch der Fremdherrschaft zu brechen, die Aufrüttelung und Belebung des Volks- ge i >• ?5 Zäher wie in anderen deutschen Landschaften hing und hängt der hessische Bauernstamm an dem Boden und den Bergen, die seine Borfahren niemals verlassen haben, und an den überkommenen Anschauungen und Einrichtungen. Und der aus ihm hervorgegangene hessische Kriegerstand, mehr eine Kriegerkaste als ein Volksheer in modernem Sinne, unterschied sich wesentlich von den auf dem Wetbespstem beruhenden stehenden Heeren anderer Staaten. Die Volksstimmung in Hetzen übertrug sich mit den zunehmenden Bedrückungen Napoleons auf Preußen und Hannover. Sie wurde von den großen Männern, die in England, Preußen und Oesterreich an dem Sturz des Napoleonischen Snstems ar- beiteten, ernstlich in Rechnung gestellt. Der Oberst von Dörnberg, der im Winter 1808/09, zuerst von Marburg, dann von Cassel aus, an einer Erhebung Hetzens planmäßig arbeitete, stand in Verbindung mit allen jenen großen Männern, insbesondere mit dem Minister v Stein in Berlin und dem Grafen Münster in London. Ihm war klar, daß eine Volkserhebung nur dann Erfolg haben konnte, wenn sie im richtigen Moment, gestützt auf eint militärische Truppe und begünstigt durch andere kriegerisch« Vorgänge losbrach. Der Vortragende schilderte eingehend die planmäßig«, vorsichtige Tätigkeit Dörnbergs und die Per- sönlickkeiten und Kreise, die ihn unterstützten. Neben diesen Vorbereitungen lief zunächst selbständig, dann in lockerer, sie vielfach störender Verbindung eint Agitation, die von dem Friedensrichter Martin iw Frielendorf ausging. Sie war fo beschaffen, daß sie nicht geheim bleiben konnte und fortgesetzt die Gefahr einer unzeitigen Erplosion in sich barg. Sie ist zum Verhängnis der Dörnbergschen Sache geworden. Das Drängen Martins und Umstände, die auf eine Verhaftung Dörnbergs schließen ließen, versetzten letzteren in die Zwangslage, am 13. April den Befehl gum Ausbruch der Erhebung für di« verschiedenen lokalen Zentren zu geben, derartig, daß am Montag, den 23., bei Tagesanbruch die ver- • schiedenen Heerhansen von Süden, Osten und Nord westen vor Cassel erscheinen sollten. Die umsichtigen Anordnungen Dörnbergs, die Mitwirkung seines damals in Catzel befindlichen Iägerbataillons und die vorgesehene Verhaftung des Königs Jerome und seiner Minister und Generale wurden aber durch den Ungestüm Martins und die Ungeschicklichkeit Berenis vereitelt, die 36 Stunden zu früh alarmierten. Der von Homberg anziehende Haufe wurde, wie bekannt, vor Catzel bei der Knallhütte am Sonntag früh auseinanbergefprengt. Das Unternehmen Dörnbergs war kein phantastisches. Hätte er nur vier Wochen länger di« Zügel fest in der Hand behalten tönen, fo konnte, als Napoleon, schwere Niederlage bei Aspern, der kühne Zug Schills und das Vordringen des Freikorps des ritterlichen Herzogs von Braunschweig ganz Nord- und Mitteldeutschland in fieberhafte Erregung versetzten, die Er- Hebung Hessens zu einer ernsten Gefahr für die Napoleonische Weltherrschaft werden. Die Erregung in bet Zeit nach Aspern kommt am markantesten zum Ausdruck in bent Ausstand, bet in bet Nacht vom 23-/24. Juni in unserer Stadt (Marburg) auflohte. Er ist in feiner Isoliertheit vielfach als ein wahnwitziges Unternehmen hingestellt. Et gewinnt jedoch ein anderes Gesicht, wenn man ihn im Zusammenhang mit den I Operationen der Oeftetteichet enb de» Braunschweiger, betrachtet e*