mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den ^Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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2:e ,.£ber^tfftW Zcirvng- erscheint täglich mit Auknah.ne der Sritn» und Feiertag«. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 9.26 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 "Jt frei ins Hau». (Für unverlangt zngesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei verantwort""«.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth). Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 7, Januar
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Der „Flicdmscnsiel".
Unsere pazifistischen Schwärmer erleben eine Enttäuschung nach bei anderen. Gerade in dem Zeitpunkte, der ihnen besonders geeignet erscheint, mit ihren Bestrebungen an die Oefsentlichkeit zu treten und durch Anknüpfung persönlicher Beziehungen, durch Besuchs- und Studienfahrten, die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung auf ihre Wünsche und Ideen zu lenken, haben sich die tatsächlichen Verhältnisse auf internationalem Gebiete c-v de in der entgegengesetzten Richtung entwickelt. Es Hai sich gezeigt, daß allen Friedenskundgebungen und Freundschafts- keteuerungen zum Trotz die natürlichen oder in unweigerlichen Lebensinteressen begründeten Gegensätze zwischen den einzelnen Nationen bestehen bleiben, es hat sich ferner gezeigt, daß mit schönen Worten und Redensarten die Vergangenheit nicht ausgetilgt, die Gegenwart mit ihren für die Existenz und die Zukunft einer Nation entscheidenden Aufgaben nicht ausgeschaltet werden kann. Für die Friedensschwärmer in aller Welt gab es daun noch einmal ein Wiederaufleben ihrer Hoffnungen, als die internationale Schiedsgerichtsidee Fortschritte zu machen schien, als seitens des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika der Abschluß von Schiedgerichisvertrügen mit Großbritannien und Frankreich befürwortet wurde. Und zwar handelte es dabei um Schiedsgerichtsverträge, denen die sog. Ehrenklausel und auch der Vorbehalt hinsichtlich der d: (en Interessen fehle- sollte. Von vornherein mußte sich jebcrmar- sagen, daß der Nbsckst'b b—artiger Verträge doch eigentlich etwas Ueberf'üssiges und praktisch jedenfalls Unzweckmäßiges sei, denn daß das Bestehen eines „luckenlo^n" Schiedsgerichtsvertrages unter allen Umständen eine sichere Bürgschaft gegen kriegerische Auseinandersetzungen bieten würde, daß eine Nation, wenn es sich um ihre Ehre und um ihre Existenz handelt, sich an Vertragsabmachungen binden würde, das hat wohl im Ernste niemand für möglich gehalten. Zu der gleichen Ansicht hat sich wohl auch der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, Theodore Roosevelt, in einem in der amerikanischen Zeitschrift „Outlook" veröffentlichen Artikel neuerdings bekannt. Roosevelt macht auf den Widerspruch aufmerksam, bet darin liegt, daß die vorgeschlagenen Schiedsgerichtsoerträge eben ausnahmslos für alle Streitfragen eine schiedsgerichtliche Behandlung und Erledigung sicherstellen wollen, daß aber die amerikanische Regierung in der gegenwärtigen Situation nach Kündigung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages eine schiedsgerichtliche Entscheidung nicht herbeisühten wolle. Der A"tikel des Ex- präsidenten enthält ben Satz: „Ich glaube nicht, daß wir es uns leisten können, über Fragen des vitalen Jnteresies und der nationalen Ehre ober über Fragen ber festgelegten Politik der Vereinigten Staaten eine schiedsgerichtliche Entscheidung zuzulassen." Das ist genau der Standpunkt, ber von jeher seitens der deutschen Regierung gegenüber ber internationalen Schiedsvertragsidee eingenommen worden ist. Und auch dahin treffen die Ausführungen Roosevelts zweifellos das Richtige, wenn er betont, daß solche Verträge, wie sie gegenwärtig den amerikonischen Senat beschäftigen, nichts zur Förderung des Friedens beitragen können, sondern in Wirklichkeit gegen den Frieden sprechen und auch unter dem Gesichtspunkt der politischen Moral, weil sie zu einer Art von Doppelspiel und mala fides ermutigen können, als verwerflich bezeichnet werden müffen. Das ist aber nicht nur ehrlich, sondern auch vernünftig gesprochen, und jeder Vernünftige wird dem früheren Präsidenten Roosevelt wenigstens darin beipflichten müffen, daß es wirklich keinen Zweck hat. Verträge mit schiedsgerichtlicher Zweckbestimmung abzuschließen, winn gegebenenfalls von ihnen nicht Gebrauch gemacht werden soll, wenn, sobald auch nur eine Streitfrage von Belang auftaucht, nicht im Sinne ber Verträge verfahren wird, die getroffenen Abmachungen also ihren SBert verlieren.
In der letzten Sitzung des amerikanischen Senates hat bei der Beratung des Schiedsgerichtsvertrages mit England ber Se nator Hitchrock, ein Freund Roosevelts, erklärt, daß ber Vertrag mit England gegen Deutschland gerichtet sei, und empfohlen, den Vertrag abzulehnen, ba eine % Mehrheit nötig ist und Herr Roosevelt seinen Einfluß aufbietet, ist dieses Schicksal vorauszusehen. Jedenfalls kann man feststellen, daß die Einsicht in die wirkliche Bedeutung ber Verträge wächst und daß man selbst in Amerika sich nicht durch einen Phrasennebel den Blick trüben lasten will.
Die Cisknl'ahlikartoffein.
Die „Neue polit. Korr." schreibt:
Mit ganz besonderem Haß beehrt die Sozialdemokratie und ihre Preste die preußische Staatseisenbahnverwaltung. Der Grund liegt klar zutage. Mit starker Hand haben die preußischen Eisenbahnminister und besonders der gegenwärtige Verwaltungschef das Eindringen der Sozialdemokratie in die Reihen der Eisenbahner abzuwehren gewußt. So wirb denn mit gerabezu fanatischem Eifer alles, was die Eisenbahnver- waltung für ihr Personal tut, herabgesetzt, die guten Absichten werden verleumderisch in ihr Gegenteil verkehrt, und unablässig wirb gehetzt und aufgereizt. Alle Löhne ohne Unterschied find für die Sozialdemokratie Hungerlöhne. Werden Erhöhungen bewilligt, so wird das entweder ganz unterdrückt oder als lächerliche Abspeisung verhöhnt. Die Tatsache. daß allein in den letzten beiden Jahren mehr als 20 Millionen Mark für Lohnaufbesserungen ausgegeben find, übt nicht den mindesten Einfluß auf die sozialistische Preste aus. Bekanntlich steht die Eisenbahnverwaltung mit ihren Fürsorgeanstalten, den Krankenkasten und der Arbeiterpensionskasse, in sozialer Beziehung an der Spitze aller derartigen Einrichtungen. Tut, nichts: «ach den Hetzorganen ist alles rückständig: die Arbeiterinteresten werden mit Füßen getreten, und der Verwaltung macht es ein ganz besonderes niederträchtiges Vergnügen, ein Vermögen von vielen Millionen anzuhäufen, anstatt das Geld zur Erhöhung der Kastenleistungen zu verwenden. Ja. der unbefangene Leser kann zwischen den Zeilen lesen, daß die Verwaltung den Arbeitern ihre Groschen abnimmt, um sie zu eigenem Vorteil zu thesaurieren Daß die Verwaltung zu ber Zuschußkaste B ber Pensionskaste, bte erheblich höhere Zuschußrenten gewährt, als es ble Renten ber Reichsversicherungsord- j nung sind, mehr als zwei Drittel beiträgt, darüber schweigt natürlich des sozialdemokratischen Sängers Höflichkeit.
Den neuesten Gegenstand der sozialdemokratischen Hetze bildet die Kartoffelaktion der Eisenbahnvereine Mit grunzendem Behagen werden die Kartoffeln schlechtweg Schweinekartoffeln genannt. Zur Fällung diese, Urteil, war es für den „Vorwärts" und Genossen völlig aus
reichend, daß eine Anzahl von Klagen über die Güt« der Kartoffeln durch die Preste gegangen ist und einige Genossen „persönliche" Erfahrungen sozialdemokratischen Zeitungen in der adäquaten Färbung zur Verfügung gestellt haben. Daß im allgemeinen große Zufriedenheit mit den Lieferungen herrscht, was verschlägt bas? Wenn Tausende zufrieden find und einige Dutzend Ursache zur Klage haben, welcher billig Denkende könnte von der Sozialdemokratie verlangen, ihr Urteil anders als nach den Erfahrungen dieser paar Dutzend abzugeben? Nachdem die „Schrveinekartoffeln" ihre publizistische Zugkraft verloren haben, muß eine neue Perfidie herhalten. Sie ist in die „harmlose" Form gekleidet:
Die über die ganze Affäre höchst erbitterten Eisenbahner möchten aber auch wissen, was mit dem erzielten lleberschuß geschieht. Die mit 3,35 M gelieferten Kartoffeln sollen nämlich zum Preise von nur 1,80 bis 2 «M. angekauft worden fein, und ba beträchtliche Mengen in Frage kommen, müßte also auch ber lleberschuß ziemlich erheblich sein.
Jetzt klärt sich also die Sache. Die Eisenbahn hat die ganze Aktion nur eingeleitet, um den Arbeitern ihre sauer verdienten Groschen abzuknöpfen. Eigentlich sollten wir uns damit begnügen, diese Anzapfung niedriger zu hängen. Wir haben es aber dennoch vorgezogen, über den Sachverhalt Erkundigungen einzuziehen, da bekanntlich von einem gewissen Publikum alles geglaubt wird, was auf die Behörden ein schlechtes Licht wirft. Danach liegt die Sache so: Es handelt sich um die respektable Menge von etwa % Millionen Zentner Kartoffeln, die von den Eisenbahnvereinen abgesetzt sind. Der Einkauf muß natürlich, um der Aktion zu Erfolg zu verhelfen, zentralisiert, den sämtlichen Vereinen mußte ebenso natürlich der gleiche Preis angerechnet werden. Der Einkaufspreis war nicht durchweg gleich, denn es wurde im Interesse der Abnehmer so vorteilhaft wie möglich zu kaufen gesucht. Da die weitaus größten Mengen 2,90 und 2,80 ,« kosteten und unter 2,60 «M. überhaupt nichts zu erlangen war, wurde der Einheitspreis auf 2,90 JH festgesetzt, zu dem von den Vereinen ein Aufschlag für Fracht, Abfuhr und sonstige Unkosten zu machen mar, so daß sich die Selbstkosten je nach der Entfernung und den örtlichen Unkosten auf 3,30 bis 3,60 stellten. Wenn man bedenkt, daß der Eesamtprels für die Kartoffeln etwa 2 Millionen Mark ausmacht und daß doch von vornherein auf Ausfälle, wie sie beim Kartoffelgeschäft nie zu vermeiden sind, zu rechnen war, so mußte hierfür unbedingt eine Reserve, die sich durch die einheitliche Preisfestsetzung ergab, zurückbehalten werden, lieber diese Reserven sind die Eisenbahnvereine von vornherein unterrichtet gewesen, und es ist von der Beschaffungsstelle wiederholt bekanntgegeben, daß etwaige Ueberschüsse zur Herab- setz"ng des Preises verwendet und unter bte Bezieher verteilt werben würben. Ueberschüsse wirb die Reserve kaum aber ergeben. Sie wird vielmehr voraussichtlich gerade knapp ausreichen, um die eingetretenen Ausfälle zu decken. Wir glauben, daß jeder kaufmännische Sachverständige urteilen wird: Hut ab vor den Männern, die den Wagemut hatten, das ZweimiNionengeschäft ohne eigenes Kapital und unter Ausschluß jedes Gewinnes aus reinem Solidaritäts- und Kameradschaftsgefühl zu unternehm"" und es erfolgreich durchzuführen.
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Der Krie§ nm Tripolis.
Englisch« Neutralität.
Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, bedurfte es einer nachdrücklichen Aktion Englands, um die Pforte zur Zurückziehung der türkischen Besatzung aus Solum zu bestimmen. Der Entschluß, dieser Forderung Rechnung zu tragen, ist der türkischen Regierung sehr schwer geworden, weil ihre Erfüllung die Anerkennung ber Ansprüche Aegyptens auf biefes seit langer Zeit zwischen ber Türkei und ersterem strittige Gebiet bedeutet. Es verlautet, daß ber Befehlshaber der Truppen von Benghasi sich sträube, dem mehrmals an ihn ergangenen Befehl zur Zurückziehung ber übrigens äußerst geringfügigen Besatzung von Solum Folge zu leisten. Selbstverständlich ändert dies nichts an dem Ausgang ber Angelegenheit und man rechnet in Konstantinopel mit dem Einzug einer ägyptischen Besatzung in Solum.
Jedermann weiß, daß Solum den Dank Italiens an England für dessen „neutrale" Haltung bildet. Und schon machen sich die Folgen des Solum-Abkommens sehr deutlich bemerkbar. In einem Telegramm, welches die „Times" von ihrem Korrespondenten aus Kairo erhält, heißt es, daß die ägyptische Regierung die schärfsten Maßregeln ergreife, um den Waffenschmuggel nach Tripolis zu verhindern, weil man fürchte, daß die italienische Regierung später einmal einen Schadenersatz von ber ägyptischen Regierung verlangen könnte; auch ber Suezkanal werde scharf bewacht, damit es den Türken nicht einfallen könne, Truppen und Munition in kleinen Abteilungen durch den Suezkanal zu schicken. Weiter wird in demselben Telegramm gemeldet, daß ein türkischer Offizier, ber übet Land von Beirut aus nach bem Kriegsschauplätze reiste, abgefaßt würbe, als er gerade versuchte, über die Grenze zu gehen, um sich den türkischen Truppen an der Front anzuschließen.
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Wien, 4. Jan. Die „Zeit" meldet aus Tunis: Es liegt wieder ein Fall vor, daß ein deutscher Berichterstatter in seiner Wohnung ron Karabinleri ausgesucht und seine Wohnung durchsucht wurde. Alle seine Papiere wurden konfisziert. Man hatte zwar der Form halber den deutschen Konsul benachrichtigt und einen Beamten desselben zur Haussuchung zugelassen. Da kein Grund zur Haussuchung zu finden sein dürfte, wird es sich wieder um eine gehässige Angeberei handeln. Der Vorfall wurde dem Serinei Auswärtigen Amt gemeldet. Der Name des Berichterstatters wurde nicht bekannt gegeben.
Rom, 5. Jan. In Tripolis, Ainzara, Tadjura und Homs herrscht vollkommene Ruhe. — Auf Gargaresch finden wiederholte räuberische lleberfälle statt, da die Einwohner Vieh gekauft haben, das anderen Stämmen gestohlen worbe nist. Das Wetter ist besser und das Meer ruhiger.
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Politische Umschau.
Systematische Verhetzung.
Den vereinten Bemühungen von Aerzten und Laien, Siaats- und Gemeindebehörden ist es gelungen, wenigstens etwas Licht in die dunkle Affäre der Berliner Massenvergiftung hineinzu- bringen. Dabei hat sich wiederum einmal gezeigt, wie gewissenlos ein Gott fei Dank nur kleiner Teil der Presse derartige furchtbare Vorkommnisse für Parteizwecke auszubeuten sucht. So brachte der „Vorwärts" einen Artikel, in dem er schreibt:
„Das Massensterben der Obdachlosen bedeutet eine schwere Anklage gegen die heutige kapitalistische Gesellschaft. Massenelend auf der einen und ungeheurer Reichtum auf der andern Seite find die Folgeerscheinungen der heutigen „göttlichen" Weltordnung. Eine raubgierige Klasse beutet die breiten Massen des Volkes in der unerhörtesten Weise aus, sowohl als Produzenten wie als Konsumenten. Um eine Handvoll reicher Leute noch reicher zu machen, wird eine Wirtschaftspolitik eingeschlagen, die den Armen die Nahrungsmittel verteuert und die sie zwingt, noch mehr als bisher zu darben. Die dann ausgemergelt und nicht mehr arbeitsfähig sind, gesellen sich schließlich zu jener Klasse der Deklassierten, wie sie uns in den Obdachlosen entgegentreten. Verachtet, getreten, höhnt obendrein noch die bürgerliche Gesellschaft über die „Schnaps- und Pennbrüder", ihnen höchstens noch von ferne einige Brocken zuwerfend, die andere nicht mehr mögen; spottet über die eigenen Opfer."
Hier zeigt sich unverhüllt die Brutalität der sozialdemokratischen Verhetzung. Der „Vorwärts" weiß ganz genau, daß es in nichtdeutschen Großstädten, besonders aber in der Hauptstadt des freihändlerischen England, viel, viel ärger ist als bei uns. Trotzdem aber werden derartige Sätze ausgestellt. Selbstverständlich wird dem Eenossenorgan kräftig sekundiert von dem „Freien Volk", dem Parteiblatte der Demokratischen Vereinigung. Der Artikel des Demokratenblattes gipfelt in dem Satze: „in dem verfaulten Bückling des Asylisten sehen wir die letzten Konsequenzen der deutschen Grenzsperre." Man braucht nicht weiter auf die eklen Eiferungen einzugehen; es genügt, sie niedriger zu hängen. Hin- gewiesen sei nur noch darauf, was selbst die „Sozialistischen Monatshefte" kürzlich über unsere wirtschaftliche Entwicklung zugestehen mußten: „Die wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Monate sind als g L n st i g zu bezeichnen. . . . Auch der Arbeitsmarkt zeigt jetzt ein sehr gutes Aussehen. . . . Die Eesamt- situation des Wirtschaftslebens läßt sich dahin kennzeichnen, daß reiche Arbeit bei steigenden Preisen und guten Aussichten für die Zukunft vorhanden ist."
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D-u^cheZ Reich.
— Die Reisen des Kaisers. Zu den Gerüchten von ücvor- stehenden Kaiserreisen wird mitgeteilt, daß eine Reise nach Korfu im Frühjahr im Bereich der Möglichkeit liegt. Ob der Kaiser dabei Begegnungen mit Monarchen haben wird, wie von einem französischen Blatte gemeldet wurde, ist noch unbestimmt, da Beschlüsse darüber noch nicht vorliegen. Es handelt sich bei den Mitteilungen von anderen Kaiserreden vorerst lediglich um Gerüchte.
— Die konservative Stichwahlparole. Der Abg. v. Heyde- brand hat kürzlich in einer Versammlung über die Stichwahlparole der Konservativen einige Bemerkungen gemacht, in denen er die konservative Stichwahlhilfe von gewissen Bedingungen abhängig machte. Die „Kons. Korr." schreibt dazu: „Selbstverständlich sollten in Königsberg — wie das auch das uns vorliegende Stenogramm der Rede des Abg. v. Heydebrand ergibt — nur Erundzüge angegeben werden: keinerlei Schwächung der verfassungsmäßigen Rechte der Kaisergewalt, völlige Sicherstellung eines ausreichenden Zollschutzes für Landwirtschaft und Industrie und Sicherung der bürgerlichen Gesellschaft und des Einzelnen gegen den Terrorismus der Sozialdemokratie. Diese Grundzüge dürfen unter keinen Umständen aufgegeben werden, während die Formulierung des Abkommens selbst dem Takte und der Gewissenhaftigkeit unserer Wahlkreisvorsttzenden überlassen bleiben muß." Von Seiten der Reichspartei erklärt die „Post" dazu: Die Worte der „Kons. Korr." hätten einige Bedenken Über die Bedingungen beseitigt. Stimmenthaltung bei Stichwahlen entspreche aber nicht der Auffassung der Reichspartei.
— Gouverneur Dr. Gleim, der Gouverneur von Kamerun, der seine Fahrt nach Deutschland in Teneriffa unterbrochen hatte, ist in der Heimat eingetroffen Ünd befindet sich z. Zt. in Wiesbaden, wo er eine Kur gegen Rheumatismus durchmacht. Dr. Gleim dürfte aber in nächster Zeit in Berlin eintreffen, um an den Beratungen über die Einrichtung des neu erworbenen Kameruner Kolonialbesitzes teilzunehmen.
— Der Streit um Agadir. Gegenüber der Erklärung Dr. Luffts in der „Nordd. Allg. Ztg" erklärt der angeklagte Redakteur Müller in der „Post", er sei nicht in der Lage, auch nur das Geringste von seinen Aussagen zurückzunehmen. Alles, was er über das Telephongespräch des Dr. ßufft mit Legationsrat Heilbron am Abend des 1. Juli ausgesagt hat, stammt unmittelbar aus dem Munde des Dr. Lufft. Die „D. T." erhält nun von Herrn Dr. Lufst, dem der Legationsrat Heilbron noch am Tage von Agadir telephonisch gesagt haben sollte, er möge für ein deutsches Westmarokko eintreten, eine Zuschrift, nach der Legatlonsrat Heilbron ihm am 30. Juni lediglich gesagt habe, er möchte vor allem auf den Wert Agadirs und seines Hinterlandes für landwirtschaftliche Siebelungen, als Absatzgebiet für unsere Industrie und als Bergwerksgebiet Hinweisen. '
— Wann wird Reu-Kamerun deutsch? Die deutsch-französische Kongo-Grenzkommisston, die ihre Tätigkeit spätestens sechs Monate nach Ratifizierung des deutsch-französischen Vertrages beginnen soll, wird zur Durchführung ihrer Aufgabe kaum weniger • als 6 Jahre Zeit brauchen. Ueber die Formen und den Zeitpuntt der Besitzergreifting des neuerworbenen Landes ist man sich in Berlin noch nicht schlüssig. Auch die Etatsforderungen für Verwaltung, Militär und bergt, in ber neuen Kolonie haben infolge» ! dessen noch nicht festgesetzt werben können. j