mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen S.25 <Ä (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jk frei in» HauS. (Für unverlangt zugesandte Manustripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. L. Koch (Inh.: Dr. Hiheroths, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Freitag, 5. Januar
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47. Jahr-. , 1912.
Das französische ReserveoWelkorps.
Die Absicht der französischen Heeresverwaltung, einen Teil der Reserveformationen gleichzeitig mit den Truppen erster Linie im Mobilmachungsfall ins Feld rücken zu kaffen, hat notwendig gemacht, der Offizierstellenbesetzung der Reserveeinheiten eine größer« Aufmerksamkeit zuzuwenden, als bisher. Insbesondere mußte das Reserveoffizierkorps zahlreicher und beffer organisiert und ausgebildet werden. Das ist nun zunächst durch die Bestimmung geschehen, daß alle jungen Leute, die Reserveoffizier werden wollen, gleich im ersten Jahr ihrer Dienstzeit eine schriftliche und militärische Prüfung abzulegen haben, von deren Resultat ihre Ernennung zu Reserveoffizieranwärtern abhängig gemacht ist. Dann werden diese Anwärter zu Unteroffizieren ernannt und im ersten Halbjahr des zweiten Dienstjahres in Sonderabteilungen zusammengestellt, in denen sie auf die Ablegung des Reserveoffizierexamens gründlich vorbereitet werden. Wer diese Prüfung besteht, wird am 1. April zum Reserveoffizier ernannt und tut das letzte halbe Jahr seiner zweijährigen militärischen Dienstpflicht als Offizier Dienst. Im vorigen Jahr« konnten unter 2200 Aspiranten 870 zu Reserveoffizieren befördert und ihnen allgemeine vortrefflich« militärische Kenntnisse und gute Geneigtheit für den Beruf nachgesagt werden.
Aber die französische Regierung beschränkt sich nicht darauf, in dieser Weise für die erste gründliche militärisch« Ausbildung ihres Nachwuchses at^Meferveaffizieren Sorge zu tragen, sondern sie hat neuerdings noch eiMN wichtigen Schritt weiter getan, indem sie Jnstruktionsschulen eingerichtet hat, zu denen der Zutritt für sämtliche Offiziere des Beurlaubtenstandes ein freiwilliger ist — die Anmeldung erfolgt am 1. Juli jeden Jahres — und die den Zweck verfolgen, diesen Offizieren in der Zeit vom 1. November bis 1. Juni Gelegenheit zu geben, ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse auf allen militärischen Gebieten und auch ihre Reitfertigkeit zu fördern und zu befestigen. Die ganze Einrichtung dieser Schulen erscheint geradezu mustergültig und vorbildlich und in hohem Mafch geeignet, den Reserve- und Landwehroffizier für seine hohe Berufstätigkeit vorzubilden. Die Schulen sind jetzt bet sämtlichen Armeekorps des französischen Heeres eröffnet, und zwar jedesmal am Sitz des Generalkommandos und für die Offiziere aller Waffen. Der kommandierende General hat die Oberaufsicht über den Unterricht, der nur von ausgewähkten Stabsoffizieren und älteren Hauptleuten erteilt wird. Nur in Paris und teilweise auch in Lyon ist wegen der Gröhe der Standorte die Organisation ter Kurse und des ganzen Unterrichtsbetrtebes ein anderer. In Paris ist die Stadt mit ihren zahlreichen Vororten (St. Denis, Vincennes, St. Quentin usw.) für den vorliegenden Zweck in 8 Bezirke (einen nördlichen, nordwestlichen, nordöstlichen, südlichen usw.) «ingeteilt; in jedem befindet sich «ine Jnstruktionsschule für jede Waffengattung — Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Train und Intendantur. Außerdem liegen noch im Mittelpunkte der Stadt je eine besonder« Schule für höhere Offiziere und für Generalstabsoffiziere des Beurlaubtenstandes. An der Spitze jeder Schul« steht ein Brigadeoffizier oder ein Oberst der betreffenden Waffe bezw. ein hoher Verwaltungsbeamter: sie suchen das geeignete Lehrpersonal unter den ihnen unterstellten Offizieren aus. Auch in Lyon sind Jnstruktionsschulen nach Waffengattungen eingerichtet. Der Unterricht findet im Monat zwei-, mitunter auch dreimal statt, meist uner Zuhilfenahme des Sonntags: die Dauer ist verschieden von 1 bis zu 4 Stunden, j« nachdem die Vorträge im Zimmer stattfinden oder der Reitunterricht in der Bahn bezw. ein Ritt ins Gelände angeordnet find. Das Lehrprogramm beginnt in der Regel mit applikatorifchen Vorträgen aus der Kriegsgeschichte, daran schließen sich Kriegsfpiele auf der Karte an, später Kadermanöver und endlich praktische Üebungen im Gelände unter Beteiligung von Truppen. Nebenbei werden den Herren aller Waffen auch die hauptsächlichsten Geschütze gezeigt, die Hilfsinstrumente zum Zielnehmen und Beobachten werden ihnen eingehend erklärt, sie wohnen Scharfschießübungen der Artillerie und Infanterie bei und werden zur Besichtigung von Forts usw. zugelossen. Großer Wert wird bet diesem Unterricht auch darauf gelegt, daß die Offiziere eine möglichst vielseitige Belehrung erhalten und nicht nur in dem engen Rahmen ihrer Waffengattung bleiben, der sie angehören. Sie hielt z. V. im letzten Winter ein Generalarzt der Pariser Garnison vor den Kavalleroffizieren Vorträge über di« E«-
Nachdr. verboten.
Unser Weq oinst hinauf,
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Fräulein Schraube war schnell besänftigt: und Albertine Winzer seufzte zustimmend. Gitta sah wie verträumt in ihr Teeglas und lächelte. Die vier Damen beendeten ihre Mahlzeit wie jeden Abend. Dann suchten Fräulein Stcgemann und Fräulein Winzer ihre Zimmer auf, während Gitta Fraulein Schraube half, den Tisch abräumen.
Für gewöhnlich hielten diese beiden dann noch ein kurzes Plauderstündchen über die kleinen und kleinsten Ereignisse des Tages. Auch heute nahmen sie jede in einem Sofaeckchen Platz. Fräulein Schraub« nahm eine Häkelarbeit zur Hand.
„Nun, Kindelchen, wie war es denn in der Konferenz? Hat es wieder Tadel gegeben?"
Gitta nickte ganz übermütig.
„Ein ganzes Sündenregister haben sie wieder gegen mich losgelaffen."
„Und das sagst du so vergnügt?"
Gitta fiel der alten Dame plötzlich um den Hals.
„Du, — leg doch mal deiye dumm« Häkelei beiseite und steh mich an. Merkst du denn gar nichts?
Julia Schraube sah ganz erschrocken aus.
„Was denn. Kindelchen, was ist denn?"
„Ach. Schräubchen, di« ganze Welt möchte ich ans Herz drücken."
„Weil du getadelt wurdest? Das verstehe ein anderer!"
„Nein doch, nicht deswegen. Steh mich doch nur an. Di« Konferenz Ist ja längst aus und vergessen."
„Wo warst du denn so lange?"
„In einem kleinen Restaurant."
Das alte Fräulein musterte sie unsicher.
• „Mein Gott, — du hast doch wohl nicht gar Bier getrunken?" i Gitta lachte hell auf.
«Jetzt glaubst du gar, ich habe einen kleinen Schwips."
„Pfui, Kindelchen, was für Scherze," tief das alte Fräulein zimperlich.
sundheitspfleg« im Felde, ein Oberintendant besprach vor den Herren von der Infanterie den Dienst auf den rückwärtigen Verbindungen, und den Eneeralstabsofizieren des Beurl-ubttnstandes wurden Vorlesungen über die militär-geographischen Verhältnisse längs d«s ganzen Ostgrenze gehalten.
Es ist richtig, daß anfänglich die Offizier« des Veurlaubtenstandes wenig Interesse fflt diese Jnstruktionskurs« gezeigt haben. Da» ist aber jetzt ganz anders geworden, nachdem die Heeresverwaltung den fleißigsten Teilnehmern am. Unterricht Auszeichnungen zugesichert hat, wie z. B. Veröffentlichung ihrer Namen im „Bulletin officiell", schnellere Beförderung und Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion. Der Andrang hat zugenommen, und mit Zuversicht sieht die Heeresverwaltung die früheren Lücken im Reserveoffizierkorps sich füllen.
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Hauptmann Lnx.
Paris, 3. Jan. Hauptmann Lux erhielt von der Militärbehörde einen dreißigtägigen Urlaub, den er in Nizza verbringen wird. Die Meldung, daß er der Form halber vor ein Kriegsgericht gestellt würde, wird zum mindesten als verfrüht bezeichnet. Lux habe wahrscheinlich einen Urlaub gehabt, und die Grenze mit Ermächtigung seiner Vorgesetzten überschritten. Seine Verhaftung wäre ein Fall von höherer Gewalt, die selbstverständlich irgendwelche Strafverfügung ausschließe. Der „Matin" gibt heute eine von den gestrigen Veröffentlichungen über die Flucht des Hauptmanns Lux etwas abweichende Darstellung. Danach fei diese hauptsächlich das Werk eines Schulfreundes von Lux gewesen, an den der letztere Briefe gerichtet habe. In einem dieser Briefe hätte Lux mit sympathetischer Tinte geschrieben: „Ich langweile mich, ich muß trachten zu entkommen." Der Schulfreund setzte sich mit einem Freund des Lux ins Einvernehmen, worauf die Absendung der für die Flucht erforderlichen Gegenstände begann. So erhielt Lux in verschiedenen aufeinanderfolgenden Sendungen fünf Farbstifte, ein Lineal und einen Zimmer-Turn-Apparat. Die Farbstifte enthielten feine Sägen, deren übrige Bestandteil« aus dem Lineal und den Handgriffen des Turnapparats gebildet wurden. Zwischen den Blättern eines Kalenders von 1912 wurde eine Generalstabskarte der Umgegend von Elatz in die Hände des Gefangenen geschmuggelt. Schließlich wurde auf das Ersuchen des Hauptmanns Lux ein großes Bettlaken an ihn gesandt, das ihm später .dazu diente, sich vom Fenster herabzulassen.. Das erforderliche Geld wurde in Einbanddecken von Bücbern eingeschmuggelt.
Breslau, 3. Jan. Der „Münsterberger Zeitung" zufoge wurde ein französischer Sprachlehrer, gegen den der Verdacht vorliegt, er habe an der Flucht Lux' mitgewirkt, in Frankenstein verhaftet.
Deutsches Reich-
— Der Kaiser fuhr heute morgen nach 11 Uhr beim Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg vor und verließ nach herzlicher Verabschiedung vom Reichskanzler gegen 12y2 Uhr wieder das Reichskanzlerpalais.
— Die.Ausreise des „Roten Kreuzes" nach Tripolis. Berlin, 3. Jan. Die Kaiserin empfing heute im königlichen Schlosse die Leiter der vom Roten Kreuz für die türkische Armee in Tripolis ausgesandten Hilfsexpedition in Audienz und zwar Prof. Goebel, Chefarzt vom Roten Kreuzkrankenhaus in Breslau, Prof. Schütze vom städtischen Krankenhause in Moabit und Stabsarzt Dr. Fritz aus Ludwigsburg in Württemberg.
— Reichsgesetzblatt. Berlin, 2. Ian. Das „Reichsgesetzblatt" bringt heute in seiner Nr. 72 das Gesetz, betr. den Ausbau der deutschen Wasserstraßen und die Erhebung von Schiffahrtsabgaben, die Vereinbarung zwischen dem Deutschen Reiche und Belgien zur Regelung des Verkehrs mit Branntwein und alkoholhaltigen Erzeugnissen über die deutsch-belgische Grenze, vom 27. Juli 1911, die Bekanntmachung, betr. die dem Jnternatinalen lleberein- kommen über den Eisenbahnfrachtverkehr beigefügte Liste und die Bekanntmachung betr. die Einrichtung und den Betrieb gewerb-
Eitta streichelte ihr die Wange.
„Willst du wol gar böse fein mit mir, Schräubchen? Da» bringst du nicht fertig: dazu hast du mich viel zu lieb."
Julia Schraube sah zärtlich in ihr Gesicht.
„Das weißt du zu genau. Aber nun sag mit doch, was ist denn eigentlich geschehen?"
„Ach, Schräubchen, ich glaube doch, ich bin berauscht vor Glück und Freude."
Fräulein Schraube strich sich unruhig über das dünne Haar.
„Kindelchen, du bringst mich heute noch aus Rand und Band mit deinem aufgeregten Wesen. Wenn du nur nicht doch Fieber hast."
Gitta sprang auf, streckte die Arme von sich, als müsse sie sich Luft machen. Dann setzt« sie sich wieder neben das alte Fräulein und sah mit glänzenden Augen in das kleine, ältliche zusammengeschrumpfte Gesicht. So sähe sie vielleicht aus nach Jahren — so matt, so farblos, so verblaßt, wie ihr eigener Schatten, — wenn, ja — wenn das köstliche Heute nicht gekommen wäre und ihrem ganzen Leben Licht, Wärme und Farbe gegeben hätte.
Sie legte die Handflächen fest aufeinander und holte lief Atem. Dann sagte sie ernst und bewegt:
„Schräubchen, liebes gutes Herzensschräubchen, ich habe mich verlobt."
Die alte Dame fuhr empor und riß di« kleinen farblosen Augen weit auf. Dann sank sie wieder zusammen.
„Ach, Kindelchen, so ein dummer Scherz."
Gitta faßte ihre Hand und streichelt« sie liebkosend.
„Kein Scherz, es ist Wahrheit, Liebe, Beste. Ich bin Braut, glückselige Braut."
Sie sprang roteber auf und lief umher, als rnüfle sich ihre Freud« austoben.
Di« alte Dame faß noch ganz starr und faflungslos. Gitta begann wieder zu reden, mehr zu sich selbst.
„Ja, Liebste, Beste, ich bin Braut. Braut — wie öas klingt! Ach, ich kann es wirttich selbst kaum fassen. Ich, Gitta Staringer, die untaugliche vielgetadelte Lehrerin, di« es niemand recht machen konnte, ich werde «inen Mann haben, einen lieben, guten, hübschen Mann. Und vielleicht auch Kinder. Schräubchen, denke tat einmal: süße, liebe |
kicher Anlagen, in denen Thomasschlacke gemahlen oder Thomac schlackenmehl gelagert wird. Ferner in Rr. 73: die Bekannt machung, betr. das Verfahren vor dem Kaiserlichen Apfsichisamte für Privatverficherung im Falle des § 1321 Abs. 3 Satz 2 der Reichsversicherungsordnung, und die Bekanntmachung, betr. die Kündigungsbestimmungen des Handels- und Schiffahrtsvertrager und des zugehörigen Zollabkommens zwischen dem Deutschen Reiche und Japan vom 24. Juni 1911.
— Hetzereien gegen Deutschland. Petersburg, 2. Jan. Di« „Rowoje Wremja" leistet sich wieder einmal eine ihrer niederträchtigen Hetzereien gegen Deutschland, indem sie dem deutschen Konsularagenten Schönemann in Täbris eine tätige Beteiligung an dem Ueberfalle zuschreibt, den sich die Fidais gegen die Russen erlaubten. Der russische Generalkonsul hat zwar diese Beschuldigung ganz entschieden als unwahr hingestellt, allein die „Nowoje Wremja" zweifelt an der Richtigkeit dieses Dementis. Ferner berichtet das genannte Blatt in seiner gestrigen Abendausgabe, daß der deutsche Staatssekretär v. Kiderlen-Wächier dem russischen Minister des Aeußern auf seiner Durchreise nach Petersburg ohne Wissen des russischen Botschafters Osten-Sacken und gegen den Willen Ssasonows eine Zusammenkunft in Berlin förmlich aufgezwungen habe.
— „Grenzboten" contra „Post". In Berlin fand gestern der Privatbeleidigungsprozeß des Herausgebers des „Erenzboten" C l e i n o w gegen den verantwortlichen Redakteur der „Post" Dr. Müller statt. Das Amtsgericht Berlin Mitte erkannte auf Freisprechung und legte die Kosten des Verfahrens dem Privatkläger auf. Der Vorwurf, die „Post" stehe im Solde der Gebrüder Mannesmann und treibe deren Politik, führte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung aus, sei so schwer, daß eine Abwehr erforderlich gewesen sei. Dem Angeklagten stehe der § 193 des ^Strafgesetzbuches zur Seite. Die Form sei wohl etwas scharf, doch könne die Absicht einer Beleidigung darin nicht gefunden werden. Im Laufe des Prozesses erklärte der Privatkläger, der Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter werde bereit sein, über die Vorgänge während der Unterredung mit den Herren vom Alldeutschen Verband vor Gericht auszusagen. Schließlich kam es jedoch ohne Zeugenvernehmung zu dem gemeldeten Freispruch.
— Unser« Kolonie Togo. Die Ausfuhr der wichtigsten Landeserzeugnisse über die Seegrenze im Monat Oktober 1911 im Schutzgebiet Togo beliefen sich an Palmkernen auf 1 525 506 Klg., an Palmöl auf 345 353 Klg., an Mais auf 1680 Klg., an Kautschuk auf 17 401 Klg., an Rohbaumwolle auf 4466 Klg., an Kopra auf 43 961 Klg., an Kakao auf 31179 Klg. Die fortschreitende wirtschaftliche Entwicklung dieser Kolonie ergibt sich aus der erfreulichen Tatsache, daß die Ausfuhr aller Produkte eine nennenswerte Steigerung gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres haben.
Ausland.
* * Tripolis. Rom, 3. Jan. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Tripolis vom 2. Januar abends 11 Uhr: Die Kavallerie nahm bis 10 Kilometer südwestlich von Ain Zara Erkundungsritte vor, ohne indessen vom Feinde Spuren zu finden.. Das Torpedo- bckbt „Cigno", das eine Fahrt an der Westküste machte, gab sechzig Granaten auf ein bei dem Fort Forcoa befindliches feindliches Lager ab und trieb zahlreiche Bewaffnete, darunter einige Reiter in die Flucht.
* * Meuterei. Portsmouth, 3. Jan. Im Lager von Longmoor in der Nähe von Petersfield (Grafschaft Southampton) brach cm Silvesterabend eine Meuterei aus, die erst jetzt bekannt wird. Es
Kinder, die ich erziehen darf, wie ich will, wo mit kein Schul- menfch drein zu reden hat."
Die letzten Worte brachten Leben in Fräuleins Schraube Wesen.
„Aber Eiita, Gitta — wie kannst du so unweiblich reden," rief sie entsetzt.
Gitta blieb stehen und atmete tief auf. Wenn Fräulein Schraube „Gitta" zu ihr sagte, war sie ernstlich böse.
„llnweiblich? Ist es unweiblich, daß ich mir Kinder wünsche? So ein süßes, kleines Mädchen mit blonden Locken und Grübchen in den Wangen. Oder ein Bub', ein wilder, trotziger kleiner Kerl, der durch nichts zu zügeln ist als durch liebe Worte."
Fräulein Schraube schüttelte den Kopf, ganz starr vor Staunen.
„Kind, — so kenne ich dich nicht, so will ich dich nicht kennen. Du bist doch von Sinnen, so was spricht man doch nicht aus," sagte sie ganz außer sich.
Gitta riß sich gewaltig zusammen. Wie hatte sie sich nur so gehen kaffen können vor ihrem gutmütigen, aber etwas altmodischen Schräubchen. Sie setzte sich aufatmend nieder.
„Nein, Schräubchen, du hast recht. Sei heute nicht so streng mit mir. Ich bin wirklich ein bißchen auseinander."
Das alte Fräulein war schnell wieder gut. Und nun sie sich von ihrem Schrecken erholt hatte, erwachte neben Teilnahme und Unruhe die Neugier.
„Nun sag mir doch wenigstens, wie du dazu kamst, dich zu verloben. Mit wem denn?"
„Kannst du es denn nicht taten? Hast du denn noch nicht gemettt, daß ich Einen gern habe?"
Fräulein Schraube schlug die Hände wie im Schreck zusammen.
.Doch nicht der junge Herr Feldhamrner, der mH seiner Mutter unten im ersten Stock wohnt?"
Gitta nickte erglühend.
„Ja — er. Jetzt sage aber noch nichts; jetzt mußt du erst alles, hübsch der Reihe nach, hören. Asso: du weißt doch, daß ich morgens, wenn ich zur Schule gehe, oft mit ihm auf der Treppe zusammengetronen bin. Wir haben fast denselben Weg, wenn er nach seiner Fabrik geht. Du weiht, er ist Zeichner tu einer Tapetenfabrik."
(Fortsetzung folgt)
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