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nut dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen-Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

DieObrrhrssischr Zenung" erscheint täglich mit Ankn-ch ne bei nn» und Feiertage. Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 9.25 JH (ohne Bestellgelds, bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 '* frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. 8. Koch (Inh.: Dr. Hiberoth), Markt 21. Telephon 55.

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Marburg

Donnerstag, 4 Januar

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47 Jahrg.

1912.

Erstes Blatt."

Hc>r l'n$, der französische Hauptmann und Spion, der bekanntlich aus der Festung Glatz entwichen und in Paris eingetroffen ist, beginnt in Frankreich die Rolle eines nationalen Helden zu spielen. Es ist das bei der leichten Begeisterungsfähigkeit unserer westlichen Nachbarn für alles, was uns unangenehm sein kann, weiter nicht zu verwundern. Lange Berichte über die Einzelheiten der Flucht zieren die Spalten französischer Blätter, obwohl ein großes Ge­heimnis darüber ruht, denn im allgemeinen ist der Hergang bereits in den deutschen Zeitungen bekannt.

Wie aus Paris gemeldet wird, beobachtet man jetzt in mili­tärischen Kreisen bezüglich der Einzelheiten der Flucht des Haupt­mann Lux Stillschweigen, Lux begnügte sich einem Bericht­erstatter gegenüber mit der Versicherung, daß er ohne jede Mit­wirkung eines Deutschen entkommen sei. Einzelne Blätter wißen gleichwohl sehr ausführlich zu erzählen, in welcher Weise Lux seine Flucht bewerkstelligt habe. Sie sei von den Kameraden des Haupt­manns Lux vorbereitet worden. Lux sei durch Brief-, die zum Teil mit sympathischer Tinte geschrieben waren, von t-n zur Be­günstigung seiner Flucht getroffenen Maßnahmen verstö''digt wor­den. Regelmäßig seien an Lux mit dicken Schnüren umwickelte Zeitungspakete gesandt worden. Diese Schnüre habe Lux sorg­fältig gesammelt und daraus allmählich eine Strickleiter her­gestellt. Ferner habe man Lux Eeschichtswerke gesandt, die die AufschriftBibliothek der Offiziere des 30. Infanterie-Regiments" trugen. In den Deckeln dieser Bücher befanden sich Banknoten und Feilen. Auf diese Weise sei Lux in den Besitz von 500 Franks und vier Feilen gekommen. Durch die geheime Korrespondenz wurde er auch davon benachrichtigt, daß zwei Fluchtpläne ins Auge gefaßt seien, der eine, um an die russische, der andere, um an die österreichische Grenze zu gelangen. Schließlich sei vereinbart wor­den, daß in der Nacht vom 28. Dezember ein Automobil an einem bestimmten Platz auf ihn warten werde. Lux habe bei seiner Flucht die größte Kaltblütigkeit und den größten Mut bewiesen. Er habe zwei Türen gesprengt, einen Eitterstab durchsägt und sich an der Strickleiter von einer 5 Meter hohen Mauer herabgelasien und über ein fast drei Meter hohes Gitter steigen müßen, das von einer Schildwäche beobachtet wurde. Eine Viertelstunde später fei Lux mittels eines von einem Ungarn geliehenen Automobils über die österreichische Grenze gebrockt worden.

DerMatin" schreibt, daß man sich in Frankreich damit be­schäftigt habe, die dem Hauptmann Lux von der deutschen Gerichts­behörde auferlegten Prozeßkosten im Betrage von 8000 <M. aufzu­bringen, dies sei selbstverständlich nunmehr überflüssig geworden. Lux habe durch seine Flucht Frankreich einen großen Dienst ge­leistet. Er habe nämlich während der Gerichtsverhandlung alle Agenten der deutschen Geheimpolizei zu Gesicht bekommen. Diese könnten in Zukunft nicht mehr benutzt werden, da sie nunmehr dem französischen Nachrichtenbüro bekannt wären. Es heißt übrigens, daß Lux, der früher dem Nachrichtendienst in Belfort zugeteilt war, nach Paris versetzt werden solle. Mehrere Blätter haben eine Sammlung eingeleitet, um Herrn Lux zur Erinnerung an seine Flucht irgend ein Kunstwerk zu überreichen. Auch wird darauf hingewiesen, sich in Elatz im Dezember ein französischer Sprach­lehrer niederließ, der zusammen mit einem Engländer Unterricht erteilen wollte. Er wohnte in demselben Hotel, aus welchem dem Hauptmann Lvx die Speisen geliefert wurden. Er ist auffallender Weise kürzlich aus Glatz verschwunden. Weiter wird gemeldet: Sämtliche an Lux gerichteten Zeitungssendungen wurden geöffnet und Lux ohne Verpackung überreicht: ebenso wurden die Einbände der ihm Mergebenen Bücher ausgeschnitten, um zu kontrollieren, ob zwischen den Pappscheiben sich irgendwelche Gegenstände be­fänden.

Von Interesse sind die Ausbrüche des französischen Chauvinis­mus bei dieser Gelegenheit. Bringt es doch ein Blatt sogar fertig, in der Flucht ein gutes Vorzeichen für die Rückeroberung von Elsaß-Lothringen zu erblicken. Für uns haben natürlich diese Gefühlsausdrücke nur insofern Wert, al« sie wieder einmal vor Augen führen, wie wenig sich im Grunde die Revanchestim­mung in Frankreich uns gegenüber geändert hat.

Etwas anders muß man freilich den Empfang betrachten, den der Kriegsminister Herrn Lux hat zuteil werden laßen. Herr Messimy soll nach einer offiziösen Meldung erklärt haben, er habe den ihm von dem Eeneralstabschef Dubail zugeführten Haupt­mann Lux im amtlicher Audienz empfangen und vor anderen Offizieren zu seiner Flucht beglückwünscht. Es muß zur Ehre Frankreichs erklärt werden, daß dieses Verhalten doch nicht überall gebilligt wird. DerFigaro" tadelt das unpolitische und un­diplomatische Verhalten des Kriegsmi nisters und des Eeneralstabs- chefs, die Lux amtlich empfingen und beglückwünschten, obwohl er die Gesetze eines benachbarten Staates, mit dem Frankreich im Friedenszustande lebt, verletzt hat. Alle Welt scheine hier ihre Pflicht verkannt zu haben. Und die ffiziöseAgence Havas" ver­öffentlicht folgende Rote: Von verschiedenen Seiten sind ein Empfang oder festliche Veranstaltungen zu Ehren des Hauptmanns Lux angekündigt worden, und einige Zeitungen haben sich an­geschickt, für ihn Sammlungen zu veranstalten. Diesen Meldungen gegenüber können wir erklären, daß Hauptmann Lux den Befehl erhalten hat, sich jeder Art von Kundgebungen, welchen Charakter sie auch immer haben mögen, zu entziehen.

Die übrige französische Preße und das französische Volk ist leider anderer Meinung. Aber das Verhalten des Ministers selbst

muß doch helles Erstaunen wachrufen. Herr Lux ist Offizier. Bisher war es üblich, daß mit Rücksicht auf den Rang des Offi­ziers im internationalen Verkehr gelinde Strafen verhängt wur­den. Voraussetzung dabei war natürlich, daß der Offizier still­schweigende Verpflichtungen übernimmt. Ein deutscher Offizier, der unter diesen Umständen entwiche, dürfte nicht yom Krtegs- minister empfangen werden, dürfte auch im Kreise seiner Kame­raden erstauntere Gesichter vorfinden al« Herr Lux in seiner Gar­nison. In Frankreich hat man offenbar andere Vorstellungen vom Ehrenstandpunkt, und es ist müßig, darüber streiten zu wollen. Notwendig ist aber, daß wir unsere Maßnahmen den anderen Vorstellungen unserer westlichen Nachbarn anpaßen. Wenn die Herren Franzosen nicht begreifen, warum wir über fremde Offi­ziere Festungshaft verhängen, so gibt es nur den einen Ausweg, für französische Spione in Zukunft nur den Ort zu wählen, wo sie hingehören das Zuchthaus. .

Das Ehrenwort des Hauptmanns Lux.

Hauptmann Lux erklärte mit Würde, daß ihm nicht 'das große Ostiziersehrenwort bei seiner Inhaftierung auf der Festung Elatz abge- nommen worden sei. Damit bekundet der französtsche Hauptmann, wie der KorrespondenzHeer und. Politik" von militärischer Seit« geschrieben wird, eine Auffassung, die für einen Offizier geradezu erstaunlich wirkt. Festungsstrafe ist eint Ehrenstrafe, die nur für Ehrenmänner besteht. Ausdrücklich ist darauf hingewiesen, daß sie in bloßer Freiheitsentzieh­ung mit Beaufsichtigung der Befchättigung und Lebensweise der Ee- fangenen Anwendung finden darf. Diese Bestimmungen des Strafgesetz­buches für das deutsche Reich setzen ein Vertrauen voraus, das natürlich nur durch das Wort des Inhaftierten, sich den Vorschriften und Gesetzen der Festungshaft fügen zu wollen, möglich gemacht wird. Wer das bei Antritt der Festungsstrafe gegebene Wort bricht, hat das in ihn gesetzte Vertrauen aufs gröblichste mißbraucht und sein Wort gebrochen. In welchem Umfange man in Deutschland gewöhnt ist, dem Worte eines Mannes völlig zu vertrauen, geht daraus hervor, daß Festungsgefangene nicht nur die Freiheit bekommen, in der Festungsstadt spazieren zu gehen oder allerlei Geschäfte zu erledigen, sondern auch auf Wort für viele Tage entlaßen werden. Irakern aber ist bisher die Flucht eines Festungsgefangenen nur noch In einem einzigeen Falle am Anfang der 70 erIahre erfolgt, und auch in diesem Falle war es ein französischer Offizier. Der Triumph Frankreichs über ihren neuestenRational­helden" dürfte vielleicht durch diese Feststellungen -in wenig geschmälert werden, oder man müßte annehmen, daß auch im Frieden dem Fran­zosen jedes Mittel recht ist, sich Vorteile zu verschaffen. Dieser Wort- und Vertrauensbruch wird, wie wir schon ftüher meldeten, auf künftige Fälle nicht ohne Einfluß bleiben. Die Ehrenstrafe für Festungshaft für ftemde Spione dürfte, auch wenn die Spione Offiziere find, durch die Flucht des Hauptmanns Lux ihren Todesstoß erhalten haben, da die deutsche Iusttz einen weiteren Mißbrauch mit dem Vertrauen, das sie in» di« Ehre von Männern set, nicht dulden kann.

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Miijlffr am Kaiser bo^e

Berlin, 1. Jan. Den Beginn der Neujahrsfeier am kaiser­lichen Hofe bildete auch in diesem Jahre das große Wecken. Der Kaiser und die Kaiserin hatten um 8/2 Uhr das Neue Palais im Automobil verlaßen- und trafen um 914 Uhr hier ein, vom Publi­kum mit Hurrarufen begrüßt. Um 9% Uhr empfing der Kaiser den kommandierenden General des 18. Armeekorps, General der Infanterie v. Eichhorn, und den Eeneralkapftän der Haustruppen, General der Kavallerie v. Scholl, im St-.-rn-aal und verlieh beiden den Schwarzen Adlerorden. In der Sckwarzcn Adler-Kammer nahm das Kaiserpaar dann die Glückwünsche des Königlichen Hauses entgegen, im Kapitelsaal diejenigen der Hofstaaten. Um 10 Uhr begann in der Schloßkapelle der feierliche Gottesdienst. Der Kaiser führte beim Eintritt in die Kapelle die Kaiserin, dann folgte Prinz Rupprecht von Bayern mit der Prinzessin Friedrich Leopold, Herzog Albrecht von Württemberg mit der Prinzessin Viktoria Luise und die übrigen Prinzen und Prinzessinnen. Nach dem Gottesdienst begab sich das Kaiserpaar nach dem Weißen Saal zur Entgegennahme der Eratulations-Defiliercour. Nach der Cour nahm der Kaiser die Glückwünsche der Botschafter entgegen, darauf die des Staatsministeriums und empfing dann die kom­mandierenden Generale und Admirale, mit denen sich die Geueral- feldmarschälle und Eeneraliuspektoren, der Kriegsminister, der Chef des Eeueralstabs, der Staatssekretär des Reichsmarineamts und der Chef des Admiralstabes vereinigt hatten. Der Kaiser empfing ferner den von Tripolis zurückgekehrten Major Wilckens und nahm die Meldung des amerikanischen Marineattachees Rjdlas entgegen. Die Kaiserin empfing im Königinnenzimmer die Botschafter und später im Pfeilersaal die Fürstinnen. Um 123,4 Uhr begab sich der Kaiser zu Fuß nach dem Zeughaus zur Paroleausgabe und nahm dort militärische Meldungen entgegen.

Deutsches Reich.

Dom Kronprinzen. Danzig, 2. Jan. Der Kronprinz tritt heute abend seine Reise nach Berlin an. Im Gefolge befinden sich der Kammerherr Behr und der persönliche Adjutant Major Graf Solms. Die Erkältung ist fast ganz behoben.

Das Schiffahrtsabgabengesetz. Berlin, 2. Jan. Der Reichsanzeiger", veröffentlicht den Wortlaut des Schiffahrts- abgaben-Eesetzes. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes wird durch kaiserliche Verordnung festgesetzt.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt mit: In den Preßberichten über die Verhandlungen in der ftanzösischen Senats- kommisfion wurde behauptet, der Staatssekretär des Auswärtigen habe in Gesprächen mit dem französischen Botschafter in Berlin, Cambon, die Besetzung von Mogador gefordett. Wir find zu der Feststellung ermächtigt, daß eine solche Forderung niemals gestellt wurde.

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Die deutsch-euglische» Beziehungen. London, 2. JanDaily Telegraph" schreibt: Soweit wir die Tendenzen der öffentlichen Meinung interpretieren können, lehnt sich die Mehrheit der Engländer mehr und mehr dagegen auf, irgendwelche weitere ernste Unterbrechung unserer richtigen und normalen Beziehungen zu Deutschland zuzulassen. Da, ist eine neue Note bet internationalen Politik, die mit unverkennbarer Deutlichkeit ertönt. Die Entdeckung, die mit kürzlich machten, daß wir int letzten Herbst am Rande eines Krieges standen, hat den ttiegerischen Geistern unter uns ein-n nützlichen Shock gegeben. Das Blatt wendet sich gegen einen Artikel des Professors Zorn in betKölnischen Zeitung". Er bezeichnet die kürzliche Aeußerung des Professors Delbrück,- England habe im Sommer beabsichtigt, ohne formelle Kriegserklärung über Deutschland herzufallen, als reine Legende und fährt dann fort: Wenn so zwei Rationen grundlose Erdichtungen übereinander erfinden können, muß etwas geschehen, um die Atmosphäre zu reinigen, die so mit de» Elementen gefährlichen Mißtrauens geladen ist. Das ist die unserer Diplomatie in den nächsten Monaten wartende Aufgabe. Es ist absurd, anzunehmen, daß England und Deutschland immer nebeneinander leben sollen, ohne durch gegenseitige Vereinbarungen die natürlichen Interessen der beiden Länder zu sichern.

Eine gute Antwort. Der Reichstagskandidat der vereinigten nationalen Parteien im 2. Berliner Reichsagswahlkreise, Herr Franz Melcheke, bekam vomBrandenburgiscken Provinzialverein für Frauen­stimmrecht" eine ganze Reihe von F-agen vorgelegt, wie et sich grund­sätzlich zum Frauenstimmrecht stelle. Er antwortete daraus kurz und bündig:Ich bin weder prinzipiell noch sonstwie dafür, daß die Frau mehr als jetzt schon leider geschieht, ihren häuslichen Pflichten, vor allem ihren Muiterpflichten entzogen wird. In aller und großer Verehrung für die Frau wirkt für mich jede Frau, die sich öffent­lich der Gefahr aussetzt, von Hinz und Kunz beschimpft zu werden, ge­radezu abschreckend und abstoßend. Gott bewahre uns vor noch mehr solcher Frauen.

Der Abgeordnete Müller-Meiningen und seine Kollegen. Durch die Presse geht die Nachricht, daß der bekannte Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises Sachsen-Meiningen I, Landgerichtstat Dr. Heinrich Ernst Müller unlängst durch die bayerische Abteilung des deutschen Richterver- bandes von der Mitgliedschaft ausgeschlossen worden. Der Aus­schluß sei erfolgt auf Antrag eines jungliberalen Amtskollegen bet Dr. Müller und zwar wegen der vielen, bis jetzt ohne Beweis geblie­benen Angriffe, die Dr. Müller-Meiningen im Reichstage gegen unseren Richterstand erhoben hat. Nun erklärt aber Dr. Müller selbst diese Be­hauptung für völlig unwahr in all ihren Teilen. Er gehöre zwar dem Richterbunde nicht mehr an, sei aber nicht ausgeschlossen worden, fon- dem habe seinen Austrittfreiwillig erklärt", als ihm klar wurde, daß feine Stellungnahme zur Frage der Laienrichter im Gegensatz zu der An­schauung seiner Richterkollegen stände. In Wirklichkeit kommt dies aus dasselbe heraus.

Irrtum oder Reklame? Die Nachricht, daß Iatho in Köln zu seinen Versammlungen keine Säle mehr bekommen könne, wird jetzt vom Verein für evangelische Freiheit" dementiert. Die Ablehnung sei nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern lediglich mit Rücksicht auf die Karnevalssitzungen erfolgt. Im übrigen werde Iathos Tätigkeit in Köln in der alten Weise fortgesetzt. Eigenartig ist nun, wie dieD. Tagesztg." meldet, daß die Meldung von der grundsätzlichen Saalver- roeigerung von bet Iathopresse selber in die Welt gesetzt worden ist.

Das entrüsteteBerliner Tageblatt". Dienationale" Gesinnung desBerliner Tageblattes" ist sattsam bekannt. Der Landrat Dr Hegenscheidt-Hoyerswerda hat nun in einem Flugblatt gegen den Fort, schrittlet Goldschmidt das Blatt folgendermaßen gekennzeichnet:Nun kann man allerdings einwenden, daß die Richtung desBerliner Tage­blattes", dessen vaterlandslofe Gesinnung ja sattsam bekannt ist, im Freisinn nicht unbedingt ausschlaggebend ist. Eicher aber ist, daß bet Weißwassersche Freisinn, auf besten Förberung bie Unterstützung bet frei­sinnigen Kanbibatur im Wahlkreise Rothenburg-Hoyerswerba praktisch hinauslaufen würbe, im Fahrwasser besBerliner Tageblattes" segelt." Diese Auslassung quittiert basBerliner Tageblatt" in fürchterlicher Entrüstung also:Da nach bem Motto bes lanbrätlichen Wahlflug­blattes jede Arbeit ihres Lohnes Wert ist, so haben wir Henn Landrat Dr. Hegenscheidt-Hoyerswerda wegen verleumderischer Besatzung ver­klagt."

Ausland-

* * Das Befinden Kaiser Franz Josefs. Wien, 1. Ian. Der Kaiser, dessen Befinden ausnehmend gut ist, empfing heute vormittag zunächst den Thronfolger allein und sodann bie Erzherzoge Peter Ferdinanb, Leopold Salvator, Friebrich unb Rainer unb nahm Glückwünsche zum Jahreswechsel entgegen.

* * Die Revolution in China. Peking. 2. Jan. Puanschikai war heute im kaiserlichen Palast. Wie bas Auswärtige Amt erklärt, stellte ihm bie Kaiserinwitwe 3 Millionen Taels zur Verfügung. Biele An­zeichen sprechen dafür, baß die Nordarmee darauf brennt, den Kampf wieder aufzunehmen. Kalgan, 2. Jan. Die Fürsten bet Südmongolei, die bet Dynastie ergeben find, haben einstimmig beschlossen, bie Regie­rung im Kampfe gegen bie Revolution zu unterstützen, im Falle bet Er­richtung der Republik von China abzufallen unb sich für unabhängig zu erklären. Wie bie Regierung bekannt gibt, haben 4000 Revolutionäre gestern Abend Hankau angegriffen. Der Kamps bauert an. Die Kaiser­lichen finb erfreut, baß bet Abschluß der Verhandlungen, der, wie man annimmt, unzweifelhaft den Sieg der Republikaner bedeutet hätte, ver­mieden wird.

* * Persien. Täbris, 2. Jan. Ein gestern eingesetztes Feldgericht oeturteilte den Agitator Scheich Selim, einen einflußreichen Mullah, den Führer Ibrahim und fünf andere Perser, wegen der Ueberfätte auf die russischen Truppen zum Tobe. Das Urteil würbe gestern nachmittag in Anwesenheit einer großen Volksmenge vollstreckt. Köln, 2. Jan. DerKöln. Ztg." wirb aus Berlin berichtet: Die Wetschebrje Wremja behauptet, daß bet deutsche Konsularagent in Täbris, ein bekannter Förderer bet Revolution, in Täbris Barrikaden gebaut unb sich al» Führer bet Revolutionäre enthüllt habe. Diese Behauptungen stnb Er- finbungen. Auch von russischer Seite wirb betont, daß sie erfunden sind.

* * Tripolis. Tripolis, 2. Ian. (Agenzia Stefani.) Gestern wurde» die Konsuln, bie städtischen Behörden, an ihrer Spitze Hassuna-Pascha, ferner die Scheichs der Stämme^Sahel unb Meittcha, eine Abordnung bet Israeliten, die Rotabeln der Stabt, sowie bie Militär- unb ZiyilbeHör­den von General Caneva empfange«, dem sie ihre Glückwünsche da»-