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1912.
nie wieder gesehen hatte.
lFortsetzuag felgt.)
Marburg
Mittwoch, 8 Januar
Bestellungen
für den Monat Januar 1912
aus die „Oberhefsisch « 3 eitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt. Wetter, Ebsdorf, Hachb»rn, Heskem-Mölln, Leidenhofen, Drei« Haufen« Wittelsberg, Elnhaufen, Riederwei« mar, Niederwalgern, Damm, Lohra und Eiffel« berg sowie von allen Postanstalte« und Landbriefträgern entgegengenommen.
Tie „Eberijefl-fttie Zeitung- erlcheint täglich mit «uknahme der een»« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 5.25 Jt (ohne Bestellgeld>, oet unseren Zeitungsstellen und der Erpedition'(Markt 21) 2.00 Jt frei in« Hau». (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerle, Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. kl. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
Posadowsky oder Seveünst?
Unter dieser Ueberschrift beschäftigt sich Herr Dr. Heinz Potthof der bisherige Reichstagsabgeordnete von Waldeck-Pyrmont in dem „Berl. Tagebl." mit der Frage, ob es angebracht sei, einen so hervorragenden Politiker wie den Grafen Posadowsky oder den Eewerkschaftssekretär Severing, einen der jüngsten und unbedeutendsten Sozialdemokraten zu wählen. Er kommt nun zu folgendem Resultate seiner „scharfsinnigen" Untersuchung:
„Rur naive Seelen können von einem Reichstagsabgeordneten Posadowsky liberale, soziale oder fortschrittliche Taten erwarten. Den Mann in Ehren! Aber im Reichstage ist er unser Gegner, ein Hemmschuh des Fortschritts. Die Wertschätzung seiner Person darf nicht zu einer Verwischung der klaren Entscheidung führen, vor die das Volk ani 12. Januar gestellt ist: rechts oder links? Hinter der einen Kernfrage einer stärkeren Demokratisierung unseres Staatslebens tritt alles andere zurück. Deshalb kann für einen liberalen, einen fortschrittlichen Wähler die Parole nicht anders lauten: Gegen rechts!!
Schema F! Aller Logik und besieren Einsicht zum Trotze soll, wenn e« noch Herrn Potthof ginge, das Parteidogma zu? Richtschnur im kommenden Wahlkampfe gemacht werden.
sinnige eines derartigen Verlangens richtet sich von leihst. Me- merkönswert — so schreiben dazu die „Seipz. R. N." — ist nur noch, daß Herr Potthosf nicht nur den Grasen Posadowsky faL stellt, sondern ganz allgemein behauptet, „große Männer seien unter den heutigen Verhältnissen im Reichstagüberhaupt „ntchtamPlatz e". Hier bleibt - dem Leser überlasten, den logischen Zusammenhang mit der Tatsache zu finden, daß auch Herr Potthoff, der nicht mehr kandidiert, im Reichstag „nicht mehr am Platze" ist. Herr Potthoff konnte sich nicht bester kennzeichnen."
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DasMarolloMommen der franz dennlskomnnssion
P a r i s, 30. Dez. Meline richtete an die Regierung die Anfrage bezüglich der zukünftigen Organisation Marokkos und erinnerte daran, daß die Regierung damals, als er Ministerpräsident war den Vorschlag, der für die marokkanische Expedition gemacht wurde, aufgegeben habe, weil die Expedition zu viel Opfer an Waffen und Geld forderte. Man wollte nicht so ausgedehnte militärische Operationen wagen, die der nationalen Verteidigung nachteilig hätten werden können. Meline ist der Meinung^aß die Kommission nicht nur den Ministerpräsidenten und den Minister des Aeußern, sondern auch den Kriegsminister werde baren muhen.
Ribot erinnerte, daß er die Regierung um Ausschluß ersuchte über die Möglichkeit, das Abkommen mit Deutschland und den Protektoratsvertrag mit dem Maghsen gleichzeitig zur Abstimmung zu bringen. Die Kommission beauftragte PioncarS, alle von Meline und Ribot angeregten Fragen vorzulegen und alle Schriftstücke und Aufschlüste über die Vergangenheit soweit sie nützlich sein sollen, zu fordern. Zu Beginn der Sitzung hatte Caillaux die Regierung entschuldigt, daß sie nicht in der Lage sei, ihre Mitteilungen heute vor der Kommission fortzusetzen, sie sei in der Kammer durch die Debatte über das Finanzgesetz zurückgehalten, an der sowohl er als seine Kollegen teilnehmen müßten. — Am 9. Januar sollen die Sitzungen der Kommission wiederaufgenommen werden. — Monis hatte am heutigen Nachmittag eine lange Unterredung mit den Abgeordneten Dumont, Constance und Perrier, mit denen er die Frage prüfte, ob es angebracht sei, auf den Brief Cruppis sofort irgend etwas zu veranlasten. Sie waren der Ansicht, es fei bester, den Wiederzusammentritt des Parlaments abzuwarten, bevor man die Opportunität einer Kundgebung ins Auge faste. — Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, hat Caillaux in einer Unterredung mit dem Obmann der Staatskommission, Bourgeois, auf die Unzukömmlichkeiten hingewiesen, welche die in der Presse veröffentlichten Indiskretionen und teilweise unrichtigen Darstellungen über die Kommissionsverhandlungen haben könnten, insbesondere, insoweit es sich dabei um diplomatische für das Gelbbuch bestimmte Schriftstücke handele. Bourgeois soll bemerkt haben, daß sich die Senatskommisfion gleich zu Beginn der Verhandlungen einstimmig gegen deren Geheimhaltung ausgesprochen habe. — Einer Blättermeldung zufolge sagte Clemenceau nach Verlesung des Schreibens Cruppis, falls Cruppi recht habe, müsse man Cambon absetzen. — Die Bemerkungen des ehemaligen Ministerpräsidenten Meline, welche auf die Senatskommisfion sichtlichen Eindruck machten, lauteten etwa wie folgt: Es sei unerläßlich, die Regierung über die wirtschaftliche und militärische Organisierung des marokkanischen Protektorats zu befragen. Zunächst müste geprüft werden, in welcher Weise ein Protektorat eingerichtet werden könne. Die Einnahmen eines Protektoratlandes beruhen auf Zöllen und inneren Steuern. In Marokko würden die Zölle für das Budget nichts ergeben und für die Steuerleistung kämen nur iy2 Millionen Marokkaner in Betracht. Roch wichtiger sei die Frage der militärischen Organisierung. Gegenwärtig stehen in Marokko 54 000 Mann. Man müste misten, welcher Art die etwa von der Regierung geplante Expedition sein werde, und ob die Wiederbesetzung Marokkos nicht die nationale Verteidigung schädige. General Billot habe seinerzeit als Kriegsminister festgestellt, daß eine bloße Säuberungsexpedition nach Algerien, bei welcher es sich nicht um Eroberungen, sondern lediglich um den Schutz dieses Landes handle, 25 000 Mann und 60 Millionen Franks erfordere.
Der Brief Cruppi« an Caillaux und Monis.
Paris 30. Dez. Bei Beginn d-»r der Senatskommission zur Prüfung des deutsch-sranzösifchLN Abkommens verlas der Ministerpräsident den angekündigten Brief Cruppis. Die Verlesung rief lebhafte Protestrufe hervor. Der Ministerpräsident begab sich, ohne daraus zu antworten, in die Kammer. Der Brief .lautet: In meinen mit unserem Botschafter in Berlin im Juni gepflogenen Unterhaltungen berührte ich nie eine Frage, die nicht
leuchtete sich ins Gesicht. Scharf betrachtet« sie die Einzelheiten desselben und ein wenig Lächeln huschte dabei um ihren Mund.
Schön bist du nicht, Gitta; hast keine griechische Nase und keine klastischen Züge. Entschieden slavischer Typus; das verraten di« breiten Backenknochen und die niedere Stirn, trotz deines ehrwürdigen Alters von 25 Jahren. Selbst das kleine Uninutsfältchen ist jetzt verschwunden, welches dir der Aerger über die Nörgelei deiner Schulbehörde hineingegeben hat. Und Kinn und Wangen sind bleich und rund — ein bißchen bläßlich zwar für aewödnlich; aber heute, — ach heut« blühen Rosen daraus. Weil heute heißes, lackendes Leben dahinter pulsiert und das Blut rascher durch die Adern jagt. Und die Augen, was hast du h-uie für blanke braune Augen. Ist es nickt, als wäre ein grauer, häßlicher Schleier fortgezogen worden von deinem Antlitz? Und der Mund, — laß dock sehen, wie sieht dieser Mund aus?
Sie betrachtete ihn fast andachtsvoll, den roten, schön geschweiften Mund. Wie seltsam verändert erschien er ihr. Verschwunden waren di« herben müden Linien, die sonst die Mundwinkel herabzogen. Er lächelte so süß geheimnisvoll. Ihre Augen ruhten glückselig auf diesem lebensfrischen, l«ben-du.7stigen Mund, der wie durch Zanbergewalt verändert schien und dem Mädchenantlitz ein ganz anderes Gepräge gab.
Heiß« Ryte überflutet« ihr Gesicht. Schnell stellt« sie die Lampe auf den Tisch und trat än das Fenster. RiN ein schmgler Streifen des Himmels war zu sehen, da enge hohe Mauern den Hof umgäben, nach dem hinaus ihr Fenster lag.
Aber ihr dankbarer hoffnungsfreudiger Blick sah eine Menge blinkender Sterne. Sie preßte die Hände zusammen wie im Gebet.
So stand sie in sich versunken, bis die Tür geöffnet wurde.
„Kommst du denn nicht zum Esten hinüber, Kindelchen?" ftagte ein« dünne hohe Sopranstimme.
Auf der Schwelle stand eine kleine, zierliche Person von etwa 50 Jahren. Sie trug ein fest anliegendes graues Kleid, welches die hagere Gestalt wie ein Futteral umschloß und deren vollendete Reizlosigkeit zur jedenfalls ungewollten Geltung brachte. Unter dem Kinn am Kleiderkragen war eine große, hockrote Schleife befestigt. Mit dieser unglaublich roten Schleife harmonierte ein neckisches Tändelschürzchen mit garnierten Achselbändern und ein großer, moderner, mit Flitter besetzter Schmuckkamm, der sich in dem dünnen, grauen Haar grotesk genug aus- nabm. Es war Fräulein Julia Schraube, Gittas Pension»- und Pf-ege- mutter, bei der die junge Lehrerin fett dem Tod« ihrer Muter liebevolle Aufnahm« gefunden hatte.
Sie hatte mit ihrer kränklichen Muster, einer Beamtenwttwe, in demselben Haus« mit Fräul«in Schraube gewohnt. Sitte hatte ihr
/AUF- ---v-oee " Rachdr. verboten.
Unser Weg nina hinauf.
Roman von H Courths-Mahler.
Gitta zündete mit bebenden Händen di« Lampe an. Es war eine kleine schlichte Petroleumlampe mit buntem Majolikastiß und breitem Milckalasschirm. Sie beleuchtet« nur spärlich den schmalen Raum, der Gittas Wohnung war, Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer in «rnem vereint
Ein schwacher Schein siel in d«n Winkel, wo das schlichte Bett stand, mit einer sauberen, weißen Decke behangen. Hinter dem Tisch.stand ein altersschwaches Sofa, besten Sitzfläche durch ein sarbtges Platd bedeckt war.
Neben dem Kleiderschrank war in der Ecke am Fenster aus «tuet Kiste und einigen Metern Kattun ein Toilettentisch hergestellt worden. Ein Waschgestell und einig« Rohrftühl« vervollständigten dte bescheidene Einrichtung. Tadellos sauber und ordentlich sah es aber trotzdem oms. Am einzigen Fenster hingen blendend weiß«, wenn auch mit unendltcken Fließen und Stopfen versehene Tüllvorhäng« und auf dem Tisch, l^r oie Campe trug, lag eine saubere Deck? von zusammengenähten bunjep. . tüchern. .
Gittas Augen flogen wie geblendet und zugleich verträumt über den schlichten Raum. Er waren große, glänzend« Mädchenaugen mit einem goldigen Schimmer auf dem Grunde. Sie sahen aus dem seltsam erregten Gesicht, welches hell von bet Lampe beschienen wurde, wie zwei Stern« heraus. •
Lange stand Gitta Staringer reglos, den strahlenden Blick vor sich in- Leere gerichtet. Ein träumendes Lächeln lag um den roten Mund, besten Lippen sonst so herb und fest geschlosten waren.
Etwas Weiches, Süßes, Geheimnisvolles lag um diesen Mund, der jetzt leise geöffnet war, als wollt« er durstig das Leben einsaugen. Endlich erwachte sie aus ihrer Versunkenheit. Sie nahm den schlichten Hut von dem in glatten Flechten geordneten Haar und legte ihn sorglich in den Schrank. Dann trat sie lächelnd vor den kleinen Spiegel, welcher über dem Waschgestell hing. Sie strich mit beiden Händen über den viel C glatt und fest anliegenden Scheitel, der die reiche Fülle des gold- aunen Haares gar nicht zur Geltung kommen ließ, und betrachtete sich aufmerksam. Sonst pflegt« sie nur flüchtig in das etwas unklare Spiegelglas zu blicken. Heut« lag ein eifriges Forschen in ihren Augen. Die Beleuchtung war indes so schwach, daß der Spiegel ihr Bild nur schattenhaft zurückgab. 'Das genügt« ihr heut« nickt. Sie nahm di« Lamp« und
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhains^IZ und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
im Ministerium geprüft worden wäre. Keine meiner Unterhaltungen mit Cambon bezog fich in irgendeinem Augenblick auch nur andeutungsweise auf die Möglichkeit territorialer Kompensationen oder de« Austausches des Kongo oder anderswo in der Art, wie die Kompensationen, für die wir seither die Verantwortung auf uns genommen haben. Die Instruktionen, die ich dem Botschafter gegeben, die Cambon brieflich ausdrücklich bestätigte und die in amtlichen Telegrammen wiedergegeben wurden, bezogen sich ausschließlich auf die Ausdehnung unserer militärischen Operationen tn Marokko. Die Anschauungen und Absichten, die ich ausdrückte und auf die unser Botschafter anspielte, bezogen sich ausschließlich, wie mir Cambon soeben bestätigte, auf die laufenden wirtschaftlichen und handelspolitischen Fragen, d. h. auf die Eisenbahnen in Marokko und auf Zollschwierigkeiten, deren Regelung meine Verbalnote vom 22. Mai zum Ziele hatte. Ich drückte mein Bedauern aus, daß die Besprechungen, zu denen die Fragen Anlaß gaben, unterbrochen wurden und empfahl unserm Botschafter zu versuchen, die deutschen Absichten zu erforschen. Was die sogen. Ideen anbetrifst, die vielleicht auf eigene Verantwortung in der Kissinger Unterredung formuliert worden sind, so werden sie durch folgenden Satz gekennzeichnet, der den eigentlichen Schluß eines am 22. Mai, d. h. am Tage vor dem Sturz des Ministeriums Monis, geschriebenen Briefes bildet und der am folgenden Tage tn meine Hände gelangte. Diese Ideen sind neu, ich werde sie meiner Regierung unterbreiten, da ich nach Paris gehe.
Deutsches Reich.
— Wann find Wahlstimmen bei Beeinflustung ungültig? Der Straßburger Rechtslehrer Prof. Dr. Rehm hat die aus Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahlen besonders wichtige Frage, ob Wahlbeeinflustung die Ungültigkeit der Stimmen zur Folge hat, in der demnächst erscheinenden Nummer der „Deutschen ^uristen- Zeitung" folgende interestanten Mitteilungen gemacht: Unter allen Fällen, in denen nach unseren Wahlgesetzen und Wahlordnungen Stimmzettel ungültig sind, ist nirgends Wahlbeeinflustung genannt. Trotzdem wäre es unzutreffend, zu behaupten, keine Wahlbeeinflustung, bei der es nicht ein Gesetz ausdrücklich bemerke, bewirke Stimmzettelungültigkeit. Die Wahlprüfungspraxis der Parlamente, in Elsaß-Lothringen der Verwaltungsqerichte, also parlamentarisches und justizielles Gewohnheitsrecht, hat Falle unerlaubter und Stimmanfechtung bewirkender Wahlbeeinflustung zu schaffen. Aber nicht jede Beeinflustung, wie z. V. durch dre Presse, Parteien und Wahlkandidaten machen die Abstimmung anfechtbar, sondern nur bestimmte Arten von Beeinflussung, nämlich jede Beeinflustung, die mit Täuschung und mit Bedrückung verbunden ist. Bedrückung ist nicht bloß Gewalt und Drohung mit Nachteilen, sondern auch das unmittelbare Einwirken aus bestimmte Personen durch weltliche oder geistliche Beamte unter Einsetzung ihres Ansehens, sei es in oder außer dem Amte denn die Amtsstellung verleiht erböhten Einfluß. Die Wahlprufungs- praxis ging sogar noch weiter und sorderte manchmal nur Tatsachen, die geeignet sind, Druck auszuüben, wie z. V. Unterzeichnung des Wahlaufrufs mit Amtstitel und ähnliches Allein diese Praxis schwankte. Daher begründete sie nicht Gewohnheitsrecht.
__Die Flucht des Hauptmanns Lux. Paris, 1. Jan. Hauptmann Lux hat, wie seine Angehörigen erzählen, den Weg über L^^n^e^rnE^Echt'und^wärte^aufeine Änstellüng, als ihre Mutter starb. Sie wär« in große Bedrängnis geraten, wenn Fraulein Schraube sich ihrer nicht angenommen hätte. Mit der Inbrunst,ein«, liebebedürftigen, aber einsamen Frauenherzens hatte das alte Fräulein die Waise zu ihrem Schützling gemacht. Sie nahm Gitta zu sich und teilte mit ihr das kärgliche Einkommen, welches sie hatte bis diese als Lehrerin an einer Elementarschule Anstellung fanK Sie weigerte sich entschieden, für diese Zeit eine Entschädigung anzunehmen trotzdem Gitta aus dem Nachlaß ihrer Mutter, den sie verkaufen mußte, achthundert Mark löste. Sie bestand darauf, daß ihr „Kindelchen wie ®ttta zärtlich nannte, die achthundert Mark auf d'- Sparkaste trug Seit sechs Jahren wohnte Gitta nun bei Fraulein Schraube. Nachdem sie al, Lehrerin festes Gehalt bezog, zahlte Gitta an Fraulein Schraube eiM bescheidene Pension. Dafür bekam sie das kleine Zimmerchen etngeräumt, welches bis dahin eine andere Pensionärin bewohnt hatte wahrend sie, so lange sie nichts zahlen konnte, mit Fraulein Schraub« das Schlafzimmer teilen mußte. _ . ,
Außer Gitta hatte Fräulein Schraube noch zwei Pensionärinnen in ihrer kleinen Wohnung untergebracht, von denen ebenfalls jede «in kleines Zimmerchen bewohnt«.
Fräulein Schraube bezog als. Tochter eines Lehrers aus einer milden Stimm» »in« Leibrente von jährlich fünfhundert Mark. Da, war nevÄi dem wenigen, was ihr die Pensionärinnen einbrachten, ihr ganzes Einkommen Aber sie brachte es fertig, damit auszukommen; und seit fi« Gitta bei sich hatte und ein wenig bemuttern durfte, fühlt« sie fich hochbeglückt von ihrem Dasein.
Nie hatte ein Mann Verlangen gehabt, Julia Schraube sein« Hand anzubieten. Reizlos, wie fie heut« war, war fi« ihr ganzes Leben ge- wesen; ihr gutes, liebevolles Herz hatte nie einer entdeckt. Trotzdem barg auch ihr Leben eine poetisch Erinnerung. Schon als junges Mädchen hatte sie immer eine Vorliebe für bunten Tand gehabt, und sie merkt« nicht, daß man sie damit aufzog. Ein hübscher junger Mann aus ihrer Bekanntschaft, für den sie in aller Stille und Bescheidenheit schwärmt«, hatte eines Tages zu ihr gesagt:
„Ei, Fräulein Schraube, was tragen fi« für ein« herrlich« tot« Schleife. Der Widerschein liegt wie Morgenröte auf ihrem Gesicht.
Es war nur ein Scherz gewesen; aber sie hatte dies« Worte wi« «tn köstliches Gut in ihrem Busen verwahrt; und seit diesem lag« trug st« stets eine rote Schleife. Davon war sie nicht abzubringen, trotzdem eW Junge Mann bald darauf aus ihrem Gesichtskreis verschwand und fie ih«
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