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9Ü7 die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M *1±r- frei ins Haus. - Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ..
1913. i
Buchdruckerei Z. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Freitag, 19. Dezember
Reklamen die Zeile 60 4. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Die „Oberheffifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
ErNes Blatt.
Rundschau.
Bin Streit um die Diamanteuregie.
Die in Deutsch-Südwestafrika gewonnenen Diamanten dürfen von den Förderern nicht direkt verkauft, sondern müssen an die Diamantenregie in Berlin abgeliefert werden, eine Gesellschaft, an der sowohl die Regierung als auch die Förderer beteiligt sind. Nun hat die Regierung zwei Maßnahmen getroffen, die in hohem Maße den Widerspruch der südwestafrikanischen Förderer hervorgerufen haben. Die Regierung hat die Diamantenverwertung beschränkt (kontingentiert) und erklärt, alle Regieanteile selbst zu übernehmen, die Diamantenregie also zu verstaatlichen, wobei sie stch auf einen Paragraphen der Satzungen beruft. Die Förderer erklären dieses Vorgehen der Regierung als rigoros, unzweckmäßig und gesetzwidrig. Darauf geht uns folgende halbamtliche Darstellung des Sachverhalts zu:
„Die am 1. Januar 1914 in Krait tretende Verordnung des Reichskanzlers über die Beschränkung der Diamantenverwertung ist das Er» gebnis umfangreicher Feststellungen üb-.'t die jetzige Lage und Aussichten des Diamantenmarktes. Die Notwendigkeit, Maßnahmen zu treffen, ist von den Förderern in mündlicher Besprechung mit dem Staatssekretär des Reichskolonialamts anerkannt worden. Die mit jeder Kontingentierung notwendigerweise verbimdenen Nachteile treffen den Fiskus und die Förderer gemeinschaftlich, weil an der Steigerung der Gestehungskosten der Fiskus mit 70 vom Hundert, die Förderer mit 30 vom Hundert beteiligt sind. Um die Förderer zu schonen, nimmt die Regie mehrere Hunderttausend Karat Diamanten auf Lager gegen Gewährung von Vorschüsien an die Förderer, trotzdem die Verwertung für absehbare Zeit nicht wahrscheinlich ist. Bei der Kontingentierung ist auf die schwächeren Gesellschaften besonders Rücksicht genommen worden, die großen, billig arbeitenden Gesellschaften tragen die Hauptlast. Der Regie stehen über das kontingentierte Höchstmaß hinaus genügend Diamanten zur Verfügung, sodaß, falls die Konkurrenz versuchen sollte, die Vorteile der deutschen Kontingentierung für sich auszunutzen, eine Schädigung deutscher Jnterefen durch den Verlust von Absatzgebieten nicht zu besorgen ist. Da die Regie, wie von den Förderern anerkannt worden ist, in ihrer bisherigen Zusammensetzung die ordnungsmäßige Verwertung der Diamanten gefährdete, war das Eingreifen b:r Kolonialverwaltung notwendig. Die Uebernahme der Regieanteil« nach § 51 der Regiesatzung stellte den schonendsten Weg dar. lieber etwaige Zweifel der Auslegung des § 51 der Regiesatzung wird eine Entscheidung der ordentlichen Gerichte herbeizuführen beabsichtigt. Die dem R ichskanzler obliegende Pflicht zu bestmöglicher Verwertung der Diamanten würde evtl, auf einem anderen gesetzlichen Wege sicher gestellt werden müssen. Ob die verfasiungsmäßige Mitwirkung der gesetzgebenden Gewalten des Reichs bei der Bereitstellung der erforderlichen Mittel in Frage kommt, wird sich nur auf Grund der weiteren Entwicklung und Umgestaltung der Reg _■ entscheiden lasten."
Der Zusammenbruch.
Diesen Titel trägt ein Buch, das „von einem deutschen Seeoffizier" geschrieben ist und nach amerikanischer Reklameart von dem Verlag Köhler in Minden vertrieben wird. Da in diesem Berlage viele nationale und flottenfreundliche Werke und Merkchen erschienen find, muß man annehmen, — und durch das Umschlagbild wird man darin noch bestärkt — daß es sich auch hier um ein solches Buch handelt, das mit Freuden und gutem Gewissen auch der deutschen Jugend auf den Weihnachtstisch gelegt werden kann. Dem ist jedoch leider nicht so. Man wird das verstehen, wenn man erfährt, daß der Verfaster der Marinemitarbeiter des „Berliner Tageblattes", Herr Kapitän zur See a. D. Persius ist. Wie der Titel der Schrift schon andeutet, ist das Ganze eine einem ehemaligen deutschen Marineoffizier nicht eben wohl anstehende Flaumacherei. Es wird darin ein deutsch-englischer Seekrieg dargestellt, der damit endet, daß beide Mächte sich gegenseitig so ziemlich völlig vernichten. In dem Kriege benehmen sich die deutschen Seeoffiziere überaus kläglich, stellen vor Beginn des Kampfes politische Betrachtungen an und halten in weinerlichem Tone Zwiegespräche. Der Krieg beginnt so: In der Kiautschoubucht fährt eines Morgens ein deutscher Kreuzer zur Schießübung hinaus. Da kommt ein englischer Panzer herangedampft und signalisiert, er habe eine dringende Mitteilung zu machen. Der englische Kommandant kommt an Bord und zeigt dem deutschen Kapitän ein Papier, unterschrieben vom König Georg, wonach um 3 Uhr nachmittags der Krieg beginne und die deutsche Flagge auf der kleinen Insel vor Tsingtau niederzuholen sei. Der deutsche Kommandant befiehlt zwar „Klar Schiff", hält aber vorher an seine Offiziere eine Ansprache des Inhalts: „Das ist also die Einleitung eines erbitterten Kampfes zwischen zwei Völkern, die es als ihre Aufgabe betrachten sollten, Arm in Arm für den Frieden einzutreten!"
Spricht so ein deutscher Kriegsschiffkommandant? Unser« Marineoffiziere find aus anderem Holze geschnitzt und bedanken sich bei Herrn Kapitän zur See a. D. Persius für eine solche Charakteristik. Möglicherweise hat die Tätigkeit bei dem „JB. T." dem Herrn Kapitän gänzlich die Erinnerung an die Verhältnisse, in denen er selbst einmal gelebt hat, schwinden lasten, und vielleicht ist ihm dadurch allmählich der Geist abhanden gekommen, der in unserem Seeoffizierkorps herrscht. Denn ehe er seine Kraft dem „B. T." widmete, vertrat er Ansichten, die von seinen jetzigen sehr verschieden find. In seinem Buche' „Unterseeboote an die Front" trat er z, B. für eine Rüstungsverstärkung ein, wandte er sich gegen „pazifikatorische Utopien", spendete er sogar dem General Keim, „dem tapferen Kämpen im alten Flottenverain" kräftiges Lob. Heute ist Herr Kapitän a. D. Persius kein Freund von Rüstungs- Verstärkungen, verfolgt gerade die einst befehdeten „pazifikatori- fchen Utopien" und ist deshalb natürlich ein Gegner des wackeren Begründer» de» Wehrverein», General Keim». „Der Zusammen«
bruch" wird mit Recht eine flottenfeindliche Tendenzschrift genannt, die es bleibt, wenn auch einige nicht gerade aus dem Rahmen des Buches fallende Abschnitt« aus „Unterseeboote an die Front" übernommen worden sind.
Ausland.
*• Reue französische Ministerkrise? Paris, 18. Dez. Eine neue französische Ministerkrise scheint sich in aller Stille vorzubereiten, wenigstens sprach man gestern in den Wandelgängen der Kammer lebhaft über die Angrifft, die gegen das jetzige Kabinett unternommen würden und noch unternommen werden sollen und ventilierte hierbei die Frage, wie lange es dem Kabinett noch möglich sein werde, seine Stellung zu behaupten. Man prophezeit hierbei allgemein dem Kabinett Doumer- gue keine längere Lebensdauer sondern glaubt vielmehr, daß sein« Tage gezählt sind. Auch die Gestalt des kommenden Ministeriums wurde bereits eifrig in Erwägung gezogen und dabei betont, in seinem Programm müftcn Konzentration, proportionale Vertretung, Entspannung und Beruhigung des Landes usw. enthalten sein.
“ England fischt im Trüben. Konstantinopel, 18. Dez. Ernste Ereigniste scheinen sich in der Gegend von Mastorah vorzubereiten. Dort wurde die englische Flagge gehißt. Der Korrespondent des „Matin" glaubt zu wisftn, daß die Pforte dem englischen Botschafter ihren Entschluß dahin kundgegeben hat, einen türkischen Kreuzer nach Mastorah zu entsenden.
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Marburg und Umgegend.
Marburg, 19. Dez.
* Zum 80. Geburtstage unseres Mitbürgers L. Bücking. Wie wir erfahren, wurden unserem verdienten Mitbürger L. Bücking, der, wie wir gestern ankündigten, heute seinen 80. Geburtstag begeht, zahlreiche Ehrungen zuteil. Am Dammweg steht ftit heute auch ein Schild mit der Aufschrift „Bücking-Promenade". Dieser Beschluß, den Jubilar aus diese Weise seitens der Stadt zu ihren, wurde in der letzten vertraulichen Sitzung der Stadtverordneten einstimmig gefaßt.
* WeihnachtsbLum«. Das Fvilöieten von Weihnachtsoäumen auf den öffentlichen Plätzen der Stadt hat seit gestern begonnen. Die Bäume brauchten nicht, wie dies in den größeren Städten der Fall ist, aus weiter Ferne bezogen werden. Unsere waldreiche nähere und fernere Umgegend liefert sie, wie man aus den in die Stadt fahrenden schwer mit Tannen beladenen Wagen sehen konnte, in Hülle und Fülle.
* Verlegung von hessischen Regimentern nach dem Elsaß. Jedesmal, wenn in Elsaß-Lothringen Garnisonveränderungen eintreten, wie jetzt z. B. in Zabern, tauchen Gerüchte auf, daß das in Cassel garnisonierende Regiment Rr. 167 nach den Reichslanden verlegt werden soll. So war es früher schon einigemale und jetzt ist es wieder so. Wie man bestimmt hört, soll von einer Verlegung der 167er nach dem Elsaß keine Rede sein. Es wäre auch zu bedauern, wenn dieser Fall eintreten würde, denn die am meisten durch den Fall Zabern Bestraften wären dann die 167er, die ein braves hessisches Regiment geworden sind. Haben doch die Vorkommnisse in Zabern zur Genüge gezeigt, daß die dortige Bevölkerung auch nicht so ganz unschuldig daran ist. Auch in Castel ist man unserer Ansicht. So schreibt die „Hessische Post" folgendes: „Gerade dieses hessische Regiment, das man mit Recht als ein kur- hessisches bezeichnen kann, sollte nun dazu ausersehen sein, seine alte Heimatsgarnison, mit der es im denkbar besten Einvernehmen lebt, zu verlosten und sie mit einem Schauplatz wüster politischer Umtriebe und ewigen Krakehls mit der Bevölkerung zu vertauschen, die gewiß nicht ganz unschuldig ist an den Ereignissen, die uns in den letzten Wochen in so unliebsamer Weise beschäftigt haben. Das wäre fürwahr ein hartes Los und ein unverdientes noch dazu. Dafür würde man in Kurhesten selbst in den zuverlässigsten königstreuen Kreisen kein Verständnis haben, und wir fürchten, die Verschickung unserer Hesten nach dem Elsaß wäre auch rein politisch ein neuer großer Fehler in dieser an Fehlern so reichen Affäre. Unsere Hesten sind, wie allgemein anerkannt wird, sehr gute Soldaten und stehen ihren Mann, wohin sie auch von ihrem obersten Kriegsherrn geschickt werden. Ob sie aber in Zabern am rechten Platze find, das möchten wir doch recht entschieden bezweifeln. Der Heste ist wohl noch von den Zeiten der alten Kutten her eine derbe Natur und in seinen Sitten und im Wesen etwas rauh und gerade durch. Daß er sich mit diesen seinen sonst gewiß recht anerkennenswerten und für den Soldaten gern gesehenen Eigenschaften nun besonders dazu eignete, in Zabern eine Versöhnungsund Kulturmission zu erfüllen und die verwöhnten Herren Elsässer mit Glacehandschuhen anzufasten, das möchten wir doch recht sehr bezweifeln."
* Der Winter, der am nächsten Montag kalendermäßig seinen Anfang nimmt, scheint nun Ernst machen zu wollen. Dem Regenwetter der letzten Zeit ist seit gestern helles klares Wetter gefolgt und vergangene Nacht hats tüchtig gefroren. Die Weilburger Wetterwarte kündigt ja auch Frostwetter an. Sie schreibt: Endlich scheint ein durchschlagender Umschlag der seitherigen trübseligen Witterung bevorzustehen. Auf der Rückseite des eben vorüberziehenden Wirbels scheint sich eine Hochdruckbrücke von dem südwestlichen nach dem nordöstlichen Europa auszubilden. Es würden dann sehr bald bei uns nördliche und späterhin nordöstliche, kalte Winde einsetzen, so daß wir den Eintritt einer Frostperiode erwarten können.
* Bon der Reichsbank. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Am 19. Januar 1914 wird an Stelle der jetzt bestehenden Reichsbanknebenstelle in Gießen eine Reichsbankstelle daselbst errichtet, von welcher die Reichsbanknebenstellen in Friedberg (Hesten), Marburg (Bez. Castel) und Wetzlar abhängig sind. Der Eeschäftsbezirk sowie dir Namen und Unterschriften der Vorstand»beamten werden durch
Aushang in dem Eeschäftslokal der Reichsbankstelle in Gießen bekannt gemacht werden.
* Don der Polizei. Als zugelaufen wurde ein langhaariger gelblicher Dachshund angemeldet. Der rechtmäßige Eigentümer kann sich innerhalb 3 Tagen, zwecks Geltendmachung seiner Rechte, j im Polizeisekretariat, Kiliangebäude, Zimmer 9, melden, andern- > falls anderweit über den Hund verfügt wird. .
* Leichenländnng. Unterhalb des Weißensteins, an derselben Stelle, wo man ihn zuletzt gesehen, wurde gestern die Leiche de» Hausdieners Eissel aus der Lahn geländet.
* Unfall. Beim Ueberfchreiten des Fahrdamms in der Bahnhofstraße wurde gestern früh der Rentier C. Strauß, ein Mann Mitte der 80er Jahre, von der Straßenbahn zu Boden gestoßen. S. trug einige blutende Verletzungen davon, die jedoch unbedenklicher Natur sind. Er wurde mittelst Wagens nach seiner Wohnung in der Wettergaste gebracht.
• Stadttheater. Heinrich Jlgensteins Saktiges Stück „Kammermusik" führt die Bezeichnung „Lustspiel" mit Recht. Diese Feststellung will schon etwas heißen in einer Zeit, wo die Aneinanderreihung einiger Szenen kärglichen und zweifelhaften Inhalts vermischt mit einer Reih« frivoler und fader Witze genügt, um ein zugkräftiges Bühnenstück zusammenzubrauen, das man dann „Lustspiel" nennt Jlgensteins „Kammermusik" verbindet eine leicht«, unterhaltende Handlung mit ftischer, lebendiger Sprache und einer feinen Kritik der Sittlichkeitsschnüffelei, der Verhältnisse am Hof« eines Duodezstaates und der Art und Aftift, wie bisweilen versucht wird, Einfluß auf das Privatleben von Künstlern auszuüben. Hier kurz der Inhalt: Die nicht mehr junge Herzoginwitw« spielt in einem deutschen Kleinstaat die Rolle eines Mäzens, einesteil» der Sache wegen, anderenteils und in erster Lim« der Person der Künstler wegen. Es entspricht sowohl dem Geschmack der Herzogin- roitroe als auch den Bestrebungen des „Vereins der Legitimen", wenn am herzoglichen Theater nur unverheiratete Künstler engagiert werden dürfen. Es gilt als nicht schicklich, wenn ein verheirateter Künstler auf der Bühne eine fremde Dame küßt. Für di« Herzogin sind hier allerdings rein persönliche Gründ« maßgebend. Der Anstellung des neuen Tenors, der sich sofort in hohem Maße di« Gunst bet Herzogin erobert hat, steht nun eben bie Tatsache seines Verheiratetseins entgegen. Sein listiges, nettes Frauchen beseitigt bas Hindernis schnell entschlossen, fegt all« ihrem Gatten al» Künstler so verhatzte „plümerante Bürgerlichkeit^ ab, gibt sich dem Hoftheaterintendanten gegenüber als bi«, Geliebt; des Opernsängers aus und spielt in der Residenz als sein« Schwester bald eine große Rolle. Die Herzogin sähe aber gern den Weg zu dem Künstler frei. Sie ernennt seine Pseudoschwester, um sie au» dem dem Künstler als Wohnung dienenden Kaoalierhaus zu entfernen, zu ihrer Hofdame. Von einer Trennung will jedoch das Paar nichts wisten. Das Auge Frauchen sichert ihrem Mann« zunächst eine Vertragsverlängerung und bekennt bann, daß sie feit 5 Jahren bie Fran bes Sängers ist. Di« Herzogin nimmt bas hin, unb in bas Kavalierhaus zieht der Baffist ein. Unter der flotten Regie des Herrn Rotteck gab es eine vortreffliche Aufführung. Sein Opernsänger von Niemeyer war keck, frisch unb lebenbig. Di« Rolle seiner Frau Hilde spielte anstatt der plötzlich erkrankten Frl. Lindeck Frl. Dagny trotz der sehr kurzen Vorbereitungszeit sicher, voll Anmut und liebreizender Schelmerei. Herr Eoll als Intendant und alter Lebemann schuf eine köstliche, humorvolll Figur, wobei er sich von einer leicht möglichen Uebertreibung wie imm« zurückhielt. Frl. Frenzel gab eine imposante, liebeheischende Herzogin witw'. Die Nebenrollen waren ebenfalls gut besetzt.
• Unfug. In einer der letzten Nächte erdröhnte auf der Neustadt ein Schuß. Verschiedene Leute beobachteten dort zwei junge Herren, die einen anscheinend schwer Verletzten wegführten. Wie sich jetzt herausgestellt hat, handelt es sich um einen — allerdings etwas schwer begreiflichen — Scherz, denn der Verwundete wurde nur markiert. Jedenfalls wird die Polizei bei der Sache noch ein Wörtchen mitsprechen.
* * Strafkammer. Ein schon mehrfach vorbestrafter Mann staut unter der Beschuldigung, einen Beamten, der ihn in rechtmäßiger Ausübung seines Amts zum Verlaffen eines Wirtschaftslokals auf« forderte, beleidigt zu haben. Das erste Urteil, welches auf 2 Wochen Gefängnis gelautet, wurde bestätigt. — Ferner hatte sich ein Zimmermann, der in seiner Eigenschaft als Kassierer der Zentral- Krankenkafie der Zimmerleute Gelder in Höhe von etwa 500 «M. unterschlagen und die Unterschrift des Revisors gefälscht hatte, zu verantworten. Die Verhandlung, zu der als Sachverständiger Ee- richtschemiker Dr. Popp aus Frankfurt geladen war, endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu 3y2 Monaten Gefängnis.
Versammlungen, Konzerte, Theater, Bergnügungsnachrichten ufm.
* Lichtspiele. Vom 25. Dezember bis 1. Januar finden in den Lichtspielen Festvorstellungen des Schauspiels „Die Herrin des Nils Cleopatra" statt. Die meisten werben wohl fchon von biesem Prachtfilm, ber vor Kaiser Wilhelm II. vorgeführt würbe, gehört haben. In dem größten Lichtspielhaus Berlins ist ber Film feit 2 Monaten staubig auf bem Spielplan. Sehr zu loben ist, baß bie Direktion trotz großer Kosten ben Film für Marburg erworben hat. Näheres siehe im Inseratenteil.
• Der 2. Volksunterhaltungsabenb ist auf ben 4. Januar, ber 3. auf den 15. März verschoben. Näheres später durch Inserat.
* Williy Burmefter, einer der bedeutendsten deutschen Geigenvirtuosen wird, wie bereits bekannt ist, am 13. Januar hier konzertieren. Wir weisen schon jetzt darauf hin, da der Vorverkauf zu diesem Konzert ber großen Nachfrage wegen schon begonnen hat. Um einem vielseitigen Wunsche nachzukommen, werben für bie brei Konzerte: Burmester-Kling» lerquartett-Tilly Koenen für 8.50 <M. Nachabonnements ausgegeben.
V Haddamshausen, 17. Dez. In unserem kleinen Orte wurden 20 M für ben burch Haftpflicht geschädigten Landwirt in Harleshausen gesammelt.
Hessen-Nassau und Nachbaraebiete.
Frankfurt a. M., 19. Dez. Im Hauptbahnhof wurde gestern abend die 72jährige Wagenreinigerin Ettinghaus aus Friedberg von einer Rangierabteilung erfaßt und umgeworfen. Hierbei wurden ihr beide Beine dirett am Leib abgefahren. Schwer ver»' letzt kam die bedauernswerte Frau ins Krankenhaus. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt.