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mit dem Kreisblatt Mr die Kreise Marburg und Kirchham
Wo 295 dir Post 2.25 M (ohne Bestellgelds bei unseren Zeitungsstellen 2 M * frei in» Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der llniv.-
1913
Buchdruckerti I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Erstes Blatt
teuren, Blumen,
Fast hatte man schon die Hoffnung aufgegeben, daß das im August 191a 0113 dem Louvre in Paris gestohlene und seitdem spurlos verschwundene Gemälde, die „Mona Lisa" (Eioconda) von Leonardo da Vinci, deren Verlust die ganze gebildete Welt mit eben so großer Betrübnis erfüllte, wie ihr Besitz sie erfreut hatte, jemals wieder aufgefunden werden würde. Und nun ist es doch zur Tatsache geworden. Ein seltene und wunderbare Weihnachtsüberraschung: Die „Mona Lisa" ist in demselben Florenz, wo sie vor rund 400 Jahren von italienischer Meisterhand geschaffen wurde, im Besitz eines Mannes gefunden worden der sich selbst des Diebstahles bezichtigt, den er angeblich begangen hat, um fein Vaterland „für den von Naoleon I. in Italien begangenen Kunstraub zu rächen".. Sein Raub soll, wie der italienische llnterrichts- mini^r Credaro erklärt hat, „selbstverständlich dem Louvre zurückerstattet" werden, denn „Italien ist stolz und glücklich, Frankreich diesen Dienst erweisen zu können."
Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Unsere Beziehungen zu Deutschland
find so intim, warm und herzlich, wie man sie nur wünschen kann. Unsere Beziehungen mit Oesterreich-Ungarn waren ebenfalls während der ganzen Balkankrise intim und sind es heute noch. Das Verhalten der beiden Mächte war immer von dem Geiste gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Loyalität beseelt. Keine italienische Regierung hätte die Macht oder das Recht, eine nicht von der Mehrheit des Volkes und des Parlaments gewollte Politik zu verfolgen. Volk und Parlament zeigten aber auch wiederholt Verständnis dafür, daß eine auf dem Dreibund und innerhalb des Dreibundes auf gefestigte Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich-llugarn begründete Politik b e s s e r ist als jede andere, und die den großen nationalen Interesien entspricht. Die Aufrechterhaltung des territorialen Statusquo und des gegenwärtigen Gleichgewichts der Großmächte im Mittelmeer ist das Ziel der italienischen Politik. Darum mutz
die Türkei unberührt stark und sicher erhalten
werden. Italien wird also die von Nation und Parlament wiederholt gebilligte Politik fortsetzen. Keine Politik des Eröhen- wahns oder des Imperialismus, aber eine Politik der bewußten und vorausschauenden Aufrechterhaltung ihrer Landesinteressen. Ausland und Inland müsien wissen, datz die Tage einer Politik des Verzichts für Italien für immer vorbei sind und nicht wiederkommen werden; aber Italien wird in den Tagen der Wohlfahrt und der Macht die Versprechungen halten, die es Europa in den fernen Tagen des Kampfes und des Schmerzes gemacht hat. Es wird in Europa im Mittelmeer und in der Welt ein Element der Ordnung, des Gleichgewichts und des Friedens sein."
Tabak, Zigarren, Bier und Wein von 7—9 Uhr vormittags gestattet. Die Friseurgeschäfte müssen am 1. Feiertag um 12 Uhr, am 2. Feiertag .um 9 Uhr vormittags geschlossen werden.
* Weihnachtsverkehr. Wie immer vor den Festtagen, so find auch diesmal Vorzüge bei der Eisenbahn eingelegt.
* Militärisches. Die einzelnen Truppenteile des 11. Armeekorps werden im kommenden Jahre schon sehr frühzeitig den Truppenübungsplatz Ohrdruf beziehen, um daselbst die Regiments- und Brigadeübungen auszuführen: eine weitere Uebung wird im Sommer erfolgen. Die Uebungen müssen deshalb früher beginnen, weil das 11. Armeekorps am Kaisermanöver teilzunehn en hat und dieses wesentlich früher beginnt als die andern Manöver.
-m- Raiffeisen-Versammlung. Der Unterverband der Raiffeisen-Genossenschaft des Kreises Marburg hielt gestern in dem Saal des Restaurants Seebode eine gut besuchte Versammlung ab. Der Verbandsvorsitzende Herr Pfr. Dörr-Michelbach eröffnete y212 Uhr die Versammlung und hieß die Erschienenen herzlich willkommen, besonders die Herren Verbandsanwalt Schüler von Cassel und Landrat von Löewenstein. Letzterer erwiderte seinen Erutz und wünschte der Raiffeisensache ein zielbewußtes Vorwärts und Aufwärts und betonte, welche Bedeutung die Raiffeisen-Organisation für Dorf und Stadt hat. Der Verbandsvorsitzende gab dann einen eingehenden Bericht über den Verband. Im Kreise Marburg zählt man 2400 Mitglieder. Die Vereine haben ein Vereinsvermögen von 83 440JL und einen Geldumsatz von 5 Millionen Mark. Die Spareinlagen im Jahre 1912 betrugen 690 000 -K, hiervon sind im Rechnungsjahr 470 000 JA. zurückgezahlt worden. Die Vereine haben für 336 000 JA. Konsum bezogen, für 61 000 JA mehr all int Jahre 1911. Hierauf gab der Verbandsanwalt der Zentrale zu Eassel, Herr Schüler, eingehenden Bericht über den Stand der Zentrale zu Cassel. An die Vereine konnten Darlehen von 80 Mill. Mark gegeben werden. Die Zentral-Darlehnskasse hat ein Reservekapital von 832 000 JA und 1300 000 JA Guthaben mehr al» Darlehen in Berlin. Ferner berichtete Herr Landgerichtsrat Klingenbiel, ein Pionier der großen Raiffeisensache in Deutschland, über die Siedelungsgesellschaft und über „Hessenland". Er zeigte wie bäuerlicher Besitz zu festigen sei, wie der Handel in Getreide, Futter- und Düngemittel sich gestalten muh. Hieran schloß sich ein lebhafter Austausch über die einschneidenden Fragen der Landwirtschaft. Zum Schluß ergriff Herr Verbandsanwalt Schüler noch einmal das Wort und sprach über Erfolge und Mißerfolg« in den Genossenschaften. Die Ursachen derMißerfolge liegen hauptsächlich darin, daß die meisten Genossenschaften die Raiffeisenschen Grundsätze nicht befolgen. Ein dreifaches Hoch auf die gute Sach« Raiffeisens schloß um 3 Uhr die Versammlung.
* Silberne Hochzeit feierte gestern die Familie Ed. Hermann« Die Liedertafel brachte ein Ständchen.
* Die Gefahren der Straße. Ausgeglitten auf einer Obstschale ist gestern in Cassel ein älterer Herr, als er den Fahrdamm der Obersten Gasse überschritt. Er fiel so unglücklich, daß er das linke Bein brach. Durch die Sanitätskolonne erfolgte die Ueberführung nach seiner in der Blücherstratze gelegenen Wohnung. — Ecke der Karthäuser- und Hohenzollernstraße stürzte aus gleicher Ursache eine ältere Frau. Sie erlitt so schwere Verletzungen am Hinterkopfe, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
* Entwendet wurden in vergangener Nacht aus dem Hofe des Saalbaues etwa 25 der dort zum Verkaufe aufgestapelten Weihnachtsbäume.
* Versandhaus Rellüm. Auswärtige Zeitungen tischen ihren erstaunten Lesern wieder folgende neueste Neuigkeit auf: „Versandhaus Rellüm". Marburg, 11. Dez. Der Handlungslehrling Theodor Müller stahl feinem Lehrherrn im Laufe dieses Jahre» aus dem Lager soviel Sachen, daß er unter der Firma „Versandhaus Rellüm" in seiner Wohnung ein eigenes Geschäft eröffnet hat. Wie aus seinem Postbuche festgestellt wurde, hat er einen Umsatz von 2000 Mark gehabt. Für 850 Mark gestohlener Waren wurden in der Wohnung vorgefunden. — Hier in Marburg weiß man davon nichts.
* Strafkammer. Eine traurige Angelegenheit beschäftigt« gestern mehrere Stunden lang das Landgericht. Anfang Oktober d. I. zog sich bekanntlich ein junger Kandidat des höheren Lehramts, Dr. S., gelegentlich eines gemütlichen Zusammenseins mit anderen jungen Herren eine Messerverletzung zu, der er anfang» keine Beachtung schenkte. Als die Wunde an seinem Leib au tontet^
ihre berechtigten, billigen Forderungen verwirklicht sehen werden. Wir wollen nicht in Albanien ein Italien schaffen, wir wollen vielmehr aus Albanien eine Nation machen, die unabhängig von uns wie von jeder anderen Macht ist. Wir wollen entsprechend dem Grundsatz der Nationalität, der unser Ruhm und unsere Stärke ist, aus Albanien einen Faktor des Gleichgewichts und der Sicherheit im Adriatischen Meere machen. Wir haben daher den Wunsch, und er ist in erheblichem Maße schon erfüllt, daß die
Neutralität und Unabhängigkeit Albaniens
unter die Garantie und Kontrolle nicht nur der beiden Adriamächte, sondern aller sechs Großmächte gestellt werde.
Während der ganzen langen Orientkrise war der Dreibund immer einträchtig, und diese Eintracht, wie die intime Zusammenarbeit zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn garantierte die Interessen eines jeden der drei Verbündeten wirksam.
Die „Oberhrspsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljädrlich dnrck»
Marburg
Mittwoch, 17. Dezember
Koloniales.
□ Berlin, 16. Dez. Das „Militärwochenblatt" meldet: von Lettow-Vorbeck, Oberstleutnant und Kommandeur der Schutztruppe in Kamerun wurde zur Vertretung des beurlaubten Kommandeurs der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika kommandiert. — Die endgültige Ernennung wird nicht lange auf sich warten lassen.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 des Urhebergesetzes nut mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 17. Dez.
* Ladenschluß zur Weihnachtszeit. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Verkaufsstellen am 21. Dezember von 8 llhr vormittags bis 8 Uhr abends offen gehalten werden dürfen. Während der Hauptgottesdienstzeit von 9—11 llhr vormittags bleiben die Geschäfte geschlossen. Sie dürfen ferner bis 10 Uhr abends offen gehalten werden am 16., 17., 18., 19., 20., 22. 23. und 31. Dezember; am Abend des 24. Dezembers ist wie gewöhnlich um 8 Uhr zu schließen. Am 1. Weihnachtstag ist nur der Handel mit Back- und Konditorwaren, Fleisch, Wurstwaren und Milch von
Die Politik Italiens.
In der italienischen Kammer ergriff bei der Aussprache über die Adresse zur Beantwortung der Thronrede der Minister des Aeußern, Marquis di San Giulianq, das Wort und führte u. a. aus:
„Die zwei schwebenden Fragen, die die Lebensinteressen für Italien berühren, sind die Abgrenzung Albaniens und die des östlichen Mittelmeeres. Besonders die Frage der albanischen Eüdgrenze, die direkt das Gleichgewicht, die Freiheit und Sicherheit in der Adria berührt, bedeutet für Italien und Oesterreich- llngarn ein identisches Lebensinteresse, und die beiden Mächte find gleichmäßig und solidarisch entschlossen, dieses Interesse zu wahren. Für die anderen Großmächte hat diese Frage sekundäres Interesse. Wir haben daher Grund zu glauben, datz dank dem Geiste der Versöhnung und dem einmütigen Wunsch nach Frieden, der alle Erotzmächte beherrscht, Italien und Oesterreich
Das Kaiseipaar in München.'
Gestern vormittag besuchte das Kaiserpaar das neue Rathaus, wo Oberbürgermeister Dr. v. Borscht eine Rede hielt, in der er auf die Tatsache hinwies, datz keine deutsche Stadt in höherem Maße mit dauernden Zeichen werktätiger Sympathie bedacht worden sei als München. Darauf dankte der Kaiser für den prächtigen Empfang und fuhr fort:
„Der allmächtige Gott hat es gewollt, daß es unseren Vätern vergönnt war, auf blutiger Wahlstatt die Saat auszustreuen, die so herrliche Früchte getragen hat. Damals wurde in heißem Ringen das weite deutsche Vaterland gefügt, damals wurden allen deutschen Ständen die Wege geebnet zur unbehinderten Entwickelung ihrer ideellen und materiellen Kräfte. Zu diesen günstigen Vorbedingungen wurden der jetzt lebenden Generation die Segnungen eines langen ungestörten Friedens zuteil. Da sind es wohlberechttgte ernste Fragen, ob diese Gunst der Zeiten auch richtig ausgenuht wird,
ob die Söhne der Väter würdig find
und ob das Ererbte auch unter dem starken Schutz unserer herrlichen Wehrmacht zu Lande und zu Wasser richtig fortentwickelt wird. Nun, hier in München kann ich mich von einem Mal zum andern überzeugen, welche gewaltigen Fortschritte Ihr Gemeinwesen machte durch die Tüchtigkeit seiner Bürger, die Umsicht seiner Leiter, unter der weisen Fürsorge seiner Erlauchten Fürsten, die allezeit ihrer Residenzstadt ein so reges Interesse bekundet haben. Unter solchen Umständen darf man die eben gestellten Fragen wohl bejahen, und mein aufrichtiger Wunsch ist es, daß das immer so bleiben möge. Das walte Gott!"
200 Schulkinder trugen dann eine Hymne von Cornelius Schmitt mit Orchesterbegleitung vor. Gemeindevorstand Schwarz Überreichte dem Kaiser einen Ehrentrunk. Unter Fanfarenklängen erfolgte %12 Uhr die Abfahrt nach der preußischen Gesandtschaft, wo der Kaiser Vorträge entgegennnahm und arbeitete.
Abends war F e st t a f e l. König Ludwig hielt eine Rede, auf die der Kaiser erwiderte:
„Nach den Bekundungen herzlicher Freundschaft, di« Eure Majestät mir bei den wiederholten persönlichen Begegnungen in diesem erinnerungsreichen Jahre erwiesen haben; nach der Ehrung, die von Euren Majestäten durch Ihren willkommenen Besuch in Berlin mir und meiner Hauptstadt bereitet wurde, ist es mir eine hohe Freude, hier in der Münchener Residenz Euren Majestäten als dem König und der Königin von Bayern meine und meines Hauses und meines Landes ehrerbietige Huldigung darzubringen. Bayerns Monarch, auf dem die Güte und Weisheit eines unvergeßlichen Vaters ruht, und die verehrungswürdige hohe Frau, die Bayerns Krone trägt, haben sich ihren Platz gesichert im Herzen der deutschen Nation. Dankbar darf ich aussprechen, wie wohl es mir tut, daß auch bei diesem Besuch in die liebenswürdige Gastfreundschaft Eurer Majestäten die Bevölkerung Münchens und Bayerns mit herzlichen Gesinnungen einstimmt. So sehr ich mich dieser freundlichen Empfindungen für meine Person freue, so sind sie mir hierüber hinaus wertvoll als Ausdruck der
Treue zu Kaiser und Reich, in der das kernhaft« Bayernvolk keinem deutschen Stamme nach stehen will. Mit Eurer Majestät vertraue ich, daß in den Deutschen unserer Tage noch der Gei st der Einigungskämpfe lebt, aus denen das Deutsche Reich hervorgegangen ist als ein lebensvoller Bund der deutschen Einzelstaaten, die auf der Grundlage wechselseitiger Achtung ihrer Eigenart und Selbständigkeit zusammenwirken, um neben der Pflege ihrer besonderen Interessen den nationalen Gesamtbedürfnissen gerecht zu werden. In der Erfüllung meiner kaiserlichen Aufgabe, deutsche Ehre und deutsche Wohlfahrt im Reiche und in der Welt zu schützen und zu wehren, habe ich mich der Unterstützung meiner hohen Verbündeten erfreuen dürfen. Ich weiß es besonders zu schätzen, daß in Eurer Majestät mir ein Mitarbeiter von reichen Erfahrungen zur Seite steht, und ein Freund, mit dem ich mich auch durch Zuneigung des Her- lens verbunden fühle. Ich bitte Eure Majestät, mir Ihre gnädige und freundwillige Gesinnung auch fernerhin zu bewahren. Innige Wünsche bewegen mich und die Kaiserin für das Glück Eurer Majestäten und des erlauchten Hauses Wittelsbach und des bayerischen Volkes, das sich viele, viele Jahre erfreuen möge an dem Walten des geliebten Königspaares. Diesen Wünschen gebe ich herzlichen Ausdruck mit dem Rufe: Seine Majestät der König, mein erlauchter Freund und hoher Verbündeter und Ihre Majestät die Königin leben hoch! hoch! hoch!"
Abends besuchten der Kaiser und der König das Festturnen des Männerturnvereins München von 1879. Der Kaiser und der König folgten den Vorführungen mit großem Interesse. Im Anschluß daran wurde auf der Bühne ein lebendes Bild gestellt, in dem allegorische Figuren den Büsten der beiden Herrscher huldigten. Die ganze Versammlung sang: Heil dir im Siegerkranz!
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