und den Beilagen: „Rach Feierabend". „Fürs Hans" und „Landwirtschaftliche Beilage",
M 293
Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertelsährlich but* die Post 2.25 X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen b X frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der UnhM Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Martt 21. Tel. 55.
Marburg
Montag, 15. Dezember
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und altdeutsche Beamte. Die Französlinge haben es verstanden aus I einer lächerlichen Winzigkeit einen Kamps um di« Freiheit in Elsaß- I Lothringen zu machen, und nachdem sie in Elsaß-Lothringen gesiegt, I haben sie das deutsche Volk mitgerisien. Aber ich sage: das deutsche Volk | und der Deutsche Reichstag find hier von den Welschen schamlos be
18. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt.
Das Thema Zabern
tritt allmählich in der Presse und dem politischen Tagesgespräch in den Hintergrund. Eine neue Seite ist ihm nicht mehr abzugewinnen, bis der Abschluß der amtlichen Untersuchung zweifelsfrei feststellt, welche Rolle die Zivilbehörden in dieser unerquicklichen Angelegenheit gespielt haben. Die tieferen Gründe des „Falles Zabern" wird jedoch auch die amtliche Untersuchung nicht ergeben. Für den, der ein klares Urteilsvermögen besitzt und einigermaßen mit der reichsländischen Frage Bescheid weiß, liegen diese tieferen Gründe längst offen zu Tage. Sie sind auch von einer Seite richtig erfaßt worden, von der man ein solches Urteil kaum erwartet hat und deren Feststellung deshalb umso beachtenswerter ist. Ein angesehener Redakteur eines westlichen Zentrumsblattes, der die Vorgänge aus nächster Nähe beobachten konnte, erklärt in einem Briefe u. a. Folgendes:
„In der Zaberner Affäre ist die Presie und der Reichstag den Französlingen auf den Leim gegangen. Leutnant von Forftner hat „Wackes" gesagt: das ist in der Kaserne schon hundert- tausendmal gesagt worden, und kein Hahn hat danach gekräht. Der „Zaberner Anzeiger" aber hat die Gelegenheit zu einer Militär- h e tz e beim Schopf ergriffen und mit großem Geschick die Zaberner Bevölkerung aufgehetzt. Darauf ist dann die ganze deutsche Presse und der Reichstag reingefallen. Nun wächst sich die Hetze gegen das Militär auch zu einer solchen gegen v. Deimling, den Kanzler und gegen die Kron« aus. Es soll alles unter die Herrschaft der Gasse gezwungen werden. Ich habe in der Sache nicht mitgemacht und mich von vornherein auf die Seite gestellt, auf der — von einigen unvermeidlichen Fehlern abgesehen — das Recht ist, aus die Seite des Militärs. Der Redakteur, der aber heutzutage Regierung, Monarchie und gar das Militär verteidigt, begeht «in Verbrechen. Es machen sich jetzt Anzeichen eines gegen mich heraufziehenden Sturmes bemerkbar. Es stehen hier höhere Interessen als die meinigen auf dem Spiele. Wir dürfen nicht zurückiveichen. Man kündet mir auch Abonnentenabfall an. Aber lieber ein paar hundert Abonnenten verlieren als mich gerade in dieser Sache niederzwingen lasten. Hoffentlich blctbt auch der Kaiser fest und läßt den Obersten v. Reuter nicht fallen. Der Mann hat sich gehalten wie ein Fels im Meer in diesem Orkan von Verlästerung, Verleumdung und Dummheit"
Anders die „Franks. Zeitung". Sie sieht in der Zaberner Affäre den Anfang der vom Elsaß ausgehenden Demokratisierung Deutschlands und erklärt freudig: „Um einen solchen Preis führen wir gern wieder eine Kampagne wie um „Zabern". Man sieht also, wo die Reise hingehen soll. Dazu muß denn die Aufregung der Bürgerschaft Zaberns über die „Willkür, und Schreckensherrschaft" des Militärs herhalten. Das stimmt aber auch wieder nicht. Dem nach Zabern entsandten Berichterstatter der Stuttg. „Südd. Ztg." ist erklärt worden, daß die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung den Kundgebungen gegen das Militär vollständig fern stehe. Auswärtige „Wackes" und „Lausbuben" hätten die ganze Geschichte gemacht, die nun den ruhigen Bürger, der mit dem Militär immer im Frieden gelebt, Tausende koste.
Daß so die urdeutsche Bevölkerung Zaberns ein Opfer der in Elsaß-Lothringen das große Wort führenden Französlinge geworden ist, muß überaus bedauert werden. Eewiste Kreise sind ja bestrebt, sie als völlig harmlos und loyal hinzustellen und den Glauben zu erwecken, als wären jene um Wetterlö, Preiß und Laugel Märtyrer für eine gerechte Sache und zu Unrecht „alldeutschen Hetzereien" ausgesetzt. Wie die Verhältniste tatsächlich liegen und welche Rolle die Deutschen in dem deutschen Reichsland zu spielen gezwungen find, das legte in einer von der fortschrittlichen Volks- partei einberufenen Versammlung, in der man sich als Redner den Straßburger Landtagsabgeordneten Wolf verschrieben hatte, Dr. Reismannn-Erone dar, der Verleger der „Rhein.-Westf. Ztg.", die als Vorkämpferin für das reichsländische Deutschtum mit an erster Stelle steht. Er nahm Bezug auf die beständige Verunglimpfung des Deutschtums durch die nationalistische illustrierte Wochenschrift „Durchs Elsaß", von der er mehrere Exemplare der Versammlung vorlegte, und führte' u. a. aus:
„Der Abgeordnete Wolf erzählte von der großen französischen Zeit, aber er verschwieg sorgsam die tausendjährige deutsche Vergangenheit des Landes, verschwieg, daß Frankreich uns in unserer Ohnmacht jenes Landes raubte, dt« deutsch Gesinnten zu Dutzenden in Straßburg und anderswo erschoß und mit der Knute regierte, dies selbe Zabern eines Tages brutal mrderbrannte und die Einwohner verjagte. Für alles das hat der Abgeordnete Wolf kein Wort des Tadels. Elsaß-Lothringen ist deutsch, und wir ll-ben dieses deutsche Volk so wie jeden anderen deutschen Stamm. Aber dieses Land ist mit einer Flut von Spionen, französischen Hetzern und Französlingen überzogen, und wie man «in Watt schützt, in das di« See hereinscylägt, so muß man Elsaß- Lothringen besonders schützen. Die Verfasiung riß den Damm um. Seitdem sind die Zustände in Elsaß-Lothringen fürchterlich. (Unter Bezugnahme auf die verunglimpfenden Bilder.) So werden wir Deutsche in Elsaß-Lothringen behandelt, öffentlich, ununterbrochen in Tausenden von Bildern gedruckt, wir Schwebe haben keine Ehre — und da wagt man es, sich über den lächerlichen Fall von Forftner zu beschweren. Abg. Wolf sprach vom seinen Ton. Redner könnte hier stundenlang Bände vortragen. Rur ein paar Beispiele: Der Abgeordnete Ostermeyer nennt in öffentlicher Sitzung des früheren Landesausschusies die deutschen Beamten Lumpen und Strauchdiebe. Der Abgeordnete Dr. Hägy, der intimste Freund Wetterles, fordert die Nationalisten auf, bei der Landagswahl dem deutschgesinnten Gegner „eins in das fchmutztr-iefende Affengesicht" zu versetzen. Das ist di« berühmte Doppelkultur! Das Deutschtum steht in Elsaß-Lothringen am Pranger, und der Deutsche ist rechtlos. Was war der Fall Zabern? Die Generalprobe der Welschen, ob sich das deutsche Heer auch schon heute an die Wand drücken läßt und ob der deutsche Offizier dieselben Beschimpfungen einsteckt, wi« der einzelne Altdeutsche
logen und betrogen worden.
Dem Redner folgte minutenlanger, stürmischer Beifall, und aus einer fortschrittlichen Sympathieversammlung für die elsaß- lothringisch« franzosenfreundliche Bevölkerung war eine nationale geworden. 1
Nationalistische Unverfrorenheit.
Mit welcher Dreistigkeit ein Teil der elsaß-lothringischen Presse für Frankreich Propaganda macht, erhellt aus folgender Zuschrift eines Lesers des liberalen „Courier de Metz" an den „Bayerischen Kurier": „Unter der Ueberschrist: „Unsere Matrosen in Griechenland" berichtet der „Courier d« Metz", Organ des lothringischen Blocks, über die begeisterte Aufnahme französischer Matrosen in Athen! Soweit sind wir doch noch nicht, daß im Deutschen Reich erscheinende Blätter französische Truppen als unsere bezeichnen dürfen. Diese nationalistischen französischen Zeitungen in Elsaß-Lothringen üben einen unheil- vollen Einfluß aus. Wer diese Presie etwas aufmerksam verfolgt, findet es nicht überraschend, daß die Regierung eine verstärkte gesetzliche Handhabe gegen die nationalistischen Blätter verlangt."
Halbamtliches über die Haushaltsaussprache.
Die „Norddeutsch« Allgem. Zeitung" schreibt in einem Rück- blick auf die Haushaltsaussprache:
Im Reichstage gingen die Erörterungen über bi« Zaberner Vorfälle vom ersten bis letzten Tage der Etatbebatte fort. Zurufe bet Sozialdemokraten am Schluffe bet einleitenben Rebe des Reichskanzlers zur auswättigen Politik verlangten eine Erklärung über Zabern und verschiedene Redner sprachen ihre Verwunderung ober Enttäuschung darüber aus, daß solche Erklärungen vam Regierungstische ausblieben. Den Grund gab der Reichskanzler im weiteren Verlaufe der Debatte klar an: Die Zaberner Vorfälle unterliegen einem gerichtlichen Verfahren, und deshalb hat deLgberste Reichsbeamte die Pflicht zur Zurückboltung. Der Reichstag hat sich die gleiche Zurückhaltung nicht auferlegt. Es sind viel leidenschaftliche Worte gesprochen worden, die alle mehr ober weniger in dem Satz variierten, den niemand angreift und für den sich der Reichskanzler van Anfang an einsetzte, daß nämlich Recht und Gesetz gewahrt werden müssen. Daß die bürgerlichen Parteien sich nicht van der Feindseligkeit gegen die Armee, sondern von der Sorge um die Aufiechterhaltung bet Rechtsgüter sich leiten ließen, erkannte auch ber Reichskanzler ausdrücklich an. Mit umso größerer Entschiedenheit wandte er sich gegen die Versuche der Sozialdemokratie, Volk und Armee gegen einander auszubringen und ihre Verhetzung in die Reihen der Armee zu tragen. Ebenso scharf wies er die Vorstöße zurück, die von den sozialdemoratischen Rednern in völliger Umdeutung des Mißbilligungsbeschluffes gegen unsere verfassungsmäßigen Zustände unternommen wurden. Bei dem weiten Raum^ den die Debatten über Zabern beanspruchten, wurden die sonstigen Fragen bet inneren Politik mehr ober weniger summarisch behandelt."
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Ausland.
« Ein österreichisches „Zabern". Agram, 13. Dez. Hier hat fich heute ein Vorfall ereignet, der in gewisser Beziehung an die Vorkomm- niffe in Zabern erinnert. Eine Gruppe von Wählern zog unter Abstn- gung von Liedern aus die oppositionellen Kandidaten durch die Straßen. Ein Unteroffizier, der mit einer Patrouille von fünf Mann den Demonstranten entgegenkam, forderte die Leute auf, sich ruhig zu verhalten und mit dem Singen aufzuhören. Als diese der Aufforderung keine Folge gaben, kommandierte der Unteroffizier „Fertig!", worauf sich di« Soldaten schußbereit machten. Die Demonstranten ergriffen hierauf schleunigst die Flucht und riefen die Polizei zu Hilfe, die bald darauf in einer Stärke von dreißig Mann erschien. Die Soldatenpatrouille hatte sich jedoch inzwischen zurückgezogen. Eine Untersustung des Vorkommnisses ist eingeleitet worden.
•* Dreistigkeit englischer Frauenrechtlerinnen. London, 13. Dez. Als das Königspaar heute abend einer Opernvorstellung im Eovent- garbett beiwohnte, veranstalteten mehrere Frauenrechtlerinnen eine Kundgebung. Sie standen in ber Loge, die sich gegenüber ber königlichen Loge befindet, auf und entfalteten ein Banner mit der Aufschrift: „Frauen werden in Eurer Majestät Gefängnissen gefoltert." Dann richteten sie einige Bemerkungen an den König, die sich auf die Wieder- verbaftung der Frau Pankhurst bezogen, aber bevor sie noch viel hatten sprechen können, äußerte das Publikum laut seine Mißbilligung und überschrie die Frauenrechtlettnnen. Der König lächelte, als er sah, wie die Frauen sich bemühten, sich Gehör zu verschaffen. Der Zwischenfall dauerte nur eine Minute. Die Frauenrechtlerinnen wurden dann rasch durch Beamte aus dem Hause gewiesen.
*• Internationale Anleihe zur Linderung der Rot in Albanien. London, 13. Dez. Amtlich wird die Nachricht bestättgt, daß sich die großbritannische Regierung an die Großmächte gewandt hat, um wegen einer internationalen Anleihe in Höhe von 60 000 Pfund Sterling zu verhandeln, die den Zweck haben soll, das El-nd in Albanien zu lindern. Auf jede der Großmächte sollen 10 000 Pfund Sterling entfallen. Da die Verhandlungen über den Vorschlag wahrscheinlich einige Zeit dauern werden, hat die englische Regierung ohne den formellen Anschluß der Mächte abzuwarten. Albanien bereits 5000 Pfund Sterling vorgeschossen.
*• Die schlechte Finanzlage Frankreichs. Paris, 13. Dez. Der „Matin" bespricht in einem längeren Artikel die schlechte Finanzlage Frankreichs und fühtt u. a. aus, es sei keinesfalls aufgebauscht, wenn man feststelle, daß mit dem Schluß des Jahres 1918 die französische Regierung. falls sie allen Ausgaben gerecht werden wolle, außeretatsmäßig einer Summe von 2 Milliarden bedarf. „Das Ministerium Batthou wollte zur Deckung dieser Ausgaben eine Anleihe von 1300 Millionen aufnehmen und eine Erbschaftssteuer einführen, die einen (Ertrag von 73 Millionen abwerfen sollte. Was will aber ber neue Finanzminister machen? Mit Schatzscheinen wird er die fehlende Milliarde nicht decken, und schließlich muß er sie doch zurückzahlen."
“ Empfang bei deutschen Militärmiffon in Konstantinopel. Konstantinopel, 14. Dez. Die deutsche Militärmiffion, General Liman ». Sanders unb acht Offiziere, ttas heute vormittag mit dem Konveu-
tionalzuge ein und wurde türkischerseits auf dem Bahnhof offiziell be« . grüßt. Der Empfang trug umso herzlicheren Charakter, als ber Kriegs- ' Minister Izzet Pascha mit bem General Liman von Deutschland her bekannt ist. Um 2 Uhr nachmittags erfolgte die Vorstellung des General« • bei dem Eroßwefir auf der Pforte. — Die Botschafter Rußlands, Eng- . lanbs und Frankreichs richteten an die Pforte eine mündliche Anfrage, welches die Befugnisse des Generals Liman von Sanders sein werden. Der Eroßwefir erklärte, daß er gelegentlich des Empfanges des diplomatischen Korps antworten werde.
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Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesetzes nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberheff. Ztg." gestattet.)
Marburg, 15. De-.
* Forst spiele. Der Rektor der llniverfiai hatte das Mario-- nrttenlhcater Münchener Künstler eingeladen, aus dem Rektorball am Samstag das denkwürdige „Alte deutsche Puppenspiel vom Doktor Faust" aufzuführen, das Goethe die erste Anregung zu seiner Faustdichtung gab. Damit auch weitere Kreise Gelegenheit haben, dieses originelle, alte Spiel zu sehen, hat sich auf Anregung' St. Magnifizenz der Begründer und Leiter des Marionettentheaters, Paul Brann, entschloßen, seine Faustspiele von Sonntag bis Dienstag in den Stadtsälen öffentlich zu veranstalten. Ueber- all wo Paul Brann auf seinen weiten Gastspielreisen hingekommen ist, hat er erfreulich große Erfolge erzielt. So erlebte sein Puppen- spiel in Berlin mehr als 100 Aufführungen, und die Kritik sprach sich allenthalben überaus günstig aus sowohl über den großen künstlerischen Wert und den starken, eigenartigen Reiz als auch über die ausgezeichnete Technik der Darstellung. Und dem kann man in jeder Hinsicht beipflichten. Unser modernes großes Theater zum Teil dem verirrte Geschmack des Publikums folgend, ist fast ganz auf Abwege geraten. Echte Kunst und Originalität ist vielfach seichten Unterhaltungsstücken gewichen, in denen man sehr oft auch das geringste Maß von Sinn und literarischem Wert vermißt. Das Marionettentheater Münchener Künstler stellt die Erneuerung einer feinen alten Kunst dar, seine Borstellungen hat man treffend das Wiedererwachen und die Weiterbildung einer Kunst genannt, die sich dem Ideal dramatischer Darbietung nähert. Sie sind stilrein und aus einem Guß, die Bühnenbilder klar und einfach. Ein eigentümlicher Reiz geht von ihnen aus; Erinnerungen an die Kindheit werden in uns wach, wenn wir den Kasperle, den satirisch-derben Hans Wurst vor uns sehen, der selbst dem Teufel mit seiner lustigen Gaunerei überlegen ist und neben Faust das aus Spaß und Schmerz gemischte Leben verkörpert. Wir sehen, wie sich das „erschröckliche Ende des lastervollen Lebens des weltberühmten, jedermänniglich bekannten Ertzzauberers Doktoris Johannis Fausti" zuträgt, wie er alle Freuden der Welt auf Grund seines Paktes mit dem Teufel genießt und schließlich unter Donner und Blitz von der glühenden Höllenglut mit ihrem Teufelszeug verschlungen wird. Trotzdem die gestrige Vorstellung noch nicht allgemein bekannt war, hatte sich doch ein zahlreiches interessiertes Publikum eingefunden, das den trefflich geführten Figuren und ihren Sprechern regen Beifall spendete, für den Hans Wurst mehrfach freundlich dankte. Es ist zu hoffen, daß recht viele — groß und klein — von der ihnen heute und morgen Nachmittag und Abend gebotenen Gelegenheit Gebrauch machen werden, di» Faustspiele zu besuchen. Jeder wird die kleine, künstlerische Bühn« befriedigt und mit der lleberzeugung verlaßen, etwas Wert- unV Gehaltvolles gesehen und sich gleichzeitig köstlich amüsiert zu haben,
* Seinen 90. Geburtstag begeht morgen unser Mitbürger, Herr Heinrich Kühneweg. Geboren am 16. Dez. 1823 in Wolfhagen, erlernte er zunächst im Elternhause das Wagnergewerbe. Am 1. März 1850, also wohl kurz nach Eröffnung der Eisenbahnlinie Frankfurt-Cassel, kam er hierher als Lokomotivheizer. Am 4. März 1900 beging er sein 50jähr. Dienstjubiläum, wobei ihm das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen wurde. Zwei Jahre später trat er in den Ruhestand. Der Jubilar erfreut fich bis auf den heutigen Tag guter Gesundheit. Den vielen Gratulationen, die ihm zuteil werden, schließen wir uns an. I
* * Seinen 70. Geburtstag begeht morgen der vor einigen Jahren erblindete hier wohnhafte Kriegsveteran Paulus Koch.
* Kirchenkonzert. Wenn auch in erster Linie die Hauptaufgabe der Kirchenchöre darin besteht, durch ihre gesanglichen Darbietungen den Gottesdienst, besonders bei kirchlichen Festen, feierlicher zu gestalten, so wird es doch dankbar begrüßt, wenn fie auch dann und wann einmal in einem besonderen Kirchenkonzert an die Oeffentlichkeit treten. So erfreute fich denn auch das gestern abend in der lutherischen Pfarrkirche abgehalten« Konzert des lutherischen Kirchenchors einer zahlreichen andächttgen Zuhörerschaft, die fich aus allen Kreisen der Bewohner Marburgs und der Umgebung zusammensetzte. Und Weihnachtsstimmung beherrschte bald die Besucher, die den einzelnen Darbietungen mit großem Jntereße folgten. Auf der neuen prächtigen Orgel leitete zunächst der bekannte Organist, Herr Möller aus Gaffel, den Abend in vielversprechender Weise mit einem Präludium und Fuge in A-moll von, I. S. Bach unter voller Beherrschung des schwierigen Instrument» ein. Abwechselnd folgten im weiteren Verlaufe des Abends Chöre sowie Einzelvorträge des Tenoristen Hugo Werner-Marburg und Frl. Elisabeth Funk-Marburg. Wie die verschiedenen gut ausge- wählten und vortrefflich eingeübten Chöre, so hinterließen auch di« Einzelvorträge der beiden Mitwirkenden, die gute Schulung verrieten, einen nachhaltigen Eindruck. Glänzend gelangen auch di« weiteren Orgelvorträge des Herrn Möller. Den ganzen zweiten Teil des Konzerts füllte die neuerdings in verschiedenen Städten mit Erfolg vorgetragene Weihnachtskantate von Karl Hirsch nach Worten der heiligen Schrift und unter Verwendung altet Kirchengesänge für Soli, Chor, Orgel und zwei SolovtolinLU, ge*