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Marburg
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"Wo 9QO die Dost 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ..
1913
Buchdruckerei I. A. Koch (Znh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
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Mftes Blatt.
Rundschau.
Der 2. Tag der Haushaltsberatung.
Auch der 2. Tag der Haushaltsberatung ging im großen und ganzen im Frieden dahin. Zunächst war über die Frage, ob die in die Wählerliste eingetragenen Wähler bei einer Nachwahl zur Ausübung des Wahlrechts auch dann berechtigt sind, wenn sie inzwischen ihren Wohnsitz verlegt haben, nach dem Antrag der Wahlprüfungskommission im bejahenden Sinne entschieden worden, trotzdem seitens der Rechten und der Nationalliberalen Bedenken erhoben wurden; ob der Beschluß praktischen Wert hat, ist freilich nach dem ablehnenden Verhalten des Reichskanzlers zweifelhaft.
Dann ergriff für die Konservativen ihr neuer Fraktionsvorsitzender, Eraf Westarp, das Wort. Er beschäftigte sich zunächst mit dem Haushalt, übte einige Kritik an den Steuergesetzen und ging kurz ans die auswärtige Politik ein. Bei Besprechung der Zaberner Angelegenheit richtete er gegen den reichsländischen Staatssekretär Zorn v. Bulach scharfe Worte wegen seiner Erklärung, daß er „jetzt keine Veranlasiung m e h r zum Rücktritt" habe, in denen fast unverblümt von einem Sieg der Zivilverwaltung über die Militärverwaltung die Rede gewesen sei. Weil die Konservativen keinen Hehl daraus machen, daß sie mit der Behandlung der Zaberner Angelegenheit durch die Regierung keineswegs sehr einverstanden sind, sprechen die bürgerlichen Parteien, die gegen den Reichskanzler das Mißtrauensvotum gerichtet haben, von einer „konservativen Fronde". Sie wollen so den peinlichen Eindruck etwas verwischen, den ihre Stellungnahme und ihr Handinhand- gehen mit der Sozialdemokratie erweckt hat.
Nach dem Abg. Wiemer (Fortschr.) ergriff zunächst der Kriegsminister v. Falkenhayn das Wort, um die Militärbehörde gegen den Vorwurf in Schutz zu nehmen, als ob sie nicht rechtzeitig im Fall Forstner eingeschritten sei; auch zum Fall Kittel gab der Kriegsminister eine an das Zentrum gerichtete Erklärung ab, die versöhnend wirken sollte. Es folgten der Pole v. Marowski und . der Reichsparteiler Freiherr v. Camp. Dann erhob sich unter allgemeiner Spannung noch Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, um zunächst über die Frage des Arbeitswilligenschutzes zu sprechen. Er stimmte den Konservativen darin zu, daß es sich um eine ernste Sache handele und daß auch die Regierung der Meinung sei, daß auf ihrer Seite die Initiative liegen müsie. Sie werde diese Initiative auch ergreifen. Aber er st g u gegebener Zeit. Das Problem sei zu kompliziert, um schon jetzt zu positiven Vorschlägen reif zu sein. Der Staatssekretär des Innern ist mit der Ausarbeitung einer Denkschrift beschäftigt, die besonders auch über entsprechende gesetzliche Bestimmungen des Auslands Aufschluß geben wird. Von dieser Denkschrift, die dem Reichstag in absehbarer Zeit zugehen wird, erhofft der Reichskanzler eine Klärung, von der aus sich weitere Beschlüsie sasien lasten werden. Weiter bemühte sich der Kanzler, den Umfall des Bundesrats in der braunschweigischen Frage wegzubeweisen und wandte sich dann nochmals scharf gegen die Sozialdemokratie, der die Vorfälle in Zabern ein willkommener Anlaß gewesen sei, um gegen die ver- fastungsmäßigen Rechte des Kaisers und gegen das Heer Sturm zu laufen.
Das Ausland zur Kanzlerrede.
Die Rede des Reichskanzlers über die auswärtigen Beziehungen Deutschlands wird in der Preste der Großmächte recht freundlich besprochen, was ja nicht Wunder nimmt, da Herr von Bethmann Hollweg nach allen Seiten liebenswürdige Worte fand und sich befleißigte, nicht zu viel zu sagen. Besonders zufrieden ist naturgemäß die Preste unserer beiden Verbündeten; sie stellt fest, daß für seine Betonung der unerschütterlichen Jnterestengemein- schaft und der außerordentlichen Bewährung des Dreibundes der Reichskanzler in der gesamten öffentlichen Meinung ein durchaus sympathisches Echo finden wird.
Jnterestanter ist die entgegenkommende Haltung der französischen und englischen Blätter. So schreibt der „Excelsior":
„Die Worte des Reichskanzlers werden im Ausland« gewiß eine günstige Aufnahme finden, denn sein« Erklärungen tragen das Gepräge eines friedfertigen Freimutes, der den besten Eindruck Hervorruf!. Wenn der Reichskanzler bezüglich der Frage der deutschen Militärmistion auch nicht die begreifliche Neugier des Publikums befriedigt hat, so hat er doch zum mindesten wiederholt von den deutsch-stanzösischen Beziehungen in Ausdrücken gesprochen, die um seine eigenen Worte zu gebrauchen, von einer erfreulichen Korrektheit erfüllt sind. Herr v. Bethmann hat, was uns anbelangt, di« Versicherung gegeben, daß die deutsche Regierung sich bemühe, Konflikten vorzubeugen — allerdings mit dem Beifügen, daß die deutsche Tatkraft sich auf den wirtschaftlichen Gebieten der Welt entfalten will. Keine Macht wird in dieser Entfaltung, falls sie die erworbene Stellung anderer respettiett, eine Unzuträglichkeit sehen."
Die „RSpublique Francaise" meint:
„Herr v. Bethmann-Hollweg hat von einem vertrauensvollen Zusammenwirken mit England gesprochen, der Freundschaft mit Rußland und der erfreulichen Korrettheit der Beziehungen mit Frankreich. Die Abstufung ist eine sehr wohl abgewogen«. Aber wir haben dagegen nichts einzuwenden, man könnt« höchstens den ganz besonders liebenswürdigen Ton der ganzen Rede England gegenüber hervorheben, an das Deutsch- ffand offenbar ein Annäherung sucht. Selten war ein Expose dieser Art maßvoller und besonnener im Inhalt und versöhnlicher dem Tone «ach."
Der Londoner „Daily Eraphic" erklärt zu den deutsch-eng- vschen Berhandlnugen:
„Diese diplomattsche Leistung, zu der wir Herrn v. Bethmann Holl- ■ ewg und Str Edward Grey herzlich gratulieren, ist um so befttedigender, ' tie sie nicht nur eine Lösung von Schwierigkeiten darbietet, sondern auch
das Ergebnis einer bei weitem günstigeren Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens ist. Bei Herstellung dieser erfreulichen Beziehungen ist das Hauptmoment der neuen Entente, daß sie nicht nur die reibungslose Wirksamkeit des neuen Abkommens garantiert, sondern auch die automatische Lösung einer tiefer greifenden Rivalität, die die Diplomaten, ungleich gewisten vielgeschästigen Seelords, weise unberücksichtigt gekästen haben."
„Daily News" schreiben:
„Die Erklärung des Reichskanzlers über die deutsch-englischen Beziehungen ist eine willkommene Anerkennung der Veränderung, die in so kurzer Zeit über die europäische Politik gekommen ist. Es ist Grund zur Hoffnung, daß das nicht nur vorübergehend ist. Die Bestrebungen des Kanzlers werden bei der großen Maste der öffentlichen Meinung auf beiden Seiten der Nordsee herzliche Unterstützung finden."
--H——
Deutsches Reich-
— Veränderung in hohen Marinestellen. Berlin, 10. Dez. Kontreadmiral TrummIer. kommandiert zur Dienstleistung bei der Inspektion der Küstenartillerie und des Minenwesens, wurde zum Inspekteur dieser Inspektion und gleichzeitig zum Kommandanten der Befestigungen an der Elbmündung ernannt. Befördert wurden: zum Vizeadmiral der Kontreadmiral Scheer, beauftragt mit der Führung des 2. Geschwaders unter Ernennung zum Chef dieses Geschwaders; zum Kontreadmiral der Kapitän zur See Maaß, beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des 3. Admirals der Aufklärungsschiffe unter Ernennung zum 3. Admiral der Aufklärungsschiffe. Auf sein Gesuch wurde mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt Vizeadmiral Schack, Inspekteur der Küstenartillerie und tzes Minenwesens und zugleich Kommandant der Befestigungen bei Cuxhaven.
— Das gefährdete Mandat des Abg. v. Liebrrt. Berlin, 10. Dez. Die Wahlprüfungskommifsion des Reichstages beschloß heute, dem Plenum die Ungüligkeitserklärung der Wahl des Abg. von Liebert (Rp.) vorzuschlagen.
— Landtagsersatzwahl. Simmern, 10. Dez. Bei der Ersatzwahl zum Hause der Abgeordneten im Wahlkreise Koblenz 4 (Sim- metn) wurde der Gutsbesitzer Carl Andres-Kreuznach (natlib.) mit allen von den 260 abgegebenen Stimmen gewählt.
— Die Landtagswahlen in Reuß j. L. Eera (Reuß), 10. Dez. Bei den Landtagswahlen im Fürstentum wurden gewählt zehn bürgerliche Abgeordnete und ein Sozialdemokrat. An Stichwahlen sind zwei zwischen Bürgerlichen, vier zwischen Bürgerlichen und Sozialdemokraten notwendig.
— Die sächsischen Konservativen über Zabern. Dresden, 16. Dez. Der Führer der sächsischen Konservativen, Dr. Mehnert, griff gestern unter dem Beifall der Vertreter der sächsischen konservativen Partei in deren Landesversammlung den Reichskanzler und die Reichsregierung wegen der Hmltung in der Zaberner Affäre scharf an. Die Auffassung des Reichstages sei ein Skandal, wie wir ihn in Deutschland noch nicht erlebt hätten. Der Hinweis des Reichskanzlers am zweiten Vsrhandlungstage auf sein Festhalten an der reichsländischen Verfassung sei mindestens deplaziert gewesen. Die Politik der Versöhnung sei nichts als eine Politik derSchwLche, also möge man von ihr ablasten. Das Volk sehne sich nach einer Regierung, die nicht bloß so heiße, sondern eine Regierung s e i. Die Regierung solle führen und nicht letzten Endes geführt werden von den Linkesten der Linken. Dem Kaiser wünscht die sächsische konservative Partei einen tapferen Mut und unbeugsame, furchtlose, verständige Räte, die nicht erst fragen: „Was wird der Reichstag dazu sagen?"
— Nationalliberale gegen die Haltung ihrer Reichstagsfraktion. Esten, 10. Dez. Eine Versammlung des Nationalen Vereins, von desten 8000 Mitgliedern die große Mehrheit der nationalliberalen Partei angehört, hat gestern nach einem Vortrag über Zabern und den Deutschen Reichstag der nationalliberalen Fraktion des Reichstages wegen „ihrer die deutschen nationalen Interessen völlig außeracht lassend en H altu n g in der von Französlingen und Sozialdemokraten gegen das deutsche Heer entfachten und künstlich geschürten Hetze" die schärfste Mißbilligung ausgesprochen.
— Die medizinischen Fakultäten zum Streit der Aerzte und Krankenkasten. Berlin, 10. Dez. Wie verlautet, haben sämtliche medizinischen Fakultäten der deutschen Universitäten sich in einer Eingabe an den Reichskanzler gewandt, um einer allgemeinen Einigung zwischen der Aerzteorganisation und den Krankenkasten im Reiche die Wege zu ebnen.
— Staatliche Zuschüsse für die kommunale Arbeitslosenverfiche, rung. München, 10. Dez. Die Regierung brachte im Landtag eine Vorlage ein, die 75 000 Jt für Zuschüsse an Gemeinden fordert, die die Arbeitslosenversicherung einsühren.
— Dir Dienstbotenversicherung. Berlin, 10. Dez. Der „Berl. Lokalanzeigei" veröffentlicht einen Artikel des Mitgliedes des Reichstags Dr. Arendt über die Dienstbotenversicherung, in dem es heißt, es fei weniger das Gesetz als die Art der Ausführung, wodurch die Erregung der beteiligten Kreise so groß geworden sei. Den Parteien der Rechten sei es wenigstens gelungen, daß für Dienstboten Landkrankenkassen errichtet werden konnten, wodurch die Beiträge erheblich kleiner würden. Im Mansfelder Seekreise sei z. B. der Höchstbeitrag 13 J*. jährlich, während in Berlin der Jahresbeitrag 43 J*. betrage, wofür die städtische Verwaltung die Hauptschuld träfe. Man müste aber allgemein fordern, die Dienstboten aus den Ortskrankenkassen herauszunehmen sowie die Selbstversicherung der Dienstherrschaft zu erleichtern und zu verallgemeinern. Zu erstreben wäre die Eründugn einer Genossenschaft, deren Mitglieder ihre gesetzlichen Verpflichtungen selber übernehmen und ihre Barauslagen auf dem Wege des Umlageverfahrens von der Genostenschaft ersetzt erhalten. Der
Beitritt zu dieser Eenostenschaft müßte für die Befreiung von der Krankenkastenpflicht genügen. Die Art der Aufbringung der Versicherung durch die Eenostenschaften müßte gesetzlich geregelt werden.
— Ein Landfriedensbrnchprozetz. Meiningen, 10. Dez. Nach fünftägiger Verhandlung wurde gestern gegen Mitternacht der Sonneberger Landfriedensbruchprozeß vor dem hiesigen Schwurgericht beendet. Es handelte sich um Ausschreitungen gelegentlich des Ausstandes der Packer und Einbinder in Sonneberg im Juni d. Js. Neun Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis zu einem Jahre verurteilt. Zur Verhandlung waren 135 Zeugen geladen.
■ - n i —-
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des llrhebergesetzes nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhest. Ztg." gestattet.)
Marburg, 11. Dez.
. * Städtisches. Am nächsten Montag, nachmittags 5 Uhr, findet eine Sitzung der Stadtverordneten statt. z
* Akademischer Gottesdienst. Am nächsten Sonntag früh findet ■ in der reformierten Stadt- und llniversitätskirche akademischer Gottesdienst statt. Die Predigt hält Prof. D. Simons. ■
* Lehramtliches. Die Abhaltung des sechswöchigen Seminarkursus für Kandidaten des evangelischen Predigtamts für Hesten- ' Nassau im Jahre 1914 sind wie folgt festgesetzt: in Homberg am Montag nach dem 1. Aug., in Schlüchtern am Montag nach dem 15. ' Januar, in Dillenburg am Montag nach dem 15. Januar. Die Termine für die Prüfungen an den Lehrerseminaren im Jahre 1914 erfolgen wir folgt:
Seminar
Tag deS Beginn? bet
Aufnahmeprüfung
Entlastungsprüfung
Castel, israel.
1. April
16. Mörz.
Eschweae, evang.
2. April
25. Februar.
F ankenberg, evang.
2 April
9 September.
Fulda kath.
2. April .
17. August.
Homberg, evang.
2. Avril
1’. Februar.
Scklübtern, evang.
24 Seprember
27 Augull.
Rinteln, eban«.
2. April
18. Februar.
Dillenburg parit.
24 September
2S. August.
Montabaur, parit.
1. Avril
22. Januar.
U(innen, Parit.
2. April
-8. ^anuar
* Der Umtausch der alten Jnvaliden-Marken. Am 31. Dezember d. I. läuft die Frist ab, bis zu welcher die im Besitze des Publikums vorhandenen alten Jnvalidenmarken bei der Post umgetauscht werden können. Es sind dies die Marken, die bis zum 31. Dezember 1911 gültig waren und Werte von 14, 20, 24, 30 und 36 Pfennig hatten.
• Die Provinz Hesten-Nastau und die Maul- und Klauenseuche. > Auch in der neuesten für das Reich aufgenommenen Statistik steht die Provinz Hesten-Nastau hinsichtlich der Maul- und Klauenseuche i sehr günstig da, da dieselbe weder für den Regierungsbezirk Castet i noch für den Regierungsbezirk Wiesbaden einen Seuchenfall verzeichnet. — Lange nicht so günstig steht es aber nach wie vor mit der Schweineseuche und Schweinepest im Reg.-Bez. Cassel, da wieder eine Anzahl von Fällen an den hierfür maßgebenden Stellen zur Anmeldung gelangten.
* Marburger Konzertverein (Fünfter Abend: „Der Barbier von Bagdad".) Wenn es Peter Cornelius, den nun schon fast vierzig Jahre der Grabhügel deckt, erlebt hätte, daß seinem „Barbier" nach dem kränkenden Fiasko in Weimar 1858 solch eine Auferstehung beschieden sein sollte! Ob er sich wirklich freuen würde, daß bei dieser Auferstehung die Bühne fast ganz abseits steht und den Konzertsaal nach seinem Bühnenwerk greifen läßt, mit mehr und mehr zulangenden Händen? Das bleibt sehr die Frage. Das lehrte die gestrige Aufführung. Der „Barbier" ist so durchaus szenisch konzipiert und ausgeführt, seine Worte und Töne sind so auf die Kunst des Eeberdenspiels berechnet, daß unter den auftretenden Personen die Vertreter der Solopartien ganz besonders auf Schritt und Tritt bei einer Konzertaufführung in Konflikte zwischen Konzertgesang und Schauspiel geraten. Kostüme, Szenette, Spiel fehlen allenthalben. Und eine Liebesszene, in der die Liebenden ihre Worte und Weisen erst in großen Notenheften suchen mästen, wirtt nicht eben natürlich, wie anderseits mimisches Spiel — im allgemeinen mit Recht — beim Konzertsänger beanstandet wird. Aber der Vertreter einer Rolle wie des „Barbiers" kommt ohne eine gewiste Mimik garnicht aus; nicht weil der Erfolg von schauspielerischen Zutaten abhinge, sondern weil ein so vollkommenes Beherrschen der Partie, wie wir es gestern abend bewundern durften, den Sänger dazu einfach nötigt, geradezu zwingt. Es steht zu hoffen, daß das Verlangen nach dem szenischen „Barbier von Bagdad" mehr und mehr ein allgemeine» werde. Dafür werden die Konzertaufführungen die beste Pionierarbeit leisten. Bis aber diese Hoffnung nicht erfüllt wird — wer weiß, ob das je geschieht — kommt den Konzertaufführungen de» Cornelius'schen „Barbiers" ebensolche selbständige Berechtigung zu wie etwa denen von Glucks „Orpheus", oder „Fausts Verdammnis" von Berlioz und anderen Werken. — Die gestrige Aufführung konnte eitel Freude wecken. Sie stand unter einem günstigen Stern. Alle Beteiligten haben ihre volle Kraft eingesetzt, um dem Werke Cornelius' hier eine durchaus würdige Wiedergabe zuteil werden zu lasten. Die Solisten waren gut, zum Teil recht gut gewählt. An ihrer Spitze stand Herr D e n i j s (Berlin) mit der prächtigen Leistung seines außerordentlich scharf charakterisierten, mit hervorragender Sicherheit gesungenen „Barbiers". Die Partien der Margiana und der Costana wurden von Frau Neuge- bauer-Ravoth (Hamburg) und Frau Dentis, zwei mit erlesen schönen, einander fein kontrastierenden Stimmen ausgestatteten SängerinneN, sehr gut vertreten. Herr Ludwig Rüge s