mit dem Krersölatt für die Kreise Marburg und Kirchhmn
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ÄOU frei ins Haus. - Verlag von Dr. T. Hitzeroth. -Druck der Un.m.
1913
Buchdruckerei I. A. Koch lZnh- Dr. T. hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Erttes Blatt
Marburg
Freitag, 5. Dezember
Die „Oberhessische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich dur»
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Ein zudringlicher Engländer in Jabern. I
Zabern, 4. Dez. Als heute mittag kurz vor 1 Uhr der Ver- | tretet des Londoner Blattes „Daily Mirror" A. Wyndham auf | der Straße den vorübergehenden Leutnant Schadt vom Infanterie- , regiment Nr. 99 photographierte, veranlaßte der Leutnant I einen Gendarmen, Windham festzunehmen und den Apparat mit I Beschlag zu belegen, wobei es dem Engländer gelang, den Sistie- I rungsakt zu photographieren. Wyndham wurde zur Polizei mit- I genommen, wo ihm auf Anordnung der Kreisdirektion mitgeteilt I wurde, daß das Gericht über die Angelegenheit, die Beschlagnahme des Apparates usw. befinden werde. Das Gericht hat dann von I einer Verhaftung des Engländers Abstand genommen und ihm auch die beschlagnahmte Kamera zurückgegeben. Nur zwei Platten I mit Aufnahmen des Leutnants Schadt wurden zurückbebalten. I
Zabern inner- und außerhalb des Reichstags.
Das angekündigte Mißtrauensvotum gegen den Reichskanzler I ist gestern im Reichstag mit 293 gegen 54 Stimmen der Rechten hei 4 Stimmenthaltungen angenommen worden. Das war zu »rwarten. Es ist schon einmal in der polnischen Frage ein solches gegen Herrn v. Bethmann Hollweg ergangen, ohne daß es seinen I Rücktritt veranlaßt hätte, lleber sein Bleiben im Amte entscheidet I allein der Kaiser, und es ist nicht anzunehmen, daß der Kaiser 1 seinen Kanzler jetzt fallen lassen wird. Gestern abend hat sich Herr I v. Bethmann Hollweg zum Vortrag beim Kaiser nach Donau- I eschingen begeben. Diese Reise hängt, wie die „F. Z." von zuver- I lässiger Seite erfährt, nicht mit Rücktrittsabsichten zusammen, I wie man denken könnte, da der Kanzler gestern in einer zweiten I Rede offen seine Stellung als gefährdet bezeichnet hat. Die I Reise gilt vielmehr dem vom Kanzler in seiner Rede ebenfalls gekennzeichneten Willen der obersten Stelle, daß Militär- und Zivil- verwaltung Hand in Hand gehen soll. So erklärt sich auch, daß gleichzeitig der Statthalter Graf W e d e l und General v. D e i m - ling zum Kaiser berufen sind. Trotzdem darf man sich nicht verhehlen, daß der Konflikt, der zwischen Regierung und Reichstag entstanden ist, einen ernsten Charakter trägt. Mitte der nächsten Woche, bis dahin ist die Etatsberatung verschoben, wird es sich entscheiden, ob der Ritz' zwischen Regierung und Reichstag so grotz ist, daß er sich nicht wieder schließen läßt.
Auch in seiner zweiten Rede hat Herr 0. Bethmann Hollweg an seinem zuerst entwickelten Standpunkt festgehalten und sogar ausdrücklich sein volles Einvernehmen mit dem Kriegsminister erklärt. Zm übrigen war seine Rede eine Antwort auf die Anfrage des Abg. v. Calker, wie denn weiter die Politik in Elsatz-Lothrin- gen geführt werden solle. Herr v. Bethmann Hollweg erklärte, daß er an der Verfasiung und von ihm für richtig befundenen bisherigen Politik in dem Reichslande festhalten wolle. Er gestand zwar ein, daß sie „viele unerfreuliche Erscheinungen" gezeitigt hat; dennoch ist er von einem großen Optimismus erfüllt, den zu teilen einem nach den bisherigen Erfahrungen reichlich schwer wird. Eine ruhige und feste Hand soll gezeigt werden. Sehr oft fit diese ruhige und vor allem f e st e Hand jedoch vermißt worden. Der Kanzler wurde auch gestern wieder von lärmenden Zwischenrufen unterbrochen, die ihn aber ebensowenig wie am ersten Tage aus seiner Ruhe zu bringen vermochten. In dem konservativen Abg. Rogalla v. Bieberstein fand er einen warmen Verteidiger seiner Stellungnahme. Dieser Redner teilte auch eine bisher unbekannte Tatsache mit, aus der hervorgeht, daß die Zaberner Polizei wirklich nicht in der Lage war, erfolgreich gegen die Menge einzuschreiten, da nur ein Polizist auf der Wache und also unabkömmlich war. Am 9. November habe der Kreisdirektor den Obersten v. Reuter sogar um militärische Unter st Ltzungersucht. Das ist bis jetzt noch nie berichtet worden, lleberhaupt war die Berichterstattung manchmal recht wenig zuverlässig und richtig. Man hat sich riesig über die Verhaftung eines Staatsanwaltes aufgeregt. Nun teilt der Zaberner Staatsanwalt Kleibömer der „Deutschen Tageszeitung" mit, daß feine Verhaftung gänzlich erfunden und er auch niemals eine Nacht eingesperrt gewesen sei. Das läßt seltsame Schlüsse zu für die gesamte Aufbauschung der Angelegenheit.
Mit der Beendigung der gestrigen schon etwas abslauenden Reichstagsdebatten wird das Kapitel Zabern hoffentlich überhaupt geschlosien sein. Die Art und Weise, wie der große Teil des Reichstags seine Stellung kundgab, ist tief beschämend. Der wilde Tumult war eines deutschen Parlaments unwürdig. Man kann den Eindruck nicht los werden, daß der vornehmlich auch von den Freisinnigen geübte ohrenbetäubende Lärm lediglich um der Opposition willen künstlich inszeniert war. Diejenigen, die glauben, hier eine Gelegenheit zu einem auf Erweiterung der parlamentarischen Rechte abzielenden Vorstatz zu besitzen, werden sich wohl gründlich getäuscht haben. Es geht nicht an aus lokalen, zwar nicht verständigen aber verständlichen Ueberschrei- tungen der Machtbefugnisie des Militärs und aus Verfehlungen eines jungen Offiziers, die mit Recht gesühnt werden muffen, eine Haupt- und Staatsaktion zu machen und mit Schlagworten um sich zu werfen, als lebten wir in einem despotischen Willkür- und nicht in einem Rechtsstaat.
Was die Presse über die Ereignisse im Reichstage sagt, ist mit einigen Worten skizziert. Die rechtsstehenden Blätter stehen auf der Seite des Kanzlers und des Kriegsministers. Die Zeitungen des Zentrums, das im Reichslande starke Parteiintereffen hat, nehmen gegen beide Stellung, wie es bereits in der Rede des Abg. Fehrenbach zum Ausdruck gekommen ist, halten sich jedoch von den maßlosen Ausbrüchen fern, die sich die demokratischen und sozialdemokratischen Blätter leisten. Der „V 0 r w 8 r t s" wütet natürlich, schreibt von „Anarchie", „Hochverrat des Militärs" und vom „elsässischen Wildwest". An der Spitze des gestrigen Blattes bringt et einen Aufruf des Parteivorstandes, in dem die Genossen aufgefordert werden, so schnell wie möglich Protestversamm- l u n g e n wegen der Vorgänge in Zabern einzuberufen. Die Versammlungen sollen Verwahrung einlegen gegen die „unerhörten Provokationen", die der Reichskanzler und der Kriegsminister dem Reiche und damit dem ganzen deutschen Volke angeblich ins Gesicht geschleudert haben. „Berliner Tageblatt", „Freisinnige Zeitung", .^ranffurter Zeitung" usw. überbieten sich gegenseitig in Angriffen auf Regierung, Kanzler und Armee. Es ist überall derselbe Ton, über den man nichts weiter zu sagen braucht.
Ausland.
* * Rußland und die deutsch« Militärmisfion. Wien, 3. Dez. Ein amtlicher russischer Schritt in der Angelegenheit der deutschen Militärmission ist in Konstantinopel erfolgt. Es ist aber nicht anzunehmen, daß die Türkei ihre Haltung ändern wird.
* * Frau Pankhurst wieder in Sicherheit. London, 4. Dez. Frau Pankhurst wurde bei ihrer Rückkehr aus Rewyork in Plymouth verhaftet.
* * Bauernunruhen auf Sizilien. Trapani (Sizilien), 4. Dez. 1500 Bauernbündlet marschierten gestern vor die Präfektur und verlangten die Freilassung von 20 verhafteten Eenoffen. Als ihrem Wunsche nicht Folge geleistet wurde, griffen sie die Polizei an und verwundeten 25 Polizisten durch Steinwürfe. Die Ordnung konnte erst durch Truppen wieder hergestellt werden. 80 Bauern wurden verhaftet.
* • Die armen Inder und die bösen „Afrikanderwölfe". Kalkutta, 4. Dez. Im Rathause fand gestern unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung eine Protestversammlung gegen die Behandlung der Inder in Südafrika statt. Den Vorsitz führte der Maharadja von Burdwan. Unter begeisterter Zustimmung bet Anwesenden wurde eine Entschließung angenommen. In bet gegen
Deutsches Reich.
— Der Reichstag und die Ausstellung in San Franzisko. Berlin, 4. Dez. Dem Reichstag ist ein von 242 Abgeordneten unterzeichneter Antrag Baffermann, Paasche, Ebert, Haase, Krings, Eothein und Heckscher eingegangen, wonach durch einen dritten Nachtragsetat 500 000 M als erste Rate eines Beitrags zu den Kosten der deutschen Ausstellung in San Franzisko eingestellt wer den sollen. Der Ausgleich im Etat soll durch Erhöhung des Einnahmepostens aus der Zigarettensteuer um 500 000 «M. geschaffen werden. , Ä
— Zur Neichstagsersatzwahl in Rosenberg-Löbau. Danzig, 4. Dez. Der Nationalliberale Provinzialverband für Westpreu- tzen hat den Konservativen ein Wahlabkommen auf der Grundlage angeboten, daß die deutschen Parteien sich auf einen der Reichspartei zugehörigen Kandidaten einigen.
— Frhr. v. Hertling und die Rüstungsfrage. München, 4. Dez. In der Kammer der Abgeordneten kam bei der Besprechung des Etats des Ministeriums des Aeutzern der Ministerpräsident Frhr. v. Hertling auf die Frage des Abg. Quidde (Lib.) auf seine kürzliche Aeutzerung zurück, daß jetzt mit den Rüstungen auf lange Zeit ein Ende sein müsse. Er erklärte: „Meine Aeutzerung sollte ein Warnungssignal sein. Man verstand dies in der Presse sofort, deutete aber nicht in freundlicher Weise meine Worte. So sehr' ich im Frühjahr von der Notwendigkeit der Rüstungen überzeugt war, so sehr bin ich der Meinung, datz die damals vorgenommenen und in die Wege geleiteten Rüstungen auf Jahre ausreichen, um die Machtstellung Deutschlands zu festigen. Ich wünschte deshalb, gewissen Kreisen, die immer glauben, neue Rüstungen verlangen zu müssen, ein Warnungssignal zu geben. Ich habe in den matzgebenden Kreisen aus diesen meinen Meinungen niemals ein Hehl gemacht."
— Deutscher Evangelischer Volksbund. Berlin, 3. Dez. Heute abend wurde die erste allgemeine Bundesversammlung des Deutschen Evangelischen Volksbundes durch einen Festgottesdienst in der Sophienkirche eingeleitet. Nach dem Tätigkeitsbericht des ge- schäftsführenden Direktors Pastor Stuhrmann zählt der Bund jetzt 43 000 Mitglieder, 30 000 mehr als vor einem Jahre. Die Verhandlungen erstrecken sich auf die Aufgaben des bibelgläubigen Protestantismus in der Gegenwart.
— Untersuchung der Zustände auf dem Gebiete des städtischen Immobiliarkredits. Berlin, 4. Dez. Der Reichskanzler hat die Einsetzung einer Kommission in Aussicht genommen zur Untersuchung der Zustände auf dem Gebiete des städtischen Immobiliarkredits und zur Gewinnung von Vorschlägen für die Abstellung etwaiger Mitzstände. Zunächst aber soll die Gestaltung der Kommissionsverhandlungen in einem engeren Sachverständigenkreis vorberaten werden. In diesen letzteren hat der Reichskanzler folgende Personen berufen: Professor Dr. Albrecht-Berlin, Geschäftsführer bei Zentralstelle für Volkswohlfahrt, Berthold, Landrat in Blumenthal, Dr. Siebt, a. 0. Professor in Marburg, Dr. Dernburg, Exzellenz, Professor Dr. Eberstadt, Berlin, Geheimrat Liebrecht, Vorsitzender der Landesversicherungsanstalt Hannover, Frhr. v. Pechmann, Direttor der Bayerischen Handelsbank in München, Dr. Schwartz, Direktor der Preußischen Zenttalboden- kredit-Attiengesellschaft, Berlin, Dr. Stübben, Geheimer Oberbaurat, Berlin, Thinius, Direktor der.Preußischen Hypotheken-Aktien- bank, Berlin. Die erste Sitzung dieses engeren Ausschusses soll am 16, Dezember in Berlin stattfinden.
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die den Indern in Südafrika aufgelegten Beschränkungen Einspruch erhoben und die Politik der passiven Residenz befürwortet wird. Der Maharadja stellte die dtignende Forderung, datz das begangene Unrecht dadurch gut gemacht werde, daß alle Inder wieder in die Heimat zurückgebracht würden. Während der Rede steigerte sich die Aufregung außerordentlich. Schreie, Händeklatschen und Ausdrücke höchster Erregung waren allseits vernehmbar, sodatz der Redner unverständlich blieb. Ein mohammedanischer Edelmann führte aus, die brutalen Angriffe auf hilflose und unschuldige Männer und Frauen in Südafrika versetzten der zivilisierten Welt einen schweren Schlag. Ein Hinduführer fragte, ob England zulassen wolle, datz die loyalen indischen Untertanen durch Afrikanderwölfe verschlungen würden. Ein anderer Redner wünschte zu wissen, ob die Proklamation von 1858 betreffend die Rechte bet Inder als Bürger des Kaiserreichs dazu erlassen sei, um durch die burische Regierung verspottet zu werden.
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Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesekes nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg." gestattet.)
Ä Marburg, 5. Dez.
* Born Winter. Vergangene Nacht tobten heftige Stürme. In den Gebirgslagen unserer Gegend trat Schneefall ein. Die Ee- birgskuppen der Hinterländer Berge zeigten heute früh ihr Winterkleid.
* Freiwillige Jäger. Beim Kurhessischen Jäger-Bataillon Nr. 11 mit Maschinen-Geweht- und Radfahr-Kompagnie in Mat- bürg a. d. Lahn werden zum Herbst 1914 noch Zweijährig-Freiwillige angenommen. Diejenigen, die sich melden wollen und im Besitze eines gültigen Meldescheines zum freiwilligen Eintritt sind, können sich an einem ihnen paffenden Mittwoch oder Sonnabend 10 Uhr vormittags auf dem Geschäftszimmer des Bataillons, Frankfurterstr. 6, zur ärztlichen Untersuchung einfinden. Besonders erwünscht sind Meldungen von Schneidern, Schuhmachern,
I Köchen, Schreinern, Buchbindern, Malern, Steindruckern, Schlos- I fern, Sattlern, Beschlagschmieden usw. Schriflliche Anfragen an I das Bataillon vor der Untersuchung sind, wenn nicht besonder« I Wünsche vorliegen, zu unterlassen. In der Zeit vom 24. Dez. bis I 4. Ian. finden keine Untersuchungen statt.
* Sein 25. Dienstjubiläum feiert morgen Herr Oberpostassi-
I stent Wilhelm Holzhauer. .
I * Die Sanblrantentaffe. Im Kreisblatt befindet sich eine I längere Bekanntmachung, die Landkrankenkaffe für den Kreis Mar- I bürg betreffend.
* Juristisches. Herr Wirges jun. wurde am Land- und Amts- I gericht als Rechtsanwalt zugelaffen.
I • Feuer. Vergangene Nacht gegen %2 Uhr wurde in der I Oberstadt die Feuerwehr alarmiert. In dem an der Ockershäuser I Allee gelegenen Ziegeleigebäude war ein Brand ausgebrochen, bet bei dem herrschenden Winde Schaden anrichten konnte. Die Feuer-
I wehr beseitigte die Gefahr.
* Ausgestelltes Bild. Im Schaufenster des Herrn Friseurs Pilz am Markt sind einige photographische Aufnahmen von dem kürzlich bei Wehrshausen abgehaltenen turnerischen Geländespiel zwischen der Turngemeinde Marburg und dem Turnverein Mar-
I dach unter Mitwirkung der Marburger Sanitätskolonne ausge- I stellt. Auf den Bildern haben allerdings nicht alle Beteiligten I Aufnahme gefunden
• Vierter Abend des Marburger Konzertvereins. Di« Rohmen — I alte Gäste und doch immer wieder nee in der unerschöpflichen Fulk I stark und heiß pulsierenden musikalischen Lebens. Sie fahren nun bal einundz-eanzigste Jahr durch die Lande, eine stattliche Reihe ausgezeich.
I neter Streichquartettvereinigungen hat sich neu gebildet, und doch bv I haupten sie uneingeholt ihren Rang. Wohl ist unter den vier Böhme« im Laufe der Jahre auch einmal ein Tausch nötig gewesen, doch bei Hauptstamm, der Hoffmann, Suk, Wihan ist fest geblieben. Und wa,
I einen Wechsel so bald ausglich, war die Eleichgestimmtheit des Tempera, mente, das in ihren Herzen wohnt, und der überaus hohe Grad der
I erworbenen Künstleischaft — zwei Momente, die auch das Einspringen I des vortrefflichen Ladislaus Zelenka für den erkrankten Professor Wrhan in jeder Weise verdeckten. Seele und Leidenschaft sind die ftohe musi. kalische Botschaft der vier Böhmen. Ihr Führer? Man fragt sich jetzt wohl vergeblich danach. Früher galt Hans Wrhan dafür Jetzt ist am Ende niemand anders mehr als der jeweilige Komponist selbst, un)
I es ist kein Zweifel, daß sie damit der Idee des künstlerischen Streich I quartetts immer näher gekommen sind. Sie boten gestern abend je ei« I Quartett von Berdi (dessen 100. Geburtstag auf den 9. Oktober d. Js. | fiel) Mozart und Dvorak, in dieser Reihenfolge. An Verdis Streich. I Quartett hatten sie eine nicht durchweg dankbare Aufgabe, da bei I Kapellmeister unb Theatraliker zu oft burchblickt, ja bisweilen herrscht; I ihrem Spiel ist nicht bas Mindeste, was Verdi an Feinheiten und I größeren Momenten nur herzugeben hat, entgangen. Mozarts Klavier- I Quartett G-moll stand, von Verdi und Dvorak umgeben, nicht vorteilhaft. I Am Anfänge des Abends wäre zweifellos fein besserer Platz gewesen! I seine Musik blüht zu schlicht und keusch auf, als daß ihr folch rauschend« I Umrahmung nicht schaden müßte. Herrn Universitätsmusikdirektor Prof. I Jenner gelang der Klavierpart, den er übernommen, gut; wurde sein I Spiel der eigentlichen Grazie Mozarts freilich nicht überall gerecht, so I brachte er doch zusammen mit seinen Partnern den letzten Satz $8 I feiner Wirkung. Völlig im Banne saß die zahlreiche Zuhörerschaft 6«t I dem aanz prächtig gefpielten Dvorak — der Domäne der Böhmen, in die I ihnen niemand nur entfernt nachrückt. Man konnte es fast als Glück I hinnehmen, daß eine ungetreue Saite Veranlassung gab, zweimal in I die wundervolle Tiefe der ersten Takte des Adagios mit hinabzutauchen, I In dem begeisterten Beifall lag an die Böhmen und liegt an den Kon- I zertverein die Bitte, uns im nächsten Jahre des hohen Genusses wieder, I teilhaftig werden zu lassen.
* Stadttheater („R osmershol m“). Dieses reifste und, künstlerisch vollendetste Werk Ibsens, des grübelnden Wahrheit».
I suchers unb strengen Kritikers, leitet von den Dramen, die soziale^