mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: ..Nach Feierabend
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1913
Erites Blatt
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Marburg
Mittwoch, 3. Dezember
Landtagsabgeordneter Andre (Stuttgart) verlangte in erster Linie di« Aufhebung des § 153 der Gewerbeordnung als eines gegen die Arbeiter* und Angestellten gerichteten Ausnahmegesetzes. Das Koalitionsrecht sei in dem Sinne auszubauen, daß der rechtmäßige Gebrauch gewährleistet und Vereinbarungen oder Maßnahmen zur Verhinderung des Gebrauche» des Koalitionsrechtes, von welcher Seite ste auch kommen mögen, unter. Strafe gestellt werden. Das Streikpostenstehen müsse gegenüber der Polizeiwillkür als ein im wirtschaftlichen Kampfe erlaubtes Mittel angesehen werden. Die Mtttelständler täten am besten daran, M dem Kampf zwischen Großkapital und Arbeitern die Hände wegzulassen.
Z a b e r n, 2. Dez. Der gestern hier aus Straßburg eingetroffene Generalmajor Kühne hatte im Laufe des Vormittags eine Konferenz mit dem Kreisdirektor Mahl und ist nachmittags 1 Uhr wieder nach Straßburg zurückgereist.
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Die „Oberhrssijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis b-trägt vierteljährlich durck» die Post 2.25 A (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 A frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesetzes nm mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 3. Dez.
* Stadtverordnetenstichwahl. Mit großem Interesse sah man allgemein in der Stadt der einzigen Stichwahl, die bei den diesmaligen Stadtverordnetenwahlen — und zwar nicht in der dritten sondern in der zweiten Wählerabteilung — herausgekommen war, entgegen. Es handelte sich gestern darum, ob der seitherige Stadtverordnete Fabrikant Hering, desien Wiederwahl u. a. vom kaufmännischen Verein empfohlen wurde oder für ihn der von den Innungen usw. zur Wahl vorgeschlagene Malermeister Bös in di< städtischen Körperschaften einzieht. Wer die Wahl hat, hat bh Qual, dachten viele und blieben zu Hause. So kam es, daß von rund 500 Wahlberechtigten nur 154 ihre Stimme abgaben. Hiervon erhielt Malermeister Bös 81 und Fabrikant Hering 73 Stimmen. Ersterer ist mithin gewählt. Bei der Hauptwahl wurden für Herrn Hering 95 und für Herrn Bös 84 Stimmen abgegeben.
* Evangelischer Bund. Man schreibt uns: Der Familienabend des Evangelischen Bundes am vorigen Sonntag fand solchen Zuspruch, daß das Philippshaus polizeilich geschlosien wurde und viele umkehren mußten. Nachdem Prof. D. Simons die dichtgedrängte UNd- a^cheno vom Äo.rrllt, «»t-r Yen Arbeiten und Aufgaben des Ev. Bundes die Ausbildung evangel. Krankenschwestern hervorgehoben hatte, hielt Pfr. Meyer aus Spielberg bei Wächtersbach einen Vortrag über das Vordringen des Katholizismus in Kurheffen. Zn sachlicher Weise, die keinen katholischen Volksgenosien verletzen konnte, wies er die Ursachen auf, unter welchen die größere Kinderzahl in den katholischen Ehen besonders in Betracht kommt, und bedauerte gleichfalls die Notwendigkeit, daß das Mißverhältnis zwischen der Zahl evangelischer Krankenschwestern beseitigt werde. Auf Grund seiner Reisen in Galizien erzählte Prof. Heinze fesielnd von den dortigen evangel. Gemeinden, ihrer Arbeit und ihren Nöten, und Prof. Dr. Andrö, der die Gemeinde Rottenmann in Steyermark besucht hatte, empfahl dies Patenkind des Marburger Zweigvereins in warmen Worten der Versammlung zu fortgesetzter Pflege. Gesang der luther. Kirchenchors unter Leitung des Dirigenten Ehlich um« rahmte die Feier, und die Vorträge wurden durch Violin- und
Ausland.
“ Das 65. Regierungsjubiläum Kaiser Franz Zosefs. Wien, 2. Dez. Das 6 5. Regierungsjubiläum des Kaisers wird im ganzen Lande durch Gottesdienste und sonstige festliche Veranstaltungen würdig begangen.
** Die österreichisch-ungarisch« Flotte. Wien, 2. Dez. In seinem heutigen Expose vor dem Marineausschuß der ungarischen Delegation erklärt« Marineadmiral Haus: Es sei dringend notwendig, die mit der Vergrößerung der Flotte zusammenhängenden und immer dringlicheren Bedürfnisie zu decken, wenn nicht die Instandhaltung und die Schlagfertigkeit der Flotte Schaden leiden sollte. Sein Programm geh« nicht über dasjenige seines Vorgängers, des Grafen Montecuccoli, wonach die Flotte durch sukzesiive Ersahbauten auf der gegenwärtigen Höhe erhalten werden solle, hinaus: nämlich 16 Schlachtschiffe, 12 Kreuzer, 24 Torpedofahrzeug«, 72 Torpedoboote, 12 Unterseeboote, 8 Monitors und einige Trainschiffe. Zn der Erörterung des Budgets stellte der Marinekommandant fest, daß die bereits in Dienst gestellten neuen Schlachtschiffe „Viribus Haitis" und „Tegetthoff" eine durchaus ge» lungene Neukonstruktion und eine wesentliche Verstärkung der Flott« darstellen. So bedauerlich der durch die letzt« Valkankrifis veranlaßte bedeutende Rüstungskredtt und die durch bi« Einberufung und lange Zu- rückbehaltung von ungefähr 10 000 Marinereservisten verursachten Schädigungen seien, so überaus wertvoll und befriedigend seien hierbei di« für d«n Dienst gewonnenen Erfahrungen. Seit 47 Zähren sei zum ersten Male die ganze operative Flotte in Dienst gestellt und zum größten Teil mit Reservisten bemannt worden. Das Verhalten und die Kriegsbrauchbarkeit der Reservisten Mr größtenteils sehr gut, sodaß er überzeugt sei, daß Oesterreich-Ungarn an den Reservisten ein sehr tüchtiges und an der aktiven Mannschaft fast ein ganz gleichwertiges Material besitze. Der Geist des Offizierkorps fei vorzüglich, sodaß die Flotte jeder Eventualität mit großer Ruhe entgegensehen könne. Im Laufe der Debatte meinte Chorin, das natürliche Schwergewicht des Schutzes der Monarchie liege in der Landarmee. Wenn die Marineleitung sich bei der Entwicklung der Flotte davon leiten lasse, daß Oesterreich-Ungarn in die Lage kommen könnte, seine Verbündeten zu unterstützen, so weise er. der Redner, darauf hin, daß die Bündniste nur solche Opfer von Oesterreich- Ungarn fordern könnten, die auch den Interessen der Monarchie und nicht ausschließlich denjenigen der Verbündeten dienen. Tisza bemerkte, e» sei das größt« Mißverständnis, anzunehmen, daß Oesterreich-Ungarn seine Flotte gewisiermaßen gegen Italien bedrüfe. Oesterreich verstärke sein« Flott« nicht gegen Italien, sondern im Gegenteil, um Italien ko st bare Dienste erweisen zu können.
** Ein russisches Dementi. Petersbürg , 2. Dez. Die Petersburger Telegraphenagentur erfähtt aus zuverlässiger Quelle, daß di« Meldung über eine im Frühjahr 1912 zwischen Rußland und den slavi- scheu Staaten gegen Oesterreich-Ungarn, die Türkei und Rumänien abg«- schlossene Militärkonvention und über irgendwelche Verpflichtungen, die Rußland im Zusammenhang damit übernommen habe, ebenso unrichtig ist, wie die vor kurzem verbreitete Nachricht, Rußland hab« Rumänien während des Einrückens Rumäniens in Bulgarien mit Kriegsmaterial unterstützt.
Der Zwischenfall in Detttveiler hat sich, wie von zuständiger Seite gemeldet wird, wesentlich anders zugetragen, als es nach der von uns gestern mitgeteilten Nachricht den Anschein hatte:
B e r l i n, 2. Dez. Heber den Vorfall in Dettweiler wird von zuständiger Seite gemeldet: Leutnant von Forstner wurde heute morgen in Dettweiler während einer Hebung beschimpft. Bei dem Versuche der Festnahme drohte der Fabrikschuster Blank dem Gefreiten Witz, der die Schimpfenden verfolgte: „Warte, Zunge, gleich wirst du gewetzt." Dabei griff er In die Tasche, in der nachher ein M e s s e r gefunden wurde. Als Blank nun festgenommen werden sollte, schlug er dem Gefreiten Witz mit der Faust ins Gesicht und st ü r z t e s i ch a u f L e u t - nantvonForstner; darauf zog dieser den Säbel und schlug den Blank über den Kopf. Nun lietz dieser sich festnehmen. Er „ / tat eine 10 Zentimeter lange Wunde am Kopf. Blank wurde dem Bürgermeister itt Dettweiler übergeben.
Da noch mehrere, verschiedene Lesarten über biefen Vorfall durch bie Presie gehen, wirb man eine nochmalige einwandfreie Darstellung abwarten müssen, ehe man sich ein abschließendes Urteil bilden kann. So viel scheint aber festzustehen, daß die Militärabteilung ohne einen Anlaß beschimpft worden ist und der Schuhmacher Blank sich seiner Festnahme widersetzt hat. So bedauerlich dieser Vorfall auch deswegen ist, weil es zum ersten Male zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen ist, so sehr ist von neuem daraus hinzuweisen, wie weit schon durch eine unverantwortliche Hetze Verwirrung in die Bevölkerung hineingetragen worden ist. Der Kaiserliche Statthalter Graf Wedel weist dieser Hetze ebenfalls die Hauptschuld an all den betrübenden Ereignissen zu. Einem Mitarbeiter der „Nationalztg." gegenüber erklärte er ii. a.: „Man mutz beachten, dah sowohl die ausländische Presse wie «in Teil der einheimischen Blätter eine systematische Wühlarbeit verrichten. Diesen ist nicht zuletzt die Schuld an solchen Ausbrüchen der Volksleidenschast zuzuschreiben. Man sieht hier das Ergebnis der H e tz t ä t i g k e i t.“ Diese Tatsache können alle Protestversammlungen nicht aus der Welt schaffen.
Der Zaberner Eemeinderat hat jetzt die denkwürdige Forderung erhoben, eine Parlamentskommission zur Hntersuchung einzusehen. Die Regierung ist ihm also nicht mehr vertrauenswürdig genug, sondern über sie und das Militär soll das Parlament zu Gericht sitzen! Eine solche absurde Forderung wird verständlich, wenn man liest, daß der Beigeordnete Euntz in Zabern, der den erkrankten Bürgermeister vertrat, dem „Matin", der täglich fünf bis sechs Spalten über die Vorgänge in Zabern berichtet, aus denen dann wieder die deutschen Korrespondenten schöpfen, sein Bild aus jungen Jahren überlassen hat, das ihn als Soldaten des 36. französischen Infanterie-Regiments darstellt. Fürwahr, ein wackerer deutscher Kommunalbeamter!
Der Kreisdirektor von Zabern hat durch Amtsblatt und Anschlag neuerdings einen Aufruf erlassen, in dem er die Zivilbevölkerung eindringlich ermahnt, sie möge doch Ruhe bewahren und aufhören, gegen die Offiziere Beleidigungsrufe auszustotzen. Auch möchten die besonnenen Elemente dazu beitragen, die Leute vor der Begehung von Ausschreitungen zu warnen.
General v. Deimling.
Der in Krieg und Frieden bewährte kommandierende General des 15. Armeekorps in Stratzburg v. Deimling ist den demokratischen Kreisen ganz besonders verhaßt; allen voran läuft die „Fr. Z." gegen ihn Sturm in der Hoffnung, diese Stütze aufrechten Deutschtums zu Fall zu bringen. Da ist es interessant, was die „Breisgauer Zeitung" in Freiburg dazu schreibt, wo General von Deimling längere Zeit in Garnison gelegen hat:
„Zeder unserer Freiburger Mitbürger, der auch nur von Ferne das Wirken Deimlings in Freiburg zu verfolgen Gelegenheit gehabt hat, weiß, daß Deimling von dem Grundprinzip ausging, daß der militärische Vorgesetzte im Frieden nicht bloß Führer, sondern in allererster Linie Erzieher zu sein hat. Deshalb ging er in di« Volksschulen, deshalb zwang er seine Leutnants, an den dienstfreien Sonntagnachmit- tagcn mit den Volksschülern sich abzugeben. Um so betroffener wird wohl jeder Freiburger gewesen sein über die maßlose Hetze, die sofort gegen Deimling, als er nach Straßburg kam, «tnsetzte, von feiten der „Frankfurter Zeitung". Wenn dieser Mann wirklich ein solcher Ausbund von Minderwertigkeit ist, warum hat ste ihn erst entdeckt, seither in Straßburg ist? Warum hat sich dieser General Deimling in aü«n Kreisen der Freiburger Bürgerschaft der allergrößten Beliebtheit erfreut — bis auf einmal der Straßburger F.-Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" entdeckt hat, daß Deimling an allem Unglück kor itf *CX
Zeitung", von dem neulich seitens der „Rhein.-West. Zta " 'X dankenswerter Weife festgestellt wurde, daß er ein Busenfreund des Abbe- Wetterl« ist?"
Ein Zwischenfall in Metz.
Metz, 2. Dez. Erst jetzt wird ein Vorfall bekannt, der sich hier in bei Nacht zum Sonntag an bet St. Eeorgskirche abgespielt hat und leicht üble Folgen hätte haben können Dort hatte beim Vorübergehen einer Militärpatrouille eine am Arm ihres Mannes dahergehende Frau gelacht. Die Frau und der Mann wurden von der Patrouille festgenommen. Als dabei die Patrouille noch das Seitengewehr aufpflanzte, sammelte sich, wie von sonst zuverlässiger Seite berichtet wird, eine Menschenmenge an, die in noch größere Erregung geriet, als von der Hauptwache am Paradeplatz vier Mann unter Führung eines Feldwebels mit aufgepflanztem Seitengewehr zur Hnterstützung der Patrouille erschien. Ein junger Bursche, bei Sohn eines Postbeamten, reiztedie Patiouille noch außerdem dadurch, daß er sich dicht vor sie hinstellte und trotz mehr-
", „Fürs Haus" und „Landrvirtichaftliche Beilage"
Deutsches Reich.
— Die Altpenfionäre. Berlin, 2. Dez. Vom Reichsschatzamt ist ein Entwurf zu einem Gesetz über die Erhöhung der Bezüge der Altpensionäre und Althinterbliebenen fertiggestellt worden. Die Vorlage wird demnächst dem preußischen Staatsministerium zugehen. Man kann damit rechnen, daß der Entwurf in der zweiten Hälfte des Januar an den Reichstag gelangen wird.
— Die Auflösung der braunschweigischen Welfenpartei. Braunschweig, 2. Dez. Ein außerordentlicher Parteitag bet Braun- schweigisch-welfischen Partei nahm gestern folgenden Antrag der Vaterländischen Vereinigung Braunschweig an: „Durch den Regierungsantritt eines Mitgliedes des angestammten Fürstenhauses ist der Zweck der Braunschweigisch-welfischen Partei und das von ihr seit Zahrzehnten unerschrocken und mit allen Kräften verfolgte Ziel aufs glücklichste und restlos erreicht. Eine andere politische Aufgabe hat ihr niemals vorgeschwebt und soll von ihr auch in Zukunft nicht erstrebt werden. Die Partei erklärt sich deshalb mit aufrichtigstem Danke gegen alle ihre treuen Mitkämpfer hiermit für aufgelöst, indem sie es den Vaterländischen Vereinigungen überläßt, zur Förderung vaterländisckei Gesinnung, Geselligkeit und Anhänglichkeit an die braunschweigische Heimat und das angestammte Fürstenhaus ihren Fortbestand zu wahren.
— Eine Selbstverständlichkeit. Hamburg, 2. Dez. Das Geistliche Ministerium entschied auf die Beschwerde gegen den Pfarrer Heydorn wegen dessen Mitgliedschaft beim Monistenbunde einstimmig, es sei n i ch t angängig, daß ein evangelischer Pastor Mitglied des Monistenbundes sei. Das Ministerium legte ihm auf, aus dem Monistenbunde auszutreten und erteilte ihm wegen seines Nichterscheinens vor dem Ministerium eine Rüge.
— Mißtrauenskundgebung des Ostmarkenvereins gegen die Regierung. Berlin, 2. Dez. Die Versammlung des Hauptvorstandes des Ostmarkenvereins hat einstimmig ein« Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt:
„D«r Hauptvorstand des Deutschen Ostmarkenvereins sieht sich zu seinem lebhaften Bedauern genötigt, festzustellen, daß das Vertrauen der ostmärkischen Bevölkerung in die Fortführung einer zielbemußten Ostmarkenpolitik im Weichen begriffen ist. Zn allen vaterländisch gesinnten Kreisen ohne Unterschied der Partei gewinnt die Auffassung Raum daß trotz der wiederholten Bekenntnisse der Regierung zu dem bisherigen Kurse tatsächlich ein Stillstand in der Betätigung einer kraftvollen Polenpolitik eingetreten ist. Die deutsche Bevölkerung sieht in diesem Stillstand die bedenklichen Anzeichen einer neuen, grundsätzlichen Wandlung in der vom Fürsten Bismarck vor- gezeichneten Politik und droht einem gefährlichen, weil di« Wiberstands- kraft lähmenden, Pessimismus zu verfallen, während das Polentum daraus neuen Mut und neue Hoffnung auf die endliche Verwirklichung seiner staatsfeindlichen Endziele schöpft. Als Hauptmittel einer erfolgreichen Ostmarkenpolitik betrachtet der Vorstand des Deutschen Ostmarkenvereins 1. den weiteren Ausbau der Bodenpolitik, 2. di« Einleitung und Ausführung einer durchgreifenden ostmärkischen Städtepolitik, 3. die energische Fortsetzung der bisher von sichtbaren Erfolgen begleiteten Schulpolitik."
— Di« badische Regierung und bie Verhältniswahl. Karlsruhe, 2. Dez. Die in der Thronrede angekündigte Denkschrift über die Einführung der Verhältniswahl bei den Wahlen zur zweiten Kammer der Ständeversammlung ist den Landständen heute zugegangen. Die Regierung kommt in der Denkschrift zu dem Schlüsse, daß sie die gegen die Einführung der Verhältniswahl bei den Wahlen zur zweiten Kammer bestehenden Bedenken zur Zeit nicht zu überwinden vermöge und daher davon absehen müsse, den Ständen dahingehende Vorschläge zu unterbreiten.
— 3. Deutscher Arbeiter-Kongreß. Berlin, 2. Dez. Der 3. deutsche Arbeiterkongreß behandelte heute an erster Stelle das Thema: „Lebensmittelversorgung und Lebensmittelteuerung". Der Referent General-
I feTrerii Siegerwaw lKötnj -/zeichnete al-^ Ursachen wC
in Deutschland die zunehmende Industtialisierung der Bevölkerung, bie Verteuerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Anarchie im Lebensmittelverkehr, der gegenüber die großen Städte und Industriezentren mit ihren gewaltigen Konsumentenmassen ihre Aufgaben vernachlässigt hoben. Auch die deutsche Zollpolitik habe in den letzten Jahren verschärfend auf die Preisteuerung gewirkt. Der Redner warnte vor einet Beseitigung ober bedeutenden Herabsetzung der landwirtschast- lichen Schutzzölle und befürwortet eine Verbesserung und Vervollkommnung der Inlandsproduktion und des Lebensmittelverkehrs verbunden mit einer Ergänzung vom Ausland. Nach weiteren Einzelvorschlägen stellte der Redner fest, daß die ganze heutige Mittelstandspolitik einem nicht gefallen könne. Man habe heute förmlich einen Konsumvereinskoller. Gs fei nicht wahr, daß Mittelstandsexistenzen durch die Konsumvereine erdrosselt werden Man dürfe, nicht eine Mittelstandspolitik mitmachen, die dem Mittelstände helfen wolle auf Kosten der breitesten untersten Schichten. Das zweit« Thema betraf bie Bedeutung der Koalitionsfreiheit und des Vereinigungsrechts für die I Angestellten und Arbeiter. Der Berichterstatter Arbeitersekretär und
facher Aufforderung nicht von der Stelle wich. Wesentlich dadurch wurde bie Jtarl angewachsene Menge noch mehr erregt, unb es hätte leicht dazu kommen können, daß sich die Soldaten veranlaßt gesehen hätten von ihrer Waffe Gebrauch zu machen. Das wurde jedoch glücklicherweise verhütet dadurch, daß ein Polizeikommissar auf dem Platze erschien, dem es schließlich durch Zureden und strenge Mahnungen gelang, wieder Ruhe und Ordnung zu schaffen, und der die Patrouille bewog, nach Freigabe des Ehepaares abzu- rücken. Der junge Bursche, den die Hauptschuld an den Vorgängen treffen soll, wurde von der Polizeipatrouille in Haft ge