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M» 2R1 die Post 2L5 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 Ul w'=* ° frei in» Haus. - Verlag von Dr. T. Hitzeroth. - Druck der Univ..

1913

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Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Mark 21. Tel. 55.

Grttes Blatt

Marburg

Montag, 1. Dezember

tag wird von zuständiger Seite gemeldet:

Z a b e r n, 29. Nov. Als gestern nach Beendigung der Turn­stunde, die in der städtischen Turnhalle stattfand, sich die Offiziere nach Hause begeben wollten, wurde von Zivilisten hinter ihnen hergeschrien. Die Offiziere ließen die Leute durch Patrouillen festnehmen. Bei dieser Festnahme sammelte sich eine große Menge an, die den Offizieren folgte. Da keine Sicherheitsbeamten an­wesend waren, trat die Wache ins Gewehr und rückte auf den Echloßplatz vor die Kaserne. Mit Trommelwirbel wurde bekannt gegeben, daß die Straßen sofort zu räumen seien, andernfalls würde von der Schußwaffe Gebrauch gemacht werden. Die Menge »es auseinander, nur vier bis fünf Schreier blieben stehen und wurden festgenommen. Da sich inzwischen wieder weiter« Leute

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DieOberhesfijche Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertelfährlich durch

sind diesen Vorfällen natürlich auf dem Fuße gefolgt. Der Zaberner I Gemeinderat hat sofort folgende Entschließung an den Reichskanzler, den Kaiserlichen Statthalter, den preußischen Kriegsminister und an das Reichstagspräsidium telegra.

^^Gestern abend sind ungefähr 30 ruhige Bürger von Militär» Patrouillen ohne Grund gewaltsam festgenommen und abgeführt worden. Alle mit Ausnahme eines Landrichters, haben trotz Einspruchs der Zivilbehörde die Nacht im Keller der Kaserne zubringen müsien und sind erst heute gegen Mittag dem Zivilrichter vorgeführt worden der sofort | ihr« Freilassung angeordnet- hat. Der Zaberner Eemeinderat in beson. derer Sitzung gibt einstimmig seiner Entrüstung Ausdruck über das fortgesetzte, jeder rechtlichen Ordnung hohnsprechende und offensicht. Iich provokatorische Vorgehen des Obersten v. Reuter und er­bittet dringend sofort die nötigen Maßregeln zu ergreifen, um der Zaberner Bürgerschaft den Schutz angedeihen zu lasten, auf welchen st« rechtlich Anspruch hat.- .. .

Darauf sind am Abend in Zabern folgende Antworttele« gramme eingelaufen:

Dortiges Telegramm vom 29. November nach Generalkommando Straßburg zur sofortigen Deranlastung weitergegeben, dem Pflicht ob- - liegt, Gesetzwidrigkeiten unbedingt verhindern. Kriegs- Minister Falkenhayn."

Habe Ihr Telegramm erhalten und kaiserlichen Statthatter mit- getei'lt. Falls eingeleitete strenge Untersuchung Gesetzwidrig­keiten ergibt, wird Abhilfe geschaffen. Reichskanzler."

Dem Reichstage ging folgende Anfrage der elsaß-loth­ringischen Abgeordneten Haegy, Thumann (Eebweiler) und Win­deck zu:

Ist dem Reichskanzler bekannt, daß in Zabern am 28. November Offiziere des 99. Infanterie-Regiments ohne von der Polizeibehörde requiriert zu sein, einen Zug Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett und mit geladenem Gewehr gegen das Publikum in den Straßen vor- gehen ließen? Welche schleunigen Maßnahmen gedenkt der Reichskanz­ler zu ergreifen, um den Uebergriffen des Militärs vorzubeugen, welch« die Gefahr blutiger Ereigniste heraufbeschwören?"

Die Untersuchung.

Der Landgerichtspräsident und der erste Staatsanwalt haben sich nach Straßburg begeben, um dem Statthalter Vortrag zu hal­ten. Vom Ministerium in Straßburg ist zur Feststellung ds» Vor­fälle Geh. Regierungsrat Pauli als Untersuchungs-Kommistar ent­sandt worden. Außerdem find in Zabern zwölf Gendarmen zusammengezogen und auf Antrag des Kreisdirektors ist ein Po- lizeikommifiar dorthin entsandt und ihm unterstellt worden, damit die Ruhe unter allen Umstünden durch die Kräfte der Zivilpolizei aufrecht erhalten werden kann. Der K r i e g s m i n i st e r hat sich zum Vortrag bei dem Kaiser nach Donaueschingen begeben. , Die Grundlage für die Untersuchung bilden folgende Bestim­mungen, die vom Kriegsministerium mitgeteilt werden:

Das Militär hat auf Antrag von Polizeibehörden, Polizeibeamten oder Gendarmen einzugreifen, wenn diese in Fällen dringender Gefahr nicht mehr ausreichen. Zn diesem Falle ist das Pub­likum dreimal zu verwarnen und auf die Folgen aufmerksam zu machen. Vorher muß ein Trommel- oder Trompetensignal gegeben werden.

Das Militär greift ohne Antrag ein, wenn es selbst der angegriffene Teil ist, oder wenn Gegenstände, die seiner Be­wachung unterliegen, gefährdet sind. Zm Falle tätlichen Angriffs ist das Militär ohne vorherige Warnung zur sofortigen Abwehr mit der Waffe berechtigt. Schußwaffen dürfen nur dann in Anwendung kommen, wenn andere Waffen nicht ausreichen."

Frankreich und die Zaberner Vorfälle.

Köln, 29. Nov. DieKöln. Zeitung" meldet aus Berlin: In mehreren französischen Blättern finden sich Angaben, die auch schon in deutsche Blätter vbergegangen sind, wonach die französische Regierung die Vorfälle in Zabern in Berlin amtlich zur Sprache gebracht habe. In dieser Form ist die Behauptung unzutreffend.

I Die französische Regierung hat keinerlei amtliche Schritte in Berlin unternommen. In diplomatischen Gesprä­chen wurden auch, wie alles, was die Beziehungen der beiden Län­der berühren könnte, die Zaberner Vorfälle gelegentlich erwähnt, jedoch nur vorübergehend gestreift. Französische Anträge waren | mit diesen gelegentlichen Erwähnungen nicht verbunden.

I Hoffentlich haben sich diesegelegentlichen Erwähnungen"

1* nur auf die Aeußerung des Leutnants v. Forstner über die Frem­denlegion bezogen. Alles andere sind innere deutsche An­gelegenheiten.

zu versammeln versuchten, wurde die Hauptstraße vor dem Schloß­platz durch die Wache vollständig geräumt. Mehrere Leute wei­gerten sich dabei, weiterzugehen und wurden festgenommen. Nachdem die Hauptstraße und der Schloßplatz geräumt waren, rückte die Wache wieder ein. Es wurden noch mehrfach Patrouillen ausgesandt, um die Hauptstraße freizuhalten und den Offizieren, die nach Hause wollten, die Möglichkeit zu bieten, Leute, die etwa wieder hinter ihnen herschreien sollten, festzunehmen. Zm sansM wurden 6 Leute festgenommen. Gegen 9 Uhr abends trat Ruhe ein. Unter den Festgenommenen soll sich ein S t a a t s a n w a l t i befinden, der sich geweigert hat, weiterzugehen. Ob er inzwischen freigelasten worden ist, ist unbekannt. Von der Verhaftung an- [ derer Eerichtspersonen ist nichts bekannt. Der Bürgermeister lag i krank im Bett, der Kreisdirektor war in Straßburg.

Zabern, 30. Nov. Am nachmittag herrschte großer Verkehr in der Stadt, trotzdem scheinen keine Ausschreitungen vorgekommen zu sein. Don Zeit zu Zeit wurde eine Militärpatrouille sichtbar und auch die verstärkte Gendarmerie machte sich bemerkbar. Aus Befehl eines Leutnants wurde gegen 4 Uhr ein Mann aus Otters­weiler von einer Patrouille verhaftet, angeblich, weil der Offizier von ihm angerempelt worden ist. Bestimmtes ist darüber nicht zu erfahren. Der Kreisdirektor verwandte sich, rote man hort, für die Freilassung des Verhafteten. Mit welchem Erfolge ist zur I Zeit noch nicht bekannt.

Protestkundgebungen

Politische Umschau.

Die deutsch« Militärmisfion für di« Türkei.

Anfang Dezember wird sich bekanntlich der Kommandeur der 22. Division in Cassel, Generalleutnant Liman v. Sanders, al« Führer einer deutschen Militärmission, deren Aufgabe die Neu­organisation der türfischen Heeres ist, nach Konstantinopel be­geben. Er wird dort an die Spitze des 1. Armeekorps treten, dessen Regimenter, Brigaden und Divisionen ebenfalls von deutschen Offizieren befehligt werden und das ein sogenanntes Modellkorp« werden soll, nach dem die übrigen türkischen Truppenteile ihre Aus­bildung erhalten sollen. Zn Rußland und Frankreich betrachtet man diese Vorgänge natürlich mit großem Mißbehagen und Reid. Eine regelrechte Preßhetze hat in Petersburg und Paris dagegen eingesetzt, deren Uebertreibungen, Verdrehungen und Falschmel­dungen den Endzweck haben, den deutschen General von der Haupt­stadt des türkischen Reiches fernzuhalten und etwa nach Adrianopel abzuschieben. Was wird da nicht alles Fürchterliches für nahe bevorstehend erklärt!Deutschland hat seine eiserne Hand bereits auf die ganze türkische Regierung gelegt", und Deutsch­land hat doch leider in der auswärtigen Politik alles andere als eineeiserne Hand"der deutsche General kann über die Sper­rung der Dardanellen verfügen, er hat das Cesandtenviertel unter sich" und dergleichen mehr. Von alledem kann keine Rede sein. Generalleutnant Liman v. Sanders wird außer den vollen Be- fugnifien eines Korpskommandeurs weiter gar keine haben. We­gen der Befürchtung der Dardanellensperre sollten sich die Peters- burger und Pariser Hetzer lieber nach London und an den eng­lischen Admiral wenden, in defien Händen die Neuorganisation der türkischen Flotte liegt. Kein noch so starkes Heer ist in der Lage, die Durchfahrt durch die Dardanellen hindern zu können. Es liegt auf der Hand, daß gegen eine deutsche Marinemisston die I Presse des Dreiverbandes eine sehr erregte Sprache führen würde, wahrend sie von der englischen nicht das Geringste befürchtet. Ebenso klar ist es, daß man in Petersburg keinerlei Besorgnifie wegen einer möglichenAufteilung der Türkei" hätte, wenn eine französische Militärmisfion in Konstantinopel eingezogen wäre. Zn den Berliner diplomatischen Kreisen legt man der an der Seine wie an der Newa eingeleiteten Polemik gegen die deutsche Militärmission in der Türkei nur insofern Bedeutung bei, als sie einen deutlichen Beweis dafür liefert, daß gewifie Kreise in Frank­reich wie in Rußland den wachsenden Einfluß Deutschlands in der Türkei mit scheelen Augen betrachten. Von einer offiziellen Beanstandung der deutschen Militärmission seitens irgend einel Macht ist keine Rede. Der türkische Minister Dschawid Bey hal ja auch mit aller Deutlichkeit erklärt, daß eine solche völlig ergebe nislos sein würde. Die Türken wifien sehr wohl, in welchen Hän.

I den ihr Heer am besten aufgehoben ist.

Zabern.

Wie wir bereits in der Samstagsnummer meldeten, sind neue I Zwischenfälle den bisherigen gefolgt und haben die Lage nur noch I erschwert. Es liegen darüber (siehe unten) eine Reihe ein- I gehender Meldungen vor. Es ist nun aber hohe Zeit im Interesse der R u h e im elsässischen Wetterwinkel und des Ansehens des Deutschtums, daß auf dieser Bahn nicht fortgeschritten wird. Der Kriegsminister hat mit Fug und Recht im Reichstag erklärt, daß es nicht angehe, über jede unpafiende Aeußerung eines jungen Men- scheu ein solches Sensationsgeschrei zu erheben. Wenn jederSau- praiß" oderSchwob" oder wie die Kosenamen sonst für Nord- deutsche heißen mögen, zur öffentlichen Diskussion gestellt würde unter dem Gesichtspunkte, daß damit ein ganzer Volksstamm be­leidigt wäre, wo sollten wir hinkommen? Außerdem .ist festgesteltt, daß Leutnant v. Forstner den Ausdruck nicht so gemeint hat, und es ist von offizieller Seite erklärt worden, daß strenge Untersuch- j ung und strenge Sühne etwaiger Verfehlungen eintreten soll. Das müßte, denkt man, genügen! Den jungen Offizier, wo er gefehlt hat, in Schutz zu nehmen, wird niemanden einfallen. Man wird in Zukunft bei den Offizieren in den Erenzlanden sein besonderes Augenmerk auf etwaiges unvorsichtiges Auftreten richten müsien. Die Heeresverwaltung wird jetzt auch kaum noch an dem entgegen­kommenderweise zugestandenen Modus festhalten, Elsäsier in Elsaß dienen zu lasten, nachdem Soldaten mit ihrem Proteste gegen den Offizier an die Oeffentlichkeit getreten find. Das find innere An­gelegenheiten der Armee! Aber über diese Punkte sind wir in der öffentlichen Diskusston ja längst hinaus. Es unterliegt wohl keinem Zweifel mehr, daß der ganze Zwischenfall so aufgebauscht unb so erweitert wird durch neue Dorkommniste, weil die nationalistische Hetze sie für sich braucht. Was soll das heißen, wenn preußische Offiziere in Begleitung von Soldaten ausgehen müssen, weil sie vor Schimpfworten und Verfolgungen sich nicht sicher glauben. So meldet wenigstens derDeutsche Telegraph". Die Beschimpfungen vom Freitag sind offene Provokation des Militärs durch die Bevölkerung, die dazu durchaus keinen Grund mehr hat, nachdem von jeder Seite klar gestellt wurde, daß die Re­gierung nicht dulden werde, daß sie beleidigt werde. Als Schul- bubenstreiche kann man die einzelnen Vorkommniste angesichts der Eesamthaltung der Bevölkerung kaum noch auffasten. Man kann verstehen, wenn die Offiziere nicht gewillt sind, sich und den Rock den sie tragen, beschimpfen zu lasten. Ob freilich das Mittel, das schließlich mit der Verhaftung von gewiß nicht nationalistischen Gerjchtsbeamten endete, das richtige war, bleibe dahingestellt. Die genaueren Untersuchungen werden ja ergeben, ob sie im ein­zelnen zu weit gingen. Manche Einzelheiten klingen in der sensa­tionellen Form, in der sie gemeldet werden, wenig glaubhaft. Sind auch hier Ueberschreitungen der Befugnisie vorgekommen, so darf man gewiß sein, daß bie Angelegenheit streng geprüft wirb. Ins­besondere wird geprüft werden, ob der Gegensatz zwischen der Auf­fassung der Zivil- und Militärbehörden in der Angelegenheit zu den unangenehmen Vorkommnisten mit Veranlastung gegeben hat. Dies alles scheint uns aber erst in zweiter Linie zu kommen, gegen- über dem Schaden, den die Zwischenfälle dem Deutschtum selbst zu- zufügen vermögen, auf dem heißen Boden des Erenzlandes. So kann es nicht weiter gehen. Es muß den Leuten, die aus völlig durchsichtigen Motiven Zwischenfälle provozieren gezeigt werden, daß wir eine gerechte aber auch eine starke Regierung haben, bi« sich nicht auf bet Rase Herumlanzen läßt. Der Zweck scheint boch in ber Tat zu sein, uns vor bent Auslanb lächerlich zu machen. Lange telegraphische Berichte erscheinen über bie Zwischenfälle in Pariser Blättern mit ben tollsten Uebertreibungen unb in einem Tone, als ob es sich nicht um bcutsche Angelegenheiten sonbern um das Auftreten fremder Truppen im eignen Lande handelt das sagt genug! Hier handelt es sich nicht, um eine Gelegenheit der Regierung mal wieder aus einzelnen Zwischenfällen einen Strick zu drehen wie es demokratische Blätter, z. B. dieFrkf. Ztg.", auf­zufasten scheinen; es handelt sich um mehr. Zn Alt-Deutschland geben diese Vorkommniste im Elsaß doch sehr zu denken. Wohin sind wir mit unserer Nachgiebigkeit gekommen? Die Frage, ob das Land wirklich reif war für die neue Verfassung, die man ihm mit so großen Hoffnungen gegeben hat, hat seit sie eingeführt ist ja schon manchem zu denken gegeben, der früher dafür war. Allmäh­lich wird man einfehen, wie berechtigt die Warnungen der natio­nalen Politiker waren, die dagegen auftraten. Wenn irgend etwas not tut in unserem umlauerten und von feindlichen Elementen durchsetzten Erenzland, so ist es nicht Entgegenkommen, sondern eine feste Hand. Wir wollen hoffen, daß die Regie­rung bei allem Bestreben Fehler, die gemacht sind, zu bestrafen, diese nicht vermisten läßt in der weiteren Behandlung des elsässi­schen Problems: das eigentlich längst keins mehr sein sollte.

Hebet bie Vorgänge am Freitag und Sonn-

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesetzes n« mit der deutlichen QuellenangabeOberhesi. Ztg." gestattet.)

Marburg. 1. Dez.

* Universität. Dem soeben erschienenen Verzeichnis der Stu-, dierenden der hiesigen Universität entnehmen wir folgendes: Zm Sommersemester sind immatrikuliert gewesen 2211 Männer und 163 Frauen, davon verblieben zuw Wintersemester 1565 Männer und 111 Frauen, neu hinzu kamen 445 Männer und 47 Frauen Di« Gesamtzahl der Immatrikulierten beträgt mithin 2010 Männer und 158 Frauen, zusammen 2168. Zum Hören der Vorlesungen sind außerdem noch 33 Männer und 16 Frauen zugelasten, mithin beträgt die Gesamtzahl bet Univetsüätsbesuchet 2217. Von den Jmmatiikulietten studieten 209 Theologie, 324 Jutisprudenz, 619

Ausland. 1

Poincare als Schiedsrichter. Sofia, 30. Nov. Präsident Po in- - täte hat das Schiedsrichteramt in dem bulgarisch-griechischen Streitfall« - betreffend Freilastung der Gefangenen angenommen. , !

« Mißglückt« Verschwörung gegen König Ferdinand? Belgrad, 30. Nov. Hier find aus Sofia Privatmeldungen eingetrosfen, wonach di« dortige Polizei eine Offiziers-Verschwörung gegen König Ferdinand entdeckt haben soll. Die Offiziere hätten beabsichtigt, den König und seine ganze Familie nach dem Muster der gegen den Fürsten Battenberg befolgten Taktik zu zwingen, Bulgarien zu verlasten. Die Verhafteten weigerten sich angeblich bisher, irgendwelche Einzelheiten mitzuteilen, König Ferdinand ist von seiner Auslandsreise wieder in Sofia ringe-

465 Inder verhaftet. Durban, 29. Nov. Die Polizei verhaftet^ heute nachmittag 365 Inder. In dem Kohlengebiet im Zululand find weitere 100 Inder verhaftet worden. In Eraytown haben 60 Jude« die Arbeit niedergelegt. Der Minister für Finanzen und Landesverck teidigung, Smuts, ist heute aus Pretoria eingetioffen, um sich über dick Lage zu orientieren. I

» Die Lag« in Mexiko. Mexiko, 29. Nov. Huerta hat die Dire« toten der Bank von London und Mexiko und der Nationalbank zu sich berufen und ihnen auseinandergesetzt, daß er ihre finanzielle Hilfe nöti( habe, um die Verpflichtungen der Staatsbahnen am 1. Dezember es füllen zu können. Private Meldungen aus Tampico besagen, daß bU Stadt ernstlich von den Austtändischen bedroht ist, welche die Eisenbaht 40 Meilen nördlich unterbrochen haben. Nachrichten aus autoritativel Quelle zufolge, haben die Aufständischen den wichtigen Ott Mazatlal eingenommen. Der englische Kontreadmiral Sir Cradock teilte deck amerikanischen Admiral mit, daß er sich bei ihm bei einem gemeinsame! Vorgehen mit den amerikanischen Streitkräften unterzuordnen wünsch« Dieser neue Beweis freundlichen Gefühles und herzlichen Zusammen arbeitens ist in Washington mit großer Befriedigung ausgenommen root den, zumal Cradock dem Dienstalter nach übet dem ametikanischen Ad miral steht. Det englische KteuzetSuffolk" ist in Vetacruz eing« tioffen.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und Landwirtschaftliche Beilage".