und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .LandwiEchafüiche Beilage".
Jti 279
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljäbrlich durck die Post 2.25 <M. (obne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M. frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hiheroth. — Druck der Univ.» Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Marburg
Freitag, 28. November
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48. Jahrg.
1913.
Die Thronrede König Viktor Emanuels.
Das italienische Parlament wurde gestern durch den König eröffnet. In der Thronrede führte der König aus:
„Ich entbiete meinen Ernst den Vertretern der Nation, die zum erstenmale nach dem allgemeinen Wahlrecht mit dem Ausdruck größeren Vertrauens gewählt sind. Vor zwei Jahren fand daerste halbe Jahrhundert unseres nationalen Lebens seinen Ab- schluh mit einer Ueberschau, die der ganzen Welt die Fortschritte zeigte, die Italien durch die Einigkeit und Freiheit errungen hat. Die zweite Hälfte setzte mit der Erwerbung einer Kolonie ein, die Italien den Platz sichert, der ihm im Mittelmeer zukommt.
Das Unternehmen in Lydien
gab uns zu gleicher Zeit mit der großen Kolonie und einer stärkeren und angeseheneren politischen Stellung das Bewußtsein von den Tugenden unseres Volkes (Anhaltender Beifall), von einer sicheren und ruhigen Beständigkeit und dem Gleichmut, mit dem es den schwersten Opfern begegnet ist, sobald es sich um die Ehre und das Glück des Landes handelt. Die Tugenden unseres Volkes fanden ihren höchsten Ausdruck in unserer Armee und Marine, denen ich meinen Beifall spende, indem ich zugleich bewegten Herzens der Tapferen gedenke die durch ihren Tod b«*” Boden Lybiens für Italien heilig machten. (StiirmisckM Beif-.n:. Mit der Erwerbung Lybiens stellt sich Italien vor eine große ^vilisa- torische Aufgabe, deren erstes Ziel es sein muß, uns die eingeborene Bevölkerung zu aufrichtigen Freunden zu machen, indem wir ihre Religion, Familie und Eigentum achten und sie die Wohltaten der Zivilisation schätzen lehren.
Wir muffen
die soziale Gesetzgebung
zugunsten der Arbeiter vervollkommnen, die großen Interessen von Ackerbau und Industrie pflegen und der Handelsmarine, die ein mächtiger Faktor der Wohlfahrt für den Handel und die Kraft des Landes ist, eine zähe Pflege widmen. Da man den Wert eines Volkes in der modernen Welt nach dem Grade seiner Kultur bemißt, müssen wir durch die wirksamsten Mittel dafür sorgen, daß der Polksschulunterricht rasch auf alle Bürger ausgedehnt, immer mehr vervollständigt, der gewerbliche und landwirtschaftliche Unterricht ausgestaltet und die mittlere Schulbildung eine ernsthafte Erzieherin werde. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung wird man mit der Reform des bürgerlichen Gesetzbuches beginnen müssen, um der Frau die Stellung zu zeigen, die ihr in der Familie zukommt.
Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat
sind weise geregelt durch unsere Gesetze auf der Grundlage größter Religionsfreiheit, die jedoch niemals zu einer Einmischung der Kirche in die Befugnisse des Staates führen darf, weil der Staat, der allein der Vertreter der Gesamtheit der Bürger ist, keine Beschränkung seiner Souveränität dulden kann. (Lebhafter Beifall.)
Eine schwere Beunruhigung ist in der letzten Zeit ganz Europa bereitet worden durch Fragen, die sich erhoben, infolge der blutigen Ereignisse, die
das Gleichgewicht auf dem Balkan
veränderten. Italien arbeitete tüchtig in der vollständigen Ueber- einstimmung mit den verbündeten Mächten und dank seiner freundschaftlichen Beziehungen zu den anderen Mächten mit, um die schwersten Konflikte zu verhüten. Ich wünsche jetzt, daß für die durch die blutigen Kriege so grausam geprüften Balkanvölker eine Zeit des Friedens und der Wohlfahrt anbrechen möge. Die Erfahrungen in diesen letzten, so bewegten Zeiten, zeigten, daß die Gruppierung der Großmächte in dem Dreibund und der Trippleentente ein Kräftegleichgewicht schafft, das die größte Gewähr für die Erhaltung des Friedens ist. Wir müssen für unsern Teil dieses Gleichgewicht bewahren, indem wir die Stärke von Heer und Marine in dem Verhältnis, das unserer politischen Stellung entspricht, aufrecht erhalten.
Der historische Zeitabschnitt, der jetzt' beginnt, wird einen neuen Schritt zum Wohlstände und der Erötzr des Vaterlandes bedeuten, wenn wir die hohen T".genden, von denen das italienische Volk einen so heldenhaften Beweis gegeben hat, ans Ziel zu führen verstehen werden." (Lebh. Beifall und andauernde Rufe: Es lebe der Köni^' Es lebe die Königin!)
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Politische Umschau
Bom Komitee „Konfessionslos".
Der Bericht der „Post" über die unerhörten Szenen, die sich In einer der Massenversammlungen über den Austritt aus der Staatskirche in Berlin ereignet haben, sind dem Komitee „Konfessionslos" natürlich äußerst unangenehm. Es hat daher in einer Zuschrift die Richtigkeit jenes Berichtes bestritten. Die „Post" bleibt aber nach wie vor dabei, daß ihre Worte völlig der Wahrheit entsprochen haben. Dies bestätigen auch ausführliche Ausführungen, die im „Reichsboten" Pastor Häcker aus Schöneberg macht, der in der betreffenden Versammlung selbst das Wort ergriffen hat. Er schreibt u. a. über die „freie Aussprache":
„Nun kamen Szenen, die man miterlebt haben muß, um für sein Leben von allen Illusionen über die verbündeten Brüder befreit zu sein! Tin solches Maß" von Roheit, von geradezu idiotischer Verblödung,'von Unfähigkeit auch nur zum Versuch einer gewissen Duldsamkeit gegen Andersdenkende! Der sogenannte Vorsitzende machte nickt den leisesten Versuch, uns zu schützen, auch bei den gröbsten Lürn- nieleien nicht. Da kam ein Mann auf die Bühne, der offenbar einer
Gemeinschaft angehört. Ehe er den Mund austat, wurde ihm — er war als Gegner der Konfessionslosen vorgestellt — aus meiner Umgebung zugebrüllt: „Schuster!" Als ich einen der Schreier aus dem klassenbe- wustten Arbeiterheer fragte: „Ist das eine Schande bei Ihnen, ein Schuster zu fein?" antwortete mir dieser Mitstreiter der neuen Kulturbewegung: „Halte bp Schn . . .! Quatsch mir nicht an!" Der „Schuster" wurde niedergebrüllt, kopfschüttelnd ttat er ab, — das Rätsel dieser Freiheitsfreunde wird ihm zu schwer gewesen sein. Ein anderer kam. Ein alter Mann. Neben mir lachten die Zielbewußten: „Den Ollen wer'n wir schon 'runterpfeifen!" Aber der „Olle" wurde nicht gleich heruntergepfiffen. Er durfte sich sogar des Beifalls der Masse erfreuen. Er bekannte sich al» ein „Ausgetretener". Bravo! Aber — dann kam es anders. Der alte Mann war Mitglied einer kirchenfeindlichen Sekte und hielt es für taktlos, vor diesem Publikum in die Schmähungen über die Kirche einzustimmen. Doch als er sagte, was er wollte, daß er an den Herrn Christus glaube, da war es mit dem Beifall aus! Und dann das Getümmel — ach hier versagt mir die Sprache —, als mitgeteilt wurde, daß zwei Geistliche sich zum Mott gemeldet hatten. Es waren Pastor Le Seut aus Lichterfelde und ich. Zehn Minuten Redezeit waren uns gnädig bewilligt worden, nachdem die „Referenten" zusammen anderhalb Stunden geredet und geschmäht hatten. Pastor Le Seur wurde niedergeschrien und -gepfiffen, so ruhig, so versöhnlich er sprach. Und was wurde uns zugerufen! Wenn wir die gröbsten Unwahrheiten, zurechtstellten, ja, wenn wir gar ein Wort von unserem Glauben sagten, „Lügner, Lügner, Pfaffe, Schluß"; auch Worte, die man nicht wiedergeben kann, ertönten, zum Teil aus „zartem Frauenmunde". Die Hölle schien losgelassen. Auch eine Beschimpfung der Hohenzollern schlug an mein Ohr. Und vor allen Dingen persönliche Beschimpfungen en mässe!"
Das genügt wohl. —
Deutsches Reich.
— Bom Bundesrat. Berlin, 27. Nov. Der Bundesrat hat heute dem Gesetzentwurf betr. die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche zugestimmt.
— Mandatsniederlegung. Berlin, 27. Nov. Der Reichstagsabgeordnete Kölsch (Natlib.) hat sein Mandat niedergelegt. — Das Mandat drohte für ungültig erklärt zu werden.
— Eröffnung des badischen Landtags. Karlsruhe, 27. Nov. Bei der heute mittag erf'lgte.r Eröffnung der Ständeversammlung hielt der Eroßherzog eine Thronrede. Es heißt darin u. a.:
„Die zur Deckung der jüngst verabschiedeten Wehrvorlage geforderten großen Opfer werden für die nationale Ehre und Sicherheit willig getragen, können aber auf unser Wirtschaftsleben nicht ohne Einfluß bleiben. Die Finanzlage des Landes Hai sich günstig gestaltet. Um diesen erfreulichen Zustand auch für die Zukunft nach Möglichkeit zu sichern, werden Ihnen einige Vorschläge finanztechnischer Art zugehen. Das schien besonders geboten, weil die allgemeine Wirtschaftslage Deutschlands und damit auch das Erwerbsleben unseres Sanbes sich leider wieder ungünstiger zu gestalten beginnt. Die Geltungsdauer des Gesetzes über die Aufbesserung gering besoldeter Pfarrer aus Staatsmitteln soll verlängert werden, da die Kirchen zur genügenden Besoldung ihrer Geistlichen eines staatlichen Zuschusses noch nicht entbehren können. Die Frage der Einführung der Verhäl niswahl für die Wahlen zur Zweiten Kammer, die auf dem letzten Landtag in beiden Kammern erörtert wurde, ist in der Zwischenzeit von meiner Regierung einer eingehenden Prüfung unterzogen worden.. Das Ergebnis wird Ihnen in einer Denkschrift demnächst mitgeteilt werden. Die Denkschrift Über die Vereinfachung der Staatsverwaltung, die im letzten Landtag nicht mehr zur Beratung gelangte, wird Ihnen auf den heutigen Stand der Verwaltung und des Verfahrens ergänzt von neuem vorgelegt werden. Mit Vertrauen', edle Herren und lieben Freunde, sehe ich Ihrer ver- fländnisvollen Mitarbeit entgegen, die dem Vaterlande zum Segen gereichen möge."
— Der angebliche preußisch-sächsische Eisenbahnkrieg. Dresden, 27. Nov. In der Zweiten Kammer erklärte Finanzminister von Seydewitz zu der Frage des angeblich zwischen Preußen und Sachsen bestehenden Eisenbahnkrieges, daß ein solcher tatsächlich nicht b e st e h e. Selbstverständlich mache sich zwischen den Eisenbahnverwaltungen ein gewisser Wettbewerb geltend, der aber nur Verbesserungen bringen könne. Seitens der beteiligten Regierungen geschehe alles, um den Wettbewerb in loyalen Grenzen zu halten. Die Regierungsvertreter kämen zweimal jährlich auf Konferenzen zusammen, um etwa entstehende Unzuträglichkeiten zu beseitigen. Ein Umwegfahren im Güterverkehr zwischen Sachsen und Preußen finde nur in geringem Umfange statt, jedenfalls nicht so, daß die Verkehrsinteressen dadurch geschädigt würden.
— Die Konservativen und die Frauen. Berlin, 27. Nov. Die „Konservat. Korc." veröffentlicht folgende parteiamtliche Erklärung:
„Der engere Vorstand der konservativen Pattei hat in seiner letzten Sitzung folgende Entschließung angenommen: „Es liegt kein Grund vor, der Vereinigung konservativer Frauen Zusttrnmung und Unterstützung zu versagen,^solange ihr die Entscheidungen der Parteileitung maßgebend sind und sie sich im Rahmen der konservativen Grundsätze hält. Dazu gehört, daß die Vereinigung bei entschiedener Ablehnung des politischen Frauenstimmrechtes sowie aller Bestrebungen, die letzten Endes zu diesem führen müssen, und unter Ausschaltung eigentlicher politischer Betätigung ihr Ziel darin sucht, konservative Grundsätze in Haus, Gesellschaft und Volk zu verbreiten und sich dadurch als Helferin unserer konservativen Sache zu bewähren. Als sebstver- ständlich ist vorauszusetzen, daß die Vereinigung alle ftauenrechtlerischen Bestrebungen, soweit sie mit der Verbreitung konservativer Ideen nicht vereinbar sind, vermeidet. Dagegen wird der Parteivorstand in gemeinsamer Arbeit mit der Vereinigung konservativer Frauen prüfen und feststellen, welche Wünsche der Frauenwelt sich mit konservativen Pattei- grundsätzen in Einklang bringen lassen und inwieweit sie zurückzuweisen sind. Sofern die Vereinigung konservativer Frauen ihre Tätigkeit in dem vorbezeichneten Rahmen ausübt, begrüßt der engere Vorstand ihre Mitarbeit als wertvollen Bestandteil unserer Pattei."
— Immer noch keine Ruhe? Zabern, 27. Nov. Hier ist die L Ruhe immer noch nicht wiedergekehrt. Gestern nahm auf Befehl eines Leutnants die Wache vier Leute fest, weil fie den Offizier
| belästigt hatten. Rach Feststellung ihrer Personalien wurden ste
entlassen. Die Posten stehen noch mit aufgepflanztem Seitengewehr.
— Herr Trömel. Berlin, 27. Nov. Ein Vertreter des Pariser „Mattn" hatte eine Unterredung mit dem früheren Bürgermeister von Usedom, in der Trömel hervorhob, daß seine Eindrücke von der Fremdenlegion äußerst gute seien. Er gestand ein, daß er es be- d a u e r e die Legion verlassen zu müssen, doch gestatte sein Gesundheitszustand es nicht im Dienst zu verbleiben. Er bewunderte den Korpsgeist in der Legion und die Güte, mit der die Offiziere ihre Untergebenen behandelten. Die „Tägl. Rundschau" schreibt dazu treffend: „Ueber Herrn Trömel und seine Erzählungen wundern wir uns natürlich nicht. Aber wundern müssen wir uns doch — obgleich wir auch ihnen viel zutrauen —, daß die französischen Chauvinisten gar nicht merken, welcher grotesken Lächerlichkeit fie und ihre Sache verfallen, wenn sie mit solchen Zeugen und Zeugnissen für ste einzutreten wagen."
Ausland.
— König Ferdinand Lei Kaiser Franz Josef. Wien, 27. Nov. Der Kaiser empfing heute mittag in Schönbrunn den Besuch des Königs von Bulgarien. Der Besuch dauerte 40 Minuten.
— «us der österreichischen Delegation. Wien, 27. Nov. Im Ausschuß bet österreichischen Delegation für auswärtige Angelegenheiten erklärte bet Delegierte Walner (deutscher Agrarier), die Enthüllung des serbisch-bulgarischen Geheimvettrages beweise glänzend die Notwendigkeit der Schaffung eines Albaniens. Die von langer Hand vorbereitet« panslawistische Agitation Rußlands müsse die stärkst« Festigung des Dreibundes bilden, gegen welche die beabsichtigte Einkreisung bet Monarchie in letzter Linie gerichtet wat. Kadlcak (katholischer Tscheche) erklärte, die Tschechen suchten innerhalb der Monarchie ihre Zukunft und wollten, daß die Vorteile des Bündnisses mit Deutschland gewahrt blieben, wenn das Bündnis auch nicht den Gefühlen aller entspreche.
** Studentenunruhen in Graz. Graz, 27. Nov. Nachdem in den letzten Tagen italienische Studenten, welche die Errichtung einer italienischen Fakultät wünschen, wiederholt lärmend demonstriert haben, wobei die Wache einschritt, kam es heute an der llniversitätsrampe zwischen deutschen mit slawischen Studenten einerseits und italienischen Studenten andererseits, zu einem Zusammenstoß. Ein starkes Polizeiaufgebot machte diesem rasch ein Ende. Acht Deutsche wurden durch Stockhiebe am Kopf verletzt. Ein Reichsdeutscher erlitt eine bis auf den Knochen reichende Wunde. Die Italiener zogen mit ihren Verletzten ab.
** Die Frage eines internationalen Schiedsgerichts. Paris, 27. Nov. In der Kammer erklärte Saures: Niemals sei die internationale Lage günstiger gewesen, um die Frage des Schiedsgerichts aufzuwerfen, als jetzt, wo sich im Mittelmeer neue Gegensätze geltend machen, wo Deutschland seine Militärmission nach Konstantinopel entsende, wo England großen nationalen Bewegungen in Indien und Aegypten gegenüberstehe, und wo die Völker unter bet langen Balkankrise schwer gelitten hätten. Deutschland, Frankreich und England hätten während dieser Krise erfolgreich die Rolle mäßigender Faktoren gespielt. Welche unschätzbare Bürgschaft für den Weltfrieden wäre eine Verständigung zwischen diesen drei Mächten! Ministerpräsident Barthou antwortete betreffend der von Jaures ausgesprochenen Befürchtung, daß in Marokko eine folgenschwere Expedition nach Taza vorbereitet werde, er könne die Versicherung geben, daß gegenwärtig keine bewaffnete Expedition vorbereitet werde, aber es könne der Augenblick kommen, wo eine solche Expedition unvermeidlich würde. Die Verbindung Algeriens mit Marokko fei eben eine unabweisliche Notwendigkeit. Die Forderung Iaures, daß Frankreich die Initiative ergreifen möge, um das allge- meine Schiedsgericht vorzuschlagen, müsse er ablehnen. Könne man denn Frankreich zumuten, daß es das Schiedsgericht auch für jene Fragen, welche die nationale Ehre berühren, beantrage? — Die von den Sozialisten beantragte Vertagung der Anleihe wurde sodann mit 449 gegen 148 Stimmen abgelehnt.
♦ * Französische Orientsorgen! Paris, 27. Nov. Wie halbamtlich gemeldet wird, hat die ftanzösische Regierung bei den zuständigen Behörden dagegen Einspruch erhoben, daß die Franziskaner an der Erlöserkirche zu Jerusalem dem dortigen italienischen Konsul die Ehren erwiesen haben, die ausschließlich dem französischen Konsul gebühren, und so den überlieferungsmäßigen Vorrechten Frankreichs im Orient Abbruch getan haben.
* * Arbeiter- und Studentenstreik in Spanien. Ferrol, 27. Nov. Die Arbeitersyndikate einschließlich des Syndikats der Arsenalarbeitei haben den Generalstreik beschlossen. — Die Studenten von Barcelon« beschlossen mit einer Mehrheit von 600 Stimmen den Streik.
• • Die mexikanischen Wirren. Mexiko, 27. Nov. Nach e’tnei Depescheaus Tampico drohten die Aufständischen, die Oelreservotre von Tampico zu zerstören, wenn das Kanonenboot „Bravo", das die Bundestruppen unterstützt, sich nicht entferne. Die Aufständischen sollen wenig Aussicht auf die Einnahme Tampicos haben, solange der „Bravo" den Verteidigern Hilfe leistet. Die von den Europäern in, der Hauptstadt eingerichtete Organisation ist eifrig an der Arbeit. Die fremden Einwohner hoffen, sich über eine Oertlichkeit zu verständigen, wo sie sich sammeln können und die als neutral betrachtet werden würde. Es sind Schritte getan für den Ankauf von tausend Rindern, hundert Milchkühen, 1500 Hammeln und anderen Lebensrnitteln für die Dauer mehrerer Wochen. — Die spanische Regierung beschloß, unverzüglich ein Kriegsschiff nach Veracruz zu senden.
* *$ie Jnberbewegung in Südafrika. Durban, 27. Nov. Zwischen der Polizei und Indern kam es in Blackburn im Distrikt Mount Ed- gecombe zu einem ernsthaften Zusammenstoß; fünf Indier sollen getötet worden fein.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 des Urhebergesetzes nut mit der deutlichen Quellenangabe „Oderhess. Ztg." gestattet.)
Marburg. 28. Nov.
* Gott im modernen Geistesleben. (Vortrag von Pros« Stephan.) Ein Referat über Stephans Vortrag wird gegenüber der Füll« des Stoffes, die dort behandelt wurde, geradezu zur Unmöglichkeit. Daher soll hier lediglich der Eedankengang iH aller Kürze wiedergegeben werden. Stephan ging zuerst auf vm.