Die „Oberhessische Zeitung' erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn»
Marburg
und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck
>0 97S die Post 215 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 *1=“ frei in, Haus. - Verlag von Dr. T. Hitzeroth. - Druck der Univ..
1913.
Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. L. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
nnt dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchham
und den Beilagen: ..Nach Feierabend", „Fürs Haus« und Landwirtschaftliche Beilage«.
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Erstes Blatt.
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Rundschau. y
Zabern und Aehnliches.
Ein Zaberner Berichterstatter der „Straßburger Neuesten Nachrichten" weiß zu melden: Dienstag Abend befanden sich hier der Kommandierende General v. Deimling und der Divisionskommandeur Generalleutnant v. Eben. Zn der Besprechung, die in der Affäre Forstner stattfand, wer das ganze Offizierskorps hinzugezogen. Wie ich aus bester ste erfahre, hat Leutnant
v. Forstner einen scharfen Verweft alten. Der Gebrauch des
durch ihn angewandten Wortes „Wackes" ist inzwischen durch Regimentsbefehl strengstens verboten worden. Im Anschluß an den Fall ist auf den Gängen der verschiedenen Kompagnien folgende Bekanntmachung handschriftlich angebracht: „Der Soldat hat über Dienstangelegenheiten Verschwiegenheit zu beobachten. Bei allen Meldungen und Aussagen muß er sich der strengsten Wahrheit befleißigen. Die wisientlich unrichtige Abstattung eines Rapports, dienstlicher Meldungen oder Berichte oder einer willentlichen Weiterbeförderung unterliegt strengster Bestrafung."
Mittlerweile haben elsässische Zeitungen einen neuen „El- säsier-Fall" konstruiert, nach dem sich ein Hauptmann des Jäger- bataillons Nr. 8 in Schlettstadt mißbilligend darüber ausgesprochen haben soll, daß in seiner Kompagnie so viele Elsäsier Oberjäger seien. Von bestunterrichteter Seite wird nun folgende, den Tatsachen entsprechende Darstellung gegeben: Als ein neu zum Bataillon versetzter Hauptmann — übrigens selbst im Elsaß geboren — seinem Feldwebel seine Verwunderung darüber ausdrückte, daß verhältnismäßig viele Elsäsier Oberjäger in der Kompagnie seien, — also als reine F e st st e l l u n g , ohne jede kritisierende oder abfällige Bemerkung — glaubte der Feldwebel aus der Betonung seines Hauptmanns ein gewisies Mißtrauen gegenüber den Elsäsiern herauslesen zu muffen, fühlte sich selbst als Elsässer verletzt und beschwerte sich hei dem Bataillonskommando über seinen Hauptmann. Durch eine vor dem Vataillonskomman- deur abgegebene Erklärung des Hauptmanns ist danach das der Beschwerde zugrunde liegende Mißverständnis zur vollsten Befriedigung des Feldwebels — ein beleidigendes Wort war überhaupt nicht gefallen — aufgeklärt worden, so daß die Militärbehörde die Angelegenheit als erledigt betrachtet. Durch entsprechendes Zusammenwirken von Zivilverwaltung, Presie und Militärbehörde ist schließlich jede Aufregung ferngehalten worden.
Die Neuregelung der Krankenversicherung
kn der Reichsversicherungsordnung hat in ganz außerordentlichem Maße zur Vereinfachung der Organisation des Krankenkasienwesens beigetragen: wird doch die Zahl der Träger der Krankenkasienversicherung am 1. Januar 1914 nur etwa halb so groß sein als unter der Herrschaft des zurzeit noch geltenden Krankenverßcherungsgesetzes. In Preußen bestehen gegenwärtig 3046 Ortskrankenkassen, 4526 Betriebokranken- kafsen, 631 Jnnungskrankenkassen, 2038 Organe der Eemeindekranken- verstcherung, zusammen 10 241 Kasten. Am 1. Januar 1914, nach dem
In der Sturmflut der Seit.
, Originalroman aus dem Jahre 1813 von Otto Elster.
Copyright 1913 by Greiner & Comp., Berlin W. 30. (Nachdr. verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ja, aber Herr Leutnant stehen doch noch in fürstlichen Diensten?!"
„Ich habe meinen Abschied eingereicht."
„Ah — und was wollen Herr Leutnant beginnen?"
„Ich weiß es noch nicht. Vielleicht nehme ich wieder Dienste. Doch da find wir in meinem Quartier."
Sie traten in die Gaststube eines kleinen ländlichen Wirtshauses, tn der nut wenige der umliegenden Gärtner bei einem Glase Bier saßen und eifrig die Tagesereignisse besprachen, während der behäbige Wirt mit schmunzelndem Lächeln ihnen zuhörte. Er machte in diesen aufgeregten Zeiten das beste Geschäft.
„Holen Sie mir eine Flasche von Ihrem vorzüglichen Hngatroein, Herr Wirt," sagte Eberhard, mit Christian in einem Winkel der niedrigen Stube Platz nehmend.
Bald funkelte der feurige Wein in den Gläsern.
„Trink', Christian Allerkamp," sagte Eberhard und stieß mit ihm an. „Der Wein ist gut, wenn er auch geschmuggelt ist."
Christian Allerkamp leerte sein Glas, roobfi sein Gesicht einen fast feierlichen Ausdruck annahm.
„Solchen guten Tropfen habe ich lange nicht getrunken, Herr Leutnant," schmunzelte er dann.
„Das glaube ich dir. Aber nun erzähle, wie ihr hierher gekommen seid."
Christian berichtete übet ihre Reise und wie sie den Hauptmann Haberland nach Breslau gebracht. Dann aber sagte er:
„Doch weshalb lasten sich Herr Leutnant das alles nicht von Fräulein Fanny erzählen? Ich soll Sie holen — das Fräulein erwartet Sie."
Eberhard sah mit ernsten Sinnen in die dunkle Flut seines Glases, tn der sich das Licht der Kerze mit blutroten Reflexen spiegelte. Seine Augenbraunen zogen sich finster zusammen, seine Lippen preßten sich fester aufeinander und krampfhaft umfaßte seine Hand das Glas.
Nach einer Weile erwiderte et: „Bestelle dem Friinfein meine Grütze — selbst kommen kann ich nicht.« .
Inkrafttreten des zweiten Buches der Reichsversicherungsordnung (Krankenversicherung), werden voraussichtlich vorhanden sein 1724 allgemeine Ortskrankenkasten, 410 Landkrankenkasten, 260 besondere Ortskrankenkasten, 3243 Betrieskrankenkasten, 630 Jnnungskrankenkassen, zusammen 5867 Kasten oder 4374 Kasten = 42,7 v. H. weniger als bisher. Ein Vergleich, bei dem die neu entstehenden Landkrankenkasten auszuscheiden haben, ergibt, daß weitaus am stärksten von der Neuorganisation, und zwar absolut und relativ, die Ortskrankenkasten betroffen werden: ihre Zahl hat sich um 1462 vermindert. In der Gruppe der Betriebskrankenkasten verschwinden 1283 Kasten: der Prozentsatz ist hier, da die Zahl der bestehenden Betriebskrankenkasten um fast 50% größer ist als die der bestehenden Ortskrankenkasten wesentlich geringer. Die Jnnungskrankenkasten kehren in fast genau derselben Zahl wieder, 630 am 1. Januar 1914 gegen 631 jetzt. Nach Maßgabe des Bevölke rungsanteils Preußens an der Gesamtbevölkerung des Reiches wird man die Gesamtzahl der am 1. Januar 1914 wegfallenden Krankenkassen auf rund 7300 zu veranschlagen haben.
Somit bringt das Inkrafttreten der noch ausstehenden Teile der Reichsversicherungsordnung einen Fortschritt in der Organisation des Krankenkastenwesens, der ebenso sehr wegen der daraus sich ergebenden Ersparnis an Kräften und Kosten wie wegen der Vereinfachung und größeren Leistungsfähigkeit des Geschäftsverkehrs mit berechtigter Genugtuung zu begrüßen ist.
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Deutsches Reich-
— Tod eines Reichstagsabgeordneten. Rosenberg i. Westpr., 26. Nov. Im Krankenhaus von Riesenburg verstarb in der letzten Nacht der Reichstagsabgeordnete für Rofenberg-Löbau, Pfarrer Zürn- Bellfchwitz (Reichspartei).
— Der Arbeitsplan des Reichstags bis zu de« Ferien. Berlin, 26. Nov. Der Seniorenkonvent des Reichstages einigte sich'dahin, daß am 13. Dezember die Weihnachtsferien beginnen, die bis zum 13. Januar 1914 dauern sollen. Am Freitag und Sonnabend sollen Wahlprüfungen stattsinden. Die Abstimmungen über die Wahlen sollen jedoch mit Rücksicht auf die Landtagseröffnung in Baden erst am 2. Dezember stattsinden. Am 2. Dezember sollen die Etatsberatungen beginnen. Nach beendeter erster Lesung des Etats soll die Besprechung der Interpellationen betr. die Arbeitslosigkeit und die Vorgänge in Zabern erfolgen. Der 1. Dezember ist für die erste Lesung kleinerer Vorlagen verfügbar.
— Der neue Vorsitzende der konservativen Reichstagsfraktion. Berlin, 26. Nov. In der am Mittwoch abgehaltenen Sitzung der konservativen Reichstagsfraktion ist an Stelle des verstorbenen Abg. Grafen von Kanitz der Abg. Graf von Werstarp einstimmig zum Vorsitzenden der konservativen Reichstagsfraktion gewählt worden. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde der Abg. Juftizrat Dietrich gewählt.
— Eine überflüssige Anfrage. Berlin, 26. Nov. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat wegen der Zurückweisung des Abg. Dr. Liebknecht von den Sitzungen des Rüstungsausschustes folgende Interpellation gestellt: „Weshalb ist, entgegen der Zusicherung des Herrn Staatssekretärs für das Reichsamt des Innern in der Sitzung des Reichstags vom 23. April 1913, daß von dem Herrn Reichskanzler die Wünsche der Parteien bei Besetzung des Äusschusies zur Prüfung der Rüstungslieferungen Berücksichtigung finden sollen, der von der sozialdemokratischen Fraktion bestimmte Abgeordnete Dr. Liebknecht nicht als Mitglied des Ausschußes berufen worden?" — Das ist bereits unzweideutig und richtig beantwortet worden.
— Die Veteranen und das „arme" Reich. München, 26. Nov. Die Kammer der Abgeordneten nahm in ihrer heutigen Sitzung die Anträge der Sozialdemokraten, Liberalen und Konservativen an, nach denen die Regierung ersucht wird, im Bundesrat dahin zu wirken, daß für die Veteranenfürsorge. seitens der Reichsregie-
„Ja — aber, Herr Leutnant — —?“
„Ich habe meine Gründe, Christian Allerkamp. Meines Bleibens ist hier nicht länger, morgen schon verlasse ich die Stadt — wer weiß, wohin mich das Schicksal verschlägt. Ich kann noch nichts bestimmen." „Aber wie sind Herr Leutnant hierher gekommen? Sie waren doch so schwer verwundet--“
„Ja, und da habt ihr mich an der Landstraße liegen laßen. Vielleicht wäre es bester gewesen, ich hätte mir, wie bet arme Hauptmann Berkhausen, eine Kugel vor den Kopf geschoßen — aber ich fand barmherzige Samariter, die mich pflegten, so daß ich wieder gesund wurde. Und dann — das andere gehört nicht hierher! Kurz, ich machte mich auf den Weg nach Deutschland, wurde hierher verschlagen und kam gerade hinein in diese Begeisterung. Und da merkte ich, daß ich den falschen Weg gegangen war."
Verständnislos blickte Christian ihn an. Doch Eberhard lachte kurz auf und fuhr fort:
„Ob ich den rechten Weg wiederfinde, wer kann es wißen? Aber bas macht nichts. Das Leben ist boch einmal verpfuscht! Darum trinke, Kamerab Allerkamp! Das ist noch bas beste, was man im Leben hat."
Er stieß mit Christian an unb leerte sein ©las auf einen Zug.
Dann schenkte er roieber ein.
Christian Allerkamp wußte nichts zu sagen. Fast unheimlich schien ihm das Wesen seines früheren Leutnants, auf besten Stirn sich bte Narbe, bie von bem Hieb bes krummen Kosakensäbels herrührte, unter bem Einfluß bes feurigen Weins blutrot färbte.
„Ich habe meine Sache auf nichts gestellt," sprach Eberharb weiter unb lachte hart unb scharf auf. „Wohin mich bas Schicksal treibt, ba ist's gut! Krieg ist jetzt bie Losung, Christian! Die Welt steht in Waffen! Da wird wohl auch noch ein Platz für mich übrig sein--«
„Aber Herr Leutnant sind doch Offizier--“
„Nicht mehr, Christian! Du weißt doch, daß unser Bataillon wieder unter französischer Fahne fechten fall — aber ich will dieser Fahne nicht mehr folgen! Ich will nicht — und deshalb habe ich kurzerhand meinen Abschied gefordert. — Hast du gehört, was die Jäger vorhin fangen:
[ Das Volk steht auf — der Sturm bricht los!
Iunb dann das Lied, das die Buben auf der Gaffe fangen:
Der Gott der Eifen wachsen lieft,
Der «elfte leine Knechte, '
rung weiteres geschehe. Der Minister des Innern Frhr. v. Soden hatte im Laufe der Debatte erklärt, daß eine weitere Erhöhung der Veteranenbeihülfen Millionen kosten werde. Die Finanzlage des Reiches gestatte aber nicht, weiter zu gehen, trotz der Mitgefühle für die Veteranen.
— Sachsen als Gegner direkter Reichssteuern. Dresden, 26. Nov. Bei der allgemeinen Beratung des Statshaushaltes in der 2. Kammer führte Staatsminister v. Seydewitz über die Reichssteuergesetzgebung aus, als er den vorigen Etat dem Hause vorlegte, habe er betont, daß das finanzielle Verhältnis der Bundesstaaten zum Reiche wenig freundlich gewesen sei. Heute Jet es noch erheblich ungünstiger. Man habe dem Reiche zur Erfüllung seiner Aufgaben zwei direkte Reichssteuern bewilligt, nämlich den Wehrbeitrag und die Reichsvermögenszuwachssteuer. Der Wehrbeitrag ließe sich allenfalls rechtfertigen. Die Reichsvermögens- zuwachssteuer bedeute einen direkten Eingriff in die Finanzhoheit der Einzel st aaten. Die sächsische Regierung habe im Bundesrat dagegen gestimmt und werde auch ferner gegen jede direkte Reichssteuer sein. Der Minister erklärte schließlich, daß der vorliegende Etat kein ungetrübtes Bild aufrolle. Die Regierung müße allen Zweigen der Staatsverwaltung die größte Sparsamkeit auferlegen.
— Christentum und ©oyatismus. Berlin, 26. Nov. Bei bet wüsten antikirchlichen Hetze des „Komitee Konfessionslos" und der Sozialdemokratie ist es doppelt intereßant, daß sich einer der Führer der sozialistischen Bewegung wenn auch nicht gerade für das Christentum in’ seiner heutigen Gestalt ausspricht, so doch ein Wort für den Eottesglauben einlegt. In den „Sozialistischen Monatsheften" veröffentlicht der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Fischer einen Aufsatz über „Christentum und Sozialismus". Er setzt darin auseinander, daß das religiöse Bedürfnis der M a s fen unbestreitbar sei und daß auch die Sozialdemokratie diesem Bedürfnisie Rechnung tragen müße, wenn sie nicht eines Tages eine große Enttäuschung erleben wolle. Ein Christentum ohne Gottesglauben sei kein Christentum mehr. Jeder Eottes- glaube'müße ein Glaube an einen persönlichen Gott sein, andernfalls sei er auch nichts als der Ausdruck für eine verschleierte Eottesleugnung. Der Gottesglaube sei auch sinnlos, wenn damit nicht der Glaube an das Weiterleben nach dem Tod, an ein Jenseits verbunden sei. Die „trostlose Freidenkerbewegung", die nur einreißen wolle, ohne aufzubauen, die nur nehmen wolle ohne etwas anderes dafür zu bieten, habe Fiasko gemacht. Zum Schluffe gibt er der Auffaffung Ausdruck, daß ein, Wiederherstellung des Eottesglaubens durch Aufnahme der sozialistischen Forderungen in das Christentum, also eine Christianisierung der Sozialdemokratie, ihm aussichtslos erscheine. Die sich ausbildende Religion der Zukunft könne nach feinet Ueberzeugung wohl Elemente des christlichen Glaubens, nicht abei diesen selbst in sich aufnehmen.
— Soldaten find keine Kohlenschipper. Straßburg, 26. Nov. Das Korps-Verordnungsblatt des 15. Armeekorps enthält einen bemerkenswerten Erlaß des Kommandierenden Generals von Deimling über den Earnifondienst. In diesem Erlasse weist der General darauf Hin, daß die Verwendung von Soldaten zu nichtmilitärischen Zwecken unzulässig sei. Es heißt u. a.: „Ich hab« neulich einen Husaren beim Kohlenabladen für die Earnisonver- waltung betroffen. Da wir die Soldaten zum Kriege und nicht als Kohlenschipper ausbilden sollen, so habe ich den Mann von bet Stelle weg zu seiner Schwadron geschickt."
— Eine neue Unterbeamtenklaffe bei bet Reichspostverwal- tung. Berlin, 25. Nov. Durch ben gewaltigen Aufschwung bes gesamten Post'wesens hat naturgemäß auch bet Maschinenbetrieb eine bedeutsame Steigerung erfahren und die Verwendung von
Hauptmann Haberland zu beruhigen.
(Fortsetzung folgt.!
Drum gab er Säbel, Schwert unb Spieß Dem Mann in seine Rechte . . .
unb wenn bu ein rechter Mann bist, Christian Allerkamp, bann nimmst du trotz beines lahmen Flunks noch einmal ben Spieß, bie Heugabel ober ben Dreschflegel in bie Rechte unb jagst bie Franzosen zum Land« hinaus. Drum laß uns anstoßen, Kamerad!"
Wieder tränten sie. Christian war jeboch ganz verschüchtert. Et meinte kleinlaut: „Ja, ba haben Sie wohl recht, Herr Leutnant. Abe, was soll unsereins groß anfangen? — Unb jetzt ist es wohl Zeit, baß tq nach Hause gehe. Fräulein Fanny erwartet mich unb bas Stabttot wirb geschloßen--“
Da lachte Eberhard auf. „
„Geh', Christian und grüße mir bas Fraulein — tch ließe ihm bauten für alle Freundlichkeit und sage ihr Lebewohl--
Wollen Sie nicht mittommen?“
Nein — zum Henter, habe ich es dir nicht schon gesagt? — Mach, baß bu heimtommst, — unb wenn ihr in bas kleine Nest zurückgekehrt, bann grüße mir auch ben wackeren, alten Major unb bie Frau Amtmann Ahlemann — es ist mein letzter Gruß — unb nun trinke bein ©las aus unb geh--bie Flasche ist so wie so leer--“
Kopfschüttelnd über bas seltsame Wesen seines früheren Leutnant» entfernte sich Christian. Eberhard ließ sich jeboch noch eine zweite Flasche bes feurigen Ungarroeins geben unb faß noch lange tn Gedanken ba.
8.
In tiefer seelischer Erregung erwartete Fanny bte Rückkehr Christians. Sie konnte sich nicht getäuscht haben, zu beutlich hatte sie Ederharb erkant unb auch seinen Gefichtsausdruck, aus bem Blick feinet starr auf ihrem Antlitz ruhenden Augen sah sie, baß auch er sie erkannt haben mußte.
Aber weshalb kam et denn nicht zu ihr? Wie kam er in bet verschlißenen Kleidung hier nach Breslau? Weshalb floh er gleichsam davon, als er sie erblickt hatte? Weshalb versteckte er sich vor ihr?
Diese Fragen beschäftigten unb erregten sie. Vergebens versuchte fw