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. e/lÄ 41 ff fte( (n9 $Qug _ Verlag von Dr. T. Sitzerath - Druck der Univ..
1913.
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Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Sitzerath). Markt 21. Tel. 55.
Erstes Blatt
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Marburg
Montag, 24 November
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Die „Oberhessijchr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich dur»
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** Zur Strandung des italienischen Panzerkreuzers. Messina, 22. Nov. Die Strandung des Panzerkreuzers „San Giorgio" ist wahrscheinlich durch eine Verwechslung der Leuchttürme auf Cap Opeloro uns, Puntapezzo und durch ein Manöver zur Vermeidung eines Zusammenstoßes mit einem Dampfer, der die Meerenge herabkam, Hervorgerufe» worden. Taucher haben festgestellt, daß ein Teil der linken Schiffsseit« auf einem Bett von Sand und Algen ruht, die rechte Schiffsseite auf einem Felsengrund. Einige wasserdichte Abteilungen des Vorschiffes sind teilweise unter Master. Der Unfall ist nicht als leicht zu bezeichnen, doch ist di« Lage noch ungefährlich. Zwei tüchtige Seeleute. Admiral Cagni und Kommandant Cascace, leiten die Bergungsarbeiten, die einige Tage dauern werden. >
*• Studentenunruhen in Spanien. Madrid, 22. Nov. Heute nachmittag kam es hier zu Zusammenstößen zwischen Studenten und der Polizei. Als die Ausschreitungen eine ernstere Form annahmen, ging die Polizei mit blanker Waffe vor und zerstreute die Ruhestörer. — Die Studenten von Valencia zogen vor den Palast des Gouverneurs, um di« Freilassung ihrer in Barcelona verhafteten Kameraden zu verlangen. Einige bewarfen die Straßenbahn mit Steinen. Die Studentenschaft beschloß, aus Solidarität mit ihren Komilitonen in Barcelona, den Vorlesungen fernzubleiben. |
*» Ende des französischen Brrgarbeiterausftandes. Lens, 23. Nov, Der Bergarbeiterverband beschloß heute einstimmig, morgen die Arbeit wieder aufzunehmen.
— De, griechisch-türkisch« Friedensvertrag. Athen, 22. Nov. Dr« Kammer 'nahm in erster Lesung den Entwurf des griechisch-türkischen Friedensvertrages an.
“ Das neue Montenegro. Cetinje, 23. Nov. Das „Amtsblatt veröffentlicht einen Aufruf des Königs betteffend die Einverleibung der neuen Gebiete, der u. a. besagt: „Unser Neuerwerb gestattet uns, auf eine glänzende Zukunft zu vertrauen. Es wird die Sorg« meiner Regierung fein, den Untertanen in den neuen Gebieten di« Sicherheit der Person und des Eigentums zu verbürgen und ihnen die Wohltaten einer guten Justiz, eines modernen Unterrichts, sowie der Religions- und Gewistensfreiheit zu sichern. Der traditionelle Grundsatz meines Hauses, jeden als Bruder zu behandeln, des Glauben er immer sei, wird streng geachtet werden."
** Das französische Mittelmeergeschwader in Konstantinopel. Konstantinopel, 23. Nov. Der Kommandant des Mittelmeergeschwaders, Admiral Lapayrere, ist an Bord des Kreuzers „Iurien de la Graviere" hier eingetroffen und von Vertretern des Sultans, der Pforte, Mitgliedern der französischen Botschaft und der Kolonie mit großen Ehren empfangen worden. Die Offiziere sind Gäste der Regierung. Morgen abend wird der Admiral vom Sultan empfangen.
•• Die Reformen in Kleinasien. Konstantinopel, 23. Nov. Eestert fand ein Ministerrat statt, welcher sich mit den in Kleinasien vorzu- nehmenden Reformen sowie mit der Frage der Anleihe und derjenigen der Bestellung von Kriegsschiffen beschäftigte. Für die Reformen in Kleinasien liegen rustische und deuffche Vorschläge vor. Rußland und Deutschland hatten der Pforte angeraten, fremde General-Inspektoren zu engagieren. Die Pforte glaubte jedoch, diese Vorschläge ablehnen zu müsten. Darauf hätten diese beiden Länder die Pforte gebeten, doch Unterinspettoren den ottomanischen Inspektoren beizugeben, die die Kontrolle auüben sollten. Aber auch diesen Vorschlag hat die Pforte zurück« gewiesen. Der Ministerrat hat nochmals einstimmig beschlosten, bte Reformen in Armenien nur von ottomanischen Beamten durchführen zu lasten. — Die Unternehmer der geplanten Eisenbahnlinien in Syrien und Armenien, deren Konzestionen der französischen Regierung zugesichert worden sind, haben sich verpflichten müsten, das gesamte Material für Sen Bau und Betrieb dieser Linie bei der französischen Industrie zu bestellen. Hierdurch wird den Unternehmern eine etwa lOprozentige Mehrbelastung auserlegt werden.
— Ungeklärte Lage in Mexiko. Mexiko, 22. Nov. Die Eröffnung des Kongrestes durch General Huerta entfachte eine Begeisterung, wie fl« seit den Tagen nicht vorgekommen ist,, als Diaz aus der Sähe ferner Macht stand. Beim Betreten des Hauses wurde der Präsident mit eurer außerordentlichen Kundgebung empfangen, und die Abgeordneten begrüßten ihn als den Erhalter der nationalen Integrität. Der Präsident des Kongrestes erklärte, nachdem die Namen aufgerufen worden waren, das §>aus sei nicht beschlußfähig, trotzdem es deutlich war daß genügend Mitglieder anwesend waren. Da von niemand Einspruch erhoben wurde, wurde der Kongreß auf heute vertagt. Einig« erblicken in der Vertagung die Absicht, dem Kongreß ein Ende zu machen, da nach dem Gesetz drei aufeinander folgende Vertagungen, die wegen Veschlußunfähigkeit des Hauses injolge Fehlens von Mitgliedern erfolgt, automatisch die Auflösung der Kammer herbeiführt. — 500 ^cann Bundestruppen sind gestern nach Orizaba abgegangen. Wie erria r wird, beherrschen di« Aufltändischen die Gegend von Tuxpam, wo fich Petroleumwerke befinden. Sie hindern zwar die Pettoleumgewinnun, nicht, erheben aber Kontributtonen.
Deutsches Reich.
— Di« Reichsregierung und die österreichische Balkanpolitik. Berlin, 23. Nov. Die „Nordd. Wgem. Ztg." schreibt in ihrer Wochenrundschau:
„Das Expose, in dem vor den Delegationen in Wien Graf Berchtold |i« Gründe und Ziele der auswärttgen Polittk Oestereich-Ungarns
Koloniales.
Die Länge der neuen Ambolandbahn in Deutsch-Südwestafrika ist auf 265 Kilometer angenommen; sie soll im ersten Abschnitt bis zur Aimabpforte in 6 bis 7 Monaten betriebsfertig sein. Insgesamt sind die Kosten aus 9 Millionen Mark veran-
Rückkehr der verbannten Hottentotten. Rach Schluß des südwestafrikanischen Aufstandes wurden 150 Hottentotten nach Kamerun in di« Verbannung geschickt. Auf Wunsch einiger Herren des Reichstages sind ■te jetzt in ihre alte Heimat zurückgeführt worden und kürzlich in Swakopmund eingetroffen. Sie wurden bald nach dem Innern weiter geführt unter Begleitung eines Schutztruppenkommandos und sollen an zwei Plätzen der Schutztruppe künftighin untergebracht werden. Die , Swakopmunder Zeitung" bemerkt hierzu richtig: „Wir stehen dieser Rückkehr der Hottentotten etwas skeptisch gegenüber und hätten «s lieber gesehen, die Rückkehr dieser Leute hierher wäre unterblieben. Wenn es auch nur wenige Leute sind, so kann die Wirkung dieser Rückkehr auf unsere Eingeborenen hier keineswegs einen Vorteil für unser Land V.-
- König Alfons in Wien. Wien, 22, Nov. Der König Spanien ist heute nachmittag hier eingetroffen und am Bahnhofe feinen Verwandten und Mitgliedern der spanischen Botschaft empfangen
Die bevorstehende ReichstagstaMig.
Die Mitglieder des Reichstags sind auf der Reife nach der Reichshauptstadt. Ihrer wartet ein reichliches Arbeitspensum. Aus der vorigen Tagung ist noch ein umfangreiches Material geblieben: dazu kommen zahlreiche neue Gesetzentwürfe sowie Fragen aller Art, die parlamentarische Behandlung erheischen. Die Herbsttagung wird zwar kurz sein; nach 14 Tagen, die im wesentlichen von der ersten Etatslesung, Anfragen über aktuelle Fragen und den ersten Lesungen einiger Gesetzesvorlagen ausgefüllt werden, werden die Weihnachtsferien der Arbeit ein vorläufiges Ziel setzen. Vom Januar ab steht aber Zeit genug zur Verfügung, um vorwärts zu kommen.
Der wichtigste Teil der vorweihnachtlichen Tagung wird der Allgemeinaussprache über den Haushalt gehören. Seine Aufstellung ist diesmal keine leichte Sache. Wie erinnerlich, gilt es bis 1916 noch ein ziemliches Defizit der Wehrvorlage zu decken; dazu kommt, daß die Reichseinnahmen im laufenden Jahr unter der rückläufigen Wirtschaftskonjunktur leiden. Wie schon in den letzten Jahren, so dürfte auch wieder sehr eingehend die auswärtige Politik erörtert werden. Die deutsch-englischen Verhandlungen über Kleinasien und Zentralafrika werden Gelegenheit geben, sich über Wege und Ziele der deutschen Politik zu vergewisiern. Die hauptsächlich in der ausländischen Presse wiederkehrenden Nachrichten von dem gedeihlichen Fortschreiten der Verhandlungen und von den großen Vorteilen, die für das Deutsche Reich herausspringen sollen, sind geeignet, uns mißtrauisch zu machen. Man darf deshalb vom Reichstag erwarten, daß er der auswärtigen Politik gerade jetzt, da auf lange Zeit hinaus wirkende Entscheidungen sich vorbereiten, besondere Aufmerksamkeit zuwendet. ,. _ , _
Von den Fragen der inneren Politik, die zum Haushalt erörtert werden, dürfte die braunschweigische Frage vornehmliches Jntereste beanspruchen. Die Haltung der Welsenpreste macht dem Kanzler seine an sich schon schwierige Aufgabe sicherlich nicht leichter, im Gegenteil stärkt sie die Stellung derjenigen, deren im Interesse des inneren Friedens der Provinz Hannover und des preußischen Staates erhobene Warnungen geflistentlich überhört worden sind.
Die S o z i a l p o l i t i k wird in der kommenden Tagung eine erhebliche Rolle spielen. Zwar handelt es sich nicht um große, in das Wirtschaftsleben tief einschneidende Fragen — die Besprechung des durch eine sozialdemokratische Interpellation aufgerollten Problems der reichsgesetzlichen Arbeitslosenversicherung wird kaum ein positives Ergebnis zeitigen —, vfxlmehr um eine Reihe von Einzelfragen, die durch einige Vorlagen gegeben find. Hierher gehört vor allem die vorgeschlagene Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, um die bereits ein lebhafter Meinungskampf entbrannt ist, sodann die noch aus der vorigen Tagung gebliebene Konkurrenzklauselvorlage, die nicht minder umstritten ist. In beiden Fragen wird der Reichstag einen Mittelweg zu gehen gezwungen sein, da es einerseits gilt, die Jnteresien von Prinzipalen und Angestellten nach Billigkeit abzuwägen, andererseits die Regierung auch hat verlauten lasten, daß sie über ein gewißes Maß von Zugeständnisten unter keinen Umständen hinausgeht, so daß das Festhalten an extremen Forderungen die Vorlagen zum Scheitern bringen würde, was angesichts des zweifelhaften Fortschrittes, den die Vorlagen im Jntereste der Angestellten bringen, sehr zu dauern wäre. Eine überaus schwierige Frage, um die es lange Erörterungen geben wird, wird die Frage eines verstärkten Schutzes der Arbeitswilligen sein.
Dringendes Bedürfnis ist es, daß endlich auch über zahlreiche Fragen der Eewerbepolitik entschieden wird. Seit Jahren stehen hier die gleichen Forderungen auf der Tagesordnung, ohne daß man bis jetzt zu einem Ziel gekommen wäre. Dahin gehören vor allem die Fragen der Aufhebung des § 100 q der Gewerbeordnung der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk und der Heranziehung der Industrie zu den Kosten der Lehrlingsausbildung. Weitere, die Gewerbeordnung berührende Fragen, die in Betracht kommen' betreffen die Einschränkung des Gewerbebetriebs im Umherziehen sowie die Beschränkung der Wanderlager, die Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild u. a.
Von sonstigen bedeutsameren Vorlagen sind zu erwähnen die noch aus der letzten Tagung stammenden Gesetzentwürfe über das Leuchtölmonopol, das Verfahren gegen Jugendliche, das Poft- fcbeckwesen, das Erbrecht des Staates, den Verrat militärischer Ge- heimniste, das Verbot der Kindersaugflaschen, ferner die neu vorgelegten Gesetzentwürfe über die Errichtung eines Kolonialgerichtshofes, die Neuregelung der Gebühren für Zeugen und Sachverständige, die wettere Bestellung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht. Zahlreiche Vorlagen finden sich noch in Vorbereitung, so über die Besteuerung der Buchmacher, über den Verkehr mit Waffen u. a.
Man sieht: eine reiche Fülle von Arbeit wartet des Reichstags. Hoffen wir, daß unter dem vielen Reden, das uns nicht erspart werden wird, das H a n d e l n nicht zu kur; kommt.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
während der letzten großen Krisis im Orient darlegte, wurde hier als eine willkommen« Klärung begrüßt. Das Programm, das Berchtold für Oesterreich-Ungarn beim Beginn der Verwicklungen im Südosten aufstellte, war und ist bestimmt umfchtteben in dem Grundgedanken' kein« Gebietserwerbungen am Balkan, aber Sicherung des Gleichgewichts an der Adria. Trotz vielfacher Widerstände uiw Hemmungen wurde dieses Programm verwirklicht. Es bleibt das Verdienst Berchtolds, daß er die wichtigsten Zukunftsinteresien Oesterreich-Ungarns gewahrt hat, ohne Forderungen zu erheben, durch die Kompensationsan- sprüche von anderer Seite hervorgerufen, und die Balkanfragen in der gefährlichsten Gestalt eines Konfliktes innerhalb des Kreises der Großmächte aufgerollt werden konnten. Mit wachsamem und, wo nötig, entschiedenem Eintreten für die Sonderbedürfnisie der habsburgischen Monarchie mußte er Rücksicht auf den Frieden Europas und aus die nicht immer leichte Bewahrung des Einvernehmens mit den Großmächten verbinden. Das beharrliche Durchhalten der österreichisch-ungarischen Politik in den programmatischen Punkten kam auch der inneren Stärkung des Dreibund es und seinem Gewicht in der Behandlung der Orientfragen zugute, ohne daß die Beziehungen der Dreibund- ncächte zu den Mitgliedern des Dreiverbandes beeinträchtigt wurden. Es liegen vielmehr Anzeichen vor, daß durch die gemeinsame diplomatische Arbeit während der Orientkrisis der Gegensatz zwischen den großen Mächtegruppen Europas sich wesentlich verringert hat."
— Aerzte und Krankenkasien. Berlin, 22. Roo. Für den Fall, daß ein friedlicher Ausgleich zwischen Aerzten und Krankenkasien vor dem 1. Jaeuar 1914 nicht erreicht werden sollte, kommt nach halbamtlichen Mitteilungen der § 370 der Reichsversicherungsordnung zur Anwendung:
„Wird bei einer Krankenkasie die ärztlich« Versorgung dadurch ernstlich gefährdet, daß die Kaste keinen Vertrag zu angemestenen Bedingungen mit einer ausreichenden Zahl von Aerzten schließen kann, oder daß die Aerzte den Vertrag nicht einhalten, so ermächtigt das Oberver- ficherungsamt (Beschlußkammer) die Kaste auf ihren Antrag widerruflich, statt der Krankenpflege oder sonst erforderlichen ärztlichen Behandlung eine bare Leistung bis zu zwei Dritteln des Durchschnittsbetrags ihres gesetzlichen Krankengeldes zu gewähren."
Wie verlautet, haben sich unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern Vertreter der Bundesregierungen darüber beraten, wie diese Vorschrift im Notfall auszuführen ist.
—Städtetag und Weltausstellung. Berlin, 22. Nov. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat sich zur Weltausstellung in San Franzisko in seiner heutigen Sitzung grundsätzlich bereit erklärt, seinerseits eine einheitliche deutsche Städteavteilung zu organisieren. Diese kommt deshalb in Frage, weil es sich nicht um die Interessen einzelner Städte, sondern um deutsch-: Volks- und Kulturinteresten handelt. Ein Versuch zur Organisation dieser Abteilung kann aber nach dem Beschlüsse des Vorstandes nur dann unternommen werden, wenn von Reichs wegen so viel Mittel zur Verfügung gestellt werden, daß nicht bloß die würdige Vertretung des deutschen Wirtschaftslebens, sondern auch des deutschen Kul- turlebens sichergestellt wird und wenn auch die deutschen Städte daraus einen Zuschuß erhalten, der die gemeinsamen Unkosten der deutschen Städteabteilung deckt.
— Di« Gesellschaft für soziale Reform über den Arbeits- Willigenschutz. Düsieldorf, 22. Nov. Ueber die Frage des Schutzes der Arbeitswilligen faßte die Gesellschaft für soziale Reform auf ihrer 6. Hauptversammlung folgende Entschließung: „Wir erwarten von der Reichsregierung und von den gesetzgeberischen Körperschaften, daß sie allen Versuchen einer neuen verschärften Gesetzgebung auf diesem Gebiete entschieden entgegentreten. Die Gesellschaft für soziale Reform verwirft selbstverständlich nach wie vor jede Anwendung von Gewalt bei Arbeitskämpfen, aber sie betont mit allem Nachdruck, daß die bestehenden Gesetze völlig ausreichen, um Vergehen dieser Art wirksam zu sühnen."
— (Segen den „Simplizissimus". Berlin, 22. Nov. Der „Sim- plizissimns", der ja im allgemeinen keine Witze, sondern nur noch Gemeinheiten enthält, hat sich neuerdings eine Unerhörtheit geleistet, gegen die der Oberlehrerbund folgende berechtigte Verwahrung einlegt: „In der Nummer vom 10. 11. 13 bringt der „Simplizissimus" eine Zeichnung von Th. Th. Heine: eine Gruppe deutscher Lehrer, mit den bekannten abstoßenden, wüsten Eesichtszügen und der trottelhaften Haltung, mit der jener Mann deutsche Berufsgruppen darzustellen pflegt. Wir halten es für ausgeschlosien, daß sich der deutsche Lehrerstand jeder Art solche unerhörte Beleidigung stillschweigend gefallen läßt. Es ist wohl zu erwarten, daß er einmütig und in Gemeinschaft mit anderen, ähnlichen Schmutzereien ausgesetzten Ständen endlich die richtige Antwort erteilt. Geistliche beider Bekenntnisse, Offiziere, Rechtsgelehrte, ferner z. B. die Farbenstudenten, kurz alle Deutschgesinnten gehören in diesem Kampfe gegen undeutsche Art und „Kunst" an die Seite der deutschen Lehrerschaft."
— Das Abschiedsgesuch des Dbyrften v. Reuter nicht genehmigt. Straßburg, 23. Nov. Wie aus bester Quelle verlautet, ist das vom Obersten von Reuter vom Infanterieregiment Nr. 99 eingereichte Abschiedsgesuch von dem Kaiser nicht genehmigt worden.
— Vom Erfinder des halbstarren Luftschiffes. Berlin, 22. Nov. Der Erfinder des halbstarren Luftschiffes, des „M"-(Mili- tär-)Typs, Oberstleutnant Groß, bisher Kommandeur des Lust- schiffer-Bat. Nr. 2 und der Luftschiffwerft in Tegel bei Berlin, ist zum Inspekteur der 2. Inspektion der Telegraphentruppen in Karlsruhe ernannt worden.
— Hebelgriffe ausständiger Arbeiter. Berlin, 22. Nov. Gestern kam es in Neukölln zwischen Arbeitswilligen und Ausständigen einer Taschenlampenfabrik zu einem Zusammenstoß. Die Arbeitswilligen wurden mit Pfuirufen und Drohungen empfangen. Bei dem sich entspinnenden Handgemenge wurde ein Arbeitswilliger am Hinterkopf verletzt und mußte von der Polizei befreit werden. Einige der Ausschreitenden wurden festgenommen und die Menge von der Polizei zerstreut.