mit dem Kreisblatt für
die Kreise Marbmg und Kirchham
Marbnrg
J|o 274 di« Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 ^t * ** frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck ber Uttto.»
1913
Buchdruckeret I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
ErSrs Blatt
Die
einen gilt
Griechenland ist nicht mehr ausreichend- Wir beabsichtigen neuen Handelsvertrag abzuschlietzen. Für Bulgarien das Gleiche."
rveisaufnahme in den Ktupp-Prozesien lächerlichen Vorwurf, daß sich Staat ynb Justiz in Abhängigkeit von den Mächten des Großkapitals befänden und sich zur Rechtsbeugung in deren Jnteresie verpflichtet fühlten. Negierung und bürgerliche Parteien werden zweifellos im Reichstag diesen anmaßenden Beleidigungen die gebührende Zurückweisung angedeihen lassen.
In der europäischen Politik beanspruchen neuerdings Vorgänge im Mittelmer« unser Jnteresie, die mit der noch ungelösten Frage der Aegäischen Inseln in Zusamenhang stehen. Die Insel- frage liegt bekanntlich in den Händen der Großmächte. Bis diese eine Entscheidung getroffen haben, bleiben die Inseln laut Friedensvertrag von Ouchy von Italien besetzt und verwaltet. Mit dieser Regelung hat sich sowohl die Pforte wie die griechische Regierung einverstanden erklärt. Die französische Presie versucht nun, die Türkei zum Vertragsbruch zu verleiten, indem sie zur Forderung der Räumung der Inseln ermutigt wird, die dann doch unweigerlich Griechenland in die Hände fallen würden. Damit könnte sich natürlich Italien nicht einverstanden erklären, da Griechenland dann einen beträchtlichen Machtzuwachs erlangte, der letzten Endes dem Dreiverbände zugute käme, zu dem dieses Land nun einmal hinneigt. Der Dreiverband merkt sehr wohl, daß der Augenbick günstig ist und nützt ihn nach Kräften aus. Die französische Fotte unternimmt gegenwärtig eine Kreuzfahrt in der Levante, um die Trikolore zu zeigen, „wo die Republik so viele treue Freunde besitzt". Ende November wird dann im Hafen von Piräus eine Seemacht von 16 französischen und 26 englischen Schiffen versammelt sein, um, wie der „Matin" ankündigt, eine große Kundgebung im Zeichen der englisch-französischen Entente zu veranstalten. Zu diesem Zweck hat sich das 2. Geschwader der englischen Heimatflotte eigens nach dem Mittelmeer begeben. Wenn man dazu die seltsame Begebenheit in Betracht zieht, daß das französische Geschwader der vor Rhodos liegenden italienischen Seemacht ängstlich aus dem Wege gegangen ist, so werden deutlich die Gegensätze offenbar, die im Mittelmeer zwischen Italien und Frankreich bestehen und die die Vorteile, die für Italien in einem starken Festhalten am Dreibunde liegen, wieder einmal klar zu Tage treten lasien.
Unerledigt ist noch immer der Streit zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Mexiko. Huerta weigert sich noch immer, sich den Forderungen Wilsons anzubequemcn, während andererseits Präsident Wilson noch immer zögert, „die letzten Schritte" zu tun, die zu einem offenen Kriege zwischen der Union und Mexiko führen müßten. Inzwischen nimmt der Bürgerkrieg in Mexiko einen blutigen Fortgang, und für die Fremden im Lande wird die Lage immer bedrohlicher. Neuerdings hofft man in Washington, daß es mit Huertas Macht sehr bald vorbei sein wird und seine Abdankung so gut wie sicher ist, sodaß ein bewaffnetes Einschreiten sich erübrigt.
„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht in einer Sonderausgabe einen Ueberblick über die Entwürfe des Reichshaushalts und des Haushalts der Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1914. Der ordentliche Reichshaushaltsetat für 1914 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 3 403 011671 M ab, das ist gegen die Summe des Vorjahres einschließl. Nachtragsetat ein Weniger von 174 387 044 Mark. Aus Anlaß der Wehrvorlage von 1913 sind in den Etat eingestellt an fortlaufenden Ausgaben 152 782119 M, an einmaligen Ausgaben 268 820 871 J(, zusammen 421 602 990 <K. Auf den Wehrbeitrag sollen von den Ausgaben 393 820 871 übernommen werden. Die Mehrerträgnisie aus den bestehenden Zöllen, Steuern und Gebühren sowie den Ausgleichungsbeträgen dafür sind auf 12 582 037 M angenommen.
— Annahme der Erhöhung der Zioilliste in der bayerischen Kammer. München, 21. Nov. Die Abgeordnetenkammer begann heute die Beratung des Etats des Königlichen Hauses und des Hofes und in Verbindung damit den Antrag der Regierung, die Zivilliste auf 5 400 000 Mark zu erhöhen. Der Gesamtbetrag der Ausgaben hierfür beträgt mit den Apanagen 6 865 734 Mark Abg. Müller-Hof brachte, unterstützt von 24 Liberalen, Demokraten und Bauernbündlern einen Kompromißantrag ein, statt 5 400 000 Mark nur 4 800 000 Mark für die Zivilliste einzusetzen. Finanzminister v. Breunig legte nochmals, wie im Finanzausschuß, die Gründe dar, welche die Erhöhung der Zivilliste notwendig machten und ersuchte das Haus um Annahme der Regierungsvorlage. Nachdem in namentlicher Abstimmung der Zusatzantrag Müller-Hof mit 122 gegen 39 Stimmen abgelehnt worden war, wurde der Regierungsantrag mit 110 gegen 50 Stimmen angenommen. Für den Gesetzentwurf stimmten das Zentrum geschloffen, der Bauernbund und ein Teil der Liberalen, dagegen die Sozialdemokraten, der andere Teil der Liberalen und der Abgeordnete Eondorfer.
— Masienaustritt aus der Landeskirche. Berlin, 21. Nov. Dlättermeldungen zufolge sind in den zwölf Volksversammlungen die das „Komitee konfessionslos" am Donnerstag einberufen hatte, 4209 Kirchenaustrittserklärungen abgegeben worden. Sieben Versammlungen wurden wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt. In Reinickendorf, Oberschöneweide, Charlottenburg wurden die Versammlungen von uniformierten Polizeibeamten überwacht. Der „Post" zufolge soll es in der in Schöneberg abgehaltenen Versammlung zu ganz unerhörten, rohen Szenen gekommen sein, wo anwesende Pfarrer mit den niedrigsten Schimpfworten belegt wurden. Die „Post" gibt in einem längeren Artikel. unglaubliche Einzelheiten wieder und erklärt, daß man sich in ein» „Versammlung von Verbrechern" versetzt glaubte.
— Zabern. Straßburg, 21. Nov. Zu der Meldung einige» Blätter, daß Leutnant v. Forstner in Zabern wegen des Gebrauchs des Wortes „Wackes" von dem kommandierenden General mit Stubenarrest bestraft und zu einer anderen Kompagnie versetzt, sowie daß der mitschuldige Unteroffizier zu Arrest verurteilt worden sei, ist auf Anfrage seitens des Generalkommandos eine Bestätigung nicht zu erhalten. — Der Direktor der bonapartistischen Zeitung „Autoritä", de Eaffagnac, hat dem Leutnant v. Forstner in Zabern eine Duellforderung übersandt.
— Der Schandfleck der Kultur. Karlsruhe, 21. Nov. Wie die „Badische Preffe" aus Waibstadt im Amt Bischofsheim meldet, hat der Studierende Tropf, der, wie gemeldet, zur Fremdenlegion entführt wurde, aus Paris an eine Familie in Waibstadt eine Karte geschrieben, daß er ohne jede Barmittel auf dem Wege nach Afrika sei. Ob dieses Ziel sein freier Entschluß ist oder ob er von Werbern entführt wurde, ist aus der Karte nicht zu entnehmen.
— Ein Rückgang der Berliner Sozialdemokratie. Berlin, 21. Nov. Einen interesianten Einblick in das innere Leben der Sozialdemokratie gewährten einzelne der Generalversammlungen der sozialdemokratischen Berliner Wahlvereine. Mit Ausnahme de» ersten Berliner Wahlkreises, wo die Mitgliederzahl gegenüber dem Vorjahr gleichgeblieben ist, klagen die Berichte sämtlicher W^v kreis« über eine Abnahme der Mitgliederzahl, die W
Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „
Wochenschau.
Der Woche gibt der Abschluß des Kirchenjahres mit dem Bußtag und dem Totenfest das Gepräge. Zwar empfinden viele in unserer von einseitig wirtschaftlichen Jntereffen allzustark beherrschten Zeit solche Tage nur als Störung. Aber allen ernster veranlagten Menschen werden die Tage auch abgesehen von ihrer religiösen Bedeutung für das Innenleben des einzelnen doch zu einer Sammlung, die um so nötiger erscheint, je wenigex das Hasten und Treiben unserer Tage sonst dazu Zeit läßt. Nationaldenkende Männer legen sich doch von Jahr zu Jahr schärfer die Frage vor, ob für unser deutsches Volk der Ruf des Bußtages nach innerer Umkehr und Einkehr nicht wachsende Bedeutung hat. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Schwächen und Fehler unserer Zeit zu katalogisieren, aber das muß doch gesagt werden, daß unser öffentliches Leben an Zuständen krankt, die nicht ganz unbedenklich sind. Die Herrschaft der Sensation, des Schlagwortes, die einseitige Beurteilung nach äußeren Erfolgen haben im Gefolge des wirtschaftlichen Aufschwungs eine Außenkultur erzeugt, die gefährlich zu werden droht. Die inneren Kräfte des Volkslebens, Religion, Sitte und Charakter, Wahrhaftigkeit, Liebe und Achtung erscheinen fast überflüssig. Unserm Volk ist die Ehrfurcht abhanden gekommen, die Ehrfurcht vor dem Göttlichen, die Ehrfurcht vor dem Wahren und Edlen, die Ehrfurcht vor unseren Mitmenschen, die Ehrfurcht vor den Erundkräften der eignen Seele. Die Novembertage fordern geradezu heraus zur Selbstbesinnung, und besonders in diesem Jahre der Erinnerungen an 1813. Was sichert einem Volk die Zukunft? Von 1813 können wir es lernen. Nicht das Geld, nicht das Behagen in glücklichen Umständen, nicht ein geistiges Leben, das mit dem Verstand alles zu ergründen sucht und an den Grundkräften der Seele vorübergeht. Wohl ist tüchtige Arbeit im äußeren Beruf die Grundbedingung für das Leben des Einzelnen wie der Nation. Aber sie ist nicht alles. Ja, die Ueber- fchätzung dieser Dinge kann, wie 1813 gezeigt hat, gefährlich werden. „Wenn Heere nicht mehr helfen, so helfen Charaktere", hat Königin Luise in schwerer Zeit ausgerufen, und darin liegt der Schwerpunkt deffen, auf das man sich heute besinnen muß. Der wahre Charakter unseres Volkes, seine Innerlichkeit, seine Wahrhaftigkeit und seine Treue muß wieder von den sie umstrickenden Schlinggewächsen der Ueber- und Unkultur freigelegt werden.
Zu einem großen Schlage gegen, die Kirche glaubt man jetzt ausholen zu können. Die Bewegung zum Austritt aus bet Landeskirche scheint bedeutenderen Umfang annehmen zu wollen. Den Staat meint man und die Kirche schlägt man, das ist der Sinn der Bewegung, die von sozialdemokratischen Führern ins Leben gerufen ist. Die Frage nach Trennung von Kirche und Staat wird in diesem Zusammenhänge lebhaft erörtert, deren Lösung denn doch größere Schwierigkeiten zeigt, altz gemeiniglich angenommen wird, da unsere Verhältniffe doch wesentlich anders liegen als die amerikanischen. Bekanntlich haben sich für die Trennung im kirchlichen Jnteresie auch Männer der äußersten Rechten im kirchlichen Leben ausgegeben. Der eigentliche Zweck dieser Bewegung ist aber kurzweg gegen die Religion als solche gerichtet. Das Christentum hat schon andere Kämpfe bestanden, sein Ewigkeitswert wird auch durch diese nicht berührt. Bezeichnend ist, wie neuerdings die Sozialdemokratie immer offener diese antikirchlichen Bestrebungen zu fördern sucht und sie als wichtigen Punkt in ihr Programm aufnimmt.
Die Sozialdemokratie schickt sich an, 'nachdem der geplante große Streich gegen die Firma Krupp und die Heeresverwaltung sich als ein Lufthieb erwiesen hat, einen neuen Fall zu kon- . ftruieren, der ihr das gewünschte und zur Sicherung ihrer Eefolg- schast notwendige Agitationsmaterial gegen die Regierung und bürgerlichen Parteien gewähren soll. Die parlamentarische Kommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen ist zusammengetreten, ohne daß die sozialdemokratische Partei darin vertreten ist; denn nachdem die Reichsregierung den vorgeschlagenen Abg. Liebknecht zurückgewiesen hat, hat die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags erklärt, sich überhaupt nicht an der Kommission beteiligen zu wollen. Der Kanzler ist sowohl formell wie sachlich im Recht. Er hat zwar seinerzeit zugesagt, bei Berufung d-r Kommissionsmitglieder die Wünsche der Parteien zu berücksichtigen. Wer einigermaßen Deutsch versteht, kann daraus doch unmöglich herauslesen wollen, daß sich der Reichskanzler damit verpflichtet hätte, die von den Parteien vorgeschlagenen Mitglieder nun un er allen Umständen zu berufen. Und daß es Herrn Dr. Liebknecht nicht um samliche Aufklärung, sondern lediglich um die Fortsetzung seines „Par ama"-Rummels zu xun ist, liegt auf der Hand. Daß fern et die Reichsregierung die Wahl des genannten Abgeordneten in dir Rüstungskommisston ablehnen mußte, weil von ihm keine sachliche Arbeit, sondern nur Mißbrauch zu Verhetzungszwecken zu erwarten war, stand von vornherein lo fest, daß der Vorschlag der Delegierung Dr. Liebknechts nur gemacht fein kann, um ihn ablehnen zu lasien und so die Möglichkeit zu baten, die Arbeiten der Rüstungskommission und ihre Ergebnisse als nicht beachtenswert zu bezeichnen und daran aufs neue Verhetzungsbestrebungen anzuknüpfen. Man hatte dann die erwünschte Gelegenheit zu der bereits angekündigten Interpellation, bei der, nach der Besprechung der Sache im „Vorwärts" zu urteilen, zweifellos große Töne in bezug auf angebliche Brüskierung des Reichstages durch die Reichsregierung angeschlagen werden sollen. Inzwischen nützt der „Vorwärts" die Gelegenheit zur Hetze gegen den verhaßten Staat weidlich aus und erhebt den angesichts der mit äußerster Gründlichkeit und Schonungslosigkeit geführten Untersuchung und Be-
Oesterreichs BolkaNpolilik.
Wien, 21. Nov. Bei der Besprechuirg der Rede des Grafen Berch- told im Ausschuß für Auswärtiges der Ungarischen Delegation erkannte der Berichterstatter Nagy die fast übermenschliche Hingabe und Tätigkeit des Ministers des Aeußern für die Erhaltung des Friedens an und erklärte, der Ausschuß nehme die Erneuerung des 'Dreibundes mit großer Freude zur Kenntnis, was jedoch kein Hindernis sei, auch mit den Regierungen der zweiten europäischen Staatengruppe in einem guten Verhältnis zu stehen. Die beträchtliche Verminderung der Spannung zwischen den beiden Staatengruppen sei mit Freuden zu begrüßen. Graf Karolyi (oppositionell) erklärte, daß eine starke auswärtige Politik nur dann befolgt werden könne, wenn Oesterreich-Ungarn eine konsolidierte innere Politik betreibe. Konsolidierte Zustände könnten aber durch die Parlamentswache nicht gefördert werden. — Prinz zu Windischgrätz, Miglied des Magnatenhauses (oppositionell) unterzog die Politik des Ministers des Aeußern einer abfälligen Kritik. Die guten Beziehungen mit Italien seien zurzeit nicht so sehr für Oesterreich-Ungarn als für die italienische Politik unentbehrlich wegen der Förderung ihrer albanischen Bestrebungen auf Koken Oesterreich-Ungarns. Die Völker beider Staaten hätten die Behauptungen jener gründlich Lügen gestraft, die womöglich in jeder Ration oer beiden Staaten irredentistische und zentrifugale Bestrebungen sähen.
Graf Verchtold erklärte auf die Reden mehrerer Abgeordneten hin, er könne den Standpunkt, daß ein vollständiges Desinteressement bei dem Balkankrieg bester gewesen sei, nicht teilen, da so große Jnteresten auf dem Spiele gestanden hätten, für die Oesterreich-Ungarn unter allen Umständen habe eintreten müsten. was es auch getan habe. Gegenüber dem mehrfach ausgesprochenen Bedauern, daß Oesterreich-Ungarn nicht sofort bei Kriegsbeginn
den Sandschak besetzt habe, bemerkte Eraf Verchtold, daß er hierin die vom ehemaligen Minister des Aeußern Grafen Andrasty befolgte Politik fortgesetzt habe, der schon seinerzeit auf die Schwierigkeiten und die Kostspieligkeit einer militärischen Besetzung hingewiesen und betont habe, daß eine vollständige Einverleibung des Sandschaks den Glauben an den Plan eines Vormarsches nach Saloniki erwecken könnte. Im gegenwärtigen Falle wären dieselben Gründe ausschlaogebend gewesen. Nach der Eliminierung des auf den Sandschak bezüglichen Pasustes aus dem Berliner Vertrag habe Oesterreich-Ungarn ein rechtlicher Grund zur Besetzung gefehlt, und es wäre wohl schwer gewesen, sich über eine Reihe Bedenken gegen den Willen der dortigen Nachbarn, gegen den Willen ganz Europas und wohl auch gegen seine eigenen Jnteresten hinwegzusetzen. Man habe diesmal nicht mehr daran gedacht, den Sandschak zu besetzen, da dies diplomatisch eine Verlegenheit, militärisch ein Hemnis, ökonomisch ein Schaden gewesen wäre. Was die Frage der
Revision des Bukarester Friedensvertrages betreffe, so sei bas UeberprLsungsrecht von allen Mächten in der Lon- binei Botschafter Vereinigung angemeldet worden. Oesterreich-Ungarn habe Bedenken gegen bas Ergebnis des Krieges gehabt, da dir Verteilung des eroberten Gebiets nicht eine derartige gewesen fei, daß sie einen dauernden Frieden unbedingt hätte garantieren können. „Das war der Grund", fuhr Eraf Verchtold fort, „warum wir, ich möchte sage»
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Deutsches Äeich- — Der Reichshauhaltsetat für 1914. Berlin, 22. Nov.
im Einvernehmen mit anderen Mächten, das Ueberprüsungsrecht anmeldeten. Nachdem die anderen Mächte einzeln im letzten Moment davon abgingen, verzichteten wir ebenso wie Rußland auf die Durchführung der Revision, da wir die Sache ja nur im Einvernehmen mit bett anberen Mächten unb auf friedlichem Wege zu betreiben not hatten." Was die Befürchtungen betreffe, daß
Albanien
in bei gegenwärtigen Gestalt sich kaum am Leben erhalten werde, |« erklärte der Minister, er bedauere es am meisten, daß Albanien nicht jene Grenzen bekommen habe, wie Oesteneich-Ungarn es gewünscht hätte, doch gebe er die Hoffnung nicht auf, daß dort sich doch noch ein gesunder Staat entwickeln werde. Besonders in der letzten Zeit seien erfteulich« Schritte nach vorwärts gemacht worden. Die Lösung der Landes» grenzenfrage stehe unmittelbar bevor, was für Albanien gegenwärtig, die Hauptfachs sei. Die Gründe, die Oesterreich veranlaßten, für Albanien einzutreten, hätten vor allem auf dem Wunsche beruht, da» Gleichgewicht an der Adria herzustellen. „Was
Griechenland
betrifft", fuhr bet Redner fort, „so haben wir tatsächlich keine Interessengegensätze mit ihm. Es war wohl eine vorübergehend« Ungleichheit bezüglich des Anspruches auf die südliche, Abgrenzung von Albanien vorhanden, es besteht jedoch die Hoffnung, daß diese Frage bald zunp Abschluß gelangen wirb. Sobald dieses geschehen ist, sehe ich lein' Hindernis mehr dafür, daß unsere Beziehungen zu Griechenland durchaus fteundschastlich werden. Die derzeitige Handelskonvention mit'
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile ober ,q cy/tfowÄ ■ deren Raum 15 <8, bei amtlichen unb auswärtigen Anzeigen 20 4, für lö, xSUytyi, Reklamen die Zeile 60 L. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. '
Sonnabend, 22 November | 3ebei Kab 6 Postscheckamtes Fran ?urt a. M.