mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
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Jlo 273 die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 Jt ”* frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Unfo.«
1913
Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr'. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Erstes Blatt
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entsprechend größer ist jetzt auch der Mißerfolg. Nach sechsjährigem Bestehen mußte, wie aus Paris gemeldet wird, die in Choify le Roi gelegene Fabrik trotz der ihr vor sechs Monaten von der Regierung gewährten bedeutenden Unterstützung infolge finanzieller Schwierigkeiten ihre V e t r i e b e i n st e l l e n. ;
— Die Sozialdemokratie als Geldgeberin. Hildesheim, 20. Nov. Wie der ,Lann. Courier" mitteilt, hat die Stadt Hildesheim mit der Verbände der Bergarbeiter Deutschlands in Bochum eine Anleihe von 600 000 M. auf ein Jahr gegen 4,75 v. H. Zinsen und 0,1 v. H. Provision abgeschlosien. — Aehnliches haben wir kürzlich aus dem Dorfe Eröba bei Riesa in Sachsen gemeldet, wo die Gewerkschaften Geld zu Hafenbauten vorgestreckt haben. ;
Die »Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck.
Marburg
• Freitag, 21. November
die anderen Urteile einer „bestimmten" Presie — gemeint ist die I französische — dienten lediglich Reklamezwecken zu Gunsten einer I anderen Fabrik. Noch schärfer werden die Ausführungen des tür- . kischen Generals, wenn er sich mit offenem Visier unter Namennennung gegen die französische Presie wendet, die den Mut hat, die deutsche Ausbildung zu bemäkeln. Er legt den größten Wert darauf, festzustellen, daß das „Deutsche System", soweit es überhaupt bei den verworrenen Zuständen in Wirksamkeit treten konnte, diegrößtenErfolge aufzuweisen hatte. Zwar seien deutsche Instrukteure seit 30 Jahren in der Türkei tätig. Aber . unter Abdul Hamid durfte niemand etwas lernen. Die Möglichkeit einer erfolgreichen Tätigkeit bestand für die deutschen Offiziere überhaupt erst seit 4 Jahren. Aber auch in dieser Zeit sind sie durch Wirren aller Art und durch Kriege, wie den tripolitanischen, in ihrer Wirksamkeit behindert worden. Es blieb also eigentlich nur das letzte Jahr übrig. Aber die Truppen, die in diesem Jahr von deutschen Offizieren ausgebildet wurden, haben Wunder an Tapferkeit verrichtet. All« Einsichtigen seien sich darüber klar, daß die Notwendigkeit für die Türkei bestehe, beim „Deutschen System" zu bleiben. Tatsächlich hat ja bereits die türkische Regierung eine umfangreiche neue Verwendung deutscher Offiziere als Instrukteure im türkischen Heer in Aussicht genommen. Die Türkei denkt auch nicht daran, von den bewährten Kruppschen Geschützen abzugehen.
Rüstungsverstärkung in Oesterreich-Ungarn.
Gestern erstattete Kriegsminister Krobatin im Heeresausschuß der Ungarischen Delegation einen Bericht, in dem er auf die um« fastenden militärischen Vorkehrungen hinwies, zu denen bedeutende politische und militärische Ereignisie an den Grenzen die Monarchie gezwungen hätten, und betonte, daß, wie immer in kritischen Zeiten, auch diesmal alle Teile der bewaffneten Macht den an sie gestellten Forderungen, die vielfach schwerer als ein ernster Waffengang gewesen seien, mit voller Hingebung entsprochen und neuerdings bewiesen hätten, daß das einheitliche Gefüge der Wehrmacht und deren Geist unverändert das alte sei. Der Kriegsminister fuhr fort:
„Schon während der Krise begannen die europäischen Großmächte, angesichts der veränderten militärischen Lage weitreichende Maßnahmen zur Verstärkung ihrer Streitmittel zu treffen. Eine ähnliche Vorsorge war auch bei den Balkanstaaten im Zuge. Für die Monarchie ergibt sich daraus weiterhin das vom Selbsterhaltungstrieb diktierte Gebot, in der militärischen Ausgestaltung auch so weit zu gehen, daß unsere militärische Situation gegenüber den Nachbarn zum mindesten sich nicht ver» schlechtere und auch unser Bündniswert nicht leide. Die durch diese Umstände gebotenen Vorsorgen finden ihren finanziellen Ausdruck in dem vorliegenden Budget. Diese Maßnahmen sind um so dringender, als die in allerletzter Stunde ad hoc getroffenen organisatorischen Verfügungen mit unverhältnismäßig hohen Kosten und einer empfindlichen volkswirtschaftlichen Schädigung durch die mit Recht als zu hart befundene Einberufung der Reservisten verbunden waren. Die Einberufungen waren größtenteils eine Folge der geringen Friedensbestände, besonders in den Grenzgebieten. Die Einberufung der älteren Wehrpflichtigen ist eine Konsequenz des gegenwärtigen unzulänglichen Rekru- tenkontingents. Durch die neuen Maßnahmen sollen die Truppen in den Grenzgebieten in höherem Grad« in Bereitschaft erhalten werden, um in kritischen Situationen ihre Aufgaben zur Rot mit den Friedensbeständen durchführen zu können, damit man nicht bei jeder politischen Spannung gezwungen ist, sofort auf besondere, die Bevölkerung und di« Finanzen schwer belastende Maßnahmen zurückzugreifen."
Der Minister bat, die erforderlichen Kredite zu bewilligen.
Wenn der Berliner Gewerbetreibende, Beamte oder Angestellte, der in den Vororten sein Heim aufgeschlagen hat, am Montag morgen mit seiner Bahn seinem Geschäft oder Büro entgegen, eilt, wird er mehr noch als an anderen Tagen von den Zeitungsverkäufern belästigt, denn zu den sonstigen Berliner Blättern gesellt sich die spezifische Montags-Journalistik, die in Berlin schlimme Blüten treibt. Es gibt eine ganze Reihe von Blättern, die nur am Montag erscheinen und ihre Leser durch eine besonders stark gewürzte Lektüre fesseln zu müsien glauben. In dem Bestreben, sensationell zu wirken, aufzufallen und von Mund zu Mund getragen zu werden, stellen sie häufig die Wahrheit auf den Kopf, unbekümmert um den Schaden, den sie anrichten. Erst kürzlich sind die verantwortlichen Leiter zweier solcher Blätter zu empfindlicher Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil sie aus der Sucht heraus, etwas ganz besonderes Neues und Pikantes zu bringen, den guten Ruf zweier ihrer Nebenmenschen freventlich und mit unerhörter Gewissenlosigkeit angegriffen hatten. Die Schuld, die sie auf sich geladen haben, ist — allerdings nur bis zu einem gewissen Grade — durch die Verhandlung in breitester Oeffentlichkeit und die empfindliche Bestrafung gesühnt worden. Das ist gut so. Wenn die Journalisten dieser Art von vornherein wissen, daß sie Gefahr laufen, ins Gefängnis zu wandern, wenn sie die Ehre anderer leichtfertig anzugreifen wagen, wird das hemmend auf ihre frivole Feder einwirken.
Die „Deutsche Tageszeitung" ist der Meinung, daß es sich die Preste im allgemeinen mehr als bisher zur Regel machen soll, rein persönliche Angelegenheiten überhaupt nicht vor das Forum der Oeffentlichkeit zu zerren. Gerade auf diesem Gebiete würden die Grenzen so leicht flüssig, daß es schließlich zu Entgleisungen kommen mäste, wenn nicht ein festes Gesetz der guten Sitte schärfer als bisher die ernste Preste von den reinen Sensationsblättern trenne. Darin kann man dem genannten Blatte nur zustimmen.
Dr. Solf über westafrikanische Fragen.
Auf Einladung des Staatssekretärs des Kolonialamts fanden sich die Vorstände des Vereins westafrikanischer Kaufleute und des Verbandes der Kamerun- und Togopflanzungen zu einer Besprechung im Reichskolonialamt ein. Zum Eingang der Sitzung führte der Staatssekretär aus, daß mehrere Aeußerungen, die er bei Besprechungen mit den Jnterestenverbänden in Kamerun gelegentlich seiner letzten Reise getan habe, eine sinnentstellende Wiedergabe gefunden hätten. Er stellte diese Aeußerungen richtig und wies die Angriffe zurück, die anläßlich dieser mißverstandenen Aeußerungen gegen ihn gerichtet wurden. Die Vorstände der beiden Vereinigungen gaben übereinstimmend die Erklärung ab, daß ihre Mitglieder den Angriffen vollständig fernstünden, daß sie sie nur lebhaft bedauern könnten und aufs schärfste mißbilligten. In der Frage der Beseitigung des Kautschukausfuhrzolls erklärte sich der Staatssekretär mit der Einführung des Zolles, desten Höhe sich nach dem Marktpreis des Kautschuks abstufe und ganz megfallen solle, wenn der Marktpreis unter einer gewisten Höhe bleibt, einverstanden. In der Frage der Selbstverwaltung führten die Jnterestenten aus, daß nach ihrer Ansicht die rein tropischen Schutzgebiete, Kamerun und Togo, für die Einräumung weitergehender Befugnste an den Eouvernementsrat noch nicht reif seien, es sei aber unumgänglich nötig, daß in allen wichtigen Fragen die heimischen Firmeninhaber und Vorstände als die eigentlichen Vertreter des in kolonialen Unternehmungen investierten Kapitals vorher gutachtlich gehört würden. Der Staatssekretär betonte demgegenüber, daß er Wert darauf legen müste, den Schwerpunkt der Verwaltung im Schutzgebiet zu belasten, und daß daher die Verhandlungen mit den Interessenten in erster Linie in der Hand der Gouverneure liegen müßten. Auch könne et nicht zugeben, daß die Interessenten im Schutzgebiet aus» geschaltet und durch die heimischen Interessenten ersetzt würden. Er wolle jedoch gern zusagen, daß der Gouverneur grundsätzlich bei wichtigen Verwaltungsmaßnahmen und Verordnungen außer den Interessenvertretungen im Schutzgebiet (Handelskammern, Pflan- zeroereinigung, Eouvernementsrat) auch die heimischen Firmeninhaber und Vorstände vorher gutachtlich höre. Am Schlüsse wurde die Frage der Arbeiterbeschaffung gestreift. In dieser Frage soSten demnächst Besprechungen mit dem auf einem Hei- matsurlaub befindlichen Gouverneur von Kamerun stattfinden.
Ein türkischer General gegen Izzet Fuad Pascha.
General Mehemed Ali Nussat Pascha vom türkischen Großen Generalstab, ein hervorragender Fachmann auf artilleristischem Gebiete, hat in der türikschen Militärzeitschrift „Nationalver- ieidigung" mit den Gegnern des „Deutschen Systems", insbesondere mit dem General Izzet Fuad Pascha, in scharfen Worten abgerechnet. Er erklärt, daß die deutschen Kruppschen Kanonen im Kriege ihre gewaltige Ueberlegenheit bewiesen hätten. Aber bei Beginn der Schlacht am 1. Okt. 1912 hätten die drei Divisionen des 1. Armeekorps pro Geschütz nur 50 Granaten besessen, während die Pflichtzahl — abgesehen von der Munitionsreserve — 512 Granaten ist. Natürlich war das Armeekorps bald Mßerstand«, von seinem hervorragenden Artilleriematerial Gebrauch zu machen, und man wird jetzt begreifen, wieso es den Bul- syaren so schnell gelang, die türkischen Kanonen „zum Schweigen |u bringen". Es war nur die schlechte türkische Verwaltung, die dies vermochte. Der General erklärt weiter, daß Ml Kruppkansnen ihre volle Schuldigkeit getan hätten, und
Deutsches Reich-
— Zum Streit der Aerzte und Krankenkassen. Berlin, 20. Nov. Vor einigen Tagen haben in Berlin drei Vertreter der Krankenkassen-Vorstände die Regierung ersucht, in den Konflikt einzugreifen. Die Regierung hat das abgelehnt. Dagegen sollen, wie die „Fr. Z." hört, demnächst auf Veranlassung der Regierung die Oberpräsidenten zusammentreten, um über die Sache zu beraten.
— Immer noch der Zaberner Fall. Straßburg, 20. Nov. Die reichsländische Presse hat die aus einer Unvorsichtigkeit eines jungen Leutnants sich ergebenden Vorfälle nun glücklicherweise so aufgebauscht, daß sie den Regierungskreisen als einzigen Ausweg den Rücktritt des Statthalters oder des verhaßten Generals v. Deimling empfehlen zu müssen glaubt. Die Blätter, insbesondere der „Elsässer", sind empört über die (noch nicht bestätigte) Verteilung der elsässischen Reftuten des Zaberner Regiments auf die Garnisonen Straßburg, Neubreisach und Colmar, während Oberst v. Reuter und Leutnant v. Forstner in Zabern verbleiben. Als wenn eine andere Maßnahme überhaupt möglich wäre! Das ist keine „Kapitulation der Zivilbehörden vor den Militärbehörden"; denn die Zivilbehörden haben mit diesem Fall nichts zu tun. Umgekehrt wäre es eine mit deutschem Empfinden unvereinbare Kapitulation der Militärbehörde vor der elsässischen Bevölkerung, wenn der Oberst und der Leutnant versetzt oder gar verabschiedet, würden. Der „Elsässer" veröffentlicht weiter eine Erklärung, die ihm von Rekruten aus Zabern zugegangen ist und in der diese behaupten, die zuerst in der Presse verbreitete Lesart der Aeußerung des Leutnants v. Forstner sei trotz der amtlichen Ableugnung richtig. Also Rekruten gegen Regiments- und Generalkommando. Das weitere wird sich wohl finden.
— Wieder ein mißglückter sozialpolitsicher Versuch. Berlin, 20. Nov. Hier sowohl wie in Jena ist bekanntlich der Versuch großer Firmen, die Arbeiter an dem Unternehmen zu beteiligen, sei es durch Gewinnbeteiligung ober Einräumung eines gewissen Mitbestimmungsrechtes, gescheitert. In Frankreich ist man nun gleich noch einen Schritt weiter gegangen und hat eine Glasfabrik gegründet, bei der die Arbeiter zugleich di« Unternehmer find. Dem-
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urhebergesetzes nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 21. Nov.
* Der Landesausschuß des Regierungsbezirks Cassel tritt am nächsten Montag den 24. November, vormittags 10 Uhr, im Ständehaus in Cassel zu einet mehrtägigen Sitzung zusammen.
* Kaisermanöver 1914. In bet vergangenen Woche lief burch bie Tagesblätter eine Notiz bahingehenb, baß 1914 Kaisetmanöver zwischen bem 7. unb 8. Armeekorps stattfinbet, bie Kaisetpataben in Münster unb Köln abgehalten werben. Aus bieser Nachricht würbe geschlossen, baß nur die genannten Armeekorps für bi« K-ftserinanöver in Betracht kämen, Dies ist unrichtig. Die Kaise«,
Rundschau.
Berliner Montags-Journalistik.
Der Anzeigenpreis beträgt für bie 7gespaltene Zeil« oder Q < deren Raum 15 «3, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für lö, x) (11)10« Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
und den Beüagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
Ausland.
*• Die Gebrüder Mannesmann Gründer einer deutsch-spanischen Gesellschaft? Madrid, 19. Nov. Die Zeitung „Liberal" teilt mit, dost die Gebrüder Mannesmann bet spanischen Regierung den Vorschlag unterbreitet haben, mit deutschem Ünd spanischem Kapital eine Gesellschaft zur Erforschung und Pazifizierung der spanischen Marokkozon« zu gründen.
♦* Bürgermeister gegen Präsekt und Ministerpräsident. Paris, 20. Nov. Wie aus Lille gemeldet wird, hat der sozialistische Abge-' ordnete und Bürgermeister von Lens Basly dem Präfekten erklärt, daß er es ablehne, für die Unterstützung der nach dem Streikgebiet entt sandten Truppen zu sorgen. Da diese Weigerung keine Beachtung fand, erhob Basly in einer Depesche an den Ministerpräsidenten Einspruch gegen die Entsendung der Truppen, die eine überflüssige Herausforderung bilde, da die Ausständigen die größte Ruhe beobachteten.
** Frankreichs Jubel über die 3jährige Dienstzeit. Paris, 20. Nov^ Bei dem Festmahl des republikanischen Komitees für Handel und Jn^ - dustrie hielt Ministerpräsident Barthou ein Rede, in der er die geplant« Anleihe rechtfettigte. Der Ministerpräsident stellte fest, daß das Land mit Jubel die Wiedereinführung des dreijährigen Militärdienste« 'aufgenommen habe, di« geschehen sei, nicht um jemanden herauszuk fordern, sondern als Antwort auf die Rüstungen anderer und aus Sorg« um die Landesverteidigung. Es gäbe kein Land, welchem der Frieds notwendiger sei und in dem er einmütiger gewünscht werde, als di« ftanzösische Republik. „Niemals haben wir", sagte der Ministerpräsft dent, „die Verwirrung und Zwietracht gefördert: das haben wir be^ den jüngsten Krisen bewiesen. Alle unsere Bestrebungen wurden von dem Wunsch, dem Willen und der Pflicht geleitet, den Weltfrieden auft recht zu erhalten." — Die Auffassung, daß Frankreich die Einführung der 3jährigen Dienstzeit „mit Jubel" aufgenommen habe, ist angesichts der zahlreichen Meutereien und Sabotagefälle doch reichlich optimistisch,
** Di« deutschen und französischen Weine. Paris, 20. Nov. Den deutsch-französische Zollkongreß beschloß, die deutsche Zollverwaltung möge alle Weine derselben Gegend als gleichartig betrachten unq die gleichartigen Weine nur einer Untersuchung unterwerfen. Di« Weine, die in Frankreich mit 2 Francs per Flasche verkauft werden, sollen in Deutschland als hochwertige angesehen werden und als solch« keiner Untersuchung unterliegen. Die französischen Behörden sollen unverzüglich auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden, welche dii französische Weinausfuhr nach Deutschland bedroht infolge des von den vier weinbauenden Staaten Süddeutschlands am 2. Juli 1913 dein; Bundesrat gestellten Antrages, ausländische Weine zu verzollen, eint Maßnahnie, die besonders die französischen Weine benachteiligt.
*• Weitere Erklärungen Kokowzows. Petersburg, 20. Nov. Def russische Ministerpräsident Kokowzow empfing am Mittwoch die Bett liner Vertreter der russischen Presse und gab ein Bild der Erklärungen, die er in Rom, Paris und Berlin gemacht hat und ver wichtigsten aktuellen Fragen. Besonders ausführlich ging der Ministerpräsident auf die aktuellen Balkansragen und die armenische Frage ein, deren Ent> scheidungen sein« optimistischen Anschauungen bestätigten, die auf bet Ueberzeugung gegrünbet seien, baß wegen bieser Fragen ein europäischer Krieg nicht entstehen werde unb nicht entstehen könne. Kokowzow erklärte weiter, wesentlich für Rußland fei btf Frage der armenischen Reform. Die Geduld der Armenier sej auf eine hatte Probe gestellt. Mit besonderer Genugtuung stellte et bas Einvernehmen bet europäischen Mächte, im einzelnen Rußlands und Deutschlands, in den vorliegenden Fragen fest. Jedoch biete die endgültige Entscheidung freilich nicht wenig Schwierigkeiten unb werb« «int nicht wenig komplizierte Arbeit der europäischen Kabinette Hervorrufen. Die aegäische Frage sei äußerst wichtig und müsse der Entscheidung der Großmächte unterliegen. In der weiteren Unterhaltung sagte Minister^ Präsident Kokowzow, seine Dienstreise hätte ausschließlich finanziellen Charatter gehabt. Es handle sich um die Beschaffung von Mitteln füt die Durchführung des Programms des privaten Eisenbahnbaus in Rußland, der so unendlich nötig sei für di« weitere ökonomische Entwicklung des Landes.
“ Unsichere Lage in Mexiko. Mexiko, 20. Nov. Huerta wird in der Botschaft, die er dem Kongreß zu gehen haßt, die diktatorisch« Auflösung des alten Kongresses zu rechtfertigen suchen. Die Botschaft geht nicht auf die internationalen Beziehungen ein. — Die Mitglieder bet fremben Kolonien in der Hauptstadt treffen Vorbereitungen zur Verteidigung für den Fall von Unruhen. Der englische Gesandte Carden riet den britischen Staatsangehörigen, für Verteidigungszwecke ein« Organisation zu schaffen. Es ist möglich, daß «ine allgemein« Ver- teibigungsorganifation geschaffen wirb, welche die deutschen, britischen und österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen umfassen mürb«